Tear me apart – Teil 3

Kapitel 7

Die Befragung

Der Tag, an dem das Ministerium beschlossen hatte, einen Mitarbeiter nach Hogwarts zu schicken, um mit den Ungereimtheiten in Bezug auf das Heiratsgesetz aufzuräumen, erschien Hermine wie ein Schlag ins Gesicht.

Sie konnte nicht sagen, wer am meisten davon betroffen war: Severus oder sie. Jedenfalls spürte sie deutlich die Anspannung in der Luft, als sie von McGonagall in ihr Büro geladen wurden, um die Sache hinter sich zu bringen.

Der Mann vom Ministerium war groß und muskulös gebaut. Er hatte wache Augen und einen eisigen Blick in ihnen, der Hermine überhaupt nicht gefiel. Über seinen breiten Schultern, die den Eindruck erweckten, in ihm stecke ein schlagfertiger Boxer, trug er einen dunklen Mantel, dazu einen dunklen Anzug und eine Krawatte, die nur einen winzigen Tick heller war als der Rest seiner Kleidung, was in absolutem Kontrast zu seinen strohblonden Haaren stand. Er wirkte ganz und gar nicht wie ein gewöhnlicher Zauberer und das machte ihr Angst. Besonders irritierend aber wahr wohl, dass er eine schwarze Tasche unter dem Arm trug, die Hermine ironischerweise an einen Gerichtsvollzieher aus einem alten Film erinnerte, den sie vor Jahren einmal mit ihren Eltern gesehen hatte.

„Das war's", flüsterte sie leise und klammerte sich am Arm ihres Mannes fest, während der Fremde McGonagall die Hand reichte.

Snape ließ sich von dem einschüchternden Auftreten des Mannes nicht beeindrucken und schüttelte kaum merklich den Kopf. Hermine wusste sofort, dass er damit nur andeuten wollte, dass sie in Gegenwart des Beamten vorsichtig sein sollte, nicht die Beherrschung zu verlieren.

„Wie wäre es mit dem Studierzimmer, Mr. … Schmitd?", fragte McGonagall sichtlich nervös. „Ist das ein deutscher Name?"

„Ja."

Mehr sagte er nicht dazu und McGonagall ging gleich zur nächsten Frage über. „Schön. Die Tür nach nebenan steht für gewöhnlich offen, aber wenn Sie es wünschen, lässt sie sich verschließen."

Der Beamte nickte und Hermine und Severus setzten sich in Bewegung, da streckte der Mann plötzlich die Hand aus und versperrte ihnen den Weg.

„Ich muss Sie leider bitten, draußen zu warten, Professor", sagte er kühl.

Snape presste die Kiefer aufeinander. Seine Nasenflügel bebten unmissverständlich und Hermine hoffte, dass er nicht dabei war, eine Dummheit zu begehen.

Kaum merklich legte Snape den Kopf schief und starrte dem Mann mit einem zynischen Lächeln auf den dünnen Lippen in die Augen. „Natürlich. Mein Fehler."

Der Beamte nickte knapp und wandte sich an Hermine, ohne den dunklen Zauberer an ihrer Seite weiter zu beachten.

„Wollen wir?"

Sie biss sich auf die Lippe, warf einen letzten Blick zu Severus und betrat den kleinen Raum, der einst zu ihren Gemächern gehört hatte, nachdem Dumbledore seinen Posten geräumt hatte.

Welch Ironie!

Die Tür fiel ins Schloss und sie waren allein.

„Setzen Sie sich, Miss Granger", sagte der Mann steif und deutete auf die gemütliche Sitzgruppe.

Sie runzelte die Stirn, entgegnete aber nichts darauf. Es war eigenartig, dass er die Aura verströmte, hier zuhause zu sein, obwohl er es keinesfalls war. Hermine schon. Es behagte ihr gar nicht, dass dieser Mann hier war, wo er nichts verloren hatte.

Nachdem er einen Notizblock und einen Stift aus seiner Tasche geholt hatte, gesellte er sich zu ihr.

„Nun denn, lassen Sie uns gleich beginnen. Ich würde gerne von Ihnen wissen, warum ..."

„Warum sind Sie hier?", unterbrach Hermine ihn kurzerhand.

Obwohl sie wusste, dass es unklug war, ihn so forsch zu adressieren, konnte sie sich nicht zurückhalten.

Er räusperte sich und kratzte sich mit seinem Stift am Kinn. Dann beugte er sich über den Tisch, der in ihrer Mitte stand, nach vorne und sah sie scharf an.

„Eigentlich sollte ich hier die Fragen stellen, nicht wahr?"

Hermine nickte. „Ich hoffe sehr, dass Sie wissen, was Sie tun."

„Keine Sorge."

Seine Augen blitzten gefährlich auf und ihre letzten Hoffnungen, unbeschadet aus dieser Sache herauszukommen, schwanden.

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„Wir konnten uns nicht leiden", sagte sie schlicht.

„Dafür sind Sie aber ziemlich schnell intim geworden."

Sie starrte ihn ungläubig an. „Ich verbitte mir diese Bemerkung."

„Sie haben einen gemeinsamen Sohn, Miss Granger. Wollen Sie da tatsächlich abstreiten, dass es zum sexuellen Kontakt gekommen ist? Die Aufgabe des Ministeriums besteht unter anderem darin, herauszufinden, ob Sie zu etwas gezwungen wurden, was Sie vielleicht nicht wollten."

„Was? Severus? Niemals!"

„Viele Opfer neigen dazu, den Täter in Schutz zu nehmen. Es soll sehr stürmisch zwischen Ihnen abgelaufen sein, da wäre es naheliegend, dass ..."

Sie schüttelte energisch ihre wilde Mähne. „Was auch immer Sie damit bezwecken wollen, es sind Theorien; bloße Hirngespinste. Severus würde mir niemals etwas antun."

„Für die Muggel basiert Magie auch auf Hirngespinsten. Und trotzdem leben Sie in der magischen Welt."

„Das ist etwas anderes. Ich bleibe dabei: Severus ist ein sehr fürsorglicher Mann."

„Er war Todesser. Er hat Menschen getötet. Wie schätzen Sie das ein?"

„Geht es etwa nur darum, dass er in seiner Jugend einen Fehler gemacht hat? Er hat es bereut und sein ganzes Leben dafür gebüßt. Er hat für Dumbledore und den Orden spioniert. Wenigstens das sollten Sie wissen."

Der Schock, den sie verspürt hatte, stand ihr ins Gesicht geschrieben. Doch Schmidt antwortete nicht und Hermine wurde das Gefühl nicht los, dass etwas nicht in Ordnung war. Erst nachdem er einige Notizen auf seinem Block niedergeschrieben hatte, fuhr er fort.

„Was sehen Sie in ihm?"

„Ha! Ich weiß sehr wohl, dass ich Ihnen auf eine derart unverschämte Frage gar nicht antworten sollte."

„Dann haben Sie nichts dazu zu sagen?"

Sie fröstelte bei seinem Anblick und schlug die Beine übereinander. Wenigstens versuchen sollte sie es.

„Severus ist ein wunderbarer Mann. Er ist liebenswert und fürsorglich, wie ich Ihnen bereits sagte. Er ist klug und gebildet. Und er gibt mir Geborgenheit. Wenn Sie also beabsichtigen, ihm was anzuhängen, sollten Sie sich vorsehen. Ich werde um ihn kämpfen, denn er hat schon genug gelitten. Er hat getan was er konnte, um Voldemort zu Fall zu bringen und es hat ihn fast das Leben gekostet."

„Das ist bekannt."

„Vielleicht. Doch Sie können sich keine Vorstellung von den wahren Schäden machen, die er dabei zu ertragen hatte und noch heute durchlebt; körperliche und seelische Schmerzen, die Sie sich vermutlich nicht einmal vorstellen können."

Die Augen des Mannes verformten sich zu Schlitzen, Hermine aber reagierte nicht darauf und redete weiter.

„Er wird nie die Anerkennung erhalten, die er verdient hat, Mr. Schmidt. Ganz besonders dann nicht, wenn Leute wie Sie versuchen, einen Sündenbock aus ihm zu machen."

„War das alles?"

Sie blinzelte.

„Die Anschuldigungen, um die es hier geht, sind sehr ernst, Miss Granger. Egal was er für Dumbledore und den Orden des Phönix getan haben mag."

„Sie haben kein Recht, so abfällig darüber zu reden", gab sie energisch von sich.

„Aus Ihrer Sicht vielleicht. Aber das wird sich zeigen. Wenn er tatsächlich unschuldig ist, haben Sie meinen Segen. Doch ich werde nicht zulassen, dass Männer wie er das Leben anderer Menschen ruinieren."

„Was meinen Sie damit?" Jetzt klang sie wirklich geschockt.

„Ich habe eine Tochter, Miss Granger. Sie ist bei ihrer Mutter und ihrem Lebensgefährten aufgewachsen. Beide Muggel. Unsere Beziehung ging noch vor ihrer Geburt in die Brüche. Sie wissen, was das bedeutet?"

Sie hatte das Gefühl, ihr Herz würde aussetzen, während sie darauf wartete, was er zu sagen hatte.

„Sie ist achtzehn und da sie bei Muggeln aufgewachsen ist, wurde sie im Zuge des Gesetzes mit einem älteren Zauberer verheiratet, der ihr Leben zerstört hat."

Endlich schien sie zu begreifen.

„Warum erzählen Sie mir das? Ich glaube nicht, dass sie dazu befugt sind, persönliche Belange mit mir zu teilen."

„Weil ich hoffe, Zugang zu Ihrem gesunden Menschenverstand zu finden. Heute ist es eher unüblich, jemanden zu ehelichen, der derart älter und reifer ist. In der Vergangenheit war das noch anders. Damals war es sowohl unter Muggeln, als auch unter Zauberern üblich, diese Ehen zu schließen, um Allianzen zu formen." Er schüttelte den Kopf. „Glauben Sie mir, ich verstehe nur zu gut, welchen Schaden das Heiratsgesetz verursacht hat."

„Aber das ist nicht die Schuld meines Mannes."

„Vielleicht nicht. Aber Sie können sicher sein, dass ich das herausfinden werde."

„Sie haben keine Beweise!"

„Wer braucht da schon Beweise? Sie wirken sehr vertraut dafür, dass Sie Lehrer und Schülerin sind, nicht wahr?"

Etwas Unheimliches tauchte auf dem Gesicht des Beamten auf und Hermine hätte ihm am liebsten den Rücken zugekehrt. Doch sie wusste, dass das ihre Probleme nicht lösen würde.

„Wir sind verheiratet!", rief sie gereizt aus. „Was erwarten Sie da?"

Im selben Moment verstummte sie wieder, in der Hoffnung, dass Severus sie nicht gehört hatte. Es wäre nicht auszudenken gewesen, was passiert wäre, wenn er durch die Tür gekommen wäre, um der Befragung ein Ende zu bereiten.

„Wie lange sind Sie verheiratet?"

„Soll das ein Scherz sein? Sie wissen genau, dass …"

Mr. Schmidt sah sie mit zornigem Blick an. „Beantworten Sie meine Frage, Miss Granger."

Hermine schluckte. „Seit einem Jahr."

Er runzelte die Stirn. „Und Sie behaupten, dass es davor zu keinerlei sexuellem Kontakt gekommen sei, ist das richtig?"

Sie ließ ihre Kinnlade fallen. „Ich hatte nichts mit Severus!"

„Könnten Sie sich etwas genauer dazu äußern?"

Sichtlich genervt rollte sie mit den Augen. „Ich hatte nichts mit ihm, bevor wir verheiratet waren. Wieso hätte ich das auch tun sollen? Er war mein Lehrer!"

Der Beamte nickte. „Verstehe. Dennoch haben Sie ihn geheiratet."

„Weil das Gesetz es so wollte."

„Dass Sie Ihren Lehrer heiraten?"

„Nein. Aber ich gehe hierbei davon aus, dass Sie die Bedingungen kennen, die damals gestellt wurden."

„Die Gesetze sind mir bekannt, Miss Granger."

„Sehen Sie? Dann sollten Sie auch wissen, dass wir keine andere Wahl hatten."

Er rümpfte die Nase. „Dann wurden Sie zu dieser Ehe gezwungen?"

Sie blickte hilflos umher.

„Nein. Nicht direkt ... Aber irgendwie schon. Severus und ich, wir haben eingewilligt, weil wir keinen anderen Weg gesehen haben, um das Gesetz zu umgehen."

„Sie hätten die magische Welt verlassen können."

„Aber ich bin eine Hexe. Außerdem wollte ich weder Hogwarts verlassen, noch Harry im Stich lassen."

„Hmmm", bemerkte er kritisch. „Das ändert natürlich alles."

Hermine holte Luft. „Sehen Sie jetzt, dass wir keine andere Wahl hatten? Severus hat mir damit einen Gefallen getan. Er wollte mich beschützen."

„Wovor beschützen?"

„Vor Voldemort und seinen Anhängern. Aber das sollten Sie eigentlich wissen, wenn Sie die Gesetze kennen, nicht wahr? Denn deswegen wurden sie ja ursprünglich eingeführt."

„Das ist mir bekannt."

„Also? Was gibt es dann daran nicht zu verstehen?"

Der Mann presste seine Kiefer aufeinander und sah sie lange an, bevor er antwortete.

„Ich muss Sie noch einmal darauf hinweisen, dass ich unter anderem hier bin, um zu untersuchen, ob Sie ein Verhältnis mit Ihrem Professor hatten, Miss Granger, denn so wie die Lage einzuschätzen ist, gibt es einige Zweifel an der Glaubwürdigkeit Ihrer Beziehung zueinander."

„Was?"

Er räusperte sich und setzte ein ernstes Gesicht auf. „Sie haben Ihren Professor geehelicht. Einen Mann mit zweifelhaftem Ruf, bekannt für seine Unnahbarkeit, der darüber hinaus noch ein Todesser war. Wer würde so etwas tun? Selbst in Bezug auf die Gesetzeslage gibt mir das zu denken."

Hermine blinzelte ihn an. „Worauf wollen Sie hinaus?"

„Warum ausgerechnet ihn, Miss Granger? Sie hätten auch jemand anderen nehmen können."

„Hätte ich das? Die Angebote waren nicht gerade besonders reizvoll."

„Hatten Sie keine Angst, dass er versuchen würde, sie auf die Dunkle Seite zu ziehen, wo Sie doch mit Mr. Potter befreundet waren?"

„Wieso hätte er das tun sollen? Dumbledore hat ihm vertraut. Er war dabei, als es passiert ist und hat uns sogar noch dabei unter die Arme gegriffen."

„Albus Dumbledore?"

Sie nickte.

„Hmmm. Wie stehen Sie inzwischen mit dem ehemaligen Schulleiter? Ist Ihre Meinung über ihn noch immer so vertrauensvoll wie damals?"

Hermine biss sich auf die Lippe. „Nein. Es gab einige Auseinandersetzungen zwischen uns."

„Ah. Verstehe."

Genervt schnaubte sie. „Hören Sie zu. Was Dumbledore, Severus und ich durchgemacht haben, mag vielleicht kompliziert sein, aber damals schien es uns die einzig richtige Lösung. Severus jedenfalls wollte mir helfen. Und Dumbledore hat selbst keinen anderen Ausweg gesehen, also haben wir es getan. Inzwischen ist einiges vorgefallen, wissen Sie? Ich kann nicht behaupten, dass ich nicht wütend auf unseren Schulleiter war. Dafür hat er Severus zu viel aufgebürdet."

„Wie Ihre Heirat?"

Sie seufzte. „Ja. Wie unsere Heirat. Severus hatte es nicht leicht."

„Und Sie?"

„Ich? Was meinen Sie damit?"

„Hat Professor Snape es Ihnen leicht gemacht? Oder hat er Sie zu etwas gedrängt? Noch vor der Ehe?"

„Ich glaube, ich verstehe nicht ganz, was Sie damit meinen ..."

„Hat er Sie vielleicht irgendwann einmal sexuell belästigt oder zu etwas gezwungen was Sie nicht wollten?"

„Wer?"

„Professor Snape."

„Was? Himmel, nein!"

„Sind Sie sicher?"

„Ja."

„Und als Sie dann verheiratet waren? Wie mir zu Ohren gekommen ist, soll es innerhalb von Hogwarts zu heftigen Streitereien und Differenzen zwischen Ihnen gekommen sein. Unter anderem während der Mahlzeiten und im Unterricht."

Hermine schluckte mit trockener Kehle. Woher der Mann das wusste, war ihr ein Rätsel. Vermutlich aber hatte einer der Schüler etwas ausgeplaudert, wenn nicht sogar McGonagall oder Dumbledore.

„Wir hatten Differenzen, das ist wahr. Aber es war nicht weiter schlimm."

Er sah sie scharf an. „Es sollen gewisse Dinge gesagt worden sein. Schimpfwörter, Anschuldigungen, etc."

„Schon möglich", sagte sie kleinlaut. „Ich war einfach wütend. Aber das wäre wohl jeder gewesen, wenn er in meiner Lage gewesen wäre, schließlich war die Situation alles andere als einfach."

„Allerdings."

Eine kurze Pause trat ein und der Mann überflog kurzerhand seinen Notizblock. Als er dann wieder aufblickte, wusste Hermine, dass ihr Martyrium noch nicht überstanden war.

„Wie lief Ihr Zusammenleben ab, Miss Granger? Sie sind bei Professor Snape in den Kerkern eingezogen, ist das richtig?"

Sie nickte.

„Interessant. Würden Sie bitte davon berichten?"

Sichtlich verärgert zuckte sie mit den Schultern. „Was wollen Sie denn hören?"

„Alles."

„Ha! Sie scherzen wohl!"

Er schüttelte steif den Kopf. „Ich scherze nie."

Das glaubte sie ihm sofort, also wappnete sie sich für einen neuen Angriff und legte los.

„Nun, das Zusammenleben mit Severus verlief anfangs ungewohnt. Wir waren sehr verschieden, verstehen Sie?"

„Verschieden?"

„Ja. Unsere Gewohnheiten, unsere Interessen, einfach alles prallte aufeinander."

„Weil er ein Einzelgänger war, richtig?"

„Mehr oder weniger. Er hatte keine Zeit für Dinge wie Frauen oder Familie."

„Bis Sie kamen."

„Ja."

„Und weiter?"

„Nichts weiter. Wir haben uns langsam zusammengerauft und uns kennengelernt. Irgendwann waren dann Gefühle im Spiel und es wurde alles anders."

„Wann waren diese Gefühle im Spiel?"

„Erst nach einiger Zeit."

„Nachdem Sie verheiratet waren?"

„Natürlich. Das versuche ich doch schon die ganze Zeit zu erklären."

„Verstehe."

Hermine schüttelte ungläubig den Kopf. „Ach ja?"

Der Mann senkte seinen Notizblock und blinzelte. „Ich denke, für heute haben wir genug."

Er kam auf die Füße und blickte sie streng an.

„Ich werde in Kürze diese Informationen ans Ministerium weiterleiten. Dort werden sie ausgewertet. Sie bekommen dann in einigen Tagen einen Bescheid zugeschickt, ob Sie sich einer weiteren Befragung unterziehen müssen oder nicht."

Hermine legte die Stirn in Falten. „Was? Noch eine Befragung? Aber das kann doch nicht sein! Wir haben nichts Unrechtes getan."

„Das entscheidet das Ministerium. Bis dahin muss ich Sie bitten, das Schloss nicht zu verlassen, es sei denn, Sie haben eine Genehmigung beantragt."

„Das ist doch absurd!"

„Finden Sie? Miss Granger, ich sage es Ihnen noch einmal: die Lage ist ernst, denn wenn Ihr Mann tatsächlich ein Verhältnis mit Ihnen gehabt hat, muss er dafür zur Rechenschaft gezogen werden."

„Aber das hatte er nicht."

„Wie gesagt, das werden wir noch herausfinden."

Wortlos schüttelte sie den Kopf.

„Warum haben Sie sich eigentlich dazu entschlossen, für Ihren weiteren schulischen Weg Zaubertränke zu wählen?"

„Weil ich das Fach immer sehr gemocht habe. Ich war einfach gut darin. Außerdem ist Severus ein begnadeter Lehrer, von dem ich viel lernen kann."

„Und das, obwohl Sie verheiratet sind?"

Langsam aber sicher hatte sie genug davon, sich zum Narren halten zu lassen. Sie rümpfte die Nase und starrte ihn in den Boden, genauso wie Severus es getan hätte.

„Was das Ministerium damals mit diesem Gesetz verbrochen hat, ist nicht unsere Schuld. Wir haben uns nur danach gerichtet und das Beste daraus gemacht. Wenn Sie also irgendjemanden beschuldigen wollen, sollten Sie im Ministerium danach suchen. Severus und ich, wir haben zusammen gefunden, so absurd das auch sein mag. Wir haben uns ein gemeinsames Leben aufgebaut. Wir sind eine Familie geworden und haben einen Sohn. Und wir werden nicht zulassen, dass uns jemand in die Quere kommt und alles zerstört."

Sichtlich erregt schnaubte sie vor sich hin.

„Ist das alles?", fragte er steif.

„Ja."

„Gut. Dann werde ich Sie nun entlassen." Er nickte ihr zu. „Guten Tag, Miss Granger."

Vollkommen verdattert sah Hermine dabei zu, wie er zur Tür ging und sie öffnete, um sie endlich frei zu lassen. Die Gefühle in ihrem Inneren aber besagten, dass das erst der Anfang gewesen war.