Hallo da bin ich wieder!! ^^ *angesprungen kommt* Hier ist ein neuer Teil meiner FF *ins Mikro brüllt* *merkt, dass es gar nicht an ist* Na ja...*wirft mikro beiseite* Ich wollte etwas loswerden und zwar wegen eines Kommentars (mir fehlt einfach die verdammte Zeit darauf einzugehen es waren sooooooooo viele!!!! *knuddel* Das ist so lieb von euch ich freue mich total, dass ihr meine FF so mögt!!! *alle ganz doll knuddel* Ihr tut meinem Herzchen richtig gut ^^)

Und zwar: Die Frage, warum Sémersion Legolas nicht beisteht und ihn aufmuntert, sondern ihn runter macht ist so zu beantworten, dass er den Prinzen schon lange kennt und Legolas in meiner FF eine Charaktereigenschaft hat, die gefühlsüberspielend ist. Eigentlich macht er sich nur auf den Weg, weil Sémersions Sticheleien ihn dazu anstacheln und auch nur diese Sticheleien ihm klarmachen, dass er sowohl auch Adamantiel sich total daneben verhalten. *gg* Zumindest so ansatzweise...^^'''

Ach und noch was ^^ Keine Angst es wird NICHT kitschig!!! Und auch keine Eifersuchtsszenen. Dazu sind die Charaktere viel zu weit von Eifersucht usw. weg. Ich habe eigentlich eine abenteuerliche Geschichte in meinem Geiste schweben, die auch etwas Romantik haben wird, aber garantiert NICHT!!! Kitschig. (hoffe ich zumindest, dass mir das gelingt. Ich geb mir die größte Mühe, um immer wieder den Bogen zu schlagen ^^)

So jetzt Schluss damit. Jetzt kommen wir zum eigentlichen Grund des Updates ^^

~*~Laurie lantar lassi súrinen~*~

[Wie Gold fallen die Blätter im Wind]

***

Der Beginn einer langen Freundschaft

***

Schnellen Schrittes, aber doch so, dass die junge Elbin nicht erwachte, setzte Narwainion einen Fuß vor den anderen. Dieses junge Mädchen war mehr als unvorsichtig gewesen! Er kannte diesen Wald. Viel besser als jeder andere Elb oder jede andere Elbin in der Stadt des Elbenkönigs. Und eins hatte er im Laufe der Jahre gelernt: Diesen Wald durfte ein junges Mädchen nicht allein betreten. Was hatte sie überhaupt so einsam an einen Baumstamm gekauert zu suchen gehabt? Vor nicht allzu langer Zeit war doch noch die hübsche Hellina bei ihr gewesen.

Nachdenklich sah er auf den schlafenden Blondschopf hinab. Die Gesichtszüge der Elbin waren nicht ebenmäßig aber schön. Sie hatte ein schmales Gesicht und eine markante Nase. Lange schwarze Wimpern zierten die Lider, die momentan ihre grünen Augen bedeckten. Sie machte einen friedlichen Eindruck.

Narwainion sprang auf einen niedrig gewachsenen Ast und von diesem zu einem nächsten, bis er eine Stelle in den Bäumen erreicht hatte an der er mühelos zwischen den Blätterdächern wandeln konnte, wie andere auf einem ebenen Waldboden. Adamantiel und Hellina hatten seinen Trick rasch und mühelos durchschaut gehabt. Er musste demnächst vorsichtiger sein!

*Folge mir, Minrion!* Ein gehorsames Grunzen war aus dem Dickicht des Waldes unter ihm zu hören und er wusste, dass ihm sein treuer Freund folgen würde.

Seine ledernen Schuhe verursachten keinerlei Geräusche. Der wachsame Elb umging brüchige und zu dünne Äste und schlich somit lautlos wie eine Katze durch die Baumkronen bis er schließlich wieder auf den Waldboden sprang.

Die Blätter fingen seinen Sprung auf und er landete weich. Das Gestrüpp hatte sich soweit in andere Teile des Waldes zurückgezogen.

Abermals betrachtete er die schlafende Frau in seinen Armen, die gewiss noch nicht einmal einhundert Jahre hat vergehen sehen und ging nachdenklich weiter.

Irgendetwas an ihr war nicht in Ordnung oder machte ihn zumindest nervös. Er wusste nicht was es war, aber er war sich sicher, dass er die Antwort wohl früher oder später finden würde.

*Bring Heilwurzeln, Minrion*, bat er, als er wieder ein leichtes Rascheln zwischen den Blättern hörte. Sein ständiger Gefährte hatte ihn wieder einmal mühelos finden können.

Es dauerte nicht lange, da stieß Minrion mit grunzendem Rüssel gegen Narwainions Rücken. Dieser hatte sich behutsam auf dem Blätterteppich niedergelassen und die junge Elbin notdürftig verarztet. Die Wunden in ihren Oberarmen sahen übel aus, waren aber keineswegs lebensbedrohlich.

*Danke.* Er kraulte dem riesigen Eber, der ihn treu von der Seite ansah, kurz das Ohr und nahm ihm die frisch ausgegrabenen Wurzeln ab. Nur die Eber waren in der Lage sie aufzuspüren. Und diese Wurzeln linderten die Schmerzen und stoppten die Blutung der Wunde. Schnell zerkaute Narwainion ein paar von den holzigen Kringeln und presste dann den Brei auf die aufgerissenen Schultern. Ein Stöhnen entfuhr Adamantiel und sie verzog schmerzverzerrt das Gesicht. Doch sie wachte nicht auf.

Stattdessen murmelte sie hin und wieder ein paar unverständliche Worte und zu guter letzt kämpfte sich eine kleine silberne Träne den Weg unter ihren Wimpern frei. Der Elb deutete es als Schmerz, der von den Wunden ausging. Und während er auf dem Boden saß und die junge Elbin notdürftig versorgte, beobachtete er Minrion der nicht weit entfernt im Waldboden wühlte.

Ein Lächeln huschte über seine Lippen als er wieder einmal darüber nachdachte, welches Glück er doch hatte, so ein gutes Tier zum Freund zu haben.

Die riesigen Hauer wiesen noch getrocknetes Blut vom Kampf mit dem Werwolf auf, doch das würde bald verschwinden, wenn das gute Schwein weiterhin seinen Rüssel in die Erde wühlte.

Ein leises Stöhnen riss ihn aus seinen Gedanken und er wandte sich abermals der jungen Elbin zu. Ihre Augenlider zuckten verdächtig und im nächsten Moment, öffnete sie die Augen. Verwirrt huschten diese hin und her, bis sich auch der Kopf mitbewegte.

„Du bist zu leichtsinnig, kleine Elbin", begrüßte Narwainion das Mädchen. Sie sah ihn kurz an, runzelte dann verstehend die Stirn.

„Sagt mir nicht, wie ich mich zu verhalten habe", knurrte sie zurück und wollte sich aufrichten, doch ein brennender Schmerz ließ die Elbin zusammenfahren.

„Das ist der Preis, den du für deine Unaufmerksamkeit zahlen musstest", fuhr der Elb unbeirrt fort und stand geräuschlos auf.

„Was war das?" Adamantiel wollte nicht schon wieder streiten. Ihr war die Lust danach vorerst vergangen. Man konnte sogar sagen, das große wolfsähnliche Tier hatte ihr die Streitsucht ausgetrieben.

„Ein Werwolf. Es gibt viele von ihnen im Düsterwald. Viele, sehr gefährliche Wesen. Auch Vampire und andere Schattenbewohner. Du solltest nie allein reisen." Das hatte sie auch bemerkt! Sogar zu zweit war es gefährlich und selbst Legolas hatte Mühe gehabt, sich vor den nächtlichen Angreifern zu schützen. Aber seine Kampfkünste waren wohl nicht so gut.

Wieder ertappte sie sich dabei, wie sie Legolas, seine Person und seine Fähigkeiten herunterspielte. Er war sehr stolz, kampferprobt und sicher ein netter Elb, wenn er sich nur nicht so arrogant geben würde!

„Kannst du laufen?" Sie nickte stumm, stand dann schwankend auf und sah Narwainion abwartend an.

„Deine Wunden sind nicht lebensgefährlich und werden schnell verheilen. Von hier ist es nicht mehr weit zum Palast."

„Ich will nicht zurück", murrte sie leise, verkniff sich aber jegliches weitere Kommentar, als sie den Blick des Mannes auf sich ruhen spürte.

„Du wirst dem Prinz ab sofort Folge leisten und ihm gehorchen", befahl er ihr in einem bestimmenden Ton, der der jungen Zwergin ganz und gar missfiel.

„Ganz gewiss! Genau wie eurer Anordnung", giftete sie sarkastisch. Legolas hatte sie zwar einmal kurz in Gefühlsunterdrückung oder besser: Gefühlsüberspielung unterrichtet, hatte es aber schnell aufgegeben, da seine junge Schülerin nur Grimassen schnitt. Er wusste ja nicht, dass sie in der Nacht mit der jungen Dienerin heimlich vor einem Spiegel probte. Doch gelingen wollte es ihr noch immer nicht. Elbische Manieren waren nichts für aufgezogene Zwerge!

Narwainion erwiderte nichts darauf, wandte sich rasch ab und sprang auf einen Baum. Der Eber machte sich Richtung Westen auf den Weg.

„Hey! Wo willst du hin!?" Adamantiel setzte sich ärgerlich in Bewegung. Jetzt wollte der sie allein stehen lassen. Mitten im Wald, bei den gefährlichen Tieren! Kurzerhand beschloss sie, dem Schwein zu folgen. Vielleicht hatte sie Glück und traf somit wieder auf diesen blonden Schönling, in dessen Nähe sie sich sehr wohl und geborgen fühlte.

So eilte sie einige hundert Meter hinter dem Tier her, das hier und da an einer Wurzel schnüffelte und ihr so eine Atempause genehmigte. Die Wunden waren zwar nach Aussage Narwainions nicht lebensgefährlich, aber auch nicht unbedingt leichtfertig zu betrachten. Das Atmen war schon eine Sache für sich. Irgendetwas lastete schwer auf ihrer Lunge.

Letztendlich verlier sie das grunzende Tier trotzdem aus den Augen, da sie einmal nicht darauf geachtet hatte, hinter welchen Bäumen es verschwand.

„Verflucht", murrte sie und lehnte sich erschöpft gegen einen Baumstamm. Ihr Ausflug auf eigene Faust hatte ja ein wirklich heldenhaftes Ende gefunden. Sie konnte nur hoffen, dass sie wieder unbemerkt ins Schloss kam!

Dieses Fünkchen Hoffnung wurde ihr aber schon beim nächsten Atemzug genommen, der schwer durch ihre Lungen rasselte, denn eine Hand legte sich auf ihre Schulter und sie wurde herumgedreht. Ihr Herz klopfte vor Schreck und sie sah den ‚Angreifer' mit weit aufgerissenen Augen an.

„Luferion", brachte sie ungläubig hervor. Der Berater des Prinzen trug einen Bogen und einen Köcher Pfeile mit sich. Sein Blick war ernst und doch glaubte die junge Elbin Mitleid, ein wenig Ärger und Erleichterung darin lesen zu können.

***

Adamantiel POV

Ich war erleichtert und zugleich schockiert, dass ich mich Luferion gegenübersah. Zum einen bedeutete es, dass ich nicht wieder ziellos durch den Wald streifen musste, zum anderen jedoch gab es Aufschluss darauf, dass Legolas längst wusste, dass ich getürmt war. Seufzend ließ ich mich von oben bis unten mustern.

„Bei Eru! Du bist verletzt", stieß er als erstes hervor. Ja in der Tat. Ich war verletzt. Und müde. Merkwürdig, sonst konnte ich Tage lang wach bleiben, aber mein Körper war erschöpft.

„Was ist dir zugestoßen?" Seine Stimme strotzte nur so vor Besorgnis und Panik. Ich ließ mich von seinem sanften Händedruck in eine bestimmte Richtung führen, bis wir die Mauern des Palastes direkt vor Augen hatten.

„Lange Geschichte", murmelte ich matt. Langsam zog sich ein Schleier um meine Gedanken und vernebelte meine Umgebung. Ich hörte, wie Luferion jemanden etwas zurief, aber den Sinn der Worte konnte ich nicht erschließen.

„Der gesamte Palast ist in heller Aufregung. Der Prinz ist immer noch nicht zurück von seiner Suche nach dir. Was hast du dir dabei gedacht?" Ich erlangte wieder Klarheit über meine Gedanken und nahm meine Umgebung auch wieder voll und ganz wahr. Was? Der Prinz? Legolas suchte nach mir? Unvorstellbar!

„Nichts", murmelte ich leise und trotzig. Was ging es denn Luferion an, was ich dachte und tat? Gut, in diesem Fall schon ein wenig, schließlich hatte ich die ganze Belegschaft des Schlosses in Atem gehalten.

Ich sah viele Gesichter, besorgte, ärgerliche, ausdruckslose und neugierige auf meinem Weg zu meinen Gemächern. Dort wurde ich schon von der aufgeregten Gelir empfangen und kurzerhand in ein Bad gesteckt, dass mir im Sitzen bis zur Hüfte reichte, um die Wunde nicht mit Schaumduft in Berührung kommen zu lassen. Luferion hatte sich lange zuvor verabschiedet um dem König Bericht zu erstatten.

„Was ist denn passiert? Deine Wunde sieht schrecklich aus. Das muss verbunden werden! Ich schicke dir nachher ein paar Mädchen, die dich verarzten", stellte Gelir fest, während sie versuchte meine Schultern mit einem weichen nassen Tuch zu reinigen und somit auch die Ränder der Wunden. Es tat nicht mehr weh. Irgendwie hatte Narwainion es bewerkstelligt, dass es weder brannte noch schmerzte. Aber ich erzählte ihr nichts von meinen Begegnungen mit ihm. Und ich würde es auch keinem anderen außer vielleicht Hellina.

„Ich war im Wald." Hoffentlich reichte ihr das aus.

„Verstehe." Sie wusch den Lappen wieder aus, vollführte ihre Tätigkeit noch einmal und kommandierte mich anschließend aus der Wanne. Abtrocknen wollte ich mich allein! Auch wenn es leichte Schmerzen verursachte, meinen Stolz würde ich in jeder Lebenslage wahren.

„Was suchst du denn auch alleine da." Jetzt kamen auch noch vorwurfsvolle Blicke!  

„Ich weiß nicht. Ich habe mich verlaufen." Es stimmte ja wirklich! Irgendwann hatte ich mich verlaufen und nicht mehr gewusst, wo ich mich befand. Und dann wurde ich auch schon von einem Werwolf überfallen.

„Der Prinz wird dein Benehmen nicht gutheißen", sagte sie voraus. Das war mir genauso klar wie ihr. Legolas würde toben! Mit meiner Flucht hatte ich meinen Ungehorsam ihm gegenüber allzu deutlich unterstrichen und ihm endlich gezeigt, wie sehr ich ihn missachtete.

„Ja. Aber deswegen habe ich es ja schließlich gemacht!" Gelir hielt in ihrer Bewegung inne, mir ein weites Nachthemd herauszusuchen. Die Sonne hatte schon längste den Horizont überschritten und so tauchte Dämmerung die Welt in ein trübes Licht.

„Was?" Sie sah mich irritiert an und ich grinste.

„Ich wollte ihn so richtig schön reizen", erwiderte ich gelassen, doch mein Grinsen steckte sie nicht an wie sonst immer. Sie gab mir lediglich mein Nachthemd, ging dann zur Tür und öffnete sie leise.

„Glaub mir, das hast du. Er war sehr besorgt." Sie schloss die Tür noch ehe ich protestieren konnte und verschwand in ihrem eigenen Gemach. Ich wusste, dass sie dorthin gehen würde. Nachdenklich griff ich nach dem sanften Stoff und streifte ihn über meine Nackte Haut. Jede Bewegung verursachte ein unangenehmes Zwicken in meinen Schultern. Aber ich wusste, dass es ohne Narwainion höllisch schmerzen würde.

Dennoch stand eines für mich fest: Ich war weder zu weit gegangen, noch hatte ich die Grenzen überschritten! Trotzig setzte ich mich aufs Bett und wartete auf die Verbände. Gelir hatte mir ein paar Mädchen schicken wollen. Ich würde die Verbände entgegennehmen und sie dann wieder hinaus schicken.

Der heutige Tag war einer der Schönsten in meinem bisherigen Leben gewesen. Abgesehen von seinem weniger schönen Ausgang. Aber das Gespräch mit Hellina, Nestalinna und Narwainion war belebend gewesen und hatte meinem vereinsamten Geist gut getan. Nach Monaten hatte endlich einmal wieder jemand vernünftig mit mir gesprochen. Gelir tat es auch, aber sie hatte ich immer um mich und wir unterhielten uns nur noch über wenige Belanglosigkeiten.

Ich hörte eilige Schritte auf dem Gang und ein Schauer ging durch meinen Körper. Ich ahnte, wer es war und drehte mich nicht um, als die Tür mühsam beherrscht aufgerissen wurde und jemand ins Zimmer trat. Ich starrte weiterhin wehmütig auf die, in der Dunkelheit versinkende Straße. Meine Sinne waren jedoch alle auf den Eingetreten fixiert.

„So." Diese vertraute und verachtete Stimme zitterte vor Zorn, Wut und heißer Tobsucht. Der sonst so beherrschte Prinz überschlug sich sogar in diesem einem Wort.

„Wie war der Ausflug", entgegnete ich fröhlich und drehte mich lächelnd nach Legolas um. Doch dieses gefror, sobald ich seinen Gesichtsausdruck sah. Es war mir, als würde kaltes, flüssiges Eis mein Inneres langsam hinabfließen und mich von Kopf bis Fuß erstarren lassen. Ich hatte erreicht, was ich hatte erreichen wollen: Er war außer sich vor Wut. Und wie!

„Ausflug!?" Er trat einen Schritt näher, doch ich blieb standhaft. Der Trotz stieg wieder in mir auf. Ich würde mich nicht von ihm zur Schnecke machen lassen.

„Was denkt Ihr Euch eigentlich dabei?" Ich konnte nicht antworten. Seine Stimme war so von Enttäuschung, Verachtung und tiefster Verletzung durchtränkt, dass mir schier übel wurde. Und das Schlimmste an der Sache war, dass er sich wieder in seiner Gewalt hatte und seine Stimme ruhig und klar im Raum hing.

„Was ich mir denke?" Diese Frage war weniger intelligent gewesen, aber sie war eher an mich, als an ihn gestellt.

„Ja. Ihr flieht aus MEINEM und meines VATERS Palast, streunt durch die Stadt, verbreitet Geschichten, dass ich Euch, weiß Eru wie schlecht, behandle, geht blindlings in den Wald und versetzt die ganze Dienerschaft in hohe Aufregung! Ihr gebt Gerüchten Nahrung, dass mein Vater und ich unwürdig und unfähig seien zu regieren, da wir nicht einmal mit einer kleinen, unwissenden, arroganten, selbstverliebten, zickigen und verzogenen Zwergenbrut zurechtkommen! Ihr bringt mich und andere Elben hier in Verruf und fragt allen Ernstes, wie mein AUSFLUG war!?" Die letzten Worte schrie er nur noch heraus. Aber ich glaubte zu wissen, dass er es überhaupt nicht mehr bemerkte. Erst als der Luftmangel ihn zwang, seine Standpauke zu unterbrechen, brachte er sich wieder einigermaßen in seine Gewalt.

Verbreitete ich Geschichten? Gut ich hatte ein paar Elben erzählt, dass Legolas kein guter Lehrer war und ich Monatelang nicht mehr unter anderen Leuten war, aber so schlimm war das doch nicht?

Aber seine Worte über meine Person schmerzten. Ich war eben nichts weiter als ein halber Zwerg, den man besser nicht beachtete und irgendwo einsperrte. Zwerge liebten doch den Stein und nach Legolas' Erachten vor allem die Einsamkeit! Wut kam in mir auf und ich vergaß meinen guten Vorsatz an diesem Abend nicht mit Legolas zu streiten.

„Was ich mir dabei denke", herrschte ich ihn an und trat einen Schritt auf ihn zu. Er schwieg, unterbrach mich nicht und schien tatsächlich hören zu wollen, was ich zu sagen hatte. Er würde es zu hören bekommen!

„Für Euch bin ich doch nichts weiter als ein lästiges, dummes Mädchen, dass zu allem Überfluss auch noch bei Zwergen aufwuchs. Bedauerlicherweise seid Ihr auch noch der Freund meines Ziehvaters und da der so dreist war, Euch zu meinem Paten zu machen, habt Ihr mich jetzt am Hals! Ein kleines, dummes, verzogenes und äußerst lästiges Ding, mit dem niemand etwas zu tun haben will!" Sein zustimmendes Nicken überging ich sofort. Es schmerzte auch so schon tief in meinem Inneren, als ich all das aussprach, was ich die ganze Zeit versucht hatte zu unterdrücken.

„Ist es Euch dabei schon einmal in den Sinn gekommen, dass ich beinahe einhundert Jahre die Erziehung bei Zwergen genossen habe und es mir so schwer fällt, mich an elbische Bräuche anzupassen!? Natürlich bin ich zu blöd, um das innerhalb dreier Monate zu schaffen! Ihr hattet Glück! Ihr habt es natürlich alles mit der Muttermilch eingesaugt und musstet gar nichts erlernen!" Meine Stimme war ruhig und schneidend kalt. Ich musste mir endlich alles von der Seele reden. Und sei es nur in einem Streit. Der Druck hätte mich beinahe von innen zerfressen, das wurde mir jetzt klar.

„Habt Ihr auch nur den kleinsten Gedanken daran verschwendet, dass ich die vermisse, die mich bis zum Zeitpunkt Eurer Patenschaft geliebt haben, und die nun weit fort sind!? Das ich hier niemanden habe, außer Euch? Und Ihr behandelt mich nur wie ein Stückchen Dreck, dass bis zum hundertsten Geburtstag erhalten bleiben muss, und dann schnell verheiratet werden soll! Das sind doch Eure Pläne, oder nicht!?" Ich legte eine Pause ein und atmete tief durch. Sein Gesicht gab nichts preis. Er hatte die Maske aus Stein wieder aufgenommen. Doch jetzt trat er einen Schritt auf mich zu und packte mich grob an den Schultern. Ich gab keinen Laut von mir und verzog auch nicht das Gesicht. Er wusste wohl noch nichts von meiner Verletzung und die Genugtuung, es zu wissen, wollte ich ihm nicht geben. Aber es schmerzte dermaßen, dass es mir Kopfschmerzen bereitete.

„Nur weiter! Was habt Ihr noch zu sagen. Welche Vorwürfe wollt Ihr mir noch machen", hauchte er kalt an meinem Ohr. Sein Griff wurde immer fester und der Kopfschmerz stieg konstant mit seinem Händedruck. Ich sah zu Boden. Die Schmerzen waren so groß! Selbst Narwainions Heilmittel war nicht gegen Druck auf Wunden geeignet und so ließ die betäubende Wirkung nach. Tränen stiegen mir in die Augen, doch ich wollte nicht weinen! Ich hatte ihm noch so einiges zu sagen.

*Ich fühle mich einsam und wenn Ihr mich hier so lange einsperrt, verliere ich noch gänzlich den Verstand. Ich kann nicht tagein, tagaus zwischen weißen Mauern leben. Kein Elb spricht mit mir. Alle betrachten mich ehrfürchtig und gehen mir aus dem Weg. Außer vielleicht Gelir und Luferion. Ich habe nicht viele Freunde und vegetiere allein vor mich hin.* Mein Ton wurde weinerlich und ich schämte mich. Warum erzählte ich das Legolas alles? Und dann benutzte ich auch noch seine Muttersprache! Das lösten wohl die Schmerzen aus. Sie brachten mich buchstäblich um den Verstand.

Allmählich lockerte Legolas seinen Griff. Wir standen noch immer Ohr an Ohr beieinander und starrten jeder in die genau entgegengesetzte Richtung. Schließlich ließen seine Hände meine Schultern los und er trat einige Schritte zurück, um mich dann anzusehen. Seine übliche Maske hielt er noch immer aufrecht, sodass ich nicht erkennen konnte, ob meine Worte überhaupt zu ihm durchgedrungen waren. Doch dann wich sie einem entsetzten Gesichtsausdruck und ich sah an mir hinab. Das Blut meiner Wunden war durch den feinen Stoff meines Nachthemdes gedrungen und klebte teilweise auch an Legolas' Handflächen.

„Was...!?" Er vollendete den Satz nicht, da es an der Tür klopfte.

*Ja bitte*, rief ich matt und senkte den Kopf. Jede Bewegung schmerzte nun mehr als tausend Nadelstiche. Die Tür öffnete sich und herein kamen zwei Elbinnen, die sich, als sie Legolas erblickten, ehrfürchtig vor ihm verbeugten. Mir fiel ein, dass ich das noch nie getan hatte. Ich hatte ihm nie den gebührenden Respekt zukommen lassen, den er eigentlich als Prinz verdiente. Sie trugen ein paar Verbände und schmerzlindernde Salben mit sich.

*Wir bringen die Verbände, die Ihr verlangt habt.* Ich nickte dankend und wandte den Blick nach Legolas um. Er stand nun schweigend am Fenster und sah hinaus.

*Legt sie bitte aufs Bett. Ich werde sie nachher anlegen*, sprach ich matt, bemüht meine Stimme stark zu machen. Ich hatte meinen Plan, Legolas nicht zu zeigen, dass ich Sindarin sprach, in dem Moment aufgegeben, als mir klar wurde, wie albern es war und das dadurch alles nur komplizierter wurde. Die schönen Wesen taten, wie ihnen geheißen und verließen mein Gemach dann wieder. Ich seufzte laut und betrachtete die Näpfchen mit Heilkräutern und Salben. Die Verbände waren frisch und sauber. Welche davon würde wohl am geeignetsten sein?

„Ich wusste nicht, dass Ihr verletzt seid." Legolas sprach ruhig und monoton. Ja beinahe teilnahmslos. Ich suchte noch immer zwischen den Utensilien das Beste heraus. Ich war so künstlich an meiner neuen Beschäftigung interessiert, dass ich die Zweideutigkeit seiner Worte nicht erfasste.

*Ach. Nicht der Rede wert*, wehrte ich ab und betrachtete eine Holzschale näher, in der getrocknete Blätter aufbewahrt wurden. Wofür die wohl waren? Ich hätte doch erst nachfragen müssen.

*Das ist nur ein kleiner Kratzer. Für einen Zwerg also kein Problem*, log ich entgegen der Ermahnung meiner Kopfschmerzen lustig drauflos.

*Wir sind aus sehr stabilem Stein gemeißelt und niemand wirft uns so leicht um*, wiederholte ich die Worte meines Vaters laut. Er war immer stolz darauf gewesen, zu den Zwergen zu gehören.

‚Stell dir doch mal vor, du wärest ein Elb', hatte er einmal am Feuer gesagt. ‚Du kämst ja gar nicht mehr raus aus ständigen Höflichkeiten und ewigen Dichtungen und fürchterlichem Singsang. Und ewiges Leben hat wirklich sehr viele Nachteile.' In Gedanken stimmte ich ihm zu. Mein ewiges Leben würde verhindern, dieser Qual, die ich schon sehr lange mit mir herumtrug, ein Ende zu setzen. 

Auf einmal legte sich eine Hand um meine eigene und die Schüssel. Entsetzt hielt ich den Atem an, als ich merkte, dass Legolas hinter mir stand, dann neben mich trat und ebenfalls die Kräuter begutachtete. Dann griff er zielsicher nach einer Zusammenstellung und reichte sie mir. Zögernd nahm ich es entgegen und wagte es nicht, auch nur ein einziges Mal aufzusehen. Die Nähe seines Körpers und die Wärme seiner Hand verursachten ein unruhiges Gefühl in meiner Magengegend. Das Erschreckendste aber war das Kribbeln, dass meinen ganzen Körper durchfuhr und mein Blut schneller pulsieren ließ. Die Quelle dieses unbekannten Gefühls war zu allem Überfluss auch noch die Hand dieses Elben! Ich musste mich einmal von Nestalinna untersuchen lassen. Derartige Reaktionen auf Legolas waren einfach nicht mehr normal.

*Aber Ihr seid keine Zwergin und daher nicht sehr robust, wie Gimli immer sagte. Ich vergaß es. Und meine Pflichten, Euch und meinem Freunde gegenüber. Dafür bitte ich um Verzeihung.* Träumte ich von einem Wunder, oder entschuldigte sich Legolas gerade bei mir!? Konnte es sein, dass ich mich nicht verhört hatte oder brachten die Schmerzen schon Halluzinationen hervor?

Um sicher zu gehen, hob ich den Kopf und meine Augen trafen seine. Diesmal konnte ich darin lesen. Sie waren nicht von einer gleichgültigen Maske abgeschirmt und ich erkannte Aufrichtigkeit und ehrliches Bedauern. Unsicher, was zu sagen war, sah ich wieder auf die plötzlich interessant gewordene Bettkante.

*Setzt Euch.* Er drückte mich mit sanfter Gewalt auf die weiche Matratze des Bettes und baute sich vor mir auf. Dann sah er freundlich auf mich herab und streckte eine Hand nach meiner Wange aus, um einen sich darauf befindenden Salztropfen zu entfernen. Entsetzt bemerkte ich, dass sich tatsächlich ein paar Tränen durchgekämpft hatten. Und das vor Legolas!

Doch er sagte nichts. Seine wanderte Hand vorsichtig aber zielstrebig zum Kragen meines Nachtgewandes und er zückte ein Messer, dass an seinem Gürtel befestigt war. Dann schnitt er mir kurzerhand den Kragen etwas weiter auf, sodass die Schultern freigelegt wurden, der Stoff aber über meiner Brust Halt machte und sie verdeckte. Ich saß verstört, mit klopfendem Herzen und ebenso pochenden Kopf vor ihm und ließ ihn gewähren. Innerlich sträubte sich alles dagegen, aber ich konnte mich nicht rühren. Zu sehr war ich im verwirrten Wirbel meiner Gefühle gefangen.

Ich spürte seine Finger sanft und sehr vorsichtig auf meiner Wunder. Es brannte jämmerlich als er die Salbe mit den zerteilten Blättern auftrug, doch ich biss tapfer die Zähne zusammen. Danach verband er beide Schultern, ging dann zum Schrank und suchte ein neues Gewand heraus und das alles ohne ein Wort zu sagen. Ich wusste absolut nicht, was ich denken sollte und beließ es somit bei gähnender Leere in meinem Kopf.

***

Legolas POV

Ihre Worte, die sie mir kalt und bitter ins Ohr gezischt hatte, hatten mich zutiefst erschüttert. Ich hatte gar nicht richtig wahr genommen, dass ich sie so minderbewertet behandelt hatte. Sicher, wir hatten uns beide unmöglich benommen, aber letztendlich hatten wir die Grenzen schon zu weit überschritten und uns nicht überwinden können, wieder zurückzugehen. Wir hatten es beide nicht einmal gemerkt!

Nachdenklich betrachtete ich kurze Zeit das inzwischen getrocknete Blut an meinen Händen. Sie hatte keinen Laut von sich gegeben, als ich ihre Schultern so fest umfasst hatte. Hatte sie es etwas geheim halten wollen? Und wo hatte sie diese Wunden überhaupt her?

*Danke*, flüsterte sie auf einmal hinter mir. Ich hatte mich also nicht getäuscht! Sie sprach die ganze Zeit Sindarin mit mir! Also hatte sie es doch erlernt. Ich schüttelte stirnrunzelnd den Kopf. Sie war wie ein kleines, trotziges Kind. Hätte ich gewusst, das sie sich verständigen konnte, hätte ich sie nicht so lange eingesperrt!

*Wofür? Das ich endlich einsehe, dass wir beide ziemlich starrköpfig und unnachgiebig waren und somit alle Konflikte nur verschlimmert haben?* Ich lächelte leicht. So wie sie gerade auf dem Bett saß, sah sie wirklich verloren und einsam aus. Ich hatte nicht bedacht, dass die fremde Umgebung eine zusätzliche Belastung für sie war. Eigentlich hatte mich nur interessiert, wie ich sie wütend machen konnte.

*Ich war genauso weitsichtig*, kicherte sie. Ich schmunzelte und reichte ihr das frische Nachtgewand, mit dem sie kurz im Bad verschwand und dann neu eingekleidet wieder ins Zimmer trat. Das blonde Haar, das heller und strahlender war als das seine und ein reines Weißgold war, umschmeichelte ihren zierlichen Körper, das Gesicht war angespannt und die Augen glitzerten unsicher.

*Wir haben uns beide aufgeführt wie die Ziegen in den Bergen*, begann sie leise und sah mich unsicher an. Was erwartete oder befürchtete sie? Dass ich sie anschreien würde? Ich lächelte leicht und ließ meine Maske fallen. Ich wollte sie jetzt nicht aufrecht erhalten, es würde sie nur verwirren und wieder Missverständnisse mit sich bringen.

*Wieder eine Beleidigung gegen den Prinzen*, grinste ich breit und sie lachte leise. Allmählich entspannte sich die Atmosphäre zwischen uns und ich spürte, wie Erleichterung meinen Körper durchflutete. Ich hätte Gimli nie wieder unter die Augen treten können, wäre es ewig so weitergegangen.

*Ich habe gar nicht mehr die Absicht, Euch zu beleidigen*, gestand sie und trat ans Fenster um hinaus zu sehen. Ich schwieg und wartete ab, was sie noch sagen würde.

*Lasst Ihr mich gehen? Wenigstens für ein paar Stunden am Tag. Ich werde mir eine Tätigkeit suchen, aber sperrt mich nicht mehr im Palast ein*, bat sie, nein flehte sie beinahe. Ich hatte noch nie ein vernünftiges Gespräch mit ihr geführt, ohne dass es nach den ersten Sätzen von einem erneuten Streit unterbrochen wurde.

*Wie ich merke, sprecht Ihr Sindarin. Also steht dem nichts im Wege.* Sie wirbelte herum. Das Haar schwebte kurz in der Luft, ehe es sich wieder ordnete.

*Soll das heißen, Ihr habt es nur darauf angelegt!?* Ich wollte nicht wieder streiten! Das durfte nicht passieren. Ich war des Streitens überdrüssig und wollte mich normal mit meiner Patentochter unterhalten.

*Ich fürchtete, Ihr könntet Euch nicht verständigen.* Wie würde sie wohl reagieren!? Es war eine schlechte Ausrede, aber ich war mir der Gründe, warum ich sie eigentlich nie für voll genommen hatte, selbst nicht bewusst.

*Ist ja jetzt auch egal*, seufzte sie. Zum Glück schien auch sie keinen sonderlichen Reiz darin zu sehen, wieder einen Streit zu beginnen.

*Ja.* Ein Klopfen an der Tür unterbrach unsere Unterhaltung. Adamantiel bat den Wartenden hinein. Die Tür wurde geöffnet und ein Diener verbeugte sich vor uns. Ich lächelte leicht bei der Vorstellung, dass er sich vor mir UND Adamantiel verbeugte.

*Verzeiht die Störung, Prinz Legolas und Lady Adamantiel. Aber König Thranduil schickt nach seinem Sohn.*

*Richte meinem Vater aus, ich werde ihn in Kürze aufsuchen.* Sicher wollte er mich zur Rede stellen, was die Gerüchte anbelangte und was aus Adamantiel werden sollte. Ich sah mich einem langen Gespräch gegenüber und verfolgte die Bewegungen des Elben, der sich rasch entfernte. Nach kurzer Überlegung folgte ich ihm. Ich wollte meinen Vater nicht warten lassen. Doch vor der Türe drehte ich mich noch einmal nach der jungen Elbin um und sah sie schweigend an.

*Was habt Ihr?* Ihre Stimme klang so melodisch und wunderbar weich, wenn sie sie nicht zum Schreien einsetzte. Ich zögerte, da ich nicht wusste, warum ich mich noch einmal umgedreht hatte.

*Ihr sagtet, Ihr hättet nicht viele Freunde. Ihr habt soeben einen neuen gewonnen. Lasst mich Euer Freund sein, so wie es Luferion und Gelirgladha sind.* Ich wusste nicht, was mich zu diesen Worten veranlasste aber sie waren eine Art Versöhnung und versicherten, dass zukünftige Streits nicht mehr so weit ausufern würden.

*Wenn Ihr es wünscht.* Sie nickte leicht und lächelte mich an. Ebenfalls lächelnd verbeugte ich mich kurz vor ihr und verließ dann das Gemach. So würde ich mit ihr auskommen und meine Rolle des Paten gut übernehmen können.

***

In Gedanken versunken schritt ich den Gang entlang zum Gemach meines Vaters. Es war schon später als ich gedacht hatte, die Dunkelheit hatte mittlerweile auch die Dämmerung überwältigt und nur sanft flackernde Lichtkugeln an den Wänden brachten etwas Licht in den Palast.

Ich war den Weg zum Gemach meines Vaters schon sehr oft gegangen. Er war ein weiser und gerechter König und dass er seine väterlichen Wünsche, mich glücklich und sorgenfrei zu sehen oft unterdrückte, lag größtenteils daran, dass ich der Thronfolger war. Meine älteren Brüder hatten sich ihrer Pflicht entzogen und so blieb alles an mir hängen. 

Leise öffnete ich die verzierte Hellholztür und trat in ein geräumiges Zimmer. Das Bett war unbenutzt und ich entdeckte meinen Vater hinter einem großen Tisch, auf dem sich vielerlei Pergamente tummelten.

*Tritt näher, Legolas*, forderte er mich mit sanfter aber bestimmter Stimme auf und ich ließ mich auf dem Stuhl, ihm gegenüber nieder. Wieder beschlich mich das Gefühl, ein Nichts in der Nähe meines Vaters zu sein. Er war von vollkommener Schönheit. Seine Gesichtszüge waren weise. Nicht alt und nicht jung, Ausdruck der Ewigkeit, der ewigen Jugend und gleichzeitig alten Lebens. Auch ich hatte all meine kindlichen Gesichtszüge mittlerweile verloren. Doch mein Bildnis zeugte nicht von zeitlosen Lebens sondern jungen, unerfahrenen Zügen.

Das Haar schien wie bei mir aus purem Gold zu bestehen. Lang, seidig und schön. Ich fürchtete wieder einmal, nie so regieren zu können, wie er es vermochte. Seine Entscheidungen waren stets genau bedacht, wogegen die meinigen oft spontan erfolgten.

*Nun mein Sohn. Ich hörte du hättest Probleme mit der jungen Elbin. Sie hat in der Tat halb Düsterwald aufgebracht und wurde nach Berichten Luferions schwer verletzt.* Er sah mir abwartend in die Augen. Seine waren so strahlend blau. Eisig wie die Schneedecke in den Bergen und warm wie der warme Strom eines großen Meeres.

*In der Tat, sie wurde verletzt. Dennoch ist es nichts Gefährliches*, antwortete ich und hielt dem Blick meines Vaters stand.

*Hast du in Erfahrung bringen können, wodurch oder durch wen sie verletzt wurde?* Ich verneinte bedauernd. Ich hatte nicht daran gedacht. Zu wütend war ich gewesen, als ich Adamantiel aufgesucht hatte. Und erst als ich des Blutes an meinen Händen gewahr geworden war, hatte der zornige Nebel sich verzogen und war purem Entsetzen gewichen.

*Sie hat dir nichts erzählt?* Ich vernahm den besorgten Unterton, der in seiner Stimme mitschwang. Worauf lief dieses Gespräch hinaus?

*Ich habe dich all die Zeit, in der sie hier im Palast verweilt, genau beobachtet, mein Sohn...* Huschte da etwas wie ein Lächeln über die Lippen meines Vaters?

*Und ich habe dich ehrlich noch nie so unausgeglichen gesehen. Auch Sémersion bestätigt das. Ich habe mich viel mit ihm unterhalten.* Mein Herz klopfte, doch ich versuchte jegliche Emotionen vor meinem König zu verbergen.

*Ich bin mir nicht sicher, aber liege ich recht in der Annahme, wenn ich behaupte, dass es an ihrer Nähe liegt?* Ich atmete rasselnd ein. An ihrer Nähe? Tat es das? Verhielt ich mich wirklich anders als zuvor? Es stimmte: War sie in der Nähe, geriet ich schnell in Zorn und Wut, doch versteckte ich es nicht hinter meiner elbischen Maske?

*Vielleicht*, gab ich mit fester Stimme zu.

*Wir haben uns nicht sonderlich gut verstanden*, gestand ich, was jedoch gewiss überflüssig war. Sicher hatte das jeder bemerkt, einschließlich meines Vaters. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht.

*Ihr HABT euch nicht gut verstanden? Ist es jetzt anders?* Er tippte alle zehn Finger gegeneinander und wartete meine Antwort geduldig ab. Ich nickte entschlossen. Ich ahnte allmählich, worauf dieses Gespräch hinauslaufen sollte, aber es gab nichts, was ich mehr für die kleine Elbin empfand als anbrechende Freundschaft. Sie war ja noch nicht einmal den Kinderschuhen entwachsen!

*Ja. Ich hoffe so*, erwiderte ich wahrheitsgemäß und dachte an die heutige Aussprache zurück, in der sie mir ihr Innerstes offenbart hatte.

*Du gedenkst also, sie näher kennen zu lernen?* Ich sah meinen Vater irritiert an. Der Ausdruck meines Gesichts veränderte sich schlagartig und wich Ungläubigkeit.

*Warum fragst du, Vater?* Er lächelte nur geheimnisvoll und tippte abermals die Fingerspitzen aneinander.

*Die Zeit ist gekommen, dich nach einer Gemahlin umzusehen, meinst du nicht?* Ich glaubte, meinen elbischen Ohren nicht zu trauen! Wollte er damit etwa andeuten, dass Adamantiel...?

*Ich werde mich deiner Worte besinnen, Vater. Aber gegenwärtig gibt es keine Frau, die meine Liebe genießt*, erklärte ich ruhig.

*Es hat noch nie eine Frau gegeben, die deine Liebe auch nur ein ansatzweise zu spüren bekam.* Hörte ich da etwas wie Bedauern aus seiner Stimme heraus?

*Nun, Legolas. Ich wollte mit dir eigentlich über etwas anderes sprechen.* Ich runzelte abwartend die Stirn. Konnte es möglich sein? Hatte er darüber nachgedacht, worum ich ihn so viele Jahre lang gebeten hatte?

*Ich habe lange über deine Bitte nachgedacht, die du mir mehrfach vorgetragen hast. Bist du immer noch daran interessiert, mit ein paar Elben, die dir treu ergeben sind nach Ithilien zu gehen?* Innerlich tat mein Herz einen aufgeregten Sprung. Würde er mich ziehen lassen? Die Landschaft Ithiliens hatte damals mein Herz berührt und unbändige Sehnsucht nach der wunderschönen Landschaft brannte seither in meiner Brust. Damals waren wir eilig hindurchgezogen zum Schwarzen Tor von Mordor und ich hatte nie wieder die Möglichkeit gehabt, dorthin zurückzukehren. Als ich meinem Vater die Bitte vorlegte, dort eine Elbenkolonie gründen zu dürfen, erinnerte er mich an die Pflichten die ein Thronfolger zu erfüllen hatte, doch ich hatte nicht locker gelassen.

*Die Sehnsucht brennt noch immer heiß in meinem Herzen*, gestand ich und der mächtige Elb vor mir seufzte leise. Er hatte gewusst, dass ich so reagieren würde.

*Ich werde dich deiner Thronfolgeraufgabe entheben, Legolas. Ich hörte all die Jahre wie dein Herz nach diesem Ort schrie und konnte deine Sehnsucht spüren. Ich weiß, dass du den Düsterwald liebst. Er ist deine Heimat. Doch Ithilien...hat dich in seinen Bann gezogen.* Ich nickte langsam, konnte immer noch nicht die Tragweite seiner Worte erfassen.

*Ich gestatte dir, mit einhundert ausgewählten Elben nach Ithilien zu ziehen unter der Vorraussetzung, dass du stets mit mir in Verbindung bleibst.* Innige Dankbarkeit durchflutete mich und die Zuneigung, meinem Vater gegenüber drohte mich zu übermannen.

*Wie könnte ich das nicht? Ich danke dir von ganzem Herzen*, sprach ich tief gerührt, gab meinen Emotionen nach, ging um den Tisch herum und schloss den mächtigen König in die Arme. Dieser versteifte sich kurz, hatte ich doch seit dem hundertsten Lebensjahr nicht mehr solchen Drängen nachgegeben. Er war seitdem nie mehr von einem seiner Söhne umarmt wurden und es musste eine gewisse Leere in ihm hinterlassen. Gleich wie bei mir.

Nach einiger Zeit lösten wir uns voneinander und er sah mich ernst und leicht lächelnd an.

*Nenne mir in einer Woche die Namen derer, die mit dir ziehen wollen, damit ich Vorbereitungen treffen kann.* Ich nickte zustimmend und drückte kurz seine Schulter.

*Aber wer übernimmt dann den Thron?* Mein Vater lächelte zuversichtlich und beseitigte so meine Sorgen.

*Dein Bruder Jiliaron. Er hat sich dazu bereit erklärt, damit du deinen Traum erfüllen kannst.* Ich nickte dankbar und wartete ab, ob er noch etwas sagen würde.

*Ich habe alles gesagt, was ich sagen wollte. Nun geh und lege dich zur Ruhe.* Ich entfernte mich langsam, verbeugte mich kurz vor meinem Vater und verließ dann sein Gemach. Doch ich ging nicht zu Bett, wie er es geraten hatte. Meine Schritte lenkten mich zur Bibliothek, in der ich stundenlang darüber nachsann, wen ich alles auf meine Reise in ein neues Leben mitnehmen würde.

***

Keine POV

Mehr als drei Woche waren vergangen und Legolas kam es vor, als hätte die Zeit einen Sprung gemacht. Er hatte seinem Vater die Elben genannt, die ihn begleiten wollten und dieser hatte es stumm hingenommen. Legolas hatte an alles gedacht. Er war nach Minas Tirith gereist und hatte Aragorn darum gebeten, in Ithilien eine Elbenkolonie gründen zu dürfen. Dieser hatte mit strahlendem Gesicht zugestimmt und Legolas das schöne Land zur Verfügung gestellt.

Auch hatte der Prinz daran gedacht, Elben mit besonderen Gaben mit sich zu nehmen. So erklärte sich Nestalinna, die junge Heilerin bereit ihm zu folgen und im Nachhinein hatte er festgestellt, dass Adamantiel und sie befreundet waren. Die junge Elbin selbst hatte er kaum gesehen in den drei Wochen. Zwar nahm sie jetzt an den Mahlzeiten teil, aber er hatte einfach nicht die Zeit gefunden, sich mit ihr zu unterhalten. Nur am Tag nach dem Gespräch mit seinem Vater hatte er ihr seine Pläne geschildert und sie war bereit, mit ihm nach Ithilien zu gehen.

Doch damit musste er auch noch vier andere Elben fragen, ob sie ein neues Leben in einer fremden Umgebung beginnen wollten. Eine gewisse Hellina und deren beide Kinder und Génbô ein erprobter Kämpfer, dennoch noch sehr jung und dessen Freundin Malanwé. Adamantiel hatte ihm gebeichtet, dass sie diese Elben bei auf ihrem kleinen Ausflug kennen gelernt hatte.

Nun war alles bereit, das Volk des Düsterwaldes hatte sich vor dem Palast eingefunden, in dessen Mauern die ausgewählten Elben teilweise schon auf ihren Pferden saßen und andere wiederum noch etwas zu erledigen hatten. Zufrieden betrachtete Legolas die versammelten Leute. Eine innere Aufregung begleitete ihn seit dem Morgengrauen und er konnte es gar nicht erwarten, aufzubrechen.

*Guck mal! Das Pferd lacht*, drang eine vergnügte Kinderstimme an sein Ohr und er sah nach vorn, wo ein kleines Elbenkind strahlend auf den Kopf seines Pferdes deutete.

*Quatsch! Pferde können nicht lachen*, protestierte eine zweite.

*Natürlich können sie das*, beharrte der kleine Junge mit schwarzem seidigem Haar trotzig und piekste Ivanneth mit dem kleinen Fingerchen in die weiche Lippe.

*Du spinnst ja! Erst murmeln die Steine und jetzt lacht das Pferd!* Nun sah auch Legolas das kleine Mädchen. Es hatte muntere Augen und braunes Haar. Außerdem schien es älter zu sein, als sein Brüderchen. Wenn auch nur einige Jahre.

*Aber der Stein hat gemurmelt*, verteidigte sich der Kleine tapfer und stemmte die kleinen Fäuste in die Häufte, als er seiner Schwester entgegentrat. Legolas schmunzelte als er dieses Szenarium betrachtete. Kinder wie diese würde die Zukunft der Elben sichern.

*Und das Pferdchen lacht*, beharrte der Kleine zerknirscht als er einen Klaps auf den Hinterkopf bekommen hatte. Das Mädchen war offensichtlich seine Schwester und sehr ungestüm.

*Tinnu! Wirst du deinen Bruder wohl nicht schlagen?* Legolas bemerkte nun eine schlanke Elbin, die sich hastig zwischen ein paar Pferden und Gepäckstücken durchschlängelte und auf die beiden Kinder zusteuerte.

*Aber Mama! Alagos erzählt nur Unsinn*, maulte Tinnu trotzig und verschränkte die Arme vor der Brust. Noch ehe die Mutter erneut ihre Tochter tadelte, wandte sie sich an Legolas und verbeugte sich kurz ehrerbietig.

*Verzeiht Hoheit. Ich werde sie gleich mitnehmen.* Doch Legolas lächelte nur und stieg vom Pferd. Dann legte er dem kleinen Jungen eine Hand auf den Kopf und lächelte die Geschwister freundlich an.

*Ivanneth freut sich, wenn Kinder lieb zu ihm sind. Aber er kann nicht lächeln, sodass es andere sehen. Er lächelt in seinem Herzen.*

*Ha! Ich hatte recht!* Beide Geschwister fühlten sich als der Rechthabende und reckten stolz die Köpfe in die Höhe, was ein sehr niedliches Bild abgab.

*Ihr könnt sehr gut mit Kindern umgehen.* Die junge Elbin lächelte ihn freundlich an. Doch da lag noch etwas anderes in ihren Augen, das er nicht zu deuten wusste.

*Eigentlich nicht*, gestand er ihr und sah sich derweil suchend auf dem Hof um. Er musste sich noch von seinem Vater und seinen Brüdern verabschieden. Als er sie entdeckte, entschuldigte er sich höflich bei der schwarzhaarigen, zweifachen Mutter und schritt auf seine Familie zu. Kurz vor ihnen kam er zum Stehen. Sie hielten sich etwas abseits von den anderen auf.

*Vater. Jaliaron. Herilos.* Er verneigte sich kurz vor jedem und sie taten es ihm gleich. Der Abschied fiel allen schwer.

*Legolas*, erwiderte sein Vater. Er ignorierte das bunte Treiben um sich herum und prägte sich das Bild seines Sohnes genau ein. Er würde die einzigartige Art seines Jüngsten im Schloss vermissen.

*Ich werde ganz sicher nach deinem Vorbild über Ithilien bestimmen*, versicherte Legolas mit einem verdächtigen Funkeln in den Augen. Sein Vater und seine Brüder nickten zustimmend und umarmten Sohn und gleichzeitig Bruder noch einmal innig. Nur wenige bekamen die Offenheit der Gefühle der regierenden mit, denn sie waren zu sehr beschäftigt, sich von Freunden und Familie zu verabschieden.

*Keine Sorge Majestät! Ich werde auf diesen tiefsinnigen Sturkopf achten!* Eine Hand ging klatschend auf Legolas' Rücken nieder, sodass er einen Schritt nach vor trat, um das Gleichgewicht wiederzuerlangen. Wann war Adamantiel denn dazugekommen.

*Daran habe ich so meine Zweifel*, schmunzelte Thranduil und versetzte die junge Elbin durch seine Worte in eine Art Trotzzustand.

*Also bitte! Ich bin schließlich eine erzogene Zwergin*, protestierte sie ärgerlich. Sie war aufgeregt auf die Reise und ihre neue Heimat! Sie wollte so viel entdecken und erleben. Abenteuer bestehen, die sie bisher nur in Büchern gelesen oder in Geschichten gehört hatte. Das sie sich selbst mitten drin befand, ahnte sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht.

*Und gerade deshalb zweifle ich an der Sicherheit meines Sohnes*, beteuerte Thranduil ernst, doch seine Augen sprühten vor Schalk. Er war sich gewiss, dass Legolas es nicht leicht haben würde. Schon allein, weil diese junge Elbin ihn begleitete. Seine ältesten Söhne schmunzelten auch bei der Vorstellung, dieses Mädchen würde ihren Bruder beschützen. Dass Adamantiel es damit völlig ernst meinte, ahnten sie nicht einmal. Die Elbin hatte sich geschworen Legolas zwar zu drangsalieren und zu necken, jedoch alles dafür zu tun, damit ihm nichts zustieß. Sie stand noch immer zu tief in seiner Schuld und wollte diese endlich begleichen.

*Mein Vater würde Euch etwas erzählen, wenn er das hören würde*, giftete sie und Legolas ahnte, dass sie wieder in Streitlaune war. Doch soweit wollte er es nicht kommen lassen.

*Wir müssen aufbrechen, Vater. Bei Tage ist der Düsterwald weniger gefährlich und ich gedenke ihn bei Einbruch der nacht hinter mir gelassen zu haben.* Thranduil nickte, drückte noch einmal kurz die Schulter seines Sohnes, der ihm so ähnlich war und wandte sich dann endgültig ab. Es war kein Abschied für immer, doch es schmerzte den Elben.

*Legolas beeilt Euch und sitzt auf.* Der Elb sah auf Adamantiel hinab, die drängend seine Hand zog und ihn so zu Ivanneth führte. Sie verhielt sich wie ein kleines Kind, dass ein großes Abenteuer witterte.

Adamantiel fühlte sich wirklich blendend und hatte das Gefühl, die ganze Welt umarmen zu können. Sie liebte lange Reisen, auf denen man immer viel sehen konnte. Und mit ihren Freunden zusammen würde es sicher lustig werden. Hellinas Kinder hielten einen schon den ganzen Tag auf Trab. Das hatte sie feststellen müssen, als sie die Kleinen beaufsichtigen sollte, während die Elbin auf dem Markt Äpfel verkaufte. Adamantiel hatte in den ersten paar Stunden ihre gute Mühe gehabt, die Kleinen im Auge zu behalten. Sie waren schwerer zu hüten gewesen als ein großer Sack Flöhe. Doch dann hatte sie den Spieß umgedreht und die Kinder vollkommen verwirrt indem sie ihnen ein paar Kunststückchen vorführte, die sie schon seit ihrer Kindheit beherrschte.

*Reitet Ihr wieder bei mir?* Ein schelmisches Lächeln zierte die Lippen des Prinzen und er gab dem Mädchen einen freundschaftlichen Stoß in die Rippen. Adamantiel verneinte mit dem Argument, nicht wieder als verschnürte Fracht enden zu wollen und Legolas lachte herzlich.

Es hatte sich viel zwischen ihnen gebessert. Die Feindseligkeiten waren spaßigen Neckereien gewichen und hatten die Basis für eine lang andauernde Freundschaft geschaffen.

*Legolas!* Sémersion kam auf Adamantiel und ihren Begleiter zu. Sein Gesicht zeigte Unzufriedenheit.

*Wir haben nicht genügend Pferde. Ich habe durchgezählt. Es sind vierundachtzig. Zehn davon tragen schon das Gepäck. Und die Krieger, die wir zu unserem Schutz mitführen, brauchen jeder ein Pferd für sich.* Legolas runzelte die Stirn. Es klappte auch immer nichts perfekt! Irgendein Hindernis gab es immer, wenn man einen Plan durchsetzen wollte. Doch dann sah er Adamantiel grinsend an.

*Ich glaube, Ihr müsst nun wirklich bei mir mitreiten.* Adamantiel seufzte theatralisch.

*Auf gar keinen Fall! Ich frage Nestalinna und Hellina. Vielleicht können sie mich mitnehmen*, wandte sie ein. Die Vorstellung mit Legolas auf einem Pferd zu sitzen war verlockend und daher so gefährlich. Seine Nähe verursachte noch immer so merkwürdige Reaktionen ihres Körpers und wurden mit jedem Tag stärker. Sie konnte nichts dagegen tun. Als sie Nestalinna von ihrer vermeintlichen Krankheit besorgt erzählt hatte, hatte diese nur schallend gelacht, ihr einen Tee gegeben und gemeint, dass sich das früher oder später bessern würde. Aber bisher hatte sich noch nichts getan.

Schnell schlängelte sie sich durch die Masse und suchte nach Nestalinna und Hellina. Beide halfen gerade Hellinas Kindern auf jeweils ein Pferd.

*Ich will aber nicht bei dir mitreiten Mama*, maulte der kleine Alagos und zog einen herzerweichenden Schmollmund. Doch seine Mutter blieb hart.

*Ihr könnt nicht beide auf ein Pferd! Das endet nur damit, dass einer hinunterfällt*, weissagte sie und drehte sich dann nach Adamantiel um.

*Was hast du*, fragte sie, als sie deren hilfesuchendes Gesicht bemerkte. Nestalinna sah vom Pferd zu ihnen herab. Die kleine Tinnu vor sich festhaltend. Das Mädchen klatschte dem Reittier begeistert gegen den Hals. Die Reise würde lustig werden!

*Kann ich bei einer von euch mitreiten*, brachte Adamantiel ihr Anliegen hervor. Doch sie hatte nicht mehr viel Hoffnung, dass die Elbinnen zusagen würden. Ein Blick auf die zappelnden Kinder offenbarte alles. Und wie sie es erwartet hatte, schüttelte Hellina bedauernd den Kopf.

*Tut mir leid, aber das geht nicht. Du siehst ja...Die Kinder müssen getrennt bei uns reiten.* Ich nickte hoffnungslos und mit der Aussicht, doch wieder zu Legolas zurückkehren zu müssen.

*Du kannst ja zu Legolas gehen und fragen*, schlug Nestalinna plötzlich vor und gleich darauf grinsten beide Freundinnen verschwörerisch. Allmählich beschlich Adamantiel das Gefühl, sie hätten es so geplant. Aber sie konnten ja nicht beeinflussen, mit wie vielen Pferden sie aufbrechen würden.

*Was denkst du, warum ich euch frage*, fauchte Adamantiel gereizt und fing sich schallendes Gelächter ein.

*Ich dachte, ihr habt euch vertragen?*

*Haben wir ja auch. Aber seine Nähe ist mir unangenehm*, gestand die ehemalige Zwergin zerknirscht. Die Freundinnen tauschten vielsagende Blicke aus, schwiegen jedoch.

*Frag doch Gelirgladha*, schlug Nestalinna vor.

*Sie bleibt hier*, murmelte Adamantiel. Sie hatte die Dienerin überreden wollen, doch sie versicherte Adamantiel immer wieder, sie wäre glücklich hier und hätte Familie. Außerdem liebte sie den Düsterwald. Eine Tatsache, die Adamantiel beim besten Willen nicht verstehen konnte. Sie verabscheute den Wald und seine dunklen Kreaturen zutiefst.

*Dann bleibt dir wohl nichts anderes übrig*, meinte die Mutter der Kinder und saß auf. Für sie war das Gespräch beendet. Knurrend und gereizt kehrte Adamantiel zu Legolas und Sémersion zurück. Beide unterhielten sich noch angeregt über etwas, dass ihre Gesichter besorgt wirken ließ. Doch sobald die Elbin zu ihnen trat, verschwand dieser Gesichtsausdruck und Legolas schenkte ihr einen abwartenden Blick.

*Nun?* Adamantiel begann innerlich zu kochen, als er diese harmlose und doch nervenaufreibende Frage stellte.

*Was nun!? Ich werde auf dem Rücken Eures Pferdes reisen müssen*, knurrte sie und saß auf Ivanneth auf. Legolas sah sie spöttisch lächelnd von unten herauf an.

*Kann Euch keiner sonst auf Dauer ertragen*, stichelte er und fing sich einen bitterbösen Blick ein.

*Oder seid Ihr freiwillig wieder zu mir gekommen?* Sein Grinsen wurde breiter und brachte Adamantiels Innenleben in Unruhe. Wut und Aufregung rangen miteinander, doch keine dieser Emotionen konnte die Oberhand gewinnen

*Bildet Euch nicht zuviel ein! Es kann schmerzhaft enden*, zischte sie erbost, doch Legolas lachte nur.

‚Du wirst schon sehen, was du von deiner dämlichen Art hast', dachte Adamantiel rachsüchtig und wartete, bis Legolas sich von Sémersion trennte und aufs Pferd steigen wollte. Prompt in diesem Moment flüsterte Adamantiel Ivanneth elbische Worte ins Ohr und das Tier setzte sich in Bewegung. Legolas, der eine Hand in die Mähne gekrallt hatte, stolperte hinterher. Hilflos musste er mit zusehen, wie Adamantiel das Tempo beschleunigte. Er konnte nicht loslassen, denn dann würde er jämmerlich stürzen und im Dreck landen und so riesiges Gelächter auf sich ziehen. Er merkte erst bei diesem Gedanken, dass viele Elben, an denen sie vorbei zum Tor ritten; Legolas wurde mitgeschliffen und Adamantiel ritt stolz auf Ivanneth; breit grinsten und sich alle Köpfe zu ihnen wandten. Zorn stieg in dem Prinzen auf und mit einer gesammelten Bewegung schwang er sich aufs Pferd. Die Landung war weniger angenehm, aber er verzog keine Miene.

Nun saß er erhobenen Hauptes hinter Adamantiel und ritt, allen vornweg, den Weg entlang, der vom Palast wegführte. Seine Arme befanden sich links und rechts von ihrem Körper, damit seine Hände die Zügel führen konnten. Lächelnd winkte er den Wartenden am Rand der Straße zu und lächelte in viele Gesichter. Alle anderen, die ihn begleiteten, folgten ihm in einer Reihe. Nestalinna, Hellina und die Kinder in der Mitte des Zuges.

Lautes Jubeln und Zurufe die ihnen eine gesicherte Zukunft wünschten, begleiteten sie den ganzen Weg durch die Stadt und wurden immer weniger, bis sie ganz verebbten, als der Zug in den Wald eindrang. Jetzt erst lehnte sich Legolas nach vorn, um mit dem Mund Adamantiels Ohr zu erreichen.

*Das habt Ihr nicht umsonst getan. Es schreit direkt nach Rache*, flüsterte er und sein heißer Atem ließ sie erzittern. Legolas spürte es und nahm es verblüfft zur Kenntnis. Behagte seine Nähe dem Mädchen etwa nicht? Ein diebisches Grinsen schlich sich auf seine Lippen und er lehnte sich abermals vor, als Adamantiel nur einen verächtlichen Laut als Antwort knurrte. Er wusste jetzt, wie er es ihr heimzahlen konnte, dass sie ihn lächerlich gemacht hatte. 

*Habt Ihr mich verstanden?* Wieder zog sie den Kopf schaudernd ein Stück ein, krampfhaft bemüht, Haltung zu wahren. Doch Legolas war gnadenlos und so hauchte er ein drittes Mal in ihr Ohr.

*Was denn? Ihr sagt ja gar nichts*, stellte er belustigt fest und genoss es, als sie abermals um ihre Fassung rang. Er konnte ihr Gesicht im Geiste sehen. Sicher hatte sie Mühe, sich zu beherrschen. Ein rasselnder Laut und ein tiefes Durchatmen bestätigten seine Vermutung. Was war nur mit ihr, dass sie sich so aus der Fassung bringen ließ.

*Ich bin immer noch sauer*, knurrte sie kalt und abweisend. Legolas lachte und lehnte sich zurück.

*Ich muss der sein, der sauer auf Euch ist! Schließlich habt Ihr mich am Pferd mitgeschleift*, protestierte er und fing sich einen Ellenbogenstoß ein. Funkelnden Blickes drehte sie sich nach ihm um.

*Nein ich! Durch Euer mangelndes Einschätzungsvermögen haben wir nur achtzig Pferde, von denen dreißig unbrauchbar sind, da sie Gepäck und schwere Krieger schleppen! Und jetzt muss ich es ausbaden, indem ich mit Euch auf einem Pferd sitze*, empörte sie sich. Legolas schnappte kurz nach Luft, lächelte dann aber.

*Und was genau stört Euch daran?* Er überdachte ihre Reaktion, wenn er ihrem Nacken, Hals und Ohr zu nahe kam und ein merkwürdiges Gefühl breitete sich in ihm auf.

*Was mich daran stört??? Ich reite mit einem Idioten zusammen ohne die Chance auch nur eine Sekunde Ruhe vor Euch zu haben*, knurrte sie. Legolas sah empört auf das weißgoldene Haar vor sich. Sie hatte ihm wieder trotzig den Rücken zugedreht.

*Aber Ihr erschaudert, wenn mein Atem Euer Ohr trifft*, schmollte er. Was würde sie wohl darauf antworten.

*Na und!? Ihr habt mir gesagt, dass ich mein Stirnband ablegen soll und seit drei Tagen renne ich ohne Ohrschutz herum. Jeder noch so kleine Windhauch kitzelt unangenehm an meiner Ohrenspitze und nachts macht mich der weiche Stoff des Kissens ganz verrückt, da er furchtbar weich ist. Ich muss mich erst daran gewöhnen. Meine Ohren waren noch nie so vielen Berührungen ausgesetzt.* Legolas schwieg. Es war besser, jetzt zu schweigen, wenn er keinen Streit riskieren wollte.

Das konnte noch etwas werden! Sie befanden sich gerade mal am Anfang einer langen Reise und am Beginn eines neuen Lebens und schon belehrte sie ihn über die Empfindsamkeit elbischer Ohren. Als ob er das alles nicht selbst wusste!

Der Zug der Reisenden war nun weit in den Wald vorgedrungen und trotz des hellen Tages war es unter dem Blätterdach des Düsterwaldes unheimlich dunkel. Fast kein Laut wurde verursacht und die Elben zogen schweigend durch den Wald, in dessen Innersten sich dunkle Kreaturen mit schwarzem Herzen tummelten.

Ithilien war noch weit und der Weg nicht unbedingt sicher. Auch zu Zeiten des Friedens streiften Orks und andere Wesen rastlos durch die Lande und verursachten Leid und Angst unter Reisenden. Doch Legolas war sich einigermaßen sicher, dass sie es nicht wagen würden über einhundert Elben anzugreifen. Und so zogen sie nach Süden. Die Elben, die eine neue Kolonie in Ithilien gründen wollten. Dabei merkten sie nicht, wie sie verfolgt wurden. Leise, im Schatten der Bäume und immer auf der Hut vor umherschweifenden Blicken.

***

Fortsetzung folgt!

Fertig...ich hau mich jetzt ins Bett *Gähn* *hunger hat* Ich hab den ganzen Tag hieran verbracht und mein Vater hat mich wieder mal vollgenölt, von wegen ich verbringe viel zu viel Zeit mit Schreiben und dem Pc. Haha...aber so geht es wohl jedem FF-Schreiber, oder? ^^

Ich freue mich wie immer wahnsinnig über feedback!!!