Laurie Lantar Lassi Surinen
Adamantiel oeffnete die Augen. Komisch, warum sah sie nichts als weiss? Sie schloss die Augen noch einmal und oeffnete sie dann wieder. Irgend etwas war hier nicht richtig. Wohin sie auch sah, sie sah nichts als blendendes weiss. Traeumte sie?
"Wie fuehlt es sich an, das weite Nichts?" Sie musst sich nicht einmal umdrehen, um zu wissen, zu wem die Stimme gehoerte. Luz, der Mann mit den eiskalten Augen und dem schneeweissem Haar. Sie drehte sich nicht um. Vielleicht, um so zu tun, als waere er nicht existent.
"Du kannst mich nicht ignorieren." Ihr entfuhr ein spitzer Schrei, der dumpf vom weiss verschluckt wurde. Ploetzlich stand er vor ihr und starrte in ihre Augen.
"Was willst du von mir?", fragte sie resignierend. Ein Lachen entfuhr ihm, genuesslich und grausam. Er breitete die Arme aus, als wollte er auf etwas deuten.
"Dich in meiner Welt willkommen heissen, kleine Adamantiel. Das was du siehst, ist alles was ich habe, seit mich dein Vorfahr getoetet hat. Dies ist die Welt, in der ich ueberdauer, bis ich durch die Geburt eines goldenen Blattes wieder meine Moeglichkeit zur Rache erhalte." Er klang verbittert aber gleichzeitig auch gelangweilt. So als ob er diese Geschichte nicht zum ersten Mal erzaehlte.
"In der Tat bist du, wie du mittlerweile wissen solltest, nicht die einzige, die ich hier willkommen heisse. Es gab natuerlich schon etliche vor dir…" Er hielt inne, um sie amuesiert anzusehen und dann den Arm in eine Richtung auszustrecken. Sie folgte widerwillig seinem Wink und entdeckte in nicht allzu weiter Entfernung einen grauen Baum, an dem ein einziges Goldenes Blatt hing. An seinem Stamm schimmerten hunderte kleine Punkte. Uberrascht streckte Adamantiel die Hand aus, als sie merkte, dass sie sich ploetzlich direkt vor dem Baum befand. Luz war wieder direkt neben ihr, er schien leicht verwirrt zu sein. 'Das sind Diamanten' fuhr es ihr durch den Kopf.
"Das sind all jene Vorfahren, die ich schon vor dir hierher gebracht habe. Es ist ihnen verwehrt, in die Ewigen Hallen einzugehen. Immerhin haben sie ihre Familie getoetet." Er lachte wieder so, dass Adamantiel eine Gaensehaut verspuerte.
"Warum bringst du es nicht schnell hinter dich?" fragte sie erschopeft. Sie hatte genug. Sie fuehlte sich schwach, unsicher und verlassen. Das Gift der Spinnen, hatte zudem Halluzinationen hervorgerufen, in denen sie Narwainion sah, der ihr einen Becher mit gruenem Gebraeu zu trinken gab. Darauf hin hoerte sie den Schrei eines sterbenden Kindes. Immer und immer wieder. Aber das konnte nicht sein. Nicht auch noch Narwainion!
"Das waren keine Halluzinationen, meine Liebe." Sie blickte irritiert auf. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass er anscheinend ihre Gedanken lesen konnte.
"Du bist so naiv und stumpfsinnig, dass es fast schon langweilig ist, von dir Besitz zu ergreifen."
ADAMANTIEL POV
Irgendwie hatte er ja recht mit seiner Einschaetzung. Was machte meinen Charakter denn schon aus? Vorlaut, vorschnell und zickig, wuerde es am besten beschreiben. Ich war nicht wirklich liebenswuerdig sondern ein stacheliger Besen, wenn sich mir jemand emotional naehern wollte. Und ich vertraute anscheinend den falschen Personen. Warum nicht auch jetzt?
"Dein Unterbwusstsein weiss schon lange, das der Tee, den dir Narwainion gegeben hat, mit dem Tod deines Kindes zu tun hat. Und ich habe es dir nur vor Augen gefuehrt."
Ich seufzte. Klar. Wieder jemand, der mich verriet. Aber irgendwie schmerzte es besonders, dass auch Narwainion dazu gehoerte.
"Warum quaeltst du mich mit diesen Dingen? Warum bringst du es nicht einfach hinter dich?"
Er sah mich berechnend und kalkulierend an. Ploetzlich wurde sein Gesicht weicher und der gefaehrliche Glanz seiner Augen wich einem Gefuehl, das ich nicht einordnen konnte.
"Siehst du das Blatt dort am Baum haengen?" Ich nickte, da es das letzte seiner Art war, war es nicht zu uebersehen. Doch anscheinend wollte er nicht weiter darauf eingehen.
"Dieser Ort, das was du hier siehst… du koenntest alles was du willst hier manifestieren. Das hier ist dein Bewusstsein. Deine Vorfahren wussten das und sie wussten, dass sie mich hier bekaempfen koennen." Ploetzlich manifstierten sich Pfeil und Bogen und ein Koecher vor seinen Fuessen. Er hob sie auf, und spannte den Bogen, mit einem goldenen Pfeil zwischen seinen Fingern. Ich starrte ihn nur an und wusste nicht, was ich tun sollte. Ich fuerchtete mich vor ihm. Woher kam er und warum gab es ihn? Was war dieser Fluch? Warum wollte er mich und meine Familie quaelen?
Ein leises Surren schnitt durch die Luft und ich spuerte einen brennenden Schmerz auf meiner rechten Wange. Ich beruehrte sie mit einem meiner Finger und fuehlte die Feuchtigkeit meines Blutes. Irritiert sah ich ihn an.
"Mit diesem Blatt, einem deiner Kinder, wird der Fluch enden. Einhundert Mal habe ich dann meine Rache veruebt. Leider verschwinde ich wieder aus dem Bewusstsein, sobald das Blutbad beendet ist. Was ich aber wirklich will, ist zu leben. Ich will das Leben zurueck, das mir genommen wurde. Aber jedes Mal wurde ich getoetet. Ich wurde gehasst. Deine Vorfahren waren charakterlich und physisch sehr stark und irgendwann gewannen sie die Oberhand ueber mich." Er nahm mein Kinn zwischen die Finger und strich mit dem Daumen sanft ueber meine Wange. Dabei verwischte er das Blut.
"Ich will leben. Das einzige was ich je wollte, ist das Leben" fluesterte er beinahe verzweifelt und sah mir tief in die Augen.
"Wenn dieses Blatt geboren wird, verschwinde ich und loese mich in ewigem Nichts auf. Ich koennte dich hier und jetzt besiegen, aber was soll ich mit deinem Koerper? Auch dein Bewusstsein wird mich irgendwann wieder an diesen Ort verbannen. Dein Leben reizt mich nicht. Aber ich schlage dir einen Handel vor."
Keine POV
"Narwainion", fluesterte der Zwerg aufgeregt und umfasste seine Axt fester. Zugleich fragte er sich, warum er ueberhaupt eine Waffe trug, immerhin war das Adamantiel, seine Tochter. Er koennte ihr nie etwas boeses tun. Auch wenn Narwainion der Meinung war, dass es keinen anderen Weg gab, als sie zu toeten, hatte sich Gimli ihm nur angeschlossen, um einen Ausweg zu finden. Es musste einen Weg geben, Adamantiel von diesem Fluch zu befreien.
"Ich sehe sie! Sie sitz dort vorn in einem Felsspalt beim Wasserfall… Narwainion?" Mist. Anscheinend hatten sie sich auf dem Weg durch den Wald verloren. So wie es aussah, hatte Adamantiel die Augen verschlossen. "Seit wann meditiert die denn?" murmelte er in seinen bauschigen Bart. "Bestimmt wieder so ein Elben Hokus Pokus. Konnten diese Spitzohren ihr denn nichts Gescheites beibringen?"
Er naehrte sich vorsichtig seine Ziehtochter, denn er wollte auf gar keinen Fall provozieren, dass er vielleicht Luz zutage rief. Was er wollte, war mit Adamantiel zu sprechen. Das entsprach zwar nicht den Abmachungen zwischen ihm und Narwainion, aber der Elb war gerade eh nicht anwesend.
Er hatt sich ihr fast genaehrt, als er ein Rascheln hinter sich hoerte. Alarmiert drehte er sich um und entdeckte den Elb mit seinem Eber.
"Aus dem Weg, Zwerg." Zischte er. Gimli war einen Moment unschluessig. Doch dann sah er die Pfeilspitze im Mondschein aufblitzen.
"Spinnt Ihr!?" zischte er erbost und intuitiv stellte er sich direkt in die Schusslinie. Dabei erwischte er einen der vielen kleinen trockenen Aeste und es knackte lustig unter seinen Fuessen. Das provozierte ein Fauchen hinter ihm. Er schnellte herum und sah gerade noch eisblau leuchtende Augen. Dann ueberschlugen sich die Ereignisse. Adamantiel sprang in katzengleichen Saetzen nach vorn und wurde dann ploetzlich nach hinten gerissen. Entsetzt registrierte Gimli, dass ein Pfeil in ihrer linken Seite steckte.
Nein Nein Nein NEIN! Das kann nicht sein! Er darf sie nicht toeten! Wieder halbwegs Herr der Situation, warf sich der Zwerg schuetzend vor die am Boden liegende Adamantiel.
"Du Irrer! Du bringst sie um!", schrie er in Narwainions Richtung.
"Aus dem Weg, Zwerg, oder ich werde auch dich toeten! Ich werde nichts unversucht lassen, um meine Tochter zu retten." Gimli verstand zwar absolut nicht, was das mit Narwainions Tochter zu tun hatte, bewegte sich aber nicht von der Stelle. Aber anscheinend, mobilisierten die Worte sein Pflegekind, denn dessen Kopf schnellte nach oben, die Augen noch immer eisblau. Gimli schreckte unwillkuerlich zurueck.
"Hatte ich es mir doch gedacht." Ihre Stimme klang so befremdlich und kalt, dass Gimli ein Schauer ueber den Ruecken lief. Zudem war ihr Laecheln zu einem eisigen Grinsen verzerrt.
"Adamantiel…?" Doch sie schien ihn nicht zu hoeren und nur Augen fuer Narwainion zu haben, der bereits den naechsten Pfeil angelegt hatte. In einer fliessenden Bewegung schnellte sie zwischen die Baeume. Narwainion fluchte leise, und raste ihr wie ein Schatten hinterher. Gimli blieb allein mit seiner Axt am Wasser zurueck. Selbst der Eber war verschwunden. Aber er konnte nicht zulassen, dass dieser Irre seiner Adamantiel etwas tat! Selbst dann, wenn sie nicht mehr sie selbst war. Wo waren nur diese verfluchten Spitzohren, wenn man sie mal brauchte?
Narwainion POV
Er ist schnell, aber nicht schnell genug. Ich krieg dich noch du kleiner mieser Geist. Wegen dir wurde meine Familie zerstoert. Wegen dir verachtet mich meine eigene Tochter. Du denkst, du kannst dich verstecken? Hah…ich habe Jahrhunderte mehr Erfahrung als du…
"Hey Grossvater." Ich schoss einen Pfeil in die Richtung aus der die Stimme kam. Einmal hatte ich ihn schon getroffen. Ein leises Lachen vermischt mit einem leichten Keuchen verriet mir aber, dass ich diesmal verfehlt hatte. Waere der Zwerg nicht im Weg gewesen, waere alles schon vorbei! Ich haette ihn niemals einweihen sollen. Aber ich dachte, dass ich durch ihn notfalls naeher an Adamantiel herankomme. Leider ist die Verwandlung schon geschehen. Luz hat die Kontrolle uebernommen. Adamantiel, du warst eines der schwaechsten Opfer. Du wirst nie an meine Tochter herankommen. Warum sollte sie sterben, damit du leben kannst?
"Ich hatte schon vermutet, dass du ein Verwandter sein musst. Warum sonst haette sich ein so fremder Elb so ruehrend um sie gekuemmert? Aber spaetestens als du ihr den Trank gegeben hast, da wusste ich, dass ich es mit einem Verwandten zu tun hatte. Aber das du mich gleich toeten willst…Das ist uebrigens nicht mehr noetig. Der Fluch hat sich geloest."
"Sei still du verlogenes Monster. Dir zu vertrauen ist etwas, das ich nie in meinem Leben tun werde. Du hast mir alles genommen. Meine Tochter, meine Familie. Deine Rachegedanken sind zerstoererisch und es darf ein fuer allemal nicht mehr so weiter gehen. Ich werde den Fluch auf die einzige Art brechen, auf die es moeglich ist. Und das ist, dich zu toeten."
"Dann hast auch du der alten Frau das Amulett gegeben. Um mich zu staerken und dazu zu bringen, ein Massaker anzurichten. Du wolltest, dass Adamantiel hingerichtet wird, fuer die Dinge die geschehen sollten."
"Leider war der Prinz schneller als ich. Legolas hat mir durchaus immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht."
"Ich glaube, in der Form bringt es nichts…" Ich lauschte angestrengt in die Nacht. Wo befand sich Luz? Der naechste Schuss musste treffen. Ich versteckte mich vorsichtshalber hinter einem Baumstamm.
"Narwainion…?" So also wollte er mich kriegen. Mit Adamantiels Stimme. Sie befand sich weiter rechts von mir. Und etwas oberhalb. Also sicher auf einem der ersten Aeste…Ich schwieg. Immerhin sollte ich meine Position jetzt nicht mehr verraten.
"Narwainion bitte. Es ist vorbei. Luz wird nicht mehr toeten. Du musst mich nicht mehr toeten."
Sie hoert sich traurig an. Mein Herz klopft schneller. Irgendwie ist ihr Ton mir so vertraut. Denk an Jiona! Da…sie sitzt mit dem Ruecken zu mir auf einem der ersten Aeste. Jetzt habe ich dich, Kleines. Jetzt nur schoen ruhig, damit auch ja nichts schief geht. Sie sieht geschwaecht aus. Vielleicht hat sie schon viel Blut verloren. Gut so, dann wird sie eine zweite Wunde nicht ueberstehen.
Ich lege an, spanne den Bogen,…
"Jiona!"
Keine POV
Tausend Sterne explodierten vor Narwainions Augen, dann glitt er geraeuschlos zu Boden und regte sich nicht mehr. Gimli stand keuchend ueber ihm und sah triumphierend aber auch gleichzeitig verwundert auf den am Boden liegenden Elb. Wieso bei Aule, hatte er ihn nicht kommen hoeren? Er hatte so gestampft und geschnauft, dass er dachte, der Wald wuerde in ein Erdbeben uebergehen.
"Gimli!" Seine Tochter glitt in einer schwankenden Bewegung von einem der Baeume ein paar Hundert Meter weiter und stolperte auf ihn zu. Unsicher zog der Zwerg die Axt aus dem toten Koerper. Er hatte keine Wahl gehabt. Er konnte nicht riskieren, dass dieser Irre Adamantiel irgendwie schadete. Aber war es jetzt sie selbst, oder der Rachegeist.
"Bleib mir fern!" Er zueckte seine Axt. Das Maedchen blieb stehen. Blass sah sie um die Nase aus.
"Wo gehen die Zwerge ihre Geschaefte machen?" fragte er blitzschnell.
"Auf Baeumen." Kam die Antwort ebenso schnell zurueck. "Aber das wuerde Luz auch wissen, Papa. Er kennt all meine Gedanken und Gefuehle."
"Und woher soll ich wissen, dass du nicht mordend um dich schlaegst?"
"Reicht es dir, wenn ich dir sage, dass ich es bin und der Fluch ein Ende hat?"
Sie ging vor ihm in die Knie und er sah in ihre schoenen gruenen Augen, die ihn warm ansahen. In diesem Moment liess er die Axt sinken und schloss sie in seine Arme.
"Komm her du boeses Kind", grunzte er und hoffte, dass sie seine Traenen nicht heraus hoeren konnte.
"Uh! Du zerdrueckst mich." Gimli liess sofort los, und sah die Wunde an. In ihrer Seite steckt noch immer der Pfeil. Blut sickerte durch.
"Wir muessen dich schnell in die Kolonie bringen!", sprach Gimli ausser sich. Adamantiel nickte schwach und versuchte zu laecheln. Dann brach sie mit einem Mal zusammen.
"Adamantiel! Bei Aule! Wie soll ich dich denn tragen? Sieh dich an Kind. Oh weh…" Auf einmal kniete eine Gestalt neben ihm nieder.
"Keine Sorge mein Freund. Wir werden sie schon wieder aufpaeppeln."
"Aragorn!" entfuhr es Gimli ueberrascht. Er hatte nicht gewusst, dass Aragorn sich in Ithilien befand. Aber es war nicht die richtige Zeit, um Fragen zu stellen. Schnell und wortlos half er seinem Freund, das Maedchen auf das Pferd zu legen, das in ein paar Metern Entfernung stand.
"Bis in die Kolonie ist es zu weit. Wir muessen den Pfeil noch hier aus der Wunde ziehen und die Blutung stoppen. Erst dann koennen wir sie den langen Weg zurueck bringen."
"Dann lass uns zum Wasser gehen, dort auf der Lichtung koennen wir sie besser versorgen", schlug der Zwerg vor. Aragorn stimmte sofort zu und sie begaben sich langsam auf den Weg. Adamantiel stoehnte.
"Wie hast du uns gefunden?" Aragorn laechelte sein weises, gutmuetiges Laecheln. "Gimli… Dich hoere auch ich als Mensch kilometerweit. " Daraufhin stiess ihm Gimli gutmuetig gegen die Huefte.
"Dieser Elb hat mich nicht gehoert. Ich verstehe gar nicht warum." Elessar runzelte die Stirn. Er hatte Narwainions Koerper kaum Beachtung geschenkt. Jetzt war es wichtiger, Adamantiel zu versorgen.
"Vielleicht war er so von der Idee besessen, Adamantiel zu toeten, dass er auf nichts anderes mehr geachtet hat.", sinnierte Gimli weiter.
"Da kannst du recht haben, mein Freund." Gimli seufzte tief. Schnell luden sie die junge Elbin am Wasser ab und legten sie auf eilig zusammen gesuchtes Laub und Moos.
"Gimli. Ich brauche dein Hemd als Verband. Und bring mir die Flasche, die in der Satteltasche ist. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Sie hat sicher innere Blutungen. Der Pfeil hat ihr Herz knapp verfehlt. Wir koennen nur beten, dass er keines der anderen Organe getroffen hat. Ich werde den Pfeil abbrechen. Wir muessen ihn noch stecken lassen. Es sieht schlechter aus, als ich dachte." Gimli rannte sofort los, um Aragorn die gewuenschten Dinge zu bringen. Als er zurueck kam, war Adamantiel gerade wieder bei Bewusstsein.
"Papa…? Warum…? Narwainion…" ihre Lider flatterten. Gimli und Aragorn warfen sich einen kurzen Blick zu.
"Schhhht Kind. Du solltest jetzt nicht sprechen. Wir bringen dich in die Kolonie, damit du wieder gesund wirst." Sofort fielen Adamantiels Augen wieder zu. Sie befand sich wieder in der schneeweissen Welt.
60 Jahre spaeter…
"Mutter. Warum brechen wir in die Unsterblichen Lande auf?" Die schoene Elbin seufzte und sah ihren aeltesten Sohn schwermuetig an. Mittlerweile waren 60 Jahre vergangen. Eine lange Zeit, in der sie und ihr Mann die Elbenkolonie in Ithilien zu einer bluehenden Handelsstadt mit den Menschen aufgebaut hatten. Anors eisblaue Augen fixierten sie. Manchmal fragte sie sich, ob er irgend etwas wusste, dass ihn Albtraeume plagten. Aber sie hatte sich nie getraut, das Thema Luz anzusprechen. Er wuerde schon mit ihr sprechen, sobald er bereit war.
"Weil Koenig Elessar ein sehr enger Freund deines Vaters war. Und nun der einzige Grund, warum er noch in Mittelerde verweilte, mit ihm gegangen ist. Koenigin Arwen wird aufgrund des Bundes, den sie mit ihm eingegangen ist, auch bald nicht mehr sein. Somit haelt Legolas nichts mehr hier."
"Ja, aber warum muss ich unbedingt mit?"
"Weil du einen neuen Teil deiner Familie kennen lernen wirst." Erwiderte sie. Sie war wirklich aufgeregt und trommelte mit den Fingerspitzen auf die Reeling. Sie konnte sich gar nicht wirklich vorstellen, wie ihre Eltern waren. Nachdem ihre Wunden verheilt waren und Narwainion begraben worden war, hatten Legolas und Aragorn ihr alles erzaehlt was sie wussten. Aragorn hatte Nachforschungen angestellt, und herausgefunden, dass Narwainion eine Tochter hatte, die Jiona hiess. Sie und ihr Mann hatten Mittelerde vor ueber 70 Jahren verlassen. Sie war sich aber nicht sicher, ob sie Narwainion damit beauftragt hatten, das Kind extra in weitem Abstand zu haben, damit der Fluch sie nicht traf. Das war eines der Dinge, die sie herausfinden wollte, nachdem sie ihre Eltern getroffen hatte und ihr krampfte sich der Magen vor Aufregung zusammen. Was sie wohl sagen wuerden? Wuerden sie sie mit offenen Armen empfangen oder von sich weisen, weil sie sie fuerchteten?
"Ich habe Angst, sie zu treffen." Verwirrt sah sie ihren Sohn wieder an. Er schien sehr aufgewuehlt zu sein und als sich ihre Augen trafen, verstand sie ploetzlich, dass er sich an alles erinnerte. Mit all der muetterlichen Liebe, die sie aufzubringen in der Lage war, legte sie ihm die Hand auf die Schulter.
"Anor. Das alles ist nicht deine Schuld." Sagte sie in bestimmtem Ton. Doch der Blick den er ihr zuwarf strafte sie Luegen und sie wusste, dass das eben Gesagte nicht richtig war. Dennoch empfand sie es als ihre Pflicht, ihrem Sohn zu zeigen, dass sie ihn aufrichtig liebte.
"Weisst du…Jahr fuer Jahr kommen neue Traeume, und ich weiss, dass sie wahr sind. Je mehr ich weiss, desto mehr frage ich mich, wie du mich je lieben konntest." Die Worte zerrissen ihr fast das Herz. Er machte sich schwere Vorwuerfe wegen des Todes so vieler Elben ihrer Familie. Diese Morde hatte der Rachegeist Luz tatsaechlich begangen. Und mit dem Handel, ihr naechstes Kind zu beseelen und dadurch den Fluch sofort enden zu lassen, hatte er sie gezwungen, ihm ein neues Leben zu schenken. Damals war sie darauf eingegangen, da sie diesen schrecklichen Fluch beenden wollte, hatte sich aber immer gefragt, ob es richtig gewesen war, auf diesen Handel einzugehen. Zweifel plagten sie bis sie wieder schwanger wurde und Anor irgendwann in ihren Armen lag. Ein kleines unschuldiges Baby, das sie vom ersten Atemzug an von Herzen liebte. Warum war das Schicksal nur so grausam und gab ihrem Sohn die Erinnerungen an die Existenz als Rachegeist wieder. Das hatte er nicht verdient.
"Du bist mein Sohn und ich liebe dich. Was geschehen ist, ist nun einmal nicht zu aendern. Dir ist viel Unrecht widerfahren und die Erinnerungen scheint dir Eru als Strafe auferlegt zu haben. Aber du allein kannst entscheiden, wie du damit umgehst. Wichtig ist, dass du weisst, dass es fuer immer unser Geheimnis bleiben wird, wenn du es willst." Er laechelte ihr liebevoll zu und sie umarmte ihn. Eine ganze Weile schon war er nun viel groesser als sie sodass sie sich auf Zehenspitzen stellen musste, um nicht nur seine Huefte zu umarmen.
"Es ist immer wieder ruehrend, Mutter-Kind Beziehungen zu beobachten!" donnerte es ueber das Deck des Schiffes. Anor loeste sich langsam von seiner Mutter und grinste seinem Adoptiv-Grossvater entgegen.
"Zum Glueck sieht man uns nicht an, dass wir verwandt sind." Schoss er zurueck. Gimli lachte schallend.
"Dein Sohn ist ein richtiges Schlitzohr, Legolas. Nicht so ein Milchbubi wie du es bist." Bei diesen Worten stiess er dem Elben, der gerade neben ihn trat, mit dem Ellbogen neckisch in die Oberschenkel. Dieser laechelte melancholisch. Aragorns Tod, belastete ihn noch immer, bemerkte Adamantiel. Sie streckte die Hand nach ihm aus und er kam bereitwillig zu ihr und drueckte ihr einen Kuss auf die Stirn.
"Mir gefiel unsere jahrzehntelange Funkstille besser mein Freund. Als du nicht mehr mit mir sprachst. Bis zu unserer Hochzeit." Er lachte und drueckte seine Frau zaertlich an sich. Gimlis Miene verduesterte sich bei diesen Worten etwas. Adamantiel erinnerte sich noch gut daran. Sie hatte Gimli schier anbetteln muessen, zu Ihrer Hochzeit zu kommen. Er war strikt dagegen. Legolas' Vertrauensbruch hatte die Freundschaft tief geschaedigt. Dass Legolas auch nicht dabei gewesen war, als Adamantiel fast von Narwainion getoetet wurde, war noch erschwerend hinzu gekommen. Erst mit Anors Geburt schien das Eis zu schmelzen und die Freundschaft entwickelte sich wieder zoegerlich. Gimli war mit seiner Frau in die Naehe von Ithilien gezogen, um naeher bei Adamantiel sein zu koennen. Er hatte sich Timpetu irgendwann als Reittier auserkoren. Es hatte Adamantiel sehr geschmerzt, von dem Kleinen Abschied zu nehmen. Dabei war er schon riesig. Nur leider war er immer ein grosser Einzelgaenger geblieben. Er wuerde sie auch sehr vermissen.
'Wie Jiona wohl reagieren wird, wenn sie erfaehrt, dass ihr Vater getoetet wurde' Bei diesem Gedanken wurde Adamantiel mulmig.
Epilog
Nach all den Jahren der Zweifel, der Sehnsucht und des Schmerzes bist du endlich wieder zu uns zurueck gekehrt. Mein Wunsch ist in Erfuellung gegangen…Kleine Adamantiel…Diamantentochter, geboren mit dem Fluch des Goldenen Blattes. Nun bist du erwachsen mit einem wunderschoenen Sohn an deiner Seite. Ich werde meinen Vater nie verstehen koennen. Mein Herz schlaegt schwer, denn ich habe nie versucht ihn zu verstehen und dadurch kann ich ihm auch noch heute nicht verzeihen, dass er mir dich, meinen teuersten Schatz, wegnahm. Verachtung schlaegt in meinem Herzen, wenn ich an ihn denke. Und dennoch auch Verachtung gegen mich selbst, da ich ihn tief in meinem Herzen noch immer liebe und ihm nicht verzeihen kann. Es ist traurig, dass er so sterben musste. Das Leben geht weiter. Verlust und Gewinn. Schmerz und Freude teilen sich den Lauf des Lebens. Wie Gold fallen die Blaetter im Wind…bis sie auf dem Boden vertrocknen und in anderes Leben uebergehen. Keiner kennt die Wege Erus. Laurie lantar lassi surinen.
Nachwort
An alle, die diese Story ueber 10 (!) Jahre hinweg treu verfolgt haben mit ihrer Favorisierung, ihren Kommentaren und der unendlichen Geduld, bis ich sie endlich fertig gebracht habe: Vielen herzlichen Dank fuers Lesen! Ich bin ich unbeschreiblich dankbar. Es hat Spass gemacht, auch wenn ich wirklich gegen Ende nicht mehr wusste, wie ich das Ende gestalten moechte / soll. Ich mag Friede Freude Eierkuchen persoenlich nicht wirklich, andererseits wollte ich es auch nicht su durchsichtig gestalten und auch nicht zu traurig. Ich bin mir Sicher das fuer den einen oder anderen das Ende ein bisschen ploetzlich kommt. Sicher sind auch viele Fragen offen. Hier koennt ihr mich gerne jedereit ausfragen, da ich ja weiss was mit den Charakteren passiert ;) Vielleicht schreibe ich auch noch ein Extrakapitel ueber die Kindheit von Anor in Ithilien.
Sorry fuer die ewig lange Wartezeit! Zwischendurch mangelte es an Mut, Inspiration, und vor allem Zeit und Lust ;) Ich bin aber froh, dass ich die Geschichte doch noch beendet habe.
Liebsten Dank nochmal
Eure Sleepy Bird :)
