(K)ein Tag wie jeder andere
von Callista Evans
Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen. Ähnlichkeiten mit irgendwelchen Filmen oder Fernseh-Serien sind kein Zufall, sondern durchaus gewollt.
A/N: Ich weiß, das Update hat lange gebraucht, aber ich habe keine meiner Stories vergessen, es gab nur eine Schreibblockade von meiner Seite. In diesem Kapitel wird es einiges an Wiederholungen geben, das ist bei dem Thema nicht zu vermeiden. Ich hoffe, es gefällt euch trotzdem. Vielen lieben Dank an mein Beta-Team, Nici Cavanaugh, Mariacharly und Simone, (ich weiß, drei Betas sind ein bisschen viel, aber ich möchte keine missen). Vielen Dank auch an meine Reviewer!
So jetzt verrate ich euch noch, an welche Filme ich im letzten Kapitel gedacht habe: 'Und täglich grüßt das Murmeltier' (aber da war ja schon klar :-)); Dobby redet wie Yoda aus 'Star Wars'; Es kann nur einen geben - 'Highlander'; Alter Mann- so wird bei DS9 Star Trek) Captain Sisko von Jadzia Dax immer genannt; Geht nach links, jeder nur ein ...- 'Das Leben des Brian'; Hooch isst Kartoffelbrei 'Bibi Blocksberg'; 'Stuart Little'- okay das ist wieder offensichtlich :o); der Stefford-Zauber ist aus 'Die Frauen von Stefford'; 7 von 9 Punkten - Seven of Nine, die Borg aus Star Trek Voyager; die Getränkebestellung an der Bar- könnte auch aus Star Trek stammen.
Kapitel 2: Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung
Es war noch dunkel im Raum, als Severus die Augen aufschlug. Im Licht der Dämmerung war kaum etwas im Raum zu erkennen. Mit einem Griff, der auf jahrelange Gewohnheit schließen ließ, nahm er seinen Wecker vom Nachttisch, um von den magisch leuchtenden Ziffern die Uhrzeit abzulesen. Es war sechs Uhr morgens. Ihm wurde erst jetzt der Grund für sein frühes Erwachen klar, es war das Geräusch, welches aus dem Nebenraum ertönte. Jenes Geräusch, was er schon einmal gehört und welches ihm schon da heftigen Widerwillen abgerungen hatte. Das war doch die Höhe! Anscheinend fing dieser Tag genau so mies an wie der gestrige. Er spürte, wie sein Adrenalinspiegel sich erhöhte. Dieser Hauself, was fiel dem ein? Hatte er denn gestern nicht bemerkt, wie sehr ihm diese Jaulerei auf die Nerven ging? Anscheinend nicht, denn das Summen von 'I got you, babe' ertönte weiter durch Severus' Privaträume. Was zu viel war, war zuviel! Schnell stand er auf und griff zu seinem Morgenmantel.
Das Summen wurde lauter.
„Dobby, ich habe dir doch gesagt, ich will das NIE WIEDER hören. Ich dachte, das hätte ich gestern schon klar gestellt." Severus' Stimme hatte diesen geschulten, gefährlich ruhigen Tonfall, der ihm im Unterricht immer von großem Nutzen war. Der Hauself kam bei diesen Worten auf flinken Füßen angelaufen und blickte den Zaubertränkemeister aus seinen großen Augen an. Augenscheinlich wusste er nicht, was der Lehrer von ihm wollte. Trotzdem oder gerade deshalb verzog er sein Gesicht zu einem Lächeln, das dem vom Vortag in nichts nachstand.
„Schönen guten Morgen Dobby wünscht, Sir. Gut geschlafen Sie haben?" Nein, das hatte er nicht, er war ja von diesem furchtbaren Geräusch aufgeweckt worden. Resigniert seufzte Severus auf, knotete den Gürtel seines Bademantels zusammen und machte sich auf den Weg ins Bad. Den Hauselfen ließ er einfach stehen, was diesen veranlasste, sich schnell zu entfernen, wobei er eine Entschuldigung nach der anderen ausstieß.
Der Fuß des Zauberers kam ins Stocken, als ein schwarzes Fellknäuel seinen Weg so kreuzte, dass er fast gestolpert wäre.
„Ich glaube, ich habe ein Déjà vu!", kam es undeutlich von seinen Lippen. Laut verkündete er seinem Haustier: „Destiny, wenn dir deine sieben Leben lieb sind, halte dich morgens aus meiner Reichweite!" Mit beleidigtem Miauen drehte sich das Tier herum und verschwand unter dem Bett. Der Zaubertränkemeister setzte seinen Weg ärgerlich fort und betrat völlig ahnungslos das Wohnzimmer. Dort blieb er wie angewurzelt stehen und starrte erschüttert auf die Unordnung, die noch immer hier herrschte. Er hatte doch gestern alles eigenhändig aufgeräumt! Der Zauberer machte einen Schritt vorwärts, bereute es jedoch sofort wieder. „Arrgg. Verfluchte, vermaledeite ... " Der ehemalige Todesser nutzte die Gelegenheit, um sein Fluchrepertoire einmal wieder auszugraben. Wie schon am Vortag hatte sich eine Scherbe in seinen Fuß gebohrt und wie schon am Vortag lag der Zauberstab noch im Schlafzimmer.
Die Erfahrung von gestern ließ Severus schneller mit der Wunde fertig werden und endlich konnte er sich ins Bad begeben. Während er unter der Dusche stand, konnte er das merkwürdige Gefühl, das in ihm aufgekommen war, nicht abschütteln. Dieses Empfinden verstärkte sich noch, als er einige Zeit später fertig angekleidet war und vorsichtig durch den Wohnraum lief. Ein Räuspern hallte durch den Kamin, dann hörte er die Stimme seines Chefs: „Severus, bist du da?"
Nur Dumbledore brachte es fertig, schon am frühen Morgen so munter zu klingen. Was wollte er denn jetzt schon wieder?
„Natürlich bin ich hier, Schulleiter." Wo sollte er auch sonst um diese Uhrzeit sein? „Was gibt es denn?" Heute fiel es ihm noch schwerer als gestern halbwegs freundlich zu bleiben.
„Kannst du kurz in mein Büro rüberkommen?" War er nicht gestern schon genug bestraft worden? Musste es heute so weitergehen? Er würde versuchen, Dumbledore so schnell wie möglich abzuwimmeln. „Ich komme sofort", war seine Antwort und er setzte diese dann auch in die Tat um. Der Magier benutzte den Kamin, um ins Büro des Direktors zu gelangen.
„Zitronendrops, Severus?" Der Lehrer für Zaubertränke wäre jede Wette eingegangen, dass er mit diesen Worten empfangen werden würde. „Nein, möchte ich nicht!" Sein Tonfall war nicht so kontrolliert wie sonst und Dumbledore sah ihn deshalb fragend an. Um keine Verlegenheit bei sich aufkommen zu lassen, (eine Sache, die wohl nur der weißbärtige Zauberer bei ihm fertig bringen würde), nahm Severus sich zusammen und fragte: „Sie wollten mich sprechen, Schulleiter?"
„Ich möchte dich um einen Gefallen bitten. Kannst du heute eine Vertretungsstunde für Minerva übernehmen? Sie hat etwas Unaufschiebbares zu erledigen. Du hast eine Freistunde am späten Vormittag und könntest bei den Erstklässlern von Ravenclaw und Gryffindor einspringen."
Jetzt schaute Severus seinen Vorgesetzten mit aufgerissenen Augen an. Dazu fiel ihm nichts mehr ein außer einem leisen „Schon wieder?"
Trotz seines Alters hatte Dumbledore anscheinend noch ein gutes Gehör, denn in seinen Augen erschien ein fragender Ausdruck und der alte Zauberer erwiderte: „Wieso schon wieder? Es ist Ewigkeiten her, seit ich dich darum gebeten habe, für einen Kollegen einzuspringen."
So langsam traten wohl Gedächtnislücken bei seinem Vorgesetzen auf. Severus seufzte auf und schaute sich im Raum um, als könne er dort eine Lösung für sein Problem erkennen. Sein Blick blieb an dem immerwährenden Kalender mit integrierter Uhr hängen, den Albus von einigen Schülern zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte. Kurz nach sieben! Kein Wunder, dass er noch zu müde war, seine Gehirnwindungen schon derart in Anspruch zu nehmen. Aber halt, da war des Rätsels Lösung. „Ihr Kalender ist kaputtgegangen. Er zeigt noch das Datum von gestern an. Im Übrigen habe ich heute keine Freistunde."
„Nein, Severus, du irrst dich." Ein schneller Blick auf die Kalenderuhr hatte dem alten Magier ausgereicht. Jetzt sah er seinen Zaubertränkemeister ernst an. „Heute ist der 9. Januar und auch dein Unbehagen Minervas Unterricht zu übernehmen, wird nichts daran ändern. Ich erwarte, dass du die Vertretung trotzdem übernimmst."
Severus betrachtete den weißhaarigen Mann vor sich genau. Es war ihm bitterernst mit seiner Aussage, das konnte man an dessen Gesichtsausdruck deutlich erkennen. Der dunkelhaarige Zauberer wusste, es hatte wenig Zweck zu protestieren. Also lenkte er ein und begab sich schnellstens zurück in seine Räume. Beim Frühstück würde er dann bei Minerva nachhaken wie sie zu seiner Entdeckung stand.
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Severus setzte sich an den Lehrertisch und versorgte sich erst einmal mit Kaffee. Er hatte ein ganz merkwürdiges Gefühl, wenn er über den Zwischenfall mit Albus nachdachte. Da stimmte etwas ganz und gar nicht und er würde herausfinden, was das war. Als er die Tasse abstellte, um sich ein Brötchen zu holen, bemerkte er diesen widerlichen Duft in seiner Nase. Ehe er sich versah, saß schon Kollegin Trelawney neben ihm. Der Lehrer für Zaubertränke stellte fest, dass er dringend daran arbeiten musste, seine Aura wieder düsterer werden zu lassen. Seine Laune war bestimmt der beste Weg dazu, da sie sich bereits in unglaublichen Tiefen befand.
„Guten Morgen, Severus, mein inneres Auge sagt mir, dass du heute etwas Besonderes erleben wirst." Nicht nur ihr Tonfall, auch ihre Worte klangen exakt wie am Vortag. Severus' Anspannung wuchs. Er hatte das Gefühl zu träumen, sich nicht in der Realität zu befinden. Wieder erblickte er das Lächeln der Kollegin und aus einem Impuls heraus tat er etwas, das für ihn ganz untypisch war. Er erwiderte im freundlichsten Tonfall, den er aufbringen konnte: „Guten Morgen, Sibyll." Seine Hand griff nach der Orangenmarmelade und er hielt ihr das Glas mehr oder weniger direkt vor die Nase. „Die möchtest du doch sicher haben, oder?" Gespannt wartete er auf ihre Reaktion. „Orangenmarmelade, ich liebe Orangenmarmelade. Aber woher weißt du das, Severus?" Sie nahm ihm den Behälter aus der Hand und rückte ein Stück näher, um ihn genauer anzusehen. Dabei blinzelte sie ihn mit ihren kurzsichtigen Augen an.
Sofort rutschte er ein wenig weg. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Er wollte auf keinen Fall, dass Trelawney dachte, er hätte irgendein Interesse an ihr. Allerdings hatte sie seinen Verdacht bestätigt. Alles schien sich zu wiederholen. Wenn er nur wüsste, was dahinter steckte. Doch zunächst war es wichtig, sich geschickt aus dieser Affäre herauszuziehen. In einem äußerst ironischen Tonfall wandte der Professor sich an die Lehrerin für Wahrsagen: „Das muss mein inneres Auge mir wohl eingegeben haben."
Dem beleidigten Ausdruck aus Sibylls Augen entnahm er, dass seine Anspielung ihren Zweck erfüllt hatte. Er drehte sich von ihr weg und beendete zügig sein Frühstück.
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Vor dem Unterrichtsbeginn lief Severus nervös in seinem Büro auf und ab. Zu seinem Pech hatte er Minerva nicht angetroffen und wusste somit nicht, wie er auf Dumbledores Anweisung reagieren sollte. Er beschloss, erst einmal weiterzumachen, um festzustellen, was passieren würde. Er musste herausbekommen, wie weit diese merkwürdigen Begebenheiten um sich griffen. Er würde so tun, als sei alles ganz normal. Mit seinem üblichen Schwung ging der Lehrer zum Klassenraum nebenan und öffnete die Tür. So ganz hatte Snape sich nicht unter Kontrolle, als er den Schülern gegenüber stand. „Was macht ihr denn hier?", fauchte er die Schüler an. Wie er schon befürchtet hatte und doch nicht wahr haben wollte, war es seine 'Lieblingsklasse', die mit dem Longbottom-Virus. Eine brünette Schülerin räusperte sich und sprach: „Wir haben jetzt Unterricht bei Ihnen, Sir." Anscheinend hatten sich alle gegen ihn verschworen, aber sie würden schon sehen, was sie davon hatten.
„Das sehe ich auch, Miss Jordan. Also, dann werden wir noch einmal die Theorie des Allergie-Umkehr-Tranks wiederholen." Nach dem Desaster von gestern scheint mir das angebracht, fügte er noch in Gedanken hinzu, sprach dies jedoch nicht laut aus. Snape schritt nach vorne, wobei sein Umhang in typischer Manier hinter ihm her wehte. Sein feines Gehör vernahm das leise Flüstern eines Jungen, der zu seinem Nachbar sprach. „Noch mal den gleichen Scheiß, mir hat es schon beim letzten Mal gereicht."
Das war Wasser in der Mühle der Zaubertränkemeisters. Er verschärfte seinen Tonfall um einige Grade. „Da Mr. Dalton allerdings davon überzeugt ist, dass Sie den Stoff beherrschen, können wir auch direkt zum praktischen Teil übergehen. Öffnen Sie die Lehrbücher auf Seite 321 und suchen Sie sich die Zutaten zusammen." Erst als die Worte ausgesprochen waren, wurde dem Zaubertranklehrer bewusst, was er da angeordnet hatte. So war das nicht geplant gewesen. Es war wie ein innerer Zwang gewesen, der ihn dazu brachte, sich anders zu entscheiden.
Über sich selbst verärgert, beobachtete der Magier die Reaktion der Schüler aus seinen schwarzen Augen. Ein wenig verwirrt von dem spontanen Meinungswechsel des Lehrers begaben sich die Schüler zu den Arbeitsflächen. Severus' Blick fiel auf den Tisch im Nebenraum, den er vom Pult aus einsehen konnte. Das Erstaunliche hierbei war die Tatsache, dass das Quintanus-Kraut noch unversehrt geblieben war, obwohl doch gestern die Explosion alles hätte vernichten müssen.
Doch Severus musste sich jetzt auf andere Dinge konzentrieren, deshalb wandte er sich wieder den Schülern zu, die er nicht aus den Augen lassen wollte. Egal, was heute los war - er wollte verhindern, dass noch einmal das gleiche passierte wie gestern. Schließlich war er, Severus Snape, jetzt vorbereitet. Bevor die Schülerin Iks dazu kam, wieder eine eigene Variation des Tranks auszuprobieren, hatte der Lehrer sie schon ermahnt. „Stopp, Miss Iks, legen Sie das sofort zurück!", kam es in scharfem Tonfall von Snape. „Bevor Sie weitermachen, lesen Sie sich noch einmal die genaue Reihenfolge und Arbeitsweise der Rezeptur durch."
Noch während dieser Worte war der Meister der Zaubertränke nach hinten geeilt, um den Schüler Anderson im richtigen Moment anzusprechen, damit sich dieser nicht noch einmal verbrannte. „Mr. Anderson, kommen Sie zu mir." Snape hatte die Worte gerade geäußert, als zuerst ein Niesen und dann ein Poltern auf der anderen Seite erklangen. Doch als er sich umdrehte, war es schon zu spät. Jack Putter hatte mal wieder eine seiner berühmten Niesattacken. Wahrscheinlich war einer der Hexen aus einer Muggelfamilie ihm zunahe gekommen. Diese Mädchen mit ihrem Haarspray.
Ihm blieb keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn der ungeschickte Junge war beim Niesen gegen einen der Tische gestoßen und hatte dabei allerlei Zutaten in den nächsten Kessel befördert. Nicht schon wieder, dachte der Zaubertranklehrer und scheuchte seine Schüler auf schnellstem Wege aus dem Raum. Auch diesmal waren alle rechtzeitig draußen, als es drinnen ein gewaltiges Getöse gab und Qualm aus dem Ritz unter der Tür hervor kam. Mit barscher Stimme schickte Snape die Schüler weg, ohne zu vergessen, ihnen eine Menge Extrahausaufgaben zu geben.
In dieser explosiven Laune wanderte der Professor über die Flure zu seiner Vertretungsstunde. Minervas Schüler sollten sich warm anziehen, waren seine Gedanken, als er mit Schwung die Tür zum Klassenraum öffnete.
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Obwohl er jede Wette eingegangen wäre, dass es so und nicht anders kommen würde, stöhnte Severus auf, als sich Rolanda mittags mit ihrem burschikosen Schlag auf seine Schulter ankündigte. Bei Grabthars Hammer, wurde er denn gar nicht geschont? Nein, natürlich nicht, was hatte er erwartet? Erneut wurde ihm ein Gespräch über Quidditch aufgezwängt. Er spürte, wie seine Muskeln sich anspannten, bei dem Gedanken, schon wieder mit dem Lieblingsthema von Hooch konfrontiert zu werden. Hatte die Hexe keinen Friseur, dem sie das erzählen konnte? Er passte nicht auf und sah nun in das fragende Gesicht der Kollegin. Es hatte auch Vorteile, zumindest ganz kleine, dass er erahnte, was die Quidditchlehrerin im Sinn hatte.
Auch jetzt kostete es ihn Mühe, sich sein Unbehagen nicht anmerken zu lassen. Er murmelte etwas, das mit viel Optimismus als „Demnächst" ausgelegt werden könnte. Hooch schien es auszureichen, denn sie nickte mit strahlendem Gesicht und schlug enthusiastisch unter dem Tisch auf sein Knie. Das war eine unerhört vertrauliche Geste und dem Zaubertranklehrer schwante Schlimmes, was den Kaffeeplausch anging. Da Rolanda aber inzwischen mit dem Kollegen Flitwick darüber diskutierte, ob es besser sei, den Besen manuell mit einem Profi-Reinigungsset zu reinigen oder mit einem Zauberspruch (das war eins ihrer Lieblingsdiskussionsthemen) konnte er sich in Ruhe seinem Essen widmen.
Severus aß also in aller Seelenruhe seinen Hackbraten, wohl wissend, dass gleich auch für ihn eine Diskussion anstehen würde, wenn tatsächlich alles so laufen würde wie gestern. Gespannt schaute er in Minervas Richtung und wurde auch nicht enttäuscht. Nerva Mac machte ihrem neuen Spitznamen alle Ehre. Die Hauslehrerin von Gryffindor hatte sich vor lauter Ärger richtig gehend aufgeplustert und spontan kam ihm die Frage, warum ihre Animagusform nicht die einer Eule war. Er beschloss das Ganze zu genießen. Nichts war unterhaltsamer, als eine ohnehin saure Kollegin dazu zubringen, an die Decke zu gehen.
Mit leicht vorgeschobenem Kinn und blitzenden Augen sah er sie an. Betont langsam stand er auf und bewegte sich auf den Ausgang zu. Sofort war die Kollegin an seiner Seite und es ertönte ihr strengstes „Severus?"
„Ah, Minerva, du möchtest dich sicher dafür bedanken, dass ich dich im Unterricht vertreten habe, nicht wahr?", fragte er in scheinheiligem Tonfall. Das gab McGonagall den Rest. Ihre Arme stemmten sich in ihre Hüften und man konnte förmlich zusehen, wie der Mund immer schmaler wurde. „Bedanken! Ich will wissen, was du in der Vertretungsstunde mit meinen Schülern angestellt hast! Nicht nur, dass der Punktestand von Gryffindor radikal gefallen ist, mehrere der Erstklässler wirkten völlig eingeschüchtert - und das will bei Gryffindors schon etwas heißen."
„Weißt du, wenn du keine Zeit hast deinen Unterricht abzuhalten, dann musst du es schon mir überlassen, wie ich den Unterricht gestalte." Der Hauslehrer von Slytherin konnte ein hämisches Grinsen kaum unterdrücken, als er die Frage anfügte: „Was war es doch gleich, weswegen du freigestellt worden bist?"
Und richtig, auch dieses Mal lenkte die Frage seine Kollegin von ihrem Ärger ab und sie schaute ihn leicht verlegen an.
„Ich ... ähem, hatte einige Vorbereitungen zu treffen." Die folgenden Sätze bekam er nur noch halb mit. Der ungeduldige Zauberer wartete auf ihren in sich gekehrten Gesichtsausdruck und ging schnell davon.
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Den Nachmittag verbrachte der Zaubertränkemeister damit, unruhig in seinen Räumen auf und ab zu laufen. Da er jetzt nicht mehr abgelenkt war, verfiel er in Grübeleien, was es mit diesen merkwürdigen Wiederholungen auf sich hatte. Gleich einem Tiger im Käfig lief er in seinem inzwischen eigenhändig sauber gezauberten Wohnzimmer auf und ab. Er konnte sich keinen Reim auf die Geschehnisse machen. Es war, als habe der gestrige Tag überhaupt nicht stattgefunden, denn alle Dinge, die er erledigt hatte, gab es entweder nicht mehr oder sie waren in ihrem ursprünglichen Zustand. Schließlich hielt der aufgewühlte Zauberer es in seinem Quartier nicht mehr aus und begab sich im Schloss auf Patrouille. Es würden sich schon irgendwelche Schüler finden, die gegen die Regeln verstießen und es war sein Job, diese zurecht zu weisen.
Das Laufen machte den Lehrer nicht wesentlich ruhiger und auch die erwarteten Schüler, die er bestrafen konnte, ließen auf sich warten. So wanderte er nun durch Hogwarts ... unruhig ... Zeit schindend ... in dem Versuch seine Lage zu verdrängen. Er musste unwillkürlich einen ähnlichen Weg gegangen sein, wie am Vortag, denn plötzlich befand er sich wieder im siebten Stock. Prompt setzte der Sturm draußen ein. Mit einer morbiden Neugier stellte sich Snape ans nächste Fenster und beobachtete die Schüler bei ihrer Quidditch-Trainingsstunde. Würde der Schüler Little wieder ... ja, das würde er. Noch während des Falls begab sich der Lehrer für Zaubertränke zum nächsten Kamin, um Poppy nach draußen zu schicken.
Als er die Staubreste des Kamins von seinen Ärmeln schüttelte, überlegte er, ob er allmählich weich würde. Es war ja ganz und gar nicht seine Art, sich um Gryffindor-Schüler zu sorgen.
Auf dem Rückweg lief der Mann in den schwarzen Roben nun bewusst einen anderen Weg, als er normalerweise gegangen wäre. Unterwegs begegnete ihm eine Gryffindor-Schülerin, die sich bei seinem Anblick schnell umdrehte, als hätte sie etwas zu verbergen. Grund genug für ihn der Sache nachzugehen. „Miss Smith, drehen Sie sich sofort herum und schauen Sie mich an. Ihr Verhalten ist unhöflich, ja respektlos gegenüber Ihrem Lehrer." Die Schülerin drehte sich zögernd herum und blickte ihn verlegen an, wobei sie versuchte, mit ihren vor der Brust verschränkten Armen ihr Oberteil zu verbergen. Nichtsdestotrotz war zu erkennen, was auf dem Sweatshirt stand. Es war ein rotes Symbol, ein hohler Kreis, mit einem diagonalen, roten Balken darüber. Unter dem Zeichen stand in schwarzer Schrift 'No Dunderhead' zu lesen. Ein Emblem an der Seite verriet, dass dieses Kleidungsstück zur neuen Weasley-Kollektion gehörte.
Severus fühlte, wie sich sein Puls beschleunigte. Diese verd ... Weasleys mit ihrem Humor. Sein erster Impuls war es, die Schülerin anzuschreien und ihr zu befehlen, das Kleidungsstück sofort zu entfernen. Das ging natürlich nicht, aus mehr als einem Grund. Aber es gab andere Mittel damit umzugehen. Ein zynisches Lächeln erschien in seinem Gesicht und siehe da, dies schien der jungen Hexe mehr Angst zu machen, als wenn er sie beschimpft hätte. „Nun, Miss Smith, Sie tragen ja eine sehr provokative Aussage auf Ihrem Oberteil. Ich werde bestimmt in der nächsten Unterrichtstunde darauf zurückkommen und Ihnen die Gelegenheit geben, zu beweisen, dass Sie das Kleidungsstück zurecht tragen." Die Angesprochene wurde rot und er konnte sehen, wie sie schluckte. Mit einem leisen „Ja, Sir", machte sie sich eiligst auf den Weg ihm zu entkommen.
Auch wenn er nach der Rückkehr in sein Quartier feststellte, dass die gestern korrigierten Aufsätze keinerlei Spuren von seiner Arbeit aufwiesen (dies nachzuprüfen, hatte er sich nicht verkneifen können), war er nicht dazu bereit, daran weiter zu arbeiten. Die Zeit bis zum Abendessen würde auch so irgendwie vorbei gehen.
Später auf dem Weg zur großen Halle wirkten die Gänge erneut verdächtig leer.
Mit Schrecken fiel Severus wieder ein, was er den ganzen Tag über so erfolgreich hatte verdrängen können. Gestern hatten sie alle seinen Geburtstag mit ihm gefeiert. Es gab fast keine andere Möglichkeit, sie würden dies wohl heute auch versuchen. Ihm wurde schwindelig bei dem Gedanken, was ihn jeden Moment erwarten würde. Schon machte er einen Schritt rückwärts, um zurück in sein Quartier zu fliehen, als er plötzlich einen Arm an seiner Schulter spürte. Als Albus' Stimme ertönte, wunderte sich Severus wohl zum x-ten Mal, wie der alte Mann es immer wieder schaffte, so vorausschauend zu denken. „Guten Abend, Severus, ... dann können wie ja gemeinsam Essen gehen."
Der Magier mit dem langen, wallenden Bart hakte sich energisch bei ihm unter und zog den sich sträubenden Severus mit sich in die große Halle. Wie gestern setzte Stille ein und Snape spürte, wie er von allen Seiten angestarrt wurde. Zu dem unangenehmen Gefühl, alle Blicke auf sich zu spüren, kam der Ärger hinzu. Severus' Muskeln spannten sich, während seine Augen sich zu schmalen Schlitzen zusammen ziehen wollten. Anscheinend spürte der Schulleiter, was in seinem Zaubertränkemeister vor sich ging, denn wie zur Beruhigung wurde sein Arm gedrückt. Snape war, als würde eine beruhigende Stimme in seinem Inneren ihm sagen, dass alles nur halb so schlimm wäre, wenn er sich nur etwas entspannte.
Sofort wand sich der dunkelhaarige Magier aus dem Arm seines Begleiters und ging schnurstracks nach vorne zum Lehrertisch, ohne den Chor, der sich aufgestellt hatte, auch nur eines Blickes zu würdigen. Es kam, wie es kommen musste und erneut musste er sich ein unendlich lang erscheinendes Geburtstagslied anhören. Diesmal reichte ein Blick aus den sonst eher zwinkernden Augen seines Chefs, um ihn vor Ort zu halten. Gut, wenn er auch diese Prozedur noch einmal ertragen musste, dann würde er es den anderen aber nicht leicht machen. Nach bester Snape-Manier legte Severus all seinen Grimm in seine Gesichtszüge. Seine Augen schienen Blitze zu schießen und die Anspannung seines Unterkiefers tat ihm fast weh. Seine Körperhaltung sagte aus: Wer mich anspricht, ist selber schuld.
Die Schulsprecher, die nun auf Dumbledores Wink hin vortraten, wirkten noch eingeschüchterter als sonst. Miss Quirkes Stimme war kaum zu verstehen, mal ganz abgesehen davon, dass sie sich diverse Male räuspern musste, bis sie überhaupt etwas heraus bekam. Leider waren die Kollegen seine schlechte Laune zu sehr gewohnt, als dass es sie noch länger schocken konnte. Immerhin schien sich heute keiner zu trauen, ihn zu umarmen – oder fast keiner. Als die Reihe an Hermione Granger war, war er durch die leeren Phrasen von Trelawney und Binns zuvor nicht mehr so ganz auf der Höhe mit seiner Abwehrhaltung. Die junge Hexe ließ es sich nicht nehmen, ihn mit einem warmen Lächeln anzusehen und ihn leicht zu drücken. Ihm blieb allerdings keine Zeit sich darüber aufzuregen oder nachzuforschen, warum er nicht so sauer darauf reagierte, wie er erwartet hatte.
Ein lautes Klatschen kündete an, dass der Direktor noch etwas zu sagen hatte. Severus, der wusste, was jetzt gesagt werden würde, verzog erneut sein Gesicht, allein schon aus Prophylaxe. Mit einer Miene á la Gewinner des Todesser-Wettbewerbs 'Wer kann schon mit Blicken töten für Fortgeschrittene', ließ er seine Augen über die Schülerschar schweifen. Albus' Ansprache, die mit den Worten begann: „Leiht mir euer Ohr. Bevor wir das Essen beginnen, noch eine Information. Die Lehrer haben ... ", ging in ein Blabla über, als der Zaubertranklehrer nicht mehr richtig zuhörte. Endlich ging es ans Essen. Auch jetzt spürte er den Blick seines Chefs auf sich. Man sah, wie sich die Muskeln im Gesicht des Jüngeren bewegten. Dann senkte er den Kopf und beschäftigte sich intensiv mit seinem Steak. Einen kurzen Moment lang fielen ihm längst vergessene Informationen über Voodoo wieder ein und er war versucht, diese hier auszutesten, doch der Moment ging schnell vorbei. Severus konzentrierte sich nur noch auf das Essen.
Nach dem Essen versuchte Severus sein Bestes, um die Große Halle zu verlassen, doch es schien, als seien sämtliche Kollegen darauf angesetzt, ihn daran zu hindern. Seine Gegenwehr hatte deutlich nachgelassen, da es nun schon den ganzen Tag so aussah, als würde es noch schlimmer werden, wenn er versuchte, sich gegen das Unvermeidliche zu wehren. Gerade hatte er sich Sprout entzogen, die ihm erzählte, was sie demnächst an 'wunderbaren', neuen Zutaten aus dem neuen Gewächshaus für ihn parat hätte. Jetzt wich er Filch aus, der natürlich wieder anwesend war, ihn mit seinem unterwürfigen Gehabe auf den Geist zu ging. Stattdessen warf der grimmige Meister der Zaubertränke einen Blick auf Nerva Mac und Flitwick, die den Saal umgestaltet hatten. Wusste Minerva, dass Rache süß war? Er würde sich schon etwas ausdenken.
Schon wurde es dunkel im Raum und Musik erklang. Mehr aus Reflex führte Severus das Glas, welches ihm in die Hand gedrückt worden war, an die Lippen und verfluchte sich anschließend selbst. Er hatte gewusst, was in dem Glas sein würde. Das würde ihm nicht noch einmal passieren. Kaum war dieser Gedanke zu Ende gedacht, erfasste ihn ein Grauen, das sich bis tief in seine Eingeweide zog. Was wäre, wenn dies alles noch einmal passieren würde und immer wieder, wenn es keinen Ausweg aus dieser Situation gäbe? Er verschluckte sich und fing an zu husten.
Zum Glück fühlte er sofort darauf das Klopfen auf seiner Schulter und es ertönte „Nimm das stattdessen." Eine Hand, die wie er wusste, zu Hermione Granger gehören musste, drückte ihm ein neues Glas in die Hand. Ohne zu zögern schluckte er den Inhalt hinunter. „Whiskey wäre dir sicher lieber und das kann ich dir auch nicht verdenken." Aha, selbst sein fehlender Text wurde von ihr ersetzt. Konnte sie etwa Legilimens? Dann sollte er sich in Acht nehmen, obwohl er mit seinen Okklumentik-Kenntnissen nichts zu befürchten hatte. Der ehemalige Doppelagent betrachtete die Kollegin aufmerksam. Er hatte gestern Abend nach seiner Rückkehr ins Quartier noch wider Willen darüber nachgedacht, was sie dazu bewogen hatte, ihm so aus der Patsche zu helfen. Schon wollte er sie daraufhin ansprechen, als ihm einfiel, dass es ja so aussah, dass alle anderen diesen Tag zum ersten Mal erlebten. Als er ihre hochgezogenen Augenbrauen bemerkte, ließ er sich zu der Bemerkung herab: „Du hast Recht, Hermione, lass uns zur Bar gehen." Komisch, so fremd wie gestern schien ihr Vorname gar nicht mehr.
An der leeren Bar bestellte der Zauberer zwei Gläser Feuerwhiskey, die sich prompt materialisierten und schob der ehemaligen Schülerin und jetzigen Kollegin eins davon zu. Wie immer fiel es ihm schwer, Small Talk zu halten. Er drehte sich zu den anderen um und sein Blick blieb an Dumbledore hängen, der sich gerade mit Nerva Mac auf der Tanzfläche befand. Severus trank einen großen Schluck aus seinem Glas und sagte: „Na, da haben sich Albus und Minerva ja eine ausgesprochen angenehme Überraschung für mich ausgedacht." Seine Stimme ließ mitschwingen, wie ironisch seine Bemerkung sein sollte. Der Zaubertranklehrer versuchte so die aufkommende Stille zwischen ihnen zu überbrücken. Nun war es an ihr zu antworten. „Du weißt, wer hinter der Planung der Party steckt?", wandte sich die junge Hexe nun an ihn. „Gut, es war ja auch nicht schwer zu erraten. Sei froh, dass Minerva dabei gewesen ist, sonst hätten dich noch ganz andere Dinge erwartet." Severus schaute in das spöttisch grinsende Gesicht der Kollegin. „Mal den Teufel nicht an die Wand!", erwiderte er gegen seine Angewohnheit mit fast freundlicher Stimme. Sollte der Alkohol schon wirken?
„Nettes Outfit, das sie dir verpasst haben", kam es da von Hermione. Entsetzt schaute er an sich herab. „Verflixt, das hatte ich völlig vergessen", entfuhr es ihm unbedacht. „Vergessen?", hakte sein Gegenüber sofort nach. „Was meinst du damit? Hast du vorher schon von Albus' Überraschung gewusst?" Sie schwieg einen Moment und er überlegte schon, was er erwidern sollte, als sie weiter sprach: „Nein, das kann nicht sein, dann wärst du überhaupt nicht aufgetaucht."
Gutes Argument, Hermione, dachte Severus. Warum war er überhaupt hier, wenn er doch gewusst hatte, was passieren würde? War da ein innerlicher Drang, eine Form von Masochismus in ihm, der ihn dazu bewegt hatte, sich diese Farce noch einmal anzutun? Nein, es war eher sein innerlicher Skeptiker, der sicher gehen wollte, dass sich auch wirklich alles wiederholte. Ganz genau, das musste es sein; er wusste schließlich noch nicht den Grund für diesen temporalen Ausrutscher.
Vor lauter Grübeln war ihm entgangen, dass Sinistra sich ihnen näherte. Er wollte sich noch an Hermione wenden, doch es war bereits zu spät. Sinistra stand schon vor ihm. „Darf ich bitten, Severus?" Er versuchte, einen möglichst neutralen Gesichtsausdruck aufrecht zu erhalten. Das erste Mal an diesem Tag hoffte er, dass sich ein Ereignis wiederholen möge. Nicht, Sinistra, nicht Sinistra, waren seine Gedanken. Er hatte Glück. Energisch erklang Grangers Stimme: „Tut mir Leid, aber diesen Tanz hat Severus mir schon versprochen." Er nickte seiner ehemaligen Schülerin zu und probierte sich an einem bedauernden Blick gegenüber Sinistra. Diese entfernte sich sehr schnell; ihr Gesicht spiegelte mehr Erleichterung denn Betroffenheit wider.
Bevor die brünette Kollegin wieder ihren besserwisserischen Spruch loslassen konnte, öffnete Severus seinen Mund und verkündete: „Na, dann sollte ich dich jetzt wohl zur Tanzfläche führen." Seine Stimme enthielt eine minimale Spur von Stolz, es einmal geschafft zu haben, schneller zu sein, als sein Schicksal. Er hielt ihr den Arm hin und führte sie zielstrebig in den hinteren Bereich der Tanzfläche.
Seine Tanzversuche waren nicht besser als am Vortag und kurzfristig überlegte er, ob er das ändern sollte. Dann schüttelte er den Kopf über sich selbst; dieser Tag hatte ihn wohl schon mürbe gemacht. Er wandte sich an seine Tanzpartnerin: „Danke!" Man merkte ihm deutlich an, dass dies mehr als ungewohnt für ihn war. Eine Frage wollte er aber noch beantwortet haben. „Warum hast du das gemacht?"
„Was gemacht?", fragte sie. „Dir aus der Patsche geholfen? Nun, ... ich kann dich irgendwie verstehen, solche Parties sind auch nicht mein Ding. Und so wie ich dich kenne, muss es für dich eine echte Qual sein."
Sie hatte beim Tanzen die Führung übernommen und wieder befanden sie sich in der dunklen Nische. Diesmal protestierte Severus nicht. Doch er wollte es heute nicht ihr überlassen, die Tür zu öffnen. Also hielt er Hermione zurück, als sie ihren Zauberstab zückte und nahm stattdessen seinen eigenen heraus. „Op Exit", sprach er und zog die erstaunt blickende junge Lehrerin für Alte Runen mit sich durch die sich öffnende Tür. „Du kanntest den geheimen Ausgang schon?", fragte sie.
„Ja, ich habe ihn durch einen dummen Zufall entdeckt." Sie schwiegen wieder, bis sie endlich meinte: „Nun mach schon, dass du davon kommst, bevor sie dich erwischen." Auch diesmal zögerte er nicht, ihrem Hinweis zu folgen, wenngleich er sich noch einmal umblickte, bevor er um die nächste Ecke verschwand. Sie winkte ihm zu, wandte sich dann um und ging in entgegengesetzter Richtung davon.
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Severus lag in seinem Bett und wälzte sich von einer Seite auf die andere. Der Zaubertränkemeister hatte weder herausfinden können, was da heute mit ihm passiert war, noch wusste er, was ihn morgen erwartete. Es war weit nach Mitternacht. Nichts hatte sich getan, doch irgendwie hatte er das Gefühl, als sei dies erst der Anfang gewesen. Ihm bangte vor dem nächsten Tag und doch wusste er, er konnte ihm nicht entfliehen. Endlich fiel er in einen unruhigen Schlaf.
Ende des Kapitels
