Hallöchen alle zusammen! Dieses Mal hat es leider etwas länger gedauert mit dem Update. Ich bin im Moment leider etwas unmotiviert was das Schreiben betrifft. Ich hoffe das ändert sich bald wieder...

Kapitel 8

Als sich John mehrere Stunden später mit dem Taxi auf den Rückweg zu seiner Wohnung machte, hatte sich seine Laune deutlich gebessert. Der Abend mit Mycroft hatte ihm erstaunlicherweise Spaß gemacht und er hatte sich sogar ein oder zweimal dabei ertappen müssen, wie er über den einen oder anderen Kommentar des älteren Holmes lachen musste. Mycroft was ein wesentlich besserer Cluedospieler als Sherlock, was vermutlich daran lag, dass er erstaunlichen Wert auf das korrekte Einhalten der Regeln legte. Normalerweise hätte er darüber die Augen gerollt, aber nach einigen entnervenden Partien mit Sherlock wusste er es zu schätzen. Und so spielten Sie ganz entspannt zwei Partien (die Mycroft natürlich beide gewann, aber das machte nichts - John war ein guter Verlierer) und leerten dabei zwei Gläser guten Whiskeys. Kurz vor Mitternacht brach John schließlich auf und während er im Taxi aus dem Seitenfenster auf die beleuchteten Straßen Londons starrte hoffte er, dass Mycroft Gelegenheit finden würde ein solches Treffen bald zu wiederholen.

Johns Wohnung lag im dritten Stock eines alten, heruntergekommenen Mietshauses. Nach der heimeligen Stimmung in Mrs Hudsons Wohnung war dies zugegeben ein echter Absturz, doch John war aus seiner Zeit in Afghanistan und den Besuchen bei Harry einiges gewohnt. Zudem war ihm diese spartanische Unterkunft immer noch lieber als die aristokratisch spießige Eleganz die Mycrofts Heim umgab. Das einzige was John bereute war, dass er keines seiner persönlichen Gegenstände hatte mitnehmen dürfen. Mycroft hatte darauf bestanden, dass dies Christopher Hamiltons Wohnung sein würde, und jegliche Hinweise auf John Watson seine Identität schnell auffliegen lassen würden. Und so hatte sich John schließlich zähneknirschend gefügt und sich durch Mycroft mit den nötigsten Gebrauchsgegenständen ausstatten lassen. Als John das Licht im Wohnzimmer anschaltete und die lässig auf dem Sofa lehnende Gestalt erblickte, war er plötzlich dankbar dafür. Unweigerlich flammte ein Bild von ihm und Sherlock auf Kitty Rhileys Sofa auf, doch er schob es von sich. Ungebetener Besuch der um diese Uhrzeit in seiner Wohnung auf ihn wartete, konnte nichts Gutes bedeuten.

„Guten Abend, Captain." Wurde er von einer kühlen Stimme begrüßt und nach einem kurzen Moment des Schocks erkannte er, dass es sich bei seinem ungebetenen Gast um Frankham handelte. Scheinbar unbeeindruckt legte John die Jacke ab und hing sie an einen Kleiderständer neben der Tür. Dann trat er gelassen auf den Anderen zu.

„Ich nehme an Sie haben einen guten Grund hier nachts in meine Wohnung einzubrechen." Knurrte er und ging in die Küche um sich ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen. Eigentlich hatte er genug Alkohol für diesen Abend, doch er beschloss, dass Christopher Hamilton dies in seiner Situation tun würde. Und so nahm er zwei Flaschen aus dem Flaschenhalter und reichte eine davon wortlos Frankham. Dieser nickte ihm abwesend zu, rührte das Getränk jedoch nicht an. Stattdessen musterte er ihn mit berechnender Miene als er schließlich sagte:

„In welcher Beziehung stehen Sie zu Mycroft Holmes?"

John hörte diese Worte und sein Verstand war für einen kurzen Moment wie paralysiert. Frankham hatte ihn scheinbar verfolgt und so war es sinnlos, das heutige Treffen abzustreiten. Die Wahrheit gegenüber einem von Morans Männern zuzugeben stand jedoch außer Frage.

„Ich habe Nachforschungen angestellt" meinte er in von Arroganz triefendem Tonfall und hob die Augenbraue. „Welches Interesse haben Sie an ihm?"

Doch Frankham ging nicht darauf ein sondern fixierte ihn weiter mit seinen Blicken und John hatte das Gefühl als würde der Mann gerade versuchen seine Gedanken zu lesen. „Mycroft Holmes ist kein einfach zu erreichender Mann." Erklärte der Andere in gefährlichem Tonfall. „Ich kann mir nicht vorstellen, was ihn dazu bewogen haben könnte einen unehrenhaft entlassenen Exsoldaten zu treffen."

John wusste, dass er etwas tun musste. Diese Entwicklung gefiel ihm ganz und gar nicht. Dieser Frankham wusste mehr als ihm lieb war, was bedeuten musste, dass Moran ihn auf John angesetzt hatte. Und da er Morans Vertrauen unmöglich verlieren konnte, entschied er sich für eine Flucht nach vorn.

„Holmes schuldete mir einen Gefallen für einen Dienst, den ich ihm vor längerer Zeit erwiesen habe." Meinte er lässig und nippte an seiner Flasche. „Ich habe die Gelegenheit genutzt um mich auf einen netten kleinen Plausch mit ihm zu treffen und seine Verwicklung in die Geschehnisse des gestrigen Abends zu untersuchen." Er grinste wölfisch. „Nachdem der jüngere Holmes und Watson scheinbar ausscheiden, halte ich ihn für den nächsten Verdächtigen."

Frankham nickte düster, erhob sich schließlich und sagte: „Ich werde Sie im Auge behalten, Hamilton. Wenn ich das Gefühl habe, dass Sie etwas im Schilde führen, dann könnte das sehr unangenehm für Sie werden." Und mit diesen Worten nahm der Blonde seine Jacke und war ohne eine Antwort abzuwarten verschwunden.

John starrte auf die Tür die Frankham eben hinter sich ins Schloss gezogen hatte. Mycroft hatte Recht gehabt, der Mann war gefährlich. John seufzte. Er musste Mycroft von Frankhams Besuch und dessen Fragen erzählen und er musste Mycroft beichten, wie er Frankham seinen Besuch erklärt hatte. Bei dem Gedanken daran drehte sich ihm das Magen um. Unsicher blickte er auf sein Handy. Es war bereits nach Mitternacht und er war sich nicht sicher, ob er Mycroft um diese Uhrzeit noch stören konnte. Andererseits war die Sache wichtig. Nach einigem Zögern entschied er sich schließlich für eine SMS. Sollte Mycroft wirklich schon im Bett sein, würde er sie zum nächstmöglichen Zeitpunkt lesen. Er schluckte und tippte:

Hatte eben Besuch von Frankham. Er weiß von unserem Treffen heute. Wir müssen reden. JW

Er drückte auf senden und wollte das Telefon eben bei Seite legen als es klingelte. John seufzte, es war tatsächlich Mycroft. Besser er brachte die Sache schnell hinter sich.

„Hallo Mycroft" meldete er sich mit erschöpfter Stimme.

„John." Grüßte der andere höflich. „Erzählen Sie was passiert ist."

„Er hat im Wohnzimmer auf mich gewartet, als ich nach Hause kam. Es sieht so aus als hätte er mich heute beobachtet, denn er fragte gerade heraus in welcher Beziehung ich zu Ihnen stehen würde."

Er hörte das Seufzen am anderen Ende der Leitung und schließlich Mycrofts Stimme die ruhig frage: „Was haben Sie ihm gesagt?"

John holte tief Luft und sagte: „Ich … haben ihm gesagt, dass Sie mir noch einen Gefallen schulden würden, weil ich Ihnen früher einmal einen Dienst erwiesen hätte. Also hätte ich sie zu einem netten kleinen Beisammensein überredet um Ihre … Beteiligung in der gestrigen Angelegenheit zu ermitteln, da Sie der nächste Verdächtige in der Sache zu sein scheinen." John hielt die Luft an und wartete, doch es herrschte Stille am anderen Ende der Leitung. „Mycroft?" Johns schlechtes Gewissen meldete sich und sein Ehrgefühl zwickte bei diesem kleinen Verrat, doch ein rachsüchtiger Teufel auf seiner Schulter flüsterte auch, dass es sich um ausgleichende Gerechtigkeit handelte.

„Ich schätze unter den gegebenen Umständen war das eine der vielversprechendsten Reaktionen." Entgegnete Mycroft schließlich. „Geben Sie mir eine Nacht Zeit um unser weiteres Vorgehen zu durchdenken."

John nickte und sagte: „Einverstanden. Nur … unter den gegebenen Umständen ist es vielleicht am besten, wenn wir uns erstmal nicht mehr treffen."

Mycroft sagte nichts darauf, sondern antwortete nur: „Ich melde mich dann morgen bei Ihnen. Gute Nacht, John."

„Gute Nacht" antwortete John und legte auf.

Er hörte den ganzen nächsten Tag nichts von Mycroft und wollte schon von sich aus mit dem älteren Holmes in Kontakt treten, als es kurz nach Einbruch der Dunkelheit plötzlich an seiner Tür klingelte. Er hatte nicht mit Besuch gerechnet und fürchtete schon, dass Morans Männer vor der Tür stehen würden. Umso erstaunter war er, als er einen bulligen Typen in schwarzer Lederjacke, ausgewaschenen Jeans und Wollmütze vor seiner Haustür stehen sah. Er war sich sicher, dass er diesen Typen noch nie zuvor gesehen hatte und hob verärgert eine Augenbraue.

„Was wollen Sie?" fragte er in barschem Tonfall und hob herausfordernd das Kinn.

„Ich hatte mir eine etwas freundlichere Begrüßung erhofft, Hamilton." Sagte der andere in neutralem Tonfall und John sah, wie etwas in seinen Augen aufblitzte. John schnappte nach Luft. Es war Mycroft.

Er rang für einen Moment um Fassung, doch schließlich trat er beiseite und sagte: „Kommen Sie rein." Mycroft nickte und ließ ein wölfisches Grinsen aufblitzen. Dann schob er sich wortlos vorbei an John ins Zimmer.

John schloss die Tür hinter sich und starrte Mycroft fassungslos an. Er war es so gewohnt den anderen in maßgeschneiderten Anzügen zu sehen, dass sein Hirn sich weigerte was er sah mit Mycroft in Einklang zu bringen.

„Was tun Sie hier, Mycroft?" fragte John ein wenig hilflos.

„Ich dachte das ist offensichtlich" antwortete Mycroft in seiner gewohnt steifen Art und seine Mimik war wieder ganz die Alte. Gepaart mit seinem veränderten Äußeren machte das die Sache jedoch nur skurriler. „Ich besuche Sie."

John lachte auf. „Das sehe ich" sagte er und deutete auf das Sofa. „Wollen Sie was zu trinken?" Mycroft nickte höflich.

„Ein Wasser sollte ausreichen, danke."

John entschied sich für dasselbe und ließ sich Mycroft gegenüber auf einen Sessel sinken, nachdem er ihm sein Glas gereicht hatte. „Ich nehme an, Sie sind wegen der gestrigen Ereignisse hier?"

„In der Tat." Meine Mycroft und lächelte, bevor er an seinem Wasser nippte. „Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es keine schlechte Idee war Morans Aufmerksamkeit in meine Richtung zu lenken. Er kann mich in seiner momentanen Situation unmöglich erreichen, zumal ich nun auf einen möglichen Übergriff vorbereitet bin. Sollte er sich tatsächlich zu einem Anschlag auf mich hinreißen lassen, haben wir endlich etwas gegen ihn in der Hand, das es uns ermöglichen würde ihn auf … legalem Wege aus dem Verkehr zu ziehen." Mycroft lächelte zufrieden. „Zudem sollte dies ein wenig Aufmerksamkeit von Ihnen und unserem unbekannten Freund nehmen."

John sah Mycroft fassungslos an. „Sie wollen also nichts unternehmen sondern einfach auf dem Präsentierteller hocken und … warten?"

Mycroft musterte ihn mit zur Seite gelegtem Kopf. „In der Tat."

John seufzte. „Und was kann ich so lange tun?"

„Ich möchte, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit diesem Frankham widmen. Nach den gestrigen Ereignissen bin ich mir sicher: der Mann ist gefährlich und so wie es aussieht die rechte Hand Morans. Hängen Sie sich an seine Fersen, freunden Sie sich mit ihm an, wenn es sein muss. Ich muss wissen wer der Kerl ist und wie wir ihn kriegen können." John sah Mycrofts ernsten Blick während er diese Worte sprach und nickte.

„Ich werde mein Bestes tun" versprach er und Mycroft lächelte.

„Ich hatte nichts anderes von ihnen erwartet, John. Und nun … wie wäre es mit einer Partie Cluedo?" sagte er und zog einen schwarzen Beutel hervor, den John zuvor nicht bemerkt hatte. Als er tatsächlich das besagte Spiel daraus hervorzog musste John unweigerlich lachen.

„Sie wollen nur wieder gegen mich gewinnen, Mycroft" piesackte John und Mycroft funkelte ihn an.

„Offensichtlich."