Laurie lantar lassi súrinen

Wie Gold fallen die Blätter im Wind

Hass, Liebe und andere Verwirrungen

Legolas POV

Was war dieses unbeschreibliche Gefühl, das mein Herz einnahm als Adamantiel aufstand und ging? Ich wusste nicht recht, was ich davon halten sollte. Ich hatte sie verletzt, das wusste ich. Und obwohl sie es abgestritten hatte, war ich mir dessen sehr sicher. Ein Blick in ihre Augen hatte mir alles verraten. Doch ihre Maske beherrschte sie perfekt. Sie war eine gute Schülerin und sehr intelligent. Aber vielleicht lag es auch einfach nur daran, dass ich ein guter Lehrer war?

Ich starrte noch eine Zeit lang in den glitzernden Wasservorhang, der sich zu meiner Linken in die Tiefe stürzte und dabei feinen Sprühnebel erzeugte.

So konnte es nicht weitergehen! Ich musste endlich eine Entscheidung treffen! Entweder ich suchte ihr endlich einen Elben, mit dem sie sich vermählen konnte, oder aber sie klebte mir bis an mein Lebensende an der Seite. Oder so lange, bis sie sich selbst einen Elben auserkoren hatte. Vorausgesetzt jemand wollte eine Beziehung mit diesem Wildfang eingehen.

Ich seufzte tief, stand auf, klopfte die Erde von meinem Gewand ab und betrachtete den Mond, den Kopf im Nacken.

Und plötzlich begann ich zu laufen. Ich wusste, in welcher Richtung Adamantiel verschwunden war und irgendetwas drängte mich, ihr zu folgen. Ich rannte schnell und leise durch den Wald. Sie konnte noch nicht weit gekommen sein und wenn ich mich nicht irrte, würde ich sie auf der Lichtung finden, auf welcher der kleine Olifant schlief. Sie liebte das Tier ja über alles.

Es dauerte nicht lange und ich hatte den Ort erreicht, verringerte mein Tempo und schlich die letzten Meter bis zum Anfang der Lichtung. Ich legte die rechte Hand an einen Baumstamm und suchte die Wiese blitzschnell mit den Augen ab. Da ich so konzentriert darauf war, sie zu finden, bemerkte ich das Knacken hinter mir erst, als es zu spät war. Ich schnellte herum, duckte mich und spähte in den dunklen Wald hinein.

„Warum seid Ihr mir gefolgt?" Ich erkannte das Gesicht meines Patenkindes und war plötzlich nicht mehr so sicher was ich sagen sollte. Zudem verunsicherte mich die schneidende Kälte in ihrer Stimme. Irgendetwas war anders, aber ich wusste nicht was.

„Ich wollte mit Euch reden", brachte ich leise hervor.

„Nehmt doch bitte den Pfeil vom Bogen", fügte ich ruhig hinzu, doch Adamantiel machte keine einzige Bewegung. Hass stand in ihren Augen. Unbändiger Hass den ich nicht an ihr kannte.

„Der Pfeil bleibt. Ich will nicht, dass Ihr mich wieder überfallt", entgegnete sie mir kühl und spannte die Sehne noch etwas straffer. Die Erinnerung an unsere erste Begegnung durchfuhr mich und ich musste schmunzeln.

„Das findet Ihr wohl sehr lustig, Prinz?" Sie kam einen Schritt auf mich zu. Ich war schockiert über ihre Gangart. Irgendetwas stimmte da nicht!

„Was habt Ihr gerade gemacht", fragte ich argwöhnisch. Ein höhnisches Lachen war die Antwort.

„Geschlafen. Aber Euch habe ich auch im tiefsten Schlaf gehört." Sie kam noch einen Schritt näher. Ihre Stimme war grausam und kalt. Doch ich beschloss nicht von der Stelle zu weichen.

„Ihr lügt! Ich sah Euch noch vor einigen Minuten am Wasserfall. Was habt Ihr getan?" Auch mein Tonfall wurde kühler. Ich verstand einfach nicht, warum Adamantiel den Bogen auf mich richtete.

Wieder lachte sie. Doch in diesem Lachen vermisste ich die sonstige Wärme und das Strahlen ihrer Augen.

„Merkt Euch eines: Haltet Euch von ihr fern." Und noch ehe ich etwas erwidern konnte, durchfuhr ein stechender Schmerz meinen linken Oberarm. Die kühle Spitze des Pfeils hatte sich durch Haut und Fleisch gebohrt. Ich taumelte und wich einen Schritt zurück, starrte ungläubig auf den Pfeil in meinem Arm und wieder hin zu Adamantiel. Doch sie war verschwunden. Ich stöhnte laut auf. Ich konnte mir ihr Verhalten einfach nicht erklären!

Adamantiel POV

Ich öffnete mühsam die Augen. Ein dröhnendes Wummern in meinem Kopf begann, als gleißendes Licht in meine Augen fiel. Ich stöhnte laut und drehte mich in den Schatten. Mir war, als wäre es der Morgen nach einer durchzechten Nacht. Doch ich wusste genau, dass ich nichts getrunken hatte.

„Seid Ihr endlich wach?"

Ich blinzelte verblüfft, als ich die Stimme meines Paten erkannte. Sie war drohend, ja beinahe feindlich. Ich drehte mich zögernd zu ihm um, dabei musste ich meine Augen zu Schlitzen verengen, um das Wummern in meinem Kopf nicht noch zu verstärken.

Ich sah Legolas. Und nicht nur ihn. Hinter ihm standen zwei Soldaten mit Bogen auf dem Rücken, bereit, diesen zu ziehen und den Pfeil anzulegen. Nur auf wen? Hatte ich einen Angriff verschlafen? Hatte ich etwas verpasst? Wie ging es Nestalinna? Wo war Helina? Und Tinnu und Alagos?

Ich wollte mich in meinem Anflug von Panik aufrichten, doch Legolas drückte mich unsanft zurück auf das Laub- und Mooslager. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich an Händen und Füssen gefesselt war.

„Was zum…?" Ich konnte nicht weiterfluchen. Die Verblüffung war einfach zu groß für mich. Gestern noch hatte ich mit Legolas am Wasserfall gesessen und jetzt starrte er mich undefinierbar an. Zu alledem hatte er mich noch an Armen und Beinen gefesselt.

„Ist das ein schlechter Scherz?", fuhr ich ihn an, als ich meine Fassung halbwegs wiedererlangt hatte. Legolas antwortete nicht, gab stattdessen den Kriegern ein Zeichen und diese entfernten sich rasch und leise. Erst jetzt bemerkte ich, dass er einen rot gefärbten Verband um die linke Schulter trug. Mit einem Schlag wurde mir klar, dass die rote Farbe sein Blut war!

„Was? Wie…wie ist das passiert?" Ich starrte den Verband an und versuchte krampfhaft, mich an das Geschehen der letzten Nacht zu erinnern. Doch da war nichts außer der Erinnerung an ein unbändiges Hassgefühl.

„Ihr ward der Meinung, mir einen Pfeil durch den Oberarm jagen zu müssen." Das waren die ersten Worte die Legolas sprach und sie schockierten mich zutiefst! Ich sollte ihm so zugesetzt haben? Aber wann denn? Und womit? Er schien meine Fragen zu erahnen und zog einen Bogen und einen kaputten Pfeil hinter sich hervor und zeigte mir beides. Vollkommen verwirrt starrte ich auf meinen Bogen und einen meiner Pfeile. Dann fügten sich die Puzzleteile in meinem Kopf zu einem Bild zusammen.

„Ich soll das getan haben?" Meine Stimme war kaum mehr als ein Hauch und ich spürte ein gemeines Zwicken in der Nase. Ich konnte nicht gegen die aufsteigenden Tränen ankämpfen. Legolas schien sich in meinem Entsetzen zu aalen wie der Fisch im Wasser, denn er verzog das Gesicht zu einem hämischen Lächeln.

„Nur gut, dass sich Eure Prahlereien nicht bestätigt haben. Dank Eurer mangelnden Fähigkeiten bin ich noch am Leben", klirrte seine Stimme in meinen Ohren und das Stechen in meinem Herzen wurde immer heftiger.

„Ich war es nicht", würgte ich hervor. Ich wagte es nicht, ihm in die Augen zu sehen. Ich wusste nicht einmal was ich darin finden würde. Hass? Abscheu? Verachtung? Vielleicht…aber wofür? Ich konnte mich absolut nicht mehr erinnern, wie und wann und vor allem warum ich das getan haben sollte.

„Ach nein", fuhr er mich heftig an, packte mein Gewand am Kragen und zog mich hoch. Ich verkniff mir einen Schmerzenslaut und sah nur vollkommen verwirrt und planlos auf die tanzenden Lichtpunkte am Felsen.

„Letzte Nacht seid Ihr gegangen, nachdem ich Euch am Wasserfall begegnet bin. Ich bin Euch gefolgt, um mit Euch zu sprechen und Ihr habt einen Pfeil auf mich gerichtet und mich verwundet! Und jetzt wollt Ihr mir erzählen, dass Ihr nichts wisst?" Er klang fassungslos und ungläubig. Ja ich hatte sogar den Eindruck, dass er es auch nicht so recht glauben wollte, was er da erzählte.

„Ich war es wirklich nicht", presste ich hervor und als ich einen flüchtigen Blick in seine Augen warf, die voller Hass waren, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten und ein dicker Salztropfen kullerte meine Wange hinab. Diesem folgten weitere.

Ich war am Ende. Am Ende meiner Weisheiten, am Ende meines Verständnisses, am Ende meiner positiven Energie und vor allem am Ende meiner Nerven. Ich mochte Legolas, ja ich liebte ihn sogar auf eine angenehme und aufregende Art und Weise und darum tat es mir auch so weh, dass er mich beschuldigte.

Ich spürte wie sich sein Griff lockerte und er mich auf den Boden plumpsen ließ, mich noch einmal eingehend musterte, mir dann den Rücken zukehrte und sich dann schnell so entfernte, als würde er es nicht mehr ertragen, mich zu sehen. Und jetzt weinte ich hemmungslos aber still vor mich hin.

Keine POV

Als Legolas auf der Hauptlichtung ankam, lag eine gewisse Spannung in der Luft. Er spürte die fragenden und teilweise kritischen Blicke, die ihn von den umstehenden Bäumen herab musterten zunächst überhaupt nicht, bis vier Gestalten sich aus den Schatten der Bäume lösten und mit eiligem Schritt auf den Prinzen zukamen.

„Hast du mit ihr gesprochen", brach Sémersion hervor. Legolas hob den Kopf um seinem Freund in die Augen zu sehen.

„Das habe ich", antwortete er ruhig und gefasst. Sein Gesichtsausdruck war hart und unerbittlich.

„Aber sie KANN es nicht gewesen sein", fuhr Nestalinna weinerlich dazwischen. „Ihr müsst Euch getäuscht haben." Für sie war es undenkbar, dass die gutmütige, liebevolle Freundin auch nur einer Fliege etwas zuleide tun könnte. Und außerdem war sie der festen Überzeugung gewesen, dass Adamantiel in den Prinzen verliebt sei.

„Nennst du mich einen Lügner", fuhr Legolas sie sogleich an. Nestalinna zuckte unter der Heftigkeit seiner Antwort zurück.

„Gewiss nicht, Hoheit. Aber es muss eine Erklärung für ihr Verhalten geben", wandte Luferion ein. Legolas musterte ihn scharf. Er wusste nicht, was er denken sollte. Er hatte nicht einmal den Hauch einer Idee. Er selbst war überzeugt davon, dass es einen Grund für Adamantiels Verhalten geben musste. Und dieser Grund war in den Minuten aufgetaucht, als sie ihm am Wasserfall allein gelassen hatte und er ihr einige Zeit später gefolgt war.

„Vielleicht ist es der Olifant", gab er laut zu Bedenken. Hellina schüttelte heftig den Kopf.

„Dann müssten auch meine Kinder durchgedreht sein", beteuerte sie und fing sich einen spöttelnden Blick von Sémersion ein.

„Das ist nicht einfach zu ergründen, da sie vorher schon nicht ganz ungefährlich waren", stichelte er. Daraufhin stemmte Hellina empört die Arme in die Hüften.

„Willst du damit andeuten, meine Kinder sind schlecht erzogen?" Ihre Stimme hatte etwas beinahe Bedrohliches. Legolas musste schmunzeln. Er beobachtete, wie Sémersion abwehrend die Hände hob und beteuerte, dass es ja nicht an der Erziehung läge sondern am angeborenen Wesenszug.

„Das wird ja immer schöner", empörte sich die Elbin lautstark. „Jetzt behauptet er auch noch, ich hätte kleine Monster zur Welt gebracht, die nichts weiter im Kopf haben, als anderen zu schaden!" Nun musste auch Nestalinna kichern. Es war immer wieder amüsant mit anzusehen, wie die Freundin sich in Diskussionen hineinsteigerte. Wo sie nur konnte, entfachte sie eine Debatte und drängte ihre Opfer dabei immer mehr in die Enge. Wie eine lauernde Spinne, die ihre Opfer immer mehr einspinnt, je mehr sie sich dagegen wehren und einen Ausweg suchen, dachte Nestalinna und plötzlich kam ihr ein Gedanke.

„Prinz Legolas! Adamantiel hat einmal erwähnt, dass sie ein Serum besitzt, das jeden die Wahrheit sagen lässt. Das Geschenk eines Menschenmädchens…" Legolas sah sie einen kurzen Moment lang überrascht an, doch dann hellte sich sein Gesicht auf. Endlich würden sie Gewissheit erlangen! Sie konnten Adamantiel diesem Kraut aussetzen und so die Wahrheit erfahren! Vielleicht stimmte es auch, was sie beteuerte und sie erinnerte sich an nichts. Aber vielleicht konnte man auch diese Erinnerungslücke mit dem Serum wieder füllen.

Er klopfte Nestalinna überschwänglich auf die Schulter und hastete sofort los. Er wusste, wo Adamantiel das Serum aufbewahrte; in einem kleinen Holzkästchen. Das wiederum war in einer Tasche verstaut, die sie dem kleinen Elefantenbaby mit einer Decke um den Bauch geschnürt hatte. Legolas hatte es für lächerlich befunden, ein Tier mit einer Decke zu wärmen, doch Adamantiel hatte darauf bestanden.

Legolas seufzte, doch er war frohen Mutes. Vielleicht konnte das Rätsel enthüllt werden, wenn er nur das Serum fand. Das hieß, zunächst musste er sich auf die Jagd nach diesem kleinen Trampeltier machen.

Adamantiel POV

Mir war es, als wäre die gesamte Welt mit einem Grauton angemalt worden. Alles sah trist und unfreundlich aus. Ich war am Boden zerstört. Und ich konnte mir nicht einmal erklären, warum! Denn ich erinnerte mich an nichts. Wenigstens hatte ich meine Fassung wieder soweit wiedererlangt, dass mir keine Tränen über die Wangen in die Mundwinkel rannen, sich dort sammelten und dann weiter in Richtung Kinn aufbrachen.

Nun saß ich da und starrte die mir gegenüberliegende Felswand an. Etwas drängte sich den Weg zu meinem Gedächtnis empor. Mit einer Macht und Stärke die mich überwältigte und mir wahnsinnige Kopfschmerzen verursachte. Aber ich bekam den Gedanken einfach nicht zu fassen.

…lassi……. Ein Wort zuckte über die Felswand. Ich schloss meine schmerzenden Augenlider und versuchte mich zu konzentrieren.

….SÚ…RIn…e…..n …brüllte eine Stimme in meinem Kopf. Ich sah ein hasserfülltes Gesicht vor mir, das von weißem wehendem Haar umrahmt wurde. Und plötzlich erinnerte ich mich, wo ich ‚Ihn' schon einmal gesehen hatte.

„Kurz vor dem Ballsaal…", murmelte ich halblaut vor mich hin.

Als ich einen Schatten neben mir wahrnahm, zuckte ich unwillkürlich zusammen. Ich sah nicht auf, denn ich wusste, wer sich dort schräg hinter mir niedergelassen hatte.

„Was war kurz vor dem Ballsaal", vernahm ich auch schon die Stimme meines Paten. Mein Herz stülpte sich um und fing an, wild um sich zu schlagen. Wieder stiegen Tränen in mir auf. Doch diesmal waren es Tränen der Erleichterung. Fast zwei Tage lang hatte ich Legolas nicht mehr gesehen. Zwar hatte man inzwischen von den Fußfesseln abgesehen, dennoch durfte ich mich nur in dem kleinen Felsspalt bewegen, der von mindestens vier Wachen beobachtet wurde. Sie hatten sich nicht einmal Mühe gegeben, sich vor mir zu verbergen, was mich maßlos ärgerte. Doch jetzt durchflutete mich eine Welle der Erleichterung. Ich hatte angenommen, Legolas würde nie wieder mit mir reden. Aber warum fragte er mich nicht, wie es mir ging? Wie mir zumute war?

„Sprecht jetzt, wenn Ihr etwas hervorzubringen habt", mahnte er mich. Ich hob angenehm überrascht den Kopf, als ich einen Anflug von Sanftheit in seiner Stimme erkannte.

„Sprecht oder ich werde Euch nach Gondor bringen und einsperren lassen, bis ich Zeit gefunden habe, mich Eurer anzunehmen." Das warme Gefühl in meiner Magengegend verabschiedete sich schneller, als es gekommen war.

„Das würdet Ihr tun", presste ich mühsam hervor und wunderte mich gleichzeitig, wo mein Kampfgeist abgeblieben war. Ich ärgerte mich, dass ich so anfällig geworden war.

„Das würde ich zum Schutze meines Volkes tun", bestätigte er kühl und fügte noch hinzu dass er nicht wisse, wen ich als nächstes angreifen würde.

„Aber ich kann mich an nichts erinnern", protestierte ich hartnäckig. Sollte er doch denken was er wollte! Mich sollte er nicht so schnell klein kriegen.

„Dann erzählt mir doch erst einmal die Sache ‚vor dem Ballsaal'. Hat es etwas mit diesem Narwainion zu tun?" Ich sah ihm zum ersten Mal in die Augen und erschrak. Wusste er von etwas, von dem ich nichts wusste? Etwas über Narwainion? Ich bemerkte eine Bewegung seiner rechten Hand aus den Augenwinkeln und wurde das Gefühl einfach nicht los, dass er etwas vor mir verbarg.

„Ihr legt mich in Fesseln, taucht zwei Tage lang nicht hier auf und wollt MIR allen Ernstes etwas vorschreiben, nachdem Ihr mich noch nicht einmal begrüßt habt", fuhr ich ihn an. Meine Traurigkeit und Verzweiflung entlud sich gegen ihn. Obwohl ich ganz genau wusste, dass dies gerade ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt war.

„Das letzte Mal, als ich mich bei Euch entschuldigt habe, habt Ihr mir kurz darauf einen Pfeil durch den Oberarm gejagt, also vergebt mir meine mangelnde Zuneigung zu Euch", spöttelte Legolas und ich hätte ihn am liebsten schlagen mögen. Diese schreckliche Selbstgefälligkeit!

„Vielleicht solltet Ihr Euch einmal fragen, ob Ihr es nicht verdient habt", fauchte ich ihn an. Er zog eine Augenbraue nach oben und musterte mich eingehend.

„Ha! Ihr gebt es also zu", rief er triumphierend und ich blickte wieder zu Boden.

„Für wen haltet Ihr mich", flüsterte ich leise mit belegter Stimme. Er müsste es eigentlich wissen. Er müsste wissen, dass ich niemanden auch nur ein Haar krümmen könnte. Und vor allem nicht ihm. Aber wie konnte ich ihm dieses Misstrauen übel nehmen? Schließlich sprach alles gegen mich. Ja ich selbst konnte mich ja nicht einmal an den Zeitpunkt erinnern, an dem es geschehen war. Sicher würde ich an seiner Stelle genauso misstrauisch sein.

„Wenn Ihr davon überzeugt seid, dass ich es war, so kann ich nichts dagegen tun." Meine Stimme klang rau, belegt und demütig. Ich wagte es nicht, ihm in die Augen zu sehen.

„Ich wünschte ich wäre es nicht. Ich wünschte, ich wüsste nicht, dass ich dich gesehen habe", gestand er nach einiger Zeit der Stille. Ich konnte nicht umhin den Kopf zu heben und ihn anzusehen.

„Soll das heißen, Ihr glaubt mir", fragte ich ungläubig. Mein Herz begann vor Aufregung wild in meiner Brust zu rasen und ich verspürte den Hauch von ein wenig Hoffnung in mir aufkeimen.

„Ich versuche nur, diese Misere vernünftig anzugehen und herauszufinden, was mit dir geschehen ist. Aber dafür musst du mir erzählen, was du schon Narwainion in jener Nacht des Balls erzählt hast. Was ist dir vor dem Ballsaal widerfahren?" Ich betrachtete beschämt die Leinenseile, die meine Handgelenke fest aneinander schnürten. Plötzlich befand ich es als unglaublich kindisch und idiotisch, dass ich Legolas nie etwas von diesem schrecklichen Erlebnis erzählt hatte und ich schämte mich zutiefst. Vielleicht wäre es nie soweit gekommen, wenn ich nur etwas weniger sturköpfig gewesen wäre.

„Da war ein Elb", murmelte ich. Ich ahnte, dass er wusste, dass es mir peinlich war darüber zu reden. Aber es musste sein. Mein alter Stolz versuchte in mir durchzubrechen und etwas tief in meinem Inneren wollte mich am Reden hindern, doch ich schluckte kräftig und überwand den Anflug von Trotz in meinem Herzen. Bisher hatte er mir immer nur geschadet.

Ich warf einen flüchtigen Blick auf Legolas, doch der sagte nichts.

„Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht einmal sicher, ob es ein Elb war. Er hatte weiße Haare und unheimliche, kalte Augen. Er stand an der Wand neben der Tür, als ich mich mit Tinnu näherte." Ich stockte.

„Hat sie ihn gesehen?" Ich schüttelte den Kopf und kam mir auf einmal unheimlich albern vor.

„Nein, nur ich habe ihn gesehen. Er kam auf uns zu, ein eisiges Lächeln lag auf seinem Mund und er schien nach mir zu greifen. Ich dachte schon, er würde in mich hineinrennen, doch als er mich erreicht hatte und ich dachte, wir würden zusammenstoßen, da verschwand er plötzlich." Mir lief ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter. Irgendwie erleichterte es mich, Legolas mein Geheimnis zu offenbaren.

„Was hat er gesagt?" Ich blinzelte verwirrt. Wie gesagt? Was sollte er schon gesagt haben? Ich lauschte den zwitschernden Vögeln, die draußen in den Bäumen vor der Höhle saßen und ein liebliches Lied anstimmten.

„Ich weiß es nicht", gestand ich ehrlich. Ich spürte seinen Blick auf meinem Kopf ruhen.

„Du musst versuchen, dich zu erinnern! Wie oft hast du ihn schon gesehen?" Ich lächelte leicht, aber das konnte er nicht erkennen, da meine Haare mein Gesicht verdeckten. Wie wunderbar dieses Gefühl war, dass seine Besorgtheit in mir hervorrief.

„Ich sah ihn schon drei Mal zuvor. Und das immer kurz vor einem meiner Geburtstage. Ich hatte es Gimli erzählt, doch der hatte immer nur den Kopf geschüttelt und etwas von „elendiger Wahrsagerei" gemurmelt."

Keine POV

Adamantiel sah nicht, dass Legolas schmunzelte. Ja, das war typisch Gimli. Anstatt sich Sorgen zu machen und darüber zu grübeln, dass ihre Erscheinungen etwas Wichtiges sein könnten, schimpfte er lieber auf den Elben und ihren angeborenen Fähigkeiten herum.

„Und hat er etwas zu dir gesagt", fragte er, in der Hoffnung eine positive Antwort zu erhalten. Doch er wurde enttäuscht.

„Er sagte immer etwas. Doch ich kann mich nicht mehr daran erinnern", gestand sein Patenkind demütig. Legolas wusste nicht, warum sie auf einmal so schüchtern und beugsam war. Er hatte sich darauf eingestellt, ihr das Wahrheitsserum einflößen zu müssen, doch anscheinend versuchte auch sie der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

„Versuch es", drängte er sie sanft. Adamantiel hob langsam den Kopf und sah ihn abwesend an. Bei ihrem Anblick empfand der Prinz eine unglaubliche Zärtlichkeit für die junge Elbin und es tat ihm schrecklich leid, dass er sie hier gefangen hielt. Er schwor sich, sie nicht mehr länger zu quälen und frei zu lassen sobald er etwas erfahren hatte.

„Laurie...lantar...lassi", murmelte sein Patenkind plötzlich vor sich hin. Dann sah sie ihn ruckartig mit leuchtenden Augen an.

„Das ist es! Ich habs. Er sagte etwas wie: Laurie lantar lassi súrinen. Wisst Ihr, was das bedeutet?" Ihre Augen strahlten und ihre Wangen glühten. Sie war glücklich, sich erinnert zu haben. Legolas nickte ernst auf ihre Frage hin.

„Es bedeutet: „Wie Gold fallen die Blätter im Wind"" Adamantiel sah ihn irritiert an.

„Oh...Und wie kann uns das weiterhelfen? Ich meine, hat es irgend etwas zu bedeuten?" Ihr war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, als Legolas den Kopf schüttelte.

„Nur das, was ich gerade gesagt habe. Aber ich werde einen Boten nach Gondor schicken. Aragorn soll nach Hinweisen in den alten Schriften suchen." Adamantiel nickte. Es fiel ihr schwer, ihre Enttäuschung nicht so offensichtlich zu zeigen. Doch Legolas erkannte sie dennoch. Aus einem Impuls heraus streckte er langsam die Hand aus und berührte sanft ihr Gesicht. Die junge Elbin zuckte überrascht zusammen, als seine Haut mit der ihren in Berührung kam. Ein feuriges Kribbeln ging von dieser kleinen Berührung aus und rann durch ihren gesamten Körper. Ihr Herz schlug so laut, dass sie meinte, Legolas könnte es hören. Doch was machte das jetzt?

Sie schloss die Augen und genoss den Augenblick, den sie oft so sehr herbeigesehnt hatte. Warum, das hatte sie nie ganz ergründen können, doch seit einiger Zeit beschlich sie das Gefühl, dass ihre Allergie etwas mit den Gefühlen zu tun haben könnte, die man der Liebe und Verliebtheit zusprach.

Legolas betrachtete die junge Elbin fasziniert, als sie ihre Wange in seine Hand schmiegte. Unbewusst bewegte er den Daumen, um ihre sanfte Haut zu streicheln. Sein Atem ging unregelmäßiger je länger sie so verharrten und sein Herz drohte zu zerspringen.

Doch plötzlich hielt er in seiner Bewegung inne. Was tat er da? Er würde sie nur wieder verletzen, wenn er sich diesen Gefühlen hingab. Sie war fast noch ein Kind und er schien mit ihr zu spielen. Ein Stich ging durch sein Herz, denn er wollte ihr nicht wieder weh tun und doch ahnte er, dass es schon zu spät war und es wieder dazu kommen würde.

Verwirrt schlug sie die Augen auf und sah ihn an.

„Nicht aufhören." Es war ein kaum zu vernehmender Hauch ihrer Stimme, doch er hörte es. Und diese kleine Bitte brach ihm fast das Herz. Zuneigung und Sehnsucht brachen über ihn herein. Er legte die Hand sanft in ihren Nacken und näherte sich langsam ihrem Gesicht. Dabei musterte er sie unsicher, ja beinahe ängstlich. Er, der Prinz von Ithilien, hatte plötzlich angst, sie könnte ihn zurückweisen.

Doch Adamantiel schloss leicht die Augen und ihre langen Wimpern kitzelten seine Wange, als er vorsichtig und zärtlich ihren Mund küsste. Lang zurückgehaltene Gefühle stürzten über beide herein und lösten sich in diesem zögerlichen ersten Kuss, der nach und nach immer mehr Verlangen freisetzte.

Als Adamantiel den Kuss mit einem Mal hastig abbrach, öffnete Legolas leicht enttäuscht die Augen. Sie hatte etwas in ihm geweckt, von dem er nicht gewusst hatte, dass es existierte.

„Adamantiel?" Seine Stimme klang rau und belegt. Sehr erotisch, wie die kleine Elbin sich eingestehen musste. Aber sie hatte Angst. Sie wagte es nicht, ihm in die Augen zu sehen und wieder Spott und Hohn und Bedauern über das eben Geschehene in ihnen zu erkennen. Im tiefsten Innersten verfluchte sie ihre Schwäche.

„Was hast du", fragte er leise als sie ihm nicht antwortete. Ich habe Angst, dass Ihr Euch wieder entschuldigt, hätte sie ihm am liebsten gestanden. Dass es alles nur ein Missverständnis war. Doch sie brachte kein Wort hervor. Nervös spielte sie mit ihren Fingern.

„Oh verzeih mir", brachte Legolas plötzlich peinlich berührt hervor, als er bemerkte, dass sie noch immer Handfesseln trug. Ein Stich ging durch ihr Herz bei seinen Worten. Sie hatte es doch gewusst! Er würde sie wieder abschieben. Er hatte sie wieder nur benutzt und mit ihr gespielt um ihr zu zeigen wer er war! Und jetzt bat er sie wiederum um Verzeihung. Sie nahm seine Handbewegung wahr, wie er nach dem Jagdmesser griff, dass in seinem Gürtel steckte. Wollte er sie jetzt umbringen? Wilde Gedanken schossen ihr durch den Kopf und sie wollte schon aufspringen, da hatte er auch schon ihre Fesseln durchschnitten. Überrascht, irritiert und äußerst verstört sah sie ihn aus ungläubigen Augen an. Legolas erwiderte den Blick.

„Verzeih mir, dass ich sie nicht schon eher entfernt habe." Es dauerte eine Sekunde, dann erfasste Adamantiel die Situation und grinste über beide Ohren. Ja sie kicherte sogar wild drauflos.

„Was ist?" Legolas' Ton war leicht pikiert. Warum lachte sie nur? Das Kichern Adamantiels artete in hysterische und unkontrollierte Lachanfälle aus.

„Ich dachte...", versuchte sie unter Lachen geschüttelt zu erzählen, „...dass Ihr mich angreifen wollt!" Nach diesen Worten war es erst recht um ihre Fassung geschehen. Ihren absurden Gedanken laut auszusprechen war so lächerlich! Adamantiel rollte sich auf die Seite, hielt die Arme über dem Bauch verschränkt und rang lachend nach Luft. Als sie das Gesicht ihres Paten sah, der sie teils beleidigt, teils amüsiert ansah, wurde alles nur noch schlimmer.

„Das findest du jetzt witzig? Wieso sollte ich dich angreifen?" Doch Adamantiels Antwort war nur ein heftiges Japsen und Legolas fiel es schwer, nicht auch in ihr Lachen mit einzufallen.

Legolas POV

Das Fleisch, das die Jäger erlegt hatten war zart und saftig und schmeckte köstlich. Bevor der stattliche Hirsch zerlegt und gekocht worden war, hatte man ihm den traditionellen Respekt erwiesen, sich bei Eru für die Gabe der Natur bedankt und das tote Tier verehrt. Auch Elben mussten Leben nehmen um leben zu können.

Ich spähte vorsichtig zu Adamantiel hinüber, die auf der anderen Seite des großen Feuers neben Nestalinna und Hellina saß. Tinnu und Alagos tollten um die drei Frauen herum und lieferten sich ein wildes Wortgefecht, dass durch das Knacken des brennenden Holzes ab und an unterstrichen wurde.

Ich hatte am Mittag einen Boten nach Gondor gesandt, der Aragorn den wichtigen Hinweis überbringen sollte und konnte es kaum erwarten, Antwort zu erhalten. So vieles geisterte in meinem Kopf herum und fand einfach keinen Platz, an dem es sich niederlassen konnte. Da war zunächst die Frage, warum Adamantiel überhaupt zu den Zwergen kam. Warum hatte Narwainion sie nicht gleich zu sich geholt? Warum hatte Adamantiel mir immer noch nicht erzählt, dass er ihr Großvater war? Vielleicht um mich eifersüchtig zu machen? Wo steckte Narwainion plötzlich, da er uns doch sonst immer gefolgt war. Fragen über Fragen und ich fand einfach keine Antwort!

Leicht genervt knabberte ich an meinem Fleischstück und brach ein Stück vom frisch gebackenen Lembabrot ab. Es schmeckte hervorragend.

Obwohl kein Mond am Himmel stand, war die Nacht ungewöhnlich hell. Gut, für einen Menschen wäre sicher nichts mehr zu sehen gewesen, aber das funkelnde Licht der Sterne reichte den Elben aus, um etwas zu sehen. Eigentlich entspannte es die Augen. Es war mild und sanft, ganz anders als die Strahlen der Sonne, die das Auge reizten.

Ich starrte eine Weile in die zuckenden Flammen und wandte mich dann an Sémersion.

„Wirst du mich morgen auf die Jagd begleiten, Mellon?" Mein Freund nickte.

„Was ersinnst du zu erlegen, mein Freund?" Ich wiegte den Kopf leicht hin und her.

„Ich weiß es nicht. Eigentlich möchte ich nur einen klaren Kopf bekommen", antwortete ich aufrichtig.

„Hat dir die Verliebtheit den Verstand also endgültig geraubt." Ich wollte gerade ein neues Stück Lemba an meinen Mund führen, doch bei Sémersions Worten hielt ich kurz inne und sah mich schnell um.

„Was soll das? Welche Verliebtheit?" Mein Freund neigte spöttisch den Kopf und deutete mit einer Geste zu Adamantiel hinüber, die gerade über irgendetwas lachte. Ich erkannte auch gleich die Ursache: Alagos war in seinem Eifer, Tinnu zu fangen, über eine Wurzel gestolpert und in einer Pfütze gelandet. Sein Gesicht war dreckverschmiert. Ich lächelte.

„Du kannst es doch nicht immer noch leugnen wollen, mellon. Alle hier wissen es. Es ist zu offensichtlich, dass du an Adamantiel magst und ich muss sagen, dass du – wenn man das von Elben behaupten kann – einige Neider hast." Ich sah Sémersion überrascht an.

„Einige Neider? Warum?" Er seufzte.

„Viele sind an ihr interessiert. Wir alle lieben ihre Art und ihren Charme." Ich glaubte, mich verhört zu haben. Ihren was?

„Charme?" Das alte Ego kam wieder in mir hoch, das nicht zugeben wollte, dass mein Patenkind sehr attraktiv war. Aber selbst in meinen Ohren klang diese Frage unglaubwürdig. Sémersion schmunzelte.

Keine POV

Aragorn saß in einem der vielen Sessel der Bibliothek. Er hatte sich ein paar alte Schriftrollen aus den Kellergewölben heraufbringen lassen und blätterte nun in den alten vergilbten Seite. Sein schwarzes langes Haar wurde von silbernem Glanz durchzogen und auch in seinem Bart zeichneten sich die Jahre ab, die er schon erlebt hatte. Auf seiner Stirn lag eine tiefe Falte, die immer dann entstand, wenn er sich auf etwas konzentrierte.

„Ihr könnt Jahre und Jahrhunderte die alten Schriften durchsuchen, König von Gondor. Und doch werdet Ihr keinen Hinweis auf die Lösung des Fluches finden", wandte sich Narwainion mit respektvollem Ton an Aragorn. Er stand am Fenster und sah hinaus. Die Sonne lockte die Blumen aus der Erde hervor. Narwainions Haar wurde mit einem Band zusammengehalten, ganz untypisch für die Haartracht, die die Elben sonst an den Tag legten. Er wusste wie hoffnungslos Aragorns Bemühungen waren, denn er selbst war schon vor über neunzig Jahren hier gewesen in der Hoffnung, das Unheil von seiner Familie abzuwenden.

„Es muss aber einen Hinweis geben", beharrte Aragorn. Narwainion schüttelte den Kopf. Wie ein alter weiser Mann, der sich über den Starrsinn der Jugend wundert.

„Das Unheil nimmt seinen Lauf, sprach er betrübt. Die einzige Möglichkeit die wir sahen, haben wir verwirklicht und bald wird sich zeigen, ob sie von Erfolg gekrönt wird. Seit dem Tag, an dem wir das Goldene Blatt bei dem Säugling entdeckt hatte, kurz nach ihrer Geburt, seitdem bangen wir um ihr Leben."

Aragorn hob alarmiert den Kopf und wandte seine Gedanken von dem Pergament ab.

„Aber heißt es nicht, dass sie töten wird und nicht dass sie GETÖTET wird?" Auch Narwainion wandte sich jetzt vom Fenster ab und bedachte den König Gondors mit einem durchdringenden, leidgeprägten Blick.

„Sie wird töten, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Immer wurde von den Opfern gesprochen, die durch den Fluch gefallen sind. Doch noch nie hat man etwas über den Träger des Fluches gehört NACHDEM er die Tragödie herbeigeführt hat. Immer verschwand das Kind des Unheils spurlos. Es gibt Mythen und Erzählungen, die von den Tränen der Verfluchten sprechen, die im Blut ihrer Familie erwacht waren. Es gibt Legenden, die von einem Diamanten erzählen, der aus den reinen Tränen entstanden ist und das Leid und die Trauer der Leidenden in sich vereint. Es heißt, wenn das Leid von Unzähligen den Hass von Luz übersteigt, wird der Fluch enden und der Hintergangene geht zu Eru.

„Trägt Adamantiel nicht einen Diamanten?" Narwainion nickte leicht.

„Es ist eben dieser. Doch ob die Legenden darum stimmen und zutreffen werden ist sehr ungewiss."

„Dann wollen wir das Beste hoffen", sprach Aragorn bitter und wandte sich wieder den Schriften zu. Doch er wurde abermals unterbrochen, diesmal von einem seiner Wachen.

„Ein Bote aus Ithilien ist eingetroffen, mein König. Er sagt, er bringt Kunde vom Prinzen Legolas." Aragorn erhob sich rasch. In seinem Blick stand Sorge geschrieben. Eine ungewisse Vorahnung bemächtigte sich seiner.

„Folgt mir, Narwainion. Ich bin sicher, dass Ihr auch erfahren wollt, was meinen Freund dazu drängt, uns einen Boten zu senden."

Beide verließen die große Bibliothek mit eiligen Schritten und betraten den Thronsaal. Dort stand ein hochgewachsener Elb vor der König Arwen, deren Leib schon sehr rundlich war, und unterhielt sich leise mit ihr. Als sie ihren Gatten eintreten sah, eilte sie sofort zu ihm. Aragorn beugte sich zu ihr herunter und gab Arwen einen zärtlichen Kuss. Dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf den Elben, der mittlerweile vor ihnen stand und eine ehrerbietige Verbeugung andeutete.

„Mae gowannen, mellon", grüßte Aragorn den Elben und dieser erwiderte den Gruß.

„Was habt Ihr zu berichten?"

„Der Prinz von Ithilien schickt mich, um eine Bitte hervorzubringen. Er sprach nur kurz zu mir, doch seine Nachricht lautet: „Laurie lantar lassi súrinen"." Narwainion tat einen entsetzten Schritt zurück, doch der Elb achtete nicht auf ihn, sondern brachte den letzten Teil seiner Botschaft hervor.

„Prinz Legolas, Sohn des Thranduil bittet Euch um Aufklärung dieses Rätsels. Es sei von höchster Dringlichkeit, da der Zustand seines Patenkindes Adamantiel sehr bedenklich ist..."

„Was ist mit ihr", fuhr Narwainion unbedacht und besorgt dazwischen. Der Bote musterte ihn eindringlich.

„Wie heißt Ihr", fragte Aragorn den Elben.

„Luferion, Hoheit."

„So berichtet uns nun, was vorgefallen ist." Luferion nickte zustimmend und begann, von Adamantiel zu erzählen. Als er geendet hatte, schwiegen alle Anwesenden zunächst sehr bedrückt.

„Wisst Ihr, was das zu bedeuten hat, Narwainion", richtete sich Aragorn an den Elben, der zustimmend nickte.

„Ja", sagte er düster.

„Reitet zurück, so schnell Ihr könnt, Luferion und richtet dem Prinzen aus, er möge nach Gondor kommen. Ohne sie. Es beginnt ernst zu werden."

Fortsetzung folgt!

Ich hoffe sehr, dass es euch gefallen hat und ein gaaaaanz dicker Knuddler an alle, die die lange Wartezeit überstanden und weitergelesen haben knuddel

Ciao ciao!