A/N: Schön, dass ihr immer noch dabei seid! Wie immer freue ich mich über euer Feedback und eure Kommentare.
Disclaimer: Die Charaktere der Geschichte gehören nciht mir sondern Doyle und dem BBC Team. Ich leihe sie mir nur. Sollten Sie nicht so handeln wie in der Serie, so liegt dann daran, dass ich ungeschickt an ihren Fäden ziehe. Ich hoffe ihr seht es mir nach...
Kapitel 4
Die nächsten Tage verliefen weitgehend ereignislos. Mycroft hatte wieder ganz zu seiner alten Form zurückgefunden und von den schweren Gedanken und der Erschöpftheit war nichts mehr zu spüren. Am ersten Morgen nach John Beerdigung fand er die aktuelle Tageszeitung auf dem Küchentisch. Er musste nicht lange suchen, denn der Artikel über den tragischen Selbstmord von Dr. John Watson, der rechten Hand von Sherlock Holmes, schmückte die Titelseite. Mycroft hatte sich dagegen entschieden den vermeintlichen Abschiedsbrief drucken zu lassen. Stattdessen waren Berichte von „Freunden" und Bekannten zusammengetragen wurden, welche seinen Zustand in den Monaten nach Sherlocks Tod in dunkelgrauen Farben schilderten. Natürlich hatten weder Mrs Hudson, noch Lestrade oder Molly mit der Presse gesprochen. Mycroft als Sherlocks Bruder hatte hingegen ein wohl formuliertes Interview gegeben und die Gerüchte dezent aber zuverlässig bestätigt.
Am selben Tag trafen Johns Sachen in der Wohnung ein. Mycroft hatte alles in größere Boxen zusammenpacken lassen, welche sich nun an der Wand seines Zimmers stapelten. John hatte zunächst nur die nötigsten Sachen ausgepackt: seinen Laptop (nun konnte er Mycroft endlich den geliehenen zurückgeben), seine Kleidung und seine liebste Kaffeetasse. Alles andere konnte warten bis er sich wieder vollkommen erholt hatte. Noch immer verbrachte John die meiste Zeit des Tages im Bett. Nach drei Tagen Langeweile hatte er jedoch genug und er spürte, wie er zunehmend unruhiger wurde. Zum Glück hatte sich sein Körper endlich weitgehend erholt, und so streifte er mehrmals täglich durch die langen Gänge des Hauses. Einen großen Teil der Zeit verbrachte er in Mycrofts Bibliothek, welche stilvoll in alten Buchenholzmöbeln einrichtet war und tausende Bücher fasste. Doch auch wenn sich die Langeweile damit zeitweilig vertreiben ließ, zehrte die Untätigkeit doch an seinen Nerven. Mycroft war den Großteil des Tages außer Haus und John spürte, dass er den älteren Holmes Bruder fast schon ein wenig vermisste. Es war nicht so, dass er ihn besonders mochte. Doch er sehnte sich nach Gesellschaft oder im Idealfall nach einem interessanten Gespräch. Die einzige Gelegenheit zu der John Mycroft zu Gesicht bekam war das Abendessen, welches sie an jedem Abend gemeinsam im Speisezimmer einnahmen. John war zunächst ein wenig irritiert durch Mycrofts Diener, welcher sich als stummer Schatten im Hintergrund hielt und sie mit Nachschub an Getränken und Speisen versorgte. Doch Mycroft schien sein Unwohlsein nicht zu spüren oder hatte, was wahrscheinlicher war, beschlossen es in dieser Beziehung zu ignorieren.
„Wie war Ihr Tag, John?" fragte Mycroft wie an jedem Abend und sezierte dabei sorgfältig das vor ihm liegende Steak. „Sie wirken unruhig."
John gönnte sich zunächst einen Schluck des hervorragenden Rotweins (an den konnte er sich tatsächlich gewöhnen) bevor er antwortete: „Ich fürchte mir fällt hier langsam die Decke auf den Kopf. Ich möchte irgendetwas Sinnvolles tun um Moran zur Strecke zu bringen. Es wird sicher nicht lange dauern bis er mitbekommen hat, dass ich nicht hinter dem Verschwinden seiner Leute stecke. Bis dahin sollten wir bereit sein." Er gönnte sich noch einen Schluck Wein, bevor er zögerlich fortfuhr: „Welche Aufgabe haben Sie mir eigentlich genau zugedacht?"
Mycroft ließ sich mit seiner Antwort Zeit und verspeiste zunächst einen weiteren Bissen seines Steaks. Beinahe schien es so, als würde er seine Antwort zunächst genau überdenken. Schließlich legte Mycroft sein Besteck beiseite und faltete die Hände unter den Kinn bevor er John mit seinen Blicken taxierte. „Sagt Ihnen der Name Christopher Hamilton etwas?"
John stutzte. Tatsächlich hatte er den Namen schon einmal irgendwo gehört, konnte ihn aber im ersten Moment nicht einordnen. „Ich glaube ich kenne den Namen aus meiner Zeit in Afghanistan, aber ich bin nicht ganz sicher. Ich glaube jedoch nicht, dass ich diesem Mann jemals persönlich begegnet bin."
„Das wäre in der Tat eher unewahrscheinlich. Captain Hamilton war Mitglied einer Einheit der Fallschirmspringer des Britischen Militärs. Er diente etwa zur gleichen Zeit wie Sie, wurde jedoch etwa ein halbes Jahr vor Ihrer Verwundung unehrenhaft aus dem Dienst entlassen." Erklärte Mycroft in neutralem Tonfall. John nickte. Jetzt erinnerte er sich an die Geschichte, denn sie hatte in seinem Regiment für einige Wochen für die wildesten Spekulationen gesorgt. Alle Quellen schienen sich einig zu sein, dass Christopher Hamilton Schäden unter den Zivilisten als Kollateralschäden betrachtete und in der Wahl seiner Mittel vor nichts zurück schreckte. Über den exakten Vorfall welcher zur Entlassung des Captains führte, wurde jedoch nur spekuliert.
„Was ist mit dem Mann? Ist er in der Stadt?"
Etwas flackerte in Mycrofts Blick und er verzog die Lippen zu einem fast unheimlichen Lächeln. „Nun, das kommt ganz darauf an." Sagte er kryptisch.
„Worauf?"
„Wie weit sind sie bereit zu gehen um Moran eine Falle zu stellen, John? Und antworten Sie nicht leichtfertig…" sagte Mycroft schließlich und sein Blick ruhte dabei schwer auf John. Dieser legte das Besteck beiseite und rieb sich die Stirn. Diese Sache würde gefährlich werden, das spürte er und unweigerlich geisterten ihm Sherlocks amüsierte Worte durch den Kopf: „Und ich texte ihnen ‚Gefahr' und schon kommen Sie." John schnaubte und Blickte Mycroft ernst entgegen. „Ich tue was nötig ist."
Dieser nickte zufrieden. „Also gut. Captain Hamilton ist vor ein paar Wochen in Kunduz einem… bedauerlichen Anschlag zum Opfer gefallen." Sagte er geheimnisvoll. „Gerüchten zu Folge hält er sich hingegen im Moment in London auf."
John brachte eine Weile um diese Information zu verdauen. „Er ist tot?"
„Mit Sicherheit, ja. Meine Leute hatten das Glück seine Überreste gemeinsam mit einigen seiner persönlichen Gegenstände zu bergen." Sagte Mycroft und reichte ihm scheinbar aus dem Nichts eine Mappe mit Unterlagen. John nahm sie nachdenklich entgegen und klappte sie auf. Er überflog die erste Seite, die Militärakte des Mannes, und ein Schauer lief ihm über den Rücken. Die Berichte ließen die Spekulationen im Camp zu Kinder-Gute-Nacht-Geschichten verblassen.
„Und wo komme ich hier ins Spiel?" fragte John schließlich misstrauisch und erntete dafür ein anerkennendes Lächeln von Mycroft.
„Laut meiner Informationsquellen ist Moran im Moment auf der Suche nach einigen neuen Männern. Nichts bedeutendes, versteht sich. Wir erwarten, dass er seinen Nachschub zunächst für Botengänge und zur Informationsbeschaffung einsetzen möchte." Nach einem weiteren Blick auf John nahm Mycroft einen Schluck von seinem Wein und begann schließlich wieder zu essen. John hingegen bebte beinahe vor Ungeduld, doch er nahm alle Kraft zusammen und beherrschte sich. „Glücklicherweise war Captain Hamilton Ihnen von Größe und Statur nicht unähnlich. Sollten Sie sich also bereit erklären sich der einen oder anderen Veränderung zu unterziehen - nichts chirurgisches, keine Sorge - dann gäbe es vielleicht eine Möglichkeit für uns Sie unter Morans Leuten einzuschleusen. Ich muss Ihnen jedoch hoffentlich nicht sagen, dass diese Operation nicht ganz ungefährlich wäre."
John schluckte. Auch diese Idee von Mycroft klang absolut wahnwitzig und so verdammt nach dem was John im Moment brauchte. „Von was für Veränderungen reden wir?"
„Nun, das Naheliegendste sind zunächst einmal Augen und Haare. Captain Hamilton hatte grüne Augen und schwarzes Haar. Ich schlage vor, dass wir im Falle ihres Einverständnisses einen meiner Leute kontaktieren und Haarschnitt und Farbe verändern. Die Augenfarbe lässt sich leicht über Kontaktlinsen manipulieren. Außerdem schlage ich vor, dass Sie sich einen Bart stehen lassen. Der sollte ihr Gesicht ausreichend entfremden." John nickte. Damit hatte er gerechnet.
„Was noch?"
Wieder erntete er ein wohlwollendes Lächeln von Mycroft. „Captain Hamilton hatte eine auffällige Narbe über dem linken Auge." Sagte er schließlich. „Auch diese lässt sich durch meine Kontakte relativ leicht nachbilden." Wieder nickte John. Durch Maskenbildnerei war heutzutage einiges zu bewerkstelligen. „Außerdem…" und nun zögerte Mycroft „…hatte Captain Hamilton ein etwas auffälligeres Tattoo."
John schluckte. „Was für ein Tattoo?"
Mycrofts Lächeln hatte schon fast etwas Mitleidiges. „Unter den Soldaten der Fallschirmspringer Division war es üblich sich folgenden Spruch tätowieren zu lassen: ‚Utrinque paratus'. Das bedeutet so viel wie ‚Bereit alles zu tun'. Captain Hamilton trug diesen an der Unterseite seines rechten Unterarmes." Belehrte er ihn.
John nickte verstehend. Er hatte befürchtet, dass die Sache mit einigen Opfern und Risiken verbunden sein würde. Und er hatte die Ahnung, dass ein Tattoo noch eines der kleineren Übel werden konnte. Dann schmunzelte er. ‚Bereit alles zu tun' – wie passend. „Ich nehme an Sie kennen einen geschulten Tätowierer? Sofern möglich sollte das Tattoo etwas älter aussehen und nicht wie frisch gestochen. Ließe sich das bewerkstelligen?"
Dies endlich schien die Anspannung von Mycrofts Schultern zu nehmen und sein Lächeln wurde beinahe verschwörerisch. „Ich kenne einen guten Mann und werde sehen was sich tun lässt." Sagte er. „Und dann wäre da noch eine Sache." John wurde unsicher, als er das wölfische Grinsen auf Mycrofts Lippen bemerkte. „Wir sollten Sie ein wenig in Form bringen, Doktor." Und John lachte.
