Tear me apart – Teil 3

Kapitel 11

Schluss mit lustig!

Es war immer schwer für Hermine gewesen, ihren Finger im Unterricht bei sich zu behalten, doch an diesem Tag konnte sie sich beim besten Willen nicht länger zurückhalten. Zuerst hatte sie sich bemüht, Snapes Vortrag über die Gefahren zu lauschen, die ihnen drohen konnten, wenn sie den heutigen Zaubertrank versauten. Das Gespräch mit Ginny hatte aber eindeutig Wirkung gezeigt, womit sie immer unruhiger wurde, schließlich war es noch nie ihre Stärke gewesen, etwas auf sich beruhen zu lassen.

Als sie dann hibbelig wie ein aufgeregtes Kleinkind auf ihrem Platz umher rutschte, konnte nicht einmal Snape sie länger ignorieren und richtete mit wie zum Gebet vor dem Körper ineinander gefalteten Fingern das Wort an sie.

„Ja, Miss Granger?"

Hermine spürte augenblicklich, dass Ginny neben ihr alle Mühe hatte, ihr Lachen im Zaum zu halten. Schnell räusperte sie sich. „Professor, ich würde gern wissen, was zu tun ist, wenn Substanzen oder Flüssigkeiten mit verschiedenen Grundeigenschaften aufeinandertreffen ..."

Sie hatte noch nicht einmal ausgesprochen, da unterbrach er sie schon. „Ich denke nicht, dass das etwas zum Thema beiträgt, Miss Granger."

„Wenn ich aber eine Versuchsreihe durchführen möchte? Was dann?"

Snape holte Luft, dann klappte er den Mund wieder zu und starrte sie mit hochgezogener Braue an. „Das steht jetzt nicht zur Debatte", beharrte er mit eisigem Blick.

„Hmm. Aber manchmal ist es doch unumgänglich, gewisse Substanzen zusammenzubringen, um damit zu experimentieren."

„In diesem Fall würden die Substanzen nicht zufällig aufeinandertreffen, sondern mutwillig miteinander in Verbindung gebracht, Granger."

„Und wenn sie sich dabei nun so unterschiedlich verhalten, dass sie einfach nicht miteinander kooperieren wollen, wie zum Beispiel Wasser-Öl-Gemische in Salben oder Cremes? Wie bringe ich die zusammen, ohne dass sie sich wieder voneinander trennen?"

Er rollte mahnend mit den Augen. „Dann sollten Sie einen Emulgator verwenden. Der kann manchmal Wunder bewirken."

„Verstehe … Und was ist mit alkoholischen Lösungen? Ähm, Sir?"

Seine Augen wurden zu dunklen Schlitzen. „In mein Büro, Granger", presste er leise durch seine eng aufeinanderliegenden Kiefer hervor. Und dann, ohne den Blick von ihr zu nehmen, fuhr er etwas lauter fort: „Die anderen lesen derweil die Abschnitte eins bis vier auf Seite einhundertachtundsiebzig. Sofort!"

Sein letztes Wort war ein gefährliches Knurren gewesen und Hermine wusste es besser, als dagegen zu protestieren. Sichtlich betreten reckte sie die Nase in die Luft und machte sich auf den Weg, während um sie herum die Bücher aufgeschlagen wurden.

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„Was sollte das denn eben?", zischte er scharf, noch während er die Tür hinter sich zuknallte und sich mit dem Rücken dagegen warf.

Hermine kaute auf ihrer Lippe herum und hockte sich auf die Kante seines Schreibtischs.

„Entschuldige, Severus. Ich weiß ja selbst nicht, was mit mir los ist, aber als du wieder zu trinken angefangen hast, ist irgendwas mit mir passiert."

„Ach ja?", fragte er sarkastisch. „Und deswegen musst du die Sache vor der ganzen Klasse zur Sprache bringen?"

Sie schüttelte vehement den Kopf. „Aber die wissen doch gar nicht, worum es ging!"

Snape schnaubte und schob gestresst mit den Fingern die langen Strähnen hinters Ohr. „Das ändert nichts, solange ich es weiß, findest du nicht?"

„Warum? Wir sollten das klären."

Er knurrte. „Sicher. Aber gewiss nicht vor anderen, Hermine."

„Ha! Niemand hätte Verdacht geschöpft, wenn du nicht gleich so aufgegangen wärst wie ein bescheuerter Hefeteig!"

„Hmm. Niemand hat dich gezwungen, dieses Fach bei mir zu belegen. Aber wenn dir meine Unterrichtsmethoden nicht passen, muss ich dir nahelegen, Zaubertränke sausen zu lassen. Ich verstehe ohnehin nicht, warum du darauf bestanden hast, damit weiterzumachen. Die anderen Fächer hätten vollkommen genügt."

„Das sehe ich anders. Ich war immer gut in Zaubertränke."

Er schüttelte energisch den Kopf. „Mein Ruf steht hier auf dem Spiel, Hermine!"

„Und meine Zukunft auch!"

„Oh, jetzt kommen wir der Sache langsam auf den Grund. Deine Zukunft! Das ist natürlich etwas anderes."

Sie blinzelte ihn ungläubig an. Der Zynismus in seiner Stimme war nicht zu überhören gewesen. „Bitte?"

„Hör doch auf!"

„Das werde ich nicht", sagte sie ernst.

„Schön, dann heb es dir für später auf. Ich muss zurück zum Unterricht, bevor irgendjemand auf die Idee kommt, Minerva zu informieren, weil du gerade eine Krise durchmachst."

Sie stemmte energisch die Hände in die Hüften. „Nicht ich mache eine Krise durch, Severus, sondern wir."

Er legte den Kopf schief. „Wirklich? Was du nicht sagst! Aber wenn du dich erinnerst, war es nie anders, Hermine."

Ihr sackte das Kinn nach unten. „Wie kannst du nur so etwas sagen? Wir hatten auch schöne Zeiten!"

„Weil es die Wahrheit ist."

„Aber ..."

„Nein, Schluss mit lustig, Hermine. Ich habe es satt! Ständig muss ich mir deine Vorwürfe anhören. Mein ganzes Leben habe ich so gelebt, wie ich es musste. Jetzt, wo wir verheiratet sind, soll ich plötzlich alles umkrempeln. Das geht nicht! Wir haben das jetzt ein Jahr mitgemacht, aber weißt du, wie viel Zeit wir damit verbracht haben, miteinander zu streiten?"

„Wir sind eben sehr leidenschaftlich ..."

Er rollte mit den Augen. „Natürlich. Vielleicht liegt genau da unser Problem."

Irritiert schlang sie die Arme um den Leib. Wenn er so abwertend daherredete, musste sie unweigerlich frösteln. „Was soll das heißen, Severus?"

„Dass wir ständig Auseinandersetzungen miteinander haben. Und danach haben wir Sex und alles geht von vorne los. Aber ich kann so nicht ewig weitermachen. Von irgendwas muss ich uns ernähren. Nur machst du mich manchmal absolut wahnsinnig, wenn du dich Hals über Kopf in irgendwas verrennst. Und ich kann mich so unmöglich auf meine Arbeit konzentrieren."

Sie grummelte leise vor sich hin. „Was schlägst du also vor?"

Eine kurze Pause trat ein, in der er seine Hände in die Hosentaschen steckte und nachdenklich zu Boden starrte. Dann seufzte er tief und langanhaltend. „Ich denke, es ist besser, wenn ich meine Sachen packe und erst mal nach Spinner's End ziehe."

Hermine wurde bleich. „WAS?"

Er nickte. „Ja. Vorerst wird es das Beste sein, wenn wir uns aus dem Weg gehen, bis sich alles beruhigt hat. Es ist viel passiert in den letzten Monaten, Hermine. Ich bin nicht mehr so fit, wie ich es mal war. Dann noch die Sache mit den Gesetzesänderungen, dazu Dumbledore ..."

„Und ich", schloss Hermine bitter.

Er holte Luft und legte abschätzig die Stirn in Falten. „So habe ich das nicht gemeint."

Sie lachte auf. „Doch, hast du. Als du nämlich davon angefangen hast, wer dir alles gesagt hast, was du zu tun hast, war ich mit auf der Liste, Severus."

Er presste die Lippen fest aufeinander, bis sie zu den dünnen, für ihn kennzeichnenden Linien wurden. Mit langen Schritten bewegte er sich auf sie zu und umfasste mit seiner Hand ihr Gesicht. „Wir sind einfach zu verschieden, Hermine", sagte er gebrochen.

Sie musste sich ungewollt schütteln, doch noch ehe er ihr Zeit gab, etwas zu erwidern, zog er sie zu sich, bis sie nach einem kurzen Widerstand ihr Gesicht an seine Brust drückte. In Situationen wie diesen kamen ihr unweigerlich die Tränen, denn obwohl sie so viel miteinander durchgestanden hatten, wusste sie nur zu gut, wie Recht er damit hatte.

Er schluckte hart und sie blickte auf und sah in seine unglaublich schwarzen Augen.

„Sex ist nicht immer eine Lösung", sagte er mit belegter Stimme.

Hermine wusste nicht, ob sie weinen oder lachen sollte. Traurig löste sie sich von ihm los. Es wäre sinnlos gewesen, jetzt noch weiter darüber zu diskutieren, wo ihnen doch der Rest der Klasse im Genick saß und sich vermutlich schon längst die Mäuler über sie zerriss. Die Spannungen zwischen ihnen waren ohnehin schon zu groß und die Gemüter zu aufgewühlt.

„Wir müssen zurück, oder?", fragte sie leise.

Er nickte. „Ja."

Hermine wischte sich mit dem Ärmel über die Augen. Dann senkte sie den Blick und brauste an ihm vorbei auf die Tür zu und zurück ins Klassenzimmer.

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„Würdest du mir endlich sagen, was mit dir los ist?", fragte Ginny besorgt, als sie am Ende der Stunde zu Poppy gingen, um Sean abzuholen. „Ihr wart ganz schön lange weg ..."

Hermine schüttelte trotzig den Kopf. „Wozu, Gin? Was sollte das jetzt noch ändern?"

Ginny packte blitzschnell ihren Arm und zwang sie dazu, stehenzubleiben.

„Was ist passiert, Hermine?", hakte sie streng nach.

Einen Moment starrten sie sich angespannt an, dann machte Hermine sich von ihr los und ließ ihren Tränen freien Lauf.

„Wie es aussieht, zieht er nach Spinner's End."

Ginny riss die Augen auf. „Was?"

Hermine nickte beklommen. „Ja."

„Aber das muss doch nicht heißen, dass es für immer ist, oder?"

„Keine Ahnung, Gin. Wir streiten uns einfach ständig wieder, obwohl wir beide das hassen." Hilflos zuckte sie mit den Schultern. „Aber er hat Recht, wir sind einfach zu verschieden."

Ginny biss sich auf die Lippe und wartete, bis auch die letzten Schüler an ihnen vorbeigezogen waren, ehe sie mit gesenkter Stimme antwortete.

„Deshalb dein Gerede im Unterricht vorhin."

Ohne etwas zu erwidern ließ Hermine sich mit dem Rücken gegen die Wand fallen. „Ich will das nicht, Gin. Aber ich musste mir selbst eingestehen, dass wir ständig aufeinanderprallen ..."

Sie war noch nicht fertig, als am Ende des Gangs die Tür zu Snapes Klassenzimmer aufgestoßen wurde. Erschrocken drehten sie sich um und sahen den Professor herauskommen, der so neben sich zu stehen schien, dass er sie zuerst gar nicht bemerkte. Erst als er die Tür hinter sich verriegelt hatte, entdeckte er die beiden Freundinnen und warf einen eigenartigen Blick in ihre Richtung.

Ginny funkelte ihn wütend an.

Wie auf Kommando schnaubte er drauflos: „In trauter Zweisamkeit, nicht wahr? Das war ja klar!"

„Ach ja?", fragte Hermine gereizt.

Snape aber beachtete sie gar nicht, sondern wandte sich an Ginny. „Kümmern Sie sich gefälligst um Ihre eigenen Angelegenheiten, Miss Weasley!"

Hermine stieß sich von der Wand ab. „Sie hat noch nicht mal was gesagt, Severus!" Sie drehte sich um. „Komm, Gin, wir gehen!"

Das Weasley-Mädchen öffnete den Mund, als Hermine aber an ihrem Ärmel zog, klappte sie ihn sprachlos wieder zu und ließ sich von ihr fortziehen.