Laurie lantar lassi súrinen

Die Loesung des Knotens

"Es sind genug fuer uns beide da. Also los gehts!"

"Wir werden sehen, wer der bessere Schuetze von uns ist."

Das dumpfe Geraeusch von Knochen auf Holz liess ihn aus seinen Erinnerungen auffahren. Aber erst als es zum zweiten Mal erklang, erhob sich Legolas geschmeidig aus dem gemuetlichen Sessel, in dem er schon mehr als drei Stunden gruebelnd sass. Der Weg zur Tuer war nicht weit, doch trotzdem musste er sich zusammenreissen. Er wollte jetzt niemanden sprechen -

Leises Scharren von Tuer auf Teppich war der einzige Laut, als er seine Hand immer fester auf die Tuerklinke drueckte -

…Und schon gar nicht mit ihm. Legolas starrte den anderen Elben einige Augenblicke lang ausdruckslos an, bis er sich an seine Manieren erinnerte.

"Bitte…tretet doch ein."

Narwainion gab keinen Ton von sich, nickte nur kurz und tat dann einen Schritt nach vorne. Legolas beobachtete jede seiner Bewegungen genau und schloss dann die Tuer hinter sich.

"Setzt Euch doch." Er wies mit einer kurzen Handbewegung auf den Sessel, in dem er gerade gegruebelt hatte. Das Polster war noch warm. Narwainion folgte seiner hoeflichen, aber kalten Aufforderung. Legolas selbst zog es vor, sich auf der Bettkante niederzulassen.

"Also…" Legolas fixierte sein Gegenueber erwartungsvoll.

"Was fuehrt Euch zu solch spaeter Stunde noch in meine Gemaecher. Es muss ausserordentlich wichtig sein."

"In der Tat", antwortete Narwainion nach kurzer Zeit der Stille.

"Das ist es." Wieder sprach keiner der beiden ein Wort. In der Luft herrschte eine seltsame Anspannung. Aber sie waren Elben. Keiner von ihnen wuerde diese Ruhe mit einem unwirschen Wort unterbrechen. Sie verstanden sich auch so, nur durch den Kontakt ihrer Augen.

"Ich hege keinen Groll gegen Euch, Prinz von Ithilien." Legolas zuckte nicht einmal mit der Wimper. Aber der andere konnte erkennen, was in dem Prinzen vorging. Natuerlich konnte er das.

"Deshalb frage ich Euch: Woher ruehrt Eure Abneigung gegen mich?" Der Blick Narwainions, schien Legolas durchbohren zu wollen. Aber dieser hielt stand, verkrampfte die Finger ineinander und schlug ein Bein ueber das andere.

"Ich glaube, das muesstet Ihr sehr genau wissen, Lord. Ich weiss nicht, was Ihr mit Eurer Geheimnistuerei erreichen wollt, aber lasst mich Euch eines wissen: Haltet Euch in Zukunft von ihr fern." Legolas war ruhig. Viel zu ruhig, im Gegensatz zu dem, was in seinem Innersten vor sich ging. Er beobachtete, wie Narwainion langsam einen Arm um die Rueckenlehne des Sessels legte.

„Ihr meint Adamantiel?" Legolas nickte.

„Also hat der Zwerg sein Wort gehalten. Er hat sie letztendlich den Elben zurueckgegeben. Mit ganzem Herzen hat er sie gehen lassen." Narwainion erhob sich aus dem Sessel, und kam auf Legolas zu. Als er ihn erreicht hatte. Legte er ihm leicht die Hand auf die Schulter.

„Ich danke Euch, Prinz der Elben. Es gaebe keinen Besseren, unter dessen Obhut sie stehen koennte."

„Was interessiert Euch ihr Schicksal?" Legolas versuchte die Hand des anderen abzuschuetteln, doch es gelang ihm nicht.

„Es hat mich schon immer interessiert. Es gibt keine Minute seit ihrer Geburt, dass ich nicht an sie gedacht habe."

„Seit ihrer Geburt?" Diesmal war Verwirrung auf Legolas Gesicht zu lesen.

„Seit ich sie in die Arme ihrer Mutter gelegt habe", erwiderte der blonde Elb und drueckte Legolas Schulter im Zuge einer laengst vergangenen Erinnerung.

„Dann seid Ihr..." Legolas wagte kaum zu atmen.

„Nein...Ich bin nicht ihr Vater. Aber es ist richtig...Ich bin der Vater ihrer Mutter."

Schweigen. Der silberne Schein des Mondes fiel durch die Vorhaenge ins Zimmer und ging in den goldenen Schimmer der Kerzen ueber, die den Raum halbwegs erhellten.

„Und was koennte mich dazu bewegen, euch zu glauben?" Legolas blieb skeptisch.

„Oh...Ihr muesst mir keinen Glauben schenken. Ich wollte Euch nur das verraten, was ich Adamantiel heute Nacht waehrend des Balls preisgegeben habe. Ich gehe nicht davon aus, dass sie es Euch selbst erzaehlen wird. Und da Ihr von Natur aus eifersuechtig zu sein scheint..." Der weise Elb, naehrte sich der Zimmertuer.

„...dachte ich, es waere besser, wenn Ihr wisst, was sie weiss. Ansonsten geratet ihr wieder unnoetig aneinander... Ich liebe sie. Aber nicht so, wie Ihr sie zu lieben scheint. Ich liebe sie mit dem Herzen das ein Vater fuer sein Kind in seiner Brust traegt... Schlaft gut." Mir diesen Worten verliess er den Raum und liess Legolas sprachlos zurueck. Was fiel diesem Narwainion ein, zu behaupten, er, Legolas, wuerde Adamantiel lieben?

Am naechsten Morgen

Adamantiel POV

...Vogelgezwitscher? Sonne in meinem Gesicht...?

Ich schlug muede die Augen auf. Warum war ich nicht ausgeschlafen? Was hatte ich gestern so lange gemacht?...Ah!

Wie der Blitz fuhr ich aus dem Bett, als ich an Narwainions Worte dachte.

Es gibt jemanden, der dich wirklich von Herzen liebt. Haenge dein Herz nicht an mich.

Ich wirbelte im Zimmer herum. Wo, zum Feuer des Schicksalsberges, hatte ich meine verdammten Sachen liegen gelassen? Dort in der Naehe des Fensters lag das rote Kleid vom gestrigen Abend. Aber wo waren meine Reisegewaender? Meine nackten Fuesse tapsten aufgeregt hin und her. Natuerlich nicht nur die. Wenn sich meine Fuesse bewegten, dann ja wohl auch ich...Aber warum dachte ich jetzt ueber so etwas nach! Was wollte ich noch..? Ach ja...meine Reitgewaender.

Es gibt jemanden, der dich von Herzen liebt.

Wer sollte das denn bitte sein? Ich kannte zwar jetzt schon mehrere Menschen und Elben, aber mir wollte beim besten Willen nicht einfallen, wer von meinen Bekanntschaften mich lieben koennte. An Legolas dachte ich gar nicht erst. Der hasste mich. Zumindest manchmal. Ich gab ihm ja auch nie einen Grund, mich zu moegen.

Ich hatte gestern versucht, Narwainion zu finden, aber der war spurlos verschwunden! Was dachte der sich, mir nur solche Informationshaeppchen vorzuwerfen und sich dann nicht mehr blicken zu lassen. Und ausserdem: Wie kam es eigentlich dazu, dass ich mit ihm auf dem Balkon alleine war?

Ich hielt einen Moment in meiner Suche inne und versuchte, mich zu erinnern. Doch ich gab es schnell wieder auf. Ich wusste es einfach nicht mehr.

„Da seid ihr ja", rief ich meinen Kniestruempfen zu, als ich sie unter einem Stuhl hervorsehen sah.

„Mylady?" Ich hatte gar nicht gemerkt, dass die Zofe an die Tuer geklopft hatte. Ich drehte mich laechelnd um. Doch dann erkannte ich, wer das Maedchen war.

„Das Maedchen von gestern..." Sie schlug die Augen nieder. Aber jetzt, da ich sie sah, wusste ich, dass sie wirklich nicht angeklopft hatte.

„Mein Name ist Ingjara, Mylady. Und ich entschuldige mich noch einmal, euch gestern belaestigt zu haben.

Oh ja! Das hast du in der Tat. Vor allem dein schmachtender Blick zu Legolas! Du kleines Biest hast mich mit Absicht umgerannt! Nur zu Schade, dass ich dir das nicht sagen kann, weil ich nicht will, dass er das irgendwie erfaehrt...

„Schon vergeben und vergessen. Was moechtest du?" Ich laechelte, wie alle Elben laecheln wuerden. Endlich zeigten Legolas daemliche Benimmstunden eine gewuenschte Wirkung. Ich konnte laecheln, obwohl ich wuetend war! Verdammt gute Schummler waren wir, die Elben.

„Prinz Legolas schickt mich" Fuer dich Lord von Ithilien dachte ich grimmig.

„Er meinte, ich sollte nachsehen, ob ihr nicht noch schlaft." Bis vor fuenf Minuten hab ich noch geschlafen du...

„Und? Was ist das Ergebnis", fragte ich schnippisch. Sie fixierte mich feindlich. Hah! Sie hatte diese tolle Maskerade nicht drauf.

„Es sieht so aus, als wuerdet Ihr die Abreise doch nicht verpassen." Haettest du wohl gerne, du kleine Hexe?

Irgendwie musste ich mich doch noch an ihr raechen koennen...Irgendwie...

„Nein. Ich wuerde niemals meinen Verlobten allein gehen lassen." Was DUEMMERES konnte dir auch nicht einfallen, Adamatiel! Bete zum Gott der Zwerge, dass Legolas diese Luege niemals zu hoeren bekommt.

„Ihr seid verlobt Mylady?" Jaja...Tu nur so beilaeufig! Ich weiss genau, dass dich das brennend interessiert.

„Ja", log ich munter weiter, waehrend ich mein Hemd ueberstreifte. Schon allein diese Luege erregte bei mir Kotzkraempfe.

„Darf ich fragen, wer der Glueckliche ist?" NEIN!

„Natuerlich." Ich laechelte besonders falsch und gluecklich. Zum Glueck hing kein Spiegel in der Naehe. Ich wollte nicht sehen, wie schrecklich schleimig ich in diesem Moment aussehen musste.

„Falls es dir noch keiner verraten hat, was bei diesem Klatsch, den die Menschenmaedchen gerne treiben, eigentlich unvorstellbar ist..."ich beugte mich geheimnistuerisch nach vorn und daempfte die Stimme. „...es ist Legolas." Ich haette alles gegeben um diesen Gesichtsausdruck fuer ewig festzuhalten. Er war einfach nur zu schoen und zu bloed. Das hatte sie jetzt davon. Hoffentlich waren ihre Seifenblasentraeumereien von „Dienstmaedchen heiratet Elbenprinzen" jetzt endlich zerplatzt. Ich konnte es nahezu hoeren.

Ich raffte meine Sachen zusammen und schritt erhobenen Kopfes zur Tuer, waehrend diese Ingjara sinnlos auf der Stuhlkante hin und her wischte, als gaebe es da einen besondes haesslichen Fleck. Aber ich wusste, da war keiner und schloss triumphierend die Tuer.

„Adamantiel!" Ich zuckte zusammen, als ich meinen Namen hoerte.

„Ich habe dich schon gesucht. Du musst dich beeilen, alle warten auf dich."

„Mylady Arwen." Ich neigte leicht den Kopf. Doch die Koenigin laechelte nur warm und hob mein Kinn wieder an. Wir sahen uns lange an. Beinahe schon zu lange, sodass ich mit meiner mehr oder weniger erlernten Geduld kaempfen musste.

„Ich sehe in deinen Augen die Unabhaengigkeit und die Stolzheit einer Koenigin. Du musst dich vor niemanden beugen. Sei stark...in allem, was dir zustossen wird. Vielleicht kommen einmal harte Zeiten."

„Aber wir leben in Frieden." Ich wusste nicht, warum mir so warm ums Herz wurde, als Arwen meine Hand in die ihre nahm.

„Das ist wahr. Aber nach jeder Aera des Friedens folgt eine Aera des Krieges und der Angst. Nur weiss niemand, wann es sein wird. Aber du, du wirst dich niemandem beugen. Lass dir deine Natuerlichkeit nicht nehmen, auch wenn einige anderes von dir Verlangen." Das dunkle Braun ihrer Augen schien ein Geheimnis zu wahren.

„Das werde ich beherzigen, Koenigin Arwen. Ich bin gluecklich, dass ich Euch noch einmal sehen durfte." Dann tat ich etwas, das ich mir nicht mehr zugetraut haette. Ich folgte meinen Impulsen und umarmte die schoene, weise Frau.

„Gib auf dich acht", fluesterte sie leise als wir uns voneinander entfernten. Ich drehte mich um und ging. Doch tief in meinem Herzen wusste ich, dass ich sie nie verlassen wuerde. Und wenn ich jemals eine Vorstellung von meiner wahren Mutter gehabt haette, sie waere so gewesen, wie die Frau des Elessar.

Legolas POV

Allmaehlich hatte ich es satt. Immer musste sich diese kleine Goere einen Extratitel holen. Wir warteten schon ueber eine Stunde auf der riesigen Plattform. Der Baum des Koenigs trug saftige gruene Blaetter, die sich sanft im Wind hin und her wiegten. Wenn meine Seele ebenfalls so ruhig gewesen waere! Aber ich war aufgewuehlt. Seit dem naechtlichen Besuch dieses Narwainions. Ich hatte ihn bisher noch nicht unter den Aufbrechenden entdeckt.

Eine Hand legte sich auf meine Schulter.

„Wahre deine Geduld, mein Freund. Es ist unnoetig sich ueber Kleinigkeiten aufzuregen." Ich sah zu Aragorn auf. Das stattliche Pferd, auf dem er sass, war dem eines Elben gleich. Die Krone auf seinem Kopf, liess ihn noch mehr Wuerde und Weisheit ausstrahlen, als vorher, als wir zusammen gekaempft hatten. Ich liebte den Frieden, doch ich vermisste die alten Zeiten, in denen ich Seite an Seite mit meinen Freunden um ihn gekaempft hatte.

Ich seufzte tief.

„Du hast recht. Es lohnt sich wirklich nicht. Aber meine Seele findet keine Ruhe. Seit Sie in mein Leben gestolpert ist, haengt ein Schatten, eine unbestimmte Unruhe ueber meinen Gedanken." Das Fluestern meiner Stimme war mir selbst unheimlich.

„Vielleicht machst du einfach nur eine Erfahrung, die du ueber Jahrtausende noch nicht gemachst hast." Aragorns Augen laechelten gutmuetig.

„Wirst du mir helfen? Du musst etwas ueber diesen Narwainion herausfinden." Die Hand auf meiner Schulter drueckte etwas fester zu.

„Ich habe es nicht vergessen mein Freund. Ein Koenig muss auch auf Festen und Baellen seine Gedanken klar halten."

„So meinte ich es nicht", antwortete ich verlegen. Natuerlich wusste ich, dass man sich auf Aragorn immer verlassen konnte.

„Ich habe schon einen Vertrauten in der Bibliothek eingewesen. Noch gestern Nacht. Vielleicht findet er den Namen dieses Elben oder etwas ueber das Goldene Blatt."

Ein Raunen ging durch die Menge und lenkte meine Aufmerksamkeit vom Gespraech ab. Ich wusste erst nicht, was es war, aber dann entdeckte auch ich das blonde Maedchen, das schnell die Treppen heruntergerannt kam.

„Er besuchte gestern meine Gemaecher. Angeblich ist er der Vater ihrer Mutter. Aber es wirft so viele Fragen auf. Warum lebte er nicht mit ihr zusammen? Warum haben sie das Kind zu den Zwergen gegeben? Und wo sind ihre Eltern? Ich kann nicht glauben, dass er ihr Grossvater ist." Ich nickte mit dem Kopf in Adamantiels Richtung, damit Aragorn verstand. Dieser hielt kurz den Atem an.

„Dann ist es wirklich Zeit, uns auf die Suche nach der Loesung des Raetsels zu machen. Ich schicke dir einen Boten, sobald wir etwas gefunden haben."

„Ich danke dir, mein Freund. Lebe wohl bis zu unserer naechsten Begegnung." Ich legte Aragorn den rechten Arm auf die linke Schulter und wir sahen uns fest in die Augen. So hatten wir es schon immer getan und so wuerde es auch immer bleiben. Dann gab ich meinem Pferd die Sporen und ritt auf Adamantiel zu, die lachend bei Hellina und Nestalinna stand. Ich streckte die Arme aus und zog sie in einer fliessenden Bewegung auf mein Pferd.

„Hey! Was soll das? Ich kann selbst reiten", protestierte sie, wie ich es von ihr erwartet hatte. Ich lachte und wuschelte ihr einmal ueber den Kopf.

„Ja aber wir muessen befuerchten, dass Ihr verloren geht, wenn Ihr immer so langsam seid." Das brachte mir einen Rippenstoss ein.

„Habt Ihr gut geschlafen?" Ich ignorierte die Kampfbereitschat ihrerseits.

„Besser als in elbischen Betten", fauchte sie zurueck. „Oder auf dem Ruecken Eures Pferdes." Diesmal wollte ich es nicht ueberhoeren.

„Aber wenn ihr an meine Brust gelehnt ward, dann habt Ihr geschlafen wie noch nie zuvor." Ich wartete nicht auf ihre Antwort, sondern rief den Maennern Befehle zum Aufbruch zu.

„Wo ist Narwainion?" Ihre Stimme klingelte in meinen Ohren.

„Nestallina! Nach vorne, zu den Kindern. Heute musst du ihnen Geschichten erzaehlen." Die junge Elbin grinste frech, als sie mit wehendem Haar an uns vorbeiritt.

„Wo ist Narwainion?" Ich sah, wie die Koenigin Arwen, Tochter Elronds, die Hand zum Abschied hob. Ich tat es ihr gleich.

„Wo ist Narwainion?" Langsam ritten wir nach unten, die Ringe der Stadt entlang. Menschen an den Seiten schenkten uns Blumen. Die Augen der Kinder waren verzueckt vom Anblick so vieler unsterblicher Wesen.

„WO IST NARWAINION?" Einige Elben drehten sich stirnrunzelnd um. Ich ahnte, was sie dachten. Es waere alles viel leichter und unkomplizierter ohne Adamantiel. Aber ich hatte nun einmal Gimli mein Wort gegeben. Und nun war da noch diese Sache mit ihrem heissgeliebten Narwainion.

„Ich weiss es nicht", antwortete ich ruhig. Natuerlich glaubte sie mir nicht.

„Ihr habt ihn ausgeschlossen, nicht wahr? Ihr habt ihm verboten, uns zu begleiten!" Ich spuerte, wie ich wieder aergerlich wurde. Ich aergerte mich eigentlich nur, wenn sie dabei war.

„Und wie soll ich das bitte gemacht haben? Er gehoert nicht zur Gruppe und kann kommen und gehen wann und wohin er will. Ausserdem waere er einfach mitgekommen. Er ist genauso dickkoepfig und stur wie Ihr."

„Ihr habt ihm gedroht", antwortete sie trotzig. Ich sah ihr Gesicht nicht, aber dafuer das wundervolle, blonde Haar, dass rote und schwarze Straehnchen vorwies. Wie es sich wohl anfuehlte darin herumzuwuehlen...

„Adamantiel...?" Meine Stimme war seltsam weich. Sie drehte sich verwundert um. Auch sie schien den veraenderten Ton bemerkt zu haben.

„Was?" Ihre Augen funkelten stolz und trotzig. Und in diesem Moment musste ich erkennen, dass die Reise nach Ithilien schlimmer werden wuerde, als die durch die Pfade der Toten.

„Was wisst Ihr ueber diesen Mann?" Sie war ueberrascht von meiner Frage und musterte mich eine kleine Weile.

„Nichts Bestimmtes, aber ich fuehle mich wohl bei ihm. Was man ueber Euch nicht sagen kann."

Ich seufzte.

Narwainion hatte recht behalten. Es waere wieder zu einem unsinnigen Streit gekommen, waere er gestern nacht nicht zu mir gekommen. Nun war ich auch sicher, dass Adamantiel vielleicht viel mehr ueber ihre Herkunft wusste, als sie jemals zugegeben wuerde. Aber ich beschloss, fuer mich zu behalten, dass ich Narwainions Geheimnis ebenfalls erfahren hatte.

Keine POV

Der Streifen zwischen Himmel und Erde flimmerte vor Hitze. Der Sommer war in Gondor eingefallen und vor den Reisenden lag eine weite Graslandschaft. Legolas erinnerte sich daran, als diese Ebene noch aus harter Erde und Staub bestanden hatte – Zu Zeiten des Ringkrieges. Aber Aragorn hatte gute Arbeit geleistet. Hier und dort sah man weissen Rauch aus einem Hauskamin in der Ferne aufsteigen. Das Land war lange nicht mehr so trostlos anzusehen, wie es vor einem halben Jahrhundert der Fall gewesen war. Die Menschen hatten sich also wieder daran gewoehnt, in Frieden zu leben.

Das Land brauchte einen Koenig.

Und es gab Hoffnung, dass jemand Aragorn auf den Thron folgte. Legolas sog tief die Luft ein. Sie war rein und frisch. Er hatte es gespuert. Es waren keine Worte zwischen ihm und Arwen noetig gewesen. Er hatte das wachsende Leben in ihrem Leib spueren koennen, als er sie zur Begruessung beruehrt hatte. Der Elb laechelte. Bald wuerde er zurueckkehren muessen: Zur Geburt des Sohnes Aragorns.

Ein Rippenstoss verscheuchte die froehlichen Gedanken an den Thronerben. Legolas wurde wieder ins Hier und Jetzt versetzt.

„Was grinst Ihr so bloede? Habt Ihr heimlich geraucht oder was? Das solltet Ihr lieber lassen. Gimli meinte, den Elben wuerde das im wahrsten Sinne des Wortes zu Kopfe steigen. Deshalb laufen die auch alle wie auf Wolken. Ich hab mich schon immer gefragt, ob das stimmt."

„Langsam muesstet Ihr aber wissen, dass an Gimlis Geschichten immer nur ein Hauch von Wahrheit haengt."

Adamantiel prustete missgestimmt. Ihr war langweilig und wenn jemand Gimli kritisierte, wurde sie sowieso boese. Sie liebte den alten Zwerg einfach ueber alles. Auch wenn er manchmal etwas eigenartig, muerrisch und spiessig war.

„Und was sagt Ihr zu der Geschichte, bei der Ihr mit Gimli um die Wette mordet?" Legolas runzelte die Stirn. Wann hatte er denn gemordet?

„Ich glaube Ihr verwechselt Morden mit Verteidigung. Wir haben fuer Gondor und Mittelerde gekaempft." Er erinnerte sich genau, und ahnte, welche Geschichte folgen wuerde.

„Auch egal. Gimli meinte, er haette Euch um einen Ork geschlagen." Sie grinste ihn ueber die Schulter an.

„In Helms Klamm. Erinnert Ihr Euch?"

„Natuerlich erinnere ich mich. Aber sicher hat er vergessen, Euch von der Schlacht von Gondor zu erzaehlen."

„Er hat es mal erwaehnt, ja", antwortete Adamantiel nachdenklich. Komisch das Gimli darauf nie ganz eingegangen war.

„Habt Ihr davon gehoert, dass unsere Feinde Ollifanten benutzten, um uns zu besiegen?" Adamantiel starrte ihn mit grossen Augen an.

„Ollifanten?" Legolas nickte zustimmend. Diesmal konnte er sich ganz bestimmt Pluspunkte bei Adamantiel holen.

„Ja...Ich habe einen davon mit einem einzigen Pfeil zur Strecke gebracht. Hat euch Gimli nicht davon erzaehlt?" Seine Stimme strotzte nur so vor Stolz. Jetzt musste sie ihn auch einmal bewundern. Es war unmoeglich, dass sie das kalt lassen wuerde. Aber komischerweise sagte sie nichts. Sie sass vor ihm auf dem Pferd. Einige blonden Straehnchen wehten ihm um die Nase.

„Ihr muesst Euch vorstellen, das ein ausgewachsener Ollifant groesser ist als ein Baum." Doch sie reagierte noch immer nicht. Sicher ist sie sprachlos vor Bewunderung, dachte Legolas.

„Adamantiel?"

„Ihr habt einen getoetet?" Ihre Stimme klang ganz normal. Aber haette er ihr Gesicht gesehen, haette er lieber den Mund gehalten. Ihre Augen waren unglaeubig geweitet, das Gesicht entsetzt.

„Es war meine Pflicht und dadurch habe ich viele Leben gerettet", erwiderte er.

„Aber ihr habt ein Tier getoetet, dass nichts dafuer konnte! Ihm wurde der Wille der Menschen aufgezwungen, die es gefangen haben!" Jetzt drehte sie sich zu ihm um und sah im verabscheuend ins Gesicht. Und mit einem Male wusste Legolas, warum der sonst so geschwaetzige Gimli ein einziges Mal die Klappe gehalten hatte. Warum musste er selbst jetzt der Dumme sein?

„Adamantiel...Es...es war Krieg", versuchte er zu erklaeren. Aber sein kleiner Schuetzling drehte ihm nur wieder den Ruecken zu und beschloss, die naechste Zeit kein Wort mehr mit ihm zu reden.

Nestallina und Hellina, die das Schauspiel aufmerksam verfolgt hatten, kicherten nur spoettisch. Auch wenn Prinz Legolas der begehrteste Mann ganz Mittelerdes war, Adamantiel wuerde er wohl nie richtig fuer sich gewinnen koennen. Zumindest musste er das glauben. Die Feundinnen wussten es besser. Oder dachten es. Ein Gutes hatte Adamantiels Redestreik allerdings: Die Reise verlief mehr oder weniger ruhig und ohne Streitereien, die die Luft erfuellten.

„Sind wir schon da?" Adamantiel wippte unruhig von vorn nach hinten und wieder nach vorn. Dabei legte sie in jede ihrer Bewegungen immer mehr Schwung. Vielleicht koennte sie Legolas so vom Pferd schubsen.

„Nein", murrte Legolas verstimmt. Die letzten zwei Stunden oder gar schon mehr, hatte Adamantiel nichts anderes gesagt oder gefragt. Nur diese eine Frage, die die Geduld des Elben abermals auf eine harte, harte Probe stellte. Er hoffte nur bald die Grenzen Ithiliens zu erreichen. Aber auch dann wuerde es noch einen oder zwei Tage dauern, ehe sie in den Waeldern einen geeigneten Platz gefunden hatten, um ihre Kolonie zu gruenden.

Seine Ohren nahmen die Vibration, als Adamantiel abermals Luft holte, um dieselbe Frage zu wiederholen. Aber diesmal war er schneller. Seine Hand schnellte nach vorn und legte sich sanft, aber entschlossen auf ihren Mund. Es dauerte einige Augenblicke, dann erhielt er auch den erwarteten Rippenstoss, nur dass der diesmal in die Magengegend ging. Legolas keuchte, aber er liess nicht locker. Im Gegenteil: Er zog sie naeher zu sich und drueckte ihren Kopf gegen seine Brust,

„Maf foll baf? (Was soll das?)" Er sah nur einen kurzen Augenblick hinab. Und dieser Augenblick reichte aus, ihm einen heissen Schauer ueber den Ruecken zu jagen. Ihr Kopf leicht zur Seite geneigt, seine Hand auf ihren Lippen und ihr unschuldiger, hilfloser Blick, den sie manchmal hatte, wenn sie unsicher war, liessen ihn tief einatmen.

Adamantiel konnte sein Herz und seinen Atem hoeren. Aber sie konnte sich nicht erklaeren, warum Legolas auf einmal so tief und lang atmete, das Herz aber ploetzlich um das dreifache schneller schlug. Obwohl es auch in ihrer Brust heftig schlug.

Die Allergie, dachte sie. Es musste an der Allergie liegen und Legolas hatte sich angesteckt. Aber auch wenn sie versuchte, sich diese Ausrede einzureden, wusste sie im tiefsten Innersten, dass ihre Allergie nur in ihrer Vorstellung existierte und das hier etwas weitaus anderes war.

Sie spuerte Legolas Atem an ihrer Wange, als er seinen Kopf weiter nach unten neigte. Und unwillkuerlich drehte sie den Kopf leicht so, dass Legolas, wenn er gewollt haette, seine Lippen auf ihre Wange haette legen koennen.

„Es kommt in die heisse Phase", fluesterte Nestalinna der Feundin zu und deutete nach vorn. Hellina folgte ihrem Blick und grinste sogleich.

„Mami? Was ist denn eine heisse Phase." Tinnus neugierige Kinderstimme durchschnitt die Luft. Hellina legte ihr schnell die Hand auf den Mund, doch es war schon zu spaet. Legolas hatte sie gehoert, hob den Kopf wieder, raeusperte sich und liess Adamantiel los.

„Tinnu!" Hellina sah ihre Tochter tadelnd an.

„Wenn der Kuchen spricht schweigt der Kruemel." Nestalinna lachte laut los. Es war typisch fuer Hellina, nicht mit ihren Kindern zu schimpfen sondern mit Metaphern zu tadeln.

„Aber Kuchen koennen nicht sprechen", protestierte Tinnu. Ihre Mutter strreichelte ihr laechelnd durchs Haar.

„Das heisst, wenn sich die Erwachsenen unterhalten, haben die Kinder sich nicht einzumischen, mein Schatz."

„Tschuldigung", murmelte Tinnu. Aber Hellina lachte nur. Vielleicht war es besser so. Vielleicht brauchten die beiden noch Zeit. Zumindest so lange, bis Adamantiel sich im Klaren war, dass sie keine Allergie hatte. Jetzt jedenfalls, hoerte man sie wieder munter drauf losschimpfen in Worten, die die Freundinnen und anderen lieber ueberhoert haetten. Und sie waren sich sogar sicher, dass Adamantiels Standpauke der Grund fuer Legolasrote Ohren war.

Die Luft flimmerte nicht mehr, denn der Tag neigte sich schon seinem Ende zu. Narwainion sog tief und geniesserisch die frische Luft ein. Er konnte die Reisenden nicht mehr sehen. Nicht einmal mit seinen guten Augen elbsicher Herkunft. Aber es war sicherer so. Er wollte nicht, dass sie wussten, dass er ihnen folgte.

„Was meinst du? Wird er sie darauf ansprechen oder fuer sich behalten, dass er weiss, was sie angeblich auch weiss?" Ein lautes Grunzen war die Antwort und er steichelte dem wilden Eber ueber den Kopf.

„Ja. Das denke ich auch." Narwainion lachte, zog eine Pfeife aus seinem Umhang hervor und aus der kleinen Tasche, die er mit sich trug, etwas braun-gruenliches. Dann liess er sich gemuetlich nieder und begann seine Pfeife zu stopfen. Dabei wippte er mit dem rechten Fuss immer wieder hin und her. Er war auch der Meinung, dass die beiden nichts davon erzaehlen wuerden, was er ihnen in der Nacht verraten hatte. Legolas dachte, dass er ihm das gleiche verraten hatte, das er Adamantiel erzaehlt hatte. Aber dem war nicht so. Im Gegensatz zu dem Prinzen, wusste sie nichts. Sie hatte nicht einmal einen Hauch von Ahnung. Aber so musste es auch bleiben und er vertraute auf das Missverstehen und Misstrauen der beiden. Denn wenn Legolas etwas verriet, waere Narwainions Leben in Gefahr. Und nicht nur das. Auch das Leben seiner Tochter und deren Mannes. Und deshalb musste er jetzt Abstand halten. Sie musste ihn vergessen. Zumindest bis nach ihrem hundertsten Geburtstag.

Er erinnerte sich daran, wie er sie als Saeugling, in stroemenden Regen, zu den Zwergen gebracht hatte. Sie hatten viel diskutiert, denn damals war die Feindschaft noch sehr aktuell. Bis sich dann ein Zwerg namens Gimli ihrer angenommen hat. Und das mit grossem Erfolg.

Narwainion zog nochmals an seiner Pfeife. Weisser Rauch stieg in den Himmel auf und verklaerte fuer einen Moment das Blau des Himmels.

Wenn er diesen Zwerg wiedersah, wuerde er ihm danken muessen.

„Gimli Gloinssohn", murmelte er vor sich hin. Gimli war einer der neun Gefaehrten gewesen. Und Legolas gehoerte auch dazu. Das Schicksal der jungen Adamantiel war in dem Moment bestimmt worden, als Legolas und Gimli zum ersten Mal aufeinandertrafen.

Narwainion selbst war anwesend gewesen zur Versammlung. Der Zwerg hatte ihn nicht erkannt. Und wie gerne haette der alte Elb Nachricht von seiner Enkelin erhalten. Aber er musste so tun, als wuerde er nicht existieren. Also gaebe es weder ihn, noch ihre Eltern.

Er seufzte, als er sich erinnerte, wie uebergluecklich seine Tochter ausgesehen hatte , als sie ihm an jenem Tag die groesste Freude bereitet hatte...

Flashback

Es war einer der schoensten Fruehlingstage im Leben Narwainions. Die Sonne strahlte vom wasserblauen Himmel herunter, neckte die Augen von in Dunkelheit lebender Geschoepfe; Pflaenzchen und Blueten genossen die Waerme und wiegten sich im sanften Wind. Der kleine Bach plaetscherte in der Naehe.

„Vater!" Narwainion stoppte das Hin und Herwippen im Schaukelstuhl und sah seiner Tochter entgegen, die immer naeher kam. Dann, als sie ihn fast erreicht hatte, erhob er sich und ging die letzten Schritte auf sie zu.

Mit einer ueberschwanglichen Energie flog sie in seine Arme.

„Was ist dir widerfahren", fragte er lachend „du strahlst wie die Sonne selbst." Die schoene blonde Elbin kicherte wie ein kleines Maedchen an seiner Brust.

„Nicht nur die Sonne! Auch das Licht der Sterne strahlt in meinem Herzen, Vater." Bei diesen Worten loeste sich Narwainion von ihr, schob sie etwas von sich und betrachtete sie eingehend.

„Du siehst veraendert aus. Du scheinst gereift zu sein. Und das, obwohl ich dich jeden Tag beobachte, wie du immer wieder versuchst, einen Apfel bei Kinu zu klauen, Jiona." Wieder lachte die junge Frau und ihre Wangen leuchteten aufgeregt.

„Und ich dachte du bist so weise, dass du es mir an der Nasenspitze ansiehst", neckte sie ihren Vater, zog seine Hand naeher zu sich und legte sie dann auf ihren Unterleib. Fuer einen Moment herrschte Schweigen. Narwainion war zu ueberrascht, um etwas sagen zu koennen. Doch dann sah er seiner Tochter wieder ins Gesicht und strahlte bis ueber beide Ohren, sodass man auch endlich die lang gesuchte Aehnlichkeit zwischen Vater und Tochter erkennen konnte.

Flashback

Sie ist zu recht stolz gewesen, dachte Narwainion und klopfte seine Pfeife aus. Alle waren uebergluecklich und voller Hoffnungen – bis zur Geburt des Kindes. Die war der schrecklichste Tag in seinem langjaehrigen Leben gewesen.

Narwainion schuettelte den Kopf. Er wollte jetzt nicht daran denken. Nicht jetzt.

„Auf geht's", rief er seinem treuen Weggefaehrten zu, klopfte sich den Staub von der Hose und beide, Elb und Tier, setzten sich in Bewegung.

Fortsetzung folgt!

Puh...lyncht mich! Schlagt mich, foltert mich! Nicht nur dass es ewig gedauert hat, ich hab auch unheimliche Probleme mit der Deutschen Grammatik bekommen! HILFE! Also nochmal: Fuer die die es noch nicht wissen, ich bin in Costa Rica. Vorraussichtlich noch bis August. Also bitte bitte, mildert wenigstens damit euer Strafurteil ab! Ich hoffe es hat euch gefallen. Ich hab diesmal schoen viel Interessantes und Neues und Raetselhaftes eingebaut. Hoffe mal, dass ihr euch nicht ganz so an dem „oa" „oe" und „ue" gestoert habt.

Hab euch voll lieb! DANKE FUERS WEITERLESEN!

Eure Sleepy Bird