Am nächsten Abend

In einem stockdunklen Raum saßen drei in Roben gekleidete Personen auf dem Boden. Es gab keine Fenster, keine Türen und auch keine Möbel. Es herrschte eisige Kälte.

„Also Harry, wenn ich dich so nennen darf. Weißt du, weshalb du hier bist?"

Der kleine Junge zitterte am ganzen Leib, versuchte es jedoch zu unterdrücken. „Nein.", antwortete er trotzdem ruhig, wobei er die anderen nicht sehen, sondern nur schwach ihre Aura fühlte.

„Das dachte ich mir schon. Du lernst bereits seit einem Jahr Okklumentik, oder?", fragte nun der andere weiter.

„Ja."

„Wenn das so ist, darf ich versuchen deine Schilde zu zerstören? Wir werden auch nicht durch deine Gedanken hindurchstöbern.", fragte erneut der Andere, währenddessen zwei weiße, lange Fangzähne in der Finsternis aufblitzten.

„Ich bezweifele, dass ich in der Position bin Erlaubnis zu verweigern."

„Guter Junge. Ich fange jetzt an."

Der Vampir konzentrierte sich auf die Augen des Jungens, die er nur wegen seiner Nachtsicht erkennen konnte. Langsam aber sicher, drang er vorwärts. Doch das einzige was er sah, war eine riesige, einsame Wüste. Langsam ging er weiter. Mit jedem Schritt fühlte er den feuchtwarmen Sand unter seinen Zehen. Plötzlich blickte er hinab und bemerkte den Fehler. Der Sand war feucht. In einer Wüste. Er beugte sich hinab und ließ den Sand durch seine Finger gleiten. In jedem einzelnen Sandkorn huschte ein einzelnes Bild vorbei.

„Willkommen in meinem Reich.", echote die Stimme des Jungens durch die endlose Wüste, als ein zarter Wind ihn streifte. „Dir sollte bewusst sein, dass ich Okklumentik nicht seit einem Jahr, sondern seit drei täglich üben muss."

Der Vampir schaute jedoch nur kurz unbeeindruckt auf und beobachtete sofort die Sandkörner erneut. Mit der Kraft seines Willens befahl er ihnen ihre Bilder zu halten und ein großes zu formen und so geschah. Oder auch nicht. Jedes einzelne Sandkorn folgte seinem Willen und bildete ein einzelnes Bild. Doch die Körner drängten übereinander und bekämpften sich, sodass kein sinnvolles Bild erkennbar war. Nur alles schimmerte in einem flachen grün im Hintergrund.

Langsam sammelten sich am Himmel schwarze Teilchen, welche sich zusammenfügten. Nach kurzer Zeit war ein großer, schwarzer Streithammer zu erkennen. Der Vampir grinste nur. Plötzlich sauste der Streithammer, als wäre er von einem Gott geschwungen, hinab auf die Wüste. Die ganze Wüste erbebte unter der Wucht und splittete. Jedoch war noch kein direkter Durchgang hinab zu erkennen, was auch immer drunter lag. Langsam erhob sich der Hammer erneut und knallte wieder direkt mit voller Kraft auf dieselbe Stelle. Dieses Mal war ein lauter Schmerzensschrei zu hören.

Langsam wird das aber unglaublich. Dieser Junge ist erst Acht Jahre alt und seine Schilde haben zwei Schläge meines Hammers überlebt... bin ich etwa ein Okklumentik-Master grundlos?

Mit diesen Gedanken zog der Hammer das dritte Mal gestärkt durch seine Wut hinab in die Wüste. Diese spaltete sich, gefolgt von einem weiteren ohrenbetäubenden Schmerzensschrei, zudem erschien eine riesige Bibliothek in der Mitte eines riesigen Wirbelsturmes aus Sandkörnern.

Dass dieser Junge selbst seine Gedanken schon geordnet hat, seine Erinnerungen…

Der zurückgebliebene Vampir grinste leicht im nun leicht erhellten Raum seinem Kameraden an.

„Wer hätte von dir erwartet, Raphael, dass du für einen Jungen eine gute Stunde brauchst?"

Der Vampir, Raphael, drehte sich erschrocken zu Harry um. „Du hast dort drinnen die Zeit dauerhaft beschleunigt? Ist das dein verdammter Ernst?"

„Ja.", antwortete Harry mit einem leichten Grinsen, welches er nicht unterdrücken konnte oder wollte.

Wie er nicht einmal richtig mit uns redet… Mal hoffen, dass dies sich bald ändert.

„Ich muss gestehen. Das war einfach spitzenmäßig. Ich glaube, in den kommenden zwei Jahren werden wir sehr viel Spaß haben. Damit du weißt, warum du hier bist. Einerseits sollen wir deine Okklumentik-Skills sowie deine Legilimentik-Skills verbessern. Aber das ist nicht alles. Denn zu deiner ach so bösen Überraschung hat dein Vater deinen Zauberstab bei sich behalten. Ich soll dir auftragen, dass du wohl oder übel ohne ihn zaubern sollst, wenn du zaubern möchtest. Zudem werden wir dir das Kämpfen mit verschiedenen Waffen beibringen, sowie der der Sechste Sinn."

Geschockt antwortete Harry nur „Jawohl." Er konnte und wollte nicht glauben, dass Rooks ihm wirklich sein Zauberstab aus seinem Koffer entwendet hatte. Er bemerkte auch nicht, dass sie Rooks als seinen Vater betitelten.

An einem der folgenden Tagen

In einem stockfinsteren, eiskalten Raum lag ein schwarzhaariger Junge mit geschlossenen Augen in einer Ecke zusammengeknüllt um seine letzte Wärme zu sparen. Sein sonst immer so emotionsloses Gesicht verzog sich zu einer traurigen Grimasse, während dem kleinen Mund einen Schluchzer entfuhr.

Derselbe Traum wie so oft bevor…

In einem kleinen Schaukelbett sehe ich mich liegen und rufe erneut nach Bella. Langsam strecke ich meine Hände nach oben um mich aus meinem Gitterbett zu befreien. Ich möchte nicht noch länger schlafen… „'ellaaaaaa!"

Erschreckend langsam schiebt sich das wutverzerrte Gesicht von Bellatrix LeStrange näher. Ihre Schritte klingen in den jungen Ohren wie lautes Trommelschlagen… Trotzdem sieht man ihr an, wie mitgenommen sie ist. Ihre Haut ist blasser als eh und je und ihre Augen sind Blutunterlaufen.

KANNST DU NICHT MAL DEINE VERDAMMTE FRESSE HALTEN! DU BIST ERST SEIT ZWEI WOCHEN HIER UND SEITDEM HABE ICH KEIN AUGE ZU GEMACHT! DU KREISCHST UND WILLST SPIELEN! ESSEN, TRINKEN! KANNST DU NICHT EINFACH MAL SCHLAFEN? SCHLAFEN WIE EIN GANZ NORMALES WESEN? WO IST DAS VERDAMMTE PROBLEM? ICH HALTE DAS NICHT MEHR AUS!"

Sofort erstickte das Baby seine letzte laute und es traten ihm kleine Tränchen in seine Augen. Bis gerade eben dachte es, es habe eine Mutter wieder gefunden… Sofort schnallte Bellatrixs Hand vor ihren Mund, doch der Schaden war getan.

Ich habe das nicht so gemeint, mein Kleiner.", versuchte sie ihn zu trösten. „Wie findest du es, wenn du ein bisschen mit Kreacher spielst solange ich ein bisschen Energie tanke?"

Okay, ´ella!", antwortete Harry, der nicht in der Lage war Bellatrix richtig zu betonen, traurig.

Plötzlich wachte Harry schweißgebadet auf und konzentrierte seinen Willen auf einen Tempus-Zauber. Er wollte die Zeit wissen!

3.17 Uhr.

Nur noch 13 Minuten bis zum Training…

Ein anderes Mal

„Kreacher, bring bitte warmes Wasser für Harry in seiner Tasse!", rief eine bereits genervte Bellatrix. Ihr Sohn Harry wollte einfach nichts essen. Er weigerte sich mit ihr zu reden, ihr zu helfen. Oder einfach nur irgendetwas zu machen.

Plötzlich poppte Kreacher mit blauwarmen Wasser in einer blauen Tasse herein und übergab diese Bellatrix.

„Du wirst jetzt diese Tasse leer trinken, verstanden?", befahl Bellatrix mit drohender Stimme, die jeden anderen zusammenzucken ließe.

Als Antwort erhielt sie jedoch lediglich ein Kopfschütteln. Deshalb versuchte sie selbst die Tasse wieder einmal bei ihm anzulegen. Plötzlich explodierte nach einem Schub beabsichtigter Magie von Harry seine Tasse und leerte den ganzen Inhalt über sich.

„MIR REICHTS JETZT! ICH HOLE JETZT ROOKWOOD! ER SCHULDET MIR NOCH EINEN GEFALLEN!"

Zwei Jahre später

Endlich ist es so weit. Nach ganzen zwei Jahren sehe ich meinen Harry wieder. Und trotzdem werde ich ihn wieder wegschicken müssen… Weshalb habe ich so früh meinen Titel als Todesser nur wiederaufgenommen? Und weshalb sorge ich mich so sehr für ihn? Er ist nicht einmal mein leiblicher Sohn…

„Ah, Raphael. Wie hat sich mein Sohn geschlagen?", fragte Rookwood mit einer Stimmlage, die jeden Menschen zittern ließe, als wäre sie vor dem Gericht Satans angelangt. Aber schließlich waren die anderen keine Menschen…

Jetzt nehme ich meine gute Laune auch noch an ihm aus? Mist, beherrsche dich! Du benötigst keinen Stress mit den Vampiren… mein Lord wird's dir nicht verzeihen…

Jedoch grinste der Vampir nur, der schon gefühlt zwanzig verschiedene Dunkle Lords getroffen hatte, und antwortete stolz. „Was soll ich groß sagen, Rookwood. Euer Sohn ist mir wahrlich ans Herz gewachsen. Die letzten zwei Jahren, waren die besten des ganzen Jahrhunderts. Er hat alle deine Gesetzen Aufgaben gemeistert, aber zudem auch unsere. Er kann selbst inzwischen unsere Sprache flüssig, obwohl wir es ihm nicht beigebracht haben."

„Das freut mich zu hören, aber du wirst mir sicher nicht böse nehmen, wenn ich mich selbst überzeuge, oder?", entgegnete Rookwood zweifelnd.

„Mach was du nicht lassen kannst.", entgegnete Raphael immer noch gut gelaunt.

„Rooki!", schrie eine junge Kinderstimme von der Tür, währenddessen sich ein Schatten auf Rooks stürzte. „Ich habe dich so vermisst! Und Mama erst! Ist Mama nicht da?"

„Nein, mein Kleiner. Mama ist noch nicht da. Aber du wirst sie sehen, wenn wir Zuhause sind."

Weiterhin fröhlich fuhr Harry fort: „Ich muss dir was ganz Tolles dann zeigen, ja?"

Dem von vielen Menschen gefürchtete Todesser ging jedoch in diesem Moment das Herz auf, weil er den Jungen, seinen Jungen, so glücklich sah. Es schien, er müsse seinen Plan ändern.

Am Abend

In der LeStrange Manor saß wieder die glückliche Familie vereint. Zusammen aßen sie das von Kreacher servierte Abendessen glücklich.

„Weißt du, mein Sohn. In einem Vierteljahr darfst du ein weiteres Vierteljahr in einer anderen Familie Urlaub machen. Und keine Sorge, es ist eine liebevolle, nette, kleine Familie, die bloß manchmal ein bisschen verrückt wird.", erklärte Rooks seinen Plan seinem Sohn für seine Zukunft. Er wollte nicht, dass sein Sohn in diese Böse Welt hineingezogen wird. Zumindest noch nicht.

„Zu welcher Familie, Vater?"

„Zur Familie Greengrass. Ihr Stand ist Neutral, zu deiner Information. Dir steht aber trotzdem die Bibliothek zu Verfügung. Außerdem werden wir dich anschließend zu deinen Muggelverwandten bringen, ihre Erinnerungen manipulieren und dich bei ihnen leben lassen.", fuhr Rooks fort, als wäre dies das normalste Gespräch für ein Abendessen.

„Weshalb muss ich zu meinen Verwandten?", fragte Harry ernst drohend.

„Diese Frage ist einfach beantwortet. Du musst, wenn deine Eltern dich aufpicken, ein Muggel spielen. Sie dürfen auf keinen Fall erfahren, dass du bei uns warst. Immerhin sind wir ja so gesehen Erzfeinde.", bei dem letzten Begriff entfuhr Bellatrix ein fieses Grinsen.

„Einverstanden. Dann müssen wir aber das Vierteljahr sinnvoll nutzen. Morgen früh um 7:00 Uhr duellieren wir! Ich werde dir zeigen, was ich gelernt habe!"