Kap 11:ByeBye Asia!
So langsam wurde es eng im Jet. Raika war mehr als froh, dass es sich nur auf die drei asiatischen Teams belaufen würde, die mit ihnen zusammen im Privatjet fliegen würden.
Die Sitzverteilung war ähnlich der auf dem Hinflug, nur dass die WhiteTigers jetzt im Vierer hinter den BladeBreakers saßen und die BladeFlowers in dem hinter Raika, Kai und Gregor.
Ray saß neben Kai, weil bei seinem eigenen Team kein Platz mehr war und er eigentlich mit Kai reden wollte. Mao war nicht sauer darüber, sie nutze lieber die Gelegenheit, direkt hinter Hilary zu sitzen, um mit ihr zu tratschen. Kenny saß neben der Brünetten am Fenster und versank erneut hinter Dizzy, die ihm kontinuierlich Daten ausspuckte. Daichi saß ihm gegenüber und schlief jetzt schon fast wieder ein. Der gestrige Abend war sehr lange gegangen und sie alle hatten viel zu wenig Schlaf bekommen. Zum Glück war der Flug nach New York lang genug, um dieses Defizit wieder auszugleichen.
„Ah wir fliegen nach Amerika! Yeah! Max ich komme!" freute sich Tyson schon wie ein kleines Kind vor Weihnachten. Ihm war seine Müdigkeit nicht anzusehen, denn er strahlte so massiv bis über beide Ohren hinaus, dass man meinen könnte, einen Geigerzähler zu brauchen.
„Oh man, dass kann ja dann lustig werden, wenn wir alle wieder auf einem Haufen sind! Das es aber wie vor zwei Jahren sein wird, wo wir alle in unterschiedlichen Teams sind, hätte ich vor einem halben Jahr aber nicht gedacht, muss ich zugeben." antwortete Ray und schaute über den Gang zu Tyson.
„Ah, stimmt. Vor zwei Jahren waren wir auch so verteilt. Kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wie das war. Zusammen war es einfach viel besser." Tyson rieb sich verschmitzt die Nase.
„Ja, obwohl dann immer einer abgehauen ist zum Ende hin." kam der bissige Kommentar von Lee, was allgemein für Unmut sorgte. Jeder wusste, WEN er meinte.
„Ach komm, das ist alles schon geschehen und vergessen!" moserte Mao ihren Bruder voll. Warum er auch immer dieses Thema anschneiden musste! Warum konnte er es nicht einfach ruhen lassen?
„Ach ja, stimmt, Kai hat ja öfters mal das Team gewechselt in seiner Laufbahn. Warum eigentlich? Wirklich viele Information gibt es dazu ja nicht. Man hat immer nur groß gerätselt, warum das so war." merkte Elizabeth an, die jetzt zum ersten Mal an diesem Tag etwas sagte. Sie saß nur still auf ihrem Sitz am Gang und beobachtete die anderen.
„Lass ihn doch, wenn er so wollte." raunte Panti ihren Kommentar zu der Sache, was Elizabeth einen sehr unzufriedenen Ausdruck auf das sonst so hübsche Gesicht zauberte.
„Tz, du wieder. Also ich finde das auch merkwürdig!" entfuhr es Sura und sie drehte sich in ihrem Sitz um, sodass sie Kai sehen konnte. Dieser saß nur still da und hatte seinen Blick starr auf Raikas Skizzenblock geheftet, in dem sie Gregor alles aufmalte, was er ihr vorsagte.
„Und? Mao hat Recht, dass alles ist Vergangenheit und wir aus dem Team haben ihm das alles verziehen. Alle anderen müssen die genauen Umstände nicht interessieren." konterte Hilary. Langsam wurde es ihr hier zu bunt. Diese ganzen Beschuldigungen gegen ihren Teamleader gingen ihr gewaltig gegen den Strich.
„Ich meine, ihr lasst doch auch keinen in eure teaminternen Angelegenheiten reinsehen oder? Warum sollten wir das machen?" langsam lief sie hier zur Hochform auf! Normal war sie ja nicht so eine Zicke, aber das gerade war definitiv zu viel. Und sie wollte nicht, dass Raika sich einmischte. Denn von dem, was sie von Raikas Gesicht sah, war nicht sehr beruhigend. Sie sah aus, als würde sie gleich zum Todessprung ansetzten. Die Augen waren zwar auf den Block vor ihr gerichtet, doch die Anspannung in ihren Kiefern war deutlich zu merken. Und so langsam begann Hilary zu begreifen, warum man die Betreuer eingeführt hatte.
„Nun, da ist etwas Wahres dran." fügte Shala hinzu. Wie durch ein Wunder schien damit das Thema fallen gelassen zu sein, scheinbar war es nicht sehr schlau, sich mit einem der Betreuer zu streiten. Vor allem bei einem so brenzligen Thema.
„In der Tat, so etwas geht andere Nichts an. Ihr seid ja selber Meister in dieser Disziplin." zischte Raika bissig und schnaubte. Das ganze verursachte Kopfschmerzen bei ihr.
Hilary schauderte. Da bahnte sich wieder ein Streit zwischen Shala und ihrer eigenen Betreuerin an. Diese war ja schon ohnehin schlecht genug auf sie anzusprechen und das hier würde definitiv nicht gut ausgehen.
„Was möchten sie mir damit sagen?" fragte der Inder zurück und sein Akzent schien noch schlimmer geworden zu sein.
„Oh ich meine damit nur, dass es fast keine Informationen über euch gibt. Und dass ihr tunlichst darauf achtet, nicht eure BitBeasts zu benutzen" konterte Raika und hob endlich mal den Kopf, um sich den schmerzenden Nacken zu massieren. So nach vorne gebeugt zeichnen war nie und nimmer gut für die Haltung!
„Ah, das ist doch eine gute Strategie oder etwa nicht? Aber woher möchten sie wissen, dass meine Mädchen BitBeasts haben?"
„Nun, ich weiß es einfach. Antwort genug?" Sie wollte sich eigentlich gar nicht mit ihm Streiten, aber besser war es, wenn sie für den Zoff verantwortlich war, als wenn alle über Kai herziehen würden. Mit so einem Streit konnte man jedenfalls gut ablenken und die Gedanken der Zuhörer auf andere Fade lenken.
„Nun, sie scheinen mir ebenfalls nicht gerade die offenste Person zu sein, so viele Geheimnisse wie sie hier zu haben scheinen!" Also langsam wurde es Shala definitiv zu dumm. Er musste sich anhören, dass er Sachen verheimlichte, aber selbst war Raika doch auch nicht besser! Und die vertuschte Sachen noch viel offensichtlicher als er!
„Jeder hat seine Geheimnisse oder?" So, dass war ihr Schlusswort, auf mehr würde sie sich nicht einlassen. Zum Glück kam gerade die Durchsage des Kapitäns, dass es sogleich Mittagessen geben würde. Eine weitere wohlgewünschte Ablenkung. Raika schaute auf ihre Uhr: Sie waren mittlerweile über zwei Stunden in der Luft, wie schnell doch die Zeit verging. Sie hoffte nur, dass der Flug nun nicht mehr ganz so diskussionsreich werden würde und die Jungs sich darauf konzentrieren würden, sich an die Mädchen der BladeFlowers ran zu machen.
Und in der Tat, der restliche Flug verlief einigermaßen ruhig. Daichi schlief den gesamten Flug durch, so dass sich Tyson mit niemandem streiten konnte. Ray unterhielt sich abwechselnd mit seinem ehemaligen Teamkollegen oder schaute amüsiert zu, wie Gregor seine Mutter und seinen Bruder auf Trab hielt, die sich alle Mühe gaben, den kleinen Jungen bei Laune zu halten. Denn ein kleines, quängelndes Kind an Bord eines Flugzeuges war wohl das Schlimmste, was es geben konnte.
Die restlichen Jungs der WhiteTigers beschäftigte sich in der Tat am meisten mit den BladeFlowers, genauer genommen mit Sura und Elizabeth, denn Panti hatte sich mit ihrem MP3-Player verabschiedet und war nicht ansprechbar.
Mao und Hilary hatten sich in den hinteren Teil des Flugzeuges zurückgezogen und unterhielten sich dort leise über Gott und die Welt. Was zwei tratschwütige Frauen nun mal so taten.
Raika war trotzdem froh, als der Flieger auf dem Boden aufsetzte und sie endlich raus kamen. Nur um ernüchternd festzustellen, dass sie sich ja jetzt in Amerika befanden. Sie HASSTE Amerika. Und Amerikaner. Sie konnte mit dieser Ecke der Welt einfach rein gar nichts anfangen. Also wenn ihre Laune bis jetzt nicht am Boden war, jetzt war sie es bestimmt. Ein flüchtiger Blick zu ihrem Großen zeigte ihr, dass der auch nicht gerade bei bester Stimmung war. Die anfängliche Außeinandersetzung über ihn hatte ihn runtergezogen, auch wenn er sich gar nicht beteiligt hatte und nur mit halben Ohr zugehört hatte. Und auch die völlige Konzentration auf seinen kleinen Bruder hatte nicht viel geholfen, seine Laune wieder nach oben zu schrauben.
Jedenfalls beruhigte ihn die Ankunft im Hotel etwas, denn das hieß, dass sie jetzt ein wenig Zeit unter sich im Hotelzimmer hatten, bis das Abendessen anfing.
Sie standen in der Lobby des vier-Sterne-Hotels und warteten darauf, dass Raika mit den Zimmerschlüsseln zurück von der Rezeption kommen würde. Als sie bei ihnen eintraf, spiegelte ihre Miene eine noch viel schlechtere Laune wieder als zuvor und sie massierte sich die schmerzenden Schläfen.
„Also gut, wir haben drei Zimmer. Leider ist bei der Buchung irgendwas schief gegangen, weshalb wir jetzt zwei Zimmer mit drei Betten und ein Einzelzimmer haben, anstelle von einem Dreierzimmer und zwei Zweierzimmern. Wie wollen wir die Aufteilung machen? Also Tyson, Daichi und Kenny gehen wieder in ein Zimmer." Sie reichte den Schlüssel an Kenny weiter, somit waren schon mal drei Leute versorgt.
„Nun ist die Frage, wer von euch zwei ein Einzelzimmer möchte." wandte sich Raika an Kai und Hilary, die sie komplett verdutzt anschaute.
„Wieso sollte ich ein Einzelzimmer bekommen?" fragte sie überrascht und schaute zwischen Kai und seine Mutter hin und her.
„Weil ich kein Problem damit habe, mein Zimmer mit einem von euch zwei zu teilen. Und Kai stört es auch nicht, bei mir im Zimmer zu sein." kam die schlichte Antwort.
„Uhm, nun, wenn er wirklich mit ins Zimmer will, darf er das natürlich. Ihr seid immerhin eine Familie. Da will ich nicht dazwischen stehen!" rief sie und beide Frauen schauten gespannt zu Kai. Dieser überlegte nicht gerade lange.
„Dann wäre das geklärt. Hilary bekommt das Einzelzimmer." Kais Antwort überraschte die Brünette. Eigentlich ging sie davon aus, dass ihr unterkühlter Teamleader sich das Einzelzimmer schnappen würde, doch dass er sich willentlich für das Gemeinschaftszimmer entschied, war…merkwürdig. Es passte nicht zu ihm.
Die Stunde Ruhe in den Zimmern hatte offensichtlich allen gut getan, denn als sie sich alle zum Abendessen im Speisesaal des Hotels trafen, war die Stimmung wieder heiter und ausgeglichen. Jedes Team saß zwar an einem einzelnen Tisch, doch die standen in einem Kreis zusammen auf der Terrasse des Hotels, denn es war draußen viel angenehmer als im schwül warmen Hotel. Ausgelassen redeten die Teams über die Tische hinweg, während man sich auf die zahlreichen Speisen des Buffets stürzte. Tyson war so ziemlich nur am hin und her laufen zwischen seinem Stuhl und dem Buffet, und schaufelte unglaubliche Mengen in sich rein, was Hilary dazu brachte, ihn wieder und wieder auszuschimpfen.
„Hilary, du bist nicht meine Mutter! Es kann dir doch egal sein, wie viel ich esse!" konterte der Blauhaarige, der sich gerade mit einem Teller voll Nachtisch auf seinen Platz neben ihr gesetzt hatte.
„Und? Ich kann ja trotzdem drauf achten, da du das ja nicht machst! Morgen wirst du dich wieder beschweren, wie hart das Training ist! Einfach weil du zu dick bist, so sieht es aus! Und wer will schon einen dicken Weltmeister, sag mir das mal?" fauchte sie zurück und piekte ihn in die kaum vorhandenen Speckröllchen. Eigentlich war er nicht wirklich dick. Etwas rundlich, ja, und eine eher breite Statur und nicht unbedingt muskulös nach außen hin, aber für einen Profisportler wie ihn waren schon die 2cm Bauchspeck eigentlich zu viel. Vor allem wenn man fast täglich von Kai durch die Gegend gescheucht wurde, so wie er.
„Man, so bin ich halt! Und wenn schon, morgen wird ich es mir halt wieder runtertrainieren, ich weiß dass Kai und wieder quälen wird." schmollte er und stopfte sich zum Frust ein Stück Kuchen in den Mund. Er brauchte Energie für morgen! Kai war wirklich nicht gnädig zu ihnen.
„Ist Kai denn wirklich so ein bösartiger Trainer?" fragte Sura interessiert.
„Ja und wie! Der schrecklichste, den ich je erlebt habe! Da ist sogar mein Bruder gnädiger und der hat schon immer echt harte Trainingsmethoden!" betroffen schilderte er, was er unter Kai alles für Höllenqualen durchmachen muss.
„Also wirklich, das ist doch noch harmlos. Das ist doch nur das abgespeckte Training für Kinder. Die Demos müssen noch viel mehr machen." verteidigte sich Kai. Also wirklich, langsam reichte es ihm, dass man ihn IMMER so schlecht redete! War ja nicht so, dass das Training nicht auch was bringen würde, immerhin hat es Tyson drei Mal in Folge den Weltmeistertitel beschert! Der soll sich nicht so beschweren.
„Was, die müssen noch härter trainieren? geht das überhaupt?" Tyson war schockiert. Er hatte schon gar nicht mehr daran gedacht, dass Kai ja auch Trainer bei den Demos gewesen ist.
„Ah, du hättest mal Kai erleben müssen, als er von einer Trainingsrunde mit den Russen nach Hause gekommen ist! Meine Güte, ich will nicht im Detail wissen, was die da treiben." empörte sich Raika und erinnerte sich mit leichten Schrecken, wie Kai da ausgesehen hatte. Keine schöne Erinnerung.
„Haha, aber immerhin scheint es ja was zu bringen! Wenn man Kai mit Tyson vergleicht, hat Kai definitiv die weitaus bessere Figur! Absolut perfekt! Hingegen Tyson…" Suras Stimme war zum Schluss vielsagen nach unten gegangen, um zu verdeutlichen, dass sie von seinem Äußeren nicht gerade angetan war.
„Was? So schlimm ist es nun auch nicht!" maulte Tyson und schaute an sich herunter, dann musterte er Kai genauer und versuchte zu vergleichen.
„Versuch es erst gar nicht, das Meiste ist bei mir pure Veranlagung." konterte Kai und blies resigniert eine Strähne aus seinem Gesicht. Er hatte schlicht und ergreifend zu gute Gene.
„Ach quatsch, ein bisschen härteres Training und dann wird das schon! Oh und weniger Essen ist vielleicht doch eine Idee. Daichi, willst du den Rest?" ohne auf eine Antwort zu warten, schob er dem rothaarigen Zwerg seinen Teller zu.
„Ach, wegen Sura hörst du auf, so viel zu essen und willst FREIWILLIG mehr Sport machen? Na danke, du bist echt ein toller Freund!" empörte sich Hilary und drehte sich schmollend und frustriert von ihm weg. Erstaunt hob Kai eine Augenbraue und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen beugte sich Raika zu ihm rüber.
„Denkst du auch gerade das, was ich denke?" fragte sie im Flüsterton. Er brauchte keine Antwort geben, Hilary war ganz offensichtlich eifersüchtig. Kai hatte das ja schon länger vermutet, dass die Brünette in Tyson verliebt war, aber das war jetzt das erste richtige einschlägige Indiz dafür. Das könnte interessant werden.
Man verabschiedete sich auf dem Flur und wünschte sich eine gute Nacht. Nach dem Abendessen hatte man noch beisammen gesessen und geredet, zwischendurch hatte Raika Gregor ins Bett gebracht, denn dieser war ihr nach den Strapazen des Fluges einfach nach dem Essen auf dem Arm eingeschlafen.
Nun war es aber auch für sie alle an der Zeit, schlafen zu gehen, immerhin hatten sie morgen wieder einen langen Tag vor sich. Leise schlichen Kai und Raika ins Zimmer, damit Gregor nicht aufwachte. Tonlos verständigten sie sich, wer zuerst ins Bad durfte. Nach nicht mal zehn Minuten lag Raika in ihrem für ihren Geschmack viel zu großen Bett, das sich so leer anfühlte. Zum ersten Mal vermisste sie ihren Mann richtig. Seit einer knappen Woche hatte sie ihn jetzt schon nicht mehr gesehen und kaum mit ihm telefoniert. Jetzt kam auch noch die Zeitverschiebung hinzu, weshalb es jetzt noch schwieriger werden würde.
Verblüfft nahm sie war, wie sich jemand zu ihr legte. Doch die Person war definitiv zu groß um Gregor zu sein.
„Was zur…?" Okay, das war jetzt auch für sie ungewöhnlich.
„Ich bin total fertig, mehr als schlecht gelaunt und das Bett ist mir zu groß für mich allein." kam Kais leiser, genuschelter Kommentar. Raika konnte den peinlichen Rotschimmer auf seiner Nase fast schon sehen, obwohl es stockdunkel im Zimmer war.
„Schon gut, geht mir ja nicht anders." meinte sie sanft und legte ihren Arm über seinen Bauch und kuschelte sich in ihr Kissen, bevor sie fast augenblicklich einschlief. Kai folgte ihr kurz darauf.
