Kapitel 3
DiNozzo stand an der Bar und orderte eine neue Runde Drinks. "Und einen Orangensaft für unseren Bambino!" lallte Tony schon leicht. "Viele Vitamine." hatte er vorhin noch zu mir gesagt. Und erinnerte mich daran, dass es morgen ernst wurde. Vor 3 Wochen hatte ich diesen nervigen Schlauch gelegt bekommen. Nun schaute auf meiner Brust ein dreiläufiger Schlauch heraus und an meinem Hals hatte ich ebenfalls eine Narbe. Das der Katheter nicht ständig rum baumelte hatte ich ihn mit Klebeband aus Abbys Labor fixiert. Ständig musste ich an den morgigen Tag denken. Ich durfte schon seit dem Tag nicht mehr arbeiten an dem mir der Hickman gesetzt wurde, aber jetzt fühlte es sich so endgültig an, wenn ich morgen angemeldet war würde ich so schnell nicht mehr aus dem Krankenhaus kommen, vielleicht würde ich gar nicht mehr raus kommen. Ich schüttelte meinen Kopf, Tony torkelte auf mich zu. "Hi Bambino, dein Cocktail!" grinste er und überreichte mir feierlich den Orangensaft.
Tony spielte auch heute seine Perfekte Clownsrolle, ich kannte ihn gut und er war mein bester Freund, er war wahrscheinlich angespannter als ich und seine Ängste schluckte er gemeinsam mit dem Wodka hinunter. Ich saß auf der Couch, in dem ruhigeren Eck der Bar und beobachtete meine Freunde, meine Kollegen, die bei mir saßen, redeten und lachten und ich spürte ihre Unbeholfenheit und Furcht vor dem kommenden. Es war drei Uhr morgens und die Bar schloss, sie hatten uns ganz freundlich gebeten nun heim zu gehen. Für DiNozzo und Ziva hatte ich ein Taxi gerufen, Palmer fuhr mit Ducky und ich fuhr gemeinsam mit Abby nachhause.
Als ich die Tür öffnete war Stille in der Wohnung. Jethro hatte mich schon seit Ewigkeiten nicht mehr begrüßt, auch das war ein harter Schritt gewesen. Das erste Mal als ich Jethro begegnet war hätte ich niemals gedacht, dass ich diesen Hund irgendwann so wahnsinnig vermissen würde. Er war gut bei Penny aufgehoben, ich wusste das und im Falle eines Falles, könnte er dort auch seinen Lebensabend genießen. Abby würde ihn bestimmt oft besuchen kommen. Mit meinem Immunsystem und dem Katheter musste ich allen möglichen Risiken aus dem Weg gehen und das hieß auch Jethro abzugeben.
Abby hielt sich an meinem Arm fest und ich schloss die Tür von ihnen, gemeinsam mit Abby ging ich zur Couch und lies sie vorsichtig darauf sinken. "McGee…" meinte sie leise. "Hmm." "Versprich mir, dass du mich nicht verlässt!" Ich sah sie an und nahm ihr Gesicht in meine Hände, Tränen rannten ihre Wangen hinunter. "Ich würde dir nie mit Absicht weh tun… " Das war das einzige was ich ihr sagen konnte.
Und dann war es soweit, mein Wecker klingelte und als ich die Augen aufmachte war der platz neben mir leer, ich stand auf und ging in die Küche. Ich musste grinsen, dass würde ich gerne jeden Morgen sehen… für den Rest meines Lebens…
Abby, nur bekleidet mit einem Slip und meinem T-Shirt, sie holte gerade zwei Tassen aus dem Schrank. Der Tisch war bereits gedeckt und der Kaffee war durchgelaufen. Draußen schien die Sonne.
"Morgen, Abs!" Sie drehte sich zu mir um. "Hab ich dich geweckt?" "Nein. Der Wecker." "Komm setzt dich McGee, ich hab Kaffee gekocht… du darfst doch Kaffee trinken, oder? Könnte ich lieber Tee kochen sollen, obwohl ja Tee eigentlich auch Koffein enthält nur heißt es ja da…" Ich war zu Abby getreten und legte ihr jetzt nur sanft einen Finger auf den Mund. "Es ist gut so wie es ist, beruhige dich, alles wird wieder gut werden!" meinte ich zu ihr, sie umarmte mich und ich spürte ihre Tränen, die sich in meinem Nacken sammelten.
Das Frühstück verlief ruhig, keiner von uns beiden redete. Ich ging noch kurz duschen, zog mich an und packte die restlichen Dinge die ich brauchte. Dann klingelte mein Telefon. "Hi Bambino." hörte ich die gespielt unbekümmerte Stimme von Tony. "Ich wollte dir noch mal alles Gute wünschen… halt die Ohren steif, Tim. Wir machen uns alle wahnsinnige Sorgen… ich wollte… pass auf die auf… okay?"
Nach der Anmeldung fuhren Abby, die mich begleiten wollte, mit dem Aufzug in den zweiten Stock. Wir gingen durch die große Glastür, die rechts vom Aufzug war. Über der Tür stand mit großen schwarzen Buchstaben "Onkologie".
Ich hatte den Drang mich umzudrehen und so schnell wie möglich weg zu rennen, doch es war nicht die Zeit um den Kopf in den Sand zu stecken, ich musste stark sein für Abs. Und ich würde kämpfen um ihr doch noch einmal irgendwann zu sagen, dass ich nie aufgehört hatte sie zu lieben.
"Guten Morgen, Mr. McGee. Wie geht es ihnen?" "Soweit… okay." Die Schwester redete auf ihn ein und wir gingen durch die Station um durch eine weitere Glastür in einen anderen Bereich der Station zu gelangen. Wir gingen durch eine Zimmertür. In diesem Zwischenraum, mussten wir uns verabschieden, Abby durfte nicht weiter mit kommen. Sie drückte mich fest und gab mir einen Kuss auf die Wange. Ich lächelte sie an. "Bis Bald, Abs." Ich musste OP Klamotten anziehen und die Hände desinfizieren. Dann gingen wir durch eine weitere Tür. Das Zimmer war nicht sonderlich groß, es stand ein normales Krankenbett in dem Zimmer, ein extra Toilettenraum mit Dusche und ein kleines Nachtkästchen an der Wand, es war noch ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen vor einer Fensterfront, die auf den Innenhof blicken ließ. Dort wurde ich dann an Infusionen gehängt, man nahm noch einmal Blut ab und ich wartete auf den Arzt.
"Mr. McGee. Jetzt wird es ernst. Sie bekommen in Kürze eine Infusion mit ATX, dass ist ein Kanincheneiweiß, um es grob zu formulieren, es dient dazu das GvHV zu unterdrücken." "GvHV?" Nun rächte es sich, dass ich Gibbs mit Fachchinesisch bombardiert hatte… mir ging es nun nicht besser.
"Graft versus host disease, dass bedeutet, dass das Knochenmark gegen den neuen Körper wehrt. Mit dem Kaninchenserum wird dies mehr oder weniger ab geschalten." "Okay."
Ich lag in meinem Bett, hier auf der Krebsstation im Bethesda und hatte die erste Transfusion mit Kaninchenserum hinter mir, ich dachte wie Tony mich damit aufziehen würde und musste schmunzeln. Und dann fing es plötzlich an. Meine Ohren surrten, ich bekam Kopfschmerzen, ich klingelte der Schwester, so etwas hatte ich noch nie gehabt. Bevor die Schwester da war, hatte sich der Schmerz nach unten ausgebreitet. Mein Hals schmerzte als hätte ich versucht Feuer zu spucken.
Die Schwester kam und machte erst mal ihre Kontrollen, Puls, Blutdruck etc. nahm mir noch mal Blut ab und holte die Ärztin. Die Ärztin spritzte mir ein Medikament, aber eine Besserung konnte ich nicht ausmachen. Zwischen drin bekam ich dann auch noch meine neuen Chemotabletten, dies war die "harte" Chemotherapie, hatte mir die Ärztin gesagt. Es waren ganz kleine weiße Tabletten, viele davon. Ich musste alle sechs Stunden die Chemo schlucken.
Nach einer Weile hörte das surren in meinen Ohren auf, aber ich fühlte mich wahnsinnig erschöpft. Ich schlief viel an dem restlichen Tag, immer wieder wurde ich von der Krankenschwester geweckt um meinen Blutdruck messen zu lassen, besonders nachts wurde ich ungehalten. Ich erklärte ihr so freundlich wie ich es noch sagen konnte, dass ich einfach meinen Frieden haben wollte. In den Frühen Morgenstunden hatte ich sie ungehalten mit meinen Wortattacken aus dem Zimmer geschmissen. Doch sie kam zurück. Alle drei Stunden Blutdruck messen, alle sechs Stunden Tabletten.
Am zweiten Tag gaben sie mir wieder das Kaninchenserum, allerdings, wegen meiner allergischen Reaktion, die halbe Menge auf die doppelte Zeit. Das vertrug mein Körper und alles verlief reibungslos. Die Ärzte hatten beschlossen mir dann die zweite Hälfte wieder in der normalen Zeit zu geben… und dann wiederholte sich alles, das Surren in den Ohren und die Kopfschmerzen.
Nach insgesamt vier Tagen Tablettenchemotherapie war ich bereit. Ich musste in "Die" Einheit wechseln. In dem Raum den ich die letzten 4 Tage mein Zuhause nennen durfte, war zwar auch schon ein gewisses Maß an Sterilität, die Einheit hingegen war keimfrei, mit eigener Luftzufuhr, geregelt über eine Klimaanlage. Ich hatte zwei nette Schwestern die kamen und mich fertig machen halfen.
"Mr. McGee, wir bereiten sie jetzt für die Einheit vor. Ich sah die kleine Wanne mit Wasser, Waschlappen und dergleichen. "Ich kann mich auch selber waschen!" meinte ich irritiert. "Nein. Wir müssen sicher gehen können dass sie komplett sauber sind, dass ist Vorschrift" Ich sah ein hämisches Grinsen von der älteren Schwester. Während die Damen sich an meinem Körper zu schaffen machten, versuchte ich mir vor zustellen, dass Abby bei mir wäre. Ich fühlte mich hilflos wie ein Kind, als ich da so nackt in dem Bett saß. Endlich durfte ich wieder einen OP-Kittel anziehen, ich schlupfte in die Schuhe und wurde zu der zweiten Tür gebracht, die mein jetziges Zimmer und die Einheit verbanden. Sie öffneten die Türe und ich musste aus den Schuhen direkt in ein anderes Paar Schuhe treten, die schon für mich bereit standen. Auch das OP Hemd wurde mit einem anderen ausgetauscht und dann halfen sie mir in das andere Bett, dass größer als andere Krankenbetten war. Von der ganzen Aktion war ich erschöpft, obwohl es vielleicht 20 Minuten gedauert hatte und mir war eiskalt.
Ich schlief ein und träumte von Abby und von den anderen, ich wachte mit dem Gedanken auf, dass es bitte kein Traum gewesen war und dann sah ich doch wieder in diesen fürchterlichen Raum rein. Er war kleiner als dass andere Zimmer, das Bett stand an der Wand, rechts und links davon war vielleicht je ein knapper Meter Platz. Die ganzen Geräte waren an der Wand neben dem Bett befestigt. Vor dem Bett waren es vielleicht zwei Meter bis zur Wand. Dort standen auch ein Fernseher und ein CD Player. Aber es hatte eine große Fensterfront, ebenfalls mit Blick Balkon und Blick auf den Garten.
Ich war irgendwie hungrig und brachte doch nur eine halbe Banane runter, ich hatte mich in meinem Leben noch nie so schwach und hilflos gefühlt.
Und mein einziger Gedanke war. "Ich will schlafen" Eine der Schwester meinte es sehr gut mit mir und wollte das Bett von sitzen auf Liegend stellen, es klemmte und so ging es immer wieder zwischen komplett liegend und sitzend hin und her, bis ich nicht mehr konnte. Ich war immer nett, höflich aber irgendwas hatte sich geändert und ich wurde sehr .launisch und keifte die Schwester an, sie solle bitte endlich damit aufhören. Ich schrie und irgendwann lies sie von dem Bett ab und verlies den Raum und ich hatte endlich meine Ruhe…
