Laurie lantar lassi súrinen
Wie Gold fallen die Blätter im Wind

Ein Sturm kommt auf

Die Sonne des Spätsommers stand schon hoch über dem Horizont und brannte auf die Felder um Gondor nieder. Die Ernte war längst eingeholt und neue Saat auf die Felder gebracht worden. Es herrschte reges Treiben hinter den Mauern der weißen Stadt. Die Luft war bedrückend schwer und Panik war überall zu spüren. Zwar nicht stark, eher unterschwellig, aber dennoch zu spüren, sodass jeder sogleich von einem unbestimmten Gefühl beschlichen wurde. Frauen klatschten an den Haustüren miteinander und tuschelten unheilverkündend.

Das Mädchen war im Morgengrauen von den Wachen entdeckt worden. Nackt, geschunden und vollkommen verrückt geworden. Schreiend und kreischend hatte sie sich dagegen gewehrt, dass man sie berührte. Sie hatte kein Wort hervorgebracht und sich erst beruhigt, als man eine Heilerin in das kleine Wäldchen brachte, die sich ihrer annahm. Von ihr ließ sie sich behandeln. Sie war unglaublich mager und verlangte stetig mehr Nahrung. Die Worte fehlten ihr dazu, sie konnte Gesten sprechen lassen. Doch Nahrung wurde ihr nur in kleinen Portionen bewilligt. Hätte sie sich hungrig sattgegessen, wäre sie gestorben. Ihr Magen hätte nichts mehr aufnehmen können und wäre geplatzt. Unter ständigem Zureden und dem Versprechen, dass sie viel zu Essen bekommen würde, hatte man sie ins Schloss locken können. Und da lag sie jetzt. In einem der Gemächer. Gut bewacht.

Sehr erregt über diesen Vorfall bedrängten die Menschen ihren König, der jedoch keine einzige Antwort auf die Hunderten von Fragen geben konnte, die ihm gestellt wurden. Er war ebenso ratlos wie alle anderen. Denn wie sich herausgestellt hatte, war das Mädchen eine Angestellte des Königshauses.

Aragorn rieb sich besorgt den Bart und beobachtete die junge Frau, die aufgelöst vor ihm auf einem Stuhl saß. Sie war die engste Freundin des Opfers und hatte schon vor zwei Wochen deren Verschwinden gemeldet. Er hatte sie überall suchen lassen. Doch die Wachen hatten nie etwas gefunden. Auf die Idee, die junge Frau könnte außerhalb der Stadtmauern sein, war er nie gekommen und er machte sich deshalb schwere Vorwürfe. Anscheinend hatte die junge Frau das Bewusstsein verloren und darauhin alles vergessen. Sie hatte nicht gewusst, wohin sie sich wenden sollte, und sich ausschließlich von Beeren, Wurzeln und Blättern ernährt. Ein Schluchzen riss ihn aus seinen Gedanken und er wandte sich Ingjara zu.

"Du sagtest, du hast sie zuletzt in der Küche gesehen?", begann er seine Fragen. Sie nickte stumm, besann sich dann aber, dass sie dem König gegenübersaß und antwortete:

"Ja, Euer Hoheit." Aragorn konnte jetzt nicht auf ihre Gefühle acht geben. Er musste dem Mädchen viele Informationen entlocken. Hatte sie Feinde? Nein. Nur eine eifersüchtige Schwester, die ihr alles missgönnte. Die konnte man außer acht lassen, denn das Mädchen war vergewaltigt worden und das ging nun schlecht durch eine Frau. Ob sie Ingjara erzählt hätte, was sie am Nachmittag noch machen wollte? Ja. Nachdem sie den Pflegedienst bei der Alten geleistet hatte, war sie zur Gartenarbeit abgestellt wurden. Aragorn horchte interessiert auf.

"Sie war bei der alten Frau, um sie zu pflegen?", hakte er nach. Ingjara nickte. Ihr Gesicht war trocken, aber die Augen gequollen und aufgedunsen.

"Sie hat Gudrun abgelöst, die krank war."

"Und du hast sie danach nicht gesehen? Nicht ein einziges Mal?", fragte Aragorn. Sein Blut hatte sich erhitzt. Ein Gedanke war ihm gekommen. Es lief ihm kalt den Rücken runter. Vielleicht hatte Xenia den Mörder der alten Schmuckhändlerin gesehen? Ingjara schüttelte zunächst den Kopf, überlegte aber angestrengt. An besagtem Tag war sie sehr beschäftigt gewesen.

"Doch.", sagte sie plötzlich mit leiser Stimme.

"Sie war ganz kurz in der Küche und sehr aufgeregt. Sie meinte, sie hat den Elben Legolas getroffen und war völlig aus dem Häuschen. Wisst Ihr, wir Dienstmädchen bewundern die Elben und...naja...", sie lief rot an, denn die Schwärmerei für den Elbenprinzen war ihr plötzlich peinlich. Sie achtete gar nicht darauf, wie Aragorn beinahe zu Stein erstarrte.

"Legolas?", fragte er ungläubig. Sie nickte. Ja jetzt konnte sie sich genau daran erinnern. Xenias strahlendes Gesicht als sie erzählte, dass sie den Elben gesehen hatte.

"Wo hat sie ihn getroffen?" Seine Frage kam ruppig und scharf hervor. Ingjara irritierte das, doch sie achtete nicht weiter darauf.

"Sie meinte, er wäre im Zimmer der alten Dame gewesen und habe ihr sogar etwas zu trinken angeboten, weil sie so erschöpft aussah.", erklärte Ingjara. Die Miene des Königs versteifte sich, seine Züge wurden hart.

"Weißt du auch, was du da gerade behauptest, Mädchen?", fuhr er sie aufgebracht an. Im selben Moment tat es ihm leid. Sie konnte ja nichts dafür. Aber ihre Geschichte bedeutete, dass Legolas unter Verdacht geriet, die alte Frau ermordet und das Dienstmädchen so zugerichtet zu haben. Doch es widerstrebte Aragorn, seine Ahnung und den Verdacht, den er hegte, auch nur in klare Gedanken zu fassen. Warum sollte Legolas so etwas tun? Es lag nicht in seiner Natur einem Wesen zu schaden. Es bleib nur noch die Möglichkeit, dass Adamantiel ihn irgendwie manipulierte.

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Besagter Elb wusste währenddessen noch nicht einmal, dass man das vermisste Mädchen gefunden hatte. Er befand sich außerhalb Gondors. Zu Pferd. In Begleitung einer jungen und aufbrausenden Elbin - der Wind fuhr ihr im wilden Galopp durch die Haare und brachte sie wild durcheinander -, Luferions und Narwainions. Sie waren vor einigen Tagen gen Ithilien aufgebrochen, denn der Prinz konnte seine Elbenkolonie nicht vernachlässigen. Er warf einen verstohlenen Blick auf Adamantiel und schluckte, als er ihre, von Wind und Sonne geröteten, Wangen sah. Es erinnerte ihn an die Nacht vor gut zwei Wochen, in der sie sich ihm bedingungslos und leidenschaftlich hingegeben hatte. Seither hatten sie nie wieder eine Gelegenheit gehabt, dieses äußerst erregende und befriedigende Ereignis zu wiederholen. Ständig wurde er von Aragorn und Narwainion beschäftigt und Arwen hatte Adamantiel gebeten, mit ihren Kindern zu spielen und Ausflüge zu machen. Zudem spürte er, dass sie eine gewisse Scheu hatte, sich ihm zu nähern. Aber selbst wenn sie es wollte, es würde sich in den nächsten Tagen auch keine Gelegenheit bieten. Immer war jemand in der Nähe. Vor allem Narwainions Anwesenheit behagte ihm nicht. Er hegte eine unbestimmte Abneigung gegen diesen Mann. Und dennoch musste er ihn mitnehmen. Der Elb wusste viel mehr über den Fluch, der über Adamantiel lag, als jeder andere. Vielleicht war es noch nützlich, ihn in der Nähe zu haben.

Diese Vermutung hatte sich letzte Nacht bestätigt. Die junge Elbin wurde Nacht für Nacht von Alpträumen geplagt. Doch in dieser Nacht hatte sie versucht zu entkommen. Glücklicherweise hatte Luferion seinen Wachdienst ernst genommen, und war ihr gefolgt. Er hatte sie schnell eingeholt und zurückgebracht, doch sie hatte sich beißend und kratzend gewehrt. Legolas vermutete, dass Luz ihren Schlaf genutzt hatte, um selbst aktiv zu werden. Narwainion hatte sofort einige Kräuter gesammelt, mit kaltem Wasser zu einem Brei zerrührt und ihn ihr auf die Stirn gestrichen. Der intensive Geruch kroch ihr langsam und dauerhaft in die Nase. Sie hatte sich beruhigt und war wieder eingeschlafen. Am nächsten Morgen konnte sie sich nicht mehr daran erinnern. Sie hatten ihr auch nichts davon erzählt, um sie nicht in Angst zu versetzen.

Legolas erinnerte sich an die wundervolle Nacht, die er mit ihr verbracht hatte. Dass er am Ende gesagt hatte, dass er sie liebte, quälte ihn jedoch schon die ganze Zeit über. Er hatte diese Worte aus einer Zufriedenheit heraus gesagt und sich später gefragt, ob es wirklich stimmte.

Was Legolas erstaunte war ihre ruhige Gelassenheit, ihre plötzlich existierende Geduld und ihr vernünftiger Umgang mit dem Tod der alten Frau. Es war, als wäre sie in zwei Wochen zwei Jahrhunderte gealtert. Sicher, sie lieferten sich noch immer Wortgefechte, aber nicht mehr so konstant und weniger heftig. Außerdem wussten beide, dass es nur Spaß war.

Er betrachtete sie noch einmal. Sie bemerkte es und warf ihm ein liebevolles Lächeln zu. Sie hatte sich wirklich sehr verändert. Legolas wusste nicht, ob er es gut finden oder sich Sorgen machen sollte. Er erwiderte das Lächeln aus tiefstem Herzen und zwinkerte ihr zu. Narwainion fing diese kleine Geste ihrer gegenseitigen Zuneigung auf, schwieg aber, bis sie sich bei Einbruch der Dunkelheit in einem kleinen Wäldchen niederließen. Dann zog er Legolas in einem günstigen Augenblick zur Seite. Adamantiel war mit Luferion in ein angeregtes Gespräch über das geeignetste Holz für einen treffsicheren und brillanten Bogen verwickelt. Beide waren ernst bei der Sache. Sie verstanden sich blenden und die Freundschaft zwischen ihnen wuchs von Tag zu Tag.

"Legolas, ich hoffe du weißt noch, was ich Aragorn und dir einst sagte. Der Plan, den wir befolgen müssen, schließt eine Verbindung zwischen euch aus", mahnte er den Prinzen eindringlich. Der runzelte die Stirn.

"Ich wüsste nicht, was an einer Verbindung zwischen ihr und mir falsch wäre.", erwiderte er ebenso leise.

"Sie wäre nicht falsch sondern gefährlich. Gefährlich für dich und für sie. Sie hat dir gegenüber schon einmal Hass empfunden und Luz hat somit eine Möglichkeit, dir zu schaden. Du sahst sie gestern Nacht." Seine Worte waren einleuchtend und überzeugend, doch Legolas wehrte sich gegen die Vernunft, die aus ihnen sprach.

"Ich weiß, was gestern Nacht geschehen ist. Ich werde alles mir Mögliche tun, um sie zu beschützen.", antwortete er.

"Du kannst sie nicht schützen! Niemand kann das, denn keiner ist mächtig genug, einen Rachgeist zu bändigen. Er verschwindet, wenn er denkt, dass es genug ist. Doch Luz dürstet es nach dem Blut meiner Familie. Er wird nicht innehalten. Nicht solange Adamantiel lebt und erst recht nicht wenn sie weitere Erben gebiert", sprach Narwainion bitter. Legolas horchte auf. Warum bekam der sonst gleichgültige Ton des Elben jetzt einen bitteren Zug?

"Sobald sie einem Elben zur Frau gegeben wird, wird sie irgendwann Kinder gebären", fauchte Legolas zurück. Plötzlich plagten ihn Gewissensbisse. Er hatte in jener Nacht nicht daran gedacht. Er hatte keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, dass sie sogar schwanger werden könnte. Sein Herz klopfte wie wild. Er musste Narwainions Blick ausweichen. Dieser deutete das Benehmen richtig.

"Ihr habt euch doch nicht vereint?" Wäre diese Situation nicht so bitter ernst gewesen, hätte Legolas über diese Formulierung gelächelt. Ein glockenklares Lachen seiner Geliebten drang zu ihnen herüber. Narwainions Gesichtsausdruck war nun hart wie Stein.

"Du hast einen unverzeihlichen Fehler begangen", murmelte er mit bedrohlicher Stimme, da Legolas es nicht wagte zu antworten. Auch als er Narwainions Vorwurf anhören musste, hüllte er sich weiterhin in Schweigen.

"Hey! Ihr zwei steht ja da wie Salzsäulen! Gesellt euch zu uns, damit wir endlich eine Entscheidung treffen können, ob Esche oder Erle geeigneter sind. Wir kommen nämlich zu keinem Ergebnis", rief Adamantiel ihnen zu. Beide Elben verharrten noch kurze Zeit an der selben Stelle, setzten sich dann aber auch am prasselnden Feuer nieder.

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Adamantiel POV

Eine unbehagliche Stille senkte sich sofort über uns, als die beiden ans Feuer kamen. Etwas war zwischen ihnen vorgefallen. Das spürte ich. Doch da sie Elben, Männer und stolz zugleich waren, würde ich wohl nie erfahren, was geschehen war. Eine Gänsehaut lief mir über den Rücken als ich Narwainions Blick spürte. Er musterte mich merkwürdig und es war mir, als würde sein Blick zu meinem Schoß wandern. Schnell erhaschte ich Legolas' alten Reiseumhang, dem seit ein paar Wochen die Brosche fehlte und schlang ihn vor meinen Körper um mich vor seinen Blicken zu schützen. Ich lächelte unbeholfen. Aber innerlich fühlte ich plötzlich nur Leere. Er wusste es. Er wusste, dass ich Legolas geliebt hatte. Mein Blick wanderte zu dem Prinzen, doch er vermied es, mich anzusehen. Das bestätigte meinen Verdacht nur und mir wurde hundeelend. Hatte er es wirklich erzählt? Warum? Ich dachte das, was zwischen uns geschehen war, ginge nur mich und ihn etwas an. Plötzlich von einem Zorn gepackt, der mir schleierhaft war, feuerte ich die Decke übers Feuer direkt in sein schönes, anmutiges Gesicht. Alle sahen mich verwirrt an.

"Ich gehe schlafen", knurrte ich aufgebracht. Es fiel mir schwer zu verbergen, wie verletzt ich war. Es fühlte sich so an, als hätte Legolas mich verraten und mein Vertrauen missbraucht. Ich spürte die verwunderten Blicke meiner Mitreisenden. Es störte mich sehr. Ich ging zu meinem Pferd und kramte eine weitere Decke aus den Satteltaschen, breitete sie unter einem Baum aus, legte mich darauf und wickelte sie dann um mich. Bei Aule! Verflucht sollten sie allesamt sein. Und allen voran Legolas. Ich war sauer, da ich mich schämte. Ich schämte mich sogar sehr. Weil Narwainion zu wissen schien, was Legolas und ich getan hatten. All die wunderbaren Dinge, die wir genossen hatten, schossen mir durch den Kopf. Auf einmal fühlte ich mich dumm und klein, weil ich so sentimental gewesen war. Ich hatte Angst gehabt, dass es weh tun würde. Dabei war er so sanft gewesen... Bei Aule...Warum beschäftigte es mich nur so sehr? Die ganze Zeit über hatte ich mir gewünscht, dass Legolas wieder so überraschend auftauchen würde. Und jetzt...Seit zwei Tagen redete er nun schon wieder kein Wort mit mir. Er war der Meinung gewesen, dass wir sparsam mit dem Wahrheitsserum umgehen müssten. Aber es war nicht so, dass er nur verletzende Dinge SAGTE. Die Blicke, die er mir zuwarf, waren eisig und gleichgültig. Ich zweifelte nicht daran, dass auch sie durch irgendeinen Zauber verändert wurden. Aber es verletzte mich, dass er nicht lieb und zärtlich zu mir war. Und wieder war ich zu sentimental. Ich krallte die Finger in die Decke. Er liebte mich. Das hatte er mir gesagt, als er mich in seinen Armen gehalten hatte. Kurz bevor wir beide selig eingeschlafen waren. Und ich glaubte ihm.

Ich schloss genervt die Augen. Meine wirbelnden Gedanken machten mich wahnsinnig. Mir fiel ein, dass ich ihm nichts erwidert hatte. Ich presste die Augen schuldbewusst zusammen. Mir war immer noch nicht klar, warum ich nicht 'Ich dich auch' geantwortet hatte. Jetzt war der Moment verpasst. Und wenn er mich so eisig ansah, konnte ich es einfach nicht über die Lippen bringen.

Zum Glück reiste Luferion mit uns, ansonsten wäre ich schon längst durchgedreht. Abgesehen davon, dass ich mich mit diesem elenden Rachgeist rumschlagen musste. Nacht für Nacht tauchte er in meinen Träumen auf und in der letzten Nacht hatte er mich beinahe überwältigt. Ich blinzelte gegen den Schein des Feuers an, an dem die Männer gut zehn Meter entfernt saßen. Sie hatten kein einziges Wort darüber verloren. Wohl, um mich nicht zu beunruhigen. Bei Aule! Männer. Sie behandelten uns Frauen wie kleine Kinder. Hätte mir Arwen nicht einen großen Teil dessen erzählt, was sie herausgefunden hatte, wäre ich wohl jetzt schon längst verzweifelt. Zum Glück wusste ich nun bescheid, was mit mir los war.

Ich hörte, wie jemand sich vom Feuer erhob und gleich darauf erklang Narwainions Stimme.

"Gute Nacht. Auch ich gehe schlafen." Seine rauchige, tiefe Stimme drang besänftigend in meinen gequälten Geist ein. Der Aufruhr in meinem Inneren legte sich, die Wut verpuffte und ich schalt mich meiner gemeinen Gedanken wegen. Kurz darauf begab sich auch Luferion zu Bett. Legolas hielt diese Nacht Wache. Ein wohliges Gefühl überkam mich, denn wenn er die Augen aufhielt, würde ich beruhigt schlafen können. Ich spürte wie ich langsam vor mich hin dämmerte.

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Eine Hand streichelte sanft mein Haar. Ich schnurrte wohlig. Es war kuschelig und warm, die Geräusche der Nacht waren sehr beruhigend. Dann hörte ich, wie jemand meinen Namen flüsterte. Schlaftrunken brummte ich ein 'Ja'.

"Adamantiel. Bitte wach auf. Ich muss mit dir reden." Legolas. Der Gedanke durchfuhr mich wie ein Blitz und ich war plötzlich hellwach. Ich schlug die Augen auf und blinzelte verschlafen in sein Gesicht. Seine Augen glitzerten im leichten Schein der roten Glut des Feuers.

"Legolas?", flüsterte ich, doch er legte schnell einen Finger an die Lippen um mir zu bedeuten, dass ich still sein sollte. Dann reichte er mir seine Hand und zog mich lautlos auf die Beine. Wohin er mich wohl führte? Die wirrsten Gedanken wirbelten in meinem Kopf. Auf eine einsame Lichtung? Ich spürte meine aufsteigende Erregung und ärgerte mich gleichzeitig darüber.

Wir liefen lange Zeit durch das dichte Gestrüpp, jedoch ohne einen einzigen Laut zu verursachen. Ich hatte es sehr gut erlernt, wie man schnell und lautlos vorwärts kam. Das hatte ich dem Elben zu verdanken, der mich gerade an der Hand hielt und irgendwohin entführte.

Am Rande der Lichtung blieb er kurz stehen. Zog mich dann aber weiter auf die offene Ebene hinaus.

"Legolas. Was machst du? So haben wir keine Deckung vor Feinden.", zischte ich. Ich vertraute ihm und nur deswegen beschlich mich keine Angst.

"Eben genau dort haben wir Deckung vor Feinden", antwortete er ruhig.

"Was?" Ich war überrascht. Es war völlig entgegen jeder Logik, dass man auf offenem Feld schlechter zu sehen war als im Wald. Vielleicht schlafwandelte er ja.

"Du hast ja doch die Kräuter benutzt." Meine Stimme beinhaltete eine Mischung aus Vorwurf und Erleichterung. Er nickte nur stumm.

Als wir gut ein paar Meilen gelaufen waren, hielt er inne, sah sich nach allen Seiten konzentriert um und schien dann zufrieden zu sein mit dem was er sah: Nichts. Weit und breit nur Grasbüschel. Das kleine Wäldchen hatte sich in einen dunklen Fleck in der Ferne verwandelt. Jetzt hielt ich es nicht mehr aus, denn ich platzte fast vor Neugier über seine Geheimniskrämerei.

"Also? Was gibt es denn so Wichtiges, dass du es für würdig befindest, wieder mit mir zu reden?" Dieser elende Sarkasmus! Er drehte sich zu mir um und sah mich wehmütig lächelnd an. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, kam er mir so nahe, dass unsere Nasenspitzen sich beinahe berührten. Ich spürte seine warme Hand in meinem Nacken. Er zog mich fordern an sich und ich versank seufzend in seinem Kuss. Er hielt mich mit dem anderen Arm fest umschlungen, seine Zunge forderte Einlass und ich erlaubte es ihm. Ich spürte, wie sein Verlangen wuchs und drückte mich an ihn. Als er mit seiner Hand eine meiner Brüste streifte, stöhnte ich vor Verlangen. Doch genauso überraschend wie er mich an sich gezogen hatte, ließ er auch wieder von mir ab. Mir war schwindelig. Seine Berührungen hatten das Verlangen in mir erweckt, dass ich zwei Wochen lang mühsam unterdrückt hatte. Er stand atemlos vor mir und sein Blick verriet, was er wirklich von mir wollte. Doch er schien noch etwas anderes auf dem Herzen zu haben, das ihn belastete und mir fiel wieder Narwainions wissender Blick ein. Aber wenn ich Legolas so vor mir stehen sah, hin und her gerissen zwischen Erregung, Verlangen und der Vernunft, konnte ich ihm nicht böse sein. Ich legte eine Hand an seine Brust. Er ergriff sie.

"Melamin. Das was zwischen uns war...", er stockte, ich fröstelte. Er drückte meine Hand. Das Schlimmste was geschehen konnte, war er dabei zu sagen.

"...es war-"

"Sag nichts", fiel ich ihm hastig ins Wort. Ich ahnte, nein ich wusste, was er sagen wollte und es brach mir beinahe das Herz. Es aus seinem Mund zu hören hätte es wirklich gebrochen. Ich senkte den Kopf. Ich wollte nicht hören, wie er sagte: "Schätzchen, es war alles ein Fehler. Vergiss die Sache."

"Ich war nicht gut genug.", murmelte ich. Ich sagte es nur, um ihm auch ein bisschen weh zu tun. Er drückte meine Hand noch fester. Als ich immer noch stur einen Dreckklumpen fixierte, legte er eine Hand unter mein Kinn und zwang mich, ihn anzusehen. Ich konnte den selben Schmerz in seinen Augen lesen, den ich nun empfand. Warum tat er das?

"Das ist nicht wahr. Es war-"

"Hör auf! Wenn du es als Fehler bezeichnest, dann kann es nur so gewesen sein." Ich wollte zornig klingen und stellte verzweifelt fest, dass mein Ton weinerlich war. Ich hatte mir gerade selbst den Stoß in die Brust versetzt, denn ich hatte die Worte ausgesprochen die ich nicht hören wollte. Doch gegen meine Gewohnheit brauste ich nicht auf oder rannte kopflos weg. Ich blieb stehen, sah ihn mit festen Augen an und wartete darauf, dass er etwas sagte.

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Legolas POV

Es tat mir in der Seele weh, als ich ihre um Hoffnung heischenden Augen sah. Doch im selben Moment war ich sehr stolz auf sie. Sie lief nicht weg oder kreischte hysterisch rum. Sie wehrte sich nicht gegen meine Berührungen, sondern wartete ab, was ich zu meiner Verteidigung zu sagen hatte.

"Melamin, ich habe den ganzen Abend lang überlegt."

"Musstest du erst auswerten, wie es mit mir war? Das kommt etwas spät", zischte sie mich an. Gedankenverloren streichelte ich ihre Wange. Die Spitze in ihren Worten nahm ich kaum wahr. Wie sollte ich ihr das erklären, was ich mir vorgenommen hatte? Es gab nur einen Weg. Ich musste ihr die ganze Wahrheit erzählen. Mit ein paar Lügen über Narwainion.

"Nein. Das ist es nicht. Narwainion weiß, was zwischen uns geschehen ist." Ich sah, wie verletzt sie war und streichelte liebevoll ihre zarte Hand.

"Ich wollte, er hätte es nicht herausgefunden, aber es geschehen.", fuhr ich fort.

"Du hast es ihm also nicht erzählt?" Dieses Detail schien ihr - aus mir nicht erfindlichen Gründen - sehr wichtig zu sein, und ich schüttelte den Kopf. Sie war etwas erleichtert.

"Er hat mich vorhin darauf angesprochen, dass wir uns zu nahe stehen." Sie war überrascht.

"Zu nahe?", fragte sie ungläubig.

"Was geht ihn das an?" Ich musste allen Mut aufbringen, um die nächsten Sätze zu sagen, von denen ich wusste, dass sie sie sehr verletzen würden.

"Eine Menge. Ich kam nach Gondor, da Aragorn mich rief. Sie hatten etwas über die Erscheinungen herausgefunden, die du hast. Den Namen des Rachegeistes und die Geschichte, wie es dazu kam. Er ist über Tausende von Jahren auf der Jagd nach Vergeltung. Die findet er in den Nachkommen des Mannes, der ihn ermordet hat. Du bist eine dieser Nachkommen. Du wurdest mit dem Goldenen Blatt in der Hand geboren, das sein Zeichen ist." Ich hielt inne um sie anzusehen. Sie war sehr gefasst und mir war, als wäre ihr die Geschichte nicht neu.

"Luz nimmt am Hundertsten Geburtsag von der Person Besitz, die mit dem Goldenen Blatt geboren wurde und tötet alle Mitglieder der Familie. Jedes Mal gab es ein Blutbad. Danach überließ er der armen Seele wieder ihren Körper. Deine Vorfahren, die nach den Morden umringt vom Blut ihrer Familie aufwachten, vergossen bittere Tränen der Trauer und des Leids." Ich berührte ihren Diamant, den sie unter der Kleidung trug.

"Die Tränen sollen sich über Generationen hinweg zu diesem Stein vereint haben, der ein Zeichen ihres Leides ist. Irgendwann wird er bezeugen, dass die Rache vollkommen ist und Luz wird verschwinden. Narwainion erklärte uns dann aber, dass Luz nicht nur die eigene Familie tötet, sondern auch Personen, denen gegenüber du schon einmal Hass empfunden hast...Tiefen Hass." Ich spürte, wie sich ihre Finger in mein Hemd krallten. Sie hatte verstanden.

"Heißt das...?" Sie wagte es nicht, die Worte auszusprechen und so zwang ich sie wieder, mich anzusehen. In ihren Augen glitzerten Tränen. Ich küsste ihre Nasenspitze.

"Melamin. Ich bereue keine Minute, keinen Augenblick, den ich mit dir verbringen darf", flüsterte ich. Dann zog ich sie an meine Brust. Wir standen da, und schwiegen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Plötzlich spürte ich, wie der Stoff meines Hemdes sich nässte. Ich versuchte entsetzt sie von mir zu halten, um ihre Augen zu sehen, aber sie wehrte sich. ihre Arme umschlangen meine Hüften fest.

"Melamin?" Sie schüttelte nur den Kopf. Ich streichelte über ihr Haar. Ich hatte sie nie zum Weinen bringen wollen! Und doch stand mir der schlimmste Teil meiner Geschichte noch bevor.

"Adamantiel...", flehte ich eindringlich. Es schmerzte sehr, sie weinen zu sehen. Und noch schlimmer war das stumme Weinen. Ein Stich ging durch mein Herz. Ich hätte es lieber gesehen, hätte sie gebrüllt und geflucht.

Auf einmal erschien es mir unmöglich, ihr zu sagen, wir müssten uns trennen. Es schien mir unmöglich, meine Bedenken laut werden zu lassen, sie könnte ein Kind von mir empfangen haben, das nicht geboren werden darf. Es schien mir unmöglich und kaltherzig, ihr sagen zu müssen, dass wir planten, sie Luferion zur Frau zu geben. Ich kam mir kalt und gefühllos vor, denn über Narwainions Worte hatte ich die Liebe zu ihr verdrängt. Ich war bereit gewesen, sie zu verleugnen. Und nur, weil sie mich vielleicht töten könnte. Ich begriff auf einmal, dass ich lieber sterben würde, als ihr heute das Herz zu brechen. Ich begriff, dass ich sie aus tiefstem Herzen liebte und aus dem anfänglichen Abenteuer Ernst geworden war. Vorher hatte ich mit ihr gespielt. Sie war attraktiv, intelligent und schlagfertig. Der Reiz, der stets von ihr ausgegangen war, war ihre Unnahbarkeit gewesen. Ihr aufmüpfiges Wesen zu beherrschen, war mein Ziel gewesen und ich hatte es erreicht. Jeder geraubte Kuss war ein Triumph über sie. Doch jetzt war es keine Genugtuung mehr. Nicht nur mein Körper sondern auch mein Herz, verlangten nach ihr. Und das begriff ich erst in diesem Augenblick. Die Worte 'Ich liebe dich' bekamen eine vollkommen neue Bedeutung. Ich fühlte sie mit jeder Faser meines Körpers und ich ahnte, dass ich dieses allumfassende Gefühl, das in mir brannte, nie wieder in diese drei banalen, nichts sagenden Worte würde fassen können.

"Adamantiel." Ich drückte sie mit sanfter Gewalt von mir und blickte in ihre geröteten Augen.

"Ich schenke dir mein Herz." Ihr Kiefer fiel leicht nach unten und sie sah mich überwältigt an. Ihre Augen glitzerten, doch dann bildeten sich neue Tränen darin.

"Das darfst du nicht!", fuhr sie mich an. Das wusste ich, aber es war zu spät. Ich hatte es gesagt. Ich hatte mein Leben nun in ihre Hände gelegt. Es war nicht rückgängig zu machen. Außer...

"Ich nehme es nicht an.", sagte sie leise. Das, was ich befürchtet hatte. Sie schlug es in den Wind. Ich wusste warum und doch schmerzte mich ihre Ablehnung sehr.

"Ich möchte es so." Ich war überrascht über meine eigenen Worte. Denn hier beging ich eindeutig Selbstmord.

"Legolas, bitte. Ich...kann es nicht.", hauchte sie schwach.

"Ich habe dich wirklich aus tiefstem Herzen gehasst. Ich dachte du seist ungehobelt, roh und arrogant. Daher ließ ich mich verleiten dich zu verabscheuen. Du warst der Erste, den ich hasste obwohl ich ihn näher kannte. Das weiß Luz. Er wird dich töten." Ihre Worte waren klar und schienen die Luft zu zerschneiden. Ich schüttelte den Kopf und lächelte sie hilflos an.

"Du wirst ihn überwältigen.", versuchte ich sie umzustimmen. Sie lachte bitter. Auf einen Schlag war alles anders. Ein tiefer Abgrund lag zwischen uns. Eine unsichtbare Mauer trennte uns. Sie hatte Angst, dass sie mich irgendwann einmal töten könnte. Mir war auf einmal klar, dass ich die Wahrheit besser verschwiegen hätte. Ich hatte einen riesigen Fehler begangen. Die Wahrheit war nicht immer das Beste.

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Keine Pov

Adamantiel ertrug es nicht, ihn so verletzt zu sehen. Er hatte ihr gerade sein Leben zu Füßen gelegt und sie hatte es achtlos getreten. Tränen flossen über ihre Wangen. Wie gerne hätte sie seine Liebe erwidert! Wie gerne wäre sie den Bund mit ihm eingegangen! Doch es war aussichtslos. Sie durfte nicht zulassen, dass es soweit kam! Doch sie wollte seine Nähe nicht missen. Sie wollte seine Wärme spüren.

"Ich möchte deine Geliebte sein." Diese Worte trafen ihn noch tiefer als ihre Ablehnung. Geliebte? Mätresse? Warum schlug sie so etwas auch nur vor?

"Aber-", wollte er einwenden, doch sie unterbrach ihn sanft mit einem Kuss.

"Deine Liebe will ich nicht annehmen. Aber ich will dich für mich. Ich bin egoistisch, das wusstest du doch?" Sie grinste unbeholfen, wischte sich die Tränen von den Wangen. Das nützte aber nichts, denn es kamen immer mehr neue nach.

"Ich-" Doch wieder unterbrach sie ihn. Er wollte ihr so viel sagen. Ihr sagen, dass es ihm egal war, dass sie ihn vielleicht töten würde. Doch er spürte, dass es in diesem Moment nichts nützte.

"Bitte schlag mir das nicht ab. Ich würde es nicht ertragen.", flehte sie kläglich. Und von einer Zärtlichkeit übermannt, die ihn beinahe verrückt werden ließ, zog er sie stürmisch an sich, küsste sie und streichelte ihren zierlichen Körper. Sie gab sich ihm leidenschaftlich hin und die Seufzer der Liebenden waren das einzige, das noch zu hören war.

Aragorn lehnte sich stöhnend in seinem Sessel zurück. Die Augen seiner Frau waren gespannt auf ihn gerichtet. Sie sprachen einen stummen Vorwurf aus und der König konnte es gut verstehen. Er selbst wollte es kaum glauben, aber die Beweise, die Legolas belasteten, häuften sich sehr schnell. Man hatte seine Umhangklammer in dem kleinen Wäldchen vor Gondor gefunden. Und der schrecklichste aller Beweise, waren die fiebrigen Worte der jungen Kammerzofe. In großen Zeitabständen murmelte sie immer wieder Worte vor sich hin. Die Mädchen, die sie pflegten, hatten Aragorn sofort gerufen. Die Worte, die sie immer wiederholte und mit zitternder Stimme hervorbrachte waren: "Nicht!" und "Legolas" Sie hatten dem König Gondor den Rest der Hoffnung - sein Freund sei unschuldig - geraubt.

"Liebster. Zweifle nicht an deinem Freund. Warum sollte er der Frau und diesem armen Kind weh getan haben?" Endlich sprach sie die Frage aus, die ihn schon den ganzen Tag gequält hatte.

"Ich weiß nicht, was ich denken soll", wisperte er. Er war müde, erschöpft und fühlte sich ausgebrannt und leer. In Augenblicken wie diesen fühlte er, wie das Alter an seinen Knochen nagte.

"Er ist ein Elb und dein Freund. Außerdem hätte er keinen Grund gehabt, so etwas zu tun." Die Stimme der Königin war auf einmal scharf. Das Kind auf ihrem Schoß - in weiche Decken gewickelt - fühlte den Ärger seiner Mutter und begann zu weinen. Arwen schaukelte es liebevoll auf den Knien und es beruhigte sich schnell wieder.

"Verzeih", sagte sie. Aragorn wusste nicht recht, ob sie ihn oder ihren gemeinsamen Sohn meinte.

"Die Beweise sprechen eindeutig gegen ihn. Vielleicht wollte er Adamantiel vor der alten Frau beschützen. Er reagiert immer empfindlich, wenn es um dieses Mädchen geht. Er verhält sich immer gegen seine Art, wenn er mit ihr zusammen ist und ist sehr aufbrausend. Sie hat eine sehr schlechte Wirkung auf ihn.", brummte Aragorn erzürnt. Der ganze Ärger bestand nur wegen Gimlis Ziehtochter.

"Auch du hast die unmöglichsten Sachen getan, als du um mich warbst.", erinnerte seine Frau ihn sanft lächelnd.

"Denke doch nur an die Tiere. Kleine Vögel plustern sich auf, um dem Weibchen zu gefallen. Hirsche führen Kämpfe aus. Männer verhalten sich immer komisch, wenn sie verliebt sind." Sie streichelte liebevoll seine Hand.

"Aber Legolas ist sehr verändert", gab er zu bedenken.

"Was sagt dein Herz dir?", fragte sie. Eine unangenehme Stille trat ein.

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Als beide zu dem kleinen Wäldchen zurückgingen, schwiegen sie die ganze Zeit über und hingen ihren Gedanken nach. Ihnen war bewusst, dass das, was sie jetzt verband, keine Liebe mehr sein durfte. Adamantiel wusste es sogar noch besser als Legolas. Vielleicht würde sich jemand, der die Situation nicht kannte, wundern, warum sie seine Geliebte, aber nicht seine Frau sein konnte. Doch genau das war der feine Unterschied, wenn sie erreichen wollte, dass Legolas nach ihrem Tod weiterleben würde. Und sie würde sterben. Dafür würde sie schon sorgen. Sobald sie bemerken sollte, dass Luz mehr Macht erlangte, würde sie ihrem Leben ein Ende setzen. Aber sie musste sicher sein und deshalb würde sie Narwainion bitten, sie zu töten wenn sie die Macht über ihren Körper verlor.

Ohne ein weiteres Wort miteinander zu wechseln, legten sie sich schlafen. Die Anspannung, die in beiden herrschte, wurde durch einen ruhigen, gleichmäßigen Schlaf abgelöst.

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Diesmal war alles um sie herum schwarz. Nichts regte sich, kein Wind wehte. Die Elbin schlug die Augen auf und atmete tief durch. Sie wusste, wo sie sich befand und es war das erste Mal seit dem Vorfall mit der alten Frau, dass sie Luz wieder gegenüberstand. Vorher hatte er sie nur mit Erinnerungen ihrer Vorfahren gequält. Herzzerreißende Schreie, die sie ausstießen, wenn sie im Blut ihrer Familien erwachten und den Kummer und Hass, den sie empfanden, wenn sie feststellten, dass sie Leben in sich trugen und ihr eigenes erst beenden konnte, wenn das neue Leben geboren war.

"Du glaubst, es hilft wenn du ihn ignorierst?", säuselte er mit kalter Stimme. Sie wusste, worauf er anspielte. Natürlich hatte er ihr Gespräch verfolgt. Wie auch nicht, wenn er in ihrem Körper war?

"Es geht dich nichts an.", erwiderte sie entschlossen. Er war zwar immer noch mächtig, ihr überlegen und grausam, aber er hatte etwas von seinem Schrecken verloren und Adamantiel dankte Arwen von Herzen, dass sie ihr vieles erzählt hatte.

Der Rachegeist sah aus einer Mischung von Amüsiertheit und Verachtung an.

"Deine Gefühle wird diese Vereinbarung nicht ändern. Er wird durch deine Hand sterben. Aber keine Sorge, ich lasse dich zusehen." Ihr lief ein kalter Schauer über den Rücken. Wie konnte eine Seele nur so grausam werden?

"Ist es dir nicht endlich genug? Meine Vorfahren hast du unendlich gequält. Du hast so viele Leben vernichtet. Eines allein hätte deinen Tod gerächt. Du bist nichts weiter als ein schwacher Schatten, der die Welt nicht loslassen will.", fuhr sie ihn an. Wie sehr sie mit ihrer Behauptung recht hatte, wusste sie nicht. Im nächsten Moment stand er direkt vor ihr und ließ eine Hand an ihre Kehle schnellen.

"Ich bin so mächtig, dass ich deine Seele aus diesem Körper verdrängen kann. Du bist die erste, bei der ich diese Möglichkeit sehe. Die anderen waren stark und haben am Leben festgehalten. Sie sind erwacht, nachdem ich meine Rache vollendet habe. In dir aber, werde ich mein geraubtes Leben auf dieser Erde fortführen. Du kannst gern in Mandos' Hallen wandeln. Ich will es nicht. Das Leben war so süß, als ich es verlassen musste." Sein kalter Atem streifte ihr Ohr. Sie hielt die Luft an, um sich nicht die Blöße eines Röchelns zu geben. Doch mit einem Mal brach ihr der Angstschweiß aus. Das war es, was er vor hatte. Er wollte ihren Körper in Besitz nehmen! Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie spürte selbst, wie schwach sie war. Diese Schwäche war unerträglich. Sie schmerzte in ihrem Körper. Ihr Herz raste, denn ihre Lungen lieferten kein frisches, mit Sauerstoff angereichertes Blut mehr.

"Adamantiel. Stell dich ihm furchtlos entgegen. Deine Angst ist es, die ihn stark sein lässt." Arwens Stimme war klar und deutlich in ihren Gedanken. Sie meinte sogar, einen schwachen Lichtschimmer zu erkennen. Wie recht die Königin der Menschen doch hatte! Sie würde Luz vielleicht nicht besiegen, aber ihm wiederstehen können. Entschlossen und mit letzter Kraft packte sie seine Arme und versuchte sie auseinander zu ziehen.

"...tiel! Adamantiel bleib ruhig!"

Sonnenschein kitzelte ihre Nase und drang unsanft in ihre Augen ein. Verwundert sah sie Narwainion an, der über ihr kniete. Anscheinend hatte sie wieder einmal wild um sich geschlagen. Sie ließ seine Arme los und sah ihn verlegen an. Dann besann sie sich und lächelte.

"Tut mir leid. Diese ständigen Alpträume sind echt lästig." Sie erhob sich. Narwainion sah sie undurchdringlich an und reichte ihr dann wortlos eine Tasse warmen Tees. Er roch gut. Sie nahm ihn dankend entgegen und trank ihn durstig. Es tat gut und ließ sie die Aufregung ihres Traumes vergessen.

"Wo sind Legolas und Luferion?", fragte sie interessiert. Heimlich war sie enttäuscht darüber, dass Legolas ohne ein Wort verschwunden war.

"Es ist nicht mehr weit nach Ithilien. Legolas ist vorrausgeritten. Er sagte etwas von Organisation der Siedlung." Adamantiel musste wehmütig lächeln. Er wollte ihr also aus dem Weg gehen. Sie seufzte. Sicher hätte sie genauso gehandelt wie er, wenn er sie so verletzt hätte.

"Aha. Und Luferion?" Es war merkwürdig mit Narwainion allein zu sein. Irgendwie fühlte sie sich nicht wohl in seiner Gegenwart. Sicher lag es daran, dass er wusste, was zwischen ihr und Legolas gewesen war. Und es beschämte sie leicht.

"Er ist auf der Jagd nach unserem Frühstück." schmunzelte Narwainion. Dann deutete er auf die Tasse.

"Du musst alles austrinken. Das hilft." Sie nickte und befolgte seine Anweisungen. Dann entdeckte sie plötzlich einen wilden Eber am Rand der kleinen Lichtung. Fragend sah sie den älteren Elben an.

"Er verfolgt uns schon die ganze Zeit. Seit wir von Gondor aufbrachen. Er ist ein treues Tier." Die Elbin nickte und widmete sich wieder ihrem Tee.

Sie erinnerte sich noch genau an den Tag ihrer ersten Begegnung mit dem Elben, der einen Eber zum Freund hatte. Das Tier hatte ihr damals das Leben gerettet, als sie in den Wald geflüchtet war. Sie lächelte spöttisch. Auch damals war es schwierig zwischen ihr und Legolas gewesen. Gestern Nacht hatte sie die Hoffnung jedoch aufgegeben, dass ihr ständiges Versteckspiel irgendwann einmal aufhören würde.

"Ich gehe zum Bach.", sagte sie und sprang auf. Sie musste die Gedanken an Legolas verdrängen.

"Ich begleite dich. Man kann ja nie wissen.", bot sich Narwainion an. Sie musterte ihn zunächst überrascht, dann lachend. Sie beobachtete, wie er etwas zu seinem Eber sagte, der sich daraufhin entfernte und ging dann munteren Schrittes voran.

"Ja ist gut. Aber sieh zu, dass du woanders bist, wenn ich ein Bad nehme. Ich stinke wie ein Erdschwein." Er lachte über diese Äußerung und gemeinsam gingen sie zum Bach.

Sie brauchten nicht lange, denn das Wäldchen war klein. Adamantiel wunderte sich sowieso, wo das Wasser herkam. Es musste eine unterirdische Quelle geben.

Sie kniete am Ufer nieder und tauchte beide Hände in das kühle Nass. Befreit aufatmend schloss sie die Augen und genoss die leichte Strömung, die um ihre Finger wirbelte. Auf einmal bemerkte sie etwas an ihrem Bein. Adamantiel öffnete schlagartig die Augen und weitete sie vor Entsetzen. An ihrem Bein und um sie herum saßen fünf teekesselgroße Spinnen. Sie hatten daumengroße acht Augen und waren dunkelbraun behaart. Doch das Entsetzlichste war der lange Stachel, der noch einmal so groß war wie die Spinne selbst. Sie erstarrte. Wo kamen die her?

"Narwainion?" Ihr Hilferuf klang kläglich. Doch der Elb hörte ihn.

"Keine Angst, die sind nicht giftig, auch wenn sie beißen.", antwortete er, kam jedoch näher um ihr zu helfen.

Die Spinne an ihrem Bein nahm seine Bewegung wahr und ehe die kleine Elbin ausweichen konnte, spürte sie, wie sich ein großer Stachel schmerzhaft ins Fleisch bohrte. Ein entsetzter Schrei entfuhr ihr und sie plumpste kopfüber in den Bach. Als sie prustend aus dem Wasser auftauchte, sah sie, wie der Eber die ekligen Tiere fortjagte. Narwainion hielt ihr eine Hand hin. Sie ergriff sie und ließ sich aus dem Wasser ziehen. Dann hieß er sie, sich zu setzen und besah sich den Einstich. Er war groß. Blut sickerte aus der Wunde und es brannte.

"Und du bist sicher, dass er nicht giftig ist?", fragte sie zweifelnd und grün vor Angst. Der Elb nickte ernst und sah ihr in die Augen.

"Diese Spinnen durchbohren ihre Beute mit dem Stachel und spießen sie auf. Sie benutzt kein Gift", tröstete er. Dann riss er ein Stück seines Umhangs ab um Adamantiel zu verbinden. Sie verkniff sich die Tränen.

Als der Elb wieder aufsah, hielt er plötzlich überrascht inne. Mit den nassen Haaren, die an ihren Wangen klebten und dem trotzigen Blick, mit dem sie den Schmerz zu überspielen versuchte, erinnerte sie ihn an ihre Mutter.

"Jiona!", entfuhr es ihm. Adamantiel vergaß ihren Schmerz für kurze Zeit und starrte ihn überrascht an.

"Was?", fragte sie ihn leise. Er schien in Gedanken zu sein. Er schüttelte leicht den Kopf.

"Nichts, tut mir leid. Aber du erinnerst mich gerade an meine geliebte Tochter.", erklärte er ihr und widmete sich wieder dem Verband, den er der Elbin umlegte. Adamantiel war sprachlos. Narwainion war Vater? Aber...Gut, bedachte man sein geschätztes Alter war es sehr gut möglich, aber es war das erste Mal, dass er etwas von sich erzählte.

"Du hast eine Tochter?", löcherte sie ihn aufgeregt. Er stockte kurz in seiner Bewegung und sah sie seltsam an. Ihm war plötzlich klar, dass er sich um ein Haar verraten hätte.

"Ich habe sie seit langer Zeit nicht mehr gesehen.", antwortete er knapp.

"Oh." Adamantiel spürte, dass ihn dieses Thema zu bedrücken schien und legte mitfühlend eine Hand auf seine Schulter.

"Aber du erinnerst dich gerne an sie. Das sieht man. Sicher seht ihr euch irgendwann wieder." Er sah ihr Lächeln, das Strahlen ihrer Augen und erkannte, dass sie einmal ebenso schön und anmutig werden würde wie Jiona. Verbittert schüttelte er den Kopf.

"Wir haben uns gestritten und dann sie musste gehen." Er sagte es in einem eher gleichgültigen Ton. Adamantiel sah in irritiert an. Soeben hatte er noch mit einer Herzlichkeit gesprochen, die ihr nahe gegangen war.

"Nein." Er sagte es mit einer Bestimmtheit, die sie verunsicherte. Die Elbin wusste nicht, welche Worte sie finden konnte, um ihn zu trösten und umarmte ihn deshalb kurz aber innig. Narwainion versteifte sich. Gefühle, die er längst vergessen geglaubt hatte, stürmten auf ihn herein. Sie brachten alles durcheinander. Er schob das Mädchen entschlossen von sich und erhob sich.

"Die Wunde verheilt schnell wieder. Wasch dich am besten jetzt, wir müssen aufbrechen, sobald Luferion zurückkommt." Dann entfernte er sich. Er spürte ihre fragenden Blicke und beschleunigte seine Schritte. Sie hatte es fertig gebracht, dass er kurz an seinem Plan gezweifelt hatte. Auf einmal hatte sie sein gesamtes bisheriges Handeln mit einer einzigen innigen Umarmung in Frage gestellt. Sie ähnelte seiner Tochter auf grausame Art und Weise. Er ballte die Hände zu Fäusten. Das Schicksal dieses Kindes war vorherbestimmt, aber er würde alles tun um Jiona zu beschützen. Und sei es dass er dafür ihre eigene, einzige und geliebte Tochter töten musste.

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Fortsetzung folgt!!!

Jap. Ein ganz böser Cliffhanger...-devil lach- Ich find es selbst kindisch, aber hier möchte ich viele Kommis sehen. ' muahaha Bitte kritisieren, Verbesserungsvorschläge, Lob ect anbringen. Das Kapitel ist mir wirklich besonders wichtig. Eines der wichtigsten überhaupt. Deshalb BITTE Feedback!!

Weitere Wünsche hab ich nicht ;-)

Ganz liebe Grüße

knuddelt alle ganz lieb

Eure Sleepy Bird