A/N: Ein herzliches Hallo an alle, die den Weg zu dieser Fanfic gefunden haben. Ich hoffe das erste Kapitel hat euch gefallen. Heute gibt es nochmal einen zügigen Nachschub. Die nächsten Updates plane ich in wöchentlichen Abständen. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir ein wneig Feedback da lasst. Das wirkt Wunder für meine Schreibmotivation. ;-) Und nun viel Spaß beim lesen.

Kapitel 2

Das Jenseits war weiß. Helles Licht blendete ihn, als er die Augen öffnete und ein stetes Summen füllte seine Ohren. Dann sah er die weißen Deckenpaneele und stutzte. Hatten sie die hier auch?

„Es freut mich, dass Sie endlich wieder zu uns stoßen, Doktor Watson. Auch ohne meinen Bruder haben Sie die unangenehme Angewohnheit in Schwierigkeiten zu geraten."

Er stöhnte und schloss die Augen. Verdammt, er war nicht im Jenseits. Dies hier war eindeutig die Hölle. Und er war zusammen mit Mycroft dort gelandet.

„Ihr Kopf schmerzt sie sicher. Die Pillen die sie sich ausgesucht haben hatten leider ein paar unangenehme Nebenwirkungen. Sie wollen mir nicht zufällig erklären wie Sie im Hinterzimmer dieser Fabrik gelandet sind?"

John würde ihn einfach ignorieren. Dann würde er früher oder später sicher einfach verschwinden. Für Sherlock konnte Mycroft eine echte Nervensäge sein. Aber für John hatte er nie sonderlich viel Interesse gezeigt.

„Wir haben dort einen ganz herzerwärmenden Abschiedsbrief gefunden. Ich muss schon sagen John, sie haben wirklich einen Hang zur Dramatik. Dabei hatte ich Sie immer eher für den rationalen Typen gehalten."

Nun war sich John ganz sicher. Er war in der Hölle gelandet. „Warum bin ich hier, Mycroft?" fragte er in betont neutralem Tonfall.

„Meine Männer sahen sich genötigt, Sie in diesem Zustand in ein privates Krankenhaus zu überführen. Wie soll ich sagen? Sie waren nicht gerade das blühende Leben."

John seufzte. Das hier wurde ihm wirklich langsam zu anstrengend. „Warum bin ich nicht tot? Oder bin ich es doch und in einer Art Hölle gelandet?"

Er hörte Mycroft amüsiert kichern und öffnete langsam wieder die Augen. Es war immer noch viel zu hell im Zimmer doch seine Augen gewöhnten sich langsam an das Licht. Mycroft saß auf einem roten gepolsterten Sessel an seiner rechten Seite, einen Stapel Dokumente auf dem Schoß. Sein Jackett lag zusammengefaltet auf einem niedrigen Tisch daneben. Es sah ganz so aus, als wäre er bereits eine ganze Weile hier gewesen.

„Sind die enttäuscht, Doktor Watson?" Mycrofts Stimme war hart, doch das eigentlich beunruhigende waren seine Augen welche John gnadenlos musterten. Sicher kannte Mycroft die Antwort ohnehin bereits oder glaubte zumindest sie zu kennen. Johns dunkle Augenringe und das verlorene Gewicht der letzten Monate sprachen Bände. Zusammen mit dem vermeintlichen Abschiedsbrief war das alles, was Mycroft zu sehen brauchte.

„Vielleicht ein wenig." Gestand John schließlich und es war keine Lüge. Selbst hätte er sicher nie diesen letzten Schritt getan, doch als man ihm die Entscheidung abgenommen hatte, hatte er den Tod mit offenen Armen empfangen. „Wie haben Sie mich gefunden?"

Dies entlockte Mycroft ein amüsiertes Schmunzeln. „Nun, da wird es interessant, nicht wahr?" Mit diesen Worten sammelte er die Papiere von seinem Schoß zusammen und legte sie neben sich. Dann setzte er sich in seinem Sessel zurecht. Nun schien es noch mehr so, als läge er auf der Lauer. „Sie müssen wissen, dass mir mein Bruder vor einiger Zeit das Versprechen abgenommen hat ein Auge auf sie zu haben, John. Daher wird es sie nicht überraschen, dass einer meiner Mitarbeiter einen Teil seines Tages damit bestreitet ihren Arbeitsweg im Auge zu behalten", bemerkte er mit einem selbstgefälligen Lächeln. „Bisher war dies eine sehr trübsinnige Aufgabe, das gebe ich zu. Doch gestern, da wurde es interessant. Kaum waren sie einhundert Meter von ihrer Praxis entfernt, stolperten sie plötzlich an eine Wand und sanken daran nieder." Ja, John erinnert sich. Er hatte einen plötzlichen Stich im Nacken verspürt und dann war ihm schwarz vor Augen geworden -vermutlich eine Art Betäubungsmunition. „Wenig später bekamen Sie Gesellschaft von zwei unbekannten Männern, die sie in eine nahegelegene Gasse zerrten und schließlich in einem dunklen Lieferwagen verstauten." Ach so war das gewesen! „Sie wissen nicht zufällig wer diese Männer waren? Freunde von Ihnen?"

John musste sich einen beißenden Kommentar verkneifen. Stattdessen sagte er ruhig: „Sagt ihnen der Name Sebastian Moran etwas?"

Daraufhin herrsche für kurze Zeit Schweigen. Als Mycroft schließlich fortfuhr schwang eine Spur Unsicherheit in seiner Stimme mit. „Soweit ich weiß war er einer der Hintermänner Moriarties."

„Etwas Ähnliches hat er mir gegenüber auch erwähnt." Bemerkte John trocken, spürte jedoch gleichzeitig wie seine Stimme langsam versagte. Wenn er die Lage richtig einschätzte hatte man ihm den Magen auspumpen lassen. Kein Wunder, dass sich sein Hals anfühlte, als hätte er Sandpapier gegessen. Mycroft schien jedoch sofort zu verstehen, denn im nächsten Moment hatte er sich erhoben und ein Glas Wasser vom Nachttisch gegriffen. Fachmännisch versenkte er einen Strohhalm darin (wo nahm dieser Mensch denn plötzlich einen Strohhalm her?) und hielt ihn John an die Lippen. Dieser beäugte Mycroft zunächst skeptisch, nickte jedoch schließlich dankbar und trank. Er leerte das Glas mit wenigen kräftigen Zügen und räusperte sich kurz. „Vielen Dank, Mycroft." Bemerkte er schließlich in betont neutralem Tonfall und fuhr schließlich fort: „Moran war der Ansicht, dass ich für das Verschwinden einiger seiner Männer verantwortlich sei. Sie haben nicht zufällig eine Idee, wer dahinter stecken könnte, oder Mycroft?"

„Nun, das ist zweifellos interessant." Bemerkte dieser in interessiertem Tonfall. „Meine Männer haben interessanterweise nichts damit zu tun." Bei diesen Worten legte er den Kopf schräg und tippte sich nachdenklich mit den Fingern gegen die Lippen. „Es sieht also so aus, als hätte Moran noch andere Freunde." John entging nicht die Spur Sarkasmus in Mycrofts Stimme. „Die Frage ist nur, wen?"

John schloss frustriert die Augen. „Nun, so lange Moran diesen Freund nicht findet, wird er zweifellos versuchen mir einen weiteren Besuch abzustatten." Bemerkte er tonlos. „Und ich kann nicht gerade sagen, dass ich ein baldiges Wiedersehen mit ihm begrüßen würde."

„Nun, dann müssen wir etwas dagegen tun, meinen Sie nicht?"

John hatte beinahe mit dieser Antwort gerechnet, doch sie beruhigte ihn dennoch. So wie es aussah, würde er beim nächsten Mal nicht alleine dastehen. Er wusste nur nicht, ob diese Aussicht ihn mit Optimismus oder Panik erfüllen sollte. „Und was schwebt Ihnen da vor?"

Das Lächeln welches daraufhin Mycrofts Lippen umspielte ließ John die Nackenhaare aufstellen. „Nun, ich denke zunächst sollten wir ihre Beerdigung vorbereiten, John." Und da wusste John die Antwort. Panik war definitiv die angebrachtere Reaktion.