„Was hat das zu bedeuten? Hashirama sagte-"
„Es wird keine Allianz geben. Ihr werdet Konoha gehorchen. Und sage niemals wieder diesen Namen in meiner Gegenwart!"
Madara zu Ooniki Sandaime Tsuchikage in Naruto Bd 55, Kap. 562
XxX
„Madara, Völkermord ist keine Lösung. Wir können die Hyuuga nicht benutzen um ein Exempel zu statuieren, die Konsequenzen wären-"
„Eigentlich", unterbrach ihn Madara, „hatte ich an etwas ganz anderes gedacht. Aber deine Idee ist auch gut."
XxX
Oktober 20
Madara befand sich in einem Zwiespalt. Er war gestresst und wütend auf Hashirama, die Senju, die Uchiha, Hashirama, sich selbst, diese ganze verdammte Situation, ach ja, und auf Hashirama. Wie ein Tiger in einem Käfig schritt er vor seinem Zelt auf und ab, blieb stehen, schoss einen Todesblick auf den Falken, der auf einer Stange daneben hockte, und marschierte weiter auf der Stelle.
Aufgrund der vielen Nachrichten, die Uchiha und Senju hin und her schicken mussten, hatte Madara sich einen eigenen Botenfalken zugelegt. Er hatte das Tier selbst abgerichtet (eine Kleinigkeit für einen Sharingannutzer, dessen Spezialität es war Tiere zu kontrollieren). Haiko kannte den Weg zum Senju-Lager inzwischen auswendig und war sogar in der Lage es aus großer Höhe zu erkennen, selbst wenn es seinen Ort änderte. Aber der Vogel überbrachte nicht nur Nachrichten der Senju, nein, er wurde auch von diversen Teams seiner Uchiha benutzt, wenn diese ihm etwas Wichtiges mitzuteilen hatten.
Die Schriftrolle, die Haiko ihm an diesem Tag gebracht hatte, enthielt schlechte Neuigkeiten. Anscheinend hatte einer seiner Leute durch Zufall von einem Waffenhändler, der es vom Freund seiner Cousine hatte, welche eine Bekannte im Rotlichtviertel hatte, gewisse Dinge über die Senju gehört. Dinge wie zum Beispiel geheime Verhandlungen.
Offensichtlich planten die Senju, sich mit dem Hyuuga-Clan zu verbünden.
Das war aus vier Gründen problematisch.
Erstens: Seit ihrem gemeinsamen Sieg über die Clans Takara, Maina und Zurumi und dem Versagen des Shichibi war kein anderer Krieg mehr in Sicht. Es gab absolut keinen Grund für ein weiteres Bündnis.
Zweitens: Uchiha und Senju waren die beiden stärksten Clans überhaupt auf der ganzen Welt. Selbst wenn es Krieg gegeben hätte, so hatten sie gar keine Verwendung für noch mehr Ninja.
Drittens: Es waren die Hyuuga. Hyuuga besaßen ein sehr starkes Doujutsu. Natürlich nicht so stark wie das Sharingan. Es half ihnen nicht Illusionen zu durchschauen oder Künste zu kopieren. Dafür konnten sie jedoch durch feste Materie hindurchsehen und sogar Dinge erkennen, die sich hinter ihnen befanden. Es war praktisch unmöglich ihnen zu entgehen oder sie zu überraschen. Man nehme dazu noch ihren ungewöhnlichen und verheerenden Nahkampfstil und sie waren eine echte Bedrohung. Die Uchiha hatten sich noch immer nicht ganz von den letzten Kriegen erholt. Sie waren den Senju bereits jetzt zahlenmäßig unterlegen.
Was ihn zum vierten Punkt führte: Die Allianz, die Senju den Hyuuga angeboten hatte, war ungleich eines einfachen Waffenstillstandes oder auch nur einem vorläufigen Bündnisses zum Abwehren einer vorübergehenden Gefahr. Nein, es waren dieselben Bedingungen, die auch zwischen Uchiha und Senju herrschten.
Für Madara sah das verdammt noch mal nach einer Verschwörung aus.
Nun war der Uchiha- Anführer in einem Zwiespalt. Denn in weniger als zwanzig Minuten begann das monatliche Treffen mit seinem Senju – und er überlegte hin und her und wieder zurück, ob er die Sache ansprechen sollte oder nicht. Denn wenn er es tat und es war eine Verschwörung, wäre er die Chance los seinen Clan angemessen auf einen Überraschungsangriff vorzubereiten. Sprach er es aber nicht an und seine Informationen waren falsch oder unvollständig, könnte das zu unbegründeten Spannungen und Misstrauen zwischen ihnen führen, was Madara vollkommen unnötigerweise dazu verleiten könnte, einen gewissen Senju umzubringen. Nur so als Vorsichtsmaßnahme.
Da war sie also wieder, die Sache mit dem Vertrauen. Madara wollte Hashirama vertrauen – er wollte es wirklich! Aber dieser verdammte Bastard machte es ihm auch nicht gerade leicht.
Als Hashirama schließlich das Lager betrat, froh und munter und sich keiner Schuld bewusst (so wie immer eben) beschloss Madara, erst einmal still zu sein und seinen Senju genau zu beobachten. Ohne sich sein Misstrauen anmerken zu lassen bat er den Anführer in sein Zelt, in dem eine seiner Cousinen vierten oder fünften Grades bereits den Tee zubereitete. Hashirama begrüßte ihn wie immer und nachdem die Kunoichi gegangen war, begannen sie ihr monatliches Ritual, ebenfalls wie immer. Das bedeutete, dass sie sich in einer Partie Shogi miteinander maßen, eine Angewohnheit, die sich über die Zeit ihrer schrägen Freundschaft immer wieder gefestigt hatte. Madara ließ Hashirama unauffällig gewinnen um zu sehen wie er reagierte. Sein Senju lachte laut auf und klatschte in die Hände, freute sich wie ein kleines Kind. Ungewollt musste Madara ebenfalls lächeln. Er hatte bisher kein einziges Anzeichen entdeckt, dass Hashirama irgendeine Art von schlechtem Gewissen plagte. Also entweder war er ein wirklich guter Schauspieler – oder er wusste vielleicht gar nichts von den Plänen seines eigenen Clans? Normalerweise hätte der Uchiha das für unmöglich gehalten, aber nach den Erfahrungen, die er mit seiner eigenen 'Familie' gemacht hatte, war er sich da nicht mehr so sicher.
Trotzdem beobachtete er Hashirama weiter als sie ihren Tee tranken, bevor der Senju eine Schriftrolle hervorholte und seinen eigenen Papierkram entsiegelte. Schnell waren beide wieder in der Routine Missionen zu vergleichen, neue Teamzusammenstellungen zu diskutieren und was sonst noch alles besprochen werden musste. Als sie zwei Stunden später auch damit fertig waren hatte Madara sich entspannt, bereits halb überzeugt davon, dass Hashirama keine geheime Übernahme plante. Das war bis...
„Da ist noch etwas, was ich gerne mit dir besprechen würde, Madara", sagte Hashirama, als der Uchiha gerade seine Schriftrollen versiegelte.
„Hn."
„Es gibt da ein paar Probleme mit dem Hyuuga Clan."
Hier merkte er auf. „Die Hyuuga?", sagte er langsam. „Was ist mit ihnen?"
Hashirama lächelte entschuldigend. „Sie scheinen sich... bedroht von unserer Allianz zu fühlen. Wollten sicher stellen, dass wir nicht auf einen Trip gehen die Welt zu beherrschen."
„Hn."
„Also haben wir ihnen einen Waffenstillstand angeboten, aber das hat ihnen nicht ausgereicht."
„Worauf willst du hinaus, Hashirama?"
„Die Hyuuga wollen eine Allianz. Sie wollen sich uns anschließen."
Madara schwieg kurz. „Uns?"
„Naja, genau genommen den Senju. Sie haben Angst ihr würdet ihre Augen stehlen wollen."
Der Uchiha runzelte die Stirn. „Und was hast du ihnen geantwortet?"
„Dass ich das erst mit dir besprechen muss natürlich."
Für einen Moment schlug Madaras Herz schneller. Mit 'dir' besprechen, hatte sein Senju gesagt. Nicht 'mit deinem Clan'. Hashirama wusste, dass Madaras Interessen nicht immer unbedingt denen der Uchiha entsprachen. Trotzdem wartete er bei dieser wichtigen Angelegenheit auf sein Urteil allein. Das, mehr als alles andere, nahm die Last des Misstrauens von seinen Schultern.
„Vielen Dank, dass du meinen Rat hinzuziehst", sagte er und, weil ein Uchiha sich niemals bedankte, ließ es besonders sarkastisch klingen. „Hyuuga und Uchiha haben nicht gerade eine friedliche Vorgeschichte. Das Byakugan ist eine Art minderwertiger Abzweig des Sharingans, der sich vor einigen hundert Jahren von der Hauptlinie abgespalten hat. Diese Ninja sind altmodisch und viel zu fokussiert auf den Nahkampf. Es gibt eine gewisse Grenze wie weit man als Ninja kommen kann, ohne Nin- oder Genjutsu zu benutzen. Die Hyuuga sind viel zu stolz das einzusehen, aber sie sind definitiv kein gleichwertiger Partner, weder für die Uchiha noch für die Senju."
Hashirama verzog leicht das Gesicht. „Ich hatte mir schon gedacht, dass du etwas in der Art sagen würdest." Er seufzte. „Schade, sie wären sicher nützlich gewesen."
Madara beobachte ihn aus den Augenwinkeln, aber sein Senju schien dem nichts hinzuzufügen zu wollen.
„Das war alles?", fragte er schließlich.
„Ah... Ja, wieso?"
„Nun, normalerweise hängst du dich mehr in deine kleinen Friedensprojekte rein."
Hashirama runzelte die Stirn. „Das mag sein, ja. Aber eine Allianz mit den Hyuuga ist mir ganz bestimmt keinen Streit mit den Uchiha wert."
Abrupt wandte Madara sich ihm wieder ganz zu. Langsam begann sich eine Idee in seinen Gedanken zu formen.
„Was wäre... Wenn es eine andere Möglichkeit geben würde?"
Hashirama faltete die Hände unter dem Kinn und lächelte ihn an. „Ich bin ganz Ohr."
„Die Hyuuga glauben wir würden auf einen 'Weltherrschafts-Trip' gehen, sagst du. Dass sie nur die Senju wegen dieser Sache ansprechen, zeigt mir, dass sie unsere Clans entzweien wollen. Aber nicht etwa um das alte Kräftegleichgewicht wiederherzustellen, sondern um selbst an der Spitze zu sitzen. Sie werden nicht die Letzten sein, die das versuchen und ich fürchte, früher oder später wird es jemandem gelingen."
„Was schlägst du also vor?", fragte Hashirama alarmiert.
„Senden wir eine... Warnung an die Welt. Eine Warnung, dass man so mit uns nicht umspringen kann."
„Madara, Völkermord ist keine Lösung. Wir können die Hyuuga nicht benutzen um ein Exempel zu statuieren, die Konsequenzen wären-"
„Eigentlich", unterbrach ihn Madara, „hatte ich an etwas ganz anderes gedacht. Aber deine Idee ist auch gut."
Hashirama sah ihn nur verständnislos an. Der Uchiha seufzte und ließ sich dazu herab, ein wenig näher auszuführen.
„Angenommen wir würden Hyuuga mit in unseren kleinen Kreis holen. Andere Clans würden kommen, versuchen einen von uns abzuwerben. Stattdessen würden wir sie auf unsere Seite holen. Eine Ninjaallianz, wie die Welt sie noch nie gesehen hat. Hyuuga kann uns nicht mehr gefährlich werden, wenn sie nur ein Clan unter vielen sind. Uchiha und Senju, sozusagen als Gründungsmitglieder, hätten natürlich dennoch eine übergeordnete Machtposition. Diese Stellung zu akzeptieren wäre Bedingung zum Beitritt."
„Eine solche Allianz hätte absolute Macht", überlegte Hashirama laut. „Wir wären diejenigen die bestimmen, wer gegen wen Krieg führen darf. Wir würden die Welt beherrschen... Und die Einzigen, die stark genug wären sich uns in den Weg zu stellen, die anderen Ninjaclans... Die würden wir auf unsere Seite holen."
„Genau." Madara lächelte.
Hashirama schien einen Moment über die Idee nachzudenken. Dann aber schüttelte er den Kopf. „Das ist zu viel Macht, Madara. Ich habe keinerlei Ambitionen die Welt zu beherrschen und ich weiß die hast du auch nicht, also warum schlägst du so etwas vor? Selbst wenn wir in der Lage wären eine solche Organisation frei von allem Übel zu halten... In dem Moment in dem wir beide nicht mehr existieren, wird jemand unseren Platz einnehmen, der diese Macht ausnutzen wird um sich selbst zu bereichern. Das können wir nicht zulassen."
„Warum nicht?", verlangte Madara zu wissen. „Überleg doch nur einmal, was das bedeuten würde. Unabhängig davon wer an der Spitze steht, es geht doch darum, dass all diese Ninja zusammen arbeiten würden. Du sagst eine solche Allianz würde die Welt beherrschen, weil sie bestimmt wer gegen wen Krieg führen darf. Aber das ist nicht richtig. Es würde keine Kriege mehr geben. Krieg, das bedeutete doch zwei Ninjaclans, die auf Geheiß von alten Männern mit zu viel Geld und zu viel Zeit gegeneinander kämpfen. Aber wenn diese Clans nun zusammen arbeiten, wie soll es dann noch Krieg geben? Du sagst wer immer nach uns an der Spitze steht, würde diese Organisation zu seinem eigenen Vorteil ausnutzen. Aber was ist denn der Unterschied dazu und zwischen dem, was die Feudalherren tun? Ninja wurden schon immer von aller Welt als Werkzeuge gesehen. Was wir nun aber tun können, ist, dafür zu sorgen, dass diese Werkzeuge sich nicht mehr gegenseitig bekriegen."
Hashirama biss sich auf die Lippen. „Weißt du... Es gäbe da vielleicht eine Möglichkeit, wie das funktionieren könnte. Aber in dem großen Ausmaß... Wir könnten nie sicher gehen, dass ein Clan nicht die anderen verrät und es wird immer welche geben, die einen Groll auf den anderen hegen. Wir müssten sie zwingen wirklich eng zusammen zu arbeiten..."
„Also, was schlägst du vor?"
Hashirama grinste. „'Ziehen wir alle zusammen in ein Dorf und bilden eine große, glückliche Familie!'"
Madara starrte ihn an. Drei Sekunden. Vier. Fünf...
„Ich hasse es, wenn du mich zitierst, Senju", grollte er schließlich.
Hashirama lachte laut. „Ich finde, es passt perfekt!"
„Sehr witzig. Wirklich, sehr witzig."
1. November 20
Die ganze Sache lief nicht unbedingt so, wie Madara sich das vorgestellt hatte. Mit seiner Erlaubnis hatte Hashirama die Verhandlungen mit den Hyuuga vorangetrieben. Hin und wieder kam es vor, dass eines ihrer Teams mit Ninjas eines anderen Clans ins Gehege kamen. Anstatt sie zu töten, wie sie es sonst getan hätten, bekamen diese Teams den Auftrag den Besiegten eine zweite Variante anzubieten – der Allianz beizutreten. Die beiden Taisho waren sich einig, dass sie keine größeren Clans darauf ansprechen wollten, bis sie eine Streitmacht beisammen hatten die groß genug wäre, sie auch gegen eine Verschwörung höheren Grades zu verteidigen. Das Ganze hatte allerdings den Nachteil, dass die meisten Gruppen die sich ihnen anschlossen nicht viel mehr als die versprengten Überreste beinahe ausgestorbener Clans waren, teilweise sogar Einzelkämpfer und Söldner. Was alles wunderbar gewesen wäre, hätten sie nicht vereinbart, den Familien der Allianz ebenbürtige Rechte einzuräumen. Das festigte zwar die Stellungen der Uchiha und Senju, aber die Hyuuga regten sich ganz fürchterlich darüber auf mit den Yamanaka gleichgesetzt zu werden, denen sie zahlenmäßig mindestens fünf zu eins überlegen waren.
Das wiederum hatte in einem neuen Haufen Arbeit für sowohl Hashirama als auch Madara geendet. Schließlich machten sie einen ersten Gesetzesentwurf, nach dem weltliche Recht wie Steuerzahlungen, Besitz- und Territorialrecht nach Anzahl der Ninja des Clans berechnet wurden, während viele Dinge wie der Schutz des Eherechtes, medizinische Versorgung und Clangeheimnisse stark davon abhängig gemacht wurden, ob der Clan ein Kekkei Genkai besaß oder lediglich clanspezifische Jutsus.
Aber all das war nur Schall und Rauch, solange die Allianz ihren Mitgliedern nicht auch etwas zu bieten hatte. Was der Grund war, warum Madara und Hashirma nun in diesem Tal standen.
„Ein Ninjadorf", murmelte Madara und schüttelte den Kopf. „Ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommen würde."
Aber im Grunde war es die perfekte Lösung für ihr derzeit größtes Problem. Sie hatten so viele einzelne Einheiten unter sich versammelt, dass es einfach nicht mehr möglich war sich untereinander abzusprechen. Selbst der Nutzen von Botenvögeln hatte seine Grenzen, ganz zu schweigen davon wie leicht sie abgefangen werden konnten. Wenn sie all diese Ninja dazu bringen wollten miteinander zu arbeiten, dann sollten sie sich besser daran gewöhnen, einander täglich zu sehen.
„Das haben wir alles der Zusammenarbeit zwischen unseren Clans zu verdanken", erwiderte Hashirama lächelnd.
„Eigenlob stinkt." Madara rümpfte die Nase. „Bist du sicher, dass das hier ein guter Ort ist? Wenn wir erst einmal angefangen haben, wird das Projekt nicht viel länger geheim bleiben."
„Das wird es ohnehin nicht. Ich habe schon alles mit dem Feudalherren des Feuerlandes abgesprochen. Die genauen Vertragsbedingungen werden wir später aushandeln, aber wir haben eine Menge Freiheit. Der Daimyo war absolut begeistert von der Vorstellung, seine eigene ganz persönliche Ninjarmee zu haben."
„Kann ich mir vorstellen. Sieh zu, dass du die Verhandlungen so lange wie möglich hinziehst. Ich will, dass dieses Dorf eine unabhängige, möglichst autarke Einheit ist bevor der feine Herr mitkriegt, dass wir nicht nur von ihm Aufträge entgegen nehmen."
Madara griff sich eine Schriftrolle von seinem Gürtel und breitete sie auf dem Boden aus. Darauf war eine Karte gezeichnet, wie ihr Dorf aussehen sollte. Mit derart vielen verschiedenen Talenten eröffneten sich ihnen vollkommen neue Möglichkeiten. Sie würden verschiedene Arten von Trainingsgebiete für die clanspezifischen Jutsus brauchen, Anbauflächen für Nahrungsmittel und Viehweiden, ein Bewässerungssystem, zahllose Häuser, Waffenschmieden, einen Markt, Schutzmauern und Siegelbarrieren und ein Krankenhaus. Aber das war noch nicht alles. Madara und Hashirama hatten sich entschieden, ihr Dorf nach dem Eichen-System aufzubauen. Die vielen verschiedenen Clans und Ninjas würden den tragenden Stamm des Baumes bilden. All die Gebäude und Vorrichtungen oberhalb der Erde sowie sämtliche Händler und zivile Dienstarbeiter aus den Ninjafamilien waren die Äste und Zweige des Baumes. Jeder Clan hatte seinen Nachwuchs, ihre Kinder, die die Blätter bildeten.
Senju sollte Verantwortung über die Präsentation des Dorfes übernehmen. Sie würden Delegationen zusammen stellen, Verhandlungen führen und sich allgemein um die diplomatische Seite des Unternehmens kümmern. Durch sie würde der Baum seine Früchte tragen.
Madara hatte an alldem kaum Interesse. Seine Bestimmung lag im Krieg, nicht in der Diplomatie und das wusste er auch. Nein, seine Uchiha und er, sie würden die Wurzeln des neuen Dorfes bilden.
Die Wurzeln waren das, was den ganzen Baum stützte und am Leben hielt. Sie hielten sich versteckt im Dunkeln, sie waren es, die sich die Hände schmutzig machten und den Baum mit all den Informationen versorgte, die er brauchte.
Das eigentliche Ninjadorf, der Ort, wo sich seine Kraft konzentrierte, lag deshalb unterirdisch. Madara hatte ein ganzes Labyrinth an Gängen und Räumen entworfen, extra dafür ausgelegt einen Eindringling zu verwirren (selbst ohne die Genjutsu, die er plante in den Wänden zu verankern.) Dieser Bereich würde die Geheimnisse des Dorfes enthalten. Forschungslaboratorien, Schutzbunker, Folter- und Verhörräume, Gefängnisse, Fluchtrouten, Ausbildungszentralen für besonders riskante oder moralisch fragwürdige Jutsus und vieles, vieles mehr.
Madaras Augen scannten die Karte während er beide Hände auf den Boden presste und sein Chakra hineinleitete, um seine Beschaffenheit zu überprüfen.
„Zu viel Sand", urteilte er schließlich. „Teile des Gebietes, das wir ausgesucht haben, ist nicht stark genug die Wurzeln zu stützen."
„Wie wäre es dann mit Flächenvergrößerung?", schlug Hashirama vor. „Wir können die Landschaft doch nach Belieben verändern."
Madara nickte. Er nahm einen kleinen Zweig vom Boden der mit Erde und Schlamm beschmutzt war und benutzte ihn, um eine gerade Linie durch die Karte zu ziehen.
„Wenn wir den Stamm auf die rechte Seite verlagern und etwas zusammen ziehen, können wir einen doppelt so großen Teil der Wurzeln in diesem Bereich hier unterbringen", sagte er und deutete auf die abgegrenzte Fläche.
„Na dann mal los. Ich nehme Position an diesem Punkt im Nordwesten ein", meinte Hashirama und tippte auf die Karte. „Wenn du Nordost übernimmst, können wir eine gerade Mauer hochziehen. Ein Kilometer sollten genügen, oder?"
„Hn."
Die beiden Shinobi machten sich auf den Weg. Als Madara sicher war, dass sein Senju angekommen war, presste er seine Hände wieder auf den Boden und begann sein Chakra hineinzuleiten. Bald schön spürte er einen Zug in nordwestlicher Richtung und verdoppelte seine Anstrengungen.
Beide Ninja benutzten ihr Erdjutsu im selben Moment. Ein dumpfes Grollen war zu hören. Vögel flogen panisch aus den Wipfeln der Bäume auf, als sich die Erde hob. Innerhalb weniger Sekunden hatten die beiden Taisho die Erdkruste aufgebrochen und ein gutes Stück der Landschaft in die Höhe gehoben.
Nun standen sie gemeinsam am Rande der neuen Klippe und sahen auf den Wald darunter herab.
Hashirama klopfte ihm auf den Rücken. „Das ist jetzt dein Job, Madara."
Madara ließ sich das nicht zweimal sagen. Rasend schnell formte er seine Fingerzeichen, führte Mittel- und Zeigefinger zu seinen Lippen, und blies einen gigantischen Feuerball auf den Wald herab.
Selbst Hashirama stockte für einen Moment der Atem, als die gesamte Landschaft in einem Flammenmeer versank. Er hatte Madara noch nie einen derart großen Feuerball machen sehen – das Ding war sicher einen ganzen Kilometer im Radius!
Zurückgedrängt von der Hitze beobachtete der Senju staunend, wie tausende von Quadratmeter Wald zu einem Häufchen Asche zerfielen. Hashirama mochte Bäume, aber er versuchte es von der positiven Seite her zu sehen. Sobald die Erde etwas abgekühlt war sprangen die beiden Ninja von der Klippe herunter und benutzten weitere Erdjutsus, um die Asche auf den Gebieten zu verteilen, die sie später zum Anbau benutzen wollten. Es würde den Boden noch fruchtbarer machen.
„Jetzt bist du an der Reihe", meinte Madara, als sie auch damit fertig waren.
„Und du bist sicher, dass du den Untergrund nicht vorher festlegen willst?"
Der Uchiha schüttelte den Kopf. „Die wichtigsten Einheiten schaffe ich auch ohne deine Hilfe rechtzeitig und für die feineren Sachen will ich warten, bis alle eingezogen sind. Solange arbeite ich nur am Gefängnis und einigen Schutzbunkern, die ich auf diesem Plateau unterbringen kann. Am Ende baut jemand noch ein Haus, der Boden bricht unter ihm weg und er landet in einer Folterkammer. Nein, vorzugsweise soll niemand wissen was sich zwischen den Wurzeln befindet außer denjenigen, die dort unten arbeiten."
„Okay, wenn du dir sicher bist – dann fange ich mal an!"
Hashirama schloss sein eigenes Fingerzeichen und auf sein Signal hin schossen ganze Gebäude wie aus dem Nichts aus der Erde. Ohne auch nur zu blinzeln beobachtete Madara, wie ein Bezirk nach dem anderen aus dem Boden gestampft wurde. Uchiha, Senju und Hyuuga waren beinahe gleich groß und jeweils von einer eigenen Schutzmauer umgeben. Alle Häuser hatten denselben Grundriss; es würde den Familien selbst obliegen, sie nach ihren Vorstellungen zu verändern oder zu ersetzen.
Dann kamen hunderte von kleinen Häusern für die niederen Familien, Abgrenzungen für die Weiden und Trainingsgründe. Schließlich erschuf Hashirama noch ein ausladenes Krankenhaus und setzte einen Regierungsturm in die Mitte. Er hoffte die Holzkonstruktionen bald durch echte Häuser ersetzten zu können, aber das würde Zeit brauchen.
„Puh", machte er schließlich und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Das war ganz schön anstrengend."
„Wir sind noch nicht fertig, Hashirama. Mach mir bloß nicht schlapp." Madara öffnete eine weitere Schriftrolle und entsiegelte ein überdimensionales Tintenfass und ein Set mit Pinseln.
„Genauso wie ich innerhalb weniger Minuten den gesamten Wald vernichtet habe, können auch deine Konstruktionen ganz leicht wieder zerstört werden. Also, an die Arbeit!"
Und was für eine Höllenarbeit das war. Selbst mit je zehn Schattendoppelgänger brauchten die beiden Ninja den ganzen restlichen Tag dafür von Haus zu Haus zu gehen und Siegel an die Wände zu malen, die die Häuser vor Feuer, Zerstörung und Abnutzung schützen würden. Hashirama hatte die Ninja ihrer Clans dazurufen wollen, aber Madara bestand darauf ein Siegelnetz durch das Dorf zu ziehen, das jedes einzelne Haus mit einer Art internen Alarmanlage ausstatten würde. So würden sie immer wissen, wenn jemand im Dorf (oberhalb der Foltereinheit, versteht sich) in tödlicher Gefahr war. Für den Fall das sich Verräter oder Spione in ihren Rängen oder den anderen Clans befanden, wollte er diese Aufgabe niemand anderem anvertrauen.
Und so standen zwei sehr erschöpfte, aber auch sehr zufriedene Ninja am Abend dieses Tages auf der hohen Klippe und blickten auf ein riesiges Dorf hinab.
„Wir brauchen einen Namen", stellte Hashirama schließlich nach einigen Minuten friedlichen Schweigens fest.
„Ja, den brauchen wir wohl", murmelte Madara.
„Ich dachte an Shinrin no mura oder Shinrinjugakure."
Madara schnaubte verächtlich. „Dorf der Wälder? Dorf versteckt unter den Bäumen? Ist das dein Ernst?" Er sah sich demonstrativ um. „Ist das nicht ein wenig zu offensichtlich?"
Hashirama rollte mit den Augen. „Aber das Dorf ist strukturiert wie ein Baum und es liegt in den Wäldern. Ich meine, es ist ja nicht so als würde der Name die Position verraten. Das ganze Land ist voller Bäume."
„Denk doch mal praktisch, Hashirama. Ein Name, das ist etwas, was die Leute zusammenschweißt. Es soll die Moral der Ninja erhöhen. Wir brauchen ein Symbol, das zu dem Namen des Dorf passt. Ein Symbol, dass sie stets sichtbar am Körper tragen können, das in ihre Waffen eingraviert wird, auf Kleidungsstücken und dergleichen. Und ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich renne ungern mit einem Baum auf meiner Front rum."
„Ja, das könnte etwas seltsam aussehen... Hast du einen besseren Vorschlag?"
Madara ließ seinen Blick erneut über das Dorf schweifen. Er nahm sich Zeit mit seiner Antwort, schob in Gedanken Wörter hin und her, bis...
„Konohagakure. Das Dorf versteckt unter den Blättern." Er sah seinen Freund an. „Das wäre ein guter Name."
Auch Hashirama ließ seinen Blick über das Dorf gleiten. Schließlich nickte er. „Also ist es Konohagakure."
13. November 20
Geboren aus einer trivialen Idee begann Konohagakure zu wachsen und zu gedeihen. Mehr und mehr Familien und Clans schlossen sich dem Dorf an und mehr und mehr Familien und Clans fühlten sich bedroht von ihnen. Die einzige Möglichkeit, der neuen Supermacht jetzt noch etwas entgegenzusetzen, waren die Biju. Dreimal wurde Konoha gänzlich zerstört. In jedem Fall erkannten die Uchiha die Gefahr rechtzeitig und evakuierten die kampfunfähigen Bewohner durch die unteren Tunnel. Mit der Kraft von Madaras Mangekyou gelang es, die Biju zu versiegeln und das meiste Unheil abzuwehren. Doch bald begannen sich neue Oppositionen zu bilden Iwa, Kiri und Sunagakure waren die Ersten, aber bald schon schien jedes Land sein eigenes Ninjadorf haben zu wollen. Viele waren klein, unorganisiert, mehr vorübergehende Siedlungen als richtige Dörfer. Aber Madaras und Hashiramas gemeinsamer Traum von einer vereinten Ninjagemeinschaft schien gescheitert zu sein. Aber trotz aller Probleme hätten die beiden Clanführer gemeinsam vielleicht noch eine Lösung finden können. Seite an Seite zu kämpfen hatte ein festes Band zwischen ihnen geknüpft. Mit dem Verrat seines eigenen Clans noch frisch im Gedächtnis und all jeden Familienmitgliedern die er wirklich liebte tot, glaubte Madara, dass seine letzte kostbare Bindung durch nichts und niemanden gebrochen werden konnte. Wie sehr er sich doch irrte.
Alles begann auf Tobiramas Siegesfeier. So oft gab es Verluste und Rückschläge, dass die Konoha-nin sich über jeden Anlass zu feiern freuten. Heute war das Tobiramas Sieg über den Sanbi, welcher nun in einem Riesenshuriken versiegelt war. Die Party fand in einem großen Zelt statt, der Sake floss in Strömen und die Musik dröhnte so laut, dass Madara die Ohren davon weh taten. Er hätte sich liebend gern davon geschlichen, aber als Co-Leader des Dorfes wäre das niemals unbemerkt geblieben. Also stand er am Rande gegen eine der Zeltstangen gelehnt, einen beinahe unberührten Becher Sake in der Hand und beobachtete die Menge mit wachsamen roten Augen.
„Warum so trübsinnig?", fragte Hashirama lachend und kam zu ihm herüber. „Du könntest auch mal lächeln, das würde dich nicht umbringen."
„Verzeih mir, dass ich etwas in Gedanken versunken bin", erwiderte er triefend vor Sarkasmus. „Ich lasse mir ungern die Gehirnzellen von zu viel Lärm und Alkohol abtöten."
„Ach komm, das ist Tobiramas großer Tag."
„Du hast es erfasst."
Hashirama öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder als ihm einfiel, wie sehr Madara seinen Bruder verabscheute. Es war wohl wirklich etwas viel von ihm verlangt, auf einer Feier zu dessen Ehren fröhlich zu sein.
Auf der Suche nach etwas Ablenkung ließ der Senju seinen Blick über die Menge schweifen. Eine kleine, rothaarige Kunoichi in einem feinen Kimono sah zu ihm herüber und lächelte. Verhalten lächelte Hashirama zurück und hob die Hand zum Gruß.
„Wer ist sie?", fragte Madara nach kurzem Schweigen.
Hashirama schreckte auf. „Was?"
Der Uchiha runzelte die Stirn und aus irgendeinem Grund schrumpfte Hashirama unter seinem Blick zusammen.
„Diese Frau. Ich habe dich mit ihr in letzter Zeit öfters im Dorf gesehen."
„Oh, das... Das ist Uzumaki Mito. Eine... Eine Diplomatin vom Dorf Uzushiogakure. Wie führen... Verhandlungen, ja genau."
Madara sah ihn ungläubig an. „Hashirama... Hast du mich gerade angelogen?"
Der Senju geriet ins Schwitzen. „Was? Nein, das würde ich doch niemals tun!"
„Hashirama", diesmal war es ein tiefes Grollen, „glaubst du ich, von allen Leuten, erkenne nicht wenn mich jemand anlügt!?"
Hashirama hatte ihn noch nie angelogen. Noch nie. Und bei einem hochrangigen Ninja wie ihm hieß das etwas!
Der Uchiha wandte sich scheinbar desinteressiert ab. „Wenn du mit ihr schläfst, kannst du mir das ruhig sagen."
Hashirama wurde sofort knallrot. „Was – nein! So ist das nicht!"
Ein weiterer scharfer Blick.
„Ich – Ich find sie ganz nett, okay? Ist doch nichts dabei."
„Ganz nett." Madara schnaubte. „Wer's glaubt."
Hashirama öffnete erneut den Mund um sich zu verteidigen, nicht verstehend warum er überhaupt das Bedürfnis verspürte das zu tun, aber Madara wechselte bereits das Thema.
„Dein Privatleben geht mich nichts an, Senju. Aber wenn sie aus einem anderen Dorf stammt, solltest du in Erwägung ziehen was passiert, wenn deine Verhandlungen misslingen."
„Von wegen", murmelte Hashirama so leise, dass Madara ihn fast nicht hörte, „du nennst mich doch nur 'Senju' wenn dir was nicht passt."
„Bitte?", machte Madara gereizt. „Was soll das jetzt wieder heißen?"
„Ach nichts...!" Kurzes Schweigen. „Du könntest echt eine Frau gebrauchen."
Manchmal fragte sich Madara wirklich, warum er zuließ, dass jemand so mit ihm redete.
„Denk nicht mal dran, Senju. Oder hast du vergessen, wie dein letzter Versuch mich zu verkuppeln ausgegangen ist?", meinte er schneidend. „Noch so ein dummer Spruch und es ist dein Kopf der hier bald durch die Luft segelt."
Ein unangenehmes Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus, aber Hashirama rührte sich dennoch nicht vom Fleck.
Madara nippte an seinem Sake und meinte wie beiläufig: „Ich muss die große Siegesrede verpasst haben. Wie genau hat Tobirama es geschafft den Sanbi zu versiegeln?"
„Nun, er hat..." Hashirama stockte, dann lachte er auf. „Haha, so genau weiß ich das selbst nicht! Aber ich werde es ganz sicher rauskriegen. Es wird unglaublich vorteilhaft für das Dorf sein, wenn du nicht mehr der Einzige bist, der diese Biester kontrollieren kann."
„Ja, nicht wahr...", machte Madara nichtssagend. „Halt mich auf dem Laufenden." Er stieß sich von der Zeltstange ab und stellte seinen Becher auf dem nächsten Tisch ab. „Ich habe noch etwas zu erledigen. Genieß du weiter die Feier und deine bezaubernde Gesellschaft."
„Was – wo willst du denn hin?"
Aber Madara hatte das Zelt bereits verlassen.
„Sowas..", murmelte Hashirama als er ihm hinterher sah. Doch in diesem Moment kam die rothaarige Schönheit vorbei.
„Hey Mito-san, warte mal!"
Uzumaki Mito drehte sich lächelnd zu ihm um schon vergaß der Senju Madaras seltsames Verhalten.
20. November 20
Madara beobachtete ruhig das Schlachtfeld, in das sich Konohagakure mal wieder verwandelt hatte. Lava ergoss sich über die Landschaft als der riesenhafte Yonbi auf sie eindrosch. Auf der Klippe die das Dorf begrenzte war Madara weitestgehend sicher und konnte unbehelligt beobachten, wie die Ninja seiner neuen Heimat abgeschlachtet wurden. Hashirama hielt sich gut gegen das Monster. Aber die Biju waren eine Masse an Chakra, sie konnten nicht getötet werden. Ohne das Mangekyou gab es keine Chance das Biest ohne Opfer zu versiegeln.
Madara könnte ihn aufhalten. In der Tat wäre es ein Leichtes, Takigakures Angriff abzuwehren. Er müsste nicht einmal seine Position verlassen. Ein einziger Blick würde genügen.
Doch er tat nichts. Er wartete ab.
Dann betrat Tobirama das Schlachtfeld. Obwohl der Kampf am anderen Ende des Dorfes stattfand, konnte Madara jedes einzelne Detail erkennen. Gemeinsam zwangen die Brüder das Monster in die Knie, aber selbst das würde nichts bringen wenn nicht - da!
Madara riss die Augen auf und lehnte sich vor, bis er fast von der Klippe stürzte. Das konnte nicht sein! Es war unmöglich, es war -
„Verfluchte Scheiße, Senju", murmelte Madara und schloss ein Fingerzeichen. „Was hast du getan?"
Flammen wirbelten auf als Madara in seinem Shunshin verschwand.
„Du bist ein toter Mann, Senju Tobirama."
~*~ Dreißig Minuten später ~*~
„Es ist eine Weile her, Bruder."
Izuna lächelte leicht und ließ seinen Blick über das Meer schweifen. Eine sanfte Brise ließ sein Haar im Wind wehen als er sich zu Boden setzte und die Beine über den Rand der Klippe schwang. Er klopfte auf den Platz neben sich und nach einem Moment des Zögerns setzte sich Madara zu ihm. Für einen Moment saßen die beiden Brüder nur so da und genossen den Geruch des Salzwassers, das Schreien der Möwen und das Rascheln der Blätter im Wald hinter ihnen.
„Dieses Bild", flüsterte Izuna, „es ist wie... ein Spiegel deiner Seele, nicht wahr? Tsukoyomi ist dafür gedacht den Feind in Alpträumen und Folter zu fangen. Aber du schaffst es selbst daraus Frieden zu schaffen."
„Es ist das einzige Genjutsu, das stark genug ist dich zu halten", erwiderte Madara. Er war noch immer vorsichtig, alarmiert. Erlaubte sich nicht loszulassen, obwohl die Gefühle unter seiner Oberfläche nur so brodelten. Es erschien ihm wie Ewigkeiten seit Izuna gestorben war. Da war so vieles was er ihm noch sagen wollte. Aber konnte er sich das überhaupt erlauben? Tsukoyomi war die einzige Möglichkeit Izuna aufzuhalten ohne ihn wirklich zu verletzen.
„Genau das ist es, Madara. Um Frieden zu schaffen... Muss man bereit sein, Blutvergießen in Kauf zu nehmen." Er deutete auf das Meer, dessen Wasser tiefrot, fast schwarz war. Das Rot des Himmels spiegelte sich in ihm zusammen mit dem blassen Mond. Ja, es war ein perfektes Bild von einem friedlichen Strand, doch die Farben stimmten nicht. Das Meer bestand aus Blut und die Bäume waren schwarz und tot. Daran konnte nicht einmal Madara etwas ändern.
„Das ist es doch, was dieses Bild zeigt, nicht wahr? Das ist, wie es in deiner Seele aussieht."
„Izuna..." Madaras Stimme zitterte leicht. Er hatte nun keinen Zweifel mehr daran, dass dies sein Bruder war. „Ich hätte ihn damals sterben lassen sollen. Du weißt nicht wie Leid mir das tut...! Was er dir angetan hat ist-"
„Shh." Izuna hob die Hand und unterbrach ihn. „Es ist okay, Nii-san. Immerhin hatte ich so die Chance dich noch einmal zu sehen."
„Er hat dich dazu gebracht mich anzugreifen, Izuna! Niemand, niemand sollte sich jemals zwischen und stellen dürfen!"
„Er glaubte du hättest die Allianz verraten, weil du offensichtlich die ganze Zeit über da warst als der Yonbi angriff und nichts unternommen hast."
„Unsinn! Tobirama sucht schon seit Ewigkeiten nach einem Vorwand mich loszuwerden. Er hasst mich, er hasst alle Uchiha. Aber ich werde dem ein Ende setzen. Ich werde herausfinden wie sein Jutsu funktioniert, dieses... Edo Tensei und ich werde herausfinden wie man es auflöst. Mir ist egal wie lange ich ihn dafür foltern muss. Ich werde dich von seinem Einfluss befreien und er wird es bereuen, dich jemals angerührt zu haben!"
Izuna sah ihn nur stumm an.
Madara hatte die Hände zu Fäusten geballt, bemüht seine Emotionen unter Kontrolle zu halten.
„Weißt du, als ich gegen Senju Tobirama gekämpft habe... Das war nichts Persönliches", meinte Izuna schließlich und wandte den Blick wieder ab. „Ich wollte einfach nur einen großen Fisch mitnehmen bevor ich selber gehen muss, verstehst du? Stattdessen hat mein Opfer dir geholfen, die größte Ninjaallianz der Welt aufzubauen. Das ist okay. Mehr hätte ich mir doch gar nicht wünschen können. Wenn du glaubst, dass du deinen Plan auf diese Weise vollenden kannst, dann tu es. Ich weiß, dass du es schaffst." Der junge Uchiha stand auf und klopfte sich den Staub von den Hosen. Er warf einen beinahe wehmütigen Blick zurück auf die See.
„Selbst wenn du dafür das Meer in Blut tränken musst."
21. November 20
„Du wolltest mich sprechen?"
Müde schloss Hashirama die Tür hinter sich und ließ sich in seinen Stuhl hinter dem Schreibtisch fallen. Er hatte den Regierungsturm notdürftig wieder aufgebaut, bis sie die Schäden im Dorf beseitigt hatten und klar wurde, wie viel davon sie würden neu errichten müssen. Wieder einmal.
„Ja, ich denke es gibt viel zu tun", murmelte er. „Wie liefen die Verhandlungen mit Iwagakure?"
Madara schnaubte. „Iwa weigert sich, sich Konoha unterzuordnen. Das macht ein Bündnis unmöglich wenn wir unseren Status beibehalten wollen."
Hashirama runzelte die Stirn. „Iwa ist ein Ninjadorf genau wie unseres... Ich hatte ihnen bereits zugesichert-"
„Ist es nicht. Sie sind weitaus schwächer als wir, haben weniger wertvolle Blutlinien, nicht einen einzigen Biju... Sie sind ein Nichts gegen uns."
„Ich hoffe das hast du ihnen nicht so gesagt, Madara. Die dürften ganz schön angefressen sein. Das wird die Diplomatie mit ihnen nicht gerade leichter machen. Da sind schon genug Dörfer die es auf uns abgesehen haben."
„Ich hatte keine Zeit für nutzlose Verhandlungen, Hashirama! Als ich erfuhr, dass das Dorf von Taki angegriffen wird, bin ich sofort zurückgekehrt."
„Ja, das wäre der nächste Punkt." Das Stirnrunzeln vertiefte sich. „Kannst du mir erklären, warum mein Bruder im Koma liegt und mit dem Tod ringt? Schon wieder?"
„Das war nicht-"
„Ich erkenne die Effekte von Tsukoyomi, Madara. Ich meine, was zum Teufel soll das? Ich wollte als Erstes mit dir darüber reden, aber die Sache ist durchgesickert und du machst dich nicht gerade beliebt damit."
Madaras zu Fäusten geballte Hände bebten vor Wut.
„Du hast es doch gesehen. Du warst dort!"
„Ich..." Hashirama stockte und setzte neu an. „Ich weiß nicht, was ich gesehen habe. Für mich sah es so aus als wärst du in einer Genjutsuschlacht verwickelt mit... Mit deinem Bruder, Izuna-san. Aber ich weiß, dass das nicht sein kann und Tobirama lag bereits leblos daneben also... was ist denn passiert, Madara?"
„Warum fragst du das nicht deinen Bruder?", fauchte Madara mit vor Wut funkelnden Augen. „Der wäre bestimmt begeistert dir alles zu erklären!" Madara wandte sich ab und steuerte auf die Tür zu. Hashirama sprang auf und rief ihm hinterher, aber der Uchiha beachtete ihn nicht und rauschte aus dem Zimmer.
Das war mal wieder so typisch Hashirama. Dieser gottverdammte Bastard Tobirama wagte es die Totenruhe seines Bruders zu stören und ihn zu benutzen um Madara anzugreifen, aber Hashirama stellte sich trotzdem sofort auf seine Seite. Oh, er hätte ihn töten sollen, er hätte ihn sowas von töten sollen...
„Noch nicht", murmelte er, mehr um sich selbst zu ermahnen. Wenn er Tobirama tötete, egal aus welchen Grund, würde Konoha das als Verrat ansehen. Er befand sich ohnehin schon auf dünnem Eis. Wenn er diese Linie überschritt konnte er dem Dorf genauso gut sofort den Rücken kehren. Aber das konnte er nicht. Konoha war ein fester Bestandteil seines Plans und er hatte Izuna versprochen, dass er die Sache durchzog. Tobirama würde warten müssen.
„Bald", flüsterte er in die Leere hinein. „Bald schon ist es so weit."
