Tear me apart – Teil 3
Kapitel 6
Die Unterredung
„Ich werde das Gefühl nicht los, dass das ganze Schloss weiß, was du im Schilde führst, wenn du hier auftauchst. Und es behagt mir nicht, Hermine."
„Das glaube ich nicht. Ich würde eher sagen, es gefällt dir. Außerdem, woher sollte jemand anders wissen, was ich vorhabe?"
„Ich weiß es."
„Das ist etwas anderes."
Snape warf ihr einen mahnenden Blick zu, ohne näher auf sie einzugehen.
„Wo ist eigentlich Sean?"
„Mach dir keine Sorgen, es geht ihm gut. Poppy hat mich gebeten, ihn bei ihr zu lassen."
Seine Brauen rutschten in die Höhe. „Schon wieder? Ist das nicht etwas sehr Verdächtig?"
Hermine zuckte wie beiläufig mit den Schultern. „Im Krankenflügel ist nichts los und sie langweilte sich so, da dachte ich, das wäre die Gelegenheit, dich bei der Arbeit zu besuchen." Ein schelmisches Grinsen legte sich über ihr Gesicht. „Vielleicht kann ich dir ja helfen ..."
Snape schwebte ohne ein Wort zur Tür und drückte sie zu. Dann lehnte er sich mit dem Rücken dagegen und sah sie eindringlich an.
„Ist dir schon mal in den Sinn gekommen, dass wir vorsichtiger sein sollten?"
Sie blinzelte mit gespielter Unschuld. „Sag bloß, du hast mich nicht vermisst."
Ein Schnauben entfuhr ihm. „Darum geht es nicht. Die Abmachung mit Poppy beschränkte sich darauf, dass du die Zeit nutzt, um in deine Bücher zu sehen und nicht darauf, dass du deinen Professor verführst."
„Aber sie wollte uns damit einen Gefallen tun. Und wie könnte ich ihr das abschlagen? Sie ist total vernarrt in Sean und meinte, wir beide verbringen ohnehin viel zu wenig Zeit miteinander."
„Dann habe ich ihr das also zu verdanken", knurrte er trocken. „Man könnte glatt meinen, sie legt es darauf an, dass wir es hier miteinander treiben."
Hermine rollte mit den Augen, entgegnete aber nichts darauf.
„Mein ganzes Leben lang war ich auf mich allein gestellt. Jetzt wollen mir plötzlich alle helfen. Aber ich habe es langsam satt, auf andere angewiesen zu sein. Siehst du denn nicht, dass ich mehr und mehr zum Gespött der Leute werde?"
„Glaube mir, ich weiß, wie du dich fühlst. Ich stecke da genauso mit drin wie du, schließlich habe ich unbeabsichtigt ein Kind von dir bekommen."
„Nachdem du mich belogen hast", bemerkte er wie beiläufig.
„Wie auch immer. Ich für meinen Teil sehe keinen Grund, die Menschen, denen wir etwas bedeuten, dafür zu verurteilen, für uns da zu sein. Auch dann, wenn es in Zeiten wie diesen nur schwer vorstellbar ist, haben wir Freunde, Severus."
Sie schloss kurzerhand die Distanz zwischen ihnen und schmiegte sich an ihn. Dann sah sie innig zu ihm auf.
„Ich brauche dich. Und ich will dich."
Ohne auf eine Antwort zu warten, nahm Hermine ihre Hand und griff nach den Knöpfen auf seiner Brust. Dann streckte sie sich zu ihm empor und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. „Ich habe Sehnsucht nach dir, Severus Snape. So wie früher."
Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern gewesen. Doch offenbar genügte es, um ihn weich werden zu lassen. Seine Mundwinkel zuckten und Hermine wusste, wie sehr er mit sich kämpfte.
„Lass es uns einfach tun."
Wortlos legte er seine Hände um ihre Hüften und zog sie mit einem Ruck an sich.
Hermine schauderte. Sie wusste, dass er nur danach lechzte, sie hier und jetzt zu nehmen, denn seit Seans Geburt waren die Zeiten der körperlichen Nähe zwischen ihnen rar geworden.
Seine Lippen prallten hart auf ihre, seine Zunge fuhr in ihren Mund. Ohne länger zu zögern drückte er seinen Körper an sie und sofort spürte sie die Härte seines Unterleibs, der sich innig und fordernd gegen sie presste. Von schierer Lust ergriffen stöhnte sie auf und vergrub ihre Finger in seinen langen Haaren. Es war ein wirres Spiel zwischen ihnen, das sie unzählige Male durchgemacht hatten. Dennoch war jede Begegnung zwischen ihnen aufregend und neu.
Severus hob sie hoch und Hermine klammerte ihre Beine um seinen Leib. Dann ließ sie sich von ihm zu seinem Tisch tragen. Dort angekommen setzte er sie darauf ab und fingerte ungeduldig an seinem Gürtel herum.
„Ich habe das vermisst", hauchte sie leise in sein Ohr, während sie gebannt beobachtete, wie sich sein Brustkorb immer schneller hob und senkte. „Nimm mich, Severus."
Seine schwarzen Augen blitzten auf und sie registrierte erwartungsvoll, wie er ihren Rock hochschob und dabei vor Verlangen aufstöhnte. Dann drückte er sie mit der flachen Hand auf die Tischplatte nieder, positionierte sich vor ihr und drang mit voller Wucht in sie ein.
Hermine biss sich hart auf die Lippe. Dass er so ungestüm sein würde, hatte sie nicht erwartet. Doch es war ihr gleich. Ihr Körper sehnte sich danach, mit ihm vereint zu sein. Sie wollte nichts als ihn spüren und würde alles tun, um ihn zu bekommen.
„Du weißt, dass sie uns rauswerfen werden, wenn sie uns erwischen", raspelte er zwischen seinen Stößen hervor. Doch der Blick in seinen Augen spiegelte eine undefinierbare Mischung aus Leidenschaft und Verlangen wider und Hermine wurde einmal mehr Zeuge seiner unstillbaren Lust, die sie in ihm geweckt hatte. Er begehrte sie so sehr, dass er dafür jede Vorsicht zu vergessen schien.
Sie antwortete nicht und vergrub ihre Finger in seinen Haaren, um ihn noch enger an sich zu ziehen. Alleine die Tatsache, in diesem Moment mit ihm vereint zu sein, machte ihr wieder bewusst, wie sehr sie füreinander geschaffen waren. Sie war bereit, mit ihm zu experimentieren und er gab ihr, wonach sie verlangte. So war es schon immer zwischen ihnen gewesen.
Snape kam schnell und ohne Vorwarnung, was nur ein weiteres Zeichen für das Verlangen in ihm war. Hermine hörte sein tiefes Stöhnen und schauderte. Wie sehr sie das vermisst hatte, konnte sie sich selbst nicht erklären. Dann lag er schwer atmend auf ihr und genoss es, wie sie in langen Bahnen sein Haar durchforstete.
„Ich weiß, ich hätte auf dich warten sollen", erklärte er mit rauer Stimme.
Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände und brachte ihn dazu, sie anzusehen.
„Nein, Severus. Ich wollte dich einfach nur spüren. So wie damals, als wir dabei waren, uns kennen zu lernen. Es war aufregend, weißt du? Und das hat mir gefehlt."
Er schluckte und sah sie mit fragenden Augen an. „Du hast dir schon immer geholt was du wolltest, nicht wahr?"
„Ich wollte dich. Und ich würde es jederzeit wieder tun. Vielleicht nicht ganz so unkonventionell. Aber immerhin würde ich es versuchen."
„Das dachte ich mir", sagte er matt und legte den Kopf zurück zwischen ihre Brüste „Wieso hättest du sonst auch ohne Unterwäsche herumlaufen sollen."
Hermine grinste wortlos in sich hinein. Dann wurde es für geraume Zeit still zwischen ihnen und sie genoss einfach nur das Zusammensein mit ihm. Erst nachdem sich seine Atmung langsam beruhigt hatte, richtete er sich auf und zog seinen erschlafften Penis heraus. Sie wollte schon protestieren, doch er wendete sich so abrupt ab, dass sie es sich anders überlegte. Auch dann, wenn sie ihn am liebsten für den Rest des Tages für sich allein gehabt hätte, musste sie einsehen, dass das nicht möglich war. Enttäuscht setzte sie sich auf und beobachtete, wie er seine Hose zumachte und seine Kleidung in Ordnung brachte. Insgeheim hatte sie den Augenblick, in dem er sich von ihr loslöste, noch nie gemocht.
„Wir sollten das öfter tun", sagte sie sanft.
Snape antwortete nicht. Der Ausdruck auf seinem Gesicht blieb hart und reglos. Er sprach kein Wort und sie begriff unbewusst, dass irgendetwas nicht stimmte.
„Was ist los?", fragte sie irritiert.
Er riss schlagartig den Kopf hoch und starrte sie mit glühenden Augen an. „Ich kann nicht glauben, dass ich das getan habe. Immer wieder lasse ich mich von dir dazu hinreißen. Und das in unserer Lage. Ist dir nicht bewusst, dass wir alles verlieren könnten?"
Sie blinzelte ihn ungläubig an. „Aber das sind wir, Severus. Wir waren schon immer so."
„Vielleicht. Doch wir sollten endlich damit aufhören."
„Was?"
Seine Mundwinkel schnellten bedrohlich zurück und Hermine sah, wie ernst es ihm war.
„Wo wollen wir leben, wenn sie uns eines Tages erwischen? Von was wollen wir leben? Dass Minerva bisher so nachlässig mit uns war, obwohl sie weiß, dass wir zusammen nur Ärger machen, ist ein großes Glück."
„Worauf willst du hinaus?", fragte sie überrumpelt und fummelte ungeduldig mit den Fingern an ihrer Kleidung herum, bis sie wieder halbwegs unbefleckt aussah.
Sichtlich verärgert fing er an, in langen Schritten den Raum zu durchqueren, während sie beobachtete wie sich seine Robe hinter ihm aufbauschte. Es behagte ihr nicht, ihn so aufgebracht zu sehen, vor allem nicht, weil sie nicht wusste, was sie damit anfangen sollte.
„Ich will dir damit sagen, dass sie uns noch eine Chance gegeben hat. Wir sollten sie nutzen, anstatt alles aufs Spiel zu setzen."
„Aber Severus ..."
„Nein, Hermine. Wenn du nicht willst, dass wir irgendwann mit Sean auf der Straße stehen, solltest du endlich lernen, Verantwortung zu übernehmen. Hör auf, mich herauszufordern. Hör auf, deine Ausbildung zu gefährden. Und wenn du Poppy siehst, sag ihr schöne Grüße von mir. Wenn sie uns das nächste Mal dazu verleiten will, mitten am Tag miteinander Sex zu haben, soll sie sich zuerst mit den Konsequenzen auseinander setzen, bevor sie so leichtsinnig ist, dich dazu zu ermutigen."
„Du kannst ihr nicht die Schuld daran geben", sagte sie entsetzt. „Sie wollte mir einen Gefallen tun, damit ich bei dir sein kann. Nur wir zwei allein. Verstehst du das nicht, Severus? Ich habe dich vermisst."
Er hielt inne und zog die Brauen fest zusammen. Hermine aber starrte vollkommen aufgelöst auf die dunkle Falte, die sich zwischen seinen Augen hervorgetan hatte und wollte nicht wahrhaben, dass er sich deshalb so aufregte.
„Das mag ja sein", sagte er und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. „Aber es geht nicht."
Ungläubig schüttelte sie den Kopf. „Du willst nicht. Das ist der Grund."
Blitzschnell machte er einen Satz auf sie zu und nahm sie bei den Schultern. „Denkst du das wirklich? Du weißt genau was du in mir geweckt hast, Hermine. Bevor du in mein Leben kamst, war ich einsam. Du hast mir gezeigt, dass es anders sein kann. Doch jetzt sind wir nicht mehr nur zu zweit. Wir haben einen Sohn und müssen Verantwortung für ihn übernehmen. Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen."
„Müssen wir denn deshalb gleich enthaltsam leben?", fragte sie genervt von dieser Unterhaltung.
„Enthaltsam? Das nennst du enthaltsam? Ich habe dich auf dem Tisch in meinem Klassenzimmer flachgelegt, Hermine. Jeden Augenblick hätte ein Schüler hereinkommen können."
„Du selbst hast mir einmal beigebracht, die Türen immer abzuschließen", gab sie mit den Achseln zuckend zurück, als wäre nichts geschehen. In Wahrheit aber wollte sie sich nur nicht eingestehen, wie ernst die Lage war. Selbst seine stechenden schwarzen Augen hatten nicht mehr die Wirkung auf sie, die sie einst erzielen konnten.
„Wie stellst du dir unser Sexleben dann zukünftig vor? Sollen wir etwa einen wöchentlichen Termin vereinbaren? Und was, wenn Sean auf der Matte steht? Willst du dann alles verschieben?"
Er rollte übertrieben mit den Augen. „Natürlich nicht."
„Was dann? Gerade war alles so wunderbar, Severus. Und auf einmal drehst du plötzlich durch."
„Das habe ich jetzt nicht gehört", zischte er scharf.
Hermine seufzte, legte ihre Arme um seine Hüften und lehnte den Kopf an seine Brust.
„Ich verstehe das nicht. Von Anfang an hatten wir Sex. Es war gut so, sonst wären wir uns vielleicht nie näher gekommen. Genau darum wollte ich es, Severus. Ich wollte dich kennenlernen. Mit all deinen Facetten und Fehlern. Das muss ja nicht gleich heißen, dass andere Paare genauso sind. Aber bei uns hat es funktioniert. Wir sind eben so."
„Das ändert nichts an der Tatsache, dass ich mich nicht immer wieder von dir dazu hinreißen lassen darf. Ich darf mich nicht so gehen lassen."
„Und was willst du mir damit beweisen? Dein ganzes Leben hast du dich im Zaum gehalten, Severus. Es wird Zeit, dass du endlich anfängst, es zu genießen."
Er schnaubte. Hermine aber blinzelte unbeeindruckt zu ihm hinauf.
„Bitte denk darüber nach, bevor du wieder anfängst, dich vor mir zu verschließen."
„Ich bin nicht mehr der, der ich einmal war, Hermine", sagte er mit gesenkter Stimme. Dann legte er die Arme um sie und sah sie durchdringend an. „Das letzte Jahr hätte mich fast das Leben gekostet."
Sie lächelte sanft zu ihm hinauf. „Das weiß ich."
„Dann solltest du verstehen, dass wir uns vorsehen müssen. Wenn wir Hogwarts verlassen müssen, sehe ich keine Perspektive für uns. Keine, verstehst du das?"
„Darum geht es also", stellte sie fest. „Es hat nicht nur mit uns zu tun, nicht wahr? Es geht auch darum, was Lucius gesagt hat."
Er nickte abwesend. „Ja."
„Ich habe mir ebenfalls Gedanken darüber gemacht, ob du es glaubst oder nicht. Und ich dachte, dass vielleicht Cormac dahintersteckt. Du selbst hast gesagt, dass er sich rächen wollte."
„Ich hätte ihn damals schon aufschlitzen sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte."
„Severus, sag das nicht! Das ist vielleicht genau das was er will."
„Und was soll ich dann tun? Ich werde sicher nicht tatenlos dabei zusehen, wie er sich an dich ranmacht."
„Aber wenn du ihm etwas antust, werden sie dich einsperren."
Er senkte resigniert den Kopf und etliche Strähnen fielen ihm ins Gesicht, so dass Hermine seinen Ausdruck kaum noch sehen konnte.
„Mein Leben steht so oder so auf der Kippe. Wenn wir ihn einfach verschwinden lassen, haben wir wenigstens eine Chance, dass er uns nicht mehr in die Quere kommt."
„Was? Das meinst du nicht ernst!"
Er nahm die Hand hoch und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. „Ich weiß nicht, was ich tun soll, Hermine."
„Vielleicht solltest du mit Dumbledore darüber reden. Es muss einen Grund gegeben haben, dass er auf der Eröffnungsfeier war."
„Was? Niemals!"
Sie schüttelte den Kopf. „Ich kann ihn auch nicht leiden, seit ich weiß, was er von dir verlangt hat. Aber vielleicht bringt uns das weiter."
In diesem Moment wurden sie von einem Klopfen an der Tür unterbrochen. Snapes Augen blitzten auf. Dann schob er Hermine von sich und raste wie ein irrer zu seinem Schreibtisch hinüber.
Hermine stand verloren da und beobachtete ihn, als sei er vollkommen verrückt geworden.
Als er dann auf seinem Stuhl Platz genommen hatte, räusperte er sich und brachte ein steifes „Herein", hervor.
Die Tür ging auf und McGonagall steckte den Kopf durch den Spalt.
„Ah, Severus, Miss Granger. Wie praktisch, dass ich euch beide hier antreffe."
Hermine tat ihr Bestes, um ein unschuldiges Gesicht aufzusetzen.
„Was können wir für Sie tun, Professor?", fragte sie in einem überaus freundlichen Ton.
McGonagall schürzte die Lippen. „Es ist mir sehr unangenehm ..."
Sie holte scharf Luft und Hermine hoffte inständig, dass sie nicht zu übertrieben geklungen hatte.
„Severus, Miss Granger, ich bin dazu verpflichtet, eine Befragung mit euch durchzuführen."
„Was?", kam es wie aus einem Munde zurück.
Sie nickte. „Das Ministerium hat einige Unterlagen geschickt, die sich um dieses abstruse Heiratsgesetz drehen."
Hermine schluckte.
Snape seufzte.
„Wenn es euch nichts ausmacht, würde ich am liebsten sofort damit beginnen, um alles hinter uns zu bringen." Sie holte Luft. „Es tut mir wirklich aufrichtig leid, aber mir sind die Hände gebunden."
Ohne ein weiteres Wort, den Blick starr auf Severus gerichtet, schritt Hermine zum Pult und setzte sich. McGonagall folgte. Und dann saßen sie da.
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„Das ist vollkommen absurd! Wir hatten kein Verhältnis miteinander!"
„Ich glaube dir, Severus. Aber das Ministerium … Nun ja, es sieht die Sache leider anders. Es wird vermutet, dass ihr euch schon vor eurer Ehe nahe gekommen seid."
„Darf ich fragen, auf wessen Informationen dieser ganze Mist beruht?"
Sie schüttelte mit besorgter Mine den Kopf. „Das steht leider nicht in den Unterlagen."
„Dachte ich mir", schnaubte er aufgebracht.
Hermine nahm ihre Hand und legte sie auf seine.
„Beruhige dich, Severus. Bestimmt ist das alles nur wieder eine weitere Schikane, die uns das Leben schwer machen soll. Wir sollten vorerst nicht darauf reagieren."
„Ist das dein Ernst? Mein Ruf steht auf dem Spiel!"
„Das weiß ich. Aber wie kommen die dazu, so etwas zu behaupten?"
McGonagall räusperte sich. „Es gibt eine Akte über Ihre Ehe, Miss Granger. Das Ministerium wollte sichergehen, dass die Bedingungen eingehalten werden, also wurden einige Dinge Protokolliert."
„Das ist mir bewusst."
„Dann sollte es sie nicht weiter verwundern. Sie sind auch keineswegs das einzige Paar, das von diesem Gesetz betroffen war."
„Das nicht, aber vermutlich sind wir die Einzigen, die jetzt dafür bestraft werden, die Anforderungen erfüllt zu haben."
„Wie dem auch sei, in dieser Akte wird erwähnt, dass Sie sich schon recht bald körperlich nahe gekommen sind, Miss Granger, was die Geburt Ihres Sohnes belegt."
Hermine schluckte und beobachtete aus den Augenwinkeln, dass Snape kreidebleich wurde.
„Und was jetzt? Es war unvermeidlich, dass das passiert."
Die Schulleiterin runzelte die Stirn und sah sie eindringlich an. „War es das? Immerhin war Severus Ihr Professor."
Ihre Kinnlade sackte nach unten. „Das ist ein Scherz, nicht wahr? Die wollen uns unbedingt was anhängen!"
„Natürlich wollen sie das", stieß Snape aus. „Genau darum geht es, Hermine."
„So leid es mir tut, aber selbst ich konnte mich davon überzeugen, dass ihr intim gewesen seid."
„Was?"
Sie rollte mit den Augen. „Seht mich nicht so an. Albus und ich, wir haben euch dabei erwischt, wenn ihr euch erinnert."
„Das glaube ich jetzt nicht", stöhnte Hermine, als ihr in den Sinn kam, dass sie die Wahrheit sagte. „Sie haben doch nicht ernsthaft pikanten Informationen über unser Sexleben an das Ministerium weitergeleitet?"
„Es war unsere Pflicht, zu überprüfen, ob Sie wie Mann und Frau zusammen leben. Und das haben Sie ja offensichtlich auch getan. In jeglicher Hinsicht."
„Na wunderbar."
„Es tut mir wirklich leid, Miss Granger, aber durch die Geburt Ihres Sohnes lässt es sich ohnehin nicht verleugnen."
Hermine nickte abwesend und blickte hilflos zu Severus hinüber. Doch der hatte den Widerstand schon vor einer ganzen Weile aufgegeben und den Kopf in seinen Händen vergraben.
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„Wenigstens ist die Katze jetzt aus dem Sack."
„In der Tat."
Sie seufzte und setzte sich neben ihn auf die Armlehne seines alten Sessels. Ihr war nicht entgangen, dass er sehr ruhig gewesen war, seit sie sich am Abend in ihr Quartier zurückgezogen hatten.
„Du kannst jetzt offen mit McGonagall darüber reden, was das Ministerium vorhat, ohne Angst haben zu müssen, Lucius in Gefahr zu bringen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber in diesem Punkt habe ich mich wohl in ihm getäuscht."
„Das beruhigt mich wirklich ungemein, Hermine."
„Entschuldige. Aber auch meine Nerven liegen blank."
„Als ob das was Neues wäre! Ich hätte von Anfang an nur auf mich hören sollen, dann wäre das alles nie passiert."
Sie blinzelte ihn an. „Du musst mir das jetzt nicht auf die Nase binden."
„Was dann?", spuckte er gereizt.
Hermine erstarrte. „Hör zu, ich weiß, dass ich den ersten Schritt gemacht habe. Dass ich dich provoziert und verführt habe. Vermutlich hättest du damals nicht einmal mit mir gesprochen, wenn ich nicht so beharrlich in dein Leben eingegriffen hätte. Ich habe den Hass, den ich dir zugefügt habe, in deinen Augen gesehen, Severus."
Mit einem Mal sah er schockiert und außerordentlich bleich aus.
„Nein!"
Sie schüttelte den Kopf. „Doch. Ich weiß sehr wohl, was ich getan habe. Du selbst hast es mir erzählt, wenn du dich erinnerst."
„Aber Hermine … Es ist anders. Kompliziert ja, aber anders."
„So? Ist es das wirklich?"
„Ja. Ich hatte dich plötzlich bei mir, in meinen privaten Räumlichkeiten. In meiner Nähe. Ich war betrunken. Aber nicht so stark, dass ich nicht realisiert hätte, was du warst."
„Und was war das? Eine lästige Gryffindor-Schülerin, die du jahrelang verabscheut hast?"
„Nein. Eine wunderschöne junge Frau. Meine Schülerin. Etwas Verbotenes."
„Was?", fragte sie in einem bloßen Flüstern.
„Es ist, wie ich es sagte."
Die Züge auf seinem Gesicht waren zu einer schmerzhaften Grimasse geworden und Hermine wurde unsanft daran erinnert, wie es damals zwischen ihnen gewesen war.
„Ich wollte es nicht wahrhaben, bis du dich mir an den Hals geworfen hast."
„Sag das nicht so, als wäre es deine Schuld gewesen."
„Aber das war es. Ich hätte es besser wissen müssen."
„Nein."
„Nicht?"
Sie schüttelte ihre wilden Locken. „Nein. Ich war es, die mit diesem Kampf angefangen hat, Severus. Du hast dein Bestes gegeben, um mir zu widerstehen."
„Was für ein schrecklicher Versager ich doch war", bemerkte er trocken.
„Nein! Du hast niemals versagt. Ich hingegen schon. Tausende Male. Alles was du gesagt hast, hat gestimmt. Ich habe mich dir aufgedrängt."
„Hermine ..."
Sie legte ihren Finger auf seinen Mund, um ihn vom Reden abzuhalten. Dann schmiegte sie sich näher an ihn und legte den Arm um seinen Nacken.
„Nein, hör mir zu", begann sie dann und spielte abwesend mit den Knöpfen auf seiner Brust. „Du wolltest mich beschützen. Du hast getan, was du musstest, um deine Arbeit zu machen und diesen schrecklichen Vertrag zu erfüllen. Ich hingegen habe versagt. Ich war zu jung und zu unerfahren. Das bin ich noch. Du warst mein Retter, Severus. Du hast mir gegeben, was ich brauchte und wollte, um mich beschützt und sicher zu fühlen."
Er seufzte und lehnte seinen Kopf an ihre Stirn. „Es spielt keine Rolle mehr."
„Was?"
„Alles was wir getan haben, ist nun hinfällig."
„Nein!"
„Doch, das ist es."
„Warum sagst du das?"
„Weil das Ministerium nicht aufhören wird, bis es uns zerstört hat."
„Dann werden wir ihnen entgegentreten. Ich möchte bei dir sein, Severus."
Er legte die Stirn in Falten. „Selbst dann, wenn sie mich anklagen werden?"
Sie schauderte. „Dazu wird es nicht kommen. Wenn hier jemand schuldig ist, dann bin ich es."
„Wohl kaum. Ich war für dich verantwortlich und habe mich gehen lassen. Und tief in deinem Inneren weißt du, dass es wahr ist. Wir hätten niemals zusammen sein dürfen und ich hätte nicht mit dir schlafen dürfen."
Hermine biss sich auf die Lippe und wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. Sie bekam Zweifel. Rückblickend wirkte alles schrecklich verzerrt. Es war schwer zu begreifen gewesen, was zwischen Snape und ihr geschehen war. Erklären konnte sie es aber noch weniger.
Der Innere Konflikt, den sie damals gehabt hatte, schien heute grausam zu sein. In Anbetracht der Lage aber, in der sie sich befunden hatte, war ihr keine andere Lösung erschienen, als dich kopfüber in diese Ehe hineinzustürzen. Mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Ihr ganzes Leben, all ihre Träume, Hoffnungen und Wünsche hatten an dem Punkt eine Wendung genommen, an dem sie Snape geheiratet hatte.
Sie schluckte. Hatte sie die Genugtuung, ihn in die Knie zu zwingen, ihn schwach zu sehen, wirklich gebraucht? Hätte es vermieden werden können, ihm so viel Schmerz zuzufügen, wenn er sich ihr gegenüber nicht so eisig verhalten hätte? Und was war mit den Diskussionen, die sie zuletzt geführt hatten? Was, wenn er in wenigstens einem Punkt Recht hatte?
Trotz ihrer Gefühle für ihn konnte sie sexuelle Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern aus moralischer Sicht nicht gutheißen. Selbst jetzt, ein Jahr später, spürte sie, wie verschieden sie eigentlich waren.
