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Ok, nachdem mich so viele Fragen von euch erreicht haben, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, um darauf zu antworten. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, dass das nicht leicht für mich ist, doch ich werde mich bemühen, es verständlich auszudrücken.
Ich weiß, es ist grausam, wenn ich in einer Geschichte gewisse Dinge geschehen lasse. Aber auch das gehört für mich zum Leben. Es ist ein Teil meiner Vergangenheitsbewältigung, mich mit dem Thema Gewalt auseinanderzusetzen. Nicht umsonst schreibe ich mir das Zeug von der Seele.
Zuerst will man es nicht wahrhaben. Man kann es nicht begreifen und sucht verzweifelt einen Fehler bei sich selbst.
Irgendwann, wenn man dann endlich den Mund aufmacht, muss man feststellen, dass einem keiner zuhört (damit will ich eigentlich nur sagen, dass sich viele Menschen vor der Wahrheit verschließen oder sich etwas vormachen, soweit ich das erlebt habe).
Langsam fängst du dann an, die ganze Welt infrage zu stellen. Es liegt mir fern, zu behaupten, dass ich erfahrener bin. Ich bin nur anders. Viele können sich nicht vorstellen, wie es ist, so etwas erlebt zu haben.
Wenn ihr wollt, nennt mich selbstsüchtig und egoistisch – aber es hat Jahre gedauert, bis ich den Mut aufbringen konnte, meine ersten Storys online zu stellen. Ich möchte einfach nur schreiben und am liebsten den Mund nie wieder aufmachen, weil ich mich mit der Stille vertraut gemacht habe, die mich umgibt. Daher versuche ich, mich in meinen Geschichten und Gedichten auszudrücken.
Für mich läuft das so ab: solange ich an der Tastatur sitze, bin ich ich selbst. In der wahren Welt aber setze ich ein Lächeln auf, weil es von mir erwartet wird … Versteht mich bitte nicht falsch. Ich kann lächeln. Meist geschieht es aber nur, wenn ich es muss; meine sozialen Fähigkeiten schätze ich dabei unter der Norm ein. Deshalb kommt mir Snape für meine Storys zugute. In seiner „Gesellschaft" fühle ich mich wohl, vielleicht sogar irgendwie zuhause, so paradox das auch klingen mag.
Ob ich damit zufrieden bin? Nein. Ich werde es wahrscheinlich auch nie sein.
Mehr kann ich im Augenblick nicht dazu sagen.
houseghost
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Tear me apart – Teil 3
Kapitel 4
Das Wort mit L
Obwohl Hermine in den Armen ihres Mannes lag, konnte sie nicht einschlafen. Zu viel ging ihr durch den Kopf. Zuerst Cormac, dann die haarsträubenden Informationen von Lucius Malfoy.
Unablässig kaute sie mit den Zähnen auf ihrer Lippe herum und versuchte das sanfte Schnarchen neben sich auszublenden.
Irgendwann, als sie einsehen musste, dass es keinen Sinn hatte, weiter auf das Wunder des Sandmanns zu warten, stand sie vorsichtig auf, um Severus ja nicht zu wecken.
Auf Zehenspitzen schlich sie in Seans Zimmer hinüber und setzte sich mit gekreuzten Beinen vor seinem Bettchen auf den Boden. Genauso wie Severus schien er ihre Anwesenheit nicht zu bemerken und schlief seelenruhig weiter.
Erst nach einer Weile regte er sich. Und dann ging es schnell. Hermine wusste, dass er sehr energisch sein konnte, wenn er die Brust haben wollte und so nahm sie ihn aus dem Bett und gab ihm wonach er verlangte.
Insgeheim war sie froh über seine Gesellschaft und hielt zärtlich seine kleine Hand, während er genüsslich vor sich hinschmatzte.
Was in ihr vorging war unbeschreiblich. Nicht einmal ansatzweise schien sie zu begreifen, was sie dabei empfand. Schon was sie mit Severus hatte, war innig und eindringlich, dass es kaum tiefer möglich sein konnte. Als sie aber das Kind in ihren Armen hielt und sein Gesicht und die schön geschwungenen Lippen betrachtete, kamen ihr vor lauter Gefühlsduselei die Tränen.
Nachdem Sean sich satt gegessen hatte und an ihrer Schulter eingeschlafen war, legte sie ihn zurück in sein Bett. Die Tränen auf ihrem Gesicht waren inzwischen getrocknet. Hermine aber kam noch immer nicht zur Ruhe.
Leise schlich sie aus Seans Zimmer und wickelte sich in ihren Morgenmantel. Dann warf sie einen letzten Blick auf Severus und verließ das gemeinsame Quartier in den Kerkern.
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„Du musst mir helfen", sagte Hermine beharrlich und sank dabei erschöpft auf das Sofa im Gemeinschaftsraum der Gryffindors nieder.
„Aber wie soll ich das tun, Hermine? Wir wissen ja noch nicht einmal, ob das stimmt, was Malfoy gesagt hat."
Sie nickte abwesend. „Ich weiß, Harry. Aber du bist mein bester Freund. Soll ich einfach tatenlos dabei zusehen, wie das Ministerium mein Leben zerstört?"
„Es wäre nicht das erste Mal", bemerkte er finster. Doch Hermine ging nicht darauf ein.
„Wenn das stimmt, was Lucius gesagt hat - wenn sie uns irgendwas anhängen wollen - könnte Severus für etwas in Askaban landen, was er nie getan hat. Hat er denn nicht schon genug gelitten?"
Er schüttelte den Kopf. „So weit wird es nicht kommen, Hermine."
„Genau deshalb muss ich wissen, was das zu bedeuten hat. Nebenbei gesagt denke ich nicht, dass Dracos Vater so viel riskieren würde, um sich einen schlechten Scherz zu erlauben. Immerhin ist er mit Severus befreundet."
„Befreundet", schnaubte Harry abwertend und rückte seine Brille zurecht. „Er ist ein Malfoy, Hermine. Und wann hatten wir jemals Grund, auch nur einem von ihnen zu trauen?"
Sichtlich skeptisch zerwuschelte er sich mit den Händen das Haar und setzte sich zu ihr.
„Aber hier geht es um Severus."
Noch immer schien er nicht überzeugt zu sein. „Warum sollten die Malfoys das tun?"
„Weil sie Severus was schuldig sind. Er hat ihnen geholfen und ihnen in seinem Haus Zuflucht geboten."
Er runzelte nachdenklich die Stirn. „Du glaubst also, dass Dracos Vater vertrauenswürdig ist?"
Hermine nickte betrübt. Sie hoffte es. Doch wenn herauskommen sollte, dass sie Harry davon erzählt hatte, wäre Severus in ernsthaften Schwierigkeiten.
„Du darfst es niemandem sagen, Harry", bat sie eindringlich. „Versprich es."
Er nickte. „In Ordnung. Ich verspreche es."
Sichtlich erleichtert sackte sie in die Sofakissen hinein. „Danke."
Harry tat es ihr gleich, als er antwortete. „Schon gut, Mione. Ich werde Augen und Ohren offen halten und sehen, was dahintersteckt."
Sie seufzte. „Vor allem, wer dahintersteckt."
Überrascht blinzelte er sie an. „Wie meinst du das?"
Hermine fröstelte und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich hab Dumbledore auf dem Fest gesehen. Natürlich hat er sich wie üblich nichts anmerken lassen, aber trotzdem hatte ich ein komisches Gefühl dabei."
Sein Blick verfinsterte sich schlagartig. „Verstehe."
„Weißt du, er ist es nicht allein, was mir Sorgen macht, Harry. Als McGonagall ihre Rede gehalten hat, hatte ich eine sehr unliebsame Begegnung mit Cormac."
„McLaggen?"
Sie nickte verbissen und er ballte unbewusst die Hände zu Fäusten. „Was hat er getan?"
Hermine schauderte. „Das ist eine längere Geschichte."
Er zog skeptisch die Brauen zusammen. „Was denn, hat er etwa wieder versucht, dich zu küssen?"
Sie schüttelte den Kopf. „Diesmal steckt mehr dahinter. Wie es aussieht, will er sich für den Vorfall auf der Weihnachtsparty rächen. Bei Severus. Und bei mir auch."
Harry schien ein Licht aufzugehen. „Weil Sna-Severus ihn zum Nachsitzen verdonnert hat, nachdem er ihm auf die Schuhe gekotzt hat, richtig?"
Sie nickte. „Ja. Und weil ich ihm keinen Kuss geben wollte."
Er seufzte. „Das sieht ihm ähnlich. Ich weiß noch zu gut, wie er versucht hat, Ron einzuschüchtern."
„Was ich ihm gehörig vermasselt habe", bemerkte Hermine wie beiläufig.
Er lachte. „Ja, das hast du."
Es wurde still zwischen ihnen, bis Hermine Harry plötzlich um den Hals fiel. „Danke, dass du mir zugehört hast. Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe. Ich hoffe, Ginny ist nicht sauer deswegen."
Ein breites Grinsen tauchte auf seinem Gesicht auf. „Nie im Leben. Sie ist die Schwester ihres Bruders und schläft wie ein Stein."
Hermine wippte nachdenklich mit dem Kopf. „Die Sonne geht langsam auf und ich habe das Gefühl, dass Sean bald wieder gefüttert werden muss. Besteht die Möglichkeit, dass wir uns später noch sehen?"
„Ich denke schon."
„Wie lange wollt ihr denn im Schloss bleiben?"
„Nur bis nach dem Frühstück. Dann werden wir zusammen zum Fuchsbau abreisen und ihr habt das Schloss wieder so gut wie für euch allein, bis die Schüler eintreffen."
Hermine schnaubte. „Hätte ich gewusst, dass wir heute vor ähnlichen Problemen stehen wie vor einem Jahr, glaube ich nicht, dass ich das überstanden hätte."
Er warf ihr einen aufmunternden Blick zu. „Doch das hättest du. Glaub mir, Hermine. Im Grunde deines Herzens wusstest du immer was zu tun ist, weil du immer wusstest, was du wolltest."
„Ja, Harry. Aber der Name Snape stand dabei nicht auf meiner Liste."
„Das nicht. Doch das Wort mit dem L habe ich ganz oben gesehen."
„Du redest von der Liebe?"
Harry lächelte zaghaft. „Du warst uns immer voraus, Hermine. Du hast vor allen anderen gemerkt, dass mehr hinter Snape steckte, als wir ahnen konnten. Vor allem aber bist du eine großartige Freundin und eine wunderbare Mutter. Er kann sich glücklich schätzen."
Sie seufzte und machte sich auf den Weg zum Portraitloch. „Das hoffe ich. Danke Harry. Für alles."
