(K)ein Tag wie jeder andere
von Callista Evans
Disclaimer: Siehe Kapitel 1
A/N: Es geht tatsächlich weiter und ich freue mich, dass die Story noch gelesen wird. Vielen lieben Dank an meine liebe Nici (nici's anatomy), die so lieb war und für mich betagelesen hat!
Und jetzt noch die Filme des letzten Kapitels:
- Trueman-Show
- 3 Engel für Charlie
- Q- Star Trek
- M- 007
- Es war einmal… Galaxis – Star Wars
- Da wussten sie nicht…. Feuerzangenbowle
- Fernbedienung - Klick
- Snape und Trelawney – Tatsächlich Liebe
- Miss Parker und Jarod – Pretender
- Niemals aufgeben, niemals kapitulieren – Galaxy Quest
- Ice Age „Wunsch erfüllt!"
- My Girl der ‚intellektuell-stimulieren'-Spruch
Kapitel 7 – Tage wie dieser
Im Dämmerlicht schlug Severus die Augen auf. Er lauschte angespannt in die Stille hinein. Jeden Moment musste Dobby mit seiner grauenhaften Gesangseinlage in Erscheinung treten, doch es blieb alles ruhig. Das war verdächtig. Ein Blick auf die Uhr bestätigte Severus, dass etwas nicht stimmte. Etwas war anders und ‚anders' konnte in seinem Fall doch nur Positives bedeuten... oder? Hoffnung ließ sein Herz höher schlagen.
Mit einem Satz schwang Snape sich aus dem Bett, angelte im Dunklen nach seinem Morgenmantel und begab sich auf die Suche nach Dobby. Mehr am Rande registrierte der Zaubertränkemeister, dass seine Katze nicht in Erscheinung trat und erwartungsvoll öffnete er die Tür zu seinem Wohnraum.
Ein ungewohnt ordentliches Zimmer empfing ihn und gerade als sich eine leise Freude in ihm breit machen wollte, hörte er Dobby singen. Mit dem Rücken zu Snape wippte der kleine Hauself vor dem Tisch hin und her. Doch statt des üblichen Liedes, vernahm Severus etwas von Hüpfer nach links und Schritt nach rechts. Dann schallerte Dobby laut:
„Let's do the timewarp again!"
Rasch trat Severus zu Dobby. Als der Elf ihn bemerkte, verstummte dieser sofort und ein breites Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Sir, Sie schon aufgestanden sind? Einen wunderschönen guten Morgen Dobby wünscht. Diesmal Dobby weiß, dass gut geschlafen Sie haben."
Irritiert zog Snape die Augenbrauen nach oben. Derweil griffen Dobbys Hände nach zwei Gläsern und einer halb vollen Flasche Feuerwhiskey, die auf dem Tisch standen.
Als Dobby immer noch grinsend das Zimmer verließ, hörte Severus Schritte hinter sich. Mit einem Satz fuhr er herum und starrte in das Gesicht von Rolanda Hooch, die ihn mit einem müden, aber strahlenden: „Guten Morgen, Sevi!" begrüßte.
Er sprang so entsetzt zurück, als hätte man ihm gesagt, er müsste den Rest des Lebens als Potters bester Freund verbringen und starrte die Kollegin an.
Was passierte hier gerade? Wurde er allmählich verrückt? Das konnte alles nicht wahr sein!
„Wie kommst du hierher und wieso wagst du es, mich Sevi zu nennen? RAUS aus meinem Quartier!"
„Aber Sevi, wir beide…" Rolanda schluckte, sah ihn verwirrt an und zog das Schlafanzugoberteil – das er als sein eigenes erkannte – enger an ihren Körper. Sein Gesichtsausdruck blieb versteinert. Mit übereinander verschränkten Armen wartete er darauf, dass sie seiner Aufforderung Folge leistete. „Aber, ich dachte… oh, Severus, du brichst mir das Herz!", brachte Hooch hervor, bevor sie in lautes Schluchzen ausbrach. Der Lärm schwoll an, wurde lauter und lauter, bis Severus meinte, es nicht länger ertragen zu können. Er hielt sich die empfindlichen Ohren zu und schloss die Augen.
Der Tumult wurde nicht leiser, aber auf einmal war er vertraut. Dann, endlich, stellte er fest, dass er sich noch immer in seinem Bett befand und Dobby ihn, wie jeden Morgen mit ‚I got you, babe' aufgeweckt hatte.
Merlin sei Dank, es war nur ein Traum! Zum ersten Mal empfand er Dobbys Gesang nicht als Qual, sondern als Beruhigung. Er war einfach nur erleichtert darüber, wieder an diesem Punkt der Zeitschleife angekommen zu sein, war doch die Alternative dazu grauenvoll. Dennoch beendete Severus die künstlerische Einlage des Elfen sofort und schickte ihn mit den üblichen Aufträgen, den Tag nach Snapes persönlichen Belangen zu formen, auf den Weg.
Er selbst machte sich gutgelaunt wie nur selten, auf den Weg zu seiner ersten morgendlichen Begegnung mit Hermione und stellte dabei fest, dass es gut war, zu wissen, was man nicht wollte. Als sie am Haupttor wie immer fast aufeinander prallten, fiel es Severus wesentlich schwerer als sonst im morgenmuffeligen Ton aufzurufen: „Was machst du denn hier?"
Dafür war es einfach wie nie, Hermiones Blick zu halten, sodass sie schließlich beide lächeln mussten. „Anscheinend das Gleiche wie du", beantwortete er ihre Frage. Anerkennend glitt sein Blick über ihr knapp sitzendes Outfit. Ob sie das wohl bemerken würde? Ja, eine leichte Röte stieg in ihre Wangen, es war ihr aufgefallen.
Auch wenn es ihm am Anfang ungewöhnlich vorgekommen war, wusste er, dass die Kollegin am Morgen gegen ihre sonstige Gewohnheit sehr wortkarg und nicht besonders gesprächsfreudig war. Also webte Severus lediglich einen Wärmezauber um sie beide, bot ihr mit einer galanten Handbewegung den Vortritt am bereits geöffneten Haupttor und meinte nur: „Wollen wir?"
Hermione wirkte erstaunt, nickte dann aber knapp und in schweigender Eintracht joggten sie ihre Runden um den See. Seit Severus seine Fluchtgedanken aufgegeben hatte, war es kein Problem gewesen, morgens aus dem Schloss zu gelangen und im Laufe der Zeit hatte der Zaubertranklehrer sich genügend Kondition zugelegt, um mit Hermione mithalten zu können. Leider war die Zeit viel zu schnell vorbei, doch für Severus war es ein wichtiger Schritt, Hermione von sich zu überzeugen.
Noch immer in guter Stimmung betrat er einige Zeit später den Kamin, um Dumbledore den üblichen Kurzbesuch abzustatten. Den ersten Fuß schon im Kamin, kam Severus eine Idee. „Schulleiter, ich brauche Ihre Hilfe!", überfiel er den überraschten Direktor, ehe dieser sich zu Wort melden konnte. Albus Dumbledore nickte nur und wies mit einer Hand zum nächsten Sessel. „Setz dich Severus! Was kann ich für dich tun?"
„Wie Sie sicher wissen, habe ich heute Geburtstag und mir ist in diesem Moment zum Feiern zumute." Dumbledore starrte ihn mit offenem Mund an. Hastig fuhr Severus fort: „Können wir heute Abend nicht eine spontane kleine Feier veranstalten? Ich meine nichts Großes, aber wir könnten ein paar Leute einladen, Kingsley, Lupin, Tonks, Molly und Arthur, die Malfoys und natürlich alle Kollegen."
„Jetzt fehlt nur noch, dass du Harry Potter und Ron Weasley mit auf die Liste setzt. Dann ist mein Erstaunen perfekt. Bist du sicher, Severus, dass es dir gut geht?"
„Ja, es geht mir bestens und das mit Potter und Weasley ist gar keine schlechte Idee, das wird Hermione freuen." Snape grinste den Schulleiter breit an und freute sich, weil dieser nun völlig verwirrt wirkte. Dass sein Plan Potter dabei zu haben, so wunderbar einfach aufging, war ebenfalls von Vorteil. Jetzt musste er nur noch dafür sorgen, dass er die Regeln, denen er in der Zeitschleife unterlag, auch so beugte, dass sie seinen Anforderungen genügten.
„Ich weiß, es ist sehr kurzfristig, aber könnten Sie nicht für mich in den Vormittagsstunden den Unterricht übernehmen? Dann kann ich mich um die Vorbereitungen kümmern?"
Nur aus den Augenwinkeln beobachtete Severus, wie sich Dumbledores Zauberstab bewegte und wusste sofort, welch magischer Überprüfung er standhalten musste. Aber es war ja kein Problem, er war er selbst, stand weder unter dem Einfluss fremder Substanzen noch sonstiger Manipulationen und hatte deshalb nichts zu befürchten.
Entspannt wartete Snape also die Antwort ab. Der Schulleiter wusste nun, dass kein Zauber für das ungewöhnliche Verhalten des Zaubertränkemeisters verantwortlich war.
„Also ich weiß nicht, ich habe schon lange nicht mehr…" Dumbledores Gesicht spiegelte seine Zweifel wider und nicht alle davon hatten etwas mit dem Unterrichten zu tun.
„Sie sind doch sonst für eine Feier immer zu haben. Oder… trauen Sie mir etwa nicht?" Bewusst hatte Snape in scharfem Tonfall gefragt, war doch die Frage des Vertrauens eine ewig bleibende Achillesferse in ihrer Beziehung. Dumbledores Vertrauen war Snape immer sehr wichtig und im Gegenzug war es für Albus immer entscheidend, dass Snape um dieses Vertrauen wusste. In typischer Denkart seines Hauses nutzte Severus dieses heikle Thema jetzt für seine Zwecke aus. Prompt antwortete der alte Zauberer:
„Gut, Severus, ich stelle dich frei. Ich kann nur hoffen, dass dies kein Trick ist, denn ehrlich gesagt, fällt es mir schwer zu glauben, dass du wirklich deinen Geburtstag feiern möchtest. Aber ich vertraue dir!" Geschickt hatte Dumbledore den Spieß umgedreht. „Ach ja, da du Hermione erwähnst, gibt es da etwas, das ich wissen sollte?" Der alte Zauberer hörte das Gras wachsen, aber schließlich war Severus selber schuld, denn er hatte diese Bemerkung fallen lassen. Daran sollte er bei der nächsten Zeitschleife besser denken.
Völlig unbewegt, als sei ihm die letzte Bemerkung komplett entgangen, stand Severus auf. „Ich gehe jetzt besser, schließlich habe ich noch eine Party zu planen."
Als er sich bereits dem Kamin zugewandt hatte, drehte Snape sich noch einmal um.
„Die Drittklässler aus Ravenclaw und Hufflepuff sind eine explosive Mischung, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ach ja, und… Danke!" Bevor Dumbledore noch etwas erwidern konnte, war Snape wie der Blitz durch den Kamin verschwunden.
Innerlich unruhig, ja fast aufgekratzt, lief Severus in seinem Quartier hin und her, überlegte, plante, verwarf die Pläne, überlegte erneut, machte eifrig Notizen, schrieb Einladungen und rief schließlich Dobby, um ihm allerlei Aufträge mit auf den Weg zu geben. Wenn es schon eine Party geben musste, sollte sie wenigstens nach den Vorstellungen des Geburtstagskindes laufen.
Besagtes Geburtstagskind hatte nun eine präzise, ja minutengenaue Planung, wie dieser Tag verlaufen sollte, damit auch ja nichts schief laufen konnte. Das war vielleicht eine einmalige Gelegenheit für ihn. Seine Erfahrung hatte ihn gelehrt, dass er bestimmte Dinge nicht umgehen konnte, aber als Slytherin waren ihm die Schlupflöcher, die es gab, nicht entgangen und er war entschlossen, sie auszunutzen.
Verspätet erschien Severus am Frühstückstisch und schaffte es sogar, sich und Sibyll bei Laune zu halten. Anschließend wollte er als vorbeugende Massnahme, das entscheidende Gespräch mit Minerva, das sonst erst mittags stattfand, vorzuziehen.
„Severus, ich weiß schon von den geänderten Plänen." Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte Minerva Snape an. Sie traute dem Braten nicht, das merkte man ihr an. „Ich weiß, dass du überrascht bist und noch überraschter wirst du jetzt sein, wenn ich dir von meinen Vorahnungen erzähle." Er berichtete kurz, was passieren würde. Minerva ließ sich zunächst nicht überzeugen. „Können diese Augen lügen?", wollte Severus darauf ernsthaft wissen.
„Ja, das können sie zu gut und das hat dir beim dunklen Lord mehr als einmal den Hintern gerettet."
„Okay, das war ein schlechtes Beispiel! Dann achte doch einfach darauf, ob Mr. Wilde und Mr. Sinclair, die sonst unzertrennlich sind, heute in verschiedenen Gruppen arbeiten. Dann weißt du, dass ich nicht falsch liege und kannst rechtzeitig eingreifen", schlug Snape vor.
„Gut, ich werde ein besonderes Auge auf diese Schüler haben", lenkte Minerva ein. Severus nickte erleichtert. Mehr konnte er nicht tun.
Der nächste Punkt seines Tagesablaufs war dem Zauberer persönlich wichtig. Das würde ihm den Beweis für seine Theorien liefern, der ihm noch fehlte und ihn gleichzeitig, so hoffte er wenigstens, bei Hermione in einem guten Licht erscheinen lassen.
Ein letzter Test, ob er auch bereit war, stand noch aus. Severus betrachtete das Wasserglas vor ihm, dessen Inhalt genau der Hälfte entsprach. Ja, diesmal erschien es ihm halbvoll und nicht wie so oft halbleer. Das war ausgezeichnet. In Windeseile schritt der Zaubertranklehrer aus dem Schloss, wobei er darauf achtete, dass er sich auf sein Vorhaben in Bezug auf Hermione konzentrierte. Keine Tür verwehrte ihm den Durchgang und an der Grenze Hogwarts, fügte Severus den Gedanken: ‚Flourish & Blotts, Winkelgasse', hinzu.
Ohne Schwierigkeiten oder Irrwege apparierte er direkt neben dem Buchladen. Er atmete tief aus und ein triumphierendes Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Geht doch!
Ihm blieb nicht viel Zeit, Hermione von sich zu überzeugen. Und womit könnte man Hermione Granger am besten eine Freude machen? Natürlich mit einem Buch. Dass er, da er sowieso schon einmal hier war, auch gleich noch ein paar andere Dinge erledigen würde, stand außer Frage. Allerdings wollte er seine Zeit nicht vergeuden, vielleicht war dieser Tag seine beste Chance.
Während also der Schulleiter sich mit den Schülern herumärgerte, stöberte Severus nach alten und besonderen Büchern, ergänzte seine privaten Vorräte für Zaubertränke und kam zu dem Schluss, dass er seine Garderobe zur Feier des Tages aufstocken könnte. Mit allerlei Päckchen ausgestattet, ging es zurück nach Hogwarts. Eine seiner Neuerwerbungen war ein Buch mit dem Titel: ‚Alte Runen für neue Zaubertränke', ein Werk, das Hermione schon einige Zeit auf ihrer Wunschliste hatte. Dieses Geschenk würde Severus später mit Hilfe einer Schuleule auf den Weg zu seiner Kollegin schicken.
Es schien nicht in seiner Macht zu liegen, beim Mittagsessen neben Hermione zu sitzen, also war wieder einmal Kartoffelbrei mit Quidditch angesagt. Severus fühlte sich in Rolandas Gegenwart heute ziemlich unwohl, auch wenn er sich immer wieder sagte, dass alles nur ein Traum gewesen war.
„Du bist heute ganz zerstreut, Severus", kommentierte Hooch gerade. Als er sie fragend anschaute meinte sie nur: „Es ist eine absolute Premiere, dass du bestätigst, die Gryffindor-Mannschaft habe ihre Taktiken verbessert."
„Du musst mich missverstanden haben."
Severus ärgerte sich über seinen Fauxpas und band wie schon viele Male zuvor schnell und erfolgreich Flitwick in das Gespräch ein, um Rolandas weiterer Aufmerksamkeit zu entgehen. Er beendete seine Mahlzeit so früh es möglich war, ohne Aufsehen zu erregen und begab sich zwecks weiterer Vorbereitungen für den Nachmittag in sein Quartier.
Dank seines besonderen Rufs konnte Severus es sich erlauben, mit geschultertem Besen durch die Flure Hogwarts zu laufen, ohne dass jemand es gewagt hätte, ihn auch nur eine Sekunde länger als üblich anzustarren. Er wollte seine Zeit mit Hermione in der Bibliothek so gut ausnutzen wie es ihm möglich war, ohne auf die Rettungsaktion von Mr. Little zu verzichten. Diese schien ihm zwar nicht Voraussetzung, aber doch eine gute Startposition für sein restliches Tagespensum.
Wie erwartet saß Hermione schon in der gewohnten Ecke der Bücherei und war ganz in ihre Lektüre vertieft. Inzwischen wusste er, dass sie auf Überrumplungen gar nicht gut reagierte, also ließ er sich Zeit, stöberte scheinbar in Büchern, die sich mit eben dem Thema Zeit befassten, um sich dann absichtlich frustriert ganz in ihrer Nähe mit einem der Bücher niederzulassen.
„Kann ich dir helfen?", fragte sie ihn halbherzig, denn bisher hatte er ja auf die meisten ihrer Versuche freundlich zu sein, nicht reagiert.
„Ich bin nicht sicher, ob du das kannst", erwiderte er und legte genug Unsicherheit in seine Stimme, um ihre Aufmerksamkeit dadurch zu erregen. Hermione sah ihren Kollegen fragend an. Severus holte tief Luft, schließlich wollte er diesmal alles richtig machen.
Es galt das Gleichgewicht zwischen Erzählen und Nichterzählen zu finden. Die Wahrheit musste er ihr auf jeden Fall mitteilen, allerdings vielleicht nicht die ganze. Schließlich wusste er aus Erfahrung, dass es selbst für eine wahre Gryffindor nicht gerade schmeichelhaft war, dass sie auf gewisse Weise ein Mittel zum Zweck sein würde. Er hatte diverse Varianten ausprobiert, es blieb ihm nur noch der Schritt nach vorn. Es sei denn, er wählte die Überrumplungstaktik. Kurzentschlossen sagte er: „Ich mag dich!"
Hermione sah ihn mit offenem Mund an. Nach kurzer Stille (so konnte er sie also auch mundtot machen), erwiderte sie: „Ich mag dich auch. Aber das sollte dir doch keine Probleme bereiten."
Sie schwieg und man sah förmlich wie ihr Gehirn bestimmte Erinnerungen und Beobachtungen zusammenfügte, um eine logische Erklärung zu finden.
„Du hast allerdings eine merkwürdige Art es zu zeigen."
So nun kam der schwierigere Teil für ihn. Hoffentlich funktionierte es, den Hippogreifen von hinten aufzuzäumen. „Ich habe ein wenig gebraucht, bis ich dahinter gekommen bin."
Der Schachspieler in ihm war zufrieden. Er hatte einen Bauern als Köder positioniert.
„Ein wenig", schnaubte die Gryffindor und ihre Augenbrauen hoben sich zweifelnd. „Und nun hat sich seine Heiligkeit der Meister der Zaubertränke und Kerker plötzlich entschlossen, dass ich doch seiner Aufmerksamkeit wert bin?"
Severus schluckte. Das verlief gar nicht gut. „Ich kannte dich bisher zu wenig, ich meine abgesehen davon, dass du früher im..." das Wort Unterricht schluckte er rechtzeitig herunter und verstummte. Sollte er nicht inzwischen wissen, was er erwähnen sollte und was nicht. Doch ihre Gegenwart machte ihn unruhig und er konnte nicht klar denken.
„Vielleicht fange ich einfach noch einmal an. Ich habe ein... kleines Problem mit der Zeit. Ich sitze nämlich in einer Zeitschleife fest und erlebe diesen einen Tag wieder und wieder."
Ihr Miene veränderte sich, nun sah sie interessiert aus. Natürlich, ein wissenschaftliches Thema, neutraler Boden!
„Ich habe in meinem dritten Schuljahr..."
„... einen Zeitumkehrer verwendet, um mehr Kurse gleichzeitig besuchen zu können", beendete Severus Hermiones Satz.
„Hat Albus...?"
„Nein, du hast es mir innerhalb der Zeitschleife mehrfach erzählt, genauso wie viele andere Dinge und nein, ich habe keine Legilimens angewendet, um an dieses Wissen zu gelangen", fügte Snape rasch hinzu, um weitere Missverständnisse zu vermeiden.
„Auf diese Weise habe ich, auch wenn du dich nicht daran erinnern kannst, viel Zeit mit dir verbracht und dich immer besser kennen gelernt."
Um sie zu überzeugen erwähnte er ein paar ihrer Lieblingsbücher, zog eine Schachtel mit ihren Lieblingspralinen aus der verborgenen Tasche, nachdem er sich vorher davon überzeugt hatte, dass keiner, besonders Madame Pince nicht, sie beobachtete.
„Ich bin sprachlos", war alles was Hermione hervorbrachte. Doch sie wirkte nicht empört, eher strahlte sie eine Zufriedenheit aus, die er sich nicht erklären konnte.
„Nun, nicht ganz", erwiderte ihr einst so gefürchteter Zaubertranklehrer und lächelte sie an.
„Und du hast dies wirklich alles schon oft erlebt?"
„Mit kleinen Varianten, ja!"
Er fing an, ihr ein wenig von seinem Alltag zu erzählen. Dabei ließ er nicht aus, dass er sie manchmal regelrecht in Rage gebracht hatte, was oft in heftigem Streit geendet hatte.
„Es streitet sich ausgezeichnet mit dir, du argumentierst meistens logisch und wenn nicht, dann ist da auf jeden Fall dieses gewisse Funkeln in deinen Augen. Es macht Spaß dieses Funkeln hervorzurufen", fügte er augenzwinkernd hinzu.
In dem Moment ertönte ein grollender Donner. Für Severus das Signal, sich bereit zu machen. Mist, gerade, wo es anfing, interessant zu werden!
„Hermione, meine Pflicht ruft, wenn du mich..."
„Jetzt fang nicht an, dich zu entschuldigen, sonst muss ich ernsthaft daran zweifeln, ob du wirklich Severus bist, oder ob jemand mir mit Hilfe von Vielsaft-Trank einen Streich spielt."
„Das würde ich nie tun." Er blickte sie ernst an. „Aber ich muss jetzt wirklich gehen. Wir sehen uns später! Eins noch, wenn du darüber nachdenken solltest, ich brauche keine Geschenke, außer vielleicht ein wenig Zeit mit dir."
Severus hatte sich bereits den Besen gegriffen und öffnete das nächste Fenster durch einen Wink mit seinem Zauberstab. Im nächsten Moment saß er auf dem Besen und setzte zu einem Sturzflug an, direkt hinunter zum See, wo Stuart Little sich kaum noch auf dem Besen halten konnte.
Hermione hatte derweil das Fenster schnell wieder geschlossen und griff jetzt nach dem Omniglas, das der Slytherin vorher – wie zufällig – auf dem Tisch platziert hatte. Schließlich wollte sie wissen, was Snape dort tat. Sie lächelte, denn sie hatte nicht erwartet, dass er so viel Einsatz zeigen würde. Als der Blitz ganz in der Nähe einschlug, schlug ihr Herz schneller. Dann sah sie zu ihrer Erleichterung Severus, der den Gryffindor Little im letzten Moment vor einem Absturz gerettet hatte. Er hielt den Jungen nun samt Besen fest, bis sie auf dem Boden vor dem Haupttor landeten. Beide sahen aus, wie zwei nasse Katzen. Dann winkte er zu ihr herauf und signalisierte: Hat gar nicht weh getan. Sie winkte zurück. Es würde wohl noch einige Zeit dauern, bis der Kollege wieder in seinem Urzustand war. Apropos Urzustand. Sie grinste. Wenn sie ehrlich war, gefiel er ihr so, von der Nässe mal abgesehen, ausgezeichnet.
Nachdenklich setzte Hermione sich wieder an den Tisch, doch das Buch, indem sie gelesen hatte, blieb ungeachtet liegen. Sie mochte Severus tatsächlich, hatte ihn wegen seiner Rolle, die er im Krieg gespielt hatte, stets bewundert und seinen Intellekt zu schätzen gewusst. Doch da war noch etwas anderes, etwas das neu war. Ihre Ahnung, dass mehr in ihm steckte, als er preiszugeben bereit war, hatte sich als richtig erwiesen.
Dennoch war sie auf der Hut. Diese Geschichte mit der Zeitschleife klang logisch. Ein Teil von ihr wollte sie schon allein aufgrund seiner Beweise glauben und doch war da etwas, das ihr sagte, dass dies nicht die ganze Wahrheit war. Schließlich hatte sie es mit einem Meister der Täuschung zu tun, der selbst Voldemort überzeugt hatte.
Sie musste allerdings gestehen, dass ihre Neugierde geweckt war und nicht nur diese. Sie griff nach der Schachtel mit den Pralinen, die er ihr mitgebracht hatte.
Vielleicht war dies nur ein Spiel, doch seine Aufmerksamkeit tat ihr gut und dann war da noch dieses sanfte Kribbeln, das sich in ihrer Magengegend ausbreitete.
Sie würde schon noch herausfinden, was er vor ihr verbergen wollte. Eine Herausforderung wie diese war genau das Richtige für eine smarte Gryffindor. Der Abend würde bestimmt sehr unterhaltsam werden. Erst in diesem Augenblick fiel ihr ein, dass sie ihm noch gar nicht zum Geburtstag gratuliert hatte.
Ende des Kapitels
