Laurie lantar lassi súrinen
Wie Gold fallen die Blätter im Wind
Der Erbe Gondors
Keine POV
Fast zwei Wochen waren vergangen seit Legolas dem Ruf Aragorns gefolgt und nach Gondor aufgebrochen war. Es war kompliziert gewesen einen Vorwand für sein plötzliches Aufbrechen zu finden, ohne die anderen zu beunruhigen. Besonders Adamantiel hatte sich sturer und hartnäckiger verhalten als je zuvor. Sie hatte es nicht verstanden, warum sie nicht mitgehen durfte, und drängte Legolas mit der Bitte, ihn begleiten zu können. Aber der Prinz blieb standhaft und übertrug ihr stattdessen etliche Aufgaben; wie die Beaufsichtigung der Kinder und den weiteren Verlauf der Errichtung der Häuser. Als er auch noch Timpetu ins Spiel brachte, hatte sie schließlich zähneknirschend klein bei gegeben, auf dem Absatz kehrt gemacht und ihn ohne ein weiteres Wort einfach stehen gelassen.
Jetzt saß Adamantiel unter einem der alten riesigen Bäume und erzählte einer Schar von kleinen Kinder wieder eine ihrer Geschichten.
„...und als er schließlich die Prinzessin geraubt hatte und sie triumphierend nach Hause brachte, nahm er ihren Schleier vom Gesicht und entdeckte, dass sie stockhässlich war." Viele Kinder verfielen in lautes Glucksen, einige kicherten leise. Adamantiel selbst schmunzelte breit. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, jeden Nachmittag ein paar Stunden mit den kleinen Bälgern zu verbringen, damit ihre Eltern anderen Tätigkeiten nachgehen konnten.
Die Elben behandelten sie wieder freundlich und zuvorkommend. In den ersten Tagen nach Legolas' Abreise hatte sie Schwierigkeiten gehabt, Anschluss zu finden, denn alle beobachteten sie misstrauisch und vorsichtig. Adamantiel seufzte tief. Warum hatte sich nur ihr gesamtes Leben in eine einzige Katastrophe verwandelt? Wenn sie ehrlich war, war ihr Leben eigentlich nie ruhig verlaufen. Sie hatte bei den Zwergen immer ein gewisses Unbehagen gespürt, aber das empfand sie auch in Gegenwart der Elben.
Sie knickte einen kleinen Ast in mehrere gleichgroße Stückchen. Die ganze Sache war verzwickt. Sie fühlte sich nirgends zuhause. Ob es an diesen rätselhaften Halluzinationen lag? Sie versuchte, sich an den Mann zu erinnern, der ihr immer häufiger erschien und schon allein der Gedanke an seine Existenz ließ ihr einen kalten Schauer über den Rücken fahren.
„Tièl?" Die junge Frau lächelte unbeholfen in Tinnus Richtung. Das kleine Mädchen sah sie besorgt an. Sie war so niedlich, wenn sie die Stirn in Falten zog.
„Und die Moral von der Geschicht...Sieh einer Frau erst ins Gesicht. Und nun weg mich euch", rief sie lachend, sprang auf und wedelte mit den Armen. Die Kinder stoben jauchzend in alle Richtungen davon. Nur Tinnu und Alagos wollten sich noch nicht von ihrer besten Freundin trennen.
„Weißt du, ich bin sicher, dass er zurückkommt", sagte Tinnu plötzlich mit ernster kindlicher Stimme. Adamantiel sah sie überrascht an.
„Wer?"
„Na Legolas." Diesmal war es Alagos, der es mit Nachdruck sagte.
„Wer Legolas?! Natürlich kommt er zurück. Schließlich ist er der Prinz von Ithilien." Adamantiel erhob sich und klopfte sich sorgfältig das Laub von den Sachen ab. Tinnu und Alagos taten es ihr nach und die kleinen Kinderhände platschen leise gegen die Oberschenkel.
„Du musst dir also keine Sorgen machen", versicherte Tinnu noch einmal und endlich verstand Adamantiel, worauf die Kleinen hinaus wollten. Sie hatten das Wortgefecht zwischen Legolas und Adamantiel mit angehört und schienen wohl zu denken, dass ihre ständigen Grübeleien mit ihm zusammenhingen. Nun dann, sie würde sie in diesem Glauben lassen.
„Ja das denke ich auch, aber danke, dass ihr mir das noch einmal gesagt habt", antwortete sie mit einem strahlenden Lächeln.
„Aber nun ab zu eurer Mama! Sie vermisst euch sicher schon. Und ich glaube, dass sie heute Morgen etwas von frischem Apfel-Lembas gemurmelt hat." Die Kinder rannten kreischend davon, als hätte sie ihnen soeben die Ankunft Erus verkündet. Adamantiel schmunzelte leicht, warf das lange Haar über die Schultern, band es mit einem dicken Band zusammen und hoffte inständig, dass Hellina wirklich etwas gebacken hatte.
Legolas POV
Das Stück Papier zwischen meinen Fingern war schon bröcklig und rund. Ich betrachtete es aufmerksam mit zusammengezogenen Augenbrauen. Was Adamantiel wohl gerade machte? Seufzend senkte ich meine Hand und sah mich im Raum um. Die alten Regale bogen sich ächzend unter der Last der jahrhundertealten Bücher und Pergamente. Das, was nicht mehr in den Regalen stand, war über den riesigen Tisch aus Eichenholz ausgebreitet. Ich rieb mir die schmerzende Stirn. Viele Tage waren seit meiner Ankunft vergangen und wir waren noch kein Stück weitergekommen.
„Nur Geduld mein Prinz. Wir werden eine Möglichkeit finden." Ich neigte leicht den Kopf auf die rechte Seite und schielte Narwainion nachdenklich an. Ich hatte mich trotz allem, was ich über ihn wusste, noch nicht so recht mit seiner Anwesenheit anfreunden können. Und dass er zu einem ständigen Dreh- und Angelpunkt der gesamten Situation geworden war, missfiel mir sehr. Doch ich setzte mein elbisches Talent der Vertuschung und Täuschung hervorragend ein.
„Ich glaube nicht, dass uns altes, vergilbtes Pergament helfen kann", erwiderte ich daher ruhig und sachlich. Warum hatte er einen flüchtigen Blick auf meine Hände geworfen? Oh...Ich stellte sofort meine nervösen Spielchen ein, die ich mit dem Papierknöllchen trieb und sah Narwainion dann wieder abwartend an, als ob nichts weiter gewesen wäre. Und als er abermals den Mund auftat um mir zu antworten, schweiften meine Gedanken langsam wieder ab. Weit weg von Gondor nach Ithilien zu einer wunderschönen jungen Elbin, die sicher wieder irgendeinen Unfug trieb. Ich hatte es mir zur Angewohnheit gemacht, sie zu überwachen und jede ihrer Bewegungen zu verfolgen und es machte mich schier rasend, dass ich mehr als zwei Wochen lang nichts von ihr gehört hatte. Ich glaubte mich recht erinnern zu können, dass sie mir mit einem kurzen Nicken zu verstehen gegeben hatte, mir regelmäßig Bericht zu erstatten. Bislang hatte sich aber noch keiner der Elben mit einer Nachricht meiner Elebenkolonie hierher verirrt. Sie schienen auch ohne mich sehr gut zurecht zu kommen.
„...Was sagt Ihr dazu?" Um zu überspielen, dass ich Narwainion nicht zugehört hatte, neigte ich leicht den Kopf, so als müsste ich noch überlegen, was ich über was-auch-immer-er
-gerade-gesagt-hatte dachte. Bei Eru! Ich hatte nicht einmal bemerkt, dass sich Aragorn zu uns gesellt hatte.
„Ich befinde es als eine sehr gute Idee. Wenn Narwainions Theorie stimmt, dann dürfen wir nichts riskieren. Vorrausgesetzt, du als ihr Vormund bist damit einverstanden." Ich sah Aragorn etwas perplex in die Augen. Wovon um alles in der Welt sprachen sie gerade? Es war zu spät, um ihnen zu gestehen, dass ich nicht aufmerksam gewesen war. Vielleicht erwähnten sie noch einmal, worum es sich handelte. Dass es um Adamantiel ging, hatte ich mittlerweile begriffen. Es lag ja auch nahe, da sie der Anlass für meinen Aufenthalt in Gondor war. Ich nickte also nur kurz mit dem Kopf. Aragorn musterte mich forschend.
„Und du bist dir ganz sicher mein Freund? Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber offensichtlich hegst du tiefere Gefühle für sie, als von einem Vormund zu erwarten wäre." Ich lehnte mich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Ich bemühte mich um einen leicht pikierten Gesichtsausdruck, damit Aragorn annahm, dass er zu weit in meine Privatsphäre eingedrungen war. In Wahrheit wusste ich einfach nicht, wie ich die Situation bewältigen könnte.
„Bedenkt, mein Prinz, dass es hierbei auch um Eure Sicherheit geht. Wie ich schon erwähnt hatte, schwebt Ihr nicht in minder großer Gefahr als ich." Narwainion schien mich ertappt zu haben. Und so gab ich meine Täuschung auf.
„Was genau wollt Ihr damit andeuten?" Ein leichtes Schmunzeln bahnte sich in Aragorns Mundwinkel. Er tauschte einen kurzen Blick mit dem Elben aus und sah mich dann wieder an.
„Nun...Ihr mögt meiner Enkelin zwar im Augenblick durchaus zugeneigt sein, aber es gab auch schon...nun wie soll ich es formulieren? ...dunklere Zeiten in Eurer Beziehung..." Das Schmunzeln in Aragorns Mundwinkeln vergrößerte sich.
„Die gab es durchaus", bestätigte ich leicht verärgert. Ich hatte so viel Zeit vergeudet! Die ganze Zeit, die ich mit Adamantiel gestritten und gezetert hatte, war verschenkte Zeit, wenn ich daran dachte, dass ich sie schon eher in meinen Armen hätte halten können!
„Das Problem liegt darin...", fuhr Narwainion fort, nachdem er sich vergewissert hatte, dass ich ihm diesmal wirklich aufmerksam zuhörte.
„Das Problem liegt darin, dass sie für Euch schon einmal Gefühle des Hasses entwickelt hat. Der Geist kann sich dies zunutze machen und durch diese, einmal vorhanden Gefühle, in ihre Seele vordringen und sie nach seinem Belieben lenken." Die Worte trafen mich wie ein Schlag ins Gesicht.
„Heißt das, ich habe ihn in ihr hervorgerufen, indem ich ihr einen Anlass gegeben habe, mich zu hassen", fragte ich entsetzt. Der Vorfall in jener Nacht drängte sich wieder in mein Bewusstsein und auf einmal schien alles klar und deutlich vor mir zu liegen. Ich hatte sie mit meinen Worten am Wasserfall verletzt und sie damit für den Hass des Geistes empfänglich gemacht!
„Ich sehe, Ihr versteht nun, warum es gefährlich wäre, wenn Ihr eine zu enge Beziehung zu Adamantiel eingehen würdet. Es liegt nicht an Euch, dass der Geist erwacht ist. Doch es sind all jene Personen, die Adamantiel verletzen könnten, die ihn immer wieder hervorrufen. Und da sie Euch wirklich einmal aus tiefstem Herzen verachtet hat, seid Ihr ein bevorzugtes Opfer. Wenn Ihr Gefühle in Adamantiel regt die so tiefgehend sind, dass sie Luz wieder in ihr wecken können, wird er immer Besitz von ihr ergreifen und Euch vielleicht sogar töten."
„Narwainion hat daher vorgeschlagen, Adamantiel mit einem anderen Elben zu vermählen", sprach Aragorn langsam und sanft, doch seine Worte jagten mir einen heftigen Stich durchs Herz.
„Das war mein Anliegen der heutigen Zusammenkunft. Ich weiß, dass es Euch schwer fallen wird, aber Ihr müsst es tun, um Euer Leben zu retten und das Kind vor einer schrecklichen Tat zu bewahren. Daher wäre es das Beste, wenn Ihr einen Gemahl für sie aussucht."
Ich schwieg. Etwas anderes blieb mir auch nicht übrig. Was hätte ich darauf erwidern können? Ich hatte Adamantiel lieb gewonnen, sie ins Herz geschlossen und begonnen, sie aufrichtig zu lieben. Und nun sollte ich sie aufgeben?
„Wie soll ich es tun, ohne sie zu verletzen", fragte ich klar und deutlich. Mit einer Stimme, die mir in diesem Augenblick fremd war.
„Wenn ich es recht verstanden habe, tritt Luz hervor, wenn sie Hass oder Verachtung verspürt. Würde ich sie so hintergehen, würde sie diese Gefühle ständig für mich empfinden." Der Gedanke war sehr überzeugend. Ich war gespannt, was der alte Geheimniskrämer darauf erwidern würde. Vielleicht sah er ja von seinem irrsinnigen Plan ab.
„Darum müsst Ihr es langsam angehen. Ihr wählt einen der Elben aus und dieser bemüht sich ununterbrochen um Adamantiels Aufmerksamkeit. Ihr verhaltet Euch wie je zuvor zu ihr und dennoch werdet Ihr nicht viel Zeit mit ihr verbringen können, da sie anderweitig beschäftigt sein wird und..." Doch der alte Elb wurde durch ein hereintretendes Mädchen unterbrochen. Sie schien atemlos aber freudig. Als sie sich suchend nach jemandem umsah, blieben ihre Augen einen Augenblick an mir hängen, und ich hatte den Eindruck, sie erröten zu sehen. Doch dann sprach das Mädchen klar und hastig. Ich fieberte krampfhaft nach, wo ich sie schon einmal getroffen hatte.
„My Lord Aragorn. Eure Gemahlin, die Königin…" Mehr musste sie nicht sagen. Aragorn verstand die Botschaft sofort und erhob sich schnell aus seinem Stuhl. Seine Augen strahlten vor Glück und im gleichen Moment erfüllte eine tiefe Sehnsucht nach etwas Unbekanntem mein Herz.
„Ist es so weit!?", rief er freudig aus und klopfte der Zofe im Vorübergehen gutmütig auf die Schulter. Dann eilte er hinaus, um in Arwens Gemächer zu gelangen.
Keine POV
Ein unterdrückter Jubelschrei hallte in den Küchengewölben wieder. Ingjara sprang hüpfend und jauchzend die Treppe hinunter und umarmte die völlig perplexe Xenia stürmisch.
„Er ist wieder da!! Er ist zurückgekehrt", jauchzte sie außer sich und schlang ihre Arme so fest um den Körper der Freundin, dass dieser schier die Luft weg blieb.
„D-uh...kah-nnst mich jetz-t los-lahssen", hustete Xenia leicht panisch, während sie versuchte, dem festen Klammergriff zu entkommen. Ingjara löste sich sofort und lachte Xenia leicht verlegen an.
„Tschuldigung, aber da sind wohl die Pferde mit mir durchgegangen." Das breite Grinsen im Gesicht stand ihr gut. Xenia wusste, dass die schlechte Laune der letzten fünf Wochen mit der Abwesenheit dieses Elbenprinzen zusammengehangen hatte. Auch wenn Ingjara es stets abstritt, Xenia wusste, dass sie schwer eifersüchtig auf die schöne Elbin war.
„Ich hoffe du machst dir nicht wieder einige von deinen spinnigen Illusionen", sagte sie daher kurz angebunden und wandte sich erneut drei großen Körben Kartoffeln zu, die sie bis zum Abendessen schälen musste.
„Du musst einem immer alles verderben", maulte Ingjara eingeschnappt. Natürlich war es ihr klar, dass Legolas wohl sicher nicht ihretwegen hier war.
„Aber du machst dir ja auch immer noch Hoffnungen was diesen schnuckligen Palastwächter angeht." Das Mädchen schwang sich auf eine der Arbeitsplatten und versuchte, Xenia ins Gesicht zu sehen. Diese war mit einem Mal still und zugeknöpft.
„Was ist los", fragte sie nach einer kurzen Pause leicht besorgt. Xenia schälte die Kartoffeln nun so, als hätten sie ihr ein persönliches Leid angetan.
„Hey, hey, hey!! Die alte Hexe wird dich köpfen, wenn sie sieht, dass die Hälfte ihrer kostbaren Ware im Abfallkorb gelandet ist." Dieser Satz brachte Xenia wieder zurück. Das Mädchen ließ die Hände mit dem Kartoffelschälmesser langsam zurück in ihren Schoß sinken. Ingjara schwang sich von der Arbeitsplatte und hockte sich neben die Freundin. Gerade zur rechten Zeit, denn schon kam die alte Köchin durch die Tür zum Lagerraum herein.
„Mal'n bissl hurtig ihr jung'n faul'n Dinger", knurrte sie böse als sie einen prüfenden Blick auf den Kartoffelberg warf, der immer noch ungeschält auf dem Boden lagerte.
Ingjara griff hastig nach einem der Messer und setzte ihre Arbeit fort. Als ihre Chefin aus der Küche verschwand, wandte sie wieder das Wort an ihre Freundin.
„So. Was ist nun? Erzähl doch endlich!?" Sie rückte Xenia so sehr auf die Pelle, dass diese unwillkürlich kichern musste.
„Da gibt's nichts zu erzählen", murmelte sie leise.
„Na irgendwas muss ja passiert sein!" Ingjara blieb hartnäckig.
„Er hat ne Freundin, das ist passiert." Xenia schälte wieder wild drauf los, während Ingjara sie halb entrüstet, halb überrascht musterte.
„Aber ihr habt euch doch schon..."
„JA das haben wir", knurrte Xenia mit einem Unterton in der Stimme, der nichts Gutes verhieß. Eigentlich war das ein Zeichen dafür, dass sie keine Lust verspürte, das Gespräch noch weiter auszudehnen, doch diesmal ließ sich die Freundin nicht abschütteln.
„So ein gemeiner hinterhältiger Mistkerl", fluchte sie böse und tätschelte Xenia sacht den Rücken. Diese kicherte leise.
„Wir wollten uns nach der Mittagsschicht treffen. Doch er meinte, er müsste eher gehen. Als ich fragte warum, hat der doch tatsächlich geantwortet, dass seine Freundin wiederkommt!" Ihrem Tonfall zu urteilen, konnte Xenia wohl noch immer nicht glauben, was sie da eben erzählt hatte. Und da Ingjara auch nichts passendes dazu einfiel, schälten beide stumm und in Gedanken versunken die restlichen Kartoffeln.
„Männer", fauchte Ingjara plötzlich und beide begannen lauthals zu lachen.
Als Aragorn das Gemach seiner geliebten Frau betrat, wunderte er sich nicht über das rege Treiben, das darin herrschte. Zofen eilten von links nach rechts, um feuchte Tücher und saubere Laken zu holen. Die alte Amme, die auch schon seine beiden Töchter gesund und ohne Komplikationen zur Welt gebracht hatte, warf ihm einen resignierten Blick zu, doch Aragorn ließ sich nicht vertreiben. Nicht vom Geburtsbett seiner Frau.
Mit ein paar großen Schritten hatte er das Zimmer durchquert und kniete sich zu ihrer rechten Seite neben das große Bett. Die untergehende Sonne tauchte die weißen Laken in ein sanftes Lichtspiel aus Rot- und Gelbtönen.
König Elessar nahm sanft die Hand seiner Gattin in die seine und streichelte ihre zarte Haut.
„Wie geht es dir?", flüsterte er leise an ihrem Ohr. Sie wandte das Gesicht zu ihm um und sah ihn erschöpft, aber aus strahlenden Augen an.
„Wie bei der Geburt deiner Töchter.", lachte sie und drückte seine Hand.
„Mein Herr, ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber Ihr könnt nicht hier bleiben. Die Königin braucht Ruhe.", nörgelte Anna, die alte Amme. Aragorn warf Arwen einen kurzen Blick zu, doch diese schüttelte nur lächelnd den Kopf.
„Ich glaube das, was meine Gattin wirklich braucht, ist meine Hand, die sie zerdrücken kann, wenn die Schmerzen sie übermannen.", antwortete er freundlich aber bestimmt. Anna gab ein unwilliges Grunzen von sich als sie die Temperatur des Wasser untersuchte, indem sie eine ihrer dicken Hände hineintauchte, sagte jedoch nichts.
„Sie versucht es immer wieder. Dabei war ich doch schon bei der Geburt unserer wunderschönen Töchter bei dir.", raunte der König seiner Königin ins Ohr und diese kicherte kurz, wurde dann jedoch von einer heftigen Wehe ergriffen, und stöhnte schmerzerfüllt auf. Aragorn musterte sie besorgt.
Arwen mochte diese Augenblicke nicht. Sie wusste, dass Aragorn bei ihr sein wollte, um ihr beizustehen. Doch manchmal hatte sie den Eindruck, sie verwendete das Doppelte ihrer Kräfte, da sie ihn zwischendurch mit sanften Worten beruhigen musste. Er machte sich häufig viel zu viele Sorgen und litt mehr als sie selbst.
Sie schmunzelte bei dem Gedanken daran, wie seine Augen leuchten würden, wenn er sein Neugeborenes sah. Sie wusste schon seit geraumer Zeit, dass sie ihm endlich den ersehnten Thronfolger zur Welt bringen würde, hatte aber nie ein Wort darüber verloren. Doch nun konnte sie den Augenblick nicht mehr erwarten und sehnte das Ende der Geburt erwartungsvoll herbei.
Legolas musste sich mühsam beherrschen, nicht den Augenblick zu verfluchen, in dem ein Kind Aragorns geboren wurde. Doch dass er sich nun allein mit Narwainion befand, gefiel ihm gar nicht. Der alte Elb bereitete ihm ein großes Unbehagen. Vielleicht waren es die Schuldgefühle oder einfach nur seine ungeklärte Herkunft, die ihn so sehr beunruhigte.
Er versuchte, sich krampfhaft auf eines der Dokumente zu konzentrieren, die vor ihm ausgebreitet waren, doch ein leises Räuspern ließ ihn zusammenfahren. Er drehte sich um und sah Narwainion fragend an.
„Ich würde gern unser Gespräch beenden. Schließlich handelt es sich um eine sehr wichtige Angelegenheit.", sagte Narwainion und kam lächelnd auf Legolas zu. Er reichte ihm einen Becher mit köstlichem Wein, der angenehm duftete und irgendwie das Gemüt beruhigte. Legolas legte die Lippen an den elegant gefertigten Tonbecher und trank einen Schluck. Er schnalzte zweimal mit der Zunge und befand den Wein als sehr würzig und gut.
„Wir werden noch auf Aragorn warten müssen, meint Ihr nicht?"
„Die Anwesenheit Elessars wird nicht vonnöten sein. Schließlich geht es nicht um die Zukunft seiner Töchter oder Angehörigen. Es geht um meine Enkelin und Euer Patenkind.", entgegnete Narwainion kühl, aber dennoch höflich. Der Elbenprinz nickte nach kurzer Überlegung geschlagen und wies sein Gegenüber an, sich zu ihm zu setzen. Der alte Elb nahm mit geschmeidigen Bewegungen in einem der Ledersessel platz. Dann schlug er das rechte über das linke Bein und legte eine Hand auf dem Tisch ab. Legolas lehnte sich mit verschränkten Armen zurück. Die Blicke der beiden trafen sich. So saßen sie längere Zeit stumm da.
„Ihr liebt sie?" In Legolas' Augen flammte ein Feuer auf.
„Ich habe mich in sie verliebt.", entgegnete er langsam. Der Elb schüttelte den Kopf.
„Aber liebt Ihr sie auch?" Legolas schwieg nachdenklich und wieder schlugen sie die Zeit mit Stillschweigen tot.
„Um zu lieben muss man die tiefen Gefühle und Beweggründe des anderen kennen und akzeptieren lernen.", antwortete er bedacht. Narwainion schüttelte seufzend den Kopf. Was hinderte diesen sturen Prinzen nur daran, seine Gefühle preiszugeben?
„Liebt Ihr sie?" Allmählich ging diese dämliche Fragerei dem Prinzen auf die Nerven. Er wusste nicht, ob er Adamantiel liebte! Er fühlte sich von ihr angezogen und war stets wie verzaubert, wenn er ihr Lachen hörte und das Strahlen auf ihrem Gesicht sah, wenn sie sich über etwas freute. Aber er kannte sie auch störrisch, widerspenstig und dickköpfig. Er machte eine unwirsche Geste.
„Ich weiß es nicht.", stieß er hervor und wusste, dass er soeben die falsche Antwort gegeben hatte.
„Das reicht nicht.", flüsterte Narwainion sanft und leise und doch so, dass Legolas eine Gänsehaut über den Rücken lief. Eine hungrige Mücke lechzte laut summend nach frischem Blut, das sie einem der Anwesenden aussaugen konnte. Beide Elben vernahmen ihren Flug, doch sie regten sich nicht, um das Tier zu töten. Erst als sich das Insekt siegessicher auf Narwainions Nase setzte, schnappte dieser mit einer raschen Handbewegung zu und zerdrückte es in seiner Hand. Legolas blinzelte überrascht, denn zum ersten Mal hatte Narwainion eine Bewegung gemacht, die von Gereiztheit zeugte.
„Warum reicht es nicht? Es braucht Zeit, bis Liebe richtig keimen kann.", nahm er den Faden des Gesprächs wieder neu auf.
„Eines der Dinge, die wir nicht haben: Zeit.", entgegnete ihm sein Gegenüber.
„Während Ihr noch herumexperimentiert wie ein kleiner Junge, der zum ersten Mal ein Mädchen mit anderen Augen zu sehen vermag, läuft uns die Zeit davon. Adamantiel fehlen nicht mehr viele Monde bis sie ihren 100. Geburtstag erreicht.", fügte er nach einem kurzen Seufzer scharf hinzu. Der Prinz von Ithilien zuckte unwillkürlich unter der Härte seiner Stimme zusammen.
„Was also schlagt ihr vor?", fragte er und bemühte sich um einen eher gleichgültigen Tonfall.
„Ich schlage vor...dass ihr Euch entweder zu Eurer tiefen Liebe zu meiner Enkelin bekennt oder sie mit einem anderen Mann verheiratet, der ihrer würdig ist..." Als Legolas aufgrund dieser beleidigenden Worte empört auffahren wollte, hob Narwainion bestimmt die Hand.
„Lasst mich ausreden, Legolas." Er sah wie sich die Muskeln des Prinzen entspannten und Legolas sich wieder in den Sessel zurücklehnte.
„Ich weiß, dass ersteres Euch sehr schwer fällt, wenn es Euch nicht sogar unmöglich erscheint. Also schlage ich vor, dass Ihr Luferion mit ihr vertraut macht, sobald Ihr wieder unter den Euren in Ithilien verweilt."
Legolas POV
Narwainions Worte trafen mich so hart wie ein gezielter Faustschlag ins Gesicht. Ich war sprachlos wie selbstsicher und vor allem selbstgefällig dieser Mann mir seine Pläne übermittelte und mich beschlich immer mehr das Gefühl, dass ich in seinen Augen nur ein störendes Element darstellte, das zu beseitigen, er sich zur Aufgabe gemacht hatte.
Ich schüttelte den Kopf, als wollte ich die düsteren Schatten somit beseitigen, die sich über mein Gemüt legten. Ich sollte Adamantiel der Obhut eines anderen überlassen? Ich sollte meine Pflichten aufgeben und sie diesem Bürschlein Luferion ausliefern? Im gleichen Moment, in dem ich diesen Gedanken fasste, verwarf ich ihn auch wieder unwirsch. Es war ungerecht von mir, Luferion als ungeeignet anzusehen. Er hatte sich oft um Adamantiel gekümmert und war ihr ein guter Freund geworden. Aber reichte das aus, um die Gefahr von ihr abzuwenden?
„Ich denke, da kann ich Euch nicht zustimmen. Ich werde Adamantiel weiterhin unter meiner Obhut aufwachsen lassen. So wie ich es Gimli versprochen habe." Irrte ich mich oder sprach für den Bruchteil einer Sekunde offene Häme aus den Augen meines Gegenübers. Ich blinzelte kurz und war mir sicher, dass ich mich getäuscht haben musste, denn Narwainion betrachtete mich mit einem Ausdruck tiefster Gutmütigkeit.
„Was Ihr dem Zwerg versprochen habt, steht außer Frage. Doch Ihr habt Euch nur bis zu ihrem Geburtstag verpflichtet, sie zu unterweisen und sich ihrer anzunehmen."
„Und bis dahin werde ich es auch tun." Mein Tonfall war schärfer als ich es beabsichtigt hatte. Narwainion maß mich mit den Augen, doch ich erwiderte seinen Blick ebenso entschlossen.
„Herr.", erklang eine Stimme von der Tür her. Ich registrierte zunächst gar nicht, dass ich gemeint war, doch als Narwainion mit dem Kopf zur Tür nickte, drehte ich mich um.
„Luferion! Was gibt es?", fragte ich beinahe erleichtert. Ich war froh über diese Störung und nutzte jede Gelegenheit, diesem Narwainion zu entkommen.
Luferion musterte mich mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck. Er schien verlegen und aufgeregt zugleich zu sein.
„Ich...Soeben ist ein Bote aus Ithilien eingetroffen.", brachte er kurz angebunden heraus. Ich nickte verstehend.
„Gut, führt ihn herein, ich möchte hören, was er zu berichten hat." Ich hatte schon seit meiner Ankunft in Gondor nichts aus Ithilien gehört und war gespannt darauf, was mir der Elbe zu berichten hatte.
„Nicht er, mein Prinz.", erwiderte Luferion und starrte plötzlich wie gebannt auf seine Fußspitzen. Es schien, als müsste er sich ein breites Grinsen verkneifen. Allmählich dämmerte es mir und doch verließen die Worte meine Lippen schneller, als ich denken konnte.
„Sie?" Ich bemerkte, dass meine Stimme sich vor Überraschung überschlug. Und gleichzeitig stieg Zorn in mir auf, denn ich wusste jetzt, wer nach Gondor gekommen war.
Ein unkontrollierter Laut entschlüpfte meiner Kehle und ich schnellte an dem verblüfften Elben zur Tür der Bibliothek hinaus.
Später wusste ich nicht mehr, welches Gefühl in diesem Augenblick über mich gesiegt hatte: unbändige Freude oder unbändiger Zorn. Der Zwiestreit, in dem ich mich befand, lieferte kein vernünftiges Ergebnis. Und als ich die hallenden Flure und Treppenhäuser hinunter zur Plattform eilte, bemerkte ich nur aus den Augenwinkeln, dass ich manchmal sechs Stufen auf einmal nahm. Ich versuchte, meinen rasenden Puls zu beruhigen und langsamer zu gehen. Doch je stärker ich versuchte, meine Gefühle zu bändigen, desto mächtiger wurde ich von ihnen übermannt. In zwei Sätzen überwand ich die Entfernung zwischen Treppenansatz und dem Eingangstor und trat auf die, in dunkle Rottöne getauchte, Plattform hinaus.
Ich musste blinzeln, da mich die tiefstehende Sonne etwas blendete. Dann sah ich ihre Gestalt wie einen Schatten im Sonnenlicht stehen. Ich verlangsamte meinen Schritt und kam zehn Meter vor Adamantiel zum stehen. Ich wollte sie anschreien, tadeln, ihr Vorwürfe machen. Doch ich brachte es nicht über mich. Denn gleichzeitig wollte ich sie umarmen und an meine Brust drücken. Liebestolle Worte lagen auf meinen Lippen, doch meine Gedanken wirbelten so sehr durcheinander, dass ich lieber schwieg. Der Wein den ich genossen hatte, lag anscheinend schwer auf meiner Zunge.
Einen Augenblick lang erwiderte sie meinen Blick, wandte ihn dann aber peinlich berührt ihren Fußspitzen zu.
„Seid gegrüßt." Ihre Stimme klang klar und rein und ich musste an mich halten, denn das Verlangen sie in meine Arme zu ziehen war zu groß.
„Was tust du hier?" Erst nach einigen Sekunden bemerkte ich, dass ich selbst diese barschen Worte ausgestoßen hatte. Sofort tat es mir leid. Ich musste mich entschuldigen, damit nicht wieder Missverständnisse zwischen uns traten und eine unsichtbare Barriere errichteten.
„Du hast hier nichts zu suchen! Ich habe dir doch ausdrücklich befohlen, in Ithilien zu bleiben", herrschte ich sie an. Entsetzen breitete sich in meiner Brust aus. Wer legte mir nur diese Worte in den Mund. Ich schloss für einen Moment die Augen, sammelte mich, öffnete sie wieder und erstarrte als ich Adamantiel wieder ansah. Tränen glänzten in ihren Augen und ich wusste, dass ich sie tief verletzt hatte.
„Ich konnte es nicht mehr aushalten. Es ist so trostlos ohne dich...Euch." Ihre Unsicherheit und die Förmlichkeit die sie an den Tag legte, versetzte mir einen Stich ins Herz. Was zum Sauron war bloß mit mir geschehen. Da ich ahnte, dass meine nächsten Worte ebenso charmant und liebevoll aus mir heraussprudeln würden, begnügte ich mich mit einem Nicken.
Adamantiel musterte mich irritiert.
„Ihr nickt? Mehr habt Ihr nicht dazu zu sagen? Ich dachte..." Doch sie stockte mitten im Satz und errötete bis unter die Haarwurzeln. Ich wusste was sie sagen wollte.
„Du meinst nur weil ich ein bisschen mit dir geflirtet habe, billige ich es mit einem Freuderuf, wenn du einen meiner Befehle missachtest?", knurrte ich sie an. Aus meinen Augen musste Entsetzen sprechen! Sie durfte einfach nicht glauben, dass ich jemals so etwas sagen würde! Doch ich täuschte mich. Sie warf mir einen Blick zu, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ und schritt dann auf mich zu. Einen kurzen Moment sahen wir uns in die Augen und ich beugte mich nieder, um ihre sanften Lippen zu küssen, als ein zwiebelndes Ziehen auf meiner linken Wange und der damit einhergehende ‚Klatsch' mich jäh aufrüttelten. Ehe ich mich versah, landete eine zweite Ohrfeige schallend in meinem Gesicht.
„Ihr solltet Euch in die tiefsten Risse der Erde schämen."
Adamantiel POV
Nervös nestelte ich an meinem Gewand herum und überlegte mir schon etliche Ausreden und Entschuldigungen. Verdammt, musste Legolas böse werden, wenn er sah, dass ich seinen Befehl missachtet, und ihm gefolgt war. Unruhe wühlte in meiner Brust und ich überprüfte noch einmal, ob auch alles richtig saß. Ich war so aufgeregt! Das letzte Mal, dass ich so aufgeregt und aus dem Häuschen gewesen war, war kurz vor meinem dreiundsiebzigsten Geburtstag. Gimli hatte mir damals versprochen, mich tief in die Stollen des Einsamen Berges mitzunehmen, wenn ich dreiundsiebzig war. Damals war es der aufregendste Gedanke gewesen der mich jahrelang bis zu jenem Tag beherrscht hatte...
Ein leises Geräusch ließ mich hochfahren und ich richtete meinen Blick auf den Eingang des weißen Gebäudes. Dort in der Tür stand Legolas und blinzelte gegen das Sonnenlicht an. Kurz vor mir blieb er stehen und musterte mich mit einem Ausdruck gemischter Gefühle. Ich sah beschämt und belustigt zu Boden. Ich wusste, dass er sich nicht entscheiden konnte, ob er mit mir schimpfen oder lieber nett sein sollte.
„Seid gegrüßt." Ich war froh, dass meine Stimme sicher und freundlich klang.
„Was tust du hier?" Ein Stich durchfuhr mich, denn seine Stimmte klirrte wie kaltes Eis. Vor Schrecken ließ ich den Blick zunächst auf meinen Fußspitzen ruhen. Das konnte nicht sein...
„Du hast hier nichts zu suchen! Ich habe dir doch ausdrücklich befohlen, in Ithilien zu bleiben." Ich hob den Kopf langsam um Legolas in die Augen zu sehen. Das konnte nicht sein! Er konnte es nicht so meinen. Dumme Kuh...Ich bemerkte wie meine Nase zwickte...Verdammt...Jetzt traten auch noch Tränen in meine Augen. So hatte ich mir das Wiedersehen nicht vorgestellt. Unsere Blicke trafen sich, als Legolas mir wieder in die Augen sah. Ich war entsetzt von der Gleichgültigkeit die sie ausstrahlten.
„Ich konnte es nicht mehr aushalten. Es ist so trostlos ohne dich...Euch." Das einzige, zu dem er fähig war, war ein Nicken. Ich stand fassungslos vor ihm.
„Ihr nickt? Mehr habt Ihr nicht dazu zu sagen? Ich dachte..." Ich stockte, denn es war mir peinlich darüber zu reden. Ein Kribbeln wie tausend Schmetterlinge fuhr durch meinen Bauch als ich an unseren Kuss dachte. Es wurde jedoch gleich von seinen nächsten Worten betäubt.
„Du meinst nur weil ich ein bisschen mit die geflirtet habe, billige ich es mit einem Freuderuf, wenn du einen meiner Befehle missachtest?" Ok! JETZT hatte ich genug! Ich verstand es ja, wenn er sauer war, aber so abweisend hätte er mich nicht behandeln müssen! Mein Stolz und mein Kampfgeist keimten in mir auf. Ich war nicht bereit, mich noch weiter beleidigen zu lassen. Ich ging kurz entschlossen auf ihn zu, sah ihm noch einmal in seine vor Hohn sprühenden Augen und gab ihm mit aller Kraft die ich aufwenden konnte zwei schallende Ohrfeigen. Soviel dazu. Ich fasste es einfach nicht, schüttelte ungläubig den Kopf, ließ Legolas stehen und begab mich ins Innere von Minas Thirith. Sollte dieser Kerl doch bleiben wo der Pfeffer wächst!!!
Das war leichter gesagt als getan und ich merkte, wie schon wieder Tränen in meinen Augen aufstiegen. Ich presste krampfhaft die Lippen aufeinander. Bloß nicht weinen!
Doch noch ehe ich in einen Zustand tiefsten Selbstmitleids hinübergleiten konnte, lenkte eine hektisch herumeilende Magd meine Aufmerksamkeit auf andere Dinge. Ich blieb verwundert stehen als ein zweites Dienstmädchen direkt vor mir die Tür aufriss, in den Raum hineineilte und Sekunden später mit weißen Tüchern auf dem Arm wieder hinaus gehetzt kam.
„Was...?", ich kam gar nicht dazu meine Frage zu beenden, denn schon war die Frau den Gang weiter geeilt.
„Was zum Sauron ist hier los?", murmelte ich halblaut vor mich hin.
„Königin Arwen liegt im Geburtsbett.", antwortete eine ruhige, tiefe Stimme hinter mir. Ich drehte mich langsam um und sah in Narwainions wunderschöne Augen. Mir wurde warm ums Herz als ich seine muskulöse Gestalt vor mir stehen sah und ich lächelte leicht.
„Ihr seid es." Narwainion nickte und musterte mich dann eingehend.
„Hast du geweint?" Seine Stimme klang ehrlich besorgt. Schamesröte stieg mir ins Gesicht. Meine Ohren wurden ganz heiß und ich wünschte mich in die dunkelfeuchten Gänge des Einsamen Berges zurück. Obwohl...da hätte mein roter Kopf vielleicht noch geleuchtet.
„Ich...Ach was." Und wieder brachte ich es fertig all meine Rhetorikkenntnisse in keinem einzigen meiner Worte anzuwenden. Klasse, Adamantiel.
Noch bevor ich mit einem anderen Wort meiner Verlegenheit Ausdruck verleihen konnte, drang der erste Schrei eines neugeborenen Kindes an mein Ohr.
Fortsetzung folgt
