Dies ist der erste Teil in diesem Jahr XD *knuddelt alle ganz lieb* Ich danke euch für eure Unterstützung und hoffe, dass einer der guten Vorsätze fürs neue Jahr lautet: ‚Ich schreibe Sleepy Bird viele Kommentare und muntere sie weiterhin mit lieben Kritiken auf XD *gar nicht eigennützig ist*
~*~Laurie lantar lassi súrinen~*~
[Wie Gold fallen die Blätter im Wind]
***
Von maulenden Kindern, eingeschnappten Prinzen und anderen Problemchen
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Der Nebel hing tief und dicht über der weiten Steppenlandschaft. Die Sonne drang nur teilweise hindurch und wärmte den Boden auf, was noch mehr dieser weißen Schleier entstehen ließ. Doch bald würde der Morgen dem Mittag weichen und der graue Vorhang verschwinden.
*Mama...Das Pferdchen ist müde* Hellina seufzte tief als sich ihr kleiner Sprössling in den Armen regte. Es war so angenehm gewesen, als Alagos im Reich der Träume verweilt und sich nicht geregt hatte. Sein ständiges, kindliches Geplapper konnte auch die Nerven einer jungen, dynamischen Elbin überstrapazieren. Sanft strich sie ihm durchs Haar.
*Sag doch, dass du noch müde bist und schiebt es nicht auf das Pferd*, lächelte sie und hoffte inständig ihr Sohn möge wieder einschlafen. Mehrere Tage waren die Elben nun schon unterwegs und im Gegensatz zu den Erwachsenen schienen die Kinder unerschöpfliche Energien zu besitzen, die es ihnen erlaubten, manchmal vierundzwanzig Stunden am Tag herumzualbern und anderen die Nerven zu rauben.
*Bin ich ja gar nicht!* Durch diesen Satz wurden alle Hoffnungen der jungen Mutter zunichte gemacht. Seufzend wandte sie sich Nestalinna zu, die ebenfalls entsetzt feststellen musste, dass auch Tinnu langsam munter wurde.
Ähnlichen Gefühlsregungen hing auch Legolas nach. Die ganze Zeit hatte die junge Elbin in seinen Armen ruhig und erschöpft, an seine Brust gekuschelt, geschlafen. Nun flatterten ihre Augenlider und die Gefahr, dass sie erwachte, bestand jede Sekunde. Ihm graute vor dem Erwachen des beinahe hundertjährigen Mädchens. In dieser Hinsicht glich sie einem Kleinkind und Legolas musste zugeben, dass ihm sogar Tinnu und Alagos zusammen auf seinem Pferd lieber gewesen wären als Adamantiel. Sie waren keine Morgenmuffel wie sein Patenkind.
*Guten Morgen. Habt Ihr gut geschlafen?* Seine Stimme war hell und klar und riss Adamantiel entgültig aus den Träumen. Missmutig blinzelte sie verwirrt in die Nebellandschaft, ehe sie registrierte, dass auch heute wieder ein Tag nur auf dem Pferd stattfinden würde.
*Mehr oder weniger*, murrte sie undeutlich. Es war ihr lästig im Sitzen zu schlafen ohne ein weiches Fell und nur an die Brust ihres Paten gelehnt. An die nicht selten unangenehmen Bewegungen des Pferdes hatte sie sich langsam gewöhnt und doch meldete sich ab und an das schmerzende Hinterteil. Es war ihr jedes Mal höchst peinlich, sich gewiss zu werden, dass sie in seiner Gegenwart geschlafen hatte. Er hatte bis jetzt kein Auge zugetan. Auch wenn sie rasteten, hielt Legolas stets Wache.
Der Prinz war erleichtert über das geringe Ausmaß ihrer Antwort und gab sich gern damit zufrieden. An anderen Morgen hatte er sich wüste Schimpfparaden anhören müssen und nicht selten waren seine Ohrenspitzen vor Scham rot geworden. Denn in der ruhigen Natur und den schweigenden Elben konnte ein jeder andächtig ihren weniger feierlichen Worten lauschen und nicht gerade selten zog sie über sein Volk her. Eine Angewohnheit der Zwerge, die sie unbedingt ablegen musste.
*Wie lange dauert es denn noch bis zur nächsten Rast*, murmelte sie müde und Legolas registrierte erstaunt, dass sie sich etwas näher an seine Brust kuschelte. Der Morgen war frisch und feucht und eine Decke hatte sie sich am Abend zuvor nicht um die Schultern gelegt.
*Erst wenn wir wieder in eine schützendere Umgebung gelangen*, erwiderte er ruhig aber bestimmt. Ihr Murren ignorierte er absichtlich. Er wusste, dass ihr Sicherheit nicht gerade am Herzen lag und sie nur allzu gern nach ihrem Befinden handelte.
*Nein! Lembas gibt es erst nachher. Wir müssen uns die Wegverpflegung einteilen.* Adamantiel reckte augenblicklich den Kopf in die Höhe und sah sich putzmunter um, als sie die Stimme der Freundin hinter sich vernahm. Offensichtlich wehrte sich diese gerade gegen den eisernen Willen ihrer beiden Sprösslinge. Sofort drehte sich die junge Elbin zu der zweifachen Mutter herum.
*Guten Morgen Hellina! Na? Ausgeschlafen ihr beiden?* Tinnu und Alagos hoben sofort die Köpfe und ein Strahlen legte sich auf ihre Gesichter, als sie Adamantiel erkannten. Die Elbin hatte sich oft um sie gekümmert, wenn Hellina gerade wieder Äpfel verkaufen war und die kleinen Racker hatten das Mädchen schnell ins Herz geschlossen.
Hellinas Gesicht hellte sich auch um einige Schattierungen auf. Sie war dankbar für jede Erleichterung ihrer Mutterpflichten. Adamantiel hatte sich schon so manches Mal gefragt, wo der Vater der Kinder eigentlich abgeblieben war.
*Tiel... Kannst du uns noch eine Geschichte erzählen? Eine über Zwerge*, flehte Tinnu und auch Alagos pflichtete seiner Schwester munter bei. Sie liebten die Geschichten und Legenden, die ihnen Adamantiel immer erzählte. Doch diese lief rot an als sie den fragenden Blick von Legolas auf sich ruhen spürte und den ebenso erstaunten von Hellina und Nestalinna.
*Ihr erzählt Geschichten? Über Zwerge*, fragte Legolas interessiert und ließ damit ein Panikgefühl in Adamantiels Magengegend entstehen. Eigentlich hatte sie nie vorgehabt in seiner Gegenwart Geschichten zu erzählen. Und an diesem Vorsatz wollte sie auch weiterhin festhalten.
*Ehm...nunja...gelegentlich. Wenn ich mit den Kindern alleine war*, gestand sie schüchtern. Warum, verflixt, verließ sie jetzt ihr Witz und ihr Sarkasmus? Warum war sie plötzlich so eingeschüchtert.
*Ja! Tiel kann wunderbar erzählen, nicht wahr Tinnu?*
*Mhm. Ihre Geschichten sind richtig spannend und lustig*, bestätigte nun auch Tinnu. Legolas lauschte den Kindern aufmerksam. Diese begeisterten Gesichter, das Verlangen, Adamantiel zu sehen und ihre Geschichten zu hören, stand den beiden Jungelben förmlich ins Gesicht geschrieben. Warum hatte er nie bemerkt, dass Adamantiel so wunderbar erzählen konnte?
*Nein, hört mal...ich bin müde und außerdem fällt mir gerade keine ein*, entschuldigte sich Adamantiel, drehte sich um und sah wieder geradeaus. Der Nebel verzog sich langsam und gab jede Sekunde ein wenig mehr Sicht frei. Kleine Vöglein flatterten unruhig und empört auf, wenn die Pferdehufen an ihren Nestern vorbei trampelten und schimpften wütend in der klaren Luft.
*Oooch...Warum denn nicht*, hörte sie Alagos' enttäuschte Stimme.
*Sonst plapperst du doch auch immer gleich fröhlich drauflos*, versetzte Tinnu dem schlechten Gewissen der Elbin noch einen Stoß. Adamantiel seufzte schwer. Den Kindern würde sie ja gerne viel erzählen, aber nicht wenn Legolas dabei war und auch sonst alle anderen in dieser Totenstille lauschen konnten.
Plötzlich spürte sie eine sanfte Berührung an der Schulter, die sich wie ein elektrischer Schlag in ihrem Körper ausbreitete. Erschrocken zuckte sie zusammen und dann hörte sie auch schon die Stimme des Prinzen.
*Erzählt den Kindern doch eine Geschichte. Auch ich bin gespannt, da ich noch längst nicht alles über Zwerge weiß.* Adamantiel schluckte. Es war aussichtslos!
***
Adamantiel POV
Ich glaubte mich verhört zu haben, als Legolas mich dazu ermutigte, eine Geschichte zu erzählen. Sie waren bei weitem nicht so gut, wie die Kinder behaupteten und auch so war es mir mehr als unangenehm. Eigentlich hatte ich vorgehabt wieder abends, wenn wir rasteten, mit den Kindern etwas abseits zu sitzen und ein wenig mit ihnen zu plaudern. Ich wusste nicht warum, aber diese kleinen Spitzohren hatten es mir sehr angetan und da sie meisten Eltern sowieso froh waren, dass ihnen die Aufsicht auch nur für ein paar Minuten abgenommen wurde, hatten sie nichts dagegen, wenn ich mich de Kinder annahm. Schließlich war ich beinahe volljährig.
Ich wagte einen Blick hinter mich und sah mich großen, flehenden Kinderaugen gegenüber, denen nicht einmal mein hartes Zwergenherz widerstehen konnte. Ich verfluchte kurz die Redseligkeit minderjähriger Geschöpfe und schickte mich dann an, eine Geschichte in meinem Gedächtnis hervorzukramen, die mir vor langer Zeit erzählt wurde.
*Also gut*, begann ich und quittierte das Jubelgeschrei der Geschwister mit einem fröhlichen Lachen.
*Mir ist doch etwas eingefallen. Passt auf! Ihr wisst doch sicher, was Mithril ist, nicht wahr?* Ich sah beide abwartend über die Schulter an und als sie die Köpfe schüttelten spielte ich die Empörte.
*Nicht!? Das ist das Metall aus welchem das Kettenhemd von Frodo Beutlin, dem Ringträger, gefertigt war und das er von seinem Onkel Bilbo geschenkt bekommen hatte. Dieser wiederum hatte es von den Zwergen erhalten. Aber ich will jetzt nicht über ein Kettenhemd sprechen, sondern über die Entstehung des Mithrils!*
*Och ist ja öde*, maulte Tinnu und lehnte sich desinteressiert gegen die Brust von Nestalinna. Alagos hingegen schien es zu interessieren, denn er verfolgte jede Bewegung meiner Lippen wissbegierig. Ich atmete noch einmal tief durch, als ich bemerkte dass viele nun in unserer Nähe ritten. Zwar taten alle so, als würden sie keine Notiz von uns nehmen, doch in Wirklichkeit lauschten sie gespannt, was ich zu bieten hatte. Dann begann ich mit meiner Geschichte.
~~~~~~~~~~~~~~~~*Geschichte Anfang*~~~~~~~~~~~~~~~
Nachdem die Zwerge erschaffen worden und auferstanden waren, teilte ihnen der ernannte König mit, dass sie unter der Erde leben würden. Jahre, Jahrzehnte, Jahrtausende. Er malte ihnen eine Zukunft zwischen kaltem Fels und Stein aus, den sie schürfen müssten und Metall und Eisen finden würden, dass bisher nicht bekannt war.
Das Volk folgte ihm treu. Stolz auf die Aufgabe, die es zu erledigen hatte. Denn andere Völker waren auf die Ergebnisse der Zwerge angewiesen. Die Menschen ahnten noch nichts von Stahl und Eisen und die Elben überließen die Bergarbeit gern den Zwergen.
In dieser noch neuen Zeit lebte ein junger Zwerg. Er war der Jüngste seiner Familie und wurde stets übersehen. Daher opferte er seine ganze Zeit der Ausgrabung von Diamanten und anderen wertvollen Dingen.
Er liebte ein hübsches Mädchen, aber als er sich den Eltern vorstellte und erklärte, er wollte sie zur Frau nehmen, lachten diese nur.
„Du möchtest unsere Tochter zur Frau, da du ihr doch gar nichts ordentliches zu bieten hast!" Der Vater nahm einen kräftigen Zug von seiner Pfeife und inhalierte den Rauch tief. Währenddessen musterte er den jungen Zwerg abschätzig.
„Mein Herr...Ich arbeite jeden Tag fleißig und schürfe Juwelen, Metall und andere Dinge. Nie wird es Eurer Tochter schlecht gehen." Eine Zeit des Schweigens trat ein. Die Mutter der Geliebten rümpfte abschätzig die Nase, sagte jedoch nichts. Dann lehnte sich der alte Hausherr nach vorne.
„Du darfst sie haben. Wenn du etwas findest, das schöner als Gold und härter als Diamant ist. So wertvoll, dass selbst Könige ihrer nicht würdig wären!"
Von diesem Tag an arbeitete der junge Mann verzweifelt im Stein. Tag für Tag. Nacht für Nacht. Doch er schaffte es nie, ein solches Material zu entdecken. Dennoch war ihm keine Stunde zu lang, keine Arbeit zu schwer, um zu erreichen, was man von ihm verlangte.
Das Mädchen aber, um das er geworben hatte, schien bald das Interesse zu verlieren und wandte sich Männern zu, die sie mit Juwelen statt treuer Liebe beschenkten. Doch er bemerkte es in seinem Eifer nicht. Auch Gerüchte drangen nicht zu ihm durch. Er war taub und blind. Sein Blick war fixiert auf etwas, dass er nicht finden konnte.
Eines nachts fiel Mondlicht in den tiefen Grottensee. Woher es stammte, konnte er nicht ergründen, denn er war tief unter der Erde. Tiefer als jemals zuvor.
Das Licht fiel auf die entgegengesetzte Seite und er beschloss, hinüber zu schwimmen und sich die Sache genauer anzusehen.
Klitschnass entstieg er dem See und tastete die in Mondlicht getauchte Wand vorsichtig ab. Sie schimmerte wunderbar. Kurz entschlossen zückte er sein Werkzeug und schlug einen Steinbrocken heraus. Staunend betrachtete er die Struktur des Steins. Gold schimmerte neben Diamant und verschmolz im sanften Licht ineinander und bildete ein hartes, dennoch wunderschönes Metall.
Überglücklich zeigte er diesen Stein einem Handwerker, der daraus ein Schmuckstück fertigte. Doch das Metall ließ sich nur schwer bearbeiten. Es war härter als Diamant und schöner als Gold anzusehen. Diese Nachricht verbreitete sich schnell im Reich der Zwerge. Mit dieser Errungenschaft wollte er es den Eltern der Geliebten vorlegen. Doch er erfuhr, wovor er jahrelang die Augen verschlossen hatte: Das Mädchen hatte sich mit anderen Männern vergnügt.
Gebrochenen Herzens ging er fort und gab das Schmuckstück dem Schmied zurück. Er dürfe es behalten, sagte er und verschwand dann für immer.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~*Geschichte Ende*~~~~~~~~~~~~~~~~
Ich stockte in meiner Erzählung und bemerkte, dass alle Gesichter mir zugewandt waren und alle andächtig meinen Worten lauschten. Ein merkwürdiges Gefühl durchfuhr mich, als ich die gespannten, abwartungsvollen und teilweise auch bedrückten Gesichter sah.
*Und dann?*, rief Tinnu und störte damit die andächtige Ruhe die man dem Zwerg zudachte. Anscheinend hatten selbst die Elben diese Geschichte des Mithrils noch nicht gehört.
*Der Name des Zwerges lautete Mithril*, fuhr ich fort und starrte in die Ferne. Es war mir, als könnte ich das Schicksal dieses Zwerges teilen, es nachempfinden und endlich begreifen. Zuvor hatte mich diese Geschichte nie so berührt wie jetzt. Woran lag das!?
*Als man mehr von diesem sonderbaren Metall entdeckte und es reihenweise zu Waffen und unübertrefflichen Rüstungen verarbeitete, erinnerte man sich seiner und benannte es nach ihm.* Ich seufzte tief. So schlimm war es eigentlich gar nicht, wenn man erst einmal am Erzählen war. Und zudem schien ich den Rest der Reisenden doch beeindruckt zu haben, denn alle nickten mir freundlich zu ehe sie sich wieder verteilten und weiter verteilt ritten.
*Ich hatte keine Ahnung, dass Ihr so gut erzählen könnt.* Da war sie wieder! Legolas' Stimme. Diese Stimme, die mich immer ganz unruhig werden ließ. Ich konnte ihn wohl immer noch nicht so recht leiden, redete ich mir ein.
*Ihr konntet auch keine Ahnung haben, da Ihr ja immer mit anderen Dingen beschäftigt ward*, giftete ich in meinem altbekannten Ton.
*Ich habe auch nicht die Zeit mir stundenlang wie ein kleines Kind Eure Sagen anzuhören*, giftete er ebenso liebenswürdig zurück. Ich verdrehte die Augen und seufzte lautlos. Wie gelang es uns immer, so wunderbar zu streiten?
*Ich weiß schon, warum ich sie Kindern erzähle! Die haben wenigstens noch Fantasie und Entdeckungsdrang! Im Gegensatz zu verkalkten, alten Tausendjährigen*, zischte ich gelassen und lächelte dabei Alagos zu, der immer noch aufgeregt auf dem Rücken des Pferdes hin und her rutschte. In ihm hatte ich einen treuen Zuhörer gefunden und damit auch endlich einen Weg, wie ich mein Heimweh beseitigen konnte.
*Gebt mir bitte ein Lembasbrot*, lenkte der ehrenwerte Prinz vom Thema ab.
*Ich denke ja gar nicht dran! Ihr dürft erst etwas essen, wenn wir rasten. Wie alle anderen auch*, grummelte ich und drückte mein Bein etwas fester gegen die Satteltasche.
*Ich habe aber Hunger*, beharrte er. *Und wenn Ihr mir jetzt nicht sofort und AUF DER STELLE ein Brot gebt, schwöre ich Euch, dass ich Euch nicht länger auf diesem Pferd dulde!* Eine Drohung! Das war alles, was er in einem Wortgefecht hervorbrachte, wenn ihm nichts mehr einfiel. Aber trotz der weniger erfreulichen Aussichten verweigerte ich ihm das Essen und drückte nun die Satteltasche gegen meine Brust.
Ehe ich noch einen weiteren Einwand starten konnte, ergriffen mich zwei Arme, hoben mich aus dem Sattel und ich purzelte munter auf den staubigen Boden. Glücklicherweise kam das nächste Pferd erst in zehn Metern Entfernung nach. Unglücklicherweise landete ich ziemlich blöd, schlug beim Rollen mit dem Kopf gegen einen Stein und zog mir auch so einige Kratzer zu. Dieser Mistkerl!
*Geht es dir gut?* Ein Mann mit Kapuze, die weit ins Gesicht gezogen war, war aus dem Sattel gestiegen und beugte sich nun über mich. Ich kannte diese Stimme und diesen Geruch! Wie oft hatte sie mich bis in meine Träume verfolgt. Dieser Mann mit den grünen Augen und dem hellen Haar...
*Narwainion?*, hauchte ich. Doch er antwortete nicht. Er hob mich lediglich vom Boden auf und schritt auf Legolas zu, der gnädiger Weise nun das Pferd gestoppt hatte. Anscheinend hatte auch er vorgehabt, mich wieder vom Prärieboden aufzusammeln. Doch Narwainion war ihm zuvorgekommen. Alle anderen zogen vorbei, als wäre nichts gewesen. Schließlich passierte es ab und an, dass jemand aus dem Sattel kippte. Vor allem die Kinder.
*Passt besser auf sie auf! Ihr hättet sie halten können, als sie stürzte.* Wieder diese Stimme! Narwainions Stimme, die mir einen warmen Schauer über den Rücken jagte. Aber was tat er hier? Bei unserem Aufbruch war er nicht dabei gewesen und am ersten Tag auch nicht. Aber keiner schien bemerkt zu haben, dass sich noch jemand im Laufe der Zeit unserer Gruppe angeschlossen hatte. Auch ich nicht.
*Es war ein unglücklicher Zufall*, entschuldigte sich Legolas und hielt mich kurz darauf wieder im Arm. Unglücklicher Zufall!? Ich glaubte, nicht richtig gehört zu haben! Das war reine Absicht gewesen. Doch Narwainion schien dieses Detail nicht weiter zu interessieren. Schnell wandte er sich ab und saß wieder auf seinem Pferd auf.
Ich sah ihm nicht hinterher. Aber mein Innerstes wühlte und tobte und wollte alles in Bewegung setzen, ihn noch einmal zu sehen. Aber das wäre wohl zu auffällig geworden und so fügte ich mich in mein Schicksal, weiterhin bei Legolas reiten zu müssen.
*Arroganter Elb*, knurrte ich wütend. Die Satteltasche hielt ich immer noch in den Händen.
*Gib mir Brot und es passiert nicht noch mal.* Innerlich kochte ich so heiß wie die Lava im Schicksalsberg. Dieser Elb war doch ehrlich nicht zum Aushalten! Ich hätte mir sonst was tun können. Stechender Kopfschmerz war ja schon schlimm genug, aber ich befürchtete, dass ich mir auch noch den Fuß verknickst hatte. Toll gemacht, blöder Prinz!
*Meinetwegen*, murmelte ich und konnte das triumphierende Grinsen hinter mir direkt sehen. Mies gelaunt griff ich in die Tasche, zog ein besonders großes Stück Lembas hervor und reichte es ihm über die Schulter. Doch noch ehe er zugreifen konnte, tat ich so, als hätte das Pferd eine ruckartige Bewegung vollführt und die kostbar eingeteilte Teigware landete im Staub. Die darauffolgenden Pferde taten ihr übriges, damit sich das helle Brot schön festtrat.
*Uuups...war wohl einer dieser unglücklichen Zufälle*, säuselte ich und sah Legolas in die Augen. Diese waren inzwischen beinahe lila und stürmten wie eine heftige Gewitterfront. Ich konnte sogar die Blitze sehen, die er mir entgegenschoss.
*Du kleine Zwergenbrut*, zischte er sauer an meinem Ohr und ich zuckte abermals unwillkürlich zusammen. Hoffentlich rastete er jetzt nicht aus.
*Hey! So was kann passieren*, beschwor ich ihn. Doch ich hätte ebenso einen Versuch starten können, einem Ork andere Gefühle als Hass und Mordlust abringen zu wollen. Er starrte mich böse an und verlor dann den ganzen Tag über kein einziges Wort mehr. Eine Erleichterung für meine Seele.
***
Keine POV
Erst als die Nacht schon einige Stunden alt war, legten die Elben eine Rast ein. Ein kleines Wäldchen mit einem winzigen Bach, den man eher als Rinnsal bezeichnen konnte, bot genau die idealen Vorraussetzungen für eine kleine Verschnaufpause.
Die Kinder- unter ihnen auch Tinnu und Alagos – wurden wie schlaffe Kartoffelsäcke von den Pferden gehoben, in Decken gewickelt und sanft in den moosigen Boden gebettet. Adamantiel sehnte sich mehr als zuvor danach, wieder in Tinnus Alter sein und schlafen zu können, aber sie hatte anderes zu tun.
Müde und erschöpft von der ewigen Reiterei, die kein Ende nahm, solange man nur geraden Horizont sah, lud sie die Satteltaschen von den Pferden ab und legte sie geordnet neben die Tiere. Danach machte sie sich daran zu schaffen, ein kleines Lagerfeuer in der Dunkelheit zu entzünden. Legolas war nirgends zu sehen und wo er war, wusste sie auch nicht. Genauer gesagt, interessierte es sie nicht.
Als die ersten rot-goldenen Flammen züngelten und leckten, hielt die junge Elbin ihre klammen, kalten Hände an die angenehme Wärme. Es flammten nicht mehr als fünf weitere Feuer um sie herum auf. Man wollte sich nicht verraten, falls Orks in der Nähe waren.
*Du solltest jetzt auch etwas schlafen.* Die unerwartete Stimme ließ Adamantiel aufschrecken. Das Ledertäschchen in ihrer Hand fiel haltlos ins Feuer. Funken stoben auf und tanzten ihr um die Nase.
*Verdammter Mist*, fluchte sie halblaut und sah sich nach einem Ast um, mit dem sie das Proviantsäckchen wieder aus den Flammen angeln konnte. Schließlich entdeckte sie einen geeigneten Ast und so schnell wie möglich fischte sie ihr Beutelchen aus dem Feuer.
*Verflucht!* Verärgert klopfte sich die Asche auf dem Leder ab und besah es sich im Feuerschein. Glücklicherweise hatte es keinen großen Schaden genommen. Erst jetzt nahm sie sich Zeit, sich nach dem Sprecher umzusehen. Und tatsächlich entdeckte sie eine große schlanke Gestalt im Schatten zweier Bäume. Die Arme hatte er vor der Brust verschränkt. Seine Augen spiegelten das Flackern der Flammen wider.
*Narwainion! Was tust du hier?* Der Ärger verrauchte und Adamantiel stocherte weiterhin unauffällig in der Glut herum. Also hatte sie sich heute Morgen nicht getäuscht! Der Elb, der ihr geholfen hatte, war Narwainion gewesen. Doch noch immer sah sie nicht zu ihm hin. Sie wollte nicht, dass der Elb wegen ihr aufflog. Dennoch raste das Herz in ihrer Brust wie verrückt.
*Sagen wir, ich verfolge das gleiche Ziel wie du*, erwiderte er knapp.
*Danke, dass du wieder einmal so gesprächig bist*, knurrte Adamantiel genervt. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, wovon er sprach. Wen oder was verfolgte sie denn? Sie war eigentlich nur wegen Legolas mitgekommen, oder? Und noch etwas: Wen oder was verfolgte ER!?
*Ich wollte dich nur wissen lassen, dass du immer auf mich zählen kannst.* Überrascht und leicht irritiert starrte sie nun doch in seine Richtung. Täuschte sie sich oder sah sie da ein kleines Lächeln über seine Lippen huschen? Doch noch ehe sie sich vergewissern konnte, verschwand es auch wieder. Nachdenklich wandte sie das Gesicht wieder den tanzenden Flammen zu. Wärme kitzelte ihre Nasenspitze.
*Warum folgst du mir?* Diese Frage brannte ihr schon so lange auf der Seele. Was veranlasste diesen, ihr wildfremden, Elben dazu, ihr zu folgen, sie zu begleiten?
*Ich dachte Ihr seid vielleicht durstig! Das hat nichts mit folgen zu tun*, vernahm sie eine ruhige Stimme, in der jedoch etwas bedrohliches mitschwang. Ärgerlich sah sich die Elbin um. Von Narwainion war keine Spur mehr zu sehen. Anscheinend hatte er Legolas schon vorher entdeckt und sich unbemerkt davongeschlichen.
Sie registrierte wie er sich ihr gegenüber ans Feuer setzte und ihr einen Krug hinüberreichte. Als sie ihn entgegennahm, schwappte etwas kaltes, klares Wasser über ihre Hand. Erst jetzt wurde ihr wieder bewusst, wie durstig sie war und so setzte sie gierig zum Trinken an.
*Danke.* Sie reichte den Krug an Legolas zurück. Es waren die ersten Worte seit dem Morgen die sie wieder mit ihm wechselte.
*Wer war das?* Sie zuckte unter seiner Frage zusammen als hätte er sie geschlagen.
*Wer war was*, fragte sie unschuldig zurück und beobachtete wie Legolas' Miene sich verfinsterte.
*Der Mann, mit dem du gesprochen hast*, entgegnete er ohne Umschweife. Also hatte er Narwainion gesehen! Adamantiel lief ein kalter Schauer über den Rücken.
*Ein Elb*, entgegnete sie ruhig und kramte ein Lembasbrot aus ihrem angekohlten Lederbeutel. Legolas beobachtete sie genau.
*Der Elb, der sich unter die Reisenden gemischt hat?* Adamantiel blieb beinahe das Herz stehen. Legolas hatte es bemerkt!? Vor Schreck verschluckte sie sich an dem Stück Brot und hustete keuchend. Legolas blieb einfach nur sitzen und wartete bis sich der Hustenkrampf wieder gelegt hatte. Nur war das Mädchen jetzt ganz rot im Gesicht.
*Ich weiß, dass sich jemand der Gruppe angeschlossen hat ohne mein Wissen. Doch ich habe ihn gewähren lassen. Er ist ein Elb und hat somit das Recht sich ungefragt anzuschließen, wo immer er auch hin will. Aber dennoch...* Hier legte er eine bedeutungsvolle und eisige Pause ein. *...Da ich nun gesehen habe, dass Ihr ihn kennt und er mir nicht geheuer ist, verbiete ich Euch den weiteren Umgang mit ihm.*
Adamantiel starrte Legolas an, als würde Gimli gerade in Badehose in den Suppenkessel hopsen wollen. Nicht, dass er es schon einmal getan hätte! Was erlaubte sich dieser Elb hier? Am liebsten wäre sie ihm an die Gurgel gesprungen.
*Ihr könnt nicht...*, widersprach sie. Doch ihr Einwand wurde im Keim erstickt.
*Ich kann sehr wohl*, beharrte er mit einem Ich-bin-dein-Vormund-Blick. Adamantiel schluckte mühsam alles hinunter, was sie ihm gerne an den Kopf geschleudert hätte: Flüche, Verwünschungen und alles Pech dieser Welt. Es würde eh nichts bringen, außer eine neue Streiterei zwischen ihnen. Und das, wo sie sich gerade so gut verstanden.
*Warum esst Ihr nichts*, wechselte sie das Thema, musste dann aber einsehen, dass sie besser ein anderes gewählt hätte, denn Legolas' rechtes Auge zuckte verdächtig und er vollführte die gleiche Bewegung ruhig mit den Schultern.
*Ihr habt es ja im Staub versenkt heute Morgen.* Plötzlich überkam sie ein unheimliches Mitleidgefühl. Sie wusste selbst, wie hart die körperlichen Strapazen waren und wie froh man war, hatte man Wasser, Feuer und etwas zu beißen. Und wegen ihres dummen Racheaktes hatte Legolas für heute nichts zu essen.
*Ihr müsst zugeben, dass Ihr das durchaus verdient habt*, wehrte sie trotz der kleinen Gewissensbisse ab und Legolas lehnte sich mit einem ‚Pah' zurück.
Das Feuer prasselte und wärmte die müden Gliedmaßen der Elben. Überall saßen sie nun in kleinen Gruppen, sprachen leise miteinander oder stimmten wunderschöne Lieder an, die jedoch nur für elbische Ohren gedacht waren.
Adamantiel zog fröstelnd den Umhang etwas enger um sich und knabberte hungrig an ihrem letzten Lembasbrot. Wenn sie noch lange reisen mussten, durfte sie nicht auf einmal alles aufessen, obwohl sie unbändigen Hunger verspürte.
*Hier...Ich bin satt*, murmelte sie in den grünen Stoff hinein und warf Legolas das Brot zu welches in seinem Schoß landete. Überrascht starrte der Elb sein Gegenüber an. Adamantiel wurde es unwohl unter seinen Blicken.
*Nun esst schon! Ihr habt ja schließlich nichts mehr für diesen Tag übrig. Und ich bin so satt, dass ich keinen Bissen mehr hinunterbekomme*, log sie ohne rot zu werden. Ihr Magen sprach da das genaue Gegenteil. Aber schließlich war es ja auch ihre eigene Schuld.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, nahm Legolas das Brot, stand auf und entfernte sich um einen anderen Schlafplatz zu suchen.
*Ich muss noch etwas mit den Männern besprechen*, behauptete er und entfernte sich vom Feuerplatz an dem die junge Elbin hockte. Diese Reaktion hätte sie niemals vermutet. Sie hatte wenigstens mit einem gelächelten ‚Danke' gerechnet. Aber er war ohne ein Kommentar verschwunden.
*Idiot!* Das war das einzige, was ihr zu seinem Verhalten einfiel, ehe sie erschöpft den Kopf auf eine Satteltasche bettete und schnell einschlief.
***
Es kam ihr vor als hätte sie nicht einmal zehn Minuten geschlafen, da schüttelte sie jemand an der Schulter wach. Verschlafen öffnete das Mädchen die Augen und starrte in das Gesicht zweier Kinder, die sie glücklich anstrahlten.
*Na endlich wirst du wach, Tiel. Wir dachten schon du würdest gar nicht mehr mitkommen wollen*, stieß Tinnu erleichtert hervor und sah mir Strahleaugen an. Adamantiel grinste müde und rappelte sich dann auf. Zu ihrem Erstaunen waren nicht nur Tinnu und der kleine Bruder gekommen um sie zu wecken, sondern auch andere Kinder, die sie vom Sehen her kannte. Im nächsten Augenblick wusste sie dann auch, warum sich so viele um sie scharten.
*Du...? Kannst du uns wieder eine Geschichte erzählen*, flehte ein kleines Mädchen mit seidig schwarzem Haar und nussbraunen Augen. Sie zählte kaum mehr als sechs Jahre.
Adamantiel spürte wie ihr die Hitze ins Gesicht schoss. Sie hatte nie vorgehabt, Geschichtenerzählerin für kleine Kinder zu werden. Nachdenklich klopfte sie sich die Sachen ab und trat die Glut des Feuers aus. Legolas war weit und breit nicht zu sehen. Aber die Pferde waren schon wieder da und das Gepäck fast vollständig verstaut.
*Tiels Geschichten sind nur für uns da*, verteidigte Alagos sich und seine Schwester. Die anderen Kinder sahen trüb und traurig drein. Schnell versuchte Adamantiel das Blatt zu wenden.
*Aber nein. Meine Geschichten sind für alle da*, versicherte sie lächelnd und strich einem Mädchen, das schon Tränen in den Augen hatte, sanft durch das Haar.
*Aber nicht jetzt. Wenn ihr den ganzen Tag schön brav ward und keinen Blödsinn auf den Pferden macht, erzähle ich euch am Abend etwas.* Sie seufzte als die Kinder glücklich auseinander stoben und zu ihren Eltern eilten, die kurz darauf dankbar in Adamantiels Richtung lächelten.
*Kommt Ihr oder sollen vielleicht alle auf Euch warten?* Legolas kam gelassen auf Adamantiel zu. Trotz ihrer Freundschaft waren sie der kleinen Attacken aufeinander nicht müde geworden.
*Ich will nicht wissen, wo Ihr euch die ganze Nacht herumgetrieben habt*, knurrte sie abweisend und saß auf Ivanneth auf. Das Pferd schnaubte ruhig und stieß sie eine wirbelnde weiße Wolke in den Himmel.
*Während Ihr ruhig geschlafen habt, haben wir Wache gehalten*, antwortete er wahrheitsgemäß. Adamantiel glaubte ihm. Sie wusste von den überlebenden Orks und den noch immer umherziehenden Menschen mit schwarzem Herzen.
*Ist es denn noch weit bis Ithilien?* Sie registrierte wie Legolas sich elegant hinter sie auf den Pferderücken schwang und die Zügel in die Hand nahm.
*Eineinhalb Tagesritte. Vielleicht auch zwei.* Sie nickte stumm und ergeben. Wenn diese Reise nur endlich ein Ende hatte und sie wieder die Energie hatte, ihn zur Schnecke zu machen, konnte er sich auf etwas gefasst machen.
*Das Brot war etwas trocken gestern Abend.* Die Elbin fuhr herum und funkelte ihn wütend an.
*Ich hörte, Ihr hättet im Ringkrieg auch Würmer und Staub gegessen. Da dachte ich, dieses Brot wäre ein Genuss für euch.* Allmählich hatte sie ihre Emotionen im Griff. Selbst wenn ihre Gefühle so stark in ihr brodelten wie die Wut, die sie gerade verspürte, schaffte sie es immerhin, diese zu verbergen. Was bildete sich dieser Elb nun schon wieder ein!? Da hatte sie ihm aufopfernd ihr Brot gegeben und er betitelte es als ‚trocken'.
*Gimlis Geschichten scheinen sehr interessant zu sein*, stellte Legolas ebenso spitz fest. Das sie schon längst das kleine Waldstück verlassen hatten, bekam Adamantiel gar nicht mehr mit.
*Und sie entsprechen der Wahrheit*, fuhr sie ihn an, obwohl sie selbst wusste, dass der Zwerg für sein Leben gerne übertrieb, was Wahrheiten anging.
*Hat er Euch auch erzählt, dass er sich fürchtete, als Aragorn und ich in den Berg der Toten gegangen sind*, grinste Legolas und genoss das Schweigen, das daraufhin eintrat.
*Er ist euch dann trotzdem gefolgt!* Adamantiel mochte es nicht, wenn dieser Elb ihren Ziehvater schlecht machte. Sie wusste zwar über die tiefe Freundschaft bescheid, konnte es aber dennoch nicht verstehen.
*Ja...nachdem ihm klar geworden ist, dass es peinlich wäre, wenn er als Zwerg sich nicht unter den Berg trauen würde.* Nun lachte der Prinz leise los. Die Erinnerung amüsierte ihn augenscheinlich sehr.
*Er hat Euch oft das Leben gerettet*, knurrte Adamantiel. Zumindest hatte Gimli das oft beteuert.
*Hat er das?* Legolas lachte wieder.
*So wie ich das sehe, muss ich Euch wohl bei Gelegenheit die Geschichte und den Verlauf des Ringkriegs noch einmal selbst erzählen. Nachher hat mein guter Freund noch behauptet, er selbst und nicht Frodo hat den Ring in den Schlund des Schicksalsberges geworfen.*
*Aber er hat Euch in Hels Klamm um einen Ork geschlagen!* Die junge Elbin gab nicht auf. Irgendwann musste Legolas doch einfach einsehen, dass der Zwerg besser gewesen war als er selbst!
*Hmm*, stimmte Legolas zu. Die Blonde drehte sich überrascht um.
*Ihr gebt es zu*, fragte sie perplex. Sie hatte mit einer Widerrede gerechnet.
*Warum sollte ich es leugnen? Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn*, entgegnete er gelassen und trieb Adamantiels Geduld wieder auf die Spitze.
*Hat er dabei auch erwähnt, wer bei den Pelennorfeldern gewonnen hat*, grinste er und beschleunigte den Schritt des Pferdes etwas. Sie hatten schon seit dem letzten Tag einen klaren Blick auf die Berge, die die Grenze zu Mordor bildeten.
*Er sagte, Ihr hättet gewonnen*, knirschte Adamantiel schweren Herzens zwischen den Zähnen hervor und Legolas musste wieder lachen. Es machte ihm Spaß sie ein wenig zu reizen. Offensichtlich hatte sie einen unbefleckten Stolz, den ihr keiner nehmen konnte. Selbst ihm gelang es nicht, obwohl er es immer wieder versuchte.
*In der Tat. Das habe ich. Aber nur weil Gimli durch die Beine eines Zwerges gehindert wurde, auf einen Olifanten zu springen und ihn zu erlegen.* Adamantiel schwieg nach seinen Worten. Davon hatte Gimli nie etwas erwähnt. Entweder hatte er es nicht für wichtig gehalten oder aber es hatte ihn geärgert, dass nicht er sondern Legolas das riesige Tier zur Strecke gebracht hatte.
*Ich nehme an er hat daraufhin gesagt, dass das auch nur als einer zählt*, schmunzelte Adamantiel. Legolas nickte lachend, was sie an einer Bewegung an ihrem Rücken feststellte. Die Spannung zwischen ihnen lockerte sich wieder etwas.
*Legolas! Einige unserer Späher haben eine Gruppe Orks weiter südlich gesichtet.* Sémersion preschte an den Pferden vorbei bis er vor dem Prinzen halt machen konnte. Im Flüsterton überbrachte er dem Freund die unerfreuliche Nachricht, um Frauen und Kinder nicht zu erschrecken. Adamantiels Magen krampfte sich zusammen, als sie an den Gestank und die Laute dachte, die Orks von sich gaben. Sie hatte schon mehr dieser Kreaturen im Kampf erlegt, als sie selbst Jahre zählte. Wie hatte sie sich damals gefürchtet in den Höhlen und Gängen und verzweifelten Schreien, die Sterbende hinterließen.
Unbewusst klammerten sich ihre Hände bei dieser Erinnerung an Legolas' starke Finger, die die Zügel hielten. Er spendete ihr Trost und Mut. Schließlich würde auch sie kämpfen! Ganz sicher würde sie das tun, wenn es zu einem Überfall kommen sollte. Sie war so entschlossen bei der Sache und spähte so konzentriert in der Landschaft umher, dass sie Legolas' streichelnden Daumen kaum registrierte.
*Frauen und Kinder sollen nach hinten. Die Krieger bilden eine Mauer, sodass kein Feind sie durchbrechen könnte. Wenn wirklich nur im Süden Orks sind, ist das die beste Verteidigung.* Sémersion nickte, wendete das Pferd und preschte wieder zurück, um die Anordnung des Prinzen bekannt zu geben.
*Wenn aber doch Orks woanders sind*, wandte Adamantiel ein. Die Hände hatte sie immer noch auf seinen. Sie konnte und wollte sie nicht wegnehmen. Legolas jedoch schien das nicht weiter zu berühren, denn er sah sie ernst an.
*Habt Ihr nicht gehört? Frauen und Kinder nach hinten. Da Ihr sowohl Frau als auch ein Kind seid, müsst Ihr der Anordnung sofort Folge leisten.* Die junge Elbin konnte gar nicht anders, als ihn nur verständnislos anzusehen. Er hatte ihre Bedenken einfach vom Tisch gekehrt ohne darauf einzugehen.
*Ich will aber hier bleiben und kämpfen*, beharrte sie und schaffte es endlich, ihre Hände von ihm zu lösen. Plötzlich waren ihre Handflächen ganz kalt von dem Wind, der sie sanft umschmeichelte.
*Ihr könnt ja noch nicht einmal auf Euch selbst aufpassen wie uns der Vorfall im Düsterwald bewiesen hat. Wie also wollt Ihr eine ganze Gruppe verteidigen?* Legolas blieb unerweichlich und stur.
*Dann gebt mir wenigstens meinen Bogen*, murrte das Mädchen geschlagen. Sie sah ein, dass sie ihren Vormund nicht dazu bewegen konnte, sie bei den Kriegern zu lassen. Aber unbewaffnet und hilflos wollte sie nicht zwischen einer Meute aus Frauen und Kindern hocken.
*Ihr werdet ihn zwar nicht brauchen, aber werdet glücklich damit*, zischte Legolas, griff auf seinen Rücken und hielt ihr dann den Bogen vor die Nase. Adamantiel lachte abschätzig.
*Pfeile, wenn ich bitten darf. Der Bogen allein ist so nutzlos wie ein Elb ohne Augen.* Legolas sah mit funkelnden Augen auf das zierliche Wesen vor sich hinab, griff dann aber in seinen Köcher und gab ihr ein Dutzend Pfeile. Adamantiel murrte zwar, gab sich dann aber damit zufrieden.
Der Prinz stoppte das Pferd und auch die anderen Elben hielten inne. Adamantiel sprang ab und schlängelte sich zu den hinteren Reitern durch. Dabei hielt sie unauffällig nach Narwainion Ausschau. Ob er wohl auch kämpfen würde?
*Adamantiel! Was ist denn passiert?* Die Elbin drehte sich nach der besorgten Stimme um und erkannte Nestalinna und Hellina, die jede ein Kind in den Armen hielt. Tinnu und Alagos waren noch immer erschöpft und schliefen schon seit dem Aufbruch.
*Warum müssen Frauen und Kindern nach hinten? Werden wir angegriffen? Sind wir in Gefahr?* Adamantiel bemerkte, dass nicht nur ihre Freundinnen aufgebracht zu ihr schauten und eine Antwort erwarteten. Wie würden sie wohl reagieren?
*Nun macht mal die Pferde im Stall nicht verrückt*, knurrte Adamantiel in Richtung der Freundinnen. Aber laut genug, dass jede Frau sie hören konnte. Die Männer hatten sich schon schützend vor ihnen versammelt.
*Ein paar Männer haben lediglich eine Gruppe Orks gesichtet. Aber sie werden schon damit fertig*, beruhigte Adamantiel die jungen Mütter und Mädchen, die geschockt den Blondschopf musterten. Sie genoss es festzustellen, dass die elbische Maskerade wohl weitestgehend nur den Männern gegeben war. Aber schließlich fürchteten die meisten um ihre Kinder.
*Könnte es so eingerichtet werden, dass ich ein eigenes Pferd reiten kann?* Die meisten Köpfe wurden geschüttelt, doch dann erklärten sich zwei Elbinnen bereit, zusammen auf einem Pferd zu reiten und Adamantiel ein eigenes zu überlassen.
*Was geht denn nun schon wieder in deinem verqueren Gehirn vor, Tiel*, tadelte Nestalinna, als sie erfasste, was Adamantiel vorhatte. Diese jedoch grinste nur schelmisch und stülpte sich die Kapuze ihres Reiseumhangs über.
*Ihr glaubt doch wohl nicht, dass ich mich so einfach abschieben lasse!? Schließlich kann ich auch kämpfen*, murrte sie und grinste daraufhin wieder rebellisch. Dann riss sie ihr Pferd herum und trieb es an die Spitze des Wanderzuges. Niemand schenkte ihr Beachtung. Pfeil und Bogen kennzeichneten sie als Krieger und so hinterfragte keiner. Der kühle Wind strich ihr über die Wangen und zum ersten Mal seit langem fühlte sie sich wieder frei und unbeschwert. Sie würde sich Legolas' Willen niemals beugen! Nie im Leben.
[Fortsetzung folgt!]
Diesmal wird es nicht so lange dauern!!! Versprochen!!!!!!
*sich schon mal ganz ganz lieb für alle Kommis bedankt*
Ciao ^^
