(K)ein Tag wie jeder andere

von Callista Evans

Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen. Die Stories allerdings sind mein Eigentum.
Ähnlichkeiten mit irgendwelchen Filmen oder Fernseh-Serien sind kein Zufall, sondern durchaus gewollt.
A/N: Ich weiß nicht, ob noch jemand damit gerechnet hat, dass die Story weitergeht, aber ich habe es geschafft :).
Und jetzt noch zu den Filmen im letzten Kapitel: Junior, Body Switch –verhexte Küsse oder alternativ Switch- die Frau im Manne, Der Dummschwätzer (das waren Sevs Vergleiche), Per Anhalter durch die Galaxis (deprimierend dämlicher Dumbledore), Nackte Kanone (der Gag mit dem Zitronenbonbon), Der Hornochse und sein Zugpferd (Mr Perrin), Ritter der Kokosnuss (einigen wir uns auf unentschieden), Mary Poppins (mit 'nem Teelöffel Zucker), Die Frau in Rot (spricht für sich) und das A-Team (Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert). Auch hier möchte ich mich wieder bei Mariacharly und Simone fürs Betalesen bedanken!

Kapitel 5 – Mission Impossible

„Babe, I got you Babe", tönte es morgens um sechs Uhr durch die Räume des Zaubertränkemeisters. Für Severus war dies das Zeichen, dass sein persönlicher Alptraum einmal mehr seinen Lauf nahm. Nach dem Desaster am Abend zuvor stand für Snape fest: Jemand hatte definitiv etwas gegen ihn und drängte ihm Spielregeln auf, von deren Existenz er nicht die geringste Ahnung hatte.

Das verursachte zwar, dass sich sein Magen zusammenzog, doch Severus war fähig, dieses Gefühl nieder zu kämpfen und stattdessen Dobby auszuschimpfen.
Es wurde Zeit, dass er sich ernsthaft mit den Grenzen, die ihm dieser Zustand in der Zeitschleife verursachte, auseinandersetzte. Er war schließlich ein Slytherin und die ließen sich nicht so einfach außer Gefecht setzen. Im Gegenteil, es galt einen Weg zu finden, Vorteile aus seiner Lage zu ziehen.

Auch wenn er fest davon überzeugt war, dass dies nicht klappen würde, nahm Snape seinen Zauberstab in die Hand, richtete ihn gegen Dobby und versuchte einen Zauberspruch.
„Imper …", weiter kam er nicht. Obwohl er den Mund weiter bewegte und auch sein Geist auf diesen Zauber fixiert war, schien es, als hüllte eine unsichtbare Wolke den Rest des Zaubers einfach in sich ein, um ihn dann verschwinden zu lassen.

Quod erat demonstrandum, dachte der Zauberer. Er hatte es auch nicht erwartet, dass die Unverzeihlichen ihm erlaubt sein würden.
Der Hauself blickte mit großen Augen zu Severus hinüber und sagte: „Ich hab' nichts gemacht." Dieser ignorierte den Einwand.
Aber er war noch lange nicht fertig mit seinen Experimenten. Punkt eins war zwar abgehakt, aber die Liste war noch lang.

Nach seinen bisherigen Erfahrungen würde ihm wohl nur eins helfen: Die Flucht nach vorn – und das im wahrsten Sinne der Wortes. Zwei Zaubersprüche später eilte ein angezogener und sauberer Zauberer aus seinen Privaträumen, gerade noch rechtzeitig bevor die Stimme aus dem Kamin ihn rufen konnte. Zurück blieb ein leicht verwirrter Hauself, der leise sagte: „Und was ich soll genau aufräumen hier? Ich bin Hauself und kein Wahrsager." Gleich darauf zog er sich an seinen Ohren und stöhnte leise vor Schmerzen.

Währenddessen hatte Severus sich auf den Weg nach draußen gemacht, doch weit war er noch nicht gekommen. Zuerst war ihm auf seinem Weg nach oben eine Rüstung beinahe vor die Füße gefallen, dann kamen urplötzlich mehrere Slytherin-Schüler an.

Ein schmächtiger Erstklässler hatte Tränen in den Augen. Es war der neue Lieblingsschüler von Hagrid. Er hielt eine Box in der Hand, in der sich normalerweise eine Vogelspinne befand. „Sir, sie haben Kenny getötet!" Severus musste sich innerlich gestehen, dass ihn diese Auskunft eher erleichterte.

Doch seiner Pflicht als Hauslehrer musste er nachkommen. Mit einem „Vielleicht sollte Hagrid ihn sich erst einmal ansehen", konnte Snape den Schüler schnell weiterschicken.
Die anderen waren schon schwieriger abzuschütteln.

Mit Sprüchen wie „Friss meine Hose!" und „Ich spuck dir ins Gesicht und blende dich!", waren die Streitenden bereits in einem Stadium angekommen, das zu eskalieren drohte. Doch ein Snape konnte schnell für Ordnung sorgen. „Wer von euch möchte morgen mit den Gryffindors zusammen eine Strafarbeit erledigen?"
Die Kampfhähne verstummten und machten sich schnell aus dem Staub.

Als Severus fast die Tür erreicht hatte, stieß er mit Hermione Granger zusammen. Sie hatte ein eng anliegendes Oberteil aus glänzendem Material an und so eine Muggelhose für den Sport. Ein passender Pulli lag über ihren Schultern.
„Was machst du denn hier?", fragten sie beide synchron mit leicht muffeligem Gesicht. Aha, auch Hermione war also ein Morgenmuffel.

„Ich will hier raus! Egal wie, es muss nur schnell gehen", antwortete er, bevor sie zu Wort kommen konnte. Dabei fiel ihm zum ersten Mal auf, wie gut sie in diesem Outfit aussah. Sie besaß eine angenehme Figur mit den Rundungen an genau den richtigen Stellen. Dass ihm das vorher nicht aufgefallen war!

Eine Sekunde später bedauerte er schon, überhaupt so einen Gedanken ausgerechnet bei einer Hermine Granger zugelassen zu haben. Schwamm drüber!

Hermione antwortete ihm: „Das wird gar nicht so leicht sein. Der Vordereingang ist blockiert. Peeves hat irgendetwas angestellt und jetzt hilft kein Zauber, die Tore wieder zu öffnen."
Sie grinste ihn an und meinte: „Es bleiben uns wohl nur die Geheimeingänge, die nur wenige kennen."

Severus zog nur seine rechte Augenbraue hoch. Natürlich hatte sie als Freundin Harry Potters in ihrer Schulzeit mehr von den geheimen Gängen im Schloss kennen gelernt als viele andere Schüler, aber dass sie in seiner Gegenwart die Rede darauf brachte …

Sie machten sich auf den Weg, doch es schien wie verhext zu sein. Egal, wohin sie sich wandten, alle Ausgänge, so geheim sie auch waren, ließen sich entweder nicht öffnen oder waren unauffindbar. Snape hatte das fast erwartet und Hermione trennte sich schließlich frustriert von ihm.

Severus blieb nichts anders übrig, als zurück in seine Räume zu gehen. In einem letzten Versuch, sich aus dem Schloss zu entfernen, nahm er sich eine Hand voll Flohpulver, betrat den Kamin und rief: „Tropfender Kessel, Winkelgasse!" Seit Potter den Dunklen Lord besiegt hatte, waren einige Kamine auf Hogwarts wieder für das Netzwerk frei geschaltet worden.

Als der aufgewirbelte Staub ihm seine Sicht wiedergab, sah Snape, wo er gelandet war. Er befand sich - wen wunderte es? – in Albus' Büro und dieser rief freudestrahlend: „Severus, du bist der Mann, den ich gesucht habe!"

Als Severus den Schulleiter wieder verließ, hatte er sich ohne weiteres von ihm überzeugen lassen, die Vertretungsstunde zu übernehmen. Allein der Gedanke, was am Vortag passiert war, hatte ihn von jedem Protest abgehalten. Dafür war ihm heute das Frühstück mit Sibyll zu viel.

Der Zaubertränkemeister tat, was er sonst nie tun würde, und begab sich selber in die Küche, um sich wenigstens mit Kaffee zu versorgen.
Die Hauselfen waren mehr als verwirrt, als sie ihn sahen, und gaben ihm alles, was er wollte, damit er nur möglichst schnell wieder verschwand. Sein Image galt nicht nur unter den Schülern, stellte er zufrieden fest, während er in seinem Privatquartier in aller Ruhe seinen Kaffee trank.

Seine nächste Herausforderung stand an. Würde er es diesmal schaffen, eine Explosion im Klassenzimmer zu verhindern? Er musste seine Strategie ändern.
„Guten Morgen!", begrüßte er diese besondere Klasse mit knappen, aber halbwegs freundlichen Worten. Das waren sie nicht gewohnt und er bemerkte eine leichte Verwirrung bei den Schülern. „Bevor wir uns an den AU Trank begeben, werden wir noch einmal die Theorie dazu durchnehmen."

Ein Stöhnen ging durch die Kerker.
Snape ignorierte es völlig.
„Wir werden heute die Gruppen einmal anders aufteilen. Miss Iks geht heute zu Miss Rosenberg und Mr. Putter setzt sich ganz nach hinten zu Mr. Doe." Snape fuhr fort, seine Schüler so zu gruppieren, dass immer jemand ein Auge auf die Ungeschickten hatte. Sie sprachen noch einmal den Ablauf der Herstellung durch.

„Jetzt beginnen Sie mit dem Vorbereiten des Elixiers!"
Voller Anspannung und mit einem mehr als kleinen Anflug von Ehrgeiz beobachtete Severus die Klasse bei ihrer Arbeit.

Im Gegensatz zu sonst vermied er es heute, den Schülern über die Schulter zu schauen, sondern stellte sich neben die Person, von der die größte Gefahr ausging und half stumm oder mit wenigen Worten die eine oder andere Katastrophe zu vermeiden.
„Die Spinnenbeine noch mehr zerkleinern und dann in die Salzlösung geben. Aber gerührt, nicht geschüttelt!"

War ich das eben gewesen, der der Schülerin diesen Tipp gegeben hatte?
Er erkannte sich selbst kaum wieder. Aber es schien zu funktionieren und das allein zählte – im Moment.

Snape schöpfte neue Hoffnung, denn es sah so aus, als habe er heute alle Missgeschicke vermeiden können. Da passierte es. Er wollte noch einmal auf Mr. Perrins Trank schauen, als er nicht sah, dass eine Schülerin ihre Tasche auf dem Boden abgestellt hatte. Sein Fuß verhakte sich in dem langen Gurt und brachte ihn zum Stolpern. Beinahe wäre er gestürzt, doch er konnte sich noch rechtzeitig abstützen.

Da fiel ein Behälter von dem Tisch, an dem er sich festgehalten hatte.
Severus seufzte auf. Er wusste, was nun geschehen würde und wie in einem schlechten Traum sah er ohnmächtig zu. Als hätte jemand die Zeit angehalten, tropfte die Flüssigkeit aus dem Behälter in den Kessel, der sich direkt darunter befand. Ein Zischen im Kessel verkündete, wie sich Trank und Tinktur vermengten und große blubbernde Blasen stiegen empor.
Es war höchste Zeit zu handeln und so jagte Snape seine Schüler im Eiltempo aus dem Kerker und versiegelte magisch die Tür.

Diesmal schaffte er es noch nicht einmal, eine Hausaufgabe über den dämlichen AU-Trank aufzugeben.

Die Vertretungsstunde war jedoch ein voller Erfolg. Keiner der Schüler wurde verletzt und der Punktestand für Gryffindor besagte, dass Slytherins Chancen sich gut verbessert hatten. Die Laune des Zaubertränkemeisters war um einen winzigen Hauch gestiegen.

Als er auch während der Mittagszeit durch seltsame Zufälle mehrfach davon abgehalten wurde, das Schloss zu verlassen, war Snape sich sicher, dass dies kein Zufall mehr war.

Er verbrachte nun die folgenden Tage damit, dies für sich selbst zu beweisen, und beugte sich schließlich unwillig dieser Einschränkung.

Um den Nachmittag nicht hungrig verbringen zu müssen, begab er sich meist kurz vor Ende der Mahlzeiten in die Große Halle. Einmal war er ein wenig früher da als gewöhnlich. Sprout stand bei Hooch und er vernahm die leisen Worte der Fluglehrerin: „Ich bin 55 Jahre, wenn ich mich jetzt nicht ausziehe, wann dann?!"

Es schüttelte ihn bei diesen Worten, aber er tat so, als habe er sie nicht gehört. Doch die Bilder, die in seinem Geist auftauchten und sich nicht vollständig verdrängen ließen, machten ein harmloses Gespräch über Quidditch unmöglich; von einer Einladung zum Kaffee ganz zu schweigen.

Das aufziehende Unwetter am Nachmittag machte den Lehrer für Zaubertränke immer noch unruhig. Er hatte allmählich die Nase voll davon, den bevorstehenden Unfall immer wieder zu melden und ihn doch nicht vermeiden zu können. Andersherum nagte jedes Mal zur gleichen Zeit der Drang in ihm, eine Meldung zu machen, anstatt sich um seinen eigenen Kram zu kümmern. Er war erneut oben in der siebten Etage des Schlosses und hatte freie Sicht auf das Spielfeld.

Es sah so aus, als sei niemand bereit, auf seine Warnung zu hören. Weder Hooch noch Pomfrey hatten auf seinen Hinweis hin das Training abgesagt und mit Minerva zu sprechen hatte Severus nach ihren Debatten am Mittag nicht die geringste Lust. So schien es unabwendbar, dass dieser Junge ins Wasser fiel … es sei denn …

Severus sah sich um. Diese Theorie musste er noch überprüfen. Er brauchte ganz dringend eine Möglichkeit, schnell wie der Blitz nach unten zugelangen. Ein paar Schritte weiter befand sich eine Tür. Er öffnete sie und fand dort …eine Reihe alter, aber noch brauchbarer Rennbesen. Er war sicher, dass sich hier vor kurzem noch ein anderer Raum befunden hatte, doch darüber konnte er sich später noch wundern.

Snape schnappte sich den nächsten Picobello Besenrein und lief zum nächsten Fenster. Im Sturzflug, der selbst einem Potter noch den Atem genommen hätte, sauste der Zauberer direkt auf den See zu. In Sekundenschnelle war er bis auf die Haut durchnässt und Kälte breitete sich in ihm aus. Doch das ignorierte er, schnitt eine Kurve und kam gerade rechtzeitig, um den Gryffindor-Schüler festzuhalten, der bereits von seinem Besen geglitten war.

Er flog direkt zum Ufer, hielt an und setzte Little ab. Ehe der Junge wusste, wie ihm geschah, war Severus schon wieder davon geflogen. Ein merkwürdiges Gefühl machte sich in ihm breit. Das musste von der Kälte herrühren, obwohl ihm eigentlich eher warm wurde.

„Du solltest dich besser schnell trocken hexen und etwas Warmes trinken", murmelte er vor sich hin. Mist, nun redete er schon mit sich selbst. Trotzdem befolgte er seinen eigenen Rat.

Zwei heiße Tassen Tee und eine halbe Stunde später saß Severus in seinem Quartier und blätterte in seinen Unterlagen. Das Zubereiten des Tees hatte ihn auf eine eigentlich nahe liegende Idee gebracht. Warum war er noch nicht eher darauf gekommen? Er war schließlich Meister der Zaubertränke und würde nun auf seinem Fachgebiet nach einer Lösung für sein Problem suchen.
Oder es zumindest versuchen.

Damit würde er gleich eine neue Theorie überprüfen können.
Kurze Zeit später sah man einen hochkonzentrierten Professor Snape mit einem Stapel voller Bücher an seinem Schreibtisch sitzen und vor sich hin murmeln.

„Vielsaft-Trank? Nein, das fällt aus, dazu ist die Zeit zu kurz. Filch würde sich zwar immens freuen, in meine Rolle schlüpfen zu dürfen, doch ich weiß nicht, wie der Trank bei einem Squib wirken würde und außerdem …" Hier schüttelte sich der Lehrer, als er sich vorzustellen versuchte, was der Hausmeister in solch einer Situation alles anstellen könnte und würde.

„Ein Zeitbeschleunigungstrank? Nein, ich habe zu wenige Informationen über das, was mit mir geschieht; es sollte besser keine Manipulation der Zeit sein." Hierauf folgte ein Schweigen, das nur von gelegentlichem Blättern unterbrochen wurde. Dann wurde das Murmeln stärker. Doch es verging noch einige Zeit, die mit diversen Flüchen gut ausgefüllt war, ehe Severus endlich zu einem Schluss kam.

„Es kann nur einen geben!"
Mit diesen Worten stand der Slytherin auf und wollte sich gerade zur Tür begeben, als es klopfte.
Unverfroren kam eine lächelnde Sibyll Trelawney herein.
„Severus, ich habe da eine Bitte an dich!" Bevor die penetrante Person weiter plappern konnte, hatte er sie am Arm gefasst und unsanft zurück geschoben.

Mit einem knappen: „Keine Zeit!", hatte er sie abgewimmelt und begab sich nun auf den Weg in die wohl finsterste Ecke des Kerkers, wobei er sich vorsorglich immer wieder umdrehte, ob ihn auch niemand beobachten konnte. Natürlich konnte er trotzdem nicht sicher sein, diesem Metatron traute er inzwischen alles zu.

Vorsichtig begab er sich zu einer Nische, in der sich eine Schlangenstatue befand. Er fasste der Statue einfach ins Maul und drückte kräftig auf ihre gespaltene Zunge. Ein ,Klock´ ertönte und gleich darauf fiel ein in Pergament gehüllter, schwerer Gegenstand in Severus' Hände.

Snape rannte fast zurück in sein Privatquartier, wo er den Schutzumschlag entfernte und mit fast ehrfürchtiger Miene auf das Buch sah, das er in Händen hielt: ‚Die Chronik von Slytherin' stand da in silbernen Lettern und gleich darunter, ‚Was du schon immer über das Manipulieren wissen wolltest, aber nicht zu fragen wagtest'.

„Hier steht er drin, der ultimative Zauber, der alle meine Probleme lösen wird!" Das Geheimnis um dieses Buch wurde von Generation zu Generation innerhalb seines Hauses weitergegeben und das Buch selbst mit neuen Erkenntnissen stetig ergänzt.

Severus blätterte mit geübten Händen eine bestimmte Seite auf und legte das Buch auf seinen Arbeitstisch.

Liebeszauber – Auf immer und ewig
Originalrezeptur der Familie Slytherin
übersetzt aus dem Parsel von Anna Konda

konnte man dort deutlich lesen.

Tatendurstig machte der Zaubertränkemeister sich daran, die Zutaten für den Trank zusammen zu suchen. Die Moschusdrüse eines Wildschweins und den Zahn eines Vampirs in seinen Vorräten zu finden, fiel ihm nicht schwer, doch dann wurde es schon komplizierter.

Er war sich absolut sicher gewesen, dass noch genügend Alraunensaft vorhanden gewesen war, doch dieser ließ sich partout nicht auffinden. Auch eine Eilbestellung per Eule würde nicht rechtzeitig ankommen. Bei Sprout nachzufragen, hatte um diese Jahreszeit keinen Sinn.

Das nächste Problem war der Stechapfel. Normalerweise gab es diesen in getrockneter Form in rauen Mengen in seinem Vorrat, aber die Behälter schienen einmal verschimmelt, ein anderes Mal zu verdorrt und ein drittes Mal überhaupt nicht auffindbar zu sein.

Als Snape auch hier diverse Tage damit verplempert hatte, festzustellen, dass er auf immer neue Hindernisse stieß und schon fast aufgeben wollte, da erst hatte er endlich alle erforderlichen Zutaten zusammen.

Eifrig machte er sich ans Werk, als ihm einfiel, dass er noch gar kein Opfer auserkoren hatte. Gut, eigentlich war er das Opfer und handelte in reiner Notwehr, aber er musste ja noch jemanden als weiblichen Gegenpart auswählen. Wenn doch nur Tonks hier wäre. Nicht, dass er Remus' Ex- und nun doch wieder Freundin wirklich so gut fand, aber die beiden befanden sich gerade wieder einmal in einer Trennungsphase und nichts würde den Werwolf mehr aufbringen, als wenn Severus sie für sich gewinnen könnte – selbst wenn es nur ein Trick wäre.

Nein, Tonks könnte ihm die Sache erträglicher gestalten und sich in den Typ Frau verwandeln, der ihm am meisten zusagte: blond, langes Haar, ein wenig frech, aber nicht zu sehr und mit guten Rundungen an den richtigen Stellen.

Er könnte natürlich auf eine der vorgeschlagenen Jungesellinnen zurückkommen, aber die ersten beiden waren jenseits der Grenze von indiskutabel und die dritte … bei Hermione hatte er das Gefühl, es sei einfach nicht richtig.
Und dann wollte er natürlich auch dem Metatron keinen Triumph gönnen.

Während dieser Überlegungen hatten seine Finger flink Zutaten zerkleinert und getrocknete Bestandteile in Flüssigkeit gelöst. Innerhalb kürzester Zeit war der Trank zur Hälfte fertig und musste nur noch gegen den Uhrzeigersinn gerührt werden.
Mit den sicheren Handgriffen eines Meisters der Zaubertränke hatte Severus nach der Schüssel mit den Vergissmeinnichtpulver gegriffen, um zu prüfen, ob es auch fein genug war, als plötzlich eine Flamme unter dem Kessel hervor schoss.

Die Hitze ließ ihn einen Moment im Reflex zurückschrecken. Diese Sekunde hatte ausgereicht, um einen Teil des Pulvers in den Kessel rieseln zu lassen. Der Inhalt verfärbte sich augenblicklich von einem hellen Rosa in ein dunkles Violett.

„Verdammter Mist!", zischte Severus, während er fast gleichzeitig die Flamme löschte und in Windeseile zu einem Regal in der Nähe eilte, um ein Glas mit Lavendelblüten herauszureißen, das er auf dem Rückweg aufdrehte. Eine Handvoll dieser Blumen landeten im Kessel, dessen Inhalt inzwischen verdächtig stark blubberte.

Doch es war zu spät. Die dickflüssige Masse brodelte weiter, bis sie über den Kesselrand hinaus auf den Boden tropfte, um dort endlich zu erstarren. Severus' Gesicht wurde lang und länger.
Dann überrollte ihn eine Welle von Emotionen, eine Mischung aus gekränktem Stolz, Wut auf die begrenzten Umstände, denen er dank gewisser Leute unterlag, und Dickköpfigkeit, sich genau diesen Umständen nicht beugen zu wollen.

Doch Snape wusste, wann er sich geschlagen geben sollte und dieser Punkt war, auf sein Liebesstrank-Projekt bezogen, jetzt erreicht. Es war eine Mission, die unmöglich war.

Sein sich bis in seine Eingeweiden spürbarer Ärger über die Niederlage hielt bis zum Abend vor, als es plötzlich an seine Tür klopfte und ihn Dumbledore ohne viel Federlesens ins Schlepptau nahm.

„Severus, ich hatte gerade in den Kerkern zu tun und dachte, wir können doch gemeinsam zum Abendessen in die große Halle gehen."
Aber klar, du warst nur zufällig hier … und außerdem bist du noch der Weihnachtsmann, dachte Severus, als er wortlos nickte und schicksalsergeben neben dem alten Mann hertrottete.

Wieder einmal ließ er sich auf sein nun schon vertrautes abendliches Ritual ein mit dem tröstlichen Gedanken an den vielen Whiskey, den es geben würde, und dass seine schnelle Rettung nicht unwahrscheinlich war.

So stürzte er sich schnell auf die Bar und vergaß auch nicht, das Glas mit dem widerlich süßen Cocktail abzulehnen und sich stattdessen mit richtigem Alkohol zu versorgen. Als Hermione ihn dann ansprach, war er so erleichtert und durch sein mittlerweile drittes Glas Whiskey, das aus Soda- und Eismangel nur pur ausgeschenkt wurde, wesentlich lockerer als sonst.

Und dann stellte er mitten im Tanz fest, dass sie sich eifrig über die Vorteile des neuen Verdopplungs-Tranks unterhielten, anstatt an seiner Flucht zu arbeiten. Das schien in diesem Fall auch gar nicht zu stören, denn Hermione stellte sich als interessante Gesprächspartnerin heraus.

Das war ein Phänomen, mit dem er gar nicht gerechnet hatte, nachdem er sie so lange Zeit nur als nervende Schülerin gekannt hatte.

Doch dann schaute die junge Hexe ihn mit einem Mal an, grinste verschmitzt und fragte: „Und du hast tatsächlich noch nie einen Trank gefunden, an dem du gescheitert bist?" Damit wurde der Meister der Zaubertränke auf den Boden der Tatsachen zurückgesetzt.
In Hinblick auf bestimmte Ereignisse am Nachmittag bestand seine Antwort aus unverständlichem Gemurmel. Als er anfing, sich nach einem Fluchtweg umzusehen, stand sie auf. Mit gebogenem Zeigefinger lockte Hermione ihn in typischer Geste auf die Tanzfläche, als gerade ein Chachacha erklang.

Severus, der seine Rettung noch nicht aufgegeben hatte, ging darauf ein und durfte als Belohnung endlich durch den geheimen Gang entfliehen.

Auch dieses Mal bedankte er sich und von einem plötzlichen Impuls angetrieben, beugte er sich zu ihr nach unten und küsste sie.
Ein Klatschen ertönte und Snape fühlte einen heftigen Schmerz auf seiner linken Wange. Als er unwillkürlich seine Hand darauf legte, hörte er noch ihren entrüsteten Ausruf: „Typisch, da reicht man einem den Finger und er nimmt die ganze Hand."

Das war zu viel für Severus, der insgeheim gehofft hatte, dass sich so seine Probleme schnell lösen lassen würden. Aber das war anscheinend noch ein langer Weg.

Ende des Kapitels

Und weil es so schön war, noch einmal ein paar mögliche Reviewantworten zum Auswählen.

AU - absolut unglaubwürdig
WIP - witziger, intelligenter Plot
UTZ - unglaublich tolle Zaubererstory
ZAG - ziemlich alberne Geschichte
PWP - primitiv witzlose Plage