(K)ein Tag wie jeder andere

von Callista Evans

Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen. Die Stories allerdings sind mein Eigentum.
Ähnlichkeiten mit irgendwelchen Filmen oder Fernseh-Serien sind kein Zufall, sondern durchaus gewollt.

A/N: Es geht weiter, mit dieser Story. Für alle, die mitgeraten haben, noch einmal die Filme, an die ich beim letzten Kapitel gedacht habe: Schlüpfriges Scheißerchen aus Pretty Woman; Faszinierend – Mr. Spock aus Star Trek (Raumschiff Enterprise bzw. Star Trek Classic); Ich hab' nichts gemacht – Bart Simpson; Die Sprüche um die zwei Hotels aus Dirty Dancing; Sie war's –er war's aus Das Leben des Brian; Reden mit Rolanda - eine Anspielung auf die Bücher von Lockhart; Die Szene mit dem Stempel in der Bibliothek ist aus Indiana Jones; McCallister ist der Name von Kevin (allein Zuhaus); Oblatendünnes Minz ist aus Der Sinn des Lebens; Den gleichen Drink wie Severus haben wollen, sollte an Harry und Sally erinnern. Ich danke Mariacharly und Simone für ihren erneuten Einsatz als Betaleser!

Kapitel 4 – No way out

Die nächsten Tage verbrachte Severus damit, seiner Verzweiflung Herr zu werden. Das Schicksal schien sich gegen ihn gewandt zu haben. Wieder einmal – und diesmal wohl endgültig. Sein schlimmster Alptraum war wahr geworden. Er erlebte ein und denselben Tag immer wieder.

Es war nicht nur, dass er gefangen war in der Zeit, nein er war auch noch gefangen an einem Tag, der nicht furchtbarer hätte sein können. Er hatte überlegt, was noch schrecklicher gewesen wäre. Ihm waren spontan drei Dinge in den Kopf gekommen. Erstens, er hätte, auch wenn es unmöglich machbar schien, als Mann schwanger werden können. Zweitens, er hätte eine Zeit lang den Körper mit einer Frau tauschen müssen. Oder drittens, er hätte dazu verdammt sein müssen, immer die Wahrheit zu sagen.

Doch sein Schicksal war schlimm genug. Allein den Wunsch zu unterdrücken, Dobby, den Hauselfen, morgens regelmäßig zu erwürgen, kostete ihn allerhand Nerven. Auch Albus' obligatorisches Zitronenbonbonangebot löste bereits unerreichte Höhen seines Blutdrucks aus.

Von den Gedanken an die Bedingungen, die daran geknüpft waren, aus der Schleife entlassen zu werden, ganz zu schweigen.

Der Zaubertrankprofessor befand sich in einem Zustand höchster Unzufriedenheit, gepaart mit der Unfähigkeit, entscheidend reagieren zu können.

Dieser Zustand brachte Snape an den Rand des Wahnsinns. Wann immer er in der Vergangenheit eine Entscheidung getroffen hatte, war er ein Mann der Taten und nicht des Abwartens gewesen. Doch in diesem Fall schienen ihm die Hände gebunden bzw. die Optionen jenseits der Grenze von diskutabel.

Severus reagierte zunächst genau so, wie man es von ihm in so einer Situation erwartete - nämlich mit absolutem Unmut. Seine schon als legendär bekannten Wutausbrüche, die selbst so manchen Slytherin-Schüler beeindruckten, steigerten sich in einem Maß, das er selbst nicht für möglich gehalten hatte.

Auf Grund der unglücklichen Umstände, dass niemand sich später an sein Verhalten erinnerte, aber natürlich auch mit ihrem alltäglichen Gebaren, brachten die Schüler und Kollegen ihn immer wieder dazu, sich schwarz zu ärgern. Nachdem er dieses erste Stadium überwunden hatte, verfiel er in die nächste Phase, die der Resignation.

Als er erkannt hatte, dass seine Wut ihm in keiner Weise half und ohne Konsequenzen für seine Umwelt (besonders die Schüler) auch wenig Sinn machte, verfiel der Zaubertränkemeister in tiefe Depressionen. Er war es einfach leid und nahm die Dinge widerspruchslos hin. Es war keineswegs so, als wolle er nicht kämpfen, beziehungsweise sich wehren, aber er war weit davon entfernt, den Clown für ein paar höher gestellte Wesen zu spielen.

Und was sollte er sich aufregen, wenn doch ohnehin klar war, dass sich alles am nächsten Tag ohnehin wiederholen würde. Auch wenn er nicht umhin kam, bei jedem Versuch Dumbledores, ihn von den Zitronendrops zu überzeugen, zu denken: „Was für eine deprimierend dämlicher Dumbledore!"

Ein zahmer Snape war weitaus verdächtiger als ein wütender und es kam mehr als einmal bei seinen Zeitschleifen vor, dass Albus ihn zur Vorsicht ob seines merkwürdigen Verhaltens zu Poppy zur Untersuchung schickte. Aber natürlich konnte sie nie etwas finden.

Und so erlebte Severus immer wieder das gleiche. Jeden Tag wurde er von Dobby geweckt, von Albus verdonnert, Verwandlung zu unterrichten und war dann jeden Tag sowohl Hooch als auch Trelawney ausgesetzt. Jeden Tag fand Minerva einen Grund sich mit ihm zu streiten, und jeden Abend feierte die ganze Schule seinen Geburtstag. Zum Glück für ihn wurde er aber auch jeden Abend sehr schnell aus dieser Situation gerettet. Nachdem der Zaubertranklehrer die ewigen Wiederholungen schließlich doch leid war und ihm bewusst wurde, dass der Typ, der ihm so ähnlich sah, am längeren Hebel saß, beschloss er, das Beste aus der Sache zu machen.

Wohl zum ersten Mal in seinem Leben handelte er frei nach dem Motto ‚Probieren geht über Studieren' und fing an, die einzelnen Situationen auszutesten. Er hatte ja nichts zu verlieren.

Am nächsten Morgen wurde Severus von ihm inzwischen vertrauten Geräuschen geweckt.

„Babe, I got you Babe", ertönte es quietschend schrill und absolut unmusikalisch.

„Dobby, komm sofort hierher", donnerte der Zauberer quer durch sein Zimmer. Abrupt hörte das schreckliche Geräusch auf und wurde durch das Tapsen von Elfenfüßen auf dem Steinboden ersetzt.

„Schönen guten Morgen Dobby wünscht, Sir. Gut geschlafen Sie haben?"
Snape konnte sich zu keiner Antwort aufraffen, also murmelte er ein wenig vor sich hin. Dem Hauselfen schien das zu genügen. Schnell gab Severus seinen Auftrag weiter. „Bevor du irgendeine andere Arbeit verrichtest, musst du zuerst das Chaos im Wohnzimmer beseitigen. Und sieh zu, dass die Katze mir nicht im Weg ist."

Ohne eine Miene zu verziehen, zog sich Dobby zurück, um den Auftrag zu erledigen. Das schien ja schon einmal gut zu klappen, und er musste sich nur daran gewöhnen, es jeden Tag so zu machen.

Nach einem Besuch im Bad, der diesmal fast ohne Komplikationen ablief, war es Zeit für seinen Auftritt beim Schulleiter. Unverletzt und mit einem Hauch von Vorfreude wartete der Meister der Zaubertränke im Wohnzimmer auf den Ruf des Direktors, während er seine Kleidung richtete.

Die Sätze, die Dumbledore sprach, konnte er inzwischen auswendig mitreden. Im Büro seines Chefs angekommen, wartete Severus auf die obligatorische, nicht wegzudenkende Frage. „Zitronendrops, Severus?"

Mit einem Zucken in den Mundwinkeln erwiderte der Zauberer: „Ich weiß." Albus schaute zuerst überrascht auf, aber dann gingen seine Mundwinkel nach oben.

„Ich wusste gar nicht, dass du diese Art von Humor besitzt, Severus."
„Sie wissen so einiges nicht von mir."
Severus hatte sich alles genau überlegt. Er fing an in schnellen, hastigen Sätzen auf Dumbledore einzureden, so dass dieser kaum zu Worte kam.

Überrumplung war anscheinend die richtige Taktik.

Gut, darauf konnte er aufbauen. Es dauerte zwar noch einige Zeitschleifen, aber dann hatte Severus es geschafft: Er hatte Albus mit seinem untypischen Verhalten so aus dem Konzept gebracht, dass dieser von seinem ursprünglichen Plan abkam und über die Vertretung überhaupt nicht gesprochen wurde.

Nach einem leicht übereilten Aufbruch ging Severus nun zum Frühstück. Er hatte Mühe, seine ausnahmsweise gute Laune nach außen nicht zu zeigen, konnte aber nicht verhindern, dass sich ein warmes Gefühl in ihm breit machte. Geschafft! Keine Vertretung für Minerva, ein verwirrter Dumbledore und mit Glück, mangels Vorbereitungszeit, keine Feier. Doch man sollte den Trank nicht vor der Fertigstellung loben.

Wie er mit Kollegin Trelawney umging, entschied der Zaubertranklehrer meistens spontan. Ihr zu entgehen, war ihm anscheinend nicht gegeben. Er hatte ein paar Mal versucht, sich das Essen in seine Privaträume kommen zu lassen, aber es kam immer wieder zu Missgeschicken seitens der Hauselfen, die Auswahl war sehr stark eingeschränkt, das Essen wurde verdächtig schnell kalt und die Mengen reichten nie aus.

Wenn er die mystisch-wabernde Möchtegern-Wahrsagerin aber schon ertragen musste, wollte er das wenigstens genießen. Seine Lieblingsvariante im Umgang mit Madame Flattertuch war es, sie mit seinem Wissen über die Zukunft zu beeindrucken. Mühelos zitierte er die Sätze der Kollegen und in der Nähe sitzenden Schüler, kurz bevor sie selber das Wort ergriffen und brachte Sibyll dazu, ihn mit offenem Mund anzustarren. So ließ sich auch das Frühstück gut ertragen.

Was die bei ihm so besonders beliebte Klasse anging, so hatte ihn hier der Ergeiz gepackt. Bis jetzt war es ihm noch kein einziges Mal gelungen, eine Explosion zu verhindern. Das sollte jetzt anders werden. Aufmerksam bis in die Zehenspitzen beobachtete der Zaubertranklehrer die Schülerschar, wie sie mehr oder weniger eifrig und talentvoll mit ihren Zaubertrankzutaten hantierten. Wie immer hieß es bei den Zutaten: „Zur Tür hinaus, linke Reihe anstellen. Jeder nur eine Schale."

Diesmal war es erneut Mr. Perrin, durch dessen Ungeschick eine Verkettung unglücklicher Zufälle in Gang gesetzt wurde. Genau drei Minuten bevor die Explosion stattfinden würde, scheuchte Snape die ganze Bande mit einer Gemütsruhe aus dem Unterrichtsraum. Einen Eindämmungsspruch und eine Vibration später war alles vorbei. Doch eins konnte sich Severus nicht verkneifen:

„Ihr geht jetzt zu euren Gemeinschaftsräumen. Ich erwarte ein Essay über den AU-Trank von euch, mindestens 2 Rollen Pergament."

Wie immer stoben die Schüler in Windeseile auseinander, um ihm aus den Augen zu kommen. Tja, das war wohl nichts, dachte Snape so bei sich, macht nichts, morgen ist auch noch ein Tag!

Dank der Freistunde, die Severus heute ja genießen konnte, kam er auch gutgelaunt zum Mittagessen in der großen Halle an. Er hatte sich angewöhnt, später zu erscheinen, um nicht noch einmal dem kumpelhaften Schulterklopfer zum Opfer zu fallen. Snape ließ sich ohne darüber nachzudenken auf ein nichts sagendes Gespräch über Quidditch ein und versprach sogar bedenkenlos, Schiedsrichter für das nächste Spiel zu sein. Nur wenn es um die Einladung zum Kaffee ging, zog er sich jedes Mal mit wechselnden Ausreden aus der Affäre.

Hooch bemerkte gerade: „Okay, einigen wir uns auf unentschieden", und schob einen großen Löffel Mousse au Chocolat in den Mund. In dem Moment blickte der Zaubertranklehrer auf, in der Erwartung, Minerva zu entdecken, die doch sonst immer einen Grund fand, ihn zornig anzufunkeln.

Doch diesmal gab es keine Spur von der Lehrerin für Verwandlung. Sie schien ebenso wenig an der Mahlzeit teilzunehmen wie Dumbledore.

Severus wandte sich an Flitwick: „Filius, wo sind Minerva und Albus?" Der Kollege rutschte einen Moment auf dem erhöhten Sitz herum und antwortete zögernd: „Wo Albus ist, weiß ich nicht." Ein Blick auf sein Gesicht bestätigte Snape, dass dies nicht der vollen Wahrheit entsprach, aber es ging ihm ja in erster Linie um Minerva.

„In Minervas Unterricht ist heute ein Missgeschick passiert und ein Schüler wurde verletzt. Ich denke, sie wird noch im Krankenflügel sein."

Severus nickte und wusste nicht recht, ob er erleichtert sein sollte, weil ihm eine Auseinandersetzung erspart blieb, oder ob er ein schlechtes Gewissen haben sollte, weil ja eigentlich er die Stunde hatte geben sollen. In seiner Vertretungsstunde war es nämlich nicht zu Missgeschicken gekommen. Letztendlich entschloss er sich, das Thema einfach zu verdrängen und sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Am Nachmittag gab es nur einen festen Punkt, der sich immer zu wiederholen schien. Als Severus die schwarzen Wolken am Himmel entdeckte, dachte sich der Zaubertränkemeister, dass er ja nicht unbedingt warten müsste, bis dieser Gryffindor ins Wasser fiel. Er beschloss, Poppy einfach früher Bescheid zu geben. Da er ohnehin noch einen Heiltrank für sie fertig gestellt hatte, machte er sich sofort auf den Weg in den Krankenflügel.

Ohne Anzuklopfen betrat er Madame Pomfreys Domizil und lauschte überrascht, wie sie leise vor sich hin sang. Erst als er näher kam, konnte er die Worte verstehen: „Mit 'nem Teelöffel Zucker schluckst du jede Medizin, jede Medizin …"

Snape räusperte sich laut und vernehmlich. Poppy, die bisher mit dem Rücken zur Tür gestanden hatte und ihren Besucher so noch gar nicht wahrgenommen hatte, fuhr herum.

„Oh, Severus, du bist es!" Die Medihexe ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und wirkte zu Snapes Bedauern gar nicht verlegen darüber, dass er sie singenderweise erwischt hatte.

Der Zauberer warf einen schnellen Blick auf die Uhr. „Ich wollte dir nur mitteilen, dass es in genau sechzehn Minuten und zweiundzwanzig Sekunden zu einem Unfall beim Quidditch Training kommen wird. Ein Junge wird in den See fallen und dann wird deine Hilfe benötigt."

Mit einer flinken Handbewegung stellte Severus die große Flasche mit dem mitgebrachten Heiltrank auf den Tisch, der ihm am nächsten stand, drehte sich herum und war schon wieder verschwunden. Im gleichen Augenblick ertönte ein besonders lautes Donnern.

Snape hatte sich entschieden, zum Abendessen in die Große Halle zu gehen. Sein Hunger war sehr groß. Er dachte an die kleinen Unfälle der Hauselfen, die merkwürdigerweise immer dann auftauchten, wenn er versuchte, den Mahlzeiten fernzubleiben. Darauf hatte er absolut keine Lust. Also betrat Severus abends pünktlich wie immer die große Halle. Inzwischen machte ihm die einsetzende Stille nur noch wenig aus, er hatte sich daran gewöhnt. Dennoch stockte sein Schritt heute auf dem Weg zum Lehrertisch.

Was in aller Welt sollte das denn jetzt? Dort, wo sonst immer der Chor gestanden hatte, waren jetzt Musikinstrumente aufgebaut und magische Verstärker angebracht. Das Lied, das ihm entgegenschallte, war immer noch „Happy birthday to you", aber es war eine so moderne Version, dass Severus schon nach den ersten Tönen das Gefühl hatte, die Ohren fielen ihm ab. Im Bruchteil einer Sekunde hatte sich die fast gute Laune des Zaubertränkemeisters in das komplette Gegenteil verwandelt. Das war eindeutig eine Steigerung des früheren Grauens und er fragte sich, womit er das verdient hatte. Als ihn in dem Moment Albus' Arm berührte, zuckten Severus' Finger nach seinem Zauberstab. Was zuviel war, war zuviel!

Ob es Zufall oder höhere Macht war, konnte Severus später nicht sagen, Tatsache war, dass er seinen Zauberstab nicht richtig zu fassen bekam und dieser ihm beim Herausziehen aus dem Ärmel fiel. Erstaunlich schnell hatte sich Albus gebückt und ihn aufgehoben.

„Brauchst du den wirklich?", fragte der alte Zauberer, behielt den Stab in seiner Hand und schob den Widerspenstigen einfach weiter.

„Ich habe eine Überraschung für dich."

Das konnte nichts Gutes heißen, aber Severus' Blick war noch auf seinen Zauberstab in Albus' Händen gerichtet und so schwieg er lieber. Das Lied war inzwischen beendet. Die Ruhe als Kontrast zu dem Lärm zuvor, löste einen Hauch von Erleichterung in Snape aus.

Eine Hand legte sich auf seine Augen. Trotzdem bemerkte Snape, dass es in der Halle dunkel wurde. Quietschen und Schaben auf dem Boden verrieten, dass hier ein schwerer Gegenstand bewegt wurde. Dann durfte er wieder gucken. Seinen Zauberstab bekam er auch zurück. Schnell steckte er ihn wieder zu sich. Im gleichen Augenblick ertönte Musik, zunächst leise, dann immer lauter werdend und … eindeutig orientalisch.

Vor seinen Augen bemerkte Severus eine Torte von riesigem Durchmesser. Sie war mannshoch (wenn man Flitwick als Maßstab nahm) und auch wenn sie fast wie eine echte Torte aussah, erkannte er, dass sie aus nicht essbarem Material bestand.

In dem Moment erhob sich der Deckel und eine exotisch gekleidete Dame kam daraus hervor. Sie trug ein eng anliegendes, rotes Kleid, das in raffinierter Form an verschiedenen Stellen ausgeschnitten war und sehr viel Haut zeigte. Ihre langen, schwarzen Haare fielen offen den Rücken herab und unterstrichen ihre Bewegungen. Überall glitzerte es, wenn sie ihren Körper schlangengleich bewegte. Mit fließenden, wellenartigen Bewegungen kam sie direkt auf ihn zu und tanzte um ihn herum. Wieder in seinem Sichtfeld präsentierte sie ihm ihren Oberkörper und ließ ihn auf eine Weise vibrieren, die ihn unwillkürlich schneller atmen ließen.

Der ganze Tanz dauerte noch eine Weile an. Die Frau in Rot versuchte ihn weiterhin mit verschnörkelten Bewegungen und heißen Blicken zu bezirzen, doch es gelang Severus, einen kühlen Kopf zu bewahren, indem er sich weiterhin auf den Ärger, der ihm dieses Spektakel bot, konzentrierte.

Mit stürmischem Applaus von allen Seiten - wobei die männlichen Schüler und Lehrer weit mehr Enthusiasmus zeigten als die weiblichen - endete diese Tortur für Snape. Doch er war sich sicher, dass dies erst der Anfang seines Martyriums war. Und richtig, Albus zog ihn in die Mitte des Raums. In den Reihen der Schüler begann es sich zu bewegen, ein Schieben und Drängeln war zu erkennen. Severus ließ in voller Absicht all seinen Grimm, den er verspürte, in seine Körpersprache einfließen. Anscheinend war heute die ‚große Gratulationsrunde' angesagt.

Da wurde seine Sicht auch schon von einem blauen Schimmern getrübt, als Dumbledore sich vor ihn stellte und ihm lächelnd gratulierte. Die blauen Augen blitzten, als der Schulleiter ihm die Hand reichte und auch ohne Legilimens anzuwenden, war die Botschaft klar: „Spiel mit oder …"

Während Severus noch überlegte, was sein Chef ihm überhaupt anhaben konnte und ob es sich lohnen würde, es auszutesten, kamen die ersten Gratulanten auf ihn zu. Zögerlich und mit sichtlichem Unbehagen bis hin zur schlotternden Angst, hatten sich die Schüler aufgereiht. Dank seines Rufs war die Gratulationsrunde in Rekordzeit vorbei. Keiner der Schüler hatte Lust, sich in Schwierigkeiten zu bringen, und als die Kollegen sich anschlossen, war Snape bereits wieder in einem Stadium der Abstumpfung.

Ganz am Rande registrierte der Zaubertränkemeister die Abwesenheit einer bestimmten Kollegin. Als die Information aus dem Unterbewusstsein in seinem Gehirn angekommen war, tanzte er bereits wieder mit Sinistra.

„Wo ist Hermione?", fragte er in scheinbar gleichmütigem Tonfall. Seine Retterin vom Dienst hatte sich bis jetzt nicht blicken lassen und so langsam stieg leichte Panik in ihm auf, weil er nicht wusste, ob er diese Farce-Party auch ohne ihre Hilfe so einfach verlassen konnte.

Sinistra blickte überrascht auf. „Hermione ist im Krankenflügel. Sie hat Poppy versprochen, nach dem Schüler zu sehen, der sich heute Morgen verletzt hatte, damit Poppy an der Feier teilnehmen kann. Hermione wollte dann später dazu stoßen, wenn Poppy sie wieder ablöst."

Severus blieb abrupt stehen, was dazu führte, dass Sinistra ihm sehr heftig auf den großen Zeh des rechten Fußes trat. „Au, verdammt!", konnte Severus nicht unterdrücken. Er nutzte die Chance und sah die Kollegin mit gekonnt schmerzverzerrtem Gesicht an. „Es tut mir so … Leid, das war … keine Absicht. Schmerzt es sehr? Sollen wir mit dem Tanz aufhören?" Sinistra war sichtlich im Stress und wusste nicht, was sie machen sollte. Auf ihre letzte Frage nickte Severus und so konnte er sich, allerdings nicht ohne weitere Entschuldigungen anhören zu müssen, an die Bar zurückziehen.

Mit einem Whiskey in der Hand saß er da. Solange er sich nicht auf den Ausgang zu bewegte, schien man ihn in Ruhe zu lassen. Sein Blick fiel auf sein Spiegelbild und für eine Sekunde glaubte er, erneut jenen Mann zu erkennen, welcher die Ursache für dieses ganze Theater war. Das konnte allerdings auch Einbildung sein. Snape fragte sich, wie viel Einfluss der Metatron auf das Geschehen nahm und welche Freiheiten er, Severus, überhaupt hatte.

Zwischendurch hatte Dumbledore sich zu ihm gesetzt und ihm mit einem „ Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!" zugeprostet. Der Abend schleppte sich dahin.

Ein paar Whiskeys und einige Tänze später, die Severus wie eine halbe Ewigkeit vorkamen, betrat Hermione die große Halle. Fast sehnsuchtsvoll hatte der Zaubertränkemeister auf diesen Moment gewartet. Er erwischte sich bei diesem Gedanken und war einen Moment lang völlig geschockt. Er und sehnsuchtsvoll, das passte doch gar nicht zusammen!

Doch er war schon auf dem Weg zu ihr. Freiwillig bat er sie um den nächsten Tanz und hoffte auf ihre allabendliche Rettungsaktion. Mit leichtem Amüsement in den Augen und ein wenig Schadenfreude in der Stimme, erfüllte sie seinen Wunsch und entließ ihn schließlich in die Freiheit.

„Schnell, Aschenputtel, es ist gleich Mitternacht", rief sie ihm nach.

Er drehte sich herum und ohne auf die Bemerkung einzugehen sprach er nur ein einziges Wort: „Danke!"

Ende des Kapitels

A/N: Neben den Anspielungen auf diverse Filme, habe ich in diesem Kapitel auch eine Andeutung auf eine meiner Lieblingsstories eingebaut. Wer hier die Story ‚The Fire & the Rose'(oder auch die deutsche Übersetzung ‚Das Feuer & die Rose') erkannt hat, liegt hier richtig.