Laurie lantar lassi súrinen
Wie Gold fallen die Blätter im Wind
Ein Neuanfang
Legolas POV
Du hast was? Ich tippte nervös wie ein kleiner Junge mit der Fußspitze an die Flanken meines Pferdes und wagte nicht, Sémersion auch nur anzusehen.
Psst, sprich etwas leiser, Mellon. Ich möchte nicht, dass sie weiß, dass ich dir von diesem Vorfall erzählt habe. Zaghaft drehte ich mich nach hinten um. Doch Adamantiel schien in ein reges Gespräch mit Luferion vertieft zu sein. Ihn kannte sie schon sehr lange. Eigentlich seit sie zum ersten Mal den Palast im Düsterwald betreten hatte. Damals war er Zuständiger der Palastwache gewesen. Ich wandte den Blick ab und dachte an den Tag zurück, an dem sie verwundet von ihrer Flucht, vor mir, zurückgekommen war.
Ich seufzte tief. Alles schien wieder beim Alten zu sein. Wir stritten uns den lieben langen Tag und verletzten uns umso mehr, da wir uns vorher eigentlich vertraut hatten.
Aber warum hast du das getan? Man sah Sémersion an, dass er die Welt nicht mehr verstand, aber das konnte man ihm nicht übel nehmen. Ich verstand sie ja selbst nicht mehr. Also zuckte ich zur Antwort nur mit den Schultern.
Du weißt es nicht? Er musterte mich eingehend. Ich verdrehte genervt die Augen. In letzter Zeit war ich nicht viel dazu gekommen, mit ihm über alle Dinge, die geschehen waren, zu sprechen. Doch das würde ich jetzt nachholen.
Ich bin ratlos, mein Freund. Es überkam mich einfach.
Es ÜBERKAM dich einfach? Hast du auch nur den kleinsten Gedanken daran verschwendet, wie sie sich fühlen könnte? Ich hatte gewusst, dass er mich tadeln würde, aber ehrlich gesagt, hatte ich es doch auch verdient.
Nein, das habe ich nicht. Aber ich habe mich bei ihr entschuldigt. Sein verständnisloser Blick sagte mir, dass er mich nun für vollkommen übergeschnappt hielt.
Naja. Nach dem, was sie vorhin mit dir ausgefochten hat, hält sie wohl nicht viel von deinen Worten, stellte er nüchtern fest und ich musste mir eingestehen, dass er Recht hatte. Was war ich doch für ein Idiot gewesen! Ich hatte in diesem Augenblick am Bach eigentlich an nichts anderes denken können, als sie zu küssen. Und ich hatte es getan! Und dafür musste ich mich jetzt tadeln lassen. Doch der Vorfall rechtfertigte nicht ihre rebellische Haltung und entschuldigte nicht, dass sie die Elben in zwei Gruppen gespalten hatte. Wieder stieg große Enttäuschung in mir hoch, doch ich versuchte, dieses Gefühl zu verdrängen.
Ich weiß, es war idiotisch, aber es ist nun einmal passiert und so eine große Sache war es ja auch nicht. Sémersion, es war nur ein Kuss! Mein Freund seufzte, nickte dann aber.
Ja, aber Adamantiel ist ein unbeschriebenes Blatt, Legolas. Und sie ist eine Frau. Ich bin sicher, dass sie sich schon oft ihren ersten Kuss mit den romantischsten Szenen ausgemalt hat. Ich musste bei seinen Worten schmunzeln. Ich konnte mir meine aufmüpfige, rebellische, dickköpfige Adamantiel einfach nicht vorstellen, wie sie auf einer kleinen Waldlichtung saß, den Schmetterlingen verträumt nachsah; den Kopf voller schnulziger Gedanken vom ersten Kuss.
Ein Kuss, mein Freund, ist zwar nichts großartig besonderes, wie es in Gedichten und Liedern beschrieben ist, aber er kann große Verwirrung verursachen. Die Frage ist doch, WARUM du sie geküsst hast. Aus einer Laune heraus, oder weil du vielleicht in sie verliebt bist. Ich schwieg bei seinen Worten, denn ich wusste ganz ehrlich nicht, was ich antworten oder auch nur denken sollte.
Adamantiel POV
Seit ich mit Luferion Seite an Seite ritt, war ich die ganze Reise hindurch nur am Lachen. Es war einfach nur sehr amüsant sich mit ihm zu unterhalten. Außerdem spürte ich, dass er mich als Frau betrachtete und das tat mir sehr gut. Legolas hatte mir nie viel Aufmerksamkeit geschenkt und wenn, dann nur sehr oberflächlich, oder weil er so tun musste, als ob er an mir interessiert war.
„…und als ich ihn in der Küche entdeckt hatte, hat er sich so erschreckt, dass er sich in seiner Panik an einem großen Stückchen Lemba-Brot verschluckt hat." Wieder musste ich lauthals lachen als Luferion von Génbô, seinem Bruder erzählte. Wenn das Nestalinna hören würde, würde sie sicher rot anlaufen, da sie sich für alles was ihr langjähriger Jugendfreund ausfraß, schuldig fühlte.
„Du hast bald deinen einhundertsten Geburtstag nicht wahr?" Ich sah Luferion überrascht an, denn der Ernst und die Verlegenheit in seiner Stimme überraschten mich.
Ach ja! Stimmte ja. Ich würde bald einhundert Jahre zählen. Das hieß nach elbischen Bräuchen würde ich meine Volljährigkeit und damit auch meine Unabhängigkeit erlangen. Ich schielte zu Legolas hinüber. Ob ihm das wohl klar war? Lange würde ich nicht mehr unter seinem Pantoffel stehen und nach seiner Pfeife tanzen. Ich seufzte tief, als ich darüber nachdachte. Eigentlich hatte ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht. Zumindest seit längerem nicht mehr. Denn an dem Tag, als Gimli mir eröffnet hatte, ich würde fortan Legolas gehorchen müssen, hatte ich mir meinen Geburtstag so sehnlich herbeigewünscht wie ein kleines Kind. Doch aus irgendeinem Grund war es mir später egal gewesen. Bis jetzt. Bis gestern Nacht. Doch nun war wieder alles anders.
Reiß dich zusammen, Adamantiel, und vergiss diesen eingebildeten blöden Prinzen, mahnte mich eine Stimme in meinem Inneren und ich leistete ihr Folge.
„Ja stimmt, daran hatte ich gar nicht mehr gedacht", rief ich betont fröhlich und lächelte Luferion richtig süß an. Ich mochte ihn irgendwie. Nur leider hatte ich all meine Zeit und Gedanken in den letzten Tagen an Legolas verschwendet, sodass ich weniger Notiz von den anderen genommen hatte und irgendwie fühlte ich mich leicht schuldig. Ich hatte sie nicht ignorieren wollen. Aber das würde sich jetzt ändern!
Mit neuem Mut und Überschwang betrachtete ich das kleine Olifantenbaby, das neben meinem Pferd daherlief. Seit es mich zum ersten Mal gesehen hatte, hat es sich mich als seine neue Mama erkoren und las mir an den Augen ab, was ich von ihm erwartete.
Timpetu hatte sich auch damit abgefunden, Alagos und Tinnu auf seinem Rücken reiten zu lassen. Erst war es ihm etwas unbehaglich gewesen, doch als die Kinder so glücklich anfingen zu lachen und seinen Kopf streichelten, hatte auch mein kleiner Zögling Spaß daran gefunden.
„Dann wirst du von niemandem mehr herumkommandiert." Ich sah wieder zu Luferion. Irgendetwas wollte er noch sagen. Man sah es ihm an, dass ihm etwas auf der Seele brannte, doch er schien es lieber zu haben, zu schweigen. Ich nickte nur und schielte dann unbewusst wieder zu Legolas hinüber. Und in genau diesem Moment musste sich dieser idiotische Elb umdrehen und unsere Blicke kreuzten sich. Ein heftiges Kribbeln breitete sich in meiner Magengegend aus und ich versuchte, ihm ein Lächeln zu schenken, doch er sah schon wieder in eine andere Richtung, als hätte er mich überhaupt nicht bemerkt. Die Schmetterlinge in meinem Bauch verwandelten sich sofort in viele kleine Steine, die in meinen Magen plumpsten und machten einem Übelkeitsgefühl platz.
Keine POV
Luferion wandte betrübt den Blick ab. Er hatte Adamantiel die ganze Reise über beobachtet und erst jetzt hatte sie ebenfalls von ihm Notiz genommen. Er wusste es. Alle wussten es. Es war schon längst kein Geheimnis mehr, dass die junge Elbin brennend an seinem Prinzen interessiert war. Sie hatte nur Augen für ihn und dies schmerzte Luferions Seele. Er hatte Adamantiel sehr lieb gewonnen seit dem ersten Tag ihrer Begegnung.
„Hängst du davongeschwommenen Träumen nach, Luferion?" Der Angesprochene hob den Kopf und sah direkt in Hellinas Augen.
„Ist es so offensichtlich?" Er war peinlich berührt. Eigentlich durfte man ihm seine Gefühlsregungen nicht ansehen, denn er war ein Krieger.
Hellina machte ein oberschlaues Gesicht.
„Das sieht ja sogar ein Zwerg in einer seiner dunkelsten Minen, dass dich etwas bedrückt", behauptete sie überzeugt und klopfte Luferion teilnahmsvoll auf die rechte Schulter. Adamantiel ritt inzwischen mit Nestalinna und den Kindern auf einer Höhe.
„Es ist nichts", versicherte Luferion, doch Hellina quittierte die Aussage mit einem skeptischen Blick.
„Ich glaube auch, dass sie so nie glücklich wird", sagte sie auf einmal und der blonde Elb sah sie überrascht an.
„Ja denkst du, du bist der einzige, der es bemerkt hat", empörte sie sich und senkte dann wieder die Stimme, damit weder Legolas noch Adamantiel ihre Worte zu hören bekamen.
„Als ich sie im Düsterwald traf, dachte ich, es könnte alles gut werden. Aber ich habe mich getäuscht. Die zwei sind zu verschieden um zueinander finden zu können. Beide sind so stolz und unnahbar, solange sie Gefühle füreinander haben." Luferion nickte, denn auch er hatte es erkannt. Eine Freundschaft zwischen Adamantiel und Legolas konnte nie entstehen, solange sie etwas füreinander empfanden. Doch durch ihren Stolz und ihren Dickkopf, würde sich auch nie richtige Liebe zwischen ihnen entwickeln.
„Doch du und Aaron seid auch miteinander ausgekommen", wandte er dann ein. Hellina lachte amüsiert.
„Wir haben irgendwann unsere Gefühle füreinander entdeckt, bevor es zu spät war", kicherte sie.
„Aber ihr seid nie den Bund eingegangen." Bei seinen Worten verfinsterte sich das Gesicht der Elbin und schon bereute er, sie jemals ausgesprochen zu haben.
„Nein…wir haben es für besser befunden da Tinnu bereits unterwegs war. Wir konnten den Gedanken nicht ertragen, dass sie durch unseren Bund, uns beide verlieren würde und allein wäre."
„Verstehe. Zu damaliger Zeit war die Situation sehr angespannt. Aber mir ist noch nie zu Ohren gekommen, dass ein Liebespaar deshalb den Bund nicht eingegangen wäre", gab der Elb seine Zweifel preis.
„Ich meine, König Elessar und Königin Arwen sind auch zu jener Zeit den Bund eingegangen", fügte er hinzu da Hellina sich in Schweigen gehüllt hatte. Diese reagierte auch jetzt nicht sofort, sondern fixierte hartnäckig etwas vor ihr, das gar nicht da war.
„Hellina?" Luferion neigte sich leicht nach rechts um ihr Gesicht besser sehen zu können. Die junge Mutter schreckte aus ihren Gedanken.
„Vielleicht gab es damals einfach etwas, das wir beide nicht zu deuten wussten", erwiderte sie kurz angebunden und ließ es damit auf sich beruhen. Da Luferion ein Elb war (und abgesehen davon auch ein Mensch gemerkt hätte (wenn er nicht allzu dumm war) dass Hellina dieses Gespräch als beendet betrachtete), zog er es vor, ihrem Wunsch Folge zu leisten und schwieg.
So zog die Kolonie der Elben schweigend durch den Wald. Die Kinder waren zu müde, um irgendetwas zu sagen und die Erwachsenen schwiegen, um die Kinder nicht zu wecken. Vogelgezwitscher mischte sich mit den Geräuschen des Hufgetrappels. Feine Lichtpunkte tanzten auf dem Waldboden und das Blätterdach der Bäume spielte so ein neckisches Spiel. Alle empfanden die Ruhe als angenehm und entspannend. Alle. Bis auf eine. Und diese junge Elbin rutschte unruhig auf ihrem Pferd hin und her.
- Verflucht noch mal! -, dachte sie aufgewühlt und vollkommen unruhig. Ihr behagte diese Stille und das dämliche Gepiepse der blöden Vögel überhaupt nicht und es ging ihr unheimlich auf den Keks. Vor allem, dass alle anderen so taten, als müsste dies so sein! Bei den Zwergen in ihren Höhlen, wurde immer irgendwo ordentlich Krach gemacht. Sie vermutete jetzt sogar, dass die Elben nur deshalb so gut hören konnten, da sie über Jahrtausende immer wieder pikiert das noch so kleinste Störgeräusch versucht hatten, herauszuhorchen. Sie hatten doch einen an der Klatsche, diese Elben.
Adamantiel sah missmutig zu dem kleinen Olifantenbaby hinüber und sie hatte den Eindruck, dass auch Timpetu diese ganze Feierlichkeit und „bezaubernde" Würde sprichwörtlich tierisch annervte. Sie streckte den Arm aus und tätschelte ihrem Schützling liebevoll den Rüssel und war überrascht, wie weich und sanft seine Haut war, obwohl sie wie Leder wirkte. Anscheinend schien sie Timpetu zu kitzeln mit ihren Streicheleinen, denn der kleine Olifant neckte sie seinerseits nach kurzer Zeit mit dem Rüssel. Adamantiel begann zu kichern.
„Ich glaube, wir werden uns sehr gut verstehen", raunte sie ihm auf zwergisch zu und Timpetu schien es zu verstehen, denn er erzeugte einen kleinen Quietschlaut mit dem Rüsselchen, das wohl ein Trompeten darstellen sollte. Adamantiel sah den Kleinen mit gerunzelter Stirn und kritischem Blick an und es schien, als liefe das Tierchen leicht rot an.
„Na da musst du aber noch ganz schön üben", neckte sie lachend und fing sich eine sanfte Rüsselfeige ein. Daraufhin begann sie, laut loszulachen.
Und plötzlich kam ihr alles auch gar nicht mehr so tragisch vor. Wenn Legolas nur nicht so unglaublich sturköpfig sein würde! Sie verspürte richtige Lust, jetzt mit ihm zu reden. Einfach über irgendwas. Und sei es nur, um ihn im Notfall abermals auf die Palme zu bringen.
Der Gedanke gefiel ihr.
Stunden vergingen und schon brach die Dämmerung herein, als der anfängliche Trampelpfad, dem sie gefolgt waren, allmählich breiter wurde. Adamantiel war darüber verblüfft. Lebte hier jemand? Vielleicht vereinzelte Menschen, die sich in die Tiefen der Wälder zurückgezogen hatten. Oder war es einfach nur der Pfad einer wandernden Tierherde? Sie war neugierig, ob Legolas vielleicht dasselbe durch den Kopf ging. Von hier aus konnte sie ihn nicht sehen. Er ritt zu weit vorne an der Spitze und durch eine Biegung des Weges wurde er von den Bäumen verdeckt.
„Sag mal Hellina…kommt es dir auch so vor, als würden diese Spuren die Spuren von Menschen sein", wandte sich Adamantiel neugierig an die Freundin. Diese nickte und kicherte gleich darauf amüsiert los.
„Ich dachte, du wüsstest es." Adamantiel schüttelte nur verständnislos den Kopf.
„Was sollte ich wissen", fragte sie irritiert. Aber so provozierte sie eine ungewollte Stichelei, denn nun schien Hellina Interesse daran zu finden, Adamantiel auf die lange Folter zu spannen.
„Aaaah…wenn er es dir nicht erzählt hat, sag ich auch nichts." Adamantiel rollte mit den Augen. Sie hatte sich langsam daran gewöhnt, dass Hellina immer und aus allem ein Geheimnis machen musste, auch wenn es noch lange keines war.
„Komm schon! Ich weiß, dass es nicht von oberster Wichtigkeit sein kann", drängte die junge Elbin und entlockte ihre Freundin ein beleidigtes Stirnrunzeln.
„Willst du damit sagen, ich übertreibe", rief sie empört. Nun hatte Adamantiel ihre Chancen ausgeglichen.
„Das hast du gesagt", erwiderte sie trocken.
"Und mal ganz ehrlich: Es interessiert mich auch nicht wirklich", fügte sie hinzu. Damit hatte sie Hellina in der Kneifzange.
„Ha! Ich glaube dir nicht, dass dich nicht interessiert, von wem die Spuren sind", höhnte sie. Doch Adamantiel blieb unberührt und antwortete nicht.
„Und wenn ich dir sage, dass wir uns an einem Ort ansiedeln werden, der im Ringkrieg eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat, erweckt das deine Neugier", bohrte Hellina nach einiger Zeit weiter. Sie kannte Adamantiels angeborene Neugier und verwette ihre Kinder darauf, dass sie auf dieses Informationsstückchen reagieren würde.
„Nun sags ihr doch endlich", mischte sich Nestalinna nun ein. Sie hasste Streitereien und seien sie nur zum Spaß und Zeitvertreib geführt.
„Genau! Sag es mir doch endlich", echote Adamantiel und Hellina fühlte sich in ihrer Wette bestätigt. Durch diese Genugtuung gab sie endlich nach und erbarmte sich, der jungen, unerfahrenen Freundin das nicht allzu geheime Geheimnis zu verraten.
„Also… Zu Zeiten des Ringkrieges streiften hier die Anhänger Faramirs umher." Sie legte eine kurze Pause ein, um ihre Worte wirken zu lassen. Doch Adamantiel schien unbeeindruckt.
„Ja und? Gimli hatte mir schon vor einiger Zeit davon erzählt. Der Ringträger Frodo und Sam haben sich einige Zeit in der Höhle vom so genannten „Fenster nach Westen" aufgehalten." Hellina war beeindruckt von diesem Wissensstand, den sie Adamantiel nicht zugemutet hatte. Schließlich konnte man ja nicht sicher sein, was Zwerge ihren Kindern beibrachten, außer wie man dunkle feuchte Gänge in die Erde buddelt.
„Und weißt du auch, was das ist?" Aber noch während sie diese Frage stellte, kannte sie die Antwort, denn sie stand in Adamantiels sehnsüchtige Augen geschrieben.
„Ein Wasserfall, Hellina! Ich liebe Wasserfälle. Das Rauschen und die atemberaubende Kraft, wenn das Wasser in die Tiefe stürzt, verzaubern mich." Die Freundin nickte lächelnd.
„Ja, mich auch."
Legolas POV
Müde und schlapp legte ich mich auf mein improvisiertes Lager aus kleinen Ästen und Moos und streckte Arme und Beine genüsslich von mir. Seit Tagen schon, hatte ich ruhige Minute mehr gehabt. Zuviel war auf uns hereingestürzt und ich hatte kaum die Zeit und die Nerven, alles gleichzeitig zu verarbeiten.
Als wir vor acht Tagen das „Fenster nach Westen" erreicht hatten, hatte ich eine tiefgehende Ruhe und Befriedigung in meinem Herzen gespürt. Ich wusste, hier würde ich bleiben und ein neues Leben beginnen können. Doch leider hatte ein Haufen Arbeit vor uns gestanden. Und bis jetzt hatten wir noch nicht einmal einen Bruchteil dessen errichtet, was wir schaffen wollten.
Ich seufzte tief und leicht gequält. Dieses kleine Olifantenbaby verschaffte uns den Größtteil aller Probleme und damit Verzögerungen in der Errichtung der kleinen Kolonie, indem es alles fraß, was grün war und blühte! Es wuchs zunehmend mit jedem Tag. Ja man konnte ihm direkt beim Wachsen zusehen!
Ich rieb mir erschöpft mit der Handfläche über die Stirn. Ich hatte es schon am dritten Tag nach der Aufnahme der Errichtungsarbeiten aufgegeben, Adamantiel diesen Unsinn auszureden. Sie hatte mir nicht einmal die geringste Beachtung geschenkt, sondern einfach stillschweigend geeignete Äste vom Boden gesammelt, um damit in den Baumkronen eine kleine Häuslichkeit zu errichten.
Niemand baute für sich allein. Alle vollführten ihre Arbeit mit dem gleichen, notwendigen Elan, sodass niemand einen Nachteil hatte. Erst später, wenn alles fertig war, würden die bewohnbaren Baumkronen einzelnen Elben und deren Familien zugewiesen werden. So ging alles viel schneller voran. Bis dahin nächtigten wir auf einem schnell errichteten Lager aus Moos, kleinen Ästen und Blättern.
Innerhalb weniger Tage hatten wir mehr als zwanzig Wohnungen errichten können. Alles wunderschön verziert nach Elbenart. Es war nicht zu vergleichen mit der Schönheit des Goldenen Waldes, doch hatte es etwas Bezauberndes an sich, all die niedlichen kugelförmigen Häuschen in den Baumkronen zu betrachten die durch breitere Äste als Weg, verbunden waren. Wir konnten stolz sein auf das, was wir in den letzten Stunden errichtet hatten. Schmale Treppchen führten in Spiralform zu den einzelnen Hütten. Nicht weit entfernt, konnte man noch immer hören, wie man mit Meißeln elbische Schriftzeichen in die neu gefertigten Teller aus leichtem Gestein trieb.
Ich erhob mich abermals von meinem Nachtlager. Ich konnte mir keine Ruhe gönnen solange meine Ohren Geräusche von Tätigkeiten vernahmen. Ich pirschte mich zwischen den Bäumen hindurch und ging dann den Fels entlang, bis zu dem kleinen Teich, in den der Wasserfall donnerte. Das Rauschen wurde mit jedem Meter lauter, bis es in meinen Ohren nur noch ein lautes Dröhnen gab. Ich stand jetzt direkt neben dem rauschenden Wasserschleier. Dort wo er in die glatte Oberfläche des Teiches eindrang, entstand ein sanfter Sprühnebel, der die kleinen Wassertropfen gegen die nahen Felsen drückte, die schwarz im Licht des Mondes glänzten. Ich tat einen tiefen Atemzug und genoss die frische klare Luft. Als ich die Augen wieder öffnete, hatte sich eine schwarze Wolke vor den Mond geschoben.
Ich ließ meinen Blick umherschweifen und entdeckte plötzlich einen dunklen Schatten, der am Rande des Teiches kauerte und etwas zu flechten schien.
Mein Herz begann plötzlich schneller zu schlagen und ich rührte mich nicht von der Stelle um die zierliche Gestalt am Ufer zu beobachten. Sie war keine zehn Schritte von mir entfernt.
Ein unbestimmtes Gefühl beschlich mich und ich atmete tief ein und aus, um meinen Herzschlag zu beruhigen. Doch all das war vergebens, als sich der Mond wieder hervorkämpfte und dem offenen Haar der jungen Frau einen silbernen Glanz verlieh.
Ich war bezaubert von ihrem Anblick. Ihre zierliche Figur, umspielt vom weichen Stoff ihres Gewandes zeichnete sich deutlich ab und ich spürte eine unbestimmte Erregung in mir aufsteigen. Ich hatte die junge Elbin schon längst erkannt und nahm nun allen Mut zusammen, um sie anzusprechen.
„Zu solch später Stunde flechtet Ihr noch Matten?" Die hübsche Elbin schien mich schon zuvor bemerkt zu haben, denn sie zeigte nicht das geringste Anzeichen von Überraschung.
„Irgendwann muss ich ja fertig werden. Und da mir Timpetu einen großen Teil davon wieder weggefuttert hat, da sie ja aus Gras sind, muss ich die Nächte verwenden, den Schaden wieder zu beheben", antwortete sie. Ich konnte nicht umhin, sie überrascht anzusehen.
„Habt Ihr das all die Nächte getan", fragte ich sie schließlich. Adamantiel hielt in ihrer Arbeit inne und schaute zum ersten Mal zu mir auf. Ihre Augen schienen sich den Bruchteil einer Sekunde in den Meinen zu verlieren. Doch dann nickte sie und senkte den Blick. Ich meinte, eine leichte Rötung ihrer Wangen zu sehen und ging in die Hocke, um sie näher betrachten zu können.
„Warum?" Sie zuckte zusammen. Auf gewisse Weise belustigte mich ihre beinahe schreckhafte Reaktion.
„Nur so", wich sie mir aus. Ich lächelte leicht, da ich wusste, dass sie mich anlog. Seit dem Vorfall jener Nacht am Bach, hatten wir nur das Nötigste miteinander gesprochen. Im Prinzip war es immer gleich abgelaufen: Ich gab Anweisungen, sie befolgte sie. Und das ohne zu murren.
Ich musste stark gegen den inneren Drang ankämpfen, sie zu berühren oder gar durch das lange, seidige Haar zu streicheln und schluckte schwer. Es war einfach unglaublich welche Gefühle ihre Nähe in mir hervorrief.
„Ihr müsst doch einen Grund haben, die Vorfälle zu vertuschen." Ich erkannte meine eigene Stimme nicht wieder. Sie klang rau und unsicher in meinen Ohren.
„Ich wollte mein Versprechen halten, das ich gegeben habe", antwortete sie zaghaft. Irgendetwas stimmte nicht. Warum war sie nicht aufbrausend und angriffslustig so wie sonst? Warum hatte sie mich nicht beschimpft, dass ich sie beobachtet hatte? Und warum beantwortete sie alle meine Fragen, ohne dass ich sie dazu prügeln musste?
„Welches Versprechen?" Ich stellte mich dumm. Sie musterte mich mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Ungeduld.
„Dass Timpetu nichts anstellen würde und ich auf ihn achte", nuschelte sie hervor „Ich wollte nicht, dass es wieder zu solchen Auseinandersetzungen kommt wie vor einigen Tagen", fügte sie leise hinzu. Ich war erstaunt über diese Worte.
„Und wann legt ihr Euch mal zur Ruhe?" Obwohl ich die Antwort schon ahnte, wollte ich sie hören. Und ich bekam sie auch.
„Ich habe seit unserer Ankunft kein Auge zugetan." Sie grinste mich an. Plötzlich bemerkte ich die tiefe Müdigkeit, die ihre Augen ausstrahlten und auf einmal verstand ich, warum wir uns nicht gleich wieder in die Haare geraten waren. Sie hatte einfach keine Kraft mehr, sich mit mir zu streiten, da sie viel zu übermüdet war.
Zwar konnten Elben einige Tage durchwachen, ohne sich schlapp zu fühlen, aber auch wir brauchten irgendwann eine Pause, um uns auszuruhen. Und mit einem Mal empfand ich Mitleid und ein nagendes Schuldgefühl in meinem Inneren. Wäre ich nicht so erpicht darauf gewesen, ihr jeden kleinsten Fehler nachzuweisen, würde sie nicht seit Tagen hier sitzen und Matten und Vorhänge flechten, stricken und knüpfen.
„Es tut mir leid", hörte ich mich sagen und spürte ihren fassungslosen Blick auf mir ruhen.
Keine POV
Er spürte den Schweiß seines Pferdes an den Waden. Der Wind strich dem schnellen Reiter durch Haar und Gewand. Es war ein ruhiger Tag, doch das Gemüt des Mannes war sehr aufgewühlt. Er hatte einige dringende Neuigkeiten, die er seinem Freund und Gefährten Legolas, dem Prinz von Ithilien, dringend mitteilen musste. Eile war geboten, denn die Zeit drängte. Und wenn er nicht irrte, war der Prinzen gefährdet. Nein, er schwebte sogar in höchster Gefahr!
Aragorn gab dem Pferd die Sporen. Das arme Tier war klitschnass vor Anstrengung und dem König Gondors tat es leid. Doch er hatte keine andere Wahl. Er musste Legolas in Ithilien finden und ihn warnen. Vor der Bedrohung, die aufzog und die er bis jetzt noch nicht richtig einzuschätzen wusste. Doch die bisherigen Funde seiner Bibliothekare hatten ihn alarmiert. Die alten Schriften drückten sich zwar nicht präzise aus, aber es hatte ausgereicht, um ihn die Sache selbst in die Hand nehmen zu lassen. Es war ihm nicht richtig erschienen, einen Boten zu senden, der das Ganze überbringen sollte. Nein, er hatte mit Arwen gesprochen und sich dann selbst auf die Reise gemacht.
So in seinen Überlegungen gefangen, bemerkte er nicht, dass er beobachtet wurde. Es war leichtsinnig gewesen, allein zu reiten, doch in seiner Eile hatte er sich überstürtzt.
Er ritt gerade im schnellen Galopp auf eine kleine Erhöhung der sonst ebenen Fläche zu, als plötzlich eine schattenhafte Gestalt vor ihm auftauchte. Aragorn konnte das Tier in letzter Sekunde herumreißen, sodass es sich protestierend aufbäumte und die Ohren anlegte. Da er ein erfahrener Reiter war, fiel er nicht der Länge nach in den Staub.
„Wer seid Ihr", rief er atemlos und musterte sein Gegenüber. Er war überrascht, als er erkannte, wen er vor sich hatte.
„Ihr", fügte er schnell hinzu, seiner Verblüffung Ausdruck verleihend.
„Ja ich", bestätigte der Elb nickend und trat einige Schritte auf Elessar zu. Dieser wich nicht zurück, kam ihm aber auch nicht entgegen. Legolas hegte einen dunklen Verdacht gegen diesen Elben und Aragorn traute seinem Freund und Gefährten in solchen Angelegenheiten.
„Ihr habt mir aufgelauert", fragte Aragorn nach einiger Zeit des Schweigens. Er erkannte, wie Narwainion leicht die Augenbrauen zusammenzog.
„Ein Elb lauert niemanden hinterhältig auf, wenn dieser kein Ork oder Höhlentroll ist", erwiderte der Blonde würde und gefasst. Aragorn nickte zustimmend.
„Verzeiht meine barschen Worte." Er neigte leicht den Kopf. Warum er dies tat, wusste er nicht genau, aber sein Gefühl sagte ihm, dass diesem Elben große Ehre gebührte.
In seiner Überraschung hatte er doch tatsächlich vergessen, dass Narwainion ein Elb war. Elben lauerten niemanden auf. Bei Menschen war das etwas anderes.
Narwainion winkte leicht ab, als würde er der Sache nicht unbedingt große Bedeutung zuschreiben.
„In der Tat habe ich erwartet, dass Ihr jemanden sendet, um den Prinzen zu warnen. Früher oder später. Aber ich hätte nie damit gerechnet, dass Ihr so schnell auf die alten Überlieferungen stoßen würdet." Er wusste es! Er wusste, dass Aragorn ein schreckliches Geheimnis entdeckt hatte. Der König empfand es als unsinnig, alles abzustreiten.
„Meine Bibliothekare leisten immer eine ausgezeichnete Arbeit", erwiderte er ohne zu zögern. Es hatte keinen Sinn, sich in Schweigen zu hüllen. Wahrscheinlich wusste dieser Elb sogar noch besser über die wirklichen Begebenheiten bescheid, als seine Bibliothekare es jemals in alten Schriften entziffern konnten.
„Ich bemerke es." Narwainions Gesicht schien sich etwas durch ein müdes Lächeln zu erhellen.
„Dennoch rate ich Euch, nicht preiszugeben, was Ihr wisst." Aragorns Blick verfinsterte sich.
„Wollt Ihr damit sagen, ich soll das Schicksal auf Legolas zukommen lassen, ohne dass er etwas davon weiß? Das…", fuhr Aragorn auf, doch Narwainion stoppte seinen Redeschwall.
„Der Prinz Ithiliens befindet sich außer Gefahr", sprach er ruhig. Aragorn verstummte.
„Aber wenn Ihr jetzt schon preisgeben solltet, was Ihr erfahren habt, wird es ein böses Ende nehmen. Ein grausames Ende. Wir haben noch Zeit." Aragorn starrte diesen merkwürdigen Elben einfach nur verständnislos an. Er wollte doch tatsächlich, dass Aragorn schwieg!
„Ich werde versuchen, Euch kurz alles zu erklären, denn ich sehe, Ihr seid verwirrt über meine Worte. Legolas, Sohn des Thranduil und Prinz von Ithilien weiß wer ich bin. Adamantiel weiß es nicht. Würdet Ihr jetzt dort auftauchen und Angst unter den Elben schüren, würden Fragen gestellt, die durch den Dickkopf der beiden besagten Personen nie entstehen würden. Legolas weiß etwas, von dem er glaubt, dass Adamantiel es auch weiß und so wird er Ihr nie verraten oder auch nur andeuten, dass er um mich bescheid weiß."
„In welcher Beziehung steht Ihr zu Adamantiel", fragte Aragorn, der nicht ganz verstand, worum es ging.
„Ich bin der Vater ihrer Mutter. Der letzte ihrer Familie, der noch auf Mittelerde verweilt."
„Und sie weiß es nicht?" Aragorn war erstaunt. Das Verhalten dieses Elbes war für ihn unerklärlich.
„Wenn sie es wüsste, würde sie mich, ihre Familie und nicht zuletzt sich selbst in Gefahr bringen. Ihr habt doch die alten Schriften gelesen, nicht wahr?"
„Sie wurden mir übersetzt", erwiderte Elessar ehrlich. Er kannte nicht alle der unzähligen Sprachen Mittelerdes und verließ sich in solchen Angelegenheiten lieber auf die Hilfe seiner Gelehrten.
„Erzählt mir doch, was Ihr erfahren habt", forderte Narwainion auf. Aragorn überlegte. Wollte der Elb ihn aushorchen oder einfach nur wissen, ob Aragorn richtige Schlüsse gezogen hatte? Er entschied sich für Letzteres.
„Von dem was ich erfahren habe, handelt es sich um einen alten Dämon", begann er. Doch Narwainion schüttelte den Kopf.
„Ein Dämon…Nein. Eher der Rachegeist eines Halbelben, der auf tragische Weise starb. In den ersten Jahren nach der Auferstehung der Erstgeborenen verliebte sich eine Elbin in einen Menschen. Unter heftigen Protesten beider Völker, heirateten beide und zeugten ein Kind. Luz. So nannten sie den Jungen.
Es ist nicht viel über seine Kindheit bekannt, doch er muss ein glückliches Leben geführt haben. Bis zu seinem einhundertsten Geburtstag.
Damals war die Rassentrennung das oberste Gebot der Völker. Viele hatten nicht akzeptiert, dass es ein Wesen gab, das eine Elbin zur Mutter und einen Menschen zum Vater hatte. Auch die Elben akzeptierten es nur mit gerunzelter Stirn. Doch am Tag des einhundertsten Geburtstag von Luz, tauchte ein unbekannter Gast auf dem Fest auf. Man munkelte, es sei der Sohn eines Feindes seines Vaters. Doch Luz störten die Gerüchte nicht und er ließ den Unbekannten an seinem Fest teilhaben."
Narwainion legte eine kurze Pause ein und betrachtete den blauen Himmel.
„Doch der missbrauchte die Gastfreundschaft und tötete den Halbelben", führte Aragorn die Geschichte weiter fort. Narwainion nickte schwermütig.
„So ist es. Er war der Meinung, ein Geschöpf, das aus zwei Rassen hervorgegangen war, war es nicht wert, zu leben. Er war weder Elb noch Mensch und daher nicht lebenswürdig." Aragorn schüttelte verständnislos den Kopf und wunderte sich zum wiederholten Mal über den Starrsinn und die Brutalität der Menschen.
„Doch er hatte die Rechnung nicht mit dem Goldenen Blatt gemacht, dass sein Opfer bei sich getragen hatte. Niemand weiß heute, wie und wann Luz es in seinen Besitz gebracht hatte, aber es war ein sehr mächtiger und magischer Gegenstand. Und in dem Moment, als das Leben im Körper des Halbelben erlosch, verschwand das Goldene Blatt im Körper seines Mörders. Dieser machte sich nach einigen Jahren keine Gedanken mehr darüber und alles wurde umfangen von einem Schleier der Vergessenheit. Nie hatte man den Mörder des jungen Luz gefunden, nie bestraft. Sein Tod wurde einfach so hingenommen." Wieder legte der alte Elb eine Pause ein und schüttelte den Kopf, als könnte er selbst nicht glauben, was er da gerade erzählte.
„Der Mann bekam Kinder. Diese Kinder wiederum Kinder und irgendwann war es keine Unsitte mehr, wenn Elben und Menschen sich vermischten. Es kam nicht oft vor, doch es wurde gewilligt. Die Angst vor den Elben und deren magischen Kräften verblasste und machte Respekt platz. Und so kam es, dass sich einer der Nachfahren des Mörders des ersten Halbelfen in eine Elbin verliebte…Ironisch, nicht? Sie bekamen mehrere Kinder. Doch das Jüngste, das Letzte, das geboren wurde, hatte bei der Geburt ein Goldenes Blatt umklammert. Alle waren sehr erstaunt darüber, doch verwahrte man es an einem geheimen Ort. Das Kind wuchs heran und mit ihm das Goldene Blatt. Kaum bemerkbar, doch es wuchs. Die Elben verwunderten sich sehr und als der einhundertste Geburtstag des jungen Mädchens herannahte, bemerkte man auffallende Veränderungen im Verhalten."
Adamantiel POV
Ich hatte niemals erwartet, dass er sich entschuldigen würde. Eher war ich schon vollkommen auf eine seiner ewigen Zurechtweisungen eingestellt gewesen, doch seine Entschuldigung übertraf alles Erwartete. In meiner Verlegenheit wusste ich nichts weiter zu tun als mich wieder meiner eigentlich vollendeten Bastenmatte zu widmen.
„Was denn", hörte ich mich Fragen und gleichzeitig schalt ich mich dafür.
„Dass ich Euch so unter Druck gesetzt habe. Zum wiederholten Mal." In seiner Stimme erkannte ich aufrichtiges Bedauern und Reue und die Situation erinnerte mich an den Tag im Düsterwald. Als er bemerkt hatte, dass ich verletzt war. Damals hatte er versprochen, sich zu bessern. Doch irgendwie war wieder alles schief gegangen. Wegen unzähliger Missverständnisse und einer ungewissen Eifersucht meinerseits.
Ich beobachtete, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Anscheinend wusste er nicht weiter.
„Es tut mir leid, dass ich Euch bedrängt habe", sagte er schließlich und ich sah wieder auf meine fertige Binsenmatte. Meinte er sein Verhalten oder gar den Kuss am Bach? Schon der Gedanke an diese Nacht jagte mir jedes Mal ein starkes Kribbeln durch den Bauch und ich vermied ihn, so gut es nur ging.
„Es…ist schon ok", erwiderte ich stockend und sah ihn wieder an. Gimli hatte einmal gesagt, dass man seinem Gegenüber immer in die Augen sehen musste, um zu erkennen, was der andere dachte. Aber es war so unglaublich schwer, nicht gleich verträumt an seinen Lippen zu hängen!
Ich strich mir unsicher eine Haarsträhne hinters Ohr und wich seinem Blick nach ein paar Sekunden wieder aus.
„Warum könnt Ihr mir nicht in die Augen sehen", flüsterte er. Bei Aule! Ich konnte es nicht. Warum, das stand nur in den Sternen! Ich konnte seinem Blick nicht standhalten.
„Ich…" Da blieb mir wieder der Satz im Hals stecken. Toll, Admanatiel! Reiß dich zusammen und benimm dich nicht wie ein Baby.
„Auch der Kuss tut mir leid." Ein Stich ging durch mein Herz. Eine unbestimmte Enttäuschung. Es tat ihm leid? Hieß das, es war ein unangenehmer Fehler gewesen und weiter nichts? Hieß es, ihm hatte es nichts bedeutet? Dass Legolas keine Schmeterlinge im Bauch gespürt hatte?
Ich wandte den Kopf und strahlte ihn an. Da war sie wieder, meine erlernte elbische Maske.
„Kein Problem. Es hat mir ja nichts bedeutet, also macht Euch keine Sorgen", log ich, doch mit jedem Wort wurde mein Herz schwerer. Und ich bildete mir ein, ein kurzes Aufblitzen seiner Augen zu erkennen. Sicher war er erleichtert….
Etwas zu hastig erhob ich mich und sammelte mein Werkzeug auf. Legolas regte sich nicht.
„Dann wäre das ja geklärt, oder? Ich bin Euch nicht böse und jetzt können wir wieder normal miteinander reden." Etwas hilflos stand ich neben ihm und wartete auf eine Antwort. Doch er schwieg. Ein schreckliches Gefühl wühlte in meinem Körper und ich wandte mich ab.
„Schlaft gut. Ich werde mich auch hinlegen. Zumindest für kurze Zeit, damit ich wieder mit Elan an die Arbeit gehen kann." Was redete ich da? Ich sollte besser gehen! Es brachte ja doch nichts. Warum antwortete er nicht?
Ohne ein weiteres Wort fing ich an zu laufen. Und je weiter ich von ihm fort kam, desto freier fühlte ich mich. Als ich den Wasserfall schon nicht mehr rauschen hörte, wurden meine Schritte langsamer. Mein Atem ging rasselnd ein und aus und plötzlich überkam mich ungezügelter Hass, von dem ich nicht wusste, woher er kam.
Fortsetzung folgt!
So ich versprech nichts mehr…lach Es dauert ja doch immer länger als ich es eigentlich wollte! Und jetzt da Schule wieder angefangen hat, geht's fast gar nicht mehr. Nur am Wochenende.
Ich hoffe es hat euch gefallen. Es wird vielleicht noch 5-10 Kapitel geben, ich weiß noch nicht ganz genau, wann ich die Story beende und an welchem Punkt, aber über die Hälfte ist schon rum :-)
Also dann
alle ganz doll knuddel
Ciao
