Brian kam gefolgt von Michael die Treppe nach oben und blieb mit verschränkten Armen vor mir stehen…..

„Ich dachte, du warst auf dem Weg nach Hause" fragte Michael.

„Ja sowas in der Art" antwortete ich und verdrehte innerlich die Augen. Michael denkt doch nicht ernsthaft, dass ich scharf auf Kaugummis war und danach ganz brav nach Hause gehen wollte?

Brian starrte erst mich und dann Justin an. Es hatte den Anschein, als würde er jeden Moment explodieren.

Michael hatte wahrscheinlich die Erleuchtung „Du wolltest gar keine Kaugummis kaufen, sondern Zigaretten und du hast von Anfang geplant nicht nach Hause zu gehen, sondern ins Babylon, deswegen sollte ich dich auch nicht begleiten." stellte Michael fest. Herzlichen Glückwunsch der Kandidat hat 100 Punkte dachte ich.
Brians Blick wanderte zu Michael und dann wieder zu mir. Ich wusste es! Gleich geht's los! Meine Damen und Herren ich präsentiere Ihnen Brian Kinney's Wutausbruch des Jahres. Machen Sie sich bereit.

Anschiss in 5….4…3…..2…

„Sag mal hast du nen Knall" brüllte Brian mich an.
Er lässt mich den Countdown nicht mal zu Ende zählen -.- ….

„Ähm naja also, wenn du mich so fragst, würde ich sagen ja" antwortete ich.

„Was zum Teufel hast du hier zu suchen?" Brian schaffte es doch tatsächlich die dröhnende Musik im Babylon mit seinem Geschrei zu übertönen.

Brian zog die Blicke der anderen bereits auf sich und um uns herum verfolgte jeder das Szenario. Fehlt nur noch das Popcorn verteilt wird. „Brian du bist sowas von peinlich. Die anderen Leute starren uns wegen deinem Geschrei schon an." keifte ich zurück.

Also, wenn er vorher noch nicht auf 180 war, ist er es spätestens jetzt. Brians Mimik war unergründlich und es hatte den Anschein, als würde er mich jeden Moment umbringen.
„Es ist mir scheißegal, was andere über mich denken. Es ist 2 Uhr morgens und du solltest eigentlich wie abgemacht zu Hause sein. Ausgangssperre war um 9 Uhr, was bedeutet, dass du nicht um 2 Uhr in einem Club rumtanzen sollst! " Ob er heute noch irgendwann aufhören wird zu brüllen?

„Ich weiß" antwortete ich kleinlaut „Aber ich musste doch Justin helfen!" verteidigte ich mich gleich. Daphne sagte gar nichts, sondern stand nur geschockt daneben.
Brian richtete seinen Blick auf Justin „Was hast du überhaupt mit meiner Schwester zu schaffen?"

„Ich…..Ich wusste doch nicht, dass sie deine Schwester ist" stammelte Justin „Ehrlich! Ich wollte dich nur wiedersehen" fügte er geknickt hinzu.

„Es geht mir am Arsch vorbei was du wolltest. Fakt ist, dass meine Schwester nicht in irgendwelchen Clubs abhängen soll." Justin tat mir in dem Moment richtig leid. Brian konnte ein richtiger Arsch sein.

„Justin kann nichts dafür, er wusste nichts davon, dass ich mich rausgeschlichen habe. Er wusste auch nicht, dass wir verwandt sind." motzte ich.

„Geht doch erst mal draußen. Da könnt ihr über alles reden. Ohne Zuschauer " lenkte Michael ein. Er versuchte wahrscheinlich die Situation zu entschärfen.

Brian nickte und schob daraufhin Justin, Daphne und mich Richtung Ausgang, nachdem er sich von Michael verabschiedete.

„Hey warte" rief es plötzlich. Als ich mich umdrehte, stand ein Kerl in Lederkluft hinter uns. „Ich dachte, wir wollten heute noch etwas Spaß haben" säuselte er. Natürlich meinte er Brian. Wen sonst?

„Den werden wir noch haben, ich muss erst noch meinen Stalker loswerden" antwortete er.
„Wer ist das?" fragte Justin, nachdem er den Typen von oben bis unten musterte.

„Verzeiht mir, dass ich euch nicht vorgestellt habe." antwortete Brian ironisch „Justin, dass ist Mister Goodfuck" sagte er mit einer entsprechenden Handbewegung „Mister Goodfuck, das ist Justin" sagte er dieses Mal an den Lederdaddy gewandt.

Der Typ in Leder lächelte Justin an „Mein Name ist George."

Brian verdrehte die Augen und sah Justin an „Ok, dann eben George Goodfuck."

Justin war am Boden zerstört und machte auf dem Absatz kehrt, um mit Daphne zu verschwinden „Lass uns gehen Daphne!" sagte er. Ich konnte die Tränen in seinen Augen sehen, aber Brian interessierte sich natürlich wenig dafür.

Als Justin mit Daphne um der Ecke verschwunden war, wandte sich der Lederdaddy an Brian „Das war aber nicht sehr nett! Einen Jungen in seinem Alter einfach wegzuschicken und mitten in der Nacht alleine durch die Straßen laufen zu lassen."

„Wer bist du denn ? Vater Goodfuck?" antwortete Brian.

Dieser signalisierte Brian mit einem Blick, dass er Justin hinterhergehen sollte.
Brian stöhnte genervt und dirigierte mich zunächst zu seinem schwarzen Jeep „Steig ein, ich komme gleich nach." Ich setzte mich brav auf den Beifahrersitz, schließlich wollte ich Brian nicht noch mehr zur Weißglut bringen.

„Brian… Ich.. " fing ich an, doch er würgte mich ab „Halt die Klappe, ich muss noch mit Justin reden." Sagte er noch, bevor er die Beifahrertür zuknallte und um die Ecke bog hinter der Justin und Daphne vor einigen Minuten verschwanden.

Ich wartete ungefähr eine Minute, bis ich es nicht mehr aushielt. Ich öffnete die Beifahrertür und stieg aus. Ich wollte wissen, was Brian zu Justin sagen würde. Ich schlich an den Leuten, welche vor dem Babylon auf Einlass warteten vorbei. Daphne kam ums Eck geschossen und rannte mich fast um „Hey, alles ok bei dir?" fragte ich.

„Bei mir schon" sagte sie „Justin redet gerade mit Brian." Antwortete sie.

„Weißt du über was sie reden?" fragte ich neugierig.

„Nein, aber ich muss jetzt nach Hause. Wir sehen uns morgen, oder besser gesagt später in der Schule ok?" lächelte sie, bevor sie in das nächstbeste Taxi stieg und winkend davon fuhr.

Das war aber ein schneller Abgang von Daphne, dachte ich, bevor ich ums Eck lugte, um mehr von der Unterhaltung von Justin und Brian mitzubekommen. Ich war neugierig. Ich geb es ja zu und ich hoffte inständig, dass Brian ihn nicht so einfach abservieren würde. Ich kannte Justin noch nicht lange, aber ich hatte ihn jetzt schon gern und wollte wirklich, dass mein Bruder endlich mal jemanden Kennenlernen würde. Nicht nur für eine Nacht….

„Hey bleib stehen!" rief er Justin zu. Dieser drehte sich um „Wir sollten da etwas klar stellen" sagte Brian.

„Du willst keine feste Beziehung" stellte Justin fest.

Brian lachte „Hat Mickey mit dir geredet?"

Justin keifte Brian an „Du fickst doch wohl jeden. Der Typ ist hässlich und du kennst ihn nicht mal und ich… versteh sowas…."

Brian unterbrach ihn „Justin!" ermahnte er ihn „Ich hab dich gehabt. Das zwischen uns, war nur Sex. Du wolltest mich und ich wollte dich. Mehr war da nicht!"

„Nur ein Fick?" fragte Justin schluchzend.

„Was hast du denn geglaubt?" seufzte Brian „Hör zu. Ich glaube nicht an Liebe. Ich glaube nur ans Ficken. Das ist ehrlich und effizient! Denn ich will so viel Vergnügen wie nur möglich und so wenig Bullshit wie nötig." erklärte Brian. Justin hatte währenddessen den Kopf gesenkt.
Brian hörte nicht auf „Liebe ist ein Hirngespinst von Heteros, dass sie brauchen um einen wegstecken zu können und dann gehen die Verletzungen los, weil alles von Anfang an bloß gelogen war."

Justin hielt seine Tränen zurück und schniefte stattdessen.

„Möchtest du das?" fragte Brian. Es hörte sich an, als würde er Verständnis, oder Mitgefühl für Justin zeigen.

„Dann geh los und such dir ein hübsches kleines Frauchen und schlepp sie vor den Altar."
Ich geb es nicht gerne zu, aber irgendwie hatte Brian Recht.

Justin blickte auf „Nein das will ich aber nicht… Ich will dich!" antwortete er.
„Schlag dir das aus dem Kopf ich bin zu al….-„ begann Brian und überlegte kurz „Du bist zu jung für mich….. Du bist 17 und ich 28."

„29!" schluchzte Justin wieder.

„Also bitte… 29…." Grinste Brian. „ Noch ein Grund mehr!" entgegnete mein Bruder mit ernstem Blick „Und jetzt geh und mach deine Hausaufgaben."

Justin stieg weinend ins Auto und fuhr davon. Ich hätte Brian umbringen können. Wie kann man nur so gefühllos sein? Wenn ich recht darüber nachdenke, liegt das bei uns in der Familie. Selbst unsere Eltern konnten ihre Gefühle uns gegenüber nicht zeigen. Wie soll Brian es denn können? Oder ich?

Brian sah Justin noch einige Zeit nach, bevor er wieder um die Ecke bog.
Scheiße…. Ich hatte ganz vergessen, dass ich eigentlich im Jeep sitzen sollte.

Brian rannte mich fast über den Haufen.

„Was machst du hier? Hast du gelauscht?" fragte er.

Ich sah ihn an „Ja hab ich und ich finde es scheiße, was du zu Justin gesagt hast" antwortete ich.

Brian sah mich einen Moment an, bevor er seufzte „Und ich finde es scheiße, was du heute abgezogen hast. Eigentlich dachte ich, dass wir uns gut verstehen, aber anscheinend hab ich mich getäuscht." sagte er und ging an mir vorbei.

„Was meinst du damit?" fragte ich ängstlich.

„Ach nichts." antwortete er. „Steig ein, wir fahren nach Hause."

Ich stieg ein und Brian fuhr mit quietschenden Reifen davon.

Während der ganzen Autofahrt machte ich mir Gedanken. Ich weiß, dass ich Scheiße gebaut hatte und mir tat es ja auch leid. Zwischendurch kullerte mir eine Träne über die Wange, aus Angst, Brian könnte mich wieder wegschicken. Aber reagierte mein Bruder diesbezüglich nicht über? Ich hab das doch alles nicht böse gemeint! Ich wollte Brian nicht hintergehen, ich wollte nur Justin helfen! Nächstenlieben wird heutzutage gar nicht mehr honoriert.

wir stiegen aus, nachdem wir in der Straße in der Brian wohnte ankamen. Mein Arsch von Bruder würdigte mich keines Blickes, als wir aus dem Jeep ausstiegen.

Wir fuhren schweigend mit dem Aufzug nach oben und Brian sperrte die eiserne Schiebetür zu seinem Loft auf.
Mittlerweile war es fast 4 Uhr morgens. Ich vermutete bereits, dass dies eine kurze Nacht für mich werden würde. Um ehrlich zu sein, war ich todmüde und mir war es ein Rätsel, wie ich den kommenden Schultag überstehen sollte. Ich bezweifele, dass Brian mich in der Schule entschuldigen würde, damit ich ausschlafen konnte.

Brian drehte sich zu mir um" Am besten gehst du gleich ins Bett. In die Schule wirst du auf jeden Fall gehen, das schwöre ich dir!" sagte er und machte sich auf den Weg in sein Schlafzimmer.

Arschlecken! Wie bereits vermutet wird Brian mir keine Entschuldigung schreiben -.-

„Brian?" sagte ich kleinlaut.
Er stoppte in seiner Bewegung und drehte sich abermals um „Was?" fragte er genervt.

Ich sah ihm in die Augen „Es tut mir leid! Es tut mir leid, dass ich nicht auf dich gehört hab!" Mir tat es wirklich leid und ich machte mir Gedanken, dass Brian alles ablasen würde und mich wieder in ein scheiß Internat schickt.

Brian seufzte „Was soll ich jetzt dazu sagen?"

Ich spielte mit meinem Armband. Brian und ich hatten dasselbe Muschelarmband. Er hatte es mir damals aus Mexiko mitgebracht. Seine und meine Initialen waren in den Muscheln eingraviert. „Das du mich immer noch lieb hast?" sagte ich und blickte kurz auf.

Brian kam auf mich zu „Ich werde dich immer lieben, egal was du anstellst. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich gerade eine scheiß Wut auf dich habe und wir morgen mit Sicherheit noch ein Gespräch darüber führen werden. Ich habe ab jetzt die Verantwortung für dich und du wirst gefälligst tun, was ich dir sage. Geh jetzt ins Bett. Es ist schon spät." ermahnte er mich.

Brian ging zurück in sein Schlafzimmer. Ich stand noch im Flur, wenn man das überhaupt so nennen konnte und schaltete das Licht aus. Ich hörte wie Brian sich ins Bett legte. Ich ging noch schnell ins Bad, putzte mir die Zähne und zog meinen Pyjama an. Ich war hundemüde und wäre fast beim Zähne putzen eingeschlafen. Ich tapste aus dem Bad und hielt an Brians Schlafzimmer an. Brian hatte die Augen geschlossen, aber vielleicht war er noch wach. „Brian?" fragte ich wie schon vor einer viertel Stunde.

„Ja?" bekam ich zur Antwort.

„ Darf ich vielleicht bei dir schlafen?"

Brian öffnete die Augen und sah mich an „Hast du es verdient bei mir zu schlafen?" fragte er.
„Eigentlich nicht." gab ich kleinlaut zu und war enttäuscht über seine Antwort.

Ich konnte trotz der Dunkelheit sehen, dass Brian grinste. Er hob seine Bettdecke an „ Komm her, du ungehorsames kleines Balg. Aber glaub ja nicht, dass du nicht trotz allem morgen den Anschiss deines Lebens bekommst."

Ich krabbelte unter Brians Decke und kuschelte mich an ihn „Ich weiß, dass du mich morgen noch zur Sau machen wirst."

Brian gähnte „Darauf kannst du wetten."