Warnung:
In diesem Kapitel wird die Anwendung von Gewalt geschildert.
Mir dient es zur Verarbeitung meiner eigenen Erlebnisse, doch da jeder anders darauf reagiert, wenn er so etwas liest, ist es mit Vorsicht zu genießen.
houseghost
xxx
Show me your face
Kapitel 7
Reality
Seine Worte haben mich tief getroffen. Vielleicht wäre alles anders gewesen, wenn ich wenigstens einen Hauch von Reue in ihm erkannt hätte. Doch das habe ich nicht. In meiner Verzweiflung mache ich einen Satz nach vorne und schlage ihm ins Gesicht.
Ich spüre einen stechenden Schmerz in meiner Hand. Snape aber bleibt beinahe unberührt stehen und starrt mich zwischen seinen langen Strähnen hindurch an.
Sein Blick ist eisig, um genauer zu sein, voller Verachtung, als sich seine dünnen Lippen bewegen.
„Glückwunsch, Granger", zischt er leise hervor. „Sie haben soeben einen Lehrer geschlagen."
Mein Atem geht schneller. Ich kann nicht glauben, dass ich das getan habe.
Tränen dringen in meine Augen, mein ganzer Körper zittert. Und er steht einfach nur da und sieht mich an.
„Das wollte ich nicht", wimmere ich kaum hörbar vor mich hin. Ich bin nicht so, dass ich meine Wut durch Gewalt zum Ausdruck bringe. So etwas ist verabscheuungswürdig.
Er setzt ein schiefes Grinsen auf, nebst meinem feuerroten Handabdruck auf seiner Wange. „Dafür ist es jetzt zu spät, nicht wahr?"
Seine Stimme lässt mich schaudern. Wie kann er nur so fies sein? Nach allem was zwischen uns war, ist es mir unbegreiflich, dass er so handelt.
„Ich werde mich nicht von Ihnen des Raumes verweisen lassen, Professor. Ganz gleich, wer Sie sein mögen, denn das habe ich nicht verdient. Nicht, nachdem ich in Ihrer Not für Sie da war."
Seine Mundwinkel kräuseln sich und er stößt ein bitteres Schnauben aus.
„Das gibt Ihnen noch lange nicht das Recht, mich zu schlagen."
Es stimmt. Aber ich bin so verletzt, dass ich es nicht fertigbringe, es zurückzunehmen, seine Worte waren schließlich der Auslöser dafür.
„Erwarten Sie nicht, dass ich mich dafür entschuldige", sage ich ernst. „Denken Sie vielleicht, ich wüsste nicht, was Sie im Schilde führen? Was Sie zu mir gesagt haben, entspricht nicht der Wahrheit. Es ist nur ein trauriger Versuch Ihrerseits, mich loszuwerden."
Er nimmt die Hände hoch und fährt sich mit seinen Fingern durch die Haare. Unser Blickkontakt wird dabei unterbrochen und ich ahne, dass er überlegt, wie es weitergehen soll.
Es ist immer wieder eigenartig, ihn so zu beobachten. Er kann zwar Voldemort gegenübertreten und ihn täuschen, doch mich nicht. Ich habe andere Seiten von ihm kennengelernt. Und das wird mir zum Vorteil. Aus diesem Grund ist es kein Wunder, dass er sich vor allem und jedem verschließt, denn im Kern seines Seins ist er lediglich verunsichert, wenn er mit Menschen in Kontakt kommt.
Dass er es abstreiten und mich anlügen würde, traue ich ihm nicht zu. Er ist eher der Typ, der einem direkt an den Kopf wirft, was ihm nicht gefällt, so wie vorhin. Und genauso wie er es bei Harry getan hat, als der unerlaubterweise Snapes Erinnerungen in Dumbledores Denkarium gesehen hat. Andererseits weiß ich aber auch, dass es in seinem Kopf unaufhörlich arbeitet und es fast unmöglich ist, aus ihm schlau zu werden, denn ich kann mich vielleicht auch in ihm täuschen.
„Sie sind ein bedauernswerter Mann, Professor", setze ich hart nach, als er noch immer nichts darauf geantwortet hat.
Seine Haltung versteift sich, er verschränkt die Arme vor der Brust.
„Ist das so?" Er räuspert sich. „Miss Granger, Ihnen sollte durchaus klar sein, dass ich Sie nicht ungestraft damit davonkommen lassen kann."
„Ha!", stoße ich belustigt aus. Die Situation ist wirklich eigenartig, denn wenn Professor Snape keine Ahnung hat, wie es weitergehen soll, ist eindeutig etwas faul an der Sache.
Ich recke mein Kinn in die Höhe und sehe ihm direkt in die Augen. Seine Brauen ziehen sich finster zusammen und so starren wir uns an.
„Was wollen Sie jetzt mit mir machen? Mich etwa nachsitzen lassen? Das wird wohl kaum funktionieren, wenn Sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, oder? Sie könnten mich natürlich auch von der Schule werfen, aber so wie Sie neulich reagiert haben, wird Dumbledore nicht ganz damit einverstanden sein, wenn das passiert. Habe ich Recht?"
Ich schlinge meine Arme um den Leib und warte auf eine Antwort von ihm. Doch die daraufhin eintretende Stille behagt mir gar nicht. Er sieht mich wieder einmal einfach nur an. In ihm brodelt es. Und zwar gewaltig.
„Wollen Sie mich vielleicht fortan ignorieren?", frage ich irgendwann. „Auch das dürfte schwer werden. Schließlich unterrichten Sie mich."
Seine Mimik bleibt hart, lediglich seine Nasenflügel beben.
„Kommen Sie, Snape", höhne ich. Das ist zwar sonst nicht meine Art, doch langsam werde ich ungeduldig und damit auch unvorsichtig. „Zeigen Sie mir, was in Ihnen steckt. Denn ich glaube kaum, dass das hier alles war."
Seine Augen werden zu Schlitzen. Dann macht er eine sehr schnelle und - wie ich zugeben muss - auch sehr unerwartete Bewegung auf mich zu.
Mein Herz scheint stehenzubleiben, als er sich mir nähert. Ich kann nichts tun und harre wie festgefroren auf meinem Platz aus. Im nächsten Moment packt er mich bei den Schultern und drückt seine Lippen auf meine. Der Griff seiner Finger ist schneidend und das, was er mit meinem Mund tut, alles andere als angenehm. Es ist kein Kuss im eigentlichen Sinne; nicht so, wie ich es in Erinnerung habe. Nein. Es ist ein ungezügeltes, hartes Aufeinanderprallen zweier Münder, von denen einer überhaupt nicht kooperieren will, nämlich meiner.
Dass er so etwas tun würde, überrascht mich dermaßen, dass ich gar nicht weiß, wie ich auf ihn reagieren soll. Doch die Absicht, die hinter seinem Vorhaben steht, ist alles andere als harmlos: es ist ein weiterer Versuch seinerseits, mich loszuwerden. Und zwar, indem er Gewalt anwendet.
Seine Zunge schiebt sich mit bemerkenswerter Kraft zwischen meine Lippen, sodass es mir schwer fällt, sie geschlossen zu halten. Als es ihm dennoch zu lange dauert, nimmt er seine Hand zu Hilfe und umfasst damit meinen Unterkiefer, bis ich ihn nicht mehr unter Kontrolle habe. Er drückt mir schmerzhaft seinen Daumen und den Zeigefinger in die Backen, so dass ich meinen Mund nicht länger geschlossen halten kann und ihn öffne. Wobei, genau genommen hat er ihn ja für mich geöffnet.
Ich reiße die Hände hoch und will ihn von mir schieben, aber Snape ist stärker. Er bewegt sich keinen Millimeter von mir weg, im Gegenteil, er kommt sogar noch näher. Seine freie Hand packt blitzschnell meine Handgelenke und umschließt sie wie ein Schraubstock. Dann drückt er unbarmherzig seinen Oberkörper gegen mich und schiebt mich vor sich her, bis ich mit dem Rücken gegen eine Wand stoße. Dass mein Hinterkopf dabei auch etwas abbekommt, scheint ihn nicht zu stören.
Mir dröhnt der Schädel. Alles dreht sich, ich fühle mich, als würde ich ersticken, so unnachgiebig bohrt sich seine Zunge in meinen Mund. Sein heißer Atem füllt mich aus, ich weiß eigentlich gar nicht, wieso ich nicht ohnmächtig werde bei all den widerwärtigen Gefühlen, die mich überkommen, denn das hier ist alles andere als richtig. Ich bin gefangen und ihm hilflos ausgeliefert.
Niemand würde mich hier finden. Nicht um diese Zeit.
Sein Brustkorb hebt und senkt sich rapide, jede seiner Bewegungen sagt mir, dass er daraufhin aus ist, etwas mit mir zu tun, das er nicht tun sollte, geschweige denn dürfte.
Wie richtig ich damit liege, merke ich aber erst jetzt, denn ich spüre, dass er genug davon hat, meinen Kiefer zu drangsalieren und seine Hand an meinem Hals entlang zu meinen Brüsten gleiten lässt.
Ein eisiger Schauder läuft mir über den Rücken. Das hier kann unmöglich derselbe Mann sein, der sich mir auf so wunderbare Weise hingegeben hat. Er ist kalt und berechnend. Er weiß, was er tut, denn langsam aber sicher will ich nichts als weg von hier, doch all meine Versuche, mich unter ihm hindurch zu winden, scheitern kläglich. Er lässt mich nicht los. Meine Hände pressen sich von seiner fixiert gegen meinen Brustkorb, sein Körper drückt mich gegen die kalte Steinwand. Doch das ist noch längst nicht alles, denn nun kann ich zu allem Überfluss auch noch sein Knie spüren, das meine Beine auseinander drückt.
Er muss verrückt sein! In mir überschlägt sich alles, mein Hirn droht aufgrund all der unangenehmen Reize zu zerplatzen, schließlich spüre ich noch immer diesen stechenden Schmerz an meinem Hinterkopf.
Woher er mit seiner hageren Gestalt die Energie dazu nimmt, mich derart auszuspielen, ist mir ein Rätsel. So oder so muss ich mir eingestehen, dass es zwecklos ist, mich gegen ihn zu wehren. Mir für meinen Teil geht langsam die Kraft aus. Ich ringe noch immer verzweifelt nach Atem, was er durchaus zu seinem Vorteil nutzen kann.
Snapes Hand auf meiner Brust gleitet tiefer, über meinen Bauch hinab, bis zwischen meine Beine. Dort angekommen zerrt er ungeduldig meinen Rock nach oben und reißt mir das Höschen runter.
Mit einem Schlag sind all meine romantischen Vorstellungen von meinem Ersten Mal mit ihm verschwunden. Wenn er das tatsächlich durchziehen sollte, weiß ich genau, dass ich mich in ihm getäuscht habe. Voldemort und auch Dumbledore haben gesiegt, denn in diesem Fall ist ihr Spion lediglich eine programmierte Maschine, in der nichts Menschliches mehr übrig ist.
Seine Hand verlässt meine Schenkel und schiebt seine Klamotten auf die Seite. Ich höre seinen Gürtel klimpern, spüre, wie er mit einem Ruck seine Hose öffnet. Mir schießen Tränen in die Augen, meine Nase kribbelt unangenehm. Ich kann nichts weiter tun, als ihn ansehen, denn tief in meinem Inneren weiß ich, dass es meine einzige Chance ist, ihn zur Vernunft zu bringen, wenn er sieht, was er in mir anrichtet. Selbst dann, wenn seine Erinnerungen nicht mehr vollständig sein sollten, wird er den Unterschied zu damals kennen.
Der Ausdruck auf seinem Gesicht ist schwer zu beschreiben. Er ringt mit sich, seine angespannten Brauen verraten es mir. Ich wünschte, ich könnte etwas sagen, doch ich kann es nicht. Meine Tränen laufen über meine Wangen, meine Lippen beben, aber kein Wort verlässt meine Kehle. Mir ist, als würde ich nie wieder sprechen können.
Er senkt den Blick. Ich fühle den pilzförmigen Kopf seines Glieds zwischen meinen Beinen. Er hält seinen Schaft mit der Hand fest und zögert.
Seine Nasenflügel beben, so unruhig ist seine Atmung. Sein halb geöffneter Mund zittert, der Ausdruck in seinen schwarzen Augen ist vollkommen zerrissen.
Und dann warten wir. Beide.
