A/N: Hallo Leute! Ich freue mich, dass ihr scheinbar immer noch dabei seid. Mit diesem Kapiepitel kommt nun hoffentlich ein wenig Fahrt in die Geschchte. Sagt mir doch, ob es euch gefallen hat, oder ob ihr euch inzwischen angefangen habt zu langweilen. Ich weiß nicht wie lange ich dieses Update-Tempo aufrecht erhalten können werde. Aber momentan fluppt es einfach. :-)
Kapitel 6
Um 22.10 Uhr des nächsten Abends betrat John das Gelände an der 44 Greenwitch Road. Es war ein verlassenes Fabrikgelände auf welchem sich zwischen den Fabrikhallen mehrere Wohncontainer türmten. Dies machte das Gelände unübersichtlich und John merkte, wie ihm trotz Mycrofts Zusicherung ein Auge auf ihn zu haben unwohl wurde. Doch er schob das Gefühl schnell beiseite und folgte dem Weg zur nächstgelegenen Fabrikhalle. Jetzt war nicht der richtige Moment um Schwäche zu zeigen. Das Tor war nur angelehnt und John sah, wie ein schmaler Streifen Lichtes nach außen drang. Er zögerte nur einen kurzen Moment, dann schob er das Tor beiseite und trat ein. Drinnen hatte sich eine Gruppe von etwa 10 Leuten versammelt und etwas abseits von ihnen stand Moran und rechts neben ihm der blonde Typ von gestern, Frankham. John hatte bereits mit seiner Anwesenheit gerechnet, auch wenn er noch nicht so recht einzuordnen wusste, was Moran mit einem Typen wie diesem wollte. Doch das würde er sicher noch früh genug herausbekommen.
Kaum hatte John die Halle betreten, verstummten sämtliche Gespräche. 24 Paar neugierige Augen starrten ihn an und John hatte alle Mühe nicht einen Schritt zurück zu treten. Doch bevor er auch nur etwas sagen konnte trat Moran auf ihn zu und Frankham blieb wie ein Schatten hinter ihm.
„Captain Hamilton. Es freut mich, dass ich Ihr Interesse wecken konnte." Begrüßte Moran ihn und blieb zwei Schritte vor ihm stehen.
„Colonel Moran." Grüßte John knapp und nickte dem anderen zu. „Was wollen Sie von mir?"
Moran grinste. „Immer frei heraus, was? Das gefällt mir." Sagte er leichthin und musterte John interessiert. „Ich habe von ihren letzten Erfolgen gehört und muss gestehen, dass Sie mein Interesse geweckt haben. Ich würde Sie gerne in unsere kleine Gemeinschaft einladen." Sagte er grinsend und machte eine ausladende Geste in Richtung der anderen. „Einen Mann Ihres Kalibers könnten wir gut in unserer Mitte gebrauchen."
John befahl sich Zurückhaltung. Auch wenn dies natürlich genau sein Ziel war, würde Captain Hamilton der Sache zunächst eher uninteressiert gegenüber stehen. Daher sagte er mit misstrauischem Tonfall: „Und was hätte ich davon?" Das Grinsen auf Morans Gesicht wurde daraufhin nur breiter. John spürte, dass Hamilton ihm auf Anhieb sympathisch war. Das war schon die halbe Miete.
„Natürlich würden wir Sie zu gleichen Teilen an unseren Gewinnen teilhaben lassen." Sagte Moran und John winkte ab.
„Geld interessiert mich nicht", sagte er kühl.
„Ist dies' der Grund warum Sie nur ein kleines Appartment in der Abbington Road bewohnen?" meinte Moran in herausforderndem Tonfall. „Sie könnten besseres haben." Das war interessant. Es war ihm also gestern jemand nach Hause gefolgt. Gut, dass Mycroft ihm ein eigenes Appartment zur Verfügung gestellt hatte. Sicher hatte er schon mit so etwas gerechnet.
John winkte ab. „Die Wohnung entspricht meinen Bedürfnissen und das Viertel bietet gewisse Vorzüge." Meinte er schlicht und blickte Moran an. „Was haben Sie sonst noch?"
Dieser grinste noch immer. „Ich kann Sie mit einem gut ausgebauten Netzwerk an Kontakten versorgen. Wir haben eine breite Palette an Spezialisten an der Hand, welche wir Ihnen für gewisse Gelegenheiten zur Verfügung stellen könnten."
John hob interesseiert die Augenbraue. „Das könnte seine Vorzüge haben." Sagte er schließlich in nachdenklichem Tonfall und rieb sich den Bart. „Was genau erwarten Sie als Gegenleistung von mir?"
„Wir würden uns bei der einen oder anderen Gelegenheit gerne Ihrer Fähigkeiten bedienen." Sagte Moran in geschäftsmäßigem Tonfall. Doch John verdrehte nur die Augen.
„Geht das auch etwas genauer?" meinte er barsch. „Spucken Sie's aus."
„Zunächst einmal benötige ich Ihre Hilfe zum Schutz einer meiner Männer. Spencer hier…" er nickte in Richtung eines hageren Blonden „…hat morgen Geschäfte am nördlichen Stadtrand zu erledigen. Ich möchte, dass Sie ihn begleiten."
John nickte, sagte jedoch nichts.
„Sollten Sie danach weiter an einer Zusammenarbeit interessiert sein…" John hörte das unausgesprochene ‚Und ich auch' in seinen Worten „…dann gäbe es vielleicht auch die eine oder andere Person, die Sie für mich verschwinden lassen könnten. Aber alles zu seiner Zeit."
John musterte Moran kühl und sagte schließlich: „Alle meine Dienste haben ihren finanziellen Preis. Zahlen Sie ihn und ich arbeite für Sie. Ihre Kontakte nehme ich natürlich trotzdem."
Nun war es an John ein wölfisches Grinsen aufzusetzen während Moran einen kurzen Blick mit Frankham tauschte, der neben ihn getreten war.
„Einverstanden." Sagte Moran schließlich und streckte ihm die Hand entgegen. Und John schlug ein.
Mycroft kontaktierte ihn noch am selben Abend. John hatte sich eben auf's Bett geworfen, nachdem er einen Bademantel um seinen von duschen noch feuchten Körper geschlungen hatte, als der Bildschirm seines Laptops plötzlich zum Leben erwachte und Mycrofts Gesicht ihn höflich anlächelte.
„Guten Abend Doktor Watson. Ich hoffe ich komme nicht ungelegen." Begrüßte Mycrofts Ebenbild ihn in höflichem Tonfall.
„Mycroft!" rief John erstaunt aus. „Mein Rechner war ausgeschaltet. Ich will gar nicht wissen, wie Sie ihn so plötzlich einschalten konnten. Sie wissen schon, dass das unheimlich ist, oder?"
„Meine Entschuldigung", sagte Mycroft steif doch sein Tonfall drückte alles andere als Bedauern aus. „Was haben Sie zu berichten?" fragte er stattdessen geschäftsmäßig.
„Moran hat mich für morgen Abend als Bodyguard für einen seiner Männer angeheuert. Sein Name ist Spencer. Hagerer Typ mit blonder Igelfrisur und mehreren Ohrringen in beiden Ohren. Kennen Sie ihn?"
„Flüchtig." Erwiderte der Andere in neutralem Tonfall. „Er ist unwichtig, ein kleiner Fisch. Doch ich gehe davon aus, dass man Captain Hamilton zunächst einer kleinen Probe unterziehen will. Was auch immer Sie tun John, Sie dürfen morgen keinen Fehler machen."
John nickte. „Das hatte ich nicht vor, Mycroft. Machen Sie sich keine Sorgen." Er hielt kurz Inne. „Da ist noch etwas. Moran hatte diesen Typen bei sich, Frankham. Nach gestern hatte ich ihn für einen ziemlichen Idioten gehalten, doch er scheint für Moran von Bedeutung zu sein. Haben Sie schon mal von ihm gehört?"
Mycroft schwieg für einen Moment und wirkte nachdenklich. Er hörte das Klacken einer Tastatur am anderen Ende der Leitung und sah schließlich ein kurzes Flackern in Mycrofts Augen. „Das ist ungewöhnlich. Aber wir haben nichts über ihn." Beinahe glaubte John so etwas wie Unsicherheit aus Mycrofts Stimme herauszuhören. „Das ist sehr ungewöhnlich. Wie dem auch sei. Ich möchte dass Sie diesen Mann im Auge behalten. Ich könnte mich irren, aber solche Geister sind meistens gefährlich. Es würde mich nicht überraschen, wenn er nicht der ist, der er zu sein vorgibt."
John nickte. „Ich werde vorsichtig sein und sehen, ob ich etwas über ihn in Erfahrung bringen kann."
Mycroft nickte zufrieden. „Tun Sie das, John." Es folgte eine kurze Pause. Schließlich fuhr Mycroft eine Spur freundlicher fort: „Wie geht es Ihnen, John?"
John war für einen Moment verdutzt. Es war selten, dass Mycroft sich nach seinem Befinden erkundigte obwohl er sich gerade nicht in einem Krankenhaus befand.
„Ich habe mich gut von meinem letzten Anschlag erholt. Danke der Nachfrage." Entgegnete John vielleicht ein wenig steifer als nötig. Er erntete davon ein mildes Lächeln von Mycrofts Ebenbild.
„Das meinte ich nicht, auch wenn es gut zu wissen ist, dass Sie wieder völlig bei Kräften sind. Mir ist aufgefallen, dass Sie körperlich in guter Verfassung zu sein scheinen." Näher konnte man an kein Kompliment von Mycroft herankommen, dachte John abwesend. „Mich interessiert viel mehr ihre seelische Verfassung. Christopher Hamilton ist ein schwieriger Charakter und…"
„Ich verstehe." Unterbrach John ihn. „Machen Sie sich keine Sorgen, Mycroft. Es geht mir gut. Viel schlimmer ist diese leere Wohnung. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich hatte mich gerade an ein wenig Gesellschaft gewöhnt."
Das Lächeln was daraufhin von Mycroft folgte was um einiges herzlicher. „Ich werde sehen, was ich tun kann." Sagte er und einen Moment später war sein Ebenbild auf John Laptop erloschen.
Der nächste Abend verlief zu Johns Erstaunen genau nach Plan. Spencer führte ihn und einen bulligen grobschlächtigen Typen Namens Higgins zu einem alten Kasernengelände außerhalb der Stadt. Dort wurde die kleine Gruppe bereits von einem schmierigen Typen mit Hugo Boss Anzug und übermäßig gestylten Haaren erwartet. Smith, so hieß der Kerl, hatte ebenfalls seine Leibwächter mitgebracht und die versammelten Bodyguards verbrachten die Zeit damit sich gefährliche Blicke zuzuwerfen, während Spencer und Smith geschäftsmäßig Floskeln und schließlich Mappen mit Akten austauschten. Nachdem sich beide Seiten noch einmal zugenickt hatten, ordnete Spencer den Rückzug an und die Sache war gegessen. John war fast ein wenig enttäuscht auch wenn er natürlich insgeheim wusste, dass er froh sein konnte so glimpflich davongekommen zu sein.
Dennoch herrschte im Quartier an der 44 Greenwitch road angespannte Stimmung als die drei von ihrem Auftrag zurückkehrten und John wusste sofort, dass etwas geschehen war. Moran streifte unruhig in der Halle umher und blickte kaum in ihre Richtung, als Spencer mit ihnen die Halle betrat. Instinktiv wusste John, dass er hier dieses Mal vorsichtig vorgehen musste. Morans legte augenscheinlich eine gereizte Stimmung an den Tag und wer konnte schon sagen, wie er auf ein zu harsches Benehmen Hamiltons reagieren würde. Daher beschloss John, dass es zunächst das Beste war, sich im Hintergrund zu halten. Er musste nicht lange warten, denn nach weniger als eine Minute marschierte Moran in Richtung seiner Männer.
„Er hat wieder zugeschlagen." Begann er und John sah, wie die versammelte Gruppe unruhig von einem Bein auf's andere trat. „Dieses Mal hat er im Süden der Stadt einen kleinen Drogenring auffliegen lassen. Zwar standen wir nur entfernt mit Ihnen in Verbindung, aber es war zweifellos ein Warnschuss an uns."
Johns Magen machte einen Satz. Das konnte nur der mysteriöse Unbekannte sein von welchem Moran bei seiner Entführung gesprochen hatte. Er hatte wieder zugeschlagen und die Schlinge um Morans Hals zog sich langsam zu. „Wissen wir wer dafür verantwortlich ist?" fragte John schließlich in beinahe gelangweilten Tonfall. Das sicherte ihm Morans Aufmerksamkeit, denn dieser blickte ihn an, als hätte er ihn eben erst bemerkt. Er schritt auf ihn zu und blieb direkt vor ihm stehen. Frankham ruhte wie ein Schatten hinter ihm.
„Das ist das Problem" antwortete Moran schließlich und rieb sich nervös das Kinn. „Bis vor wenigen Wochen hatten wir eine Spur, doch diese stellte sich scheinbar als eine Sackgasse heraus. Sie haben sicher vom unglücklichen Dahinscheiden von Captain John Watson gehört?" fragte er.
John nickte und zog eine Grimasse. „Er war ein Versager. Sich an diesen Holmes zu klammern…" meinte er trocken, obwohl diese Worte ihm innerlich einen Stich versetzten. „…und schließlich sogar Selbstmord zu begehen zeugt nur von Schwäche."
„Was, wenn er keinen Selbstmord begangen hat?" meinte Moran und seine Lippen verzogen sich zu einem selbstgefälligen Lächeln. John hob interessiert eine Augenbraue. „Das wäre… interessant."
„Das dumme war nur, dass Watson scheinbar die Wahrheit gesagt hat, als er meinte er hätte nichts mit der Sache zu tun." Sagte Moran und sein Lächeln war fast ein bisschen bedauernd. „Er hatte nur leider das Pech, dass auf seinem Blog eine Nachricht abgesetzt wurde, bei der sich jemand zu dem Verschwinden einer meiner Männer bekannt hat."
John fürchtete für einen Moment, dass seine Füße unter ihm nachgaben. Doch er nahm alle Reserven zusammen und meinte in nüchternem Tonfall: „Hatte er die Nachricht unterzeichnet?"
Da huschte ein Ausdruck über Morans Gesicht der John ganz und gar nicht gefiel. „Nein. Nur machte die Alternative noch viel weniger Sinn. Der Unterzeichner war Sherlock Holmes."
Johns Nerven flackerten für einen Augenblick bevor er sich wieder zu Ordnung rief. Nicht jetzt! Er konnte später über all das nachdenken. Jetzt musste er seine Rolle spielen. Er hüllte sich noch tiefer in die Identität von Christopher Hamilton und zog sie wie einen schützenden Mantel um sich zusammen.
„Nun, ich sehe, warum Sie Watson in Verdacht hatten." Meinte John in kühlem, nachdenklichem Tonfall. Moran nickte, sagte jedoch nichts. Daher fuhr John fort: „So wie ich das sehen, gibt es jetzt also zwei Möglichkeiten. Entweder Holmes lebt tatsächlich noch, oder ein anderer benutzt seinen Namen." Nun war es an John auf und ab zu schreiten. „Die Frage ist nur, warum sollte jemand Holmes' Namen benutzen, und vor allem wer?"
