(K)ein Tag wie jeder andere
von Callista Evans
Disclaimer: Siehe Kapitel 1
A/N: Nach langer Abstinenz geht es endlich weiter. Ein dickes Dankeschön an meine Beta Simone für ihre Adleraugen und die Reviewer, die ich sonst nicht erreiche ;) Die Filme beim letzten Kapitel waren:
- Ich hab' nichts gemacht (Bart Simpson)
- Ich bin Hauself und kein Wahrsager (nach Dr. McCoy/Pilles Lieblingsspruch: „Ich bin Arzt und kein …")
- Sie haben Kenny getötet (Southpark)
- Friss meine Hose! (Bart Simpson)
- Ich spuck dir ins Gesicht und blende dich (Ritter der Kokosnuss)
- Schwamm drüber (Richard Fish aus Ally McBeal)
- Miss Rosenberg (Willow aus Buffy – im Bann der Dämonen)
- geschüttelt, nicht gerührt (James Bond)
- Ich bin 55 Jahre, wenn ich mich jetzt nicht ausziehe, wann dann? (Kalender Girls)
- Es kann nur einen geben! (Highlander)
- Die Chronik von Slytherin'(Anspielung auf die Chroniken von Marnia)
- Was du schon immer über das Manipulieren wissen wolltest... (veränderte Version von Woody Allens: Was Sie schon immer über Sex wissen wollten)
- Buch von Generation zu Generation weitergegeben (American Pie)
- Auf immer und ewig - Anna Konda – (Anaconda)
- Komm-zu-mir-Geste' als Aufforderung zum Tanz (Dirty Dancing)
Kapitel 6 – Oben
Strahlende Sonne schien in den großen Saal, der mit merkwürdigen Gestalten angefüllt war. Sie alle starrten auf den riesigen Monitor, der die eine Wand fast komplett bedeckte.
Jede dieser Figuren saß auf einem schwebenden Wölkchen, was sehr fluffig und urgemütlich aussah. Alle diese Wesen hatten hinter ihrem Rücken eine Ansammlung grauer Federn, die sich bei näherer Betrachtung als riesige Flügel entpuppten, die merkwürdig und wundersam zusammengefaltet wirkten.
„Okay, M, dann leg mal los! Was hast du uns Neues zu bieten?", kam eine provozierende Stimme aus der Menge.
Der Angesprochene erhob sich in einer fließenden Bewegung, zog seine rechte Augenbraue auf arrogante Art aufwärts und antwortete: „Abwarten Q!"
Seine Stimme schwoll an, als er verkündete: „Guten Morgen, meine Engel!
Liebe Freunde des Life-TVs, jetzt heißt es wieder:
ST proudly presents: Hogwarts - a Live-Story!"
Gespannt blickten alle Augen auf den gewaltigen Bildschirm, auf dem jetzt ein sehr müder und extrem genervter Severus Snape versuchte, seinem morgendlichen ‚Lieblingssong' auszuweichen und ohne Hindernisse ins Badezimmer zu gelangen.
Als sich, wie jedes Mal, diskret der Bildschirm schwarz färbte und eine große weiße Druckschrift von unten nach oben über den Monitor rollte, war von Seiten der weiblichen Engel mehrfaches deutlich enttäuschtes Stöhnen zu hören. Ein absichtlich zu lautes Flüstern ertönte: „Wenigstens einmal könnte er uns das gönnen!"
Die Schrift auf der Mattscheibe gab folgendes bekannt: ES WAR EINMAL, IN EINER ENTFERNTEN GALAXIS, EIN ZAUBERTRÄNKEMEISTER DER GANZ IN RUHE GELASSEN WERDEN WOLLTE.
Es wurde ein wenig unruhig, bis besagter Zaubertränkemeister endlich wieder auftauchte und die Szene belebte. Severus sah sich unschlüssig um.
„Und da wussten sie nicht, wo sie hin wollten", kam es spöttisch von einem kleinen, rundlichen Engel mit Brille.
Die ganze Gesellschaft beobachtete weiter den Bildschirm, als Severus gerade mit elegantem Schwung um seine Katze herum in ein von Dobby frisch gesäubertes Wohnzimmer hineinging. Während im Hintergrund eine kleine Diskussion entstand, ob es denn nun langweilig oder gut sei, dass der Zaubertränkelehrer es inzwischen schaffte, ‚unbeschnitten' durch den Tag zu kommen, schnippte Q, der eigentlich Quentin hieß, gelangweilt mit den Fingern und rief schließlich: „M, du hattest uns doch heute Specials versprochen! Wir sind nicht umsonst heute alle hier erschienen."
Der Metatron erhob sich, griff breit grinsend in seine Tasche und beförderte eine Fernbedienung daraus hervor, die von solch gewaltiger Größe war, dass man nicht umhin kam, zu überlegen, was hiermit kompensiert werden sollte.
„Was kannst du damit?" Der Metatron drückte gewichtig ein paar Knöpfe und erklärte dann: „Ich kann euch eure Lieblingsszene von allen Tagen nacheinander zeigen. Ihr könnt also alle Szenen anschauen, die ihr sonst aufgrund euer ‚Arbeitszeiten' verpasst habt. Was wollt ihr denn am liebsten sehen?"
Auf Knopfdruck erschien auf dem überdimensionalen Bildschirm eine Übersicht an Minibildern mit Untertiteln wie: Mr. Maniac and Sister Jam, Schlag den Wieselkönig, Spannende Lesepause, Quidditchquasseleien, Donnerwetter am See, Verwandlungsunterricht, Experimente, buntes Kesseltreiben, Von Feigen und Ohren, und noch vieles mehr.
„Zeig uns die Nr. 3!", rief eine Stimme und ohne zu zögern, startete M eine Sequenz von Bildern. Auf dem Bildschirm erschienen Snape und Trelawney beim Frühstück. Die Szene schien sich zunächst daumenkinoartig schnell und ohne Ton zu bewegen, was hochinteressant anzusehen war, da Snapes Gesichtszüge die verschiedensten Schattierungen aller jemals bekannten Stimmungen aufwiesen. Es fing mit Frustration in diversen Stufen an, ging über Resignation und dann hellte sich das Gesicht der Zaubertränkemeisters sichtlich auf. Q rief: „Langsamer!" und sofort konnte man Severus und Sibyll wieder reden hören:
„Weißt du, Sibyll, das ist ganz einfach, ich konzentriere mich ganz stark und zwar so…" Snapes Augen begannen sich zu rollen und blieben dann kurz in einem schielenden Zustand stehen. „Und dann kann ich genau erkennen, was die Leute als nächstes tun oder sagen wollen. Außerdem trinke ich jeden Tag drei Tassen von einem Tee mit den Blättern der Quack, aus der sonst gerne Salbe hergestellt wird. Das erleichtert die Hellsichtigkeit ungemein." Ganz ernsthaft beobachtete Snape die Kollegin, die seinen Worten mit gelehrigem Staunen gelauscht hatte und nun begeistert nickte.
Bei der nächsten Sequenz setzte er noch einen drauf: „Möchtest du diesen Tee selbst einmal ausprobieren? Ich meine, nicht dass du es nötig hättest… Ich habe da in meinem Privatlabor noch einen Vorrat."
Ein Engel flüsterte: „Er wird doch nicht ernsthaft versuchen mit ihr anzubändeln oder? Ich meine, sie passen doch nie im Leben zusammen." Und nach einer Pause kam noch: „Außerdem finde ich es nicht gut, wie er sie hochnimmt, ohne dass sie es merkt!"
„Warum sollten die beiden eigentlich kein schönes Paar abgeben?", meinte eine zweite sehr weibliche Stimme. „Verpasse ihr einen vernünftigen Haarschnitt, am besten was ganz kurzes mit ein wenig mehr Farbe, dann noch Kontaktlinsen oder etwas magisch Adäquates. Du wirst sehen, die werden ein tolles Paar und bekommen bestimmt mindestens zwei Kinder."
„Klar doch", kam die ironische Antwort. „Bis er sich dann eine junge, blonde Assistentin zulegt und seine Frau dann mit dieser betrügt und lieber seine Geliebte, statt der Frau beschenkt!"
„Psst, ihr zwei, das stört!" zischte Q den Quasselstrippen zu.
Inzwischen waren sie bei der nächsten Szene angekommen. Sie blickten auf einen Snape, der nach der ersten Frustphase mit einer Engelsgeduld (oder auch ganz ohne) tagtäglich versuchte, dem Schulleiter die Zitronendrops auszureden. „Direktor, ich möchte nicht, lutschen Sie's doch selber!" Der Tonfall verriet deutlich, was Dumbledore sich noch alles selber könnte, was dieser allerdings schlichtweg ignorierte.
Mit einer schnellen Bewegung aus dem Handgelenk hatte Snape den angebotenen Drops an sich genommen und gegen einen anderen präparierten eingetauscht. Albus nahm das Bonbon und schob es ohne viel Federlesen in den Mund. Einen Moment verzog sich das Gesicht des alten Zauberers, dann schwang er nur kurz den Zauberstab, sein Mund entspannte sich wieder und das wohlbekannte Zwinkern war zu sehen.
Schon wieder war leises Gemurmel unter den himmlischen Zuschauern zu hören und jemand verkündete laut und enttäuscht: „Unter ‚Stunde der Limone' hatte ich mir was ganz anderes vorgestellt."
„Ist das vielleicht besser?", fragte der Metatron und im gleichen Augenblick erschien mit blitzenden grünen Augen Rolanda als Severus' Gesprächspartnerin auf dem Riesenbildschirm. Einen Moment lang war es wieder ruhiger im Publikum, das vergnügt die Diskussionen über Quidditch verfolgte, und dabei Snapes verschiedene Stimmungslagen deutlich von seinem Gesicht ablesen konnte.
Die Unterhaltungen unterschieden sich nicht so sehr von einander. Da ging es um: „Slytherin kann gar nicht verlieren!". „Gryffindors Treiber sind einfach Luschen!". „Einigen wir uns auf unentschieden!", „Quatsch, die sind jetzt richtig gut.", „Danke für das Angebot, aber ich denke, ich bin auch so noch gut in Form!" und andere Dinge, die nicht besonders vom Sport der Muggelwelt abwichen, was eher die männlichen Engel interessant fanden.
Dann hörte man Hooch sagen: „Wenn du im Moment nichts anderes vor hast, können wir auch gleich zu mir gehen." Jetzt wurden die Blicke der Zuschauer neugierig. Würde Snape darauf eingehen, nachdem er sich vorher immer so gesträubt hatte?
„Wie weit wird er wohl gehen, wenn sie ernsthafte Absichten hegt?" Die Frage stellten sich mehrere Engel, besonders in dem Moment, als der Zaubertränkemeister tatsächlich aufstand, um Rolanda zu folgen.
Aufgeregt fragte ein kleiner pausbackiger Engel: „Glaubt ihr, dass er tatsächlich… ihr-wisst-schon-was mit ihr tun wird?"
„Wenn er es für eine Chance hält, seinem Dilemma mit der Zeitschleife zu entgehen auf jeden Fall!" Q war überzeugt davon. „Der Mann ist ein Slytherin, da würde der Zweck die Mittel heiligen."
„Und dennoch hat er dann die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn das allein zählt nicht. Aber das wird er dann merken." Der Metatron hatte ein Lächeln aufgesetzt, das man nur als diabolisch bezeichnen konnte.
Auf dem Bildschirm war es dunkel geworden und wieder erschien ein Text: ES WAREN EINMAL EIN GROSSER ZAUBERTRÄNKEMEISTER UND SEIN KLEINER FREUND, DIE EIN GROSSES GEHEIMNIS HATTEN.
„Na, wahrscheinlich ist es besser, wenn wir das, was immer die beiden dort treiben, nicht zu Gesicht bekommen", ertönte eine naseweise Stimme im Raum.
Der Metatron, der unbemerkt an seiner Mega-Fernbedienung herumgedrückt hatte, grinste verschmitzt. Man musste ein paar Geheimnisse für sich behalten und nicht alles preisgeben.
Das Bild änderte sich und zeigte nun die Bibliothek. „Ah, langsam kommen wir der Sache näher!" Engel Quentin lehnte sich auf seiner Wolke zurück, die nun wie ein sehr bequemer Sessel aussah, dessen Lehnen und Fußteil man nach Belieben verstellen konnte.
Was nun folgte, war im schnellen Durchlauf wie eine Art abstrakter Tanz mit Text anzusehen, denn die ulkig-flotten Bewegungen der beiden Lehrer wurden immer wieder abrupt unterbrochen, sobald sie den Mund aufmachten. Dann schaltete sich automatisch die Normalzeit wieder ein.
„Du hast was benutzt?" Snapes Augenbrauen zogen sich nach oben.
„Ich habe in meinem dritten Schuljahr einen Zeitumkehrer verwendet, um mehr Kurse gleichzeitig besuchen zu können. Wenn ich dir also bei deinen Recherchen", sie deutete auf die Bücher, die er in seinen Händen hielt, „helfen kann, dann sag einfach Bescheid."
Seine Antwort kam scheinbar völlig zusammenhangslos: „Das erklärt, wieso Black damals entkommen ist, habe ich Recht?"
„Ja, aber du wirst inzwischen eingesehen haben, das es das einzig Richtige war."
Einige Tage/Sekunden später:
„Wieso weißt du von meiner Aktion mit dem Zeitumkehrer?" Hermiones Gesichtsausdruck schwankte zwischen Neugier und Unbehagen, ob der Entdeckung ihres Geheimnisses.
„Weil du es mir vor ein paar Tagen erzählt hast!"
„Das würde ich dann wohl doch wissen. Was weißt du noch von mir? Hast du etwas heimlich Legilimens bei mir angewandt?" In ihr Gesicht stieg eine leise Röte und ihre Stimme vibrierte vor Ärger, als sie aufsprang und fortfuhr: „Ist dir etwa auch bekannt, …"
„… dass deine Lieblingsfarbe blau, deine Schuhgröße 39, der zweite Vorname deiner Mutter Eryn und deine schlechteste Angewohnheit Schnarchen ist?", unterbrach er sie grimmig, während sie vor Überraschung still und mit offenem Mund dastand.
„Ja, ich weiß, was du mir einreden wolltest und dass es nicht den Tatsachen entspricht und nein, auch wenn ich Legilimens beherrsche, heißt das nicht, dass ich nach Belieben das Gehirn anderer Leute nach Information durchforste. Ich habe Besseres zu tun." Severus' Gesicht zuckte, man konnte ihm seinen Ärger deutlich ansehen.
„Im Übrigen,…" Auch Snape hatte sich erhoben.
„Hey!", rief einer der Engel, „sollten die sich nicht zusammenraffen, anstatt so zu streiten?"
„Du weißt doch, was sich liebt…" „Von Liebe kann hier wohl noch gar keine Rede sein, finde ich", kam die besserwisserische Antwort, während es vom Bildschirm ertönte:
„… deine Lieblingsfarbe ist rot, du trägst Schuhgröße 38 ½, der zweite Vorname deiner Mutter lautet Emilyn und egal, wie laut du schnarchst, deine schlechteste Angewohnheit ist die Halsstarrigkeit, die du gerade an den Tag legst. Und das alles weiß ich, weil ich schon mehr als einmal mit dir hier gestanden habe. Ich versuche dir klar zu machen, was gerade mit mir passiert, weil ich… deine Hilfe brauche!"
Hermione starrte den Kollegen an. Ihre rechte Augenbraue zog sich in perfekter Kopie von Snapes Lieblingsbewegung nach oben. Er nutzte die auftretende Stille und meinte mit leichtem Grinsen: „Auch wenn ich dies in den letzten Tagen schon ein paar Mal erlebt habe, finde ich es immer noch faszinierend, dass ich es nach all den Jahren voller vergebliche Versuche endlich schaffe, dich mundtot zu machen!"
Noch immer verwirrt, stotterte Hermione: „Du bittest mich um Hilfe?!" Sie schluckte, schüttelte den Kopf und schaute dann demonstrativ nach oben. „Es gibt doch noch Wunder auf Erden!", kam es theatralisch von ihren Lippen und ein Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. Die Spannung im Raum hatte sich gelöst. Gerade als die beiden sich friedlich zurück an den Tisch setzen wollten, veränderte sich die Szene.
Es war dunkel auf dem Bildschirm, nur das Flackern einiger Fackeln erhellte die Szene. Snape schritt in üblicher Fledermausmanier mit wallendem Umhang durch die Gänge des Slytherin-Territoriums geradewegs auf eine Ecke zu. Nur Sekunden später erschien dort eine Schülerin mit dunkelbraunen langen Haaren.
„Miss Parker, gut, dass ich Sie treffe. Sie sind doch die Vorsitzende des Schachclubs? Wen können Sie mir als Übungspartner von hohem Niveau vorschlagen?"
Miss Parker starrte ihn überrascht an und fragte: „Sie spielen Schach, Sir? Davon wusste ich gar nichts."
„Dies ist nicht die Art von Wissen, nach der die Schüler dieser Schule streben sollten. Im Gegenteil!" Sie zuckte nicht mit der Wimper trotz seines eisigen Tonfalls. Doch Parkers Blick wurde hart und mit Stahl in der Stimme antwortete sie: „Nein, natürlich nicht, Sir." Sie machte eine kurze Pause, bevor sie fortfuhr: „Ich denke, Jarod käme für Ihre Zwecke gut in Frage. Er spielt noch nicht sehr lange, ist aber ein brillanter Stratege und wird bestimmt bei dem nächsten Wettbewerb im Zaubererschach für frischen Wind sorgen. Selbst Ronald Weasley und Professor Dumbledore werden sich die Zähne an ihm ausbeißen."
„Gut, schicken Sie ihn zu mir, er wird von allen anderen Verpflichten freigestellt."
Und schon sah man Snape hochkonzentriert mit einem braunhaarigen Schüler der oberen Klassen am Tisch sitzen. Ein Schachbrett war zwischen den beiden aufgebaut. Was nun folgte, war hervorragend für ein Studium der Körpersprache geeignet, denn Severus hatte eine bemerkenswert ergiebige Palette der Schattierungen im Repertoire.
Das Blitzen der dunklen Augen war geprägt von dem Willen zu Lernen (und ähnelte dem von einer gewissen Hermione Granger in erstaunlichem Maße). Snapes Mund war mal nach unten gebogen, wo Frust ihn zu überrollen drohte, mal leicht geöffnet in dem Erkennen einer Strategie. Sehr interessant wurde es, wenn der Lehrer selbst an einer Strategie plante. Mit der Verbissenheit im Blick, die aussagte: ‚Niemals aufgeben, niemals kapitulieren', platzierte er seine Figuren.
In einem eher entspannten Moment bemerkte Jarod:
„Professor, Sie sind ein hervorragender Schachspieler. Warum haben Sie bisher noch nie an dem großen Hogwarts-Schachturnier teilgenommen? Die Slytherins würden sich freuen, denn mit Ihnen würden sich die Chancen auf den Sieg enorm steigern.
Und dass wir alle sehr gern sehen würden, wie Professor Dumbledore oder der Wieselschachking von der Spitze verdrängt werden, dass muss ich Ihnen doch wohl nicht sagen."
Ein Grinsen schlich sich auf Snapes Gesicht. „Ein guter Gedanke, Jarod. Genau dies ist der Grund, warum wir beide hier zusammen sitzen. Auch ich werde es nur zu gern sehen, dass Slytherin siegt. Bisher fehlte mir die Zeit, mich intensiv mit Zaubererschach zu befassen. Jetzt ist das anders."
Lautes, demonstratives Gähnen aus dem Zuschauerbereich brachte den Metatron dazu, erneut zur Fernbedienung zu greifen. Quentin räusperte sich und meinte dann mit gedehnter Stimme: „Los doch, M, nun zeig uns schon das, was wir alle sehen wollen!"
„Wunsch erfüllt!"
Endlich sah man Snape bei seiner Geburtstagsfeier, wo er sich für seine Verhältnisse nach den ersten frustverzehrten Runden durchaus tapfer und später sogar fast gelassen wirkte. Es schien so, dass je friedlicher er wirkte, desto weniger aufwendig die Feierlichkeiten gestaltet wurden.
Als Hermione ihn an der üblichen Stelle mit dem Wasser in der Hand ansah und neugierig fragte: „Du bist hier? Wenn ich wüsste, was mir passierte, käme ich gar nicht."
„Du weißt nicht, was geschieht, wenn ich hier nicht auftauche", antwortete Snape trocken. Hermione schaute sich um und grinste.
„Noch schlimmer kann es doch nicht sein." Sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse.
„Du hast keine Ahnung. Wollen wir uns dort drüben hinsetzen und uns ein wenig unterhalten?"
„Was macht er da?", flüsterte eine Stimme. „Der kann doch nicht mit einer ehemaligen Schülerin… Sie ist viel zu jung für ihn. Der will doch nicht etwa wirklich… Das ist…" Die Stimme verstummte im stumpfen Ekel. Man hörte ein Stampfen, dann fiel eine Tür mit lautem Knallen ins Schloss. Ins auftretende Gemurmel rief Q ärgerlich:
„Seid doch leise, gerade jetzt wo er es mit Flirten versucht!"
Snape und Hermione waren derweil schon durch den Geheimausgang geflüchtet. Erneut bog sich der Zaubertränkemeister zu ihr hinunter. Und klatsch machte Hermiones Hand, als sie seine Wange traf. Und noch einmal Klatsch. Beim dritten Mal beziehungsweise am dritten Tag hielt Severus bereits seine Hand in Bereitschaft, um die ihre von der Tat abzuhalten.
Hermione fragte sauer: „Für wie blöd hältst du mich eigentlich? Du hast mir doch heute Nachmittag von deiner Lage berichtet. Hattest du dieses kleine Detail vergessen oder geglaubt, ich wüsste nicht mehr, worin die Auflösung bestünde? Dann versuchen wir es doch mal mit Hermione, weil sie sowieso immer so hilfsbereit ist. Ob du mich magst oder nicht, spielt wohl nur eine Nebenrolle, Hauptsache, du kannst dich befreien."
Einen Tag/Moment später: „Gib dir keine Mühe, Severus, Ich kann mir denken, welch hohen bestimmt gar nicht slytherinen Motiven, mich besser kennen zu lernen, deine Aufmerksamkeit entspricht. Vergiss nicht, was du mir erzählt hast. Heute versuchst du mich für deine Zwecke zu gewinnen und in deinem ‚Morgen' oder ‚Übermorgen' bin ich dann ‚Gestern' für dich. Nein! So nicht!"
Und noch ein wenig später: „Oder willst du mir einreden, du hast plötzlich ein echtes Interesse an mir?"
„Warum nicht?"
„Weil es für dich die ganze Zeit aber auch nicht eine Spur von Bedeutung hatte, was ich so treibe."
„Nun, vielleicht habe ich dich durch meine vielen Zeitschleifen einfach besser kennen gelernt."
Je intensiver Snape es versuchte, desto wütender schien sie zu werden, als spüre sie, genau, dass es mehr um Hartnäckigkeit als um Aufmerksamkeit ging.
„Du bist zu sehr slytherin, um dir so ohne weiteres zu vertrauen."
„Aber zeigt dir meine Aufrichtigkeit, die ausführliche Erklärung meiner Situation nicht, dass ich es ehrlich mit dir meine?" Severus versuchte ganz neutral zu schauen.
„Ehrlichkeit in dieser Hinsicht mag ja sein, aber nicht in deinem Interesse an mir. Denk daran, ich weiß, wie sehr ich dir früher zuwider war." Ihre Hand glitt unwillkürlich zu ihrem Mund und den Zähnen. „Und du bist kaum der Mensch, der seine Meinung so ohne weiteres ändert."
„Ohne weiteres nicht, aber im Laufe der Zeit schon…" Er sah sie hoffnungsvoll an.
„Nur, dass die Zeit, von der du redest, sich meinem Gedächtnis leider entzieht. Du kannst dir das genauso gut ausgedacht haben, um dich bei mir interessant zu machen."
„Ach ja, ich erinnere mich", brummelte er vor sich hin. „Und ich weiß auch, was jetzt gleich folgt." In hohem und gewollt affektiertem Tonfall gab er von sich: „Was ich möchte, ist echtes Interesse an mir und meiner Person und ich umgebe mich nur mit Leuten, die es schaffen, mich intellektuell stimulieren!"
Hermione, die gerade zu einer Antwort ansetzen wollte, hielt inne und schluckte. Severus fuhr fort:
„Intellektuell stimulierend? So wie Weasley oder Potter?" Nun triefte Snapes Stimme vor Ironie. „Mit dieser Form von Intellektualität kann ich leider nicht dienen!"
„Lass den Sarkasmus! Mit diesen Sprüchen wirst du mich nicht gerade überzeugen." Erstaunlicherweise schien Snape nicht sauer zu sein. Er setzte im Gegenteil sogar ein leichtes Grinsen auf. „Schade, mir fällt nämlich gerade auf, dass dieser Ärger und besonders das Funkeln in deinen Augen dir ausgesprochen gut stehen!"
„War das ein Versuch mit mir zu flirten?" Sie versuchte weiterhin grimmig zu schauen, was ihr aber nicht ganz gelang. „Und wenn es so wäre?"
„Wo hast du den echten Severus versteckt?", fragte sie schließlich mit einem Grinsen im Gesicht. Er lächelte zurück und meinte nur:
„Ist doch klar, der ist im Kerker angekettet!" Möchtest du, dass ich ihn dir zeige?"
In dem Moment wurde der Bildschirm dunkel. Ein kleiner pausbackiger Engel erschien und verkündete laut: „Die Energiesparmaßnahme beginnt jetzt! Es soll in ganz Europa gleich ein großes Gewitter geben und deshalb schalten wir die Geräte auf Befehl des Vizechefs sofort ab!"
„Verdammt, immer wenn es spannend wird", knurrte Q und machte sich auf seiner Wolke von dannen.
Ende des Kapitels
Und habt ihr irgendwelche Filme erkannt oder wollt einfach eure Meinung äußern? Ich freue mich auf eure Review!
