(K)ein Tag wie jeder andere

von Callista Evans

Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen. Ähnlichkeiten mit irgendwelchen Filmen oder Fernseh-Serien sind kein Zufall, sondern durchaus gewollt.
A/N: Es geht weiter. Ich möchte mich ganz herzlich bei Simone und Maria fürs Betalesen bedanken. Vielen Dank auch an alle Reviewer; die Antworten erfolgen ab jetzt über die Reply-Funktion. Was die Filme im letzten Kapitel angeht, so kamen diesmal vor: Casablanca – Ich habe dir doch gesagt, …; Matrix - die Katze und das Deja vu; Club der toten Dichter - Mr. Dalton und Mr. Anderson; Reise ins Ich – Jack Putter und die Haarsprayallergie; Galaxy Quest – Gabtars Hammer; Al Bundy – No Dunderhead (eigentlich No Ma'am); Robin Hood, Helden in Strumpfhosen – Leiht mir euer Ohr; Harry Potter 1 (konnte ich mir nicht verkneifen) – Nicht Sinistra, nicht Sinistra (die Hut-Zermonie, als Harry 'nicht Slytherin' murmelt)

Kapitel 3 – Mach's noch mal, Sev!

Das Aufwachen am nächsten Tag brachte Severus die Gewissheit, die er am Vortag noch hatte verdrängen wollen. Dobbys Summen hallte erneut durch die Privaträume des Zaubertrank-Professors und verkündete, dass das Unheil seinen Lauf nehmen und sich auch diesmal der Tag wiederholen würde. Noch einmal hätte der Hauself dies wohl kaum gewagt, wenn er die Erinnerung an den gestrigen Ausbruch des Zaubertränkemeisters gehabt hätte. Diese Erkenntnis ließ Severus schneller wach werden, als ein Angriff auf Hogwarts es je hätte vollbringen können. In was für einen Haufen gequirlte Drachenexkremente war er da hinein geraten?

Wie sollte er diesen Tag noch einmal überstehen? Am liebsten hätte er sich die Bettdecke über den Kopf gezogen und wäre einfach liegen geblieben. Doch halt, das ging nicht, er musste unbedingt herausfinden, was hier geschehen war, sonst würde der Horror kein Ende nehmen. Zögernd erhob sich Severus. Nachdem er Dobby mit einem lauten Wutgeschrei ruhig bekommen hatte, ging der genervte Zauberer seinen regulären morgendlichen Tätigkeiten nach, wobei er peinlich genau darauf achtete, heute nicht wieder den Scherben auf dem Boden zum Opfer zu fallen. Gut, das mit der Seife – dieses schlüpfrige Scheißerchen - war dann wieder passiert, weil er sich so sehr darauf konzentriert hatte, an die Unordnung im Wohnzimmer zu denken.

Er seufzte, als er den Raum betrat und durch ein paar Schwünge mit dem Zauberstab für Ordnung sorgte. Jetzt würde er das tun müssen, was alle taten, wenn sie nicht mehr weiter wussten: Severus musste sich an Albus Dumbledore wenden. Es konnte nicht mehr lange dauern bis …

„Severus, bist du da?", kam es prompt in diesem Moment aus dem Kamin. „Ja, das bin ich", gab er in ironischem Tonfall zur Antwort. Er machte eine kurze Pause. „Ich werde jetzt zu Ihnen rüber kommen." An diesem Morgen hatte Severus' Stimme jegliche Neutralität verloren. All sein Ärger kam durch seine Stimme zum Ausdruck und so war es diesmal der Schulleiter, der ihn mit hochgezogenen Augenbrauen in seinem Büro empfing.

Vor lauter Erstaunen, dass sein Zaubertrankprofessor selbst ihm gegenüber seine Laune nicht zurück hielt, fiel die Standardfrage mit den Zitronenbonbons aus (anders konnte sich Snape das Verhalten zumindest nicht erklären). Gut so, dachte der aufgebrachte Lehrer, dann können wir gleich zur Sache kommen.

„Ich habe ein Problem, Schulleiter, und ich weiß nicht, was ich machen soll." Überrascht über sich selbst blickte Severus seinen Chef an. Die Worte waren ohne Zögern über seine Lippen gekommen. So schwer war es gar nicht gewesen. Dumbledores Aufmerksamkeit war ihm durch sein Geständnis gewiss und so berichtete er von dem Phänomen mit der Zeitschleife. „ … und wenn ich morgens aufwache, ist es der 9. Januar und nichts vom Vortag hat Bestand, niemand scheint zu merken, dass sich alles wiederholt. Niemand außer mir."

Einen Moment lang herrschte Stille im Raum und nur das Surren der seltsamen Gegenstände war zu hören. Der alte Zauberer runzelte die Stirn und schien in die Ferne zu schauen, was, nach Severus' Erfahrungen zeigte, wie konzentriert Dumbledore nachdachte. Nach einer Zeit, die Snape unendlich lang vorkam, aber nur Minuten angedauert hatte, fokussierte Albus' Blick sich wieder und seine bedauernden Gesichtszüge verrieten schon die Antwort.

„Es tut mir Leid, Severus. Obwohl ich einiges über Zeitzauber weiß, gibt es nichts, was mit deinem Problem vergleichbar wäre. Ich könnte mich aber bei einem alten Freund von mir erkundigen. Das Problem ist, es kann einige Tage dauern, bis er antwortet."

„Womit wir genau bei dem Problem wären. Ich habe diese Zeit nicht." Das fahle Gesicht des Zaubertränkemeisters verzog sich zu einer Grimasse, die nur wenige unbeeindruckt ließ - doch Albus Dumbledore war einer dieser wenigen. Der alte Mann zuckte nicht mit der Wimper. Er zog lediglich eine Augenbraue hoch und meinte: „Faszinierend. Eine Zeitschleife. Aus rein wissenschaftlicher Hinsicht würde ich zu gern wissen, wer und was dahinter steckt."

Ich bin sicher, du wirst eine Lösung für dein Problem finden, Severus. Ich habe volles Vertrauen in deine Fähigkeiten." Snape studierte das Gesicht seines Chefs genau, denn dieser war bekannt dafür sehr gerne selber Schicksal zu spielen. „Sie haben dieses Mal wirklich keine Ahnung, worum es hier geht, Schulleiter?" Mit geschärftem Instinkt und seinen besonderen Legilimens Fähigkeiten im vollen Einsatz, wartete Severus auf die Bestätigung. Dumbledore schüttelte entschieden den Kopf.

„Ich hab' nichts gemacht!" Snape glaubte ihm.

„Es bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als selber zu forschen, wie ich aus dem Dilemma entkomme. Könnte ich nicht, …?" Doch der alte Zauberer schien die Frage schon zu erahnen und winkte schnell ab. „Nein, ich möchte dich nicht vom Unterricht freistellen. Für alle anderen ist ein normaler Tag." Snape öffnete den Mund zum Protest, doch Albus fuhr fort: „Da du es schon weißt, hat eine Überraschungsparty für dich wohl auch wenig Sinn. Ich möchte, dass du wenigstens deinen Pflichten tagsüber nachkommst; was du abends machst, bleibt dir überlassen." Für Albus Dumbledores Verhältnisse war das recht großzügig. Der Tonfall des Direktors hatte etwas Abschließendes. Severus war entlassen.

Schon stand Severus vor dem Kamin, als Dumbledore noch einmal das Wort ergriff. „Ach übrigens, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag."

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Eilenden Schrittes und mit schwingender Robe wanderte Severus zur Großen Halle. Es wurde Zeit für das Frühstück, denn er hatte bei Albus mehr Zeit vertrödelt, als er vorgehabt hatte. Wenigstens blieb ihm heute der Unterricht in Verwandlung erspart.

Unterwegs konnte er nicht verhindern, dass Gesprächsfetzen seiner Schüler zu ihm herüber drangen, als diese ihm den Weg freigaben. „Und dann hat er mich gefragt: ‚Was hat der Typ, was ich nicht habe?' und ich antwortete: ‚Zwei Hotels'." Hatten diese Teenager denn nichts Wichtigeres zu tun? Schnell begab sich der Zauberer zum Lehrertisch. Als hätte er es geahnt, waren fast alle Plätze schon belegt und ihm blieb nur ein freier Stuhl neben Trelawney. Mürrisch setzte er sich dort hin und knurrte die Kollegin fast an, als sie sich an ihn wenden wollte. „Ja, ich weiß, ich werde heute etwas Besonderes erleben. Lass mich einfach in Ruhe, Sibyll." Demonstrativ drehte er sich weg und blieb tatsächlich ungestört. Noch eine Verbesserung!

In einem Anfall von Ehrgeiz, das Schicksal besiegen oder zumindest zu überlisten, hatte Severus in seinem Unterricht erneut den AU-Trank ansetzen lassen. Diesmal gab es eine neue Variation von Unglücksfällen. Severus hatte gerade einem schmächtigen Mädchen den Rücken zugewandt, als sie einen entscheidenden Fehler machte. So glaubte er wenigstens. Während sie völlig entsetzt auf den Kessel starrte, ertönte prompt eine Stimme im Hintergrund und ein Finger zeigte auf die Schülerin: „Sie war's, sie war's."

Das ließ die kleine Miss Fallen aus ihrer Erstarrung aufwachen. „Er war's, er war's." Ja, waren sie hier im Kindergarten? „Egal, wer es war, raus mit euch allen, aber sofort!"

Zum Glück war heute viel mehr Zeit, die Schüler aus dem Raum zu scheuchen. Wie schon die Male zuvor gelang es Severus, die Gefahr einzugrenzen und nur im Klassenzimmer ein Chaos zu hinterlassen. Okay, dann sollte es eben Wiederholungen geben. Das konnte er auch. Er überlegte, welche Strafe er vor zwei Tagen aufgegeben hatte.

„Ihr geht jetzt zu euren Gemeinschaftsräumen. Ich erwarte ein Essay über den AU-Trank von euch, mindestens 2 Rollen Pergament." Befriedigt sah der Zaubertranklehrer die Schüler eingeschüchtert und ohne Protest zu erheben von dannen ziehen.

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Mit einem Grummeln sowohl im Magen als auch auf den Lippen betrat Severus am Mittag die große Halle. Die Freistunde, die er in diesem Fall hatte nehmen können, hatte er dazu genutzt, sich ganz genau in seinen Privaträumen und der näheren Umgebung umzusehen, um Hinweise auf diese verflixte Zeitschleife zu erhalten. Natürlich war nichts zu finden gewesen. Er war jetzt nicht nur hungrig, der Direktor hatte ihm ja auch noch die ausdrückliche Anweisung hinterlassen, seinen Pflichten nachzukommen, was im Klartext Mittagessen in der großen Halle und Diskussionen über Quidditch mit Hooch bedeutete. Dass dies seine Stimmung nicht gerade hob, war wohl offensichtlich. Wenn das so weiter ging, könnte er später ein Buch verfassen: Reden mit Rolanda.

Severus hatte sich extra Zeit gelassen, um dem derben Schulterschlag der Kollegin zu entgehen. Mit fast gelassenem Gesicht hatte er sich auf den letzten freien Platz neben sie gesetzt. Warum hatte er gewusst, dass er hier landen würde? Um jegliche Gespräche über private Treffen von vorne herein auszuschließen, bemühte sich Snape um einen neutralen Tonfall und grüßte Hooch mit den Worten: „Na, Rolanda, freust du dich auch schon auf das Quidditchspiel übermorgen? Glaubst du, dass die Slytherins wieder gewinnen werden?" Und da behaupteten die Leute, er habe keinen Humor. Severus genoss es zu sehen, wie Madame ‚Besenreißer' stockte und ihn völlig irritiert und mit offenem Mund anstarrte. Es musste merkwürdig sein, wenn man sein Gegenüber genau das sagen hörte, was einem selbst auf der Zunge lag.

Sie fuhr sich mit der Hand durch die kurzen Haare und nickte. So sprachlos hatte sie schon lange nicht mehr gewirkt. „Und Filius", wandte sich Snape an den Kollegen, der – wie schon an den Tagen zuvor - auf seinem Spezialstuhl an Rolandas anderer Seite saß, „was meinst du dazu?" Flitwick ging sofort auf die Frage ein und Snapes Plan ging auf. Der Zauberer konnte zügig und in Ruhe essen, während die beiden anderen bald in eine Diskussion vertieft waren. Gerade als die Fluglehrerin sich wieder an ihn wenden wollte, war Snape fertig und stand auf. Mit den Worten: „Ich muss dringend weg" wollte er sich eilig aus der Halle entfernen.

Er war schon fast an der Tür, als eine wohlbekannte weibliche Stimme ihn zurückrief. „Severus, kann ich dich kurz sprechen?" Nerva Mac. Die hatte er wohl verdrängt. Auch heute waren die Vibrationen ihrer Wut fast körperlich zu spüren und er fragte sich, ob er sie bitten könnte, ihn zu zeigen, wie sie das hinbekam. Aber besser nicht jetzt. „Was ist los, Minerva?" Während er diese Frage aussprach, war ihm tatsächlich nicht klar, warum die Hexe mit ihm sprechen wollte. Er hatte doch gar nicht die Vertretungsstunde abgehalten.

„Das weißt du ganz genau, Severus! Ich will wissen, was du beim Frühstück mit Sibyll angestellt hast. Sie lief völlig aufgelöst über den Flur und nur mit Mühe konnte ich sie beruhigen. Sie wirkte völlig eingeschüchtert."

„Nun, Minerva, ich wüsste nicht, was du damit zu schaffen hast. Ich weiß, du mischst dich gerne ein, wenn dir mein Verhalten nicht passt, aber ich werde mich dadurch nicht ändern. Ich bin, was ich bin. Und jetzt entschuldige mich bitte. Du magst einiger deiner Aufgaben für heute enthoben sein, ich habe noch zu tun." Mit hocherhobenem Haupt, die markante Nase leicht nach oben geneigt, drehte sich Severus Snape auf dem Absatz um und verschwand zur Tür hinaus.

Nachdem selbst Dumbledore ihm nicht hatte helfen können, beschloss Severus, sich nun in der Bibliothek ein wenig umzusehen - vielleicht würde er hier Informationen über das Thema Zeit und Zeitschleifen bekommen. Nachdem er einer völlig überraschten Poppy Pomfrey darüber Bericht erstattet hatte, dass sie sich darauf einstellen solle, dass einer der Quidditch-Spieler gleich in den See fallen würde, war er in seinem zügigen Tempo zur Bibliothek geeilt, seinen schwarzen Umhang wie immer hinter ihm herwehend.

Die Bibliothek war nicht gut besucht, obwohl das Wetter draußen vermuten ließ, dass die meisten Schüler sich im Schloss befinden müssten. Im Januar war der Druck, lernen zu müssen, wohl noch nicht hoch genug, dass sich die Schüler hier versammelten. Umso besser für ihn, denn so war der Geräuschpegel geringer.

Severus schritt sofort zur Verbotenen Abteilung, denn zu dem Thema, das ihn so dringend interessierte, würde er wohl nur dort fündig werden.

Es wunderte ihn nicht, dass Hermione ebenfalls dort war. Sie stand in einer Ecke und war ganz in eins der Bücher vertieft. Anstatt wie früher von ihrer Anwesenheit genervt zu sein, war er einfach nur erleichtert, denn sie würde ihn mit Sicherheit nicht stören. Schon merkwürdig, was dieses Zeitphänomen an Nebenwirkungen zeigte. Seine Einstellung zu Hermione hatte sich ein Stück weit geändert. Er wusste allerdings noch nicht so genau, was er von dieser Veränderung halten sollte.

Severus wanderte die Regale entlang, um nach den Titeln der Bücher zu sehen. Die von ihm gesuchten Exemplare befanden sich direkt dort, wo die Kollegin immer noch stand. Er räusperte sich, denn er war nicht sicher, ob sie ihn überhaupt schon wahrgenommen hatte.

Prompt fuhr sie wie von einer wilden Fledermaus gebissen auf und schaute ihn mit fragendem Gesichtsausdruck an.

Er wollte nicht zu freundlich sein, das hätte sie nur verwundert, also deutete er nur auf die Bücher, die sich direkt hinter ihr befanden und wartete, bis sie zur Seite auswich.

Es herrschte eine angenehme Ruhe in der Bibliothek, die nur von dem dumpfen Aufschlag des Stempels von Madam Pince unterbrochen wurde. Kurz unterlag er der Versuchung, einfach den nächsten Pfeiler zu nehmen und im Takt mit ihr mitzustempeln. Ob sie das genug verwirren würde, um sie zum Aufhören zu bringen? Nein, wohl eher nicht.

Schweigend suchte Severus in den Büchern nach einer Antwort, nach einer Lösung für sein Dilemma. Er hatte sich gegenüber von Hermione niedergelassen. Die wenigen Bücher, die er bis jetzt gefunden hatte, enthielten Beschreibungen über Experimente mit Zeitumkehrern …das brachte ihn nicht wirklich weiter. Der Lehrer wurde unruhig, stand auf und gab ein Grummeln von sich. Die Hexe schaute erneut auf und wieder zog sie ihre Augenbrauen nach oben. Leise, um niemanden zu stören, fragte sie: „Was ist los?"

Unwillig winkte er ab. Er war nicht bereit, noch einmal alles zu erzählen. Wenn er selber nicht wusste, was hier passierte und Albus ihm nicht helfen konnte, wie sollte da seine ehemalige Schülerin ihm helfen? Mit schnellen Handgriffen, die seine Frustration deutlich unterstrichen, schob er die Bücher wieder an ihren Platz und verließ die Bibliothek. Aus den Augenwickeln heraus sah er noch, wie Hermione mit den Schultern zuckte und sich dann wieder in ihr Buch vertiefte.

Severus klangen Dumbledores Worte nach, als er sich auf den Weg in die Kerker machte. Hatte der alte Magier nicht etwas von, der Abend stehe ihm zur freien Verfügung gesagt? Gut, er würde sich das Essen in seine Privaträume servieren lassen, auch wenn das nicht gern gesehen wurde. Dann hatte niemand einen Grund, ihm zum Geburtstag zu gratulieren.

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„Dobby alles hat für Master hergerichtet."

„Gut, du kannst jetzt gehen, Dobby. Ich wünsche heute Abend nicht mehr gestört zu werden." Mit diesen Worten entließ der Zaubertranklehrer den Hauself und ließ sich an einer gut gedeckten Tafel nieder. Er genoss es, endlich einmal alleine und in Ruhe zu speisen. Ohne die störenden Kommentare der Kollegen und das Geschnatter der Schüler schmeckte es ihm noch einmal so gut. Er ließ sich viel Zeit. Gerade als Severus sich seinem Nachtisch zuwenden wollte, ertönte ein lautes Klopfen an der Tür.

Wer würde es wagen, ihn hier zu stören? Nun, er hatte nicht vor, sich den Abend verderben zu lassen und beschloss, das Klopfen zu ignorieren. Doch das erwies sich schwieriger als gedacht, denn wer immer vor der Tür stand und sie bearbeitete zeigte eine Ausdauer, die ihm anfing auf die Nerven zu gehen.

Severus ging in Richtung Tür, um sie mit einem Schalldämpfungszauber zu belegen, als er eine Stimme hörte: „Sir, bitte, machen Sie auf. Ich brauche Ihre Hilfe!" Das war die Stimme eines seiner Slytherin-Schüler. Er beschloss, dass es besser sei, die Tür zu öffnen. Kaum hatte er diesen Gedanken in die Tat umgesetzt, als ihn auch schon das verlegen wirkende Gesicht des jungen McCallister ansah. Der Schüler wirkte nervös. „Sir, könnten Sie bitte mitkommen, es geht um eine wichtige Sache."

Ergeben seufzte der Lehrer auf und folgte seinem Schüler über den Flur. Wehe, wenn die Sache nicht wirklich wichtig war! Merkwürdigerweise ging es nicht zum Gemeinschaftsraum seines Hauses, sondern die Treppen hinauf. Was hatten die Schüler wohl wieder angestellt?

McCallister schien es eilig zu haben und deshalb waren sie schon nach kurzer Zeit auf der vierten Etage. Es war verdächtig ruhig auf den Fluren. Doch jetzt kam Hooch ihnen entgegen. Die Hexe hatte ein Grinsen aufgesetzt, das eine Mischung aus Vorfreude und … war da auch etwas Schadenfreude dabei?

„Severus, es ist schön, dass du hier bist." Mit diesen Worten hakte sie sich vertraulich bei ihm unter und wollte ihn mit sich ziehen. „Nein, ich habe noch in einer hausinternen Angelegenheit etwas zu erledigen", protestierte der Zaubertränkemeister. Er versuchte, sich ihrem festen Griff zu entziehen, doch das wollte ihm nicht recht gelingen.

„Oh, ich bin mir sicher, Mr. McCallister kann sich noch einen Moment gedulden", meinte die Kollegin und zwinkerte dem blonden Schüler zu.

In dem Moment merkte Severus, dass er in der Falle saß. Er hatte sich tatsächlich hereinlegen lassen von einer Kollegin, die nichts als Sport im Kopf hatte und von einem seiner eigenen Schüler. Das wäre ihm früher nicht passiert. Wurde er langsam alt? Er fühlte wie sein Magen sich zusammenzog. Seine Zähne knirschten.

So mit dem Ärger über sich selbst und ein paar kleineren Rachegedanken beschäftigt, ließ sich der Magier von Rolanda Hooch in den nächsten Raum ziehen. Es war ein alter, unbenutzter Klassenraum. Bis auf ein einsames kleines Licht war es finster. Kaum aber hatten sie die Tür hinter sich geschlossen, als es auch schon hell wurde und ein vielstimmiges „Happy Birthday!" zu ihm herüber schallte.

Er sah die Gesichter einiger Kollegen, konnte aber weder Dumbledore noch McGonagall ausmachen. Er fragte sich, ob er das als Pluspunkt werten sollte, entschied sich aber dagegen. Es hätte an den beiden gelegen, diese lächerliche Überraschungsparty zu verhindern. Anscheinend hatte Dumbledore nicht weitergegeben, wie wenig er an einer Feier interessiert war. Doch jetzt war alles zu spät. Im Hintergrund hörte er Sektkorken knallen und er überlegte, wie er so schnell wie möglich wieder von hier fort käme. Ohne den Schulleiter, der seine Anwesenheit verlangen konnte, würde ihn nichts länger als notwendig hier halten können.

Und wieder standen die Gratulanten an, um ihn mit dummen Sprüchen über Glück und ähnliches zu nerven. Rolanda hatte sich wohlweislich nicht von seiner Seite bewegt. Da registrierte er Hermione und ein Gefühl der Erleichterung durchströmte ihn. Sie würde ihn bestimmt auch diesmal retten. Der Gedanke, dass dies die ehemalige Schülerin war, die ihn früher fast an den Rand des Wahnsinns getrieben hatte, verdrängte er schnell.

Wenn er sich jetzt wie zufällig mit der jungen Hexe unterhielt, könnte er seine Klette vielleicht abhängen.

Es erklang Musik im Raum und das Licht wurde gedämpft. Wie aus der Luft erschien plötzlich ein Glas in seiner Hand. Mehr aus Reflex nahm er einen Schluck und musste natürlich wieder husten, als die süße Flüssigkeit so gar nicht den eigentlichen Weg gehen wollte. Gleichzeitig zu schlucken und zu husten war gar nicht so leicht. An diese Bowle musste er unbedingt in der nächsten Zeitschleife denken. Jetzt fehlte ihm nur noch, dass jemand oblatendünnes Minz anbot! Dann würde er allerdings platzen ... vor Wut.

Zum Glück war da schon Hermione, die ihm mit Rücken klopfen, einem Glas Wasser und den üblichen Sprüchen hilfreich zur Seite stand. Er seufzte tief auf. Gerettet von Hermione Granger, das machte ihm immer noch zu schaffen.

Da in diesem Augenblick die Musik verstummte, hatten die Leute in seiner Umgebung diesen Seufzer hören können. Er war sicher, den eindeutigen Tonfall getroffen zu haben und deshalb erstaunten ihn die Worte von Sprout sehr. „Ich hätte gern den gleichen Drink wie Severus", kam es von der Hexe mit der wilden Frisur in hoffnungsvollem Tonfall.

Er wandte sich ab, nur um Sinistra auf sich zulaufen zu sehen. Das konnte doch jetzt nicht wirklich sein. „Darf ich bitten, Severus?", forderte sie ihn zum Tanzen auf. Snape warf einen verzweifelten Blick zu Hermione hinüber, die kurz zuvor von Hagrid in ein Gespräch verwickelt worden war. Hatte dieser nicht sonst immer ganz fasziniert Dumbledore und Nerva Mac beobachtet? Doch die waren ja gar nicht hier. Sinistra setzte sein Schweigen einem Einverständnis gleich, zog ihn in den Bereich, der für das Tanzen benutzt wurde und legte ihm die Hand auf die Schulter.

Nach ein paar Minuten Unbehagen und Schmerzen an den Füßen, schob sich Hermione zwischen sie und rief fröhlich: „Ich möchte abklatschen." Erleichtert sah Severus sie an, was der Hexe wohl nicht ganz geheuer vorkam, denn sie fragte: „Ist alles okay mit dir, Severus?" Er nickte nur stumm. Es war ihm einfach alles zu viel. „Du musst mir hier raus helfen", war alles, was er heraus brachte. „Müssen?", erwiderte sie grinsend, „ich muss gar nichts, wenn, dann mache ich das freiwillig." Sie nahm die Tanzhaltung ein und bugsierte ihn mit ihren Schritten in die nächste dunkle Ecke.

Mit ganz leisem Zweifel, ob ihre Motive auch wirklich, wie bei den anderen Malen, unleidenschaftlicher Natur waren, ließ er es geschehen. Als eine Stimme in seinem Inneren allerdings bemerkte, dass dies doch gar nicht so schlimm wäre, befahl er sich selbst, seinen inneren Monolog zu stoppen.

Hermione hatte es erneut geschafft, ihn aus dem Raum zu lotsen. Auch in diesem Fall mit den Worten: „Nun mach schon, dass du davon kommst, bevor sie dich erwischen", aus der Bredouille entlassen, machte er sich auf den Weg in sein Quartier. Einen Dank hatte er nicht über die Lippen gebracht, wohl aber ihre Hand fest gedrückt.

Zurück in seinen Räumen erinnerte sich der Zaubertranklehrer daran, wie erfolglos seine Recherchen geblieben waren, was bedeutete, dass er morgen wieder in dem gleichen Schlammassel stecken würde. Er wollte das nicht mehr. Er würde sich jetzt einfach in sein Bett legen und morgen wäre alles wie immer und ein neuer Tag erwartete ihn. Voller Zorn über die Ungerechtigkeit, die ihm widerfuhr, starrte er sein Spiegelbild im Badezimmer an. Spiegelbild? Da war doch was. Eine Erinnerung stieg in ihm hoch. War das doch kein Traum gewesen? Gab es diesen Typen, der ihm so ähnlich sah und behauptete, ein Engel zu sein, wirklich? Was hatte der doch gleich gefaselt? Wortfetzen, die in seinem Gedächtnis haften geblieben waren, drangen zurück an die Oberfläche:

„… die Liebe deines Lebens zu finden … einmaliges Hilfsmittel, nämlich Zeit. … nicht schaffen, die Bedingungen zu erfüllen, ... nun, du wirst merken, was dann passiert. … präsentieren dir …eine Auswahl der zur Verfügung stehenden Junggesellinnen."

Sein Verstand verweigerte zunächst, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Doch langsam sickerte die Wahrheit zu ihm durch.

„NEEEIIINNN!" Der laute und unmissverständlich verärgerte Ausruf hallte an den Wänden wider. Nichts geschah. Hörte er da ein kaum vernehmbares, klingendes Lachen im Hintergrund? Er war sich nicht sicher. Severus' Hände ballten sich zu Fäusten und seine Lippen wurden zu schmalen Strichen. Unwillkürlich griff er zum Zauberstab. Doch der würde ihm hier nichts nützen.

Aber über eine Sache war er sich sicher. Sollte er diesen Metatron jemals wieder zu Gesicht bekommen, würde er ihn auf der Stelle kastrieren!

Für diesen Abend gab es nur noch eine Rettung. Eine schöne Flasche Scotch.

Ende des Kapitels

Darf ich um einen kleinen Kommentar bitten? Wer hat Filme oder Serien erkannt? Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr die Story so sehr mögt, dass ihr sie zu euren Favoriten packt :-)