Kapitel 4

6,5 Wochen

Es war der erste Tag meines neuen Lebens, wenn man so will mein zweiter Geburtstag. Ich hatte meine Blutwerte bekommen und die sagten sehr viel aus, nachdem ich vor gut zwei Wochen noch über 1 Millionen Thrombozyten hatte und dagegen auch Aspirin nehmen musste, waren sie jetzt bei gerade einmal 4000. Die Normwert, hatte mein Arzt mir erklärt waren um die 250000. Meine Leukozyten waren kaum nachweisbar, was gut war.

Ich war immer noch total fertig und hätte am liebsten den ganzen Tag geschlafen, doch ich war zu nervös. "Mr. McGee, ich habe Besuch für sie." "Aber ich darf doch keinen Besuch bekommen!" "Wir haben sie gründlich durchgecheckt und haben auch mit dem Chefarzt geredet, sie dürfen zwei Personen benennen, die sie regelmäßig besuchen dürfen." Ich grinste, es war schwach, sah wahrscheinlich aus wie eine Grimasse, aber es war mir egal. Die Frau meiner Träume stand in blauen OP Klamotten mit Mundschutz und OP Haube in der Tür von meiner Einzelhaft. Ich freute mich so sehr sie zu sehen, dabei war es nur eine Woche seitdem ich hier war. "Timmy, wie geht es dir?" wollte sie wissen. "Wenn ich meine Lieblings Forensikerin sehe um Welten besser" "Ich darf dich leider nicht umarmen, aber ich werde mich nicht davon abhalten lassen die Gedanklich zu drücken." Sie schlang ihre Arme um sich selber und hielt diese fest und gab ihrem unsichtbaren Gegenüber einen Kuss auf die Wange, machte dazu laute Geräusche und grinste mich schief an. Das war meine Abby. "Ich hab dir ein Geschenk mitgebracht, von uns allen!" meinte sie dann als sie ihre Hände wieder runter hängen ließ. Allerdings muss es erst richtig desinfiziert werden."

Da kam auch schon wieder die Schwester zurück. "Miss Scuito, hier bitte!" Sie nahm es und ich sah dass es eine Beweismitteltüte war. Ich legte meinen Kopf schief. "Aber nicht vergessen, nur zeigen, er darf es leider nicht anfassen." meinte die Schwester streng.

Abby hielt es mir vor das Gesicht. Es war ein Bild vom Team, inklusive Ducky und Palmer und auch Vance. Tony, Ziva und Gibbs hielten je ein Schild in der Hand. "Get Well Soon!" stand darauf "Werde schnell gesund." Ich grinste, es tat so gut, die Gruppe zu sehen. "Darauf könnt ihr Gift nehmen!" meinte ich zu Abby gewandt.

Abigail blieb den ganzen Tag bei mir, wir redeten, spielten Karten zur Abwechslung und wurden irgendwann von einem Arzt unterbrochen. "Mr. McGee, es wird jetzt gleich ernst. Das Knochenmark wurde heute Morgen entnommen und wird in kürze bei uns ankommen. Miss Scuito, wollen sie bleiben?" wollte der Arzt wissen. "Ja, bitte. Ich gehe später heim, wenn Timmy das Knochenmark bekommen hat." Der Arzt nickte.

Es war 19.40 Uhr ich sah auf die Uhr und es prägte sich bei mir ein. Abby ging auf die Seite, als die Ärzte herein kamen mit den 5 Infusionstüten. Ich hatte mich irgendwie immer gefragt wie Knochenmark den aussieht, es war nicht sehr spektakulär, es sah aus wie normale Bluttransfusionen. Mir wurde der erste Beutel angehängt und es fing an langsam in den Hickman zu tropfen. Wie gebannt starte ich den Beutel an und wie es langsam durch tropfte. "Mr. McGee, sie müssen es nicht hypnotisieren, es läuft ganz von alleine!" meinte der Arzt als ich auch dem dritten Beutel zusah wie er immer leerer wurde.

Ich sah den Arzt und überlegte kurz. "Oh, ja natürlich." ich blickte Abby stirnrunzelnd an. "Die bist müde, Abs, geh nach Hause ich komme alleine klar. Ich möchte nicht das Gibbs mich erwürgt, weil du aussiehst wie eine wandelnde Leiche!" Abby grinste. "Das würde er nicht wagen!" "Er ist immerhin Gibbs und du bist sein Liebling." meinte ich lächelnd.

Nach dem fünften Beutel ging Abby heim. Irgendwie war ich froh, mir ging es nicht gut und ich hatte Magenschmerzen, die Chemo, so unbedeutend wie sie mit diesen kleinen Tabletten auch schien, hatte meinen Körper wahnsinnig gequält. Meine Haut pellte ab und auch meine Haare machten sich langsam daran auszufallen. Man sah es noch kam, aber ich merkte es. Es begann am Hinterkopf und es tat weh. Meine Kopfhaut war so angegriffen, dass es wirklich unangenehm war die Haare zu verlieren. Mein Arzt hatte mir dass gesagt aber insgeheim dachte ich mir, dass wäre nicht möglich, immerhin verlor man ja täglich ein paar Haare und das tat nicht weh.

Am nächsten Morgen kam die Schwester zu mir und überredete mich die Haare ab zu rasieren. Begeistert war ich nicht, aber sie würden eh ausfallen. Hinterher sah ich mich im Spiegel an, den mir Schwester Anita reichte.

Ich erkannte die Gestalt im Spiegel kaum, ich war dünn, blass und ausgemergelt… dafür strahlten meine grünen Augen aus dem schwachen Gesicht. Abby würde einen Schock bekommen, wenn sie mich so sehen würde.

"Geht es ihnen gut, Mr. McGee?" wollte Anita wissen. "Tim. Sagen sie Tim zu mir, dass hört sich familiärer an." meinte ich. "Gut, Tim. Ist alles in Ordnung mit dir?" "Ich bin um mindestens 10 Jahre gealtert." meinte ich. "Ich gebe dir was gegen die Schmerzen!" meinte sie. "Geht schon, ist nur der Magen." "Du musste etwas essen!" "Nein. Ich habe keinen Hunger, wirklich nicht."

Ich kam einen Tag später wieder zu Timmy in die Klinik und als ich in das Zimmer kam, war ich geschockt. Er war blasser geworden und sein Kopf war kahl. Seine Wangen waren eingefallen und er wirkte sehr schwach. "Hi Timmy, geht's dir gut?" wollte ich wissen. "Geht mir gleich viel besser wenn ich dich sehe!" meinte er und ich muss lächeln. Wir waren so verschieden und doch merkte ich, dass wir auf einer Ebene waren die alle Gegensätze zweitrangig machte. Ich hatte dennoch Angst einen Schritt auf ihn zu zugehen, nicht weil er Krebs hatte sondern weil ich festen Beziehungen nicht vertraute. Timmy unterbrach mich. "Abs. wie geht es dir?" wollte er wissen und er meinte das ernst. Ich sah ihn geschockt an. "Timothy McGee… du liegst hier im Krankenhaus, kämpft um dein Leben und fragst allen ernstes wie es mir geht? Was ist nur los mit dir? Nur du zählst, McGee, nur du alleine…" "Abby, schläfst du nachts? Du siehst müde aus, ich möchte nicht das du krank wirst… nur wegen mir!"

Ich versuchte vom Thema abzulenken und es gelang mir nur deshalb, weil unsere Überraschung gerade auf dem Balkon angekommen war. Ich winkte aus dem Fenster. Und Tim drehte sich sofort um. Dort standen sie, Ziva, Tony und Gibbs. Während sie die beiden jüngeren um das Telefon stritten, nahm es Gibbs an sich und wählte die Nummer von McGees Telefon. Es klingelte. "Was macht ihr da draußen?" wollte Tim wissen. Blickte auf das Telefon und dann auf seine Kollegen außen auf dem Balkon. "Wir besuchen dich, McGee!" meinte Gibbs. Er stellte auf Laut, so dass seine beiden Kollegen ebenfalls mithören konnten. "Hi McGeek, du siehst mager aus, gibt's bei dir kein anständiges essen?" "Bestens versorgt Tony." er deutete auf einen Beutel mit weißem Inhalt. "Heute gibt's Steak und Pommes!" Tony grinste und auch Ziva und Gibbs stimmten in das Lachen mit ein. "Nein. Im ernst, Tim. Du musst was essen." "DiNozzo, gib meinem Magen etwas Zeit, okay…"

Wir redeten noch einige Zeit mit den anderen, bis Tims Krankenschwester wieder kam. "Tim, ihre Großmutter kann leider nicht kommen, wegen dem Hund, dass ist zu gefährlich für dich und auch die anderen Patienten. Es tut mir leid!" meinte sie und sah danach nach McGees Werten.

Tag 14

Langsam verließ mich der Mut, mein Blutbild war immer noch mies, das Knochenmark zeigte noch keinerlei Arbeit und ich fühlte mich wie ein eingesperrter Tiger in einem viel zu kleinen Käfig. Meine Launen wurden immer schlimmer und ich merkte das auch, doch ich konnte es nicht ändern. Ich hatte seit geraumer Zeit keinerlei Nahrung mehr zu mir genommen, ich verweigerte meine Medikamente, so dass ich alles als Infusion bekam bis auf das Nüstatin. Ich musste mich davon regelmäßig übergeben und schüttete es mit voller Absicht aus.

Nachdem ich mich wegen der Schläuche kaum bewegen konnte, kam täglich eine Physiotherapeuten, die mit mir Übungen machte. Eine hatte ich bereits verkrault, die andere mochte ich. Um meinen Rücken zu entlasten bekam ich zweimal täglich eine Massage.

Ich konnte mich selber nicht leiden und war selbst ungenießbar für Abigail.

"Jetzt reicht es, Timothy McGee!" eine ernst wirkende Abby kam in mein Zimmer. "Du hast weder ferngesehen noch Musik gehört. Fang wieder an zu Leben, Tim." Ich seufzte. "Lass mich in Ruhe, ich will einfach nur hier liegen und warten." "Auf was willst du warten?" "Keine Ahnung." Abby machte sich am CD Player zu schaffen und legte eine ihre Platten ein. "Abs, bitte, ich will keine Musik, ich will schlafen!" Abby war nicht oft sauer auf mich, heute aber war sie es definitiv. Ich sah ihren bösen Blick.

Sie schaltete die Musik an. "Komm steh auf, ich möchte tanzen. Mit dir!" "Abs, lass es gut sein, ich will meine Ruhe… ich…" Sie hatte mich schon an der Hand gepackt und zog mich aus dem Bett. Unbeholfen stand ich nun da, die Kabel an meinem Körper erlaubten mir kaum Freiraum, aber Abby legte ihre Arm auf mein Schultern und ihren Kopf an meine Brust. Ihre Körperwärme tat gut, sehr gut und ich legte meine Hand auf ihren Hüften ab, ich ahmte ihre Bewegungen nach und es tat gut… irgendwas stellte diese Frau mit mir an und das war was ich so dringend brauchte. Nach 10 Minuten wurde mir schummrig und Abs half mir zurück in mein Bett. "Was hältst du von einer schönen warmen Tomatensuppe?" wollte sie wissen und war auch schon aus dem Raum. Eine halbe Stunde später kam sie mit einem dampfenden Topf ins Zimmer zurück. "Man, dass ist echt schwierig für dich was essbares auf zu treiben. Es muss keimfrei verpackt sein, dann muss man extra Geschirr verwenden, dass in einem extra Schrank steht, dann muss man sich die Hände vorher desinfizieren… mindestens 15 Minuten kochen, dass es definitiv tot ist. Ich habe es dann samt Topf in die erste Kammer nehmen dürfen. Dann umziehen, als ich mich, während Schwester Anita den Topf in den dritten Raum bringen konnte, ach du kennst das System ja gar nicht. Es sind insgesamt vier Räume zwischen dir und mir, als Schleusen. Nummer 1 und 2 sind verbunden und Nummer 1 mit 3 und Nummer 2 mit 3 und 3 und 4 und 4 ist das Büro oder Überwachungszentrum von den Schwestern und dann erst kommt man zu dir." "Abs, ich verstehe nur Bahnhof." "Okay, es ist jedenfalls schwer und ich hoffe die Suppe ist noch etwas warm, weil tot ist sie auf alle Fälle!" "Danke Abs." Ich war brav und probierte das essen zu mindest.

Einen halben Teller hatte ich essen können und meine Magen schmerzen waren verschwunden. Es ging bergauf.

In den darauffolgenden Tagen aß ich immer ein bisschen mehr und Abby stellte fest das wieder Farbe in mein Gesicht kam, nicht viel aber immerhin etwas.

Tony und Ziva hatten es sich ebenfalls zur Aufgabe gesetzt mich jeden Abend nach Feierabend zu besuchen, sie standen immer eine halbe Stunde vor meinem Fenster auf dem Balkon und wir redeten, lachten und machten uns gegenseitig Mut.

Es war Tag 32 als ich bemerkte dass sich an meiner Linken Hand zwischen Ringfinger und kleinem Finger eine kleine rote, juckende Stelle gebildet hatte. Mein Arzt sah es sich an und lächelte. "Das Mr. McGee ist GvHV, das Knochenmark zeigt Reaktionen, so lange es sich nicht ausbreitet ist das ein sehr gutes Zeichen. Es tut sich was. Ich lasse ihr Blut gleich noch mal untersuchen."

Der Arzt nahm noch mal etwas Blut und verschwand aus dem Zimmer.

Es war keine halbe Stunde vergangen, als der Arzt wieder herein kam. "Leukozyten sind auf 600 angestiegen." "Sie sind wieder nachweisbar, dass ist gut oder?" wollte ich wissen. "Mr. McGee, dass ist sehr gut!" "Dann kann ich hier bald raus?" Der Blick sagte es alles. "Aber wir haben ein Geschenk für sie, dass es ihnen nicht mehr so langweilig ist!"

Er fuhr den PC in den Raum, es war ein alter Computer, aber ich strahlte übers ganze Gesicht, ich hatte seit fast 5 Wochen keinen Computer mehr gesehen und ich spürte wie meine Finger schon zuckten. "Ich darf den benutzen?" "Ja, wir brauchen ihn die nächste Zeit nicht, sie können sich damit austo…" "Sagen sie es nicht, Doc!" meinte Abby hinter ihm. "Er macht das, Timmy ist unser Computerspezialist, er würde das Baby hier nur upgraden… und ich würde vielleicht das Internet abschalten." "Abs!" jaulte ich. "War nur Spaß!" lachte sie kurz und sah mich warnend an.

Heute Abend waren Ducky und Palmer zu Besuch, ich lauschte unserem Pathologen, der wieder eine seiner Geschichten zum Besten gab. Es tat so wahnsinnig gut, meine Freunde um mich herum zu wissen, auch wenn es nur durch das Fenster hindurch war.

Gibbs kam nicht oft, ich wusste dass der Boss in solchen Situationen schlecht war, aber er war in Gedanken bei mir. Und dann staunte ich nicht schlecht, als er gefolgt von Tony und Ziva an diesem Abend gekommen war.

"Wie geht's dir, Tim?" fragte alle durcheinander. Ich lächelte, nicht mal Abby hatte ich davon erzählt, dass das neue Knochenmark seine Arbeit aufgenommen hatte. "Meine Werte werden besser. Mein Arzt meinte es geht bergauf." Ducky wollte sofort die Werte wissen und freute sich sichtlich und auch alle anderen entspannten sich. "Wann darfst du hier raus?" hackte Tony nach. "Das können die Ärzte noch nicht sagen."

Tag 42

Die letzte Woche war verdammt hart gewesen, ich konnte nicht mehr, meine Blutwerte schwanken wahnsinnig, den einen Tag waren es 600 Leukos, am nächsten nur noch 400, dann 800 und wieder weniger. Es machte mich wahnsinnig und ich konnte nicht mehr. Und dann setzte sich der Gedanken in meinem Unterbewusstsein fest. Ich würde die Fenster öffnen und einfach gehen. Ich wollte hier raus und mittlerweile war es mir ziemlich egal ob ich dann sterben würde.

Als mein Arzt an diesem Morgen kam, sagte ich ihm das. Er war sichtlich geschockt. "Mr. McGee, dass ist Blödsinn, ich was dass es schwierig ist, aber sie müssen durchhalten. Ich spreche heute mit dem Chefarzt. Und sie machen nichts unüberlegtes, hören sie mich!" Ich rollte die Augen und meinte dann "Ja!"

Am Nachmittag kam er wieder. "Mr. McGee, sie dürfen am Mittwoch aus der Einheit raus, allerdings nur wenn wir noch einmal eine Knochenmarkspunktion machen dürfen. Die Blutwerte sind grenzwertig und wir wollen das Knochenmark noch mal analysieren. Sind sie mit damit einverstanden?" Ich musste grinsen und nickte.