Tear me apart – Teil 3

Kapitel 9

Ein Rückschlag und ein Rückfall

Als Snape wie bestellt in McGonagalls Büro rauschte, traf ihn fast der Schlag, sodass er am liebsten postwendend wieder davongeeilt wäre. Doch dafür war es zu spät. Dumbledore hatte ihn bereits von seinem einstigen Platz aus ins Visier gefasst und sein berüchtigtes, sanftmütiges Gesicht aufgesetzt, das es ihm schier unmöglich machte, ihn zu ignorieren.

„Albus!", dröhnte er von kalter Wut ergriffen, die Pupillen vor Schreck geweitet. Er hatte immer befürchtet, dass es eines Tages zu einer Auseinandersetzung mit ihm kommen würde. Nun sah es so aus, als sei der Augenblick gekommen, da es sich nicht länger aufschieben ließ, ihm gegenüberzutreten.

Dumbledore nickte ihm würdevoll zu. „Guten Tag, Severus."

„Was zur Hölle ...", würgte er hervor, ehe er sich wenigstens halbwegs wieder gefasst hatte. „Was tun Sie hier?"

„Ich wünschte, ich könnte behaupten, wegen des köstlichen Essens hier zu sein, aber leider kann ich das nicht. Die Pflicht ruft."

Snape kräuselte unliebsam seine Mundwinkel. Was er da gehört hatte, gefiel ihm gar nicht. Steif wie ein Brett schwebte er auf den Tisch zu und baute sich mit vor der Brust verschränkten Armen davor auf.

„Ich wiederhole mich nur ungern", knurrte er seinen ehemaligen Vorgesetzten an. „Also raus mit der Sprache! Was tun Sie hier?"

Dumbledore lächelte ihm von Minervas Platz aus entgegen, als hätte er genau diese verhaltene Reaktion auf seinen Besuch erwartet. Sichtlich amüsiert räusperte er sich. „Möchtest du dich nicht lieber setzen?"

Snape legte warnend den Kopf schief. „Spielen Sie keine Spielchen mit mir, Albus. Davon habe ich genug, daher bevorzuge ich es, zu stehen, wenn Sie nichts dagegen haben."

„Natürlich. Immer bereit zur Flucht, nicht wahr? Aber lass dir sagen, dass ich deinetwegen hierhergekommen bin. Die neuesten Entwicklungen rund um das Heiratsgesetz geben mir Grund zur Sorge ..."

„Und jetzt, Albus?", fragte Snape spöttisch, ohne sich den Rest anzuhören. „Erwarten Sie von mir, dass ich alles vergebe und vergesse, was zwischen uns vorgefallen ist? Ihre genialen Ideen hätten mich fast das Leben gekostet!"

„Sachte, Severus. Ich bin nicht hier, um mit den alten Fehden weiterzumachen."

Er schnaubte auf. „Sie klingen genauso wie Lucius."

„Ah. Dann hat er also endlich begriffen, dass ihn sein Hochmut nicht weiterbringen wird." Er seufzte theatralisch und sah Snape dabei durchdringend über den Rand seiner Brille hinweg an. „Du erwartest doch nicht etwa von mir, dass ich das so stehenlasse."

Seine Worte waren eine einzige, bitterböse Feststellung, doch Snape ließ sich davon nicht beeindrucken.

„Lucius steht hier kaum zur Debatte, Albus", entgegnete er scharf. „Er hat sich mir gegenüber nichts zu schulden kommen lassen - nicht in letzter Zeit jedenfalls."

Dumbledore nickte sanft. „Es freut mich, das zu hören."

Kaum hatte er ausgesprochen, wurde es bemerkenswert ruhig zwischen ihnen und Snape verspürte den Drang, endlich das Weite zu suchen, ehe er sich wieder in etwas verrennen würde, was ihm hinterher leid täte. „Schön", entgegnete er gekünstelt, als würde er dem mit der plötzlichen Stille einhergehenden Frieden nicht trauen. „Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden, ich habe noch etwas vorzubereiten ..."

Er war schon drauf und dran gewesen, ihm den Rücken zuzukehren, als ihn Dumbledores Augen anfunkelten.

„Du solltest dir wirklich anhören, was ich zu sagen habe, Severus. Es könnte dich interessieren."

Mit bebenden Nasenflügeln starrte er sein Gegenüber an und schluckte die sich in seinem Inneren aufbauschenden Mordgelüste hinunter.

„Was denn noch? Denken Sie wirklich, ich bin auch nur an einer Ihrer Theorien zur Rettung der Welt interessiert? Verschonen Sie mich ein für alle Mal damit! Ich bin es leid, zum Gespött gemacht zu werden. Zuerst diese Heirat und die damit verbundenen Demütigungen, dann der Plan, mit Potters Hilfe etwas über die Horkruxe herauszufinden ..."

Dumbledore hüstelte. „Willst du mir vielleicht auch noch die Zeugung deines Sohnes ankreiden?"

Gerade in dem Moment, als Snape Luft holte, um sich verbal gegen ihn zu wappnen, ging hinter ihm die Tür zu McGonagalls Büro auf. Wutentbrannt fuhr er herum und zischte sie an: „Minerva!"

„Ah, Severus. Wie ich sehe, habt ihr schon ohne mich angefangen. Gut, denn wir sollten keine Zeit verlieren ..."

Snape versteifte sich nur noch mehr, als er das hörte. „Das hast du dir so gedacht, nicht wahr?"

Die Schulleiterin warf ihm einen vorgetäuscht unschuldigen Blick zu, was ihm keinesfalls entging, schließlich war es sein Job gewesen, Menschen zu durchschauen.

„Ich habe mir was gedacht, Severus?", fragte sie säuselnd.

Er rollte übertrieben mit den Augen. „Bitte, Minerva! Hältst du mich wirklich für so blöd, dass ich nicht wüsste, was hier vor sich geht?"

Sie seufzte und kam näher. Beruhigend legte sie ihm die Hand auf die Schulter. „Vielleicht solltest du dir zuerst anhören, was er zu sagen hat, Severus."

Snape presste die Kiefer so fest aufeinander, dass es knackte. „Wie in alten Zeiten, nicht wahr?", fragte er verächtlich. „Wir treffen uns hier, schmieden irgendwelche aussichtslosen Pläne, führen sie auf meine Kosten aus … Dachtet ihr wirklich, dass das so weitergeht?"

McGonagall wendete sich mit sichtlich unterkühltem Blick von ihm ab und lächelte Dumbledore zu, ohne Snape weiter zu beachten. „Bleibst du zum Essen, Albus?"

Dumbledore lugte gutmütig über den Rand seiner Brille zu ihr zurück. „Das würde ich mit Freuden, Minerva. Aber nachdem ich hier nicht länger erwünscht bin, werde ich mich lieber wieder auf den Weg machen. Es gibt immer etwas zu tun."

„Natürlich", knurrte Snape sarkastisch. Doch niemand beachtete ihn mehr, ganz gleich, wie wütend seine schwarzen Augen umher sausten.

Es war das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit, dass er seine beiden langjährigen Weggefährten derart in Eintracht beieinander sah, was in Bezug auf die Auseinandersetzungen in den vergangenen Monaten schon fast unheimlich wirkte.

Deutlich beunruhigt wandte er sich zum Gehen, als er Dumbledores Stimme hörte, die sich mit einem Mal über alles andere erhob.

„Einen Moment noch, Severus!"

Mit eng zusammengekniffenen Augen sog er Luft in seine Lungen und hielt inne. „Ja?"

Dumbledore erhob sich vom Stuhl und kam auf ihn zu. Als er vor Snape stehenblieb, richtete er sich zu seiner vollen Größe auf und verschränkte die Finger vor dem Körper ineinander.

„Vielleicht ist es nicht der richtige Zeitpunkt, um jetzt damit aufzuwarten, aber ich möchte dir sagen, dass ich deine Zurückhaltung verstehen kann. Du hattest es nicht immer leicht mit mir. Für einen Mann in deiner Position und in deiner Lage warst du viel zu lange in meinen Diensten. Doch da das jetzt vorbei ist, möchte ich, dass du weißt, dass ich nie die Absicht hatte, dich leiden zu lassen."

Snape verzog die Mundwinkel zu einer schmerzhaften Grimasse. „Wie außerordentlich rührend", knurrte er unliebsam. Dann machte er langsam einen Schritt auf Dumbledore zu und starrte ihm tief in die Augen. „Sie haben Recht: es ist wirklich nicht der richtige Zeitpunkt dafür, denn es ist zu spät. Vielleicht werden Sie aber eines Tages die Güte haben, meinem Sohn davon zu berichten, wenn ich nicht mehr dazu in der Lage sein werde, weil mich die unzähligen Flüche und das Gift der Schlange dahingerafft haben."

McGonagall schlug entsetzt über die in seiner Stimme liegende Kälte die Hand vor den Mund. „Severus! Wie kannst du nur ..."

Dumbledore aber schüttelte ruhig den Kopf und so verstummte sie wieder. „Ich dachte mir, dass du so reagieren würdest. Darum bin ich froh, dass Miss Granger über ihren Schatten gesprungen ist, mich um Hilfe zu bitten."

Snapes Gesicht wurde bleich. Er presste seine Hände zu festen Fäusten an seine Seiten, bis sie zitterten.

Dumbledore setzte einen ernsten Ausdruck auf. „In meiner neuen Position als Berater des Ministeriums in zweifelhaften Fällen und Gesetzesänderungen ist es mir gelungen, weitere Schritte gegen dich vorerst auf Eis zu legen."

McGonagall hielt vor Schreck die Luft an, selbst Snape wirkte, als hätte er zu atmen aufgehört. Seine Augen weiteten sich, sein Kinn sackte kraftlos nach unten.

„Natürlich kann ich nicht dafür garantieren, dass es so bleiben wird", fuhr er fort, „aber im Moment bist du ein freier Mann, Severus."

Ohne auf weitere Reaktionen der anderen Professoren zu warten, setzte Dumbledore sich in Bewegung und eilte mit langen Schritten davon.

xxx

„Hast du etwa gedacht, dass ich tatenlos dabei zusehe, wie unser Leben den Bach runtergeht?", fragte Hermine zu ihrer Verteidigung.

„Oh nein, natürlich nicht!", spuckte er gereizt. Ihm war nicht entgangen, dass Hermine ausgerechnet seine eigenen Worte gegen ihn benutzt hatte. Doch es scherte ihn nicht. Er hatte es satt, ständig übergangen zu werden. „Du hattest ja schon immer eine Vorliebe dafür, dich über mich hinwegzusetzen, nicht wahr?"

Verblüfft blinzelte Hermine ihren Mann an. „Was soll das nun wieder heißen?"

„Es heißt, was es heißt, Hermine", presste er mühsam hervor. „Wir haben darüber gesprochen und uns geeinigt, nichts zu überstürzen. Dass du dir Gedanken darüber machen würdest, war unumgänglich. Aber davon, dass du gleich etwas in die Wege leitest, war nie die Rede!"

Entrüstet reckte sie ihr Kinn in die Höhe. „Das habe ich auch nicht. Ich habe lediglich um Hilfe gebeten."

„Und das ausgerechnet bei Albus?", fragte er bitter.

Sie fröstelte und schlang die Arme um den Leib. „Ich würde alles tun, um das Leben, das wir uns gemeinsam erkämpft haben, zu retten, Severus!"

Snape fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Dann ließ er sich schwerfällig auf das Bett sinken und zog sich die Schuhe aus.

„Ich hätte nicht damit gerechnet, dass er hier auftauchen würde, Severus."

Hermine klemmte schuldbewusst ihre Lippe zwischen die Zähne und ließ sich neben ihm an der Bettkante nieder. Vergeblich suchte sie seinen Blick, doch er schüttelte so energisch den Kopf, dass seine Strähnen nur so durch die Luft sausten.

„Du bist wirklich unglaublich! Denkst du, es würde ihm um uns gehen, wenn er eingreift? Hast du denn noch immer nicht begriffen, dass er, wenn er etwas tut, es nur für das größere Wohl tut, nach dem er sein ganzes Leben gesucht hat?"

„Das mag ja sein, Severus. Aber wir hatten keine andere Hilfe zu erwarten. Was dieser Mr. Schmidt aus uns herausgequetscht hat, hat mir gar nicht gefallen. Und als du neulich erwähnt hast, dass Dumbledore als Einziger bereit war, dir zu vertrauen, kam mir in den Sinn, dass er uns vielleicht unter die Arme greifen könnte."

„Aber zu welchem Preis, Hermine?"

„Das wissen wir nicht. Jedenfalls brauchten wir seine Aufmerksamkeit."

Wie ein Irrer nickte er. „Und die haben wir nun ganz sicher gewonnen."

Hermine seufzte, schnappte sich seine Hand und verschlang seine Finger mit ihren.

Skeptisch drehte er den Kopf und beäugte sie.

„Komm schon, Severus", sagte sie sanft. „Ich will nur nicht, dass sie uns auseinanderreißen."

Er stöhnte bitter auf. „Aber genau das haben sie vor, Hermine. Zuerst zwingen sie uns dieses Gesetz auf, dann erklären sie alles, was damit zu tun hat, für ungültig. Es wird nie ein Ende nehmen!"

Sie drückte seine Hand. „Ich weiß, dass es schwer ist, einen Sinn darin zu finden, Severus. Aber bitte sei nicht böse, weil ich Hilfe holen wollte. Dumbledore ist nun wirklich nicht meine erste Wahl gewesen, das kannst du mir glauben, weil ich nicht vergessen habe, was geschehen ist. Aber wenn er es sein soll, der uns beisteht, will ich es lieber akzeptieren, als einfach aufzugeben."

Er sah sie mit eng zusammengezogenen Brauen an. „Ich bin nicht sauer. Ich bin es nur einfach leid, ständig um etwas kämpfen zu müssen."

Sie wippte nachdenklich mit dem Kopf. „Und was schlägst du vor?"

„Vorerst sieht es so aus, als wären wir auf Bewährung. Das heißt, wir können nur abwarten."

xxx

Das Gefühl, als Hermine in dieser Nacht wach wurde und feststellte, dass Severus nicht neben ihr im Bett lag, war bedrückend. Leise stand sie auf und schlich aus dem Schlafzimmer.

Schon der erste Blick auf Snape, der mit lang ausgestreckten Beinen in seinem Sessel saß, verhieß nichts Gutes. Sein Kopf ruhte schief auf seiner Hand, den dazugehörigen Arm hatte er auf der Lehne abgestützt. Einen Augenblick dachte sie, er würde schlafen, doch bei näherem Hinsehen erkannte sie, dass er sie durch seine unordentlichen Strähnen hindurch mit seinen schwarzen Augen musterte.

„Warum kommst du nicht ins Bett?", fragte sie irritiert.

Er zuckte wortlos mit den Schultern.

Hermine legte ihre Arme um den Körper und kam näher. Es dauerte nicht lang, bis sie den vertrauten Geruch in der Luft wahrnahm, der ihr einen eiskalten Schauder den Rücken hinunter jagte. Nein! Es konnte nicht sein ... Es durfte nicht sein...

Mühsam unterdrückte sie die Wut in ihrem Inneren und schluckte. Mit ausgestrecktem Arm blieb sie vor ihm stehen. „Gib her."

Er legte den Kopf schief und sah sie mit hochgezogener Braue an.

„Du weißt genau, was ich meine, Severus. Die Flasche, das Glas … was auch immer es ist, ich will es haben!"

Sein Gesicht verfinsterte sich schlagartig. „Geh wieder ins Bett, Hermine."

Ungläubig blinzelte sie ihn an. „Auf gar keinen Fall! Zuerst will ich das Zeug haben. Und zwar sofort!"

Er schnaubte leise. „Und dann? Ich werde mir einfach was Neues holen."

Völlig fassungslos sackte sie vor ihm auf die Knie. „Warum, Severus? Warum jetzt? … Warum überhaupt?"

Einen Moment zögerte er, dann wurden seine Lippen zu den markanten dünnen Linien, die sie früher immer so gefürchtet hatte, wenn er drauf und dran gewesen war, ihr vor der gesamten Klasse etwas an den Kopf zu werfen.

„Das kann ich dir sagen", begann er ruhig. „Weil es mich ankotzt, immerzu übergangen zu werden. Seit ich mich erinnern kann, hat irgendjemand mir gesagt, was ich zu tun habe. Mein Vater, der Dunkle Lord, Albus ... Und jetzt auch noch du."

Hermine fühlte sich, als hätte er ihr ein Messer in die Brust gerammt. „Was?", fragte sie kläglich.

Er rollte mit den Augen. „Überrascht dich das?"

Sie spürte, dass ihre Nase eigenartig kribbelte. Doch die Genugtuung, jetzt vor ihm zu weinen, wollte sie ihm nicht geben.

Kopfschüttelnd streckte er seine Beine und schlug sie übereinander. „Severus tu dies, Severus tu das", höhnte er bitter. „Versteck dich im Keller – oh, das war meine Mutter. Jetzt kommt mein Vater: Mal sehen, wie du ohne deinen Zauberstab auskommst - wenn ich dich noch einmal damit erwische, schlage ich dich tot!" Er schnaubte. „Geh! Lauf!Versteck dich! Töte ... Töte!"

Hermine nahm kaum noch wahr, dass die ersten Tränen über ihre Wangen liefen. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Noch vor einigen Monaten war es nicht selten vorgekommen, dass er so neben sich gewesen war, doch jetzt machte er ihr Angst.

Benommen klemmte sie ihre Unterlippe zwischen die Zähne und grub die Zähne hinein.

„Du wolltest nie genauso werden", sagte sie in einem erstickten Flüstern, obwohl sie wusste, dass es gewagt war, das zu tun.

Snapes Nasenflügel bebten. „Nein, wollte ich nicht. Aber vielleicht kann ich es nicht verhindern. Es hat mich zu lange begleitet. Es hat mich geprägt. Weitaus mehr als alles andere."

Sie schluckte. Dass er das sagte, rief böse Erinnerungen in ihr wach. „Aber du darfst nicht zulassen, dass es gewinnt, Severus. Du musst dagegen ankämpfen!"

Kaum merklich wippte er mit dem Kopf. Dann starrte er sie an. „Wie leicht es ist, das zu sagen, nicht?"

Hermines Herz raste vor Panik. Was sollte sie ihm darauf nur antworten? Er wusste selbst, dass es stimmte. Sie steckte nicht in ihm. Plötzlich aber blitzten ihre Augen auf.

„Weißt du noch, als wir ganz am Anfang hier saßen? Bevor das Zimmer renoviert und alles vergrößert wurde? Ich habe es damals gehasst. Der Raum war mir einfach zuwider, so wie alles andere auch. Ich fühlte mich in meinem Körper gefangen, Severus. Hier, mit dir. Ich war allein mit meinen Gedanken und einsam. Und weißt du, was ich daraufhin getan habe?"

Er hob abschätzig eine seiner Brauen und wartete, was sie zu sagen hatte.

„Ich habe mich dir an den Hals geworfen, weil ich weder ein, noch aus wusste. Es schien mir die einzige Möglichkeit, mich damit auseinanderzusetzen. Ich wollte es verstehen, ich wollte die Isolation besiegen. Also habe ich dich bedrängt, mit mir zu schlafen. Und es war falsch. So unglaublich falsch! Ich hatte ja keine Ahnung, was ich damit anrichten würde. Dennoch habe ich es getan."

„Denkst du, das ändert was, wenn du immer wieder damit anfängst?", fragte er mit rauer Stimme. „Denkst du, dadurch lässt sich meine Kindheit verdrängen? Oder was danach war? Die Zeit an Hogwarts, als mir die Rumtreiber im Nacken saßen? Meine Zeit als Todesser? Es ist immer nur noch schlimmer geworden."

Sie schüttelte sanft den Kopf. „Nein, ich denke nicht, dass ich es ändern kann. Aber du musst begreifen, dass du jetzt etwas hast, wofür es sich lohnt, nicht aufzugeben. Du hast Sean." Sie senkte den Blick und besah sich die Knöpfe auf seiner Brust, die sich mit jedem seiner Atemzüge unruhig hoben und senkten. „Und du hast mich, obwohl es nicht so aussieht, als wäre das ein Trost für dich."

Er schluckte hart, entgegnete aber nichts darauf.

Für ein oder zwei Minuten harrte sie vor ihm auf dem Boden aus, dann stand sie auf und kehrte ins Schlafzimmer zurück.