Juppi! Endlich geht es weiter mit der Geschichte. Nur noch drei Kapitelchen bis zum Ende! Viel Spaß beim lesen!
Kapitel 12
John hörte am nächsten Tag weder etwas von Sherlock noch von Mycroft. Stattdessen erhielt er am Abend eine Nachricht von Moran, welche ihn zu einem Treffen am nächsten Abend aufforderte. John war beinahe erleichtert darüber. Bei einem Treffen mit Sherlock hätte er nicht gewusst, was er sagen sollte, doch mit Moran und Frankham konnte er fertig werden. Das Treffen verlief problemlos. Moran schien ein wenig beunruhigt zu sein, badete jedoch sichtlich im Erfolg welchen die Gefangennahme Steppertons mit sich gebracht hatte. Er teilte freimütig Informationen, welche man Stepperton während seines „Aufenthaltes" entlockt hatte und deutete eine große Aktion an, welche bald stattfinden sollte. Sherlock hielt sich in der Gestalt von Frankham sichtlich im Hintergrund und würdigte John keines Blickes. Tatsächlich hatte er zwischenzeitlich beinahe Zweifel, ob er sich Sherlocks plötzliche Auferstehung nicht einfach eingebildet hatte. Doch nach einer genauen Inspektion von Frankhams Gesichtszügen erkannte er das vertraute Gesicht Sherlocks unter der Maskerade und atmete innerlich auf.
Als John vom Treffen mit Moran und seinen Männern zurückkehrte wurde er von Anblick Frankhams – nein Sherlocks - und eines verkleideten Mycrofts in seinem Wohnzimmer begrüßt. Beide hatten in betont lässiger Geste Johns Sessel in Beschlag genommen. John seufzte schicksalsergeben und hängte seine lederne Jacke auf den Haken neben der Tür.
„Warum überrascht mich dieser Besuch nicht?" fragte er in trockenem Tonfall und musterte die beiden. „Ich nehme an Sie sind nicht gekommen um eine Runde Cluedo zu spielen?" Mycroft schmunzelte zur Antwort und Sherlocks Gesichtsausdruck verriet, dass er mit dieser Aussage nichts anzufangen wusste.
„Warum sollten wir Cluedo spielen wollen? Sie haben sich geweigert es zu spielen seit…" antwortete Sherlock irritiert doch seine Stimme driftete ab und seine Augen huschten einen kurzen Moment zwischen John und Mycroft hin und her. Doch bevor er etwas sagen konnte erklärte Mycroft:
„Mein Bruder und ich haben die letzten beiden Tage genutzt um einen Plan für eine Festnahme Morans und seiner Männer zu erarbeiten."
John nickte und ließ sich seufzend auf das Sofa zwischen ihnen gleiten. „Na schön" begann er und blickte zwischen den beiden hin und her. „Was haben Sie vor?"
Zu seinem Erstaunen hielt Sherlock sich zurück und Mycroft erklärte stattdessen: „Dank der Hilfe meines Bruder haben wir genügend Beweise für einen erfolgreichen Prozess gegen Moran und seine Männer. Die Herausforderung ist nun, ihrer auf elegante Art und Weise habhaft zu werden."
John nickte verstehend. „Wir können nicht einfach das Gebäude stürmen."
„Exakt" antwortete Mycroft während Sherlock die Szene mit unter dem Kinn gefalteten Händen musterte. „Stattdessen halten wir es für sinnvoll zunächst Moran selbst in Gewahrsam zu nehmen. Wenn wir ihn haben, sollte der Rest seines Netzwerkes kein Problem mehr darstellen."
John brummte zustimmend, dachte einen kurzen Moment nach und sagte schließlich: „Also bräuchte man eine Möglichkeit um ihn aus seinem Bau zu locken."
Mycroft nickte, während Sherlocks Miene weiter undeutbar blieb. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die einfachste Variante wäre einen Lockvogel einzusetzen, dem Moran einfach nicht widerstehen kann."
John hatte plötzlich so eine Ahnung und ließ seinen Blick unsicher zu Sherlock gleiten. Dieser zeigte jedoch keine Reaktion und so sagte John schließlich: „Sie denken an einen von uns."
Mycroft nickte. „Ich denke es wird Zeit, dass einer von Ihnen beiden in die Baker Street zurückkehrt. Die Frage ist nur, wer?"
Wenn John geglaubt hatte, es sei bereits schwierig gewesen seinen eigenen Tod vorzutäuschen, so erwies es sich als um noch einiges schwieriger von den Toten wieder zurückzukehren. Mycroft und John hatten beschlossen, dass es John war der wieder in die Baker Street zurückkehren sollte und Sherlock hatte sich während des gesamten Gespräches nur als Beobachter im Hintergrund gehalten. John würde unter strengster Überwachung von Mycroft und seinen Männern stehen, während Sherlock im Inneren Kreis Morans ein Auge auf ihn haben würde. Auf diese Weise würden Sie rechtzeitig vor einem Angriff gewarnt sein und konnten einen Hinterhalt für Moran planen. So weit so einfach.
Schwieriger erwies sich das Beziehen der alten 4 Wände und die Begegnungen mit Freunden und Familie. Um Morans Aufmerksamkeit zu erregen war es zwingend notwendig wieder in die Baker Street zurück zu kehren und einige ausgewählte Leute über sein Überleben aufzuklären. Und dies zog einige unangenehme Begegnungen mit sich. Als erstes musste John jedoch sein altes Äußeres wieder erlangen und so wurde er auf Mycrofts Anwesen verschifft wo er von Mycrofts Beautyteam förmlich überfallen wurde. Gnadenlos wurden Haare geschnitten, gefärbt und rasiert, während Sherlock sich stets im Hintergrund des Raumes herumdrückte und alles mit Argusaugen überwachte. Bereits gegen Mittag des nächsten Tages war John fertig und nachdem er sich in einen seiner gestrickten Pullover und Jeans gehüllt hatte, fühlte er sich wieder ganz wie sein altes Selbst. Nun kam der schwierige Teil.
Für die Rückkehr in die Baker Street hatte Mycroft einen seiner Wagen zur Verfügung gestellt, doch weder Sherlock noch Mycroft hatten sich bereit erklärt ihn zu begleiten. Vielleicht war es besser so, denn für eine erfolgreiche Durchführung des Plans würde es besser sein, wenn er mit keinem von beiden gesehen wurde. Trotzdem hätte er ein wenig moralischen Beistand in dieser Situation wirklich zu schätzen gewusst. Die Fahrt zur Baker Street dauerte für Johns Geschmack gar nicht lange genug, und so stand er viel zu schnell vor der dunkelen Türe der 221b und betätigte den Türklopfer. Es dauerte eine Weile bis er Geräusche von innen vernahm doch schließlich hörte er wie die Tür von innen entriegelt und aufgeschoben wurde. Dahinter stand eine müde aussehende Mrs Hudson, welche ihn verständnislos anblickte.
„Hallo Mrs Hudson" grüßte er extra freundlich. „Ist das Zimmer oben noch zu haben?"
Er sah, wie sie bei diesen Worten die Augen weit aufriss und sichtbar erschüttert an der Wand Halt suchte. Gerade noch rechtzeitig schnellte er vor um ihr unter die Arme zu greifen, um sie zu ihrem Platz auf dem Sofa zu geleiten. Dabei musste er bedrückt feststellen, wie leicht und zerbrechlich der Körper der alten Frau wirkte. Schlagartig plagte ihn das schlechte Gewissen.
Es dauerte nicht lange bis Mrs Hudson ihre Sprache wiedergefunden hatte und John ein wenig ungläubig anblickte bevor sie mit schwacher Stimme fragte: „John? Sind sie's wirklich?"
Er lächelte aufmunternd. „Wie ich leibe und lebe und mit einem schlechten Gewissen, weil ich Ihnen solchen Kummer gemacht habe. Aber Mycroft meinte es wäre besser, mich eine Weile von der Bildfläche verschwinden zu lassen."
Sofort runzelte Mrs Hudson missbilligend die Stirn. „Oh dieser schreckliche Mann. Ich weiß er ist Sherlocks Bruder und man soll nicht schlecht über die Familie eines Toten sprechen, aber…" Doch John hob die Hand und sie unterbrach ihre Worte.
„Ich weiß was sie meinen. Mycroft ist…." Er zuckte hilflos mit den Schultern. „Diese ganze Sache war eine schreckliche Angelegenheit. Ich wurde von ein paar Männern aufgegriffen, die mich gerne tot sehen wollten. Mycrofts Männer haben mich in letzter Sekunde geholt, hielten es zu meiner Sicherheit jedoch für das beste niemanden wissen zu lassen, dass ich lebe."
Mrs. Hudson nickte stumm, doch ihrem Gesicht konnte man deutlich ablesen, dass sie die ganze Sache zunächst verarbeiten musste. „Dann sind diese Männer jetzt tot?" fragte sie mit verwirrten Gesichtsausdruck und zugleich hoffnungsvollem Lächeln.
„Nicht ganz" erwiderte John ein wenig hilflos. „Wir haben beschlossen ihnen eine Falle zu stellen."
„Und Sie sind der Köder. Oh, wenn ich diesen Kerl erwische" schimpfte sie, während sie sich von Sofa erhob. „Aber jetzt mache ich uns jetzt erst einmal eine Tasse Tee und dann erzählen Sie mir alles in Ruhe" sagte Mrs Hudson verschwand geschäftig plappernd in der Küche. John folgte ihr zögerlichen Schrittes; konnte sich ein Lächeln jedoch nicht verkneifen. Er war zu Hause.
Als nächsten musste er Lestrade ins Boot holen. Mycroft und er waren sich zwar einig, dass man zunächt so wenig wie möglich Leute von ihrem Plan in Kenntnis setzen durfte, doch John entschied, dass er auf die Hilfe von Scotland Yard nicht verzichten wollte. Und so bat er Mrs Hudson einen Anruf beim Detective Inspector zu tätigen und ihn unter einem Vorwand in die Baker Street zu holen. Sie spielte ihre Rolle hervorragen und schluchzte etwas von einem Einbrecher während sie John mit schelmisch-spitzbübischer Miene vom Telefon aus zuzwinkerte. Und so kam es, dass keine halbe Stunde später ein aufgeregter Greg Lestrade in Mrs Hudsons Küche stürmte.
„Mrs Hudson, ist…" weiter kam er nicht, bevor sein Blick auf John fiel und er mit offenem Mund im Türrahmen stehen blieb.
„Guten Abend, Greg." Begrüßte John ihn freundlich und schob ihm eine Tasse Tee hin. Mrs Hudson fing hingegen sofort n zu plappern. „Also Sie nehmen es wesentlich besser auf als ich es getan habe. Als der gute John plötzlich vor meiner Haustür stand bin ich doch alles Ernstes beinahe in Ohnmacht gefallen…" begann sie und lächelte Lestrade verlegen an. Dieser ließ sich seufzend auf den Stuhl gegenüber von John gleiten und sagte düster" „Sie haben einiges zu erklären, John."
„Ich hatte nichts anderes erwartet." Antwortete dieser schmunzelnd und nahm einen Schluck aus seiner Tasse. Danach begann er zu erzählen.
Es dauerte fast zwei Stunden bis Greg die Wohnung wieder verließ. Er hatte sich einverstanden erklärt die Sache zunächst für sich zu behalten und trotzdem unauffällig ein Auge auf die Nachbarschaft zu haben. Von da an hieß es warten. John hatte beschlossen zunächst keine weiteren Personen über sein Überleben zu informieren. Dies würde nur eine größere Anzahl von Leuten zur Folge haben welche in die Schussbahn geraten konnten. Und das konnten weder John noch die Anderen gebrauchen. Und so verbrachte John den größten Teil des restlichen Tages in Mrs Hudsons Küche, während diese ihm von den Geschehnissen der letzten Woche berichtete. Wenn alles nach Plan verlief, so würde an diesem Abend ein Treffen von Morans Männern stattfinden, zu welchem Frankham den Männer von der Sichtung John Watsons in der Baker Street berichtete und einige Schnappschüsse auf seinem Handy vorführte. Im günstigsten Falle bedeutete das, dass der Spuk morgen ein Ende hatte. Im Schlimmsten Falle würde Moran sich Zeit lassen und einen detaillierten Plan ausarbeiten.
Als der Tag sich schließlich dem Ende näherte zog John sich schließlich nach oben zurück. Seine Sachen würden noch einige Tage in Mycrofts Obhut bleiben, doch er hatte eine Reisetasche mit den wichtigsten Habseligkeiten bei sich, welche er genüsslich in der Wohnung verteilte. Dabei fiel sein Blick unweigerlich auf die Tür zu Sherlocks Zimmer und er seufzte. Er hatte den Raum regelmäßig zum Putzen betreten und immer wieder die persönlichen Gegenstände seines ehemaligen Mitbewohners betrachtet. Und sich gefragte, war Sherlock sich damals vom Dach des Sankt Barts gestürzt hatte. Jetzt, wo er die Antwort knnte, konnte er darüber nur noch den Kopf schüttel. Was für ein Idiot er doch gewesen war. Würde nach dieser Sache tatsächlich wieder alles so werden können wie früher? Sollten Sie wieder eine gemeinsame Wohnung haben, gemeinsame Fälle lösen und so tun als wäre nie etwas gewesen? John war nicht sicher ob er das Gefühl des betrogen-worden-seins jemals würde abschütteln können. Er seufzte. Es war sinnlos sich jetzt den Kopf darüber zu zerbrechen. Zuerst mussten sie Moran schnappen. Und es war am besten, wenn er davor noch eine Mütze voll Schlaf ergattern konnte.
