(K)ein Tag wie jeder andere
von Callista Evans
Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen. Ähnlichkeiten mit irgendwelchen Filmen oder Fernseh-Serien sind kein Zufall, sondern durchaus gewollt.
Widmung: Dieses Kapitel ist meiner lieben Nici Cavanaugh gewidmet und deshalb habe ich es beta-technisch an ihr vorbeigeschmuggelt :o). Überraschung Nici!
A/N: Zunächst einmal vielen Dank für die Reviews! Wow, so viele waren es noch nie! Daran könnte ich mich gewöhnen :-). Es freut mich, dass es euch so gut gefallen hat. Weil einige Leute auf die Frage mit den Filmen eingegangen sind, erwähne ich kurz an welche ich beim Schreiben gedacht habe. Zunächst einmal die Teletubbies (Hinter Hügeln...), dann John Sinclair -die Hörspiele (die genaue Orts- und Zeitangaben), Man in Black (der Man in Schwarz), Dogma (der Metatron), Shrek (die Junggesellinnen-Szene, die ja eine Parodie zu Herzblatt ist). Bleibt noch mein Dank an meine lieben Beta-Leserinnen Simone und Mariacharly, die mir so hilfreich zur Seite gestanden haben.
Kapitel 1 - Episode Eins:
Als Severus' Bewusstsein aus dem Schlaf in die Wirklichkeit zurückkam, hörte er merkwürdig hohe Laute. Schlaftrunken blinzelte er, drehte sich langsam vom Rücken auf die Seite und sah auf seinen uralten Nachttischwecker. Es war sechs Uhr morgens. Das seltsame Geräusch hörte nicht auf. Im Gegenteil, es wurde immer lauter. Severus gab ein tiefes Brummen von sich, als er den Ursprung endlich erkannte.
„Babe, I got you Babe", summte Dobby der Hauself und wuselte eifrig durch die Räume des Zaubertränkemeisters. Verdammt, hatte er dieses Lied nicht schon oft genug bei Dumbledore im Büro ertragen müssen, wenn dieser seinen auf Magie umgestalteten CE-Player - oder so ähnlich - laufen ließ? Der Zauberer spürte schon jetzt, wie sein Puls sich beschleunigte und der Bereich um seinen Hals enger wurde. Der Tag fing ja gut an.
Dobby, der von alle dem nur bemerkt hatte, dass Snape jetzt wach war, kam herüber. „Schönen guten Morgen Dobby wünscht, Sir. Gut geschlafen Sie haben?" Der freundliche Hauself zog seine Mundwinkel so weit nach oben, dass es geradezu grotesk aussah. Zum Glück hatte er dadurch mit dem Singen aufgehört und nur deshalb konnte Severus sich gerade noch zurückhalten, ihn anzuschreien. Stattdessen murmelte er unverständliches Zeug vor sich hin und starrte den Elfen mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Mit einer hastig gestotterten Entschuldigung machte sich das kleine Wesen schnell wieder davon.
Severus stand auf und griff nach seinem Morgenmantel. Als er sich auf den Weg zum Badezimmer machte, wäre er fast über seine Katze gestolpert, die gerade quer durch den Raum lief. Mit lautem Fauchen brachte sich das Tier vor seinen Füßen in Sicherheit. „Destiny, was machst du denn um diese Zeit hier?", fragte Severus in vorwurfsvollem Ton. Durch sein Haustier so abgelenkt, achtete er nicht auf seine Schritte und trat im Wohnraum prompt auf eine der großen Glasscherben, die noch vom Vortag hier herumlagen. Auf seine ausdrückliche Anordnung hatten die Hauselfen nämlich den Auftrag, im Wohnraum keine Gegenstände zu berühren. „Verdammte Sch ...! Ccchhh, tut das weh." Severus hinkte auf einem Fuß zurück in den Schlafraum, um seinen Zauberstab zu holen.
Kurze Zeit später war Severus endlich im Bad angekommen, sein Fuß war wieder heil und seine Stimmung bereits im Keller. Seine Morgentoilette verlief gerade zu ruhig, wenn man mal davon absah, dass ihm die Seife gleich dreimal zu Boden glitt, während er unter der Dusche stand. Als er vor dem Spiegel stand und seine Zähne putzte, fiel ihm der eigenartige Traum vom Vortag wieder ein. Er schüttelte den Kopf bei der absurden Idee seines Unterbewusstseins und beeilte sich fertig zu werden, um den Raum so schnell wie möglich zu verlassen.
Eine Viertelstunde später – Snape war gerade dabei, sich im Wohnraum die letzten Knöpfe seiner Robe zu schließen – vernahm der Zaubertränkemeister ein „Severus, bist du da?" aus dem Kamin. Wer würde ihn zu solch einer frühen Stunde schon stören? Es konnte nur einen geben. Mit seiner ewig gut gelaunten, freundlichen Stimme rief Albus Dumbledore die Worte durch den Kamin. Was konnte der alte Mann jetzt von ihm wollen? Sicher nichts Gutes.
„Ja, Schulleiter, ich bin hier. Was gibt es?"
Severus hatte gelernt, dass es besser war, zunächst einmal kooperativ zu wirken, wenn Albus Dumbledore irgendetwas vorhatte.
„Kannst du kurz in mein Büro rüberkommen?"
Severus hatte schon jetzt genug und wollte die Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen. Er folgte der Aufforderung sofort und begab sich mittels Flohpulver durch den Kamin hinüber in Dumbledores Büro. Noch während er sich den Staub von der Robe klopfte, hörte er die wohlvertrauten Worte: „Zitronendrops, Severus?" Eines Tages würde er dem alten Mann die Dinger um die Ohren hauen, aber heute schien nicht der richtige Tag dafür zu sein. Er bezwang seinen Wunsch und schüttelte nur den Kopf.
„Was wollen Sie?" Severus war stolz, dass nur ein ganz kleines bisschen seiner Ungeduld und schlechten Laune im Tonfall zu erkennen war.
„Ich möchte dich um einen Gefallen bitten. Kannst du heute eine Vertretungsstunde für Minerva übernehmen? Sie hat etwas Unaufschiebbares zu erledigen. Du hast eine Freistunde am späten Vormittag und könntest bei den Erstklässlern von Ravenclaw und Gryffindor einspringen."
„Sie wollen allen Ernstes, dass ich Verwandlungen unterrichte?", fragte Severus. Ihm war bekannt, dass Dumbledore wusste, was er von Zauberstabgefuchtel hielt. „Ja und es ist nett, dass du dich sofort einverstanden erklärst. Danke für deine Kooperation, Severus. Jetzt will ich dich nicht länger aufhalten. Wir sehen uns dann später."
Hatte er irgendetwas verpasst oder wurde der alte Magier allmählich wirklich senil? Dafür war er hierherbestellt worden? Ehe er sich versah, war Severus wieder in seinem Quartier. Es wurde Zeit, dass er zum Frühstück kam. Er brauchte dringend einen starken Kaffee und ein paar ... Rühreier.
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Hatte Snape erwartet beim Frühstück seine Ruhe zu haben, wurde er kurz nach dem Hinsetzen eines besseren belehrt. Aus den Höhen ihres mystischen Turmes war Kollegin Trelawney heute morgen hinabgestiegen, um ihre Mitmenschen mit ihrer Anwesenheit zu bereichern. Sehr zu seinem Unglück setzte sich die Hexe direkt neben ihn. War ihr nicht sonst seine Aura zu düster gewesen? Heute schien sie das nicht zu beeindrucken. Ein Windhauch, verursacht durch den unvermeidlichen Schal, den sie wie immer um den Hals trug, streifte ihn. Er wurde übermannt von widerlich süßlichem Duft und unwillkürlich hielt er die Luft an.
„Guten Morgen, Severus", wurde er überschwänglich begrüßt, „mein inneres Auge sagt mir, dass du heute etwas Besonderes erleben wirst." Die Lehrerin für Wahrsagen schaute ihn aus ihren dicken Brillengläsern an und er glaubte ein Lächeln erkennen zu können, dass ihn bekannt vorkam. Sofort verdrängte er diesen Gedanken. „Morgen, Sibyll", stieß er knapp hervor, wendete sich dann sofort ein wenig seitwärts und widmete sich intensiv seinem Frühstück. Anscheinend kamen seine Signale nicht richtig an, denn die Kollegin fuhr mit ihrer Plauderei fort. „Eigentlich ziehe ich ja morgens meine Ruhe vor, aber heute hat mich irgendetwas hierher zum Frühstück getrieben. Oh, da drüben steht ja Orangenmarmelade. Ich liebe Orangenmarmelade." Sie griff nach dem Glas. Zu dem Zeitpunkt stellte Severus seine Ohren auf Durchzug und beschleunigte seine Kau- und Schluckbewegungen. Als er die Reste seines heißen Kaffees hinunterstürzte, stand er schon auf und murmelte: „Ich hab' noch was Wichtiges zu erledigen", und verließ zielstrebig die Halle.
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Kurz vor Unterrichtsbeginn ging Severus noch einmal im Geiste durch, was er heute mit seinen Schülern durchnehmen wollte. Er merkte, wie sich seine Nackenmuskulatur anspannte, bei dem Gedanken an die erste Stunde, die er gleich abhalten würde. Seine absolute Horrorklasse. Er hatte es dem Direktor schon des Öfteren gesagt, dass diese Mischung explosiv war. Hufflepuff und Ravenclaw, dass konnte nicht gut gehen. Nicht bei diesen Schülern. Ein Dummkopf war ja nicht selten, aber wenn sie gleich im Mehrfachpack auftraten, wurde es ihm einfach zuviel. Es war, als hätte Longbottom einen Virus in sich getragen, der sich langsam ausbreitete.
„Ihr werdet heute mit dem Brauen des Allergie-Umkehr-Tranks beginnen, dessen Theorie wir in der letzten Stunde besprochen haben. Die Rezeptur steht im Lehrbuch Seite 321. Die Zutaten befinden sich in den Regalen. Das seltene Quintanus-Kraut befindet sich im Nebenraum. Zur Tür hinaus, linke Reihe anstellen. Jeder nur eine Schale." Die Schüler strömten sehr zügig und relativ ruhig zu ihren Arbeitsplätzen. Sie schienen zu bemerken, wie es heute um seine Laune bestellt war.
Wie eine Katze auf der Lauer beobachtete der Zaubertränkemeister die Schülerschar, um bloß jede Katastrophe schon im Keim zu ersticken. Eine ganze Zeit ging das auch gut. Dann musste er seine ganze Aufmerksamkeit auf Miss Iks verwenden, die gerade versuchte, die Eidechsenhaut zum völlig falschen Zeitpunkt in den Kessel zu geben. In leisem, aber keineswegs zu unterschätzendem Tonfall bemerkte er: „Miss Iks, können Sie nicht richtig lesen? Steht in Ihrem Lehrbuch etwa, dass Sie die gewürfelte Haut der Eidechse in das noch kochende Gebräu geben sollen? Packen Sie die Schüssel sofort wieder zurück und lesen Sie sich die Rezeptur noch einmal genau durch."
Dieser Moment Unaufmerksamkeit reichte aus. Drei Reihen weiter ertönte plötzlich ein: „Autsch" von einem Ravenclaw-Schüler. Als Snape dort hinsah, erkannte er wie der Junge reflexartig zusammengezuckt war und nach hinten sprang. Dabei riss der Schüler einen Teil seiner Zutaten mit sich. Diese landeten im Kessel seines Hintermanns. Sofort fing der bis dahin ruhig vor sich hinköchelnde Trank zu brodeln an. Er wechselte die Farbe von hellem Grün in dunkles Violett. Severus wusste, dass ihm nur noch wenig Zeit blieb. „Ihr verlasst sofort diesen Raum. Der Kessel wird gleich explodieren." Innerhalb von zwei Minuten war der Raum leer. Gut, dass die Schüler wenigstens in einem solchen Fall auf ihn hörten. Dem Zaubertranklehrer blieb gerade noch Zeit für einen Eindämmungsspruch, dann musste auch er den Raum verlassen.
Es ertönte ein ohrenbetäubendes Knallen. Der Boden vibrierte kurz. Dann war Stille. „Ihr geht jetzt zu euren Gemeinschaftsräumen. Ich erwarte ein Essay über den AU-Trank von euch, mindestens 2 Rollen Pergament." Nachdem die Schüler sich eilig entfernt hatten, musste Severus nun mehrere Hauselfen rufen, die das Chaos wieder beseitigten durften.
Gerade als sich der Zaubertränkemeister auf seine Freistunde freuen wollte, fiel es ihm wieder ein. Er sollte ja für Minerva den Unterricht übernehmen. Die Augen verdrehend und leise vor sich ihn grummelnd, begab Severus sich nun auf den Weg zum Klassenzimmer für Verwandlung.
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Zum Mittagessen hin hatte sich Snapes Laune um einige Grade verbessert. Er war zwar immer verdrießlich gestimmt, aber nicht mehr so sehr, wie noch am frühen Morgen. Der Rest seines Unterrichts war relativ ruhig abgelaufen. Gryffindor hatte wieder jede Menge Hauspunkte verloren – besonders in der Vertretungsstunde - aber das war ja schon fast Normalzustand. Severus setzte sich soeben an den Lehrertisch, als ihm jemand von hinten einen Schlag auf die Schulter gab.
„Severus, mein Guter!" Oh, Merlin, heute blieb ihm auch gar nichts erspart. Rolanda 'Besenreißer' saß neben ihm. Er sah auf und nickte der Kollegin kurz zu. Hier half kein Ignorieren, das wusste er aus Erfahrung, er durfte nun mit Hooch über ihr Lieblingsthema reden. Kaum hatte er dies gedacht, setzte die Kollegin auch schon an: „Na, Severus, freust du dich auch schon auf das Quidditchspiel übermorgen? Glaubst du, dass die Slytherins wieder gewinnen werden?" Die Hexe hatte sich während des Sprechens reichlich Fleisch und Kartoffelbrei auf den Teller geschaufelt. Nun nahm sie einen großen Bissen in den Mund und sah Snape mit kauenden Backen an.
Fand er die eingetretene Stille in der ersten Sekunde noch angenehm, wurde dies schnell anders, denn Rolanda verlangte tatsächlich eine Erwiderung von ihm. Er antwortete ihr in seinem bissigsten Tonfall und legte auch noch eine ordentliche Portion Arroganz mit hinein: „Natürlich wird Slytherin gewinnen, da gibt es gar keine Frage. Die Gryffindor-Mannschaft ist einfach zu schlecht, aber was will man von diesem Haus auch schon erwarten."
Der Ton schreckte die Kollegin nicht besonders. Sie schaute ihn kurz an und grinste dann. Ihre nächste Frage schnitt ein neues Thema an, obwohl – nicht wirklich. „Wie wäre es, wenn du demnächst mal wieder den Schiedsrichter machen würdest? Dann könnte ich mir das Spiel mal als Zuschauer ansehen. Solltest du dich aus der Übung fühlen, könnten wir uns vorher gerne zusammensetzen und bei einem Kaffee oder Tee darüber sprechen."
Ihr sonst eher streng blickendes Gesicht verzog sich zu einem Lächeln. Nur Severus' Disziplin war es zu verdanken, dass er ein Schaudern unterdrücken konnte. Ein Kaffeeplausch mit Hooch – darauf konnte er gut und gerne verzichten. Allerdings würde es sie in Schach halten, wenn er vermeintlich zustimmte. Sein Kopf deutete ein Nicken an. Es wirkte tatsächlich. Mit zufriedenem Gesicht schob sich die Kollegin nun ein weiteres Fleischstück in den Mund und wandte sich Flitwick zu, der zu ihrer anderen Seite saß. Severus atmete erleichtert aus und aß schweigend weiter.
Nach dem Essen wollte er sich eilig auf den Weg zurück zu seinen Räumen machen, als er plötzlich eine tiefe weibliche Stimme hinter sich hörte, die vor unterdrücktem Ärger vibrierte: „Severus, kann ich dich kurz sprechen?"
Er drehte sich herum und blickte in die blitzenden Augen von Minerva McGonagall. Trotz ihres Gesichtsausdrucks musste er innerlich grinsen. Er hatte letzte Woche mitbekommen, wie der Schulleiter sie mit 'Nerva' angesprochen hatte. Er hatte spontan in Gedanken ein Mac daran gehängt, was dann allerdings für nervende Meckerliese stand. Auch jetzt fiel ihm ihr neuer Spitzname sofort wieder ein und er musste sich konzentrieren, um nicht vor sich hinzugrinsen.
„Was willst du, Minerva?"
„Das weißt du ganz genau, Severus! Ich will wissen, was du in der Vertretungsstunde mit meinen Schülern angestellt hast. Nicht nur, dass der Punktestand von Gryffindor radikal gefallen ist, mehrere der Erstklässler wirkten völlig eingeschüchtert und das will bei Gryffindors schon etwas heißen."
„Ich weiß nicht, was Dumbledore und du von mir erwartet habt. Ihr wisst doch genau, was ich von diesem Zauberstabgefuchtel halte. Ich habe versucht, den Schülern etwas von deinem Lehrstoff einzubläuen. Wenn das nicht gut genug ist, schlage ich vor, du suchst jemand anderen, der deine Vertretung übernimmt. Apropos Vertretung. Nicht, dass es mich wirklich interessiert, aber was hast du in der Zeit eigentlich gemacht?"
Severus wusste, es war bei Kollegin Minerva am besten, sie schnell auf ein anderes Thema zu bringen. Und sein letzter Satz schien ein Volltreffer zu sein.
Das eben noch wütende Gesicht von McGonagall veränderte sich. War da so etwas wie Verlegenheit in ihren Augen zu erkennen?
Der Tag hatte doch noch etwas Gutes.
„Ich ... ähem, hatte einige Vorbereitungen zu treffen." Sie fasste sich wieder. „Severus, es geht nicht, dass du so mit den Schülern umgehst. Du musst sie nicht mögen," er verzog das Gesicht zu einer Grimasse, „aber du sollst sie nicht so verschrecken. Es gibt seit dem Fall von Voldemort keinen vernünftigen Grund mehr, dass du so mit ihnen umgehst. Wenn ich es genau überlege, hatte es damals auch keinen ausreichenden dafür gegeben." Den letzte Satz hatte sie mehr zu sich selbst gesagt und Severus beschloss die Gunst der Stunde zu nutzen und sich schnell davon zu machen.
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Der Nachmittag war unterrichtsfrei und Severus hatte die Zeit genutzt, um einige Dinge im Schloss zu erledigen. Lautes Grollen und Donnern hatte angekündigt, dass ein Unwetter aufzog. Als das Prasseln des Regens einsetzte, schaute Severus aus dem Fenster. Er befand sich gerade im siebten Stock und hatte so eine gute Sicht nach draußen. Kopfschüttelnd betrachtete er, wie die Mannschaft des Gryffindor-Teams trotz der Ankündigung des schlechten Wetters beschlossen hatte, ihr Training durchzuziehen. Na gut, nötig hatten sie es ja.
In dem Moment setzte ein starker Sturm ein. Die Schüler waren so in ihr Spiel vertieft, dass sie es nicht zu bemerken schienen. Da passierte es. Stuart Little, der neue, mausgesichtige Sucher des Teams verlor das Gleichgewicht. Er hatte sich durch den Wind und seiner Suche nach dem Snitch vom Spielfeld entfernt. Das war sein Glück, denn so fiel er in den See, anstatt auf den harten Boden aufzuprallen.
Einen Moment lang überlegte Severus, ob er die Sache einfach ignorieren sollte, irgendjemand würde den Jungen bestimmt aus dem See ziehen. Dann machte sich sein Verantwortungsbewusstsein als Lehrer bemerkbar. Er lief den Gang entlang zum nächsten Raum mit einem Kamin und informierte Poppy Pomfrey über die Angelegenheit. Er fand, so habe er seiner Schuldigkeit Genüge getan.
Wieder in seinem Quartier angekommen stellte er mit einem Stöhnen fest, dass es noch immer aussah, als sei ein Meteorit dort eingeschlagen. Also machte er sich wieder einmal daran, den Reparo-Zauber zu strapazieren. Danach trat der Stepford-Zauber in Kraft, der die Unordnung und Unsauberkeit im Nu beseitigte. Er wollte sich gerade auf sein Sofa niederlassen, als sein Blick auf den Tisch fiel. Dort lagen noch immer die Aufsätze der Zweitklässler, die dringend korrigiert werden mussten. Ein paar davon würde er wohl noch bis zum Abendessen schaffen.
Eine halbe Stunde später nach etlichen Bemerkungen wie: „War ja klar, dass die keine Ahnung hat", „Wie kann man nur so blöd sein", „Das kann ich gerade so durchgehen lassen" und „Das sind höchstens sieben von neun Punkten", machte sich der Meister der Zaubertränke mit knurrendem Magen auf den Weg zur großen Halle. Merkwürdigerweise begegnete er unterwegs kaum jemandem.
Mit Schwung öffnete er die Tür, um in energischen, langen Schritten zum Lehrertisch zu schreiten. Sofort setzte Stille ein und alle Augen richteten sich auf ihn. Er begann, sich unbehaglich zu fühlen. Sein Herz schlug schneller und er bemerkte, wie seine Hände feucht wurden. Was hatte das zu bedeuten? Sein Unwohlsein verstärkte sich. Er atmete schneller und merkte, wie sein Magen sich zusammenzog, als er vorne den Chor von Hogwarts entdeckte, der in genau diesem Augenblick zu singen anfing. Mit den ersten gesungenen Worten traf ihn die Erkenntnis und er wünschte sich ganz weit weg von diesem Ort.
„Happy birthday to you, happy birthday! Happy birthday to you, happy birthday." Der Song wollte und wollte nicht enden. Hatte denn keiner Erbarmen mit ihm? Severus wollte sich schon umdrehen, um den Raum wieder zu verlassen, als er spürte, wie ein Arm ihn festhielt. Er drehte sich zurück und schaute in blaue Augen, die ihn aus Halbmondgläsern anstrahlten. Für einen Mann seines Alters hatte Albus Dumbledore erstaunliche Kraft. Severus ergab sich seinem Schicksal. Zum Glück hatte der Gesang nun endlich aufgehört.
Dafür begann eine neue Tortur, die Glückwünsche, womöglich die von allen Schülern. Doch hier hatte der Direktor wohl ein Einsehen gehabt. Vor ihm standen die beiden Schulsprecher. „Im Namen aller Schüler von Hogwarts wünschen wir Ihnen alles Gute zum Geburtstag, Professor Snape!" Orla Quirke, die diese Worte ausgesprochen hatte, war es deutlich anzusehen, wie unwohl sie sich dabei fühlte. Snape nickte knapp und murmelte etwas, das mit viel Phantasie als „Danke" ausgelegt werden könnte. Erleichtert gingen die beiden Schüler wieder zu ihren Tischen zurück.
Es galt also für Severus 'nur' die Gratulationen der Kollegen über sich ergehen zu lassen. Um diese ertragen zu können, schaltete Severus einen Teil seines Bewusstseins auf Autopilot um und ließ die Prozedur über sich ergehen. Er drückte Hände, ließ es sogar zu, dass ein oder zwei der Frauen ihn flüchtig an sich drückten und murmelte leise vor sich hin. Hagrid, Flitwick, Sprout, Trelawney, Hooch, McGonagall und sogar Binns, der Langweiler, war da um zu gratulieren. Die Reihe der Kollegen schien kein Ende zu nehmen. Im Geiste schmiedete er bereits Pläne, wie er sich an Dumbledore, dem er mit Sicherheit diese Aufmerksamkeit zu verdanken hatte, dafür rächen könnte.
Das Zentrum seiner Gedanken klatschte in diesem Augenblick in die Hände und verkündete: „Bevor wir das Essen beginnen, noch eine Information. Die Lehrer haben eine kleine Party für Professor Snape vorbereitet. Sie findet direkt im Anschluss an das Essen statt. Wer von euch daran teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen. Und nun lasst uns endlich schlemmen!"
Severus hatte sich nicht mehr hundert Prozent unter Kontrolle. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen und erreichten einen nie dagewesenen Tiefstand. Seine Augen wurden zu kleinen Schlitzen und schienen Blitze zu verschießen. Jeder Schüler, der das Unglück hatte, in dem Moment einen Blick auf ihn zu werfen, würde die nächsten Wochen Probleme haben im Zaubertränke-Unterricht unbefangen zu sprechen. Ganz zu schweigen von den Alpträumen, die diesen Jugendlichen erwarten würden.
Da fühlte der dunkelhaarige Magier den Blick des Schulleiters auf sich. Albus Dumbledore brauchte keinen Imperio, um die Leute dazu zu bekommen, das zu tun, was er wollte. Severus blieb nichts übrig, als seine Wut am Essen auszulassen. Verbissen säbelte er an dem Steak auf seinem Teller herum und stellte sich vor, es wäre etwas anderes.
Die letzte Gnadenfrist war schneller abgelaufen, als der Lehrer für Zaubertränke es für möglich gehalten hatte. Alle hatten das Essen beendet und mit ein paar flinken Bewegungen ihres Zauberstabes, hatten die Kollegen McGonagall und Flitwick die große Halle in einen partyfähigen, kleineren Raum verwandelt. So viel zum Thema Vorbereitungen, die Minerva gehabt hatte. Die Schüler hatten sich ohne Ausnahme aus dem Staub gemacht, wenigstens ein kleiner Lichtblick. Dafür kam jetzt Filch auf ihn zu und sprach unter mehreren Verbeugungen einen Glückwunsch aus. Wen hatte Nerva Mac denn noch alles eingeladen? Jetzt fehlte nur noch eine Glückwunschkarte von Gilderoy Lockhart, aber man sollte den Teufel nicht an die Wand malen.
Der Raum wurde in sanftes Licht gehüllt und leise Musik erklang. Irgendjemand drückte Severus ein Glas in die Hand. Der Inhalt roch nach Alkohol und so probierte er ihn. Widerlich süße Bowle schreckte seine Geschmacksnerven auf und er verschluckte sich fast. Eine Hand klopfte zwei-, dreimal kräftig auf seinen Rücken, dann ging es ihm wieder besser. Er drehte sich um und sah in das Gesicht von Hermione Granger.
„Nimm das stattdessen." Mit diesen Worten reichte sie ihm ein Glas mit klarer Flüssigkeit. Er zog eine Augenbraue hoch. „Das ist Wasser", erwiderte sie mit ungeduldiger Stimme. „Whisky wäre mir lieber", gab er leise von sich. Aber er nahm das Glas an und trank es in einem Zug leer. „Das kann ich dir nicht verdenken", kam ihre leicht belustigte Antwort. Er sah sie an. Granger – sie war schon zu ihrer Schulzeit einer der Nägel zu seinem Sarg gewesen. Gut, er musste zugeben, im Kampf gegen den dunklen Lord war sie eine Hilfe gewesen, doch er war froh gewesen, als sie und ihre Freunde die Schule endlich verlassen hatten. Doch dann besaß sie die Frechheit, als Lehrerin wieder zu kommen. Und das innerhalb so kurzer Zeit, dass er sich in dem Moment fragte, wie sie das wohl angestellt hatte. Das ging nicht mit rechten Dingen zu, sicher hatte Albus etwas damit zu tun. Aber was fiel ihm ein, sich großartig Gedanken über diese Besserwisserin zu machen.
Sie sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Anscheinend erwartete sie eine Erwiderung. So wie es aussah, musste er dieser Farce noch eine Weile beiwohnen, da konnte er Gesellschaft nicht ganz vermeiden. 'Hermione' war immer noch besser als die anderen dumpfbackigen Kollegen. Sie hatte sich heute angenehm zurückhaltend aufgeführt. Sollte sie doch etwas in der Zeit nach der Schule gelernt haben?
„Gehen wir zur Bar", ließ er sich herab zu antworten. Sie folgte ihm zur leeren Bar. Er stellte die beiden Gläser, die er noch in den Händen hielt ab und sprach laut: „Feuerwhisky mit zwei Stückchen Eis." Eine Sekunde später materialisierte sich das gewünschte Getränk direkt vor ihm auf dem Tresen.
„Und ... wem habe ich denn diese tolle Überraschung zu verdanken, Hermione?" Er sprach das letzte Wort etwas gedehnt aus, weil es sich so unvertraut anfühlte. Ihm wäre es nie eingefallen, sich von dieser ehemaligen Schülerin duzen zu lassen, aber Albus hatte sie am Anfang des Schuljahres einfach als Hermione im Lehrerzimmer vorgestellt (als wenn sie alle nicht genau gewusst hätten, wie sie hieß) und gemeint, man würde sich ja kennen und könne sich die Förmlichkeiten sparen. Sein Versuch, es später noch gerade zu biegen, war an der lockeren und mitunter so ignoranten Art des Direktors gescheitert.
„Unser lieber Schulleiter hat gedacht, du könntest etwas Aufmunterung gebrauchen. Er hat zusammen mit Minerva die Planung dieser Aktion übernommen. Sei froh, dass Minerva dabei gewesen ist, sonst hätten dich noch ganz andere Dinge erwartet." Sie grinste ihn an. Er malte sich kurz aus, was Albus noch hätte veranstalten können, verdrehte die Augen und nahm einen tiefen Schluck aus seinem Glas. Der Ton in Grangers Stimme hatte einen spöttischen Beigeschmack. So wie es aussah, fand sie genau so wenig Gefallen an dieser Party wie er. Damit war sie ihm im Augenblick eine eindeutig bessere Gesellschafterin als die Kollegen, die das Ganze zu genießen schienen.
„Nettes Outfit, das sie dir verpasst haben", ließ sein Gegenüber jetzt verlauten. Erschreckt schaute der dunkelhaarige Zauberer an sich herab. Darauf hatte er gar nicht geachtet. Erleichtert stellte er fest, dass seine 'neue' Kleidung wenigstens immer noch die gleiche Farbe hatte, wie seine übliche Garderobe. Allerdings war es jetzt eine festliche Robe mit kleinen Stickereien am Ärmel. Irgendetwas war auch mit seinem Haar passiert, es wirkte nicht mehr so strähnig, sondern fiel ihm locker auf die Schultern. Nachdem er mit seiner Inspektion fertig war, schaute er wieder zu Hermione hinüber. In ihrer Miene war nicht zu erkennen, dass sie sich über ihn lustig machen wollte.
In dem Moment kam die Kollegin Sinistra auf ihn zu. In der einen Ecke, aus der die Musik zu kommen schien, hatten einige Lehrer angefangen zu tanzen. Wenn er Sinistras Blick richtig deutete, wollte sie ihn auffordern. Tanzen, das hatte ihm gerade noch gefehlt! Er schaute sich nach einer Fluchtmöglichkeit um, doch es war schon zu spät. „Darf ich bitten, Severus?" Sinistras Stimme klang ein wenig nervös. Severus holte tief Luft, um eine passende Abweisung auszusprechen, als sein Blick auf Dumbledore fiel. Da kam Hilfe von anderer Seite. Wenn man es Hilfe nennen konnte. „Tut mir Leid, aber diesen Tanz hat Severus mir schon versprochen", hörte er Hermione sagen. Er versuchte, nicht allzu erstaunt auszusehen. Sinistra verschwand schnell wieder außer dem Blickfeld. Snape stand immer noch an der gleichen Stelle und hegte erneut den Wunsch ganz woanders zu sein.
„Ähem, du solltest mich jetzt besser zur Tanzfläche führen, sonst fällt es auf." Hatte er es doch gewusst, sie konnte die Besserwisserei immer noch nicht lassen. Trotzdem folgte er zähneknirschend ihren Worten.
Nach ein paar stümperhaften Versuchen, sich zur Musik zu bewegen, zog die brünette Hexe ihn tanzenderweise langsam in eine dunkle Nische. Er wollte schon protestieren. Doch sie schüttelte den Kopf, zog ihren Zauberstab aus der Tasche und murmelte die Worte: „Op Exit." Eine Tür öffnete sich und sie konnten unbemerkt verschwinden.
Er betrachtete das Gesicht von Granger. Sie verlangte jetzt sicher Dankbarkeit – in welcher Form auch immer - von ihm. Doch sie schob ihn einfach in Richtung des Gangs, der zu den Kerkern führte und sagte: „Nun mach schon, dass du davon kommst, bevor sie dich erwischen." Das ließ er sich, auch wenn es von einer Gryffindor kam, nicht zweimal sagen. Er legte einen so schnellen Schritt ein, wie es seine Würde erlaubte und war innerhalb kürzester Zeit gen Kerker verschwunden.
Ende des Kapitels
Weil es beim letzten Mal mit den Rückmeldungen so gut geklappt hat, wollte ich euch auch hier ein paar Antworten für die Review anbieten.
Diesmal habe ich etwas mit Zahlen ausgesucht. Es sind mehrfach Nennungen möglich. Auch hier gilt das nur als Vorlage. Wer sich so äußern möchte, ist herzlich dazu eingeladen :-). Ich freue mich über eurer Lob und nehme dankbar konstruktive Kritik an.
1A – Spitze, dieses Kapitel, so habe ich mir das vorgestellt. Kann gar nicht abwarten, wie es weitergeht!
69 - Hatte total viel Spaß dabei!
007 - Lizenz zum Weiterschreiben
0815 – Nichts besonderes, aber man kann damit leben
4711 – Das findet vielleicht meine Oma interessant, aber ich mag es nicht.
11880 - 11 Ansätze habe ich gebraucht das Kapitel zu lesen, der Inhalt war mir egal, 0 Lust weiterzulesen
