Tear me apart – Teil 3
Kapitel 3
Gesetzesänderungen
Tief in ihrem Inneren wusste Hermine, dass sie den Vorfall für sich behalten musste. Sie hatte keine andere Wahl, als das zu verschweigen, was Cormac getan hatte, wenn sie Severus nicht unnötig in Aufregung versetzen wollte. Er hatte es schon schwer genug, damit klarzukommen, aufgrund seiner Verletzungen nicht mehr ganz so fit zu sein wie früher. Hinzu kam noch die finanzielle Sorge um Hogwarts und wie es dort auf längere Sicht betrachtet weitergehen würde.
Im Anschluss an McGonagalls Rede sammelte sie all ihre Kraft und verabschiedete sich von ihren Freunden, um an die Seite ihres Mannes zurückzukehren. Dann war es auch schon an der Zeit, zu den Tischen zu gehen und mit dem Dinner zu beginnen.
„Alles in Ordnung?", fragte Severus sanft, nachdem sie an seiner Seite Platz genommen hatte.
Hermine nickte und wagte es kaum, ihm in die Augen zu sehen. Nicht sonderlich überzeugt hob er seine Brauen und betrachtete sie eingehender.
Schnell schüttelte sie den Kopf. „Es geht mir gut, Severus. Ich bin nur erschöpft, das ist alles. Es ist anstrengender, sich mit so vielen Leuten zu unterhalten, als ich es in Erinnerung habe."
Er brummte und griff unter dem Tisch nach ihrer Hand. „Du wirst mir sagen, wenn du dich nicht wohlfühlst, verstanden?"
Sie wusste, dass er es gut meinte, doch er sah sie so eindringlich an, dass Hermine am liebsten in Tränen ausgebrochen wäre. Vollkommen überrumpelt nickte sie. Dann drückte sie seine Hand und sah ihn mit dem letzten Rest ihrer Selbstbeherrschung an.
„Wie gesagt, ich bin nur etwas müde."
Leise vor sich hin grummelnd zog er die Brauen zusammen und machte auch sonst ein finsteres Gesicht, als er den Blick abwendete und durch die Halle schweifen ließ. Dann, ganz plötzlich, blitzten seine Augen auf. „Da hinten sitzt McLaggen."
Hermine erstarrte, traute sich aber nicht, in die angedeutete Richtung zu sehen. Sie wusste, dass Severus die Fähigkeit besaß, die Ausdrücke von Menschen zu analysieren, wie kaum ein anderer.
„Das ist wie ein Schlag ins Gesicht", murmelte er mit zusammengepressten Kiefern. „Ausgerechnet den mussten sie schicken. Ist das zu fassen?"
Wütend schnaubte er vor sich hin und Hermine drückte noch einmal seine Hand. „Bitte reg dich nicht auf, Severus. Er ist ein Idiot! Das war er doch schon immer ..."
„Denkst du, das wüsste ich nicht? Er hat dich geküsst, Hermine. Und das nur, um mir eins auszuwischen, weil ich ihn dafür zum Nachsitzen verdonnert habe, als er sich während der Weihnachtsparty in deinem sechsten Schuljahr auf meinen Schuhen erbrochen hat."
Ihr schien das Blut in den Adern zu gefrieren. Inzwischen hatte Cormac sogar weit mehr als nur einen Kuss zu verantworten, um sich zu rächen...
„Severus, du weißt, dass es unbedeutend war. Du selbst hast gesagt, dass es dich nicht interessiert hat …" Sie stockte. Endlich schien sie zu begreifen, was dahinter steckte. „Du hast gelogen? Ist es das? Warum hast du das getan?"
Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Was denkst du? Es hat mir nicht gefallen, dass er sich an dich rangemacht hat."
„Aber du konntest es nicht zugeben", schloss sie für ihn.
Er seufzte und sah sie an. In seinem Blick war deutlich zu erkennen, dass es ihm unangenehm war, es vor ihr geheimgehalten zu haben. „Du hast recht. Ich konnte es nicht. Und es tut mir leid. Die Umstände damals waren für uns beide nicht leicht, wenn du dich erinnerst."
Innerlich aufgewühlt war sie erneut den Tränen nahe und wendete den Blick ab, damit niemand es sehen konnte. So hatte sie sich den Neubeginn an Hogwarts nicht vorgestellt.
Als dann zu allem Überfluss auch noch die Malfoys neben ihnen Platz nahmen, schien das Chaos perfekt und Hermine nahm sich felsenfest vor, demjenigen die Gurgel umzudrehen, der für die Tischordnung verantwortlich war.
Narcissa mochte zwar eine gewisse Grazie ihr Eigen nennen, dennoch wusste Hermine eine ganze Weile nicht, was sie von ihr halten sollte. Das beunruhigende Gefühl in ihrer Bauchgegend wurde auch nicht dadurch besser, dass die blonde Frau immer wieder versuchte, Hermine in ein Gespräch zu verwickeln. Doch glücklicherweise übernahm Severus die meiste Zeit die Führung und so blieb ihr ein größeres Debakel erspart.
„Ihr solltet uns unbedingt auf Malfoy Manor besuchen, Severus", schlug sie mit funkelnden Augen vor. „Seit die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind, ist das Haus kaum wiederzuerkennen."
Severus nickte knapp, ohne sich darauf einzulassen. Hermine aber schluckte. Auf ihrem Nacken sträubten sich die Härchen. Sie wusste genau, dass Voldemort dort sein Hauptquartier gehabt hatte und es einer der Orte gewesen war, an denen er Severus beinahe zu Tode gefoltert hatte. Und das mehrmals.
„Keine Sorge. Ich kann verstehen, dass Sie sich unwohl dabei fühlen, Miss Granger. Doch auch ich habe unangenehme Erfahrungen hinter mir, das müssen Sie mir glauben. Severus selbst kann es Ihnen bezeugen."
Sie nickte befangen, sagte aber nichts dazu und Narcissa wandte sich wieder an Severus. „Du wirst staunen, mein Lieber. Von den alten Räumlichkeiten ist nicht mehr viel geblieben. Wir haben den Salon vergrößert und eine neue Bar eingerichtet."
Er legte anerkennend den Kopf schief und selbst Hermine fiel es schwer, zu erkennen, ob er es aufrichtig meinte oder es nur tat, damit sie endlich aufgab. „Ich vertraue auf deinen guten Geschmack, Narcissa. Sobald es sich einrichten lässt, werden wir sehen, was wir tun können."
Schon bald hatte Hermine genug davon, dem prahlerischen Gerede zuzuhören. Sie fühlte sich furchtbar überflüssig neben ihren Tischnachbarn. Außerdem hatte sie es satt, von Dumbledore belächelt zu werden, der am anderen Ende des Tisches saß und mit einem unschuldigen Gesicht in die Runde blickte, fast so, als wäre nie etwas geschehen.
Was war nur los mit ihm? Erwartete er etwa, dass ihm alles vergeben wurde, was er Severus angetan hatte? Und wieso konnte Severus dabei nur so ruhig bleiben?
„Nun, Miss Granger", begann Narcissa erneut, „Sie müssen uns unbedingt erzählen, wie Sie es geschafft haben, unseren guten Severus um den Finger zu wickeln. Glauben Sie mir, einige haben es versucht. Doch irgendwie hat er es erfolgreich geschafft, alle abzuwimmeln."
Severus richtete seinen Oberkörper auf und zog dabei bedrohlich die Mundwinkel zurück. „Ich denke, das reicht, Narcissa."
Sie nickte ihm beschwichtigend zu. „Keine Sorge, mein Lieber. Ich bin hier, um die Stimmung etwas aufzulockern. Das heißt, ich habe ganz sicher nicht vor, euch in die Quere zu kommen. Im Gegenteil. Nach der ganzen Aufregung in den letzten Monaten ist es wichtig, die Allianzen neu festzustecken."
Severus rollte mit den Augen. „Ich hatte nichts anderes von eurer Anwesenheit erwartet."
Mr. Malfoy aber schüttelte bedächtig den Kopf. „Immer diese Vorurteile, Severus. Kannst du denn nie damit aufhören?"
Er zuckte wie beiläufig mit den Schultern. „Man lernt dazu, Lucius."
„In der Tat." Er straffte seine Mundwinkel und seufzte theatralisch. „Weißt du, Narcissa und ich waren bereit, eine großzügige Summe für den Erhalt der Schule zu spenden ..."
Severus schnaubte unzufrieden, als er das hörte. „Natürlich habt ihr das. Es ist nicht nötig, es noch einmal zu erwähnen."
„Gut", gab er mit gesenkter Stimme zurück. „Dann weißt du sicher auch, dass diese Maßnahme mir neue Kontakte im Ministerium verschafft hat. Unter anderem könnte dich interessieren, dass es veränderte Bedingungen in Bezug auf die Verwendung der Spendengelder gibt."
Mit erhobener Braue sah er seinen Freund an. „Woher sollte ich davon wissen, Lucius? Wie dir bekannt ist, obliegt mir nicht länger die Leitung der Schule."
Der blonde Mann reckte steif das Kinn in die Höhe. „Vorsicht, Severus. Ich bin nicht dein Feind. Ich bin hier, um dich zu warnen."
Snape kniff die Augen zusammen, entgegnete aber nichts darauf und so fuhr er fort.
„Was ich dir zu sagen habe, obliegt strengster Geheimhaltung. Wenn herauskommt, dass ich den Mund aufgemacht habe, werden sie mir mein Haus unter dem Hintern wegreißen. Also würde ich es zu schätzen wissen, wenn du den Mund hältst. Dasselbe gilt für deine Frau."
Severus legte abschätzig den Kopf schief. „Wenn das so ist, solltest du uns nicht länger auf die Folter spannen, bevor wir noch zu viel Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Sag, was du zu sagen hast, Lucius. Ich versichere dir, dass Hermine vertrauenswürdig ist."
Malfoy nickte. „Schön. Du weißt, was vor gut einem Jahr geschehen ist, als das Ministerium neue Gesetze verabschiedet hat?"
Hermine hielt vor Aufregung den Atem an, während sie dem Gespräch lauschte. Immer wieder hatte sie einen vorsichtigen Blick mit Severus gewechselt. Doch jetzt schien er so sehr damit beschäftigt zu sein, seine ganze Aufmerksamkeit Lucius zu schenken, dass er sie nicht weiter beachtete.
„Als könnte ich das je vergessen", spuckte er ironisch aus.
Lucius nickte. „Das, was damals geschehen ist, war erst der Anfang, mein Freund. Sieh dich vor. Und ich meine es ernst."
„Was hat das zu bedeuten?", fragte Snape mit fest zusammen gepressten Kiefern.
„Das soll heißen, dass es in Kürze Veränderungen geben wird."
Gebannt wartete Hermine darauf, was Lucius damit sagen wollte und es dauerte auch nicht lange, da funkelte er seinen Freund an.
„Das Ministerium plant, die Ehegesetze für ungültig zu erklären und die Ehen notfalls zu annullieren. Außerdem soll überprüft werden, ob es in einzelnen Fällen zu einer Zwangsverehelichung gekommen ist."
Snapes Gesicht wurde bleich und seine Hand, die auf dem Tisch neben Hermines lag, zitterte vor Anspannung. „Aber natürlich ist es das! Dieses Gesetz hätte niemals verabschiedet werden dürfen."
Sie riss ungläubig die Augen auf. „Und was genau haben wir jetzt zu erwarten, Mr. Malfoy?"
Lucius ließ seinen Blick in ihre Richtung gleiten. „Es tut mir leid, Miss Granger. Aber wie es aussieht, scheinen Sie und Severus in Schwierigkeiten zu stecken. Im schlimmsten Fall könnte es zu einer Untersuchung kommen."
„Was?", fragte sie panisch. „Einer Untersuchung? Wozu?"
„Wenn sich herausstellt, dass es während eurer Ehe zu Ungereimtheiten gekommen ist, wird es euch nicht länger erlaubt sein, an Hogwarts zu bleiben. Du könntest deinen Job verlieren, Severus. Und da Miss Granger ihre Ausbildung nicht abgeschlossen hat, weißt du, was das zu bedeuten hat. Was die Ehe angeht, gehe ich nicht davon aus, dass sie euch zwingen werden, sie zu lösen. Das wäre in eurem Fall schlichtweg irrsinnig, denn ihr könntet im Anschluss jederzeit legal heiraten ... Es klingt absurd, aber so ist es nun mal. Leider wird eure Situation nun dadurch erschwert, dass du, Severus, deine Frau an Hogwarts unterrichtet hast. Nach dem neuesten Stand der Dinge ist das ein schweres Vergehen gegen das bereits bestehende Recht, das vom Zaubereiministerium im Zuge der Heiratsgesetze unter den Tisch gekehrt wurde. Ihre Aufhebung jedoch würde alles infrage stellen."
Kaum hatte er ausgesprochen, lehnte Snape sich nach vorn, um seinem Freund direkt ins Gesicht zu blicken. Der Ausdruck in seinen Augen zeugte deutlich von seiner Wut. „Was soll das, Lucius? Bist du hier, um mir irgendwas anzuhängen?"
Hermine spürte, dass sie am ganzen Leib zitterte. Niemand schien sie mehr zu beachten. Selbst Narcissa hatte es aufgegeben, sich mit ihr zu unterhalten. Und Severus – der war wieder mal in seinem Element. Er schien gefangen zwischen unbändiger Wut und bemerkenswerter Selbstbeherrschung. Sie starrte zwischen den beiden Männern umher, die wirkten, als würden sie jeden Moment aufeinander losgehen und wusste nicht was sie sagen oder tun sollte. Irgendwo tief in ihrem Inneren aber hoffte sie darauf, dass alles nur ein übler Scherz war. Doch der Spuk ging weiter.
Malfoy hob beschwichtigend seine verbliebene Hand in die Höhe. „Ich bin nur der Überbringer der Botschaft, Severus. Einer bis jetzt streng geheimen Botschaft, wenn du verstehst." Er machte ein für seine Verhältnisse besorgtes Gesicht und Hermine hatte zum ersten Mal überhaupt das Gefühl, dass es ihm ernst war. „Du weißt, ich stehe mehrfach in deiner Schuld. Und daher sehe ich es als meine Pflicht an, dich zu warnen. Mehr kann ich nicht tun. Doch lass dir noch eins gesagt sein, Severus. Wenn der schlimmste Fall eintreten sollte, wenn sie dich beispielsweise verdächtigen, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, noch bevor ihr vermählt wurdet, könnten sie dich einsperren. Es ist kein Geheimnis, dass Gerüchte kursieren. Es gibt Zweifler, die mit aller Macht belegen wollen, dass ihr euch schon länger nahe gewesen seid."
„Was?", stieß Hermine ungläubig aus. „Das ist absurd!"
Sie konnte spüren, dass Severus Mühe hatte, auf seinem Platz zu bleiben. Sein ganzer Körper bebte vor Anspannung und sogar auf Narcissas Gesicht tauchten Sorgenfalten auf. Malfoy aber fuhr fort.
„Ich hoffe sehr, dass sie nichts finden werden, was diese Theorien untermauert und Miss Granger tatsächlich so ein Wunderkind ist, wie alle Welt immer behauptet hat, denn jeder Hinweis auf gefälschte Testergebnisse oder Noten wäre fatal für euch."
Einer Ohnmacht nahe ließ Hermine auf sich einwirken, was das alles zu bedeuten hatte. Im besten Fall könnte Severus seine Stellung verlieren und sie würden mehr oder weniger auf der Straße sitzen, wenn man Spinner's End unberücksichtigt ließ. Weitaus schockierender aber war die Vorstellung, dass er nach Askaban gehen könnte. Und das alles nur, weil er versucht hatte, sie durch diese Heirat vor Voldemort und seinem Gefolge zu retten.
Während sie sich hilflos umsah, erhaschte sie einen Blick auf zwei Männer. Der eine war jung und trug ein arrogantes Grinsen vor sich her. Der andere war alt und hatte einen langen Bart.
Sie konnte sich nicht helfen, aber irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass wenigstens einer der beiden seine Finger im Spiel hatte. Näheres würde sie wohl erst herausfinden müssen.
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„Das ist unglaublich!"
„Schhhh, Severus. Du weckst noch Sean auf."
Er grunzte und ließ sich schwerfällig auf das Bett fallen, um sich die Schuhe auszuziehen. Hermine drückte die Tür zum Schlafzimmer zu und setzte sich neben ihn.
„Vielleicht sollten wir erst einmal darüber schlafen und sehen, was an der Sache dran ist", bemerkte sie nachdenklich.
Er sah sie an und die tiefe Furche zwischen seinen Brauen kam zum Vorschein. „Ich glaube nicht, dass er uns was vorgemacht hat, Hermine."
Sie nickte. „Das habe ich befürchtet. Er klang sehr ernst, außerdem seid ihr Freunde, nicht wahr? Es ergibt nicht viel Sinn, dass er dir nur etwas anhängen will, wenn man bedenkt, was du für ihn getan hast."
Snape schnaubte unbeeindruckt und schob sich mit den Händen durch die Haare. „Ich weiß nicht, was wir wirklich sind, es ist schwer zu erklären. Aber das würde er nicht tun."
„Dachte ich mir." Sie letzte ein zaghaftes Lächeln auf und drückte ihn vorsichtig auf das Bett nieder. „Lass uns etwas anderes tun, Severus, damit wir diese trüben Gedanken vergessen können. Ich habe genug davon."
Er legte fragend seine Stirn in Falten.
„Bitte. Du weißt, was ich meine. Morgen sehen wir weiter. Aber jetzt brauche ich dich."
Er schluckte. „Hermine, du weißt, was die Ärzte sagen. Es ist noch zu früh ..."
Sie legte den Kopf schief. „Das ist mir gleich. Die Geburt ist vorbei, ich fühle mich gut und ich will dich, Severus."
„Hermine ..."
„Nein. Das ist mein Körper und ich entscheide, was gut für mich ist und was nicht."
Er legte seufzend die Arme um sie und zog sie zu sich. „Du warst schon immer sehr energisch, wenn es darum ging, dir das zu holen, was du wolltest."
„Allerdings. Und das wird auch so bleiben."
Snape schüttelte ungläubig den Kopf. „Immer noch so stur ..." Doch Hermine warf ihm einen bitterbösen Blick zu und er überlegte es sich anders. „Hör zu, Hermine. Ich möchte damit nicht sagen, dass ich dich nicht will. Aber wenigstens einmal solltest du auf mich hören und auf das was die Ärzte empfehlen."
Hermine aber hatte alles andere im Sinn, als ihm zuzuhören. Ihre Finger fummelten bereits unablässig an den Knöpfen auf seiner Brust herum, bis er ihre Hand nahm und sie festhielt.
„Würdest du bitte damit aufhören?"
Sie konnte sehen, dass es ihm ernst war und die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Was ist los mit dir, Severus?"
„Genau das wollte ich dir ja erklären. Aber du hörst mir wieder mal nicht zu."
Erschüttert über seinen scharfen Ton runzelte sie die Stirn. „Ich dachte, du willst mich auch ..."
„Natürlich tue ich das. Aber wir können nicht riskieren, das zu früh zu tun."
Sie rollte mit den Augen. „Wir werden vorsichtig sein, Severus. Ich vertraue dir."
„Ach ja?" Kaum merklich schüttelte er den Kopf.
„Ja."
Nur ungern ließ er sich von ihr zu Dingen überreden, bei denen er ein ungutes Gefühl hatte. Doch nachdem ihre körperliche Beziehung seit der Geburt von Sean eindeutig zu kurz gekommen war, konnte er nicht länger vorgeben, dass es ihm nicht ebenfalls fehlte, mit ihr zu schlafen.
Er seufzte tief und langgezogen. „Du hast noch dein Kleid an."
Sie blinzelte aufreizend, als schien ihr bewusst zu werden, dass sie gewonnen hatte. „Ich weiß."
Seine schwarzen Augen blitzten auf und schon begann er damit, sie auszuziehen.
Hermine schauderte. Die Blicke, die er offenbarte, als er ihr mit den Fingern die Hüllen abstreifte, waren eindeutig. Noch vor einem Jahr hätte sie sich einen Vogel gezeigt, wenn sie geahnt hätte, dass sie eines Tages mit ihm im Bett landen würde.
Er rollte sie herum, sodass sie unter ihm lag. Seine Hände strichen in langen Bahnen über ihren Körper und Hermine konnte unmissverständlich seine Erregung spüren, die gegen ihren Unterleib drückte.
Gott! Wie sehr sie ihn wollte.
So hatte es angefangen. Nicht besonders romantisch, auch nicht gerade im gegenseitigen Einverständnis. Und doch hatte sie von Anfang an der Sex verbunden.
Snape fummelte ungeduldig an seinem Gürtel herum und befreite seinen Penis aus der Hose.
„Du weißt, dass ich dich liebe", sagte Hermine sanft und schob ihm die langen Strähnen aus dem Gesicht, um ihn besser betrachten zu können. Erst jetzt wurde ihre Vorfreude von einer ihr altbekannten Ungewissheit getrübt. Sie wusste noch genau, wie es damals gewesen war, als er das erste Mal mit ihr geschlafen hatte. Und so ähnlich fühlte es sich jetzt an. Doch selbst das hielt sie nicht davon ab, sich das zu holen, was sie wollte.
Er nahm seine Hand und legte sie auf ihre Wange. „Ich weiß. Und ich werde nicht zulassen, dass sie uns alles wegnehmen."
Sie spürte, wie er mit den Fingern über ihre Brüste fuhr, bis hinab zu ihrer Körpermitte und dann vorsichtig in sie eindrang.
Ein kurzer Schmerz durchzuckte die empfindlichen Stellen und so langsam wurde ihr bewusst, dass sie sich wieder einmal auf etwas einließ, das sie am liebsten umgangen hätte.
Seine Finger tasteten sich weiter vor und Hermine biss sich auf die Lippe. Sie konnte sehen, dass er mit sich kämpfte, die ganze Sache unverrichteter Dinge abzublasen. Aber sie wusste auch, dass er nur schwer davon abzubringen war, wenn er erst einmal soweit gegangen war.
Während er sie streichelte und mit den Fingerspitzen ihre Körpersäfte um ihre Klitoris rieb, schloss Hermine die Augen. Es würde eine Weile dauern, bis sie sich wieder daran gewöhnen könnte, wilden und ungestümen Sex zu haben.
Severus hielt inne, beugte sich über sie und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen.
Sie schmeckte förmlich, dass er innerlich danach brannte, es mit ihr zu tun. Und das würde sie auch.
Entschlossen öffnete sie die Augen und sah ihn an. „Ich will dich, Severus", flüsterte sie leise.
Er holte scharf Luft und überlegte offenbar, ob er dagegen protestieren sollte, doch Hermine legte ihm ihren Finger auf den Mund. „Bitte."
Ohne ein weiteres Wort platzierte er sich auf ihr, griff zwischen ihre Beine und drang in sie ein.
Sie stöhnte auf und Bilder aus ihrer Vergangenheit schossen ihr ins Bewusstsein.
Es tat weh, ja. Aber sie wollte ihn. Und sie würde alles tun, um ihn tief und innig bei sich zu spüren.
Genauso gut wusste sie, dass er ihr alles geben würde, ganz so, wie er es immer getan hatte, denn sie waren von Anfang an dazu bestimmt gewesen, sich einander hinzugeben.
