Laurie
lantar lassi súrinen
Wie Gold fallen die Blätter
im Wind
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Es war ein wunderbarer klarer Morgen, der sich über Gondor ausbreitete. Die Wärme der Sonnenstrahlen löste die kleinen hartnäckigen Wölkchen unbarmherzig auf.
Ein Adler zog würdevoll seine Kreise in der Luft und beobachtete mit scharfen Augen, was in der Stadt unter ihm vorging. Sie glich einem Ameisenhaufen, denn überall in den Straßen, die sich in Ringen immer weiter den Berg hinaufschlängelten, wimmelte es vor Menschen. Bunte Tücher und wertvolle Stoffe verursachten ein Rauschen, das bis in die hohen Lüfte vordrang. Der Vogel ließ sich etwas tiefer fallen, um mehr sehen zu können. Es war erstaunlich, die Weiße Stadt so zu sehen. Überall wurde Musik gespielt und die Leute warfen den Musikanten mit lächelnden Gesichtern Münzen in die Hüte.
Wieder senkte der Adler seinen Flug und nun konnte er sogar die Worte und Stimmen unterscheiden, die in frohem Ton zu ihm drangen. Der Erbe Gondors...Es ist ein Sohn...Der Kronprinz ist geboren...flirrten die Worte durch die Luft und verbanden sich zu einem hoffnungsvollen Summen. Die Massen strömten unaufhörlich auf die große Plattform zu, auf der einige Menschen standen.
Es waren uniformierte Wachmänner, die Gondors Wappen trugen. Fahnen, deren Stangen sie eisern hielten, flatterten leicht im angenehmen Wind. Links und rechts von der Treppe standen sie ohne sich zu rühren. Doch ihre Augen verrieten Wachsamkeit und Intelligenz. Ihnen entging nichts, das sich auf der Plattform zutrug.
Immer mehr Menschen strömten herauf um kurz vor der Treppe in froher Erwartung auszuharren. Der Tag war endlich gekommen. Die Zukunft Gondors lag sicher in den Händen der Königsfamilie.
Ein Jauchzen zerschnitt die Luft und ein festlich gekleidetes Paar trat aus dem Schloss und blieb auf der ersten Stufe stehen. Es war der König. Er trug eine Krone im grau gesträhnten Haar, die das Sonnenlicht reflektierte und einige in der Masse blendete. Neben ihm war eine wunderschöne Frau in ein schneeweißes Kleid gehüllt. In ihren Armen hielt sie ein Bündel hellblauen Stoffes. Aller Augen richteten sich darauf und die Menschen hielten den Atem an.
Der königliche Vogel stieß einen lauten Schrei aus.
Arwen lächelte glücklich. Wie sehr hatte sie Aragorns Gesichtsausdruck genossen, als er seinen Sohn das erste Mal in den Arm genommen hatte. Ihr Blick flog zu ihm und als hätte er es bemerkt, wandte auch er ihr den Kopf zu. In diesem Augenblick durchströmte sie ein Gefühl, dass sie niemals auch nur ansatzweise in Worte fassen konnte. Vielleicht konnte man es nur so erklären, dass sie keinen einzigen Moment der ihr verloren gegangenen Unsterblichkeit nachtrauerte. Aber auch das war eine Untertreibung ihrer Liebe, die so tiefgehend war, dass es fast schmerzte.
„Menschen Gondors.", ertönte die ruhige, eindringliche Stimme ihres Gatten. Sie richtete den Blick wieder auf die Menschen, die sie so sehr liebte und für die sie verantwortlich war.
„Der Tag, den wir alle herbeigesehnt haben, ist nun endlich gekommen. Soeben wurde ich neben meinen wunderschönen Töchtern, auch mit einem Sohn gesegnet..." Der Jubel brach im Volk aus und Aragorn wartete geduldig, bis sich die Menge wieder beruhigt hatte.
„Meine geliebte Gattin und ich sind stolz darauf, euch den Thronerben vorstellen zu können..." Jetzt machte er eine Pause, um Arwen behutsam das in Laken gewickelte Baby aus den Armen zu nehmen. Sie lächelte liebevoll als seine Hand ganz unmerklich die ihre berührte und bemerkte zufrieden, dass ein Blitz durch ihren Körper zuckte. Ihr Lächeln wurde verlegen. Sie war nun schon so lange mit Elessar verheiratet und sie errötete noch immer wie ein kleines Mädchen, wenn er sie neckisch und verspielt ansah.
Sie beobachtete, wie ihr Gatte den kleinen Säugling langsam in die Luft erhob. Ein unterdrücktes Raunen ging durch die Menge, als sie die großen und neugierig aufgerissenen Augen des Prinzen sahen, dessen Gesichtchen das einzige war, das aus den Stoffbergen herausschaute. Das Brausen wurde lauter und schließlich brach der erneut aus, als Aragorn mit stolzer Stimme verkündete:
„Eldarion, Sohn des Elessar und Thronerbe Gondors."
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Adamantiel POV
„Warum dürfen wir denn nicht dabei sein?", maulte Nessa, die ältere der beiden Prinzessinnen. Sie hatte sich auf die Lehne eines Sessels gesetzt, sodass das schöne lavendelfarbene Seidenkleid leichte Falten am Hintern bekam.
„Euer Vater sagte mir, dass ihr gleich nachdem euer Bruder dem Volk vorgestellt wurde, mit hinausgehen könnt", raunte ich ihr verschwörerisch ins Ohr. Als sie die kleine Stirn runzelte und mich aus wachen Augen ansah, seufzte ich innerlich.
„Du musst das verstehen. Das ist Eldarions Moment. Sein großer Auftritt." Ich schalt mich sofort über diesen leicht albernen Ausdruck. Gimli hatte mir wahrlich keine großen Rhetorikkenntnisse vermittelt. Von Taktgefühl ganz zu schweigen.
„Aber warum dürfen wir nicht dabei sein? Ist er jetzt wichtiger als wir?" Ich sah sie erschrocken an. Wie kam das Kind nur auf solche Gedanken?
„Warum denkst du so was?", fragte ich und streichelte ihr über das seidige schwarze Haar. Sie sah mich mit großen Kinderaugen ernsthaft an.
„Michael, der Sohn des Pferdezüchters hat mir mal gesagt, dass er mehr wert ist als ich, weil er ein Junge ist." Ich verdrehte kurz die Augen und dachte daran, wie auch einige der Zwerge immer wieder diese Ansichten an den Tag legten. Die männlichen Zwerge, wohlgesagt. Immer denkt das männliche Geschlecht, es wäre etwas besseres. Dabei waren sie doch viel zimperlicher als wir Frauen. Ich schüttelte grinsend den Kopf.
„Lass dir so etwas nicht einreden. Du bist allein schon viel wichtiger als dieser Michael weil du eine Prinzessin bist. Außerdem hattest auch du einen großen Auftritt, als du geboren wurdest. Es sind mindestens genauso viele Menschen gekommen wie heute. Deine Eltern waren auch in diesem Moment sehr stolz.
Dieses Argument schien Nessas Laune schon etwas zu bessern und sie strich sich ein kleines Löckchen aus dem Gesicht. Dann huschte ein riesiges Grinsen darüber, sie packte die kleine Schwester an der Hand und raunte ihr geheimnistuerisch
„Komm, wir machen unseren Papa jetzt noch stolzer", ins Ohr. Ich musste unwillkürlich kichern als ich die beiden mit wehenden Kleidchen davon flitzen sah und drückte das kleine muntere Kleinkind Caran sanft und liebevoll. Ihre kleinen Fingerchen schlossen sich eisern um eine meiner blonden Haarsträhnen und schmerzhaft durfte ich feststellen, dass sie anscheinend von meiner Haarpracht begeistert war, denn sie quietschte vergnügt als sie kräftig daran zog.
„Au!", stieß ich hervor und entschloss mich, ihr einen strafenden Blick zu schenken. Der kleine rote Lockenkopf sah mich unschuldig an.
„Das tut weh.", sagte ich ernst und versuchte ihre Fingerchen aus meinem Haar zu lösen.
„Nein.", sagte sie kurz und wehrte sich gegen mich.
„Doch." Meine Stimme enthielt ein leichtes Knurren.
„Nein. Nein.", beharrte sie und schüttelte energisch den Kopf. Ich seufzte tief und ergeben. Hilfe war das ein störrisches Kind. Doch jetzt musste ich grinsen. Auch ich hatte, Erzählungen zufolge, immer Gimlis Barthaar zwischen den patschigen Händen gehabt und den armen alten Zwerg gnadenlos gefoltert. Da half nur eins: Ich packte kurz entschlossen mit einer Hand ein rotes Löckchen und zog sachte daran. Ein verwirrter Ausdruck stand kurz in Carans Augen, dann sah sie mich trotzig an, zog einen Schmollmund und verstärkte den Zug auf mein Haar. Ich hatte alle Mühe, mir das Lachen zu verkneifen und verstärkte auch meinen Druck auf ihr Löckchen.
„Lass los", forderte sie plötzlich energisch. Ich blickte ihr ebenso trotzig und verbissen in die Augen. Ich wollte unter keinen Umständen den Kürzeren ziehen. Zum Glück war ich allein. Sonst hätte man mich für verrückt gehalten, wenn man sah, dass ich mich mit einem dreizehn Monate altem Kind stritt. Das Kräftemessen erschien vielleicht auf den ersten Blick ziemlich ungleich, aber man musste die Rücksichtslosigkeit der Kleinkinder beachten. Ich zog sanft an ihren Haaren, sie tat genau das Gegenteil.
„Nein", erwiderte ich trocken und setzte einen bösen Gesichtsausdruck auf. Sie tat es mir gleich.
Plötzlich legte sich eine Hand sanft auf meine Schulter und ich fuhr überrascht herum. Diese ruckartige Bewegung war verhängnisvoll. Mit einem stechenden Schmerz eroberte Caran ein kleines blondes Haarbüschel. Mit einem Aufschrei ließ ich ihr Haar los und sah sie vorwurfsvoll an. Sie jedoch strampelte sich frei und glitt auf den Boden um dann mit tapsigen Schritten triumphierend davon zu stapfen. Nicht mit mir! Ich griff mit einer Hand in ihren Kragen und hielt das kleine Teufelchen am Stoff ihres Kleides zurück. Sie schrie protestierend und versuchte sich loszureißen. Doch ich packte sie kurzerhand und warf sie über die Schulter. Dann drehte ich mich zu dem Elben um, der mir die Niederlage beschert hatte.
Belustigung spielte in seinen Augen als er mich ansah.
„Wie es scheint, nehmt Ihr die Aufgabe sehr ernst, die Euch die Königin übertragen hat." Ich grinste. Doch das Grinsen verging mir sofort, als ich merkte, dass Caran ihre Chance auf Freilassung entdeckt hatte, indem sie wieder in meine Haare griff. Ich presste kurz entschlossen meine Hand auf meinen Hinterkopf, damit sie mir keine Schmerzen bereitete.
„Ich kann mich erinnern, dass wir schon einmal beim ‚du' verblieben sind, Luferion." Er nickte kurz und errötete leicht, versuchte aber, sich nichts anmerken zu lassen.
„Verzeihung.", murmelte er, fasste sich jedoch sofort wieder und zeigte auf Caran.
„Wir wollen hoffen, dass Eldarion das gleiche Temperament wie dieses kleine Energiebündel an den Tag legt. Ansonsten fürchte ich, muss er den Thron mit ihr teilen." Caran begriff zwar die Worte nicht in ihrem ganzen Umfang, verstand aber wohl, dass Luferion sie soeben gelobt hatte, und hob keck den Kopf, um ihn anzusehen. Leider konnte sie ihn nicht so weit drehen, dass sie über meine Schulter sehen konnte und nun strampelte sie mit den Beinchen.
„Lass runter.", wehrte sie sich. Ich sah ein, dass es ein sinnloses Unterfangen war, sie bändigen zu wollen und gab schließlich nach. Sie tollte auf unsicheren Beinchen davon, auf den Vorhang zu, der die Treppe verdeckte, auf der sich noch immer der Rest ihrer Familie aufhielt. Aragorns Stimme drang gedämpft in den großen Saal herein.
„Ja. Und ich hoffe er ist etwas temperamentvoller damit sie ihn nicht ins Boxhorn jagen kann. Nessa ist dagegen der reinste Engel. Aber auch sie hat ein störrisches Wesen an sich." Ich entfernte gewissenhaft die langen, losen Haare von meiner Schulter und ließ sie bedauernd auf den Boden fallen. Dann besann ich mich und sammelte sie doch wieder auf. Luferion quittierte es mit einem breiten Lächeln.
„Hat Prinz Legolas dich schon gesehen? Er ist nämlich sofort aus der Bibliothek gestürmt, als ich ihm deine Anwesenheit ankündigte." Seine Worte jagten mir einen Stich durchs Herz. Dieser bescheuerte Legolas hatte sich wieder einmal so richtig absolut daneben benommen! Doch trotz meines Kummers lächelte ich Luferion fröhlich an.
„Ja. Und er war überhaupt nicht begeistert.", gestand ich ihm. Er schüttelte überrascht den Kopf.
„Komisch. Im ersten Moment hatte sein Gesicht vor Freude gestrahlt. Dann hat sich Ärger darauf gelegt und doch konnte er seine Freude nicht verbergen, als er an mir vorbei zur Tür herausgestürmt war. Was hat er gesagt?" Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern.
„Das Übliche. Wir haben wieder gestritten, aber das ist ja nun wirklich nichts Neues." Ich versuchte meine Traurigkeit zu überspielen. Luferion sollte nichts merken.
„Hast du eine dringliche Nachricht mitgebracht?" Ich sah ihn überrascht und fragend an. Warum dachte er das? Dann ging mir ein Licht auf. Ich hatte ja wirklich gar keinen Grund, hier zu sein. Und dass ich aus Sehnsucht nach Legolas hierher gekommen bin, brachte ich einfach nicht über die Lippen. Plötzlich kam ich mir selbst unheimlich blöd vor. Was rannte ich ihm auch nach!? Kein Wunder, dass ich ihm auf die Nerven gehen musste. Er musste ja irgendwann die Nase voll von mir haben.
„Ich...ähm...tja...", war das Einzige das ich hervorbrachte und ich bemerkte, wie mein Gesicht zu glühen begann. Eine peinliche Stille entstand.
„Nun...ich habe gehört, der Wochenmarkt in Gondor wäre der reinste Augenschmaus. Und da jetzt der Großteil der Menschen auf der Plattform versammelt ist, haben wir genug Zeit und Platz und müssen uns nicht an irgendwelchen Häuserwänden vorbeiquetschen. Was hältst du davon wenn wir einen kleinen Ausflug machen?"
Dankbar für diesen Themenwechsel sah ich ihn an und nickte zustimmend.
„Das wäre wunderbar! Ich könnte einige Kräuter für Nestalinna erstehen, die es nur in bestimmten Gegenden Mittelerdes gibt. Sie jammert schon seit Monaten dass sie keine Mallosblüten mehr vorrätig hat. Und diese sollen sehr gut gegen...hm...ich hab vergessen, wogegen sie helfen sollen." Ich lächelte unbeholfen. Luferion half mir wieder einmal aus der Klemme.
„Goldschnee entzieht dem Blut alle möglichen Gifte. Man trägt den Mallosbrei auf eine Wunde auf um sie zu desinfizieren."
„Ja richtig." Jetzt grinste ich über beide Ohren. Gelhirglada hatte sie mir ganz am Anfang im Düsterwald einmal zur Versorgung meiner Wunden gebracht. Damals als mich Narwainion vor diesem furchterregenden Werwolf gerettet hatte. Ich dachte wehmütig an diese Zeit zurück. Der Tag war so schön gewesen. Auch der Streit mit Legolas, der wie ein reinigendes Gewitter gewirkt hatte, nahm wunderschöne Farben vor meinem inneren Auge an.
„Also los geht's.", rief ich elanvoll, packte Luferions Hand und zog ihn mit mir in die Gänge des Palastes. Um draußen nicht mitten ins Geschehen zu platzen, mussten wir durch den Dienstboteneingang und die Küche nach draußen gelangen. Mittlerweile kannte ich den Weg durch das Schloss schon gut. Eigentlich konnte man die Küche nicht verfehlen, wenn man sie suchte, denn sie befand sich im untersten Stockwerk.
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Keine POV
Legolas stand etwas abseits neben dem großen Vorhang, der die Eingangshalle verdeckte und beobachte gebannt wie Aragorn stolz seinen Sohn in die Luft hob, damit alle ihn sehen konnten. Er lächelte und vermittelte so den Zuschauern, die auch ab und an auf ihn ein Auge warfen, dass er sich voll und ganz auf das Geschehen konzentrierte. In Wahrheit lauschte er aber der Unterhaltung, die sich hinter dem Vorhang abspielte.
Da er die Hände hinter dem Rücken versteckte, bemerkte man seine geballten Fäuste nicht. Die Fingernägel gruben sich schon schmerzhaft in das Fleisch seiner Handflächen ein.
Es war also nichts Neues, dass sie sich stritten. Legolas kochte innerlich vor Wut und gleichzeitig verfluchte er sich selbst. Sicher war es wirklich nichts Ungewöhnliches wenn sie sich stritten, aber ihre letzte Begegnung ging mehr als nur daneben. Und das lag ganz allein an ihm. Er konnte sich nicht erklären, warum er so verletzende Worte ihr gegenüber gewählt hatte. Denn seine Freude war durchaus übermäßig groß gewesen. Schließlich hatte er sie fast fünf Wochen lang nicht gesehen.
Zwei Tage waren inzwischen vergangen. Doch seit diesem Zwischenfall hatte er sie nicht wieder gesehen. Er hatte den Eindruck, dass sie ihm absichtlich aus dem Weg ging. Und außerdem wurde im Schloss viel darüber getratscht, dass sie die ganze Zeit über mit Narwainion zusammen war. Zweifellos wollte sie ihn eifersüchtig machen. Soviel stand fest. Aber er wusste, dass Narwainion ihr Großvater war!
Eine leise Ahnung beschlich ihn, als er näher darüber nachdachte. Ja, er wusste es. Aber wusste sie es denn? Er verwarf die aufgekommenen Zweifel sofort und schüttelte leicht den Kopf. Nein das war unmöglich. Warum sollte er es ihr nicht gesagt haben!?
Der Fluch.
Legolas stieß sich mit einem Mal von der Wand ab und zog so die größte Aufmerksamkeit auf sich. Aller Augen wanderten zu ihm und selbst Aragorn drehte sich zu ihm um und sah ihn fragend an.
„Sie weiß es nicht, Mellon! Er hat es ihr nicht gesagt, da er denkt, der Fluch könnte auf ihn zurückfallen!" Mit diesen Worten verschwand Legolas hinter dem Vorhang und überließ es Aragorns Kombinationsvermögen, ob er die Worte richtig einordnen konnte oder nicht.
Mit großen Schritten durchquerte Legolas die Eingangshalle. Wenige Minuten später stand er vor Narwainions Gemach und klopfte energisch an.
Als er keine Antwort erhielt, öffnete er einfach die Tür und trat ein. Goldenes Licht fiel durch die Fenster und ein großer Schatten breitete sich auf dem Zimmerboden aus. Narwainion stand mit dem Rücken zu Legolas am Fenster. Die Hände hatte er auf das Geländer des kleinen Balkons gelegt. Als er die Anwesenheit des Eindringlings bemerkte, drehte er sich mit einem fragenden Ausdruck in den Augen zu ihm um.
„Was verschafft mir die Ehre Eures Besuches?" Er bemerkte, dass Legolas ihn beinahe feindlich musterte. Ob er etwas bemerkt hatte? Dumm war er ja nicht.
„Warum habt Ihr mir verschwiegen, dass sie es nicht weiß." Legolas' Stimme hatte einen ruhigen beherrschten Klang. Doch seine geballte Faust sagte alles.
„Dass sie was nicht weiß, Hoheit?"
„Dass Ihr verwandt mit ihr seid." Der Prinz von Ithilien hatte keine Lust das Versteckspiel mitzuspielen. Er wollte die Wahrheit von Narwainion hören. Dieser straffte die Schultern abwehrend und nickte dann leicht mit dem Kopf.
„Ich dachte, das wäre Euch klar."
„Wie Ihr seht ist es das nicht.", antwortete Legolas kühl. Nun seufzte Narwainion schwer und Legolas hatte den unangenehmen Eindruck, dass der alte Elb ihn nicht ernst nahm und seine Frage wie die eines kleinen dummen Kindes behandelte.
„Da ich euer beider Verhalten gut beobachtet habe, wusste ich dass ich nur so vorgehen konnte, um Euch die Wahrheit sagen zu können. Da Ihr davon ausgegangen seid, dass sie es weiß, sie aber nicht ahnt, dass Ihr es wisst, hättet Ihr es ihr nie gesagt und sie auch nie danach gefragt. Ihr habt es als eine Art Trumpf angesehen, nicht wahr?" Legolas kam sich plötzlich schrecklich dumm und kindisch vor.
„Hätte ich aber gesagt, dass Ihr nichts verlauten lassen dürft, da sie es nicht wissen DARF, hätte dieses Geheimnis früher oder später Eure Lippen verlassen." Legolas musste wohl oder übel nicken.
„Ich weiß, dass Ihr es aus gutem Willen und schlechtem Gewissen heraus getan hättet. Oder vielleicht auch nur aus Ärger darüber, weil Ihr vielleicht wieder einmal vermutet hättet, dass sie Euch mit mir provozieren will. Dann hättet Ihr ihr lautstark offenbart, dass sie Euch gar nicht provozieren kann, da sie mit mir verwandt ist."
Es war erschreckend, wie präzise genau Narwainion Legolas' Charakter eingeschätzt hatte. Dem Prinzen lief ein leichter Schauer über den Rücken. Bei Eru, wer war dieser Mann? Es war unheimlich, dass er alles zu wissen schien.
Da Legolas schwieg, fuhr sein Gegenüber nach einer kleinen Pause unbeirrt fort.
„Wenn Luz erfährt, dass ich Adamantiels Familie angehöre, steht mir großes Unheil bevor. Sie würde mich ohne Gnade töten." Legolas schüttelte ernst den Kopf.
„Vielleicht solltet Ihr ihr eine Chance geben. Vielleicht kann sie sich wehren. Sie weiß nichts von diesem Fluch..."
„Und dabei soll es auch bleiben.", fiel ihm Narwainion heftig ins Wort.
„Aber wenn sie es wüsste...", begann Leglas erneut.
„Sie würde sich nur ängstigen.", murrte der andere schlecht gelaunt.
„Aber sie hat schon Angst! Sie weiß nicht, was mit ihr geschieht. Sie weiß nicht was mit ihr los ist, und warum sie mich angegriffen hat. Sie macht sich Vorwürfe ohne zu wissen warum." Ein gemeines Grinsen huschte über Narwainions Gesichtszüge, verschwand aber ebenso schnell wie es gekommen war und machte Trauer platz.
„Wenn Ihr ihr nur Eure Sorgen mitteilen könntet. Es ist ja rührend, wie Ihr Euch um sie kümmert, aber lasst den Fluch meine Sache sein. Schließlich versuche ich schon seit ihrer Geburt, etwas dagegen zu tun. Wenn Luz von mir erfährt, wird ihn auch nichts davon abhalten, meine Tochter zu suchen. Nichts wird ihn aufhalten bevor er nicht jeden, bis auf ein letztes Mitglied der Familie ausgelöscht hat." Die Stimme des alten Elben war traurig. Und doch hörte der Prinz noch etwas anderes heraus.
„Warum nur einen?", fragte er mit belegter Stimme. Narwainion sah ihn schmerzerfüllt an.
„Was denkt Ihr wohl? Damit sich die Blutlinie fortsetzt und er immer wieder seine Rache nehmen kann. Es ist Teil des Fluches, dass der letzte Überlebende trotz seines Wunsches, dass es nie dazu kommen mag, Nachkommen zeugt. Meine Vorfahren...alle sind Kinder von Mördern gewesen und wurden später selbst zu Mördern." Entsetztes Schweigen erfüllte den Raum. Legolas war, als würde er erst langsam und allmählich die gesamte Situation und deren Tragweite begreifen.
„Sieh mal!" Adamantiel wedelte aufgeregt mit der Hand, um Luferion auf etwas aufmerksam zu machen, was sie entdeckt hatte. Der große schöne Mann kam rasch näher und betrachtete den Stand und dessen Ketten aus Holz, Steinen oder Metall eingehend.
„Wie findest du die?", fragte die junge Elbin mit glänzenden Augen. Eine schlichte Kette baumelte in ihrer Hand hin und her. Sie war nicht sehr lang und hatte auch keinen Anhänger. Sie schien aus getrockneten Samen und Kernen gefertigt zu sein.
„Leg sie an, dann kann ich es besser beurteilen.", erwiderte er lächelnd und verfolgte jede ihrer Bewegungen mit den Augen.
„Und?" Er lachte leicht und stupste mit dem Zeigefinger ihre Nasenspitze an.
„Ich finde sie passt perfekt zu dir. Wie viel kostet sie?" Mit dieser Frage wandte er sich an die alte bucklige Frau, die im Halbschatten ihres Standes stand und alles mit einem grimmigen Gesichtsausdruck verfolgte.
„Ich an Eurer Stelle würde erst einmal fragen ob sie auch wirklich zu ihr passt." Die Stimme der Alten war rauchig. Etwas Ungeduld schwang in ihren Worten mit. Niemand kam auch nur auf die Idee, dass ihre Ketten nicht einfach nur so zum Spaß da hingen, wo sie hingen. Sie kaute auf dem Brei in ihrem Mund herum, der viele Stunden zuvor mal eine Wurzel gewesen war. Mit einer fluchenden Bemerkung auf den Lippen, spuckte sie das Gemisch aus Speichel und zerkleinertem Holz auf den Boden. Den angeekelten Blick einer Kundin überging sie. In Luferions Augen schien sie sogar glücklich darüber zu sein, dass die Frau schnell den Stand verließ, ohne etwas zu kaufen.
„Wieso sollte sie nicht zu ihr passen, Mütterchen?" Die grünen Augen der Buckligen hefteten sich nun auf den Elben. Als sie jedoch merkte, dass sie mit ihrem Blick nicht seine Seele durchdringen konnte, wandte sie sich schnaufend ab und griff mit einer ihrer Hände, die von Falten überzogen waren, nach der Kette an Adamantiels Hals.
„Sie braucht einen stärkeren Zauber für ihren schwachen Charakter.", murmelte sie und riss das Schmuckstück mit einer flinken Bewegung von Adamantiels Hals. Dabei starrte sie ihr unentwegt in die Augen.
„Hey!" Luferion eilte seiner kleinen Freundin sofort zur Seite. Die Alte war ihm nicht ganz geheuer.
„Was soll das bitte schön heißen!?" Er zuckte unter der Lautstärke der jungen Frau zusammen. Ihr Kampfgeist war erwacht. Sie war zwar im ersten Augenblick überrascht gewesen, doch das wollte sie nicht auf sich sitzen lassen. Seit wann hatte sie denn einen schwachen Charakter!?
Als die Alte aber keine Anstalten machte, ihr auf die Frage zu antworten, packte Adamantiel sie am Umhang, um sie festzuhalten. Die bucklige Frau hielt kurz inne, sah grimmig über die Schulter, nickte dann kurz und lief dann weiter. Adamantiel, die von dieser Kraft beeindruckt war, wurde einfach mitgeschleift in die hinterste Ecke des kleinen Standes. Ringsum tummelten sich die Menschen. Es roch nach Kräutern, frischem Obst, Gemüse und Fisch der etwas zu lange die Wärme der Sonne genossen hatte. Marktschreier boten ihre Waren feil.
„Seid Ihr nicht nur frech sondern auch noch taub!?", raunzte Adamantiel die Alte an. Doch die ging nicht darauf ein. Verdutzt blieb die Elbin neben ihr stehen. Ihr Handgriff hatte sich gelockert. Sie wollte sich schon schulterzuckend abwenden und zu Luferion gehen, doch in diesem Augenblick, drehte sich die Alte zu ihr um. Eine andere Kette baumelte in ihrer Hand.
„Da." Mit dieser Bemerkung drückte sie die Kette mit einer ihrer knochigen Hände gegen Adamantiels Brust. Diese nahm sie entgegen und begutachtete sie kritisch. Sie war keineswegs so, wie sie sich eine Kette aussuchen würde. Das Band bestand aus feinstem hellem Leder, an dem ein getrockneter Vogelfuß hing. Adamantiel verzog angewidert das Gesicht.
„Das häng ich mir niemals um den Hals.", protestierte sie. Die Bucklige blinzelte aus Schlitzaugen zu ihr auf.
„Ihr müsst sie nicht tragen. Nur mit Euch führen solltet Ihr sie immer.", murrte sie unwillig und zeigte dann mit einem spitzen Finger auf den Diamanten, der um Adamantiels Hals hing.
„Sie neutralisiert ihn." Ihre Stimme glich nun beinahe einem Flüstern. Unwillkürlich griff sich das Mädchen an den Hals. Ihre Hand umschloss den Stein. Er war kühl. Ganz im Gegensatz zu dem getrockneten Vogelfuß, den sie an ihre Brust drückte. Er verströmte eine unbändige Hitze.
„Wieso muss er neutralisiert werden?"
„Das Böse...Die Energie die er verstrahlt...Eure Schwäche...", jetzt begann die Frau nur noch zusammenhangslose Sätze zu stottern. Adamantiel spürte, wie Abscheu in ihr aufstieg. Und nicht nur das: Ein Gefühl des Hasses überwältigte sie. Wie konnte die Alte es wagen, ihren Diamanten als das Böse zu bezeichnen? Ohne weiter darüber nachzudenken, ließ sie eine Hand nach vorn schnellen, die sich fest um den Hals der Buckligen schloss. Diese stieß einen keuchenden Laut aus.
„Ich...habe es gewusst. Es stecken zwei Seelen in diesem...Körper...Wie er es gesagt hat...Das Mädchen scheint die Schwächere...zu sein." Ein kratziges Kichern verließ ihre Lippen, wurde jedoch sofort von Adamantiels zudrückender Hand erstickt.
„Du hättest lieber nicht sicher gehen sollen, alte Elster." Die kalten Worte wurden von einem leicht grausamen Lächeln unterstrichen.
„Adamantiel! Lass das! Was soll das!?" Luferion stürzte auf die beiden zu und versuchte Adamantiel von der Alten wegzuzerren. Doch aus einem ihm unerfindlichen Grund, war sie stärker als er und hielt die Gurgel der Alten weiterhin fest umschlossen. Der Blick der Elben drückte nun Verzweiflung aus. Was war nur in sie gefahren?
„Verschwinde!", zischte das Mädchen mit eiskalter Stimme und bedachte den Elben mit einem hasserfüllten Blick. Das Stahlblau ihrer Augen bohrte sich tief in seine Seele und verursachte einen dumpfen Schmerz in seinem Herzen.
Luferion konnte nur tatenlos mit ansehen, wie das Leben langsam aus dem menschlichen Körper wich. Die Alte röchelte schwer. Langsam beugte sich die blonde Elbin zu ihr hinunter.
„Ich muss mich bedanken. Durch deine Hilfe fiel mir der Zugang zu ihrer Seele leichter als ich es mir je erhofft hatte.", flüsterte sie am Ohr der Buckligen. Diese legte zittrig die Hände um die Handgelenke ihres Angreifers. Die Augen traten schon leicht hervor. Das Gesicht war mittlerweile blau-lila angelaufen.
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Adamantiel POV
Dichter Nebel umgab mich wie ein waberndes Tuch. Ich sah schemenhafte Gestalten, die wie Schatten über eine Steinwand huschten. Doch eigentlich waren es nur helle graue und dunkle graue Farbtöne.
„Was ist los?", fragte ich mich irritiert. War ich ohnmächtig? Aber eben noch stand ich doch mitten auf dem Markt! Etwas bedrückte mich. Etwas schrie in mir ich solle aufhören. Doch womit? Ich drehte mich um. Meine Bewegung verursachte einen leichten Windhauch. Aber es war nicht nur das. Jemand war bei mir. Ganz in meiner Nähe.
„Wer ist da!?", rief ich unruhig in den Nebel hinein. Meine Stimme war kläglich und dünn. Mir kam alles so bekannt vor. Aber diesmal war es nicht die unheimliche Stille die mich umgab. Klagelaute und das jammervolle Stöhnen vieler Stimmen drangen an mein Ohr.
„Hörst du sie? Es sind ist der Nachhall und Ausdruck der Qualen, die deine Vorfahren erlitten haben." Ich fuhr herum. Ich wusste, wen ich vor mir sehen würde, und ich behielt Recht. Vor mir stand der Mann mit weißem langem Haar. Seine stahlblauen Augen musterten mich gehässig. Plötzlich merkte ich, dass ich gar nicht vor einer Nebelwand stand, sondern in einem kleinen weißen Raum. Meine Augen flogen umher und suchten nach einem Ausweg.
„Du brauchst dir gar keine Mühe zu geben.", bekam ich auch prompt eine Antwort auf meine Stumme Frage nach einem Fluchtweg.
„Du kannst nicht gegen mich gewinnen. Früher oder später wirst du ganz verschwunden sein. Und so wie es aussieht, eher früher." Es war grotesk, aber er lächelte beinahe freundlich.
„Wer bist du?", fragte ich. Ich wusste sehr genau, dass ich diese Frage schon sehr oft gestellt hatte.
„Dein Fluch." Wieder lächelte er. Nun war es ein beinahe sanftes und wehmütiges Lächeln. Doch ich ließ mich nicht täuschen.
„Toll das sagt mir alles.", giftete ich ihn an. Der seltsame Mann kam langsam auf mich zu und bevor ich mich versah, schnellte eine Hand nach vorn und umschloss meinen Hals. Mein Kehlkopf schmerzte unangenehm.
„Ich kann dir alles erzählen, wenn du möchtest. Aber vorher solltest du wissen, dass du gerade einem Menschen das Lebenslicht auslöscht." Das Atmen fiel mir schwerer. Ich riss entsetzt die Augen auf.
„Nun. Ich deute dieses Flackern deiner Pupillen mal als eine Frage. Diese ist leicht zu beantworten. Mein Wille beherrscht deinen Körper während du hier in diesem komfortablen Raum festsitzt und wir miteinander plaudern. Ich habe schon viele deiner Blutslinie überwältigt. Aber so schwach wie du, war bisher keiner von ihnen."
Ich merkte, wie meine Nase zwickte und mir Tränen in die Augen stiegen. Zudem rauschte das Blut laut in meinen Ohren, da es sich in meinem Kopf staute. Ein unmenschlicher Laut entwich meiner Kehle und hatte eher den Anklang, als stammte er von einem Tier.
„Aber wie du ja selbst bemerkst, bist du noch da. Und solange nicht der Höhepunkt deines Lebens erreicht ist, wirst du mich immer wieder zurückdrängen können. Aber damit du schon einmal weißt, was dich erwartet, gebe ich dir einen kleinen Vorgeschmack."
Mein Herz raste nun wie wild und pumpte ergebnislos das Blut durch meinen Körper, in der Hoffnung, etwas Sauerstoff zu bekommen. Mein Blick verdunkelte sich und die Welt um mich herum wurde schwarz. Ich war der Ohnmacht nahe. Doch bevor ich das Bewusstsein verlor, tauchten vor mir bunte Bilder auf und Lärm drang an mein Ohr. Verwirrt fand ich mich auf dem gepflasterten Boden hinter dem Tresen eines Standes wieder. Blut das aus einer tiefen Schnittwunde sickerte, rann meinen Arm hinab und ich sah irritiert in Luferions Gesicht. Es wirkte hilflos und verzweifelt. Dann wanderte mein Blick weiter zu seiner Hand, die einen Dolch hielt. Blut klebte an seiner Schneide. Ich begriff zunächst nicht, was das zu bedeuten hatte. Als ich aber auch den reglosen Körper vor mir entdeckte, stieß ich einen spitzen Schrei aus, der einige Passanten animierte, stehen zu bleiben und zu sehen, was vorgefallen war. Luferion reagierte schnell. Er warf seinen Umhang über den Körper der Alten, warf sie mit einer blitzschnellen Bewegung über die Schulter und griff unwirsch meinen Arm. Leider den, der verletzt war. Betäubende Schmerzen bahnten sich den Weg zu meinem Kopf und hinterließen ein grausames Pochen. Ich würde hinter ihm hergeschleift. Aber ich wollte mich auch gar nicht dagegen wehren, denn ich spürte wie mich ein eiskalter Blick verfolgte. In einem Moment in dem mich die Neugier übermannte, warf ich einen Blick über die Schulter und sah ihn regungslos in der Menschenmasse stehen. Sein schneeweißes Haar hätte eigentlich jede Aufmerksamkeit auf sich ziehen müssen, doch anscheinend nahm ihn außer mir keiner wahr.
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Keine POV
Es herrschte wieder helle Aufregung im Schloss. Aber nicht wegen des kleinen Prinzen, sonder einer Frau, die vor einigen Stunden in einem der Gemächer untergebracht worden war. Sie dämmerte noch immer in einem Zustand zwischen Leben und Tod dahin. Gerüchten zufolge sollte die junge Elbin, die eine tiefe, gefährliche Schnittwunde am Arm erlitten hatte, etwas damit zu tun zu haben. Doch sie hatte seit ihrem Eintreffen kein einziges Wort verloren, sondern nur teilnahmslos und apathisch vor sich hingestarrt.
König Elessar saß bei der alten Frau und wechselte einen stark duftenden Kräuterwickel, der um ihren Hals gelegt war. Sorge verzerrte seine Gesichtszüge und er schien gedankenverloren über etwas nachzusinnen. Neben ihm stand Legolas, die Arme vor der Brust verschränkt und düster auf die bucklige Frau starrend.
„Du solltest zu ihr gehen, Mellon." Aragorns Stimme schreckte den Elben aus seinen Gedanken.
„Narwainion kümmert sich um ihre Wunde.", antwortete er trocken. Doch in Wahrheit war er zutiefst besorgt um das Wohl seines Patenkindes. Außerdem behagte es ihm überhaupt nicht, dass Narwainion nun ganz allein bei Adamantiel war.
„Deine Anwesenheit könnte ihr gut tun.", sagte Aragorn mit Nachdruck in der Stimme.
„Du musst irgendwie erfahren, was geschehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie dazu in der Lage wäre.", setzte er hinzu. Legolas schüttelte bedrückt den Kopf.
„Nicht sie. Luz." Die Worte verließen seine Lippen, als wären sie Gift. Aragorn blickte zum ersten Mal auf in das Gesicht seines Freundes. Selbst hinter seiner Maske erkannte er die Verzweiflung, mit der Legolas rang.
„Wir werden einen Weg finden, Mellon. Wir werden sie retten." Legolas nickte mechanisch. Er war dankbar für Aragorns Worte, doch er hatte das Gefühl, dass es bereits zu spät für sie war.
„So Eru will.", murmelte der Prinz traurig und schüttelte leicht den Kopf.
„Geh zu ihr.", drängte Aragorn ihn nun. Legolas schüttelte den Kopf.
„Ich habe Angst sie zu verletzen.", gestand er.
„Irgendetwas stimmt nicht mit mir. Ich habe sie nur verletzt, seit sie hier ist.", sagte er verzweifelt. Aragorn lächelte leicht.
„Du musst ja nicht sprechen, mein Freund. Sei einfach bei ihr und lass deine Gefühle für dich sprechen."
„Aber die Frau...", wandte Legolas schwach ein.
„Ich kümmere mich um sie. Du weißt, dass die Kunst des Heilens mir sehr gut vertraut ist." Kaum hatte Elessar diesen Satz beendet, war Legolas auch schon zur Tür hinaus und eilte durch die Gänge zu Admantiels Gemächern.
Unzählige Gedanken schossen ihm durch den Kopf, und schon machte er sich ernsthafte Vorwürfe, dass er nicht früher zu ihr gegangen war. Wer wusste denn, was Narwainion mit ihr machte!?
Ohne anzuklopfen betrat er ihr Zimmer. Die Vorhänge waren zugezogen und ließen das Licht nur gedämpft herein. Sein Blick huschte zu dem großen Bett auf der linken Seite des Zimmer. Zwischen vielen Decken und Kissen lag sie, das blasse Gesicht von goldenem Haar umrahmt. Daneben auf einem Sessel, saß Narwainion. Legolas' Blick verfinsterte sich, als er sah, dass sein Zeigefinger Adamantiels Stirn berührte.
„Was tut Ihr da!?", stieß er hervor und war mit zwei Sätzen bei ihm. Narwainion warf ihm einen unerklärlichen Blick zu. Anscheinend hatte der Elbenprinz ihn bei etwas gestört.
„Das habe ich bei ihr gefunden. Sie hielt es die ganze Zeit über in der Hand. Und nach den Berichten Luferions zu schließen, hat die Alte es ihr gegeben. Das ist der Grund des ganzen Übels, dass über sie hereingebrochen ist." Er zeigte Legolas ein Lederhalsband mit einem getrockneten Vogelfuß als Anhänger.
„Es verstärkt die zweite Seite eines Wesens und lässt sie zum Vorschein kommen. Bei manchen ist es wirkungslos, da die normale Seite stärker ist, als die Person, die noch im Inneren eines Körpers ruht. Die Menschen nennen es Gewissen und auch Unterbewusstsein. Es ist egal wie man sie nennt. Aber die ruhende Seite ist durchaus nicht immer die Bessere. Manche Lebewesen wechseln unbewusst zwischen ihnen hin und her. Diese Leute werden als verrückt erklärt und für schizophren gehalten. Oft veranlasst die stärkere Seite die Schwächere, sich ihr zu ergeben und sie handeln zu lassen. Im Leben ist das ein langsam voranschreitender Prozess, in dem immer mal eine Seite dominiert. Man wird mit einer stärkeren und einer schwächeren Persönlichkeit geboren. Im Laufe der Entwicklung können sich die Machtverhältnisse jedoch ändern. Dieses Amulett bewirkt, dass die andere Persönlichkeit mehr Macht bekommt. In diesem Fall hat es Luz die Chance gegeben schon vor seiner Zeit die Handlungen zu übernehmen. Er war viel stärker als Adamantiel."
Legolas nahm es dem alten Elben aus der Hand und betrachtete es eingehend.
„Aber warum hat sie ihr das gegeben?", fragte er leicht irritiert.
„Anscheinend hat sie eine starke zweite Persönlichkeit gespürt, die Adamantiel begleitet und wollte wissen, wer sie ist.", antwortete Narwainion. Legolas nickte verstehend.
„Könntet Ihr mich nun allein lassen?" Es war eher eine Aufforderung als eine Frage und Narwainion erhob sich. Konnte er doch ruhigen Gewissens sein, dass nichts schief laufen würde und dieser Elb seine Pläne nicht zerstören konnte. Er nahm Legolas die Kette aus der Hand und durchquerte mit ruhigen Schritten das Zimmer. Dann schloss er die Tür leise hinter sich zu.
Nun stand Legolas allein mit Adamantiel in einem Raum. Er setzte sich in den Sessel und stellte fest, dass er die Wärme von Narwainion abstrahlte. Er rückte näher zu der kleinen Elbin hin und ergriff ihre blasse Hand. Ein Gefühl von Mitleid kam in ihm auf, als er den rot gefärbten Verband an ihrem linken Arm betrachtete. Er verfluchte Luferion heimlich dafür, obwohl er wusste, dass der Elb in dieser Situation das einzig richtige getan hatte. Adamantiel hätte sich nie den Tod der Alten verzeihen können.
Er betrachte mit einem liebevollen Ausdruck in den Augen das schlafende Mädchen. Sie atmete zwar flach, aber immerhin gleichmäßig. Legolas war beruhigt, dass sie nicht auch in Lebensgefahr schwebte. Immerhin hatte sie viel Blut verloren.
Sein Daumen streichelte langsam über ihren Handrücken. Wie zart ihre Haut war! Er schloss die Augen und genoss das Gefühl, dass die Bewegung in ihm auslöste. Lange zurückgehaltene Phantasien zuckten nun wie Blitze durch seine Gedanken und er spürte wie sich seine Ohrenspitzen vor Scham rot färbten.
Er seufzte tief, sodass sich sein Brustkorb weit ausdehnte. Dann schlug er die Augen wieder auf und betrachtete sie erneut. Kleine Schweißperlen standen auf ihrer Stirn. Kurzentschlossen schlug er die dicke Decke zurück, die sie einhüllte. Verlegen stellte er fest, dass ihre nackte Haut nur noch von einem leichten Leinentuch verdeckt wurde. Ihre Brüste zeichneten sich deutlich darunter ab und Legolas konnte nicht umhin, sie anzustarren. Nur mit Gewalt konnte er seinen Blick losreißen, doch er verfing sich wieder im Anblick des zarten langen Halses, der von blonden Haaren umrahmt war. Langsam streckte er die rechte Hand aus, um die Haut dort zu berühren. Sie war seidenweich. Noch angenehmer und sanfter als die Haut ihrer Hände.
Sein Atem ging mittlerweile unregelmäßig und seine Hände begannen zu zittern. Gleichzeitig nagten Vorwürfe in seinem Herzen. Wie konnte er nur so rücksichtslos sein und sie begehren, während sie schwach und hilflos vor ihm lag? Schnell zog er die Hand wieder zurück und schob sie unter seine Oberschenkel. Nicht dass er vor lauter Gedankenlosigkeit wieder begann, sie nach ihr auszustrecken. Er fixierte lange Zeit verlegen seine Kniescheiben.
„Legolas?" Ihre sanfte leise Stimme ließ ihn den Kopf heben. Er hatte nicht bemerkt, dass sie wach war. Ihre grünen Augen musterten ihn freudig, überrascht und doch auch ein bisschen nervös.
„Seid Ihr endlich wach?", fragte er kühl und teilnahmslos. Sofort sprach Schmerz und Entsetzen aus ihrem Blick. Er verfluchte sich und seine große Klappe und entschloss sich, den Rat seines Freundes zu befolgen und lieber kein Wort zu sagen. Er wollte sie auf gar keinen Fall beleidigen oder verletzen. Deshalb legte er lächelnd den Finger an die Lippen.
„Schht.", bedeutete Legolas ihr sanft und griff mit einer Hand nach ihrer. Sie war überrascht und der Elb erleichtert, dass sie nicht sofort die Hand wegzog. Sein Daumen streichelte sacht über ihre Finger.
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Adamantiel POV
Die Berührung unserer Hände löste eine große Sehnsucht in meinem Herzen aus. Und gleichzeitig beruhigte mich sein Streicheln. Ich fühlte, dass ich nicht mehr allein war. Ich sah in seine Augen und er wich meinem Blick nicht aus. Im Gegenteil. Es hatte den Anschein, als wollte er schweigen, und lieber seine Augen sprechen lassen. Und sie sagten mir mehr als ich mir je erhofft hätte. Ein leichtes Lächeln schlich sich gerade auf meine Lippen, als mir wieder einfiel, warum ich eigentlich im Bett lag. Ein hektischer Blick fiel auf meinen Verband und dann sah ich Legolas wieder fragend an.
„Wie geht es der alten Frau?", brachte ich stockend hervor. Der Gedanke, dass sie vielleicht tot war, nahm mir jedes Gefühl und jagte einen kalten Schauer durch meinen Körper. Ich spürte seine Hand an meiner Wange. Sanft und zärtlich. Und als ich in seine Augen sah, wusste ich, dass sie noch lebte. Aus irgendeinem Grund spürte ich, dass er nicht mit mir sprechen wollte und so schluckte ich weitere Fragen mühsam hinunter. Es fiel mir nicht schwer auf andere Gedanken zu kommen, denn Legolas' Hand auf meiner Wange lenkte mich ab.
„Es tut mir leid, dass ich hergekommen bin.", flüsterte ich matt. Die Ereignisse hatten meine letzte Energie gefordert. Und ich spürte auch schon, wie heiße Tränen in meinen Augen brannten. Hätte ich mich nicht seinen Anordnungen widersetzt, wäre es sicher nicht soweit gekommen.
Ich verdrängte das Gesicht, dass sich vor meinen Augen bildete. Dieser weißhaarige Elb...Angst durchzuckte meinen Körper und ich krallte die Finger ein wenig fester in Legolas' Hand.
Ein kratzendes Geräusch, als er den Sessel zurückschob um aufzustehen, lenkte mich von diesen unheimlichen Gedanken ab. Er beugte sich über mich und nahm mein Gesicht in beide Hände. Sein rechter Daumen wischte eine kleine Träne von meiner linken Wange. Ich sah ihn mit großen Augen an. Sein Anblick überwältigte mich. Sein sanftes Gesicht so nah vor mir, sein Atem, der meine Haut strich und das lange Haar, das meine Wange kitzelte, brachten mich schier um den Verstand. Ich musste kurz die Augen schließen um nicht vollends von ihm überwältigt zu werden. Als ich sie wieder öffnete, berührte seine Nasenspitze fast die meine.
Ich spürte, wie sein Gewicht mich ein bisschen nach oben drückte, als er auf das Bett kletterte und nun kniend über mir saß.
Ich sah zu, wie er nach einer meiner Haarsträhnen griff und sie spielerisch um zwei Finger wickelte. Dabei sah er mich verträumt an.
Ich habe dich so sehr vermisst. Hätte ich ihm am liebsten gesagt. Aber ich begriff, dass Worte hier fehl am Platz waren, da er mir eh nicht antworten würde. Warum, war mir immer noch schleierhaft! Ich hatte so viele Fragen an ihn. Vielleicht hatte er ja mittlerweile etwas herausgefunden.
Langsam hob ich meinen gesunden Arm und berührte seine Wange. Er zog die Luft tief ein und für einen kurzen Moment flatterten seine Augenlider. Ich lächelte und tastete mich weiter voran bis zu seinem Nacken. Dann zog ich den Arm wieder an mich und mit ihm Legolas. Er sah mich zunächst überrascht an, lächelte dann aber. Ich schloss die Augen und spürte mein Herz wild schlagen, als sein Atem meine Lippen streifte. In diesem Moment war mein Verlangen ihn zu küssen überwältigend groß. Ein tiefer Seufzer der Lust entwich mir, als ich endlich seine weichen Lippen auf meinen spürte und ein heftiges Kribbeln fuhr durch meinen Körper. Ich hatte das Gefühl sie würden zerschmelzen. Und als ich seine heiße Zunge spürte, die über meine Lippe leckte, entwich mir erneut ein tiefer Seufzer. Ich verstärkte den Druck auf seinen Nacken und öffnete den Mund ein wenig, um dann mit seiner Zunge zu spielen. Dem Verzweifeln nahe, merkte ich, dass es mir immer noch nicht ausreichte. Anstatt meine Lust mit seinem Kuss zu stillen, entfachte er sie nun um so mehr. Ich presste ihn begehrend an mich und spürte mit Wohlwollen, wie er eine Hand in meinen Haaren vergrub.
Als wir uns keuchend voneinander lösten, kribbelte mein ganzer Körper. Ich hatte das Gefühl, dass allein seine Berührungen mich davon erlösen könnten. Ich warf ihm einen heißen Blick zu und irgendwie musste es etwas bewirkt haben, denn Legolas griff gekonnt mit einer Hand unter meinen Rücken und setzte mich auf. Mir wurde leicht schwindlig, aber das war egal, solange er mich hielt. Mein Blick blieb an seinen Lippen hängen und ich beugte mich leicht vor um sie erneut zu liebkosen. Er erwiderte meinen Kuss stürmisch und fordernd. Plötzlich waren seine Hände überall auf meinem Rücken. Und wo meine waren, wusste ich schon gar nicht mehr. Als Legolas den Kuss löste, wollte ich protestieren, doch noch ehe ich etwas sagen konnte, spürte ich, wie er meinen Hals mit kleinen Küssen bedeckte und stöhnte leise. Mein heißer Atem strich sein Ohr und er fuhr erregt zusammen. Dann biss er sanft in das Fleisch an meinem Hals. Ich stöhnte lauter und wünschte, er würde nie damit aufhören.
Doch plötzlich ließ er von mir ab und stemmte mich mit beiden Händen an meiner Schulter von sich. Ich sah ihn leicht irritiert an. Meine Wangen waren sicher gerötet. Ganz zu schweigen von meiner zerwühlten Haarpracht.
Er musterte mich eingehen und zog mich dann innig in seine Arme. Sein Kopf lehnte auf meiner Schulter und er drückte mich so fest an sich, dass ich um meinen verletzten Arm bangte.
„Legolas?", flüsterte ich leise und streichelte gedankenverloren seinen Rücken. Doch anstatt mir eine Antwort zu geben, schüttelte er nur leicht den Kopf. Sicher um mir zu verstehen zu geben, dass er nicht reden würde. Ich seufzte tief. Ich hielt es nicht mehr aus. Ich wollte ihm so viel sagen!
„Es ist besser wenn du jetzt gehst." Ich bemühte mich, meine Stimme besonders sanft klingen zu lassen. Er sollte nicht den Eindruck haben, ich würde ihn hinauswerfen wollen. Das wollte ich garantiert nicht!
„Das soll kein Rauswurf sein." Ich war überrascht über den Klang meiner eigenen Stimme.
„Ich habe nur so viele Fragen und so viele Dinge, die ich dir sagen möchte, dass mir dein Schweigen unerträglich ist." Ich spürte mit Unbehagen, wie er sich langsam von mir löste. Seine sturmblauen Augen drangen tief in meine Seele ein. Und in diesem Augenblick war ich mir sicher, dass ich ihm etwas bedeutete. Ich lächelte. Er sah mich zögernd an.
„Geh nur." Lachend versetzte ich ihm einen schwachen Stoß gegen die Brust. Er wankte kurz, entschied dann aber doch nach hinten umzukippen und sprang aus der Bewegung einer Rückwärtsrolle aus dem Bett. Ein klares Lachen verließ meine Lippen und ich folgte ihm mit meinen Augen, bis er die Tür hinter sich schloss.
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Legolas POV
Sobald ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, rammte ich wütend die Faust gegen die Wand. Ein stechender Schmerz fuhr sofort durch meine Knöchel, doch ich achtete nicht darauf. Ich war so wütend, da ich nicht die Möglichkeit hatte ihr zu sagen wie ich mich zur Zeit fühlte. Als ich es versucht hatte, waren wieder nur verletzende Worte aus mir herausgesprudelt.
Zweifel nagten in mir, denn ich wusste, dass nicht ich die Ursache dafür war sondern etwas anderes. Ich wusste nur nicht, was. Und das machte mich rasend. Jedem anderen Lebewesen konnte ich sagen was ich dachte und fühlte. Warum also nicht auch ihr?
Über diesen Sachverhalt nachsinnend, wandelte ich in den Gängen zu meinen Gemächern, ließ mich dort auf das weiche Bett fallen und alles noch einmal Revue passieren.
Heftiges Verlangen durchzuckte mich, als ich an ihren Körper, ihre Haut, ihre Küsse und vor allem ihren Blick dachte. Ich legte verzweifelt einen Arm über die Stirn und schloss die Augen. Wie sollte sich unsere Beziehung zueinander verbessern, wenn ich nicht mit ihr reden konnte. Sicher, damals hatte ich sie absichtlich verletzt und gereizt. Aber jetzt wollte ich es doch nicht mehr. Mir war ein Lachen das sie von sich gab, lieber als ein wutverzerrtes Gesicht. Im Düsterwald noch hatte ich es mir ja regelrecht zum Ziel gesetzt, sie unglücklich zu machen.
Ich musste lächeln als ich daran zurückdachte. Sie hatte doch einmal wahrlich versucht mich im Teich zu ertränken, als sie mir diesen Stein an den Fuß gebunden hatte. Ich schüttelte lachend den Kopf. Mir war es unerklärlich wie aus diesem blanken Hass, den ich ihr gegenüber empfunden hatte, Zuneigung entstanden war. Gut, wenn ich ehrlich war, hatte es ziemlich lange gedauert, ehe es zu einem mehr oder weniger freundschaftlichen Verhältnis kam. Aber wie es sich zu dem entwickelt hatte, was ich heute empfand, war mir immer noch eines der großen Rätsel, die ich wohl nie würde lösen können.
Damals hätte ich sie aus tiefstem Herzen liebend gerne bei den Menschen zurückgelassen, die wir getroffen hatten. Sie hatte ihr Herz so sehr an diese Geschöpfe gehängt. Ich glaube dass der Moment, in dem sie sich aus Protest an den Pfahl gebunden hatte, der erste war, in dem ich so etwas wie Achtung und Respekt für sie empfunden hatte.
Ich schnellte aus dem Bett hoch. Natürlich! Das war die Lösung! Jetzt wusste ich, wie ich wieder normal mit ihr reden konnte. Auch auf die Gefahr hin, dass ich zuviel sagen würde, als mir lieb war.
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Fortsetzung folgt!
So ihr Lieben! Endlich liegen mal nicht Monate und Jahre zwischen den Kapiteln erleichtert guck Und das Kapitel ist sogar um einiges längere als die anderen freu Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht, es zu lesen!
Ganz liebe Grüße
:-) Eure Sleepy Bird
