Tear me apart – Teil 3
Kapitel 12
Abhilfe
„Ihr habt eindeutig eine Krise, Hermine", stellte Ginny besorgt fest.
Hermine rollte mit den Augen und stützte den Kopf auf die Hände. „Was du nicht sagst."
Ginny seufzte mitleidig. „Tut mir leid, aber die Vorstellung vorhin war echt voll daneben von euch."
Ungläubig riss sie die Augen auf. „Von uns?"
„Ja. Oder dachtest du, er allein ist Schuld daran?"
Hermine reckte entrüstet den Oberkörper in die Höhe. „Ich hab mich wohl verhört, Gin!"
Das Weasley-Mädchen schüttelte den Kopf. „Nein, hast du nicht. Ihr seid beide verdammt stur, wenn ich das mal so sagen darf. Außerdem seid ihr wütend aufeinander. Aber so ein Verhalten ist keine Lösung, glaub mir."
„Und was schlägst du vor?"
„Als ob das nicht offensichtlich wäre! Ihr müsst dringend miteinander reden und das klären."
„Pah, reden!", knurrte sie. „Ich meine ... ich rede gerne, aber mit ihm ist das nicht immer so leicht. Unsere Auseinandersetzungen enden meistens damit, dass wir Sex haben. Und was daraus geworden ist, siehst du ja." Sie strich abwesend mit den Fingern über Seans kleine Hand, der wohlbehütet zwischen ihren Beinen auf dem Sofa lag und döste.
Ginny pustete die Luft angestrengt aus ihren Lungen heraus. „Okay, dann müsst ihr euch eben Hilfe besorgen, die euch davon abhält, euch aufeinander zu stürzen. Sex ist nicht immer eine Lösung für alle Probleme, Hermine."
„Das hat er auch gesagt", kommentierte sie abfällig.
Ginny horchte auf. „Hat er? Hmm. Sehr interessant."
Hermine legte skeptisch die Stirn in Falten. „Na, ich weiß nicht. Bevor Sean da war, hat es jedenfalls auch so funktioniert."
„Kann sein. Aber jetzt habt ihr ein Kind. Es war klar, dass sich dadurch alles ändern würde, oder nicht?"
„Keine Ahnung. Es ist nicht so leicht, das zu erklären. Was Severus und ich miteinander hatten, war schon immer kompliziert. Aber mit der Geburt hat sich plötzlich alles nochmal gedreht." Sie seufzte. „Manchmal wünschte ich, ich wäre nicht so impulsiv, da muss es ja unweigerlich zu Spannungen zwischen uns kommen."
Ginny nickte gedankenverloren. „Vielleicht liegst du damit gar nicht so falsch. Immerhin hast du dich auch noch dazu entschieden, dich weiterhin von ihm unterrichten zu lassen. Bestimmt ist das für eure Beziehung nicht gerade förderlich."
„Worauf willst du hinaus?", fragte sie skeptisch.
„Ehrlich, Hermine! Hast du dich schon mal gefragt, warum du Zaubertränke gewählt hast? Du wusstest doch, dass es nicht leicht werden würde, wenn ihr wieder zusammen in einem Klassenzimmer seid. Kann es da nicht vielleicht sein, dass du das Fach nur genommen hast, weil du ihn sehen wolltest? Ich glaube, mich erinnern zu können, wie du ganz nebenbei mal erwähnt hast, dass ihr viel zu wenig Zeit miteinander verbringt ..."
Ginny sah sie so eindringlich an, dass Hermines Wangen dabei einen leichten Rotton bekamen.
„Ach, weißt du", murmelte sie unbeholfen, „natürlich vermisse ich es, einfach nur mit ihm alleine zu sein. Seit wir miteinander verheiratet waren, waren wir schließlich mehr oder weniger hier in diesem Zimmer eingepfercht."
„Siehst du? Und wie soll es jetzt weitergehen, wenn er in seinem Haus wohnen wird?"
Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Severus wird wie immer apparieren oder die Kamine benutzen, sobald er das Schloss verlässt. Außerdem war er ein Todesser. Das heißt, für ihn gibt es viele Möglichkeiten, schnell zwischen Hogwarts und Spinner's End zu wechseln."
„Das schon", sagte Ginny scharf. „Aber ich rede von euch, Hermine. Glaub mir, noch vor gut einem Jahr wäre es mir egal gewesen, was mit Snape passiert. Aber jetzt bin ich fest davon überzeugt, dass ihr zusammengehört. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr die Spannungen zwischen euch unterdrücken solltet, indem ihr euch aus dem Weg geht ..." Sie stutzte plötzlich. „Außerdem sollte ich mich langsam auf die Socken machen, bevor er hier aufkreuzt und mich sieht. Er wirkte nicht gerade erfreut darüber, dass wir uns ausgetauscht haben. Ähm, um ehrlich zu sein, war er ein ziemlicher Kotzbrocken, fast schon wie früher ..."
„Mach dir darüber mal keine Sorgen", entgegnete Hermine beschwichtigend. „Es tut mir leid, dass du das miterleben musstest, aber diese Launen sind nun wirklich mein geringstes Problem." Sie beugte sich zu Sean hinunter und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. „Bis dann, mein Kleiner."
„Du meldest dich, wenn ich ihn dir zurückbringen soll, ja? Ansonsten sehen wir uns morgen Früh."
Hermine nickte. „Danke für alles, Gin. Ich hoffe, er wird nicht zu viel Krach machen heut Nacht - wer weiß, vielleicht komme ich ihn ja auch später holen. Aber erst muss ich versuchen, mit Severus zu reden."
„Tu das. Wir kommen schon klar. Wenn ich was brauche, werde ich die Hauselfen fragen ... Und denk an meine Worte!"
Hermine seufzte. „Wem sagst du das. Ich wünschte wirklich, ich hätte einen Plan für alles. Irgendeine Lösung, die uns hilft, das durchzustehen. Nur wie es aussieht, bist du die Einzige, die so denkt. Severus hat jedenfalls nicht den Eindruck gemacht, als würde er diesen Schritt zum Spaß in Erwägung ziehen."
Kopfschüttelnd stand Ginny auf und streckte die Arme nach Sean aus. Dann drückte sie ihn behutsam an sich und schulterte die Wickeltasche. „Trotzdem musst du es versuchen. Ihr macht da einen riesigen Fehler, wenn ihr jetzt einfach aufgebt, glaub mir."
„Ach ja?", fragte Hermine geknickt. „Glaubst du, es fällt mir leicht, ihn gehen zu lassen?"
Ginnys Augen blitzten auf. „Mit Sicherheit nicht. Ich kann es dir ansehen. Aber es wundert mich, dass du so schnell nachgibst. Das passt nicht zu dir, Mione. Du hast schon immer um ihn gekämpft, da wirst du dich doch jetzt nicht unterkriegen lassen, oder?"
Hermine seufzte. „Nein, Gin, ganz bestimmt nicht. Und falls du Filch über den Weg läufst, zeig ihm die Erlaubnis von McGonagall. Dass der Kerl uns wegen Sean Ärger macht, fehlt mir jetzt noch."
Ginny lächelte verschmitzt. „Na hör mal! Mach dir keine Sorgen, Sean ist ja schließlich nicht irgendein Baby ... Ich habe alles im Griff."
„Wie immer", murmelte Hermine abwesend und wünschte insgeheim, dass es bei ihr genauso wäre.
xxx
Es war Abend, als Snape das Wohnzimmer in den Kerkern betrat, das früher ihr gemeinsames Quartier gewesen war. Hermine war inzwischen mit den Nerven vollkommen am Ende. Zwar hatte er gesagt, dass er seine Sachen packen würde, dennoch hoffte sie inständig, dass es nicht dazu kommen würde. Angespannt hatte sie auf dem Sofa ausgeharrt und bearbeitete nun mit den Zähnen ihre Lippe, während sie verstohlene Blicke auf seine schwarze Gestalt warf. Vor lauter Aufregung hatte sie es längst aufgegeben, sich auf ihre Hausaufgaben zu konzentrieren.
Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss, dann stand er da und suchte mit seinen Augen den Raum ab, als könne er damit verhindern, sie anzusehen.
„Wo ist Sean?"
Hermine schluckte. Der Ton in seiner Stimme verhieß nichts Gutes. „Bei Ginny."
Snape zog die Brauen eng zusammen, als würde ihm das gar nicht passen. Dennoch sagte er nichts darauf, sondern nahm leise vor sich hin brummend seinen Umhang ab, legte ihn über die Lehne seines Sessels und sackte mit lang ausgestreckten Beinen darin zusammen.
Hermine wurde das Gefühl nicht los, handeln zu müssen, also wollte sie gleich zur Sache kommen, ehe er sich dazu entschließen konnte, zur Tat zu schreiten.
„Severus, bitte lass uns noch einmal in Ruhe miteinander darüber reden. Was du vorhin in deinem Büro gesagt hast, kann ich nicht einfach so hinnehmen. Wir standen beide unter Stress, das muss dir doch klar sein, nicht wahr?"
Er seufzte und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Das habe ich mir fast gedacht."
Hermine hielt gebannt die Luft an. Sie wusste, dass es schwer werden würde, in Anbetracht der angespannten Lage die Nerven zu bewahren.
„Also?", fragte er abschätzig. „Was willst du?"
Sie senkte den Blick auf seine Brust. Natürlich wusste sie, was sie für ihn empfand, obwohl sie immer wieder aneinander gerieten. Doch sein kühles Verhalten machte ihr die Situation nicht gerade leichter. Es war wie immer ein Teil seiner Fassade, die er aufsetzte, sobald er sich zurückzog, um zu vermeiden, dass jemand ihn verletzen konnte.
„Ich möchte nicht, dass du gehst, Severus", sagte sie leise. Erst dann blickte sie wieder auf und sah ihn an. „Ich möchte bei dir sein, kannst du das denn nicht verstehen?"
Er wippte nachdenklich mit dem Kopf und faltete die Finger vor dem Schoß ineinander. „Dir ist doch wohl klar, dass das so unmöglich weitergehen kann, Hermine."
Verunsichert zuckte sie mit den Schultern. „Und was dann, Severus? Willst du mir sagen, dass alles ein Fehler war? Dass wir besser nicht zusammen sein sollten?"
Seine Augen blitzten auf. „Warum tust du das nur, Hermine? Warum stellst du mir immerzu diese Fragen, die zu nichts führen?"
Hermine konnte sich nicht länger zurückhalten. Die letzten Monate waren einfach zu viel für sie gewesen. Zuerst hatte sie um sein Leben gebangt, im Anschluss darum, wie es mit Hogwarts weitergehen würde. Als dann auch noch Cormac und das Ministerium angefangen hatten, wieder einmal Wirbel in ihr Leben zu bringen, war ihr erst so richtig bewusst geworden, dass Severus vielleicht Recht gehabt hatte und es nie ein Ende nehmen würde.
Ohne dass sie etwas dagegen tun konnte, spürte sie Tränen in ihren Augen aufsteigen. „Antworte mir einfach nur, Severus", sagte sie kläglich. „Bitte."
Ein tiefer Seufzer entfuhr ihm, der ihn ziemlich abgeschlagen aussehen ließ. „Ehrlich gesagt weiß ich überhaupt nicht, was ich dir erzählen soll, Hermine. Es wird immer etwas geben, das uns voneinander trennt. Du bist noch so jung. Und ich kann nicht von dir erwarten, dass du dich meinetwegen ständig anpasst. Das wäre nicht richtig."
„Severus ..."
Er brummte nachdenklich vor sich hin. „Nein, es ist einfach so. Die meisten Menschen kommen nicht mit diesen extremen Situationen klar. Es ist unmöglich, das zu verstehen."
„Es geht aber nicht um andere", wimmerte sie leise. „Wir sind es, die dieses Leben führen. Und zwar gemeinsam."
Snape legte die Hände in den Nacken, lehnte den Kopf nach hinten und schloss die Augen. Hermine beobachtete ihn eine Weile, dann stand sie langsam auf und kam auf ihn zu. Sie konnte spüren, dass er sich verspannte, als er merkte, was sie vorhatte. Schlagartig sprangen seine Augen auf und fixierten sie, dann blickten sie sich an.
Hermine streckte vorsichtig die Hand nach ihm aus und strich ihm damit über die Wange. „Bitte bleib, Severus."
Seine Kiefermuskeln arbeiteten. „Und was dann, Hermine? Wozu soll das führen, wenn wir uns ständig nur streiten?"
Zögerlich setzte sie sich zu ihm auf die Lehne seines Sessels und strich mit den Fingern über die Knöpfe auf seiner Brust. „Das kann ich dir nicht sagen. Aber ich weiß, dass wir uns lieben." Er stöhnte bitter auf, doch sie fuhr fort: „Vielleicht haben wir es einfach nicht genug versucht, Severus."
Sichtlich befremdlich sah er sie an. Dann nahm er die Hände runter und umfasste mit festem Griff ihre Hüften, um sicherzugehen, dass sie ihm nicht zu sehr auf den Leib rücken konnte, denn wenn er in einer Situation wie dieser eines vermeiden wollte, dann dass sie wieder Gefahr laufen konnten, sich gehen zu lassen.
„Das ist nicht die Antwort auf unsere Probleme", murmelte er angestrengt zwischen seinen eng aufeinander gepressten Kiefern hervor.
Sie zuckte mit den Schultern. „Vielleicht. Aber es ist die einzige Antwort, die einen Sinn ergibt. Doch wenn du anderer Meinung bist, sag es mir, Severus. Was geht in dir vor? Und ich meine damit nicht die Wut, die du auf mich hast, wenn ich Mist gebaut habe. Ich meine die anderen Dinge."
Seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen. „Du weißt es, Hermine. Nur wird sich nichts ändern, solange du immer wieder auf eigene Faust Entscheidungen fällst, die uns beide betreffen."
„Dann willst du mir damit also sagen, dass du lieber wieder allein wärst?", fragte sie ungläubig. „Dass du dein altes Leben zurück willst?"
Er wendete den Blick ab. „Ich kann es dir nicht sagen."
Sie nickte auffordernd. „Doch, kannst du."
Als er nicht darauf antwortete, umfasste sie mit den Händen sein Gesicht und brachte ihn dazu, sie anzusehen.
„Wenn du mich wirklich nicht willst, Severus, dann sag es mir. Andernfalls bist du nichts weiter als jemand, der sich selbst etwas vormacht."
Sie konnte spüren, dass sich seine Gedanken förmlich überschlugen. Früher hätte er nicht gezögert, gegen ihre forsche Art vorzugehen, doch jetzt wusste er, dass es gefährlich war, sich darauf einzulassen, denn am Ende landeten sie jedes Mal nur wieder im Bett, wenn sie so gereizt waren. Es lief immer darauf hinaus, dass sie ihre Spannungen auf diese Art abbauten.
„Sag mir die Wahrheit, Severus", flüsterte sie leise. „Dann werde ich es akzeptieren."
Er schluckte hart. Dann packte er sie fester bei den Hüften und brachte sie auf Abstand zu sich, ohne den Blick von ihren Augen zu nehmen. „Die Wahrheit ist, dass ich nicht weiß, was ich tun soll, Hermine. Wir können nicht immer darauf bauen, dass Albus oder Potter uns den Rücken stärken, nur weil sie berühmt sind."
„Was meinst du damit?", fragte sie irritiert.
Ein tiefer Seufzer entfuhr ihm. „So wie ich es gesagt habe. Seit Ende des Krieges war ich auf ihre Meinungen angewiesen, die mich und meine Vergangenheit entlastet haben. Aber es wird immer Menschen geben, die etwas gegen mich vorweisen wollen. So wie dieser Beamte vom Ministerium. Warum Albus überhaupt in den Fall eingegriffen hat, obwohl wir derartige Auseinandersetzungen miteinander hatten, ist mir selbst ein Rätsel." Er schüttelte den Kopf. „Ist dir eigentlich klar, wie knapp ich einer Verurteilung entgangen bin? In den Unterlagen wurde deutlich erwähnt, dass wir uns sehr nahe stehen."
„Ach ja? Und was ist so ungewöhnlich daran? Wir sind verheiratet, Severus."
„Genau das ist es ja. Von den anderen Paaren, die in unserer Lage waren, hat es niemand soweit gebracht. Kein Wunder also, dass sie uns verdächtigen."
Hermine rollte mit den Augen. „Schön. Ich verstehe, dass du dir Sorgen machst. Doch glaub mir, das tue ich auch. Nur werden wir unsere Probleme nicht lösen, wenn wir uns aus dem Weg gehen."
„Vielleicht nicht. Aber wenigstens kann ich mich dann wieder auf meine Arbeit konzentrieren."
„Das ist ein Witz, oder?"
Er legte den Kopf schief und blickte sie mit hochgezogener Braue an. „Sehe ich so aus, als wäre ich dazu in Stimmung?"
Hermine biss sich auf die Lippe. „Nein, eigentlich nicht. Aber ich hatte gehofft, dass du etwas mehr für mich empfindest, als du es für deine Arbeit tust."
Er seufzte und lehnte seinen Kopf an ihre Stirn. „Weißt du, eigentlich sollte ich darauf überhaupt nicht antworten. Ich dachte, wir sind uns darüber einig, dass wir den Job brauchen, Hermine."
„Natürlich tun wir das."
„Also?"
Noch ehe Hermine antworten konnte, wurden sie von einem energischen Klopfen an der Tür unterbrochen. Verschreckt fuhr sie auf und blinzelte ihn an. „Erwartest du Besuch?"
Snape schüttelte den Kopf. „Nein."
Nicht gerade erfreut über die Unterbrechung kletterte Hermine von seinem Sessel und ging zur Tür, um zu öffnen.
„Professor McGonagall ..."
„Guten Abend, Miss Granger."
Snape stieß einen Seufzer aus. „Minerva. Was verschafft uns die Ehre deines Besuchs?" Sichtlich genervt erhob er sich, während McGonagall zu ihm hinüber schwebte.
„Eben erreichte mich ein Brief vom Ministerium", sagte sie mit spitzer Stimme.
Hermine lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür und hielt den Atem an. Es war eindeutig ein Fortschritt, dass ihre Schulleiterin nicht mehr aus dem Kamin geschossen kam, dennoch hatte sie ein ungutes Gefühl, denn jedes Mal, wenn sie oder Dumbledore einen derart unerwarteten Auftritt hingelegt hatten, war irgendetwas beunruhigendes geschehen.
„Albus hat mich kontaktiert. Er hat Neuigkeiten in Bezug auf eure Untersuchung. Wir waren uns beide einig darin, dass euch das interessieren könnte ..."
„Warum sagst du nicht einfach, worum es geht, Minerva?", fragte Snape in einem scharfen Knurren.
Sie räusperte sich. „Also gut. Wie es aussieht, konnte Mr. Potter in Erfahrung bringen, dass dieser Beamte, Herr Schmidt, von Cormac McLaggen dazu beauftragt wurde, diese fadenscheinige Untersuchung gegen euch anzuleiern. Natürlich hat Potter uns sofort darüber informiert ..."
Snape starrte Hermine zornig an. „Na wunderbar! Da hast du es, Hermine. Siehst du jetzt, dass ich es leid bin, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein? Potter und Albus vereint! Das ist genau das, was ich jetzt brauchen kann! Ich hätte McLaggen umbringen sollen, als ich seinen räudigen Hals zwischen meinen Fingern hatte."
McGonagall rang nach Luft. „Severus ..."
„Dieser Bastard hat es gewagt, seine dreckigen Hände auf meine Frau zu legen, Minerva."
„Was?", kreischte sie aufgebracht. „Wann?"
„Letztes Jahr. Und noch einmal kürzlich auf der Feier."
Entsetzt blickte sie zwischen den beiden umher. „Ist das wahr?"
Hermine nickte bedröppelt.
Snape ließ seine Finger durch die langen Strähnen gleiten. „Ich werde ihn umbringen!"
„Severus, nein!", rief Hermine mit einem Anflug von Panik in der Stimme. „Bitte beruhige dich, andernfalls werden sie dich einsperren!"
McGonagall sah aus, als würde sie am ganzen Leib zittern. „Ich muss den Schulleiter informieren ...", murmelte sie abwesend vor sich hin.
Snape schnaubte. „Du bist der Schulleiter, Minerva."
„Ja, richtig … Aber Albus wird es wissen wollen. Wir müssen uns vorsehen - wir brauchen einen Plan, falls die Sache erneut eskaliert."
Er rollte mit den Augen. „Als ob uns das jetzt noch helfen könnte."
Sie rümpfte die Nase. „Deine Stimmung lässt wieder einmal zu wünschen übrig. Mir scheint, ich komme sehr ungelegen, Severus."
Er lachte bitter auf. „Allerdings. Meine Frau und ich waren gerade in einer wichtigen Besprechung, unsere Zukunft betreffend. Und jetzt fühle ich mich darin bestätigt, dass ich mehr und mehr zu einem Objekt gemacht werde, über das man sich nach Lust und Laune auslassen kann."
Hermine seufzte. „Würdest du damit aufhören, Severus? Wir sollten froh sein, dass Harry uns hilft. Und auch ohne Dumbledore wären wir ziemlich aufgeschmissen gewesen, nicht wahr? Immerhin hat er es geschafft, die Sache erst mal auf sich beruhen zu lassen."
McGonagall starrte entgeistert umher und Hermine wurde das Gefühl nicht los, dass ihr langsam dämmerte, dass hier etwas nicht in Ordnung war.
„Also, Professor", sagte sie mit vorgetäuschter Ruhe. „Wir sind Ihnen sehr dankbar für die Information. Aber wenn Sie uns jetzt bitte entschuldigen würden … Severus und ich, wir – wir haben noch einiges zu besprechen."
Sie warf einen mahnenden Blick in die Richtung ihres Mannes, in der Hoffnung, dass er nicht weiter protestieren würde, dann schob sie McGonagall mit Nachdruck zur Tür hinaus.
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Mit den Händen in den Hosentaschen stand er vor dem Kamin und starrte hinein in die Hitze des Feuers.
„Was zur Hölle sollte das denn wieder, Severus? War es wirklich nötig, dass du vor ihr immer alles schlecht machst?"
„Ich habe genug davon, herum geschubst zu werden, Hermine."
Sie holte tief Luft und setzte sich mit angezogenen Beinen aufs Sofa. „Das verstehe ich", sagte sie betrübt. „Aber es geht hier nicht um dich allein, sondern um uns. Und ich werde nicht aufgeben, solange um dich zu kämpfen, bis das endlich in deinen Sturschädel reingeht."
Er schüttelte den Kopf. „Siehst du es denn nicht, Hermine? Das Problem wird immer bei mir und meiner Vergangenheit liegen."
„Aber wenn du jetzt aufgibst, haben sie gewonnen, Severus. Das können wir unmöglich zulassen!"
„Und ich kann nicht einfach nur zusehen und nichts tun, Hermine. Es wird Zeit, endlich zu handeln."
Kaum hatte er ausgesprochen, sprang sie auf die Beine und rannte auf ihn zu. Nach Halt suchend legten sich ihre Arme um seinen Rumpf, dann drückte sie sich an ihn.
„Ich hätte verstanden, wenn du so reagiert hättest, als Voldemort noch existiert hat. Aber jetzt, Severus, gibt es nur noch uns. Du bist nicht mehr an ihn gebunden. Und ich möchte nicht, dass du uns aufgibst, nur weil das Leben Schwierigkeiten für uns bereithält. Außerdem wirst du es nur noch schlimmer machen, wenn du jetzt überreagierst."
„Das möchte ich auch nicht", murmelte er in einen tiefen Ton.
„Dann bleib bei mir. Bitte geht nicht fort. Denk nicht an das Ministerium. Auch nicht an Cormac. Denk an Sean und mich."
Er seufzte und legte seine Hände um ihre Schultern. „Ich kann dir keine Versprechungen machen, Hermine. Meine Entscheidung war eindeutig. Ich brauche einen klaren Kopf, versuch bitte, das zu verstehen."
„Ich weiß", schluchzte sie mit zitternden Lippen. „Aber lass uns nie aufhören, es zu versuchen, ja?"
Er setzte ein gequältes Lächeln auf, die Mundwinkel leicht zurückgerollt, als er in ihre flehenden, braunen Augen sah, die mit Tränen gefüllt, sowie einer Mischung aus Angst und verschiedenen anderen Emotionen durchzogen waren.
„Immerzu musst du weinen", murmelte er mit belegter Stimme.
„Das hängt von den Männern ab", heulte sie.
Ein leichtes Schnauben drang aus ihm hervor. „Wann kommt Sean zurück?"
„Oh." Sie zog die Nase hoch. „Ginny und ich, wir haben entschieden, dass er die Nacht über bei ihr bleibt."
„Im Gryffindor-Turm?"
Sie nickte. „Ich kann ihn sofort holen, wenn du willst. Aber ich war nicht sicher, wie lange wir diesmal miteinander diskutieren würden, also dachte ich, es wäre besser, wenn er nicht miterleben muss, wie sich seine Eltern streiten."
„Offensichtlich hast du dir Gedanken darüber gemacht", bemerkte er mit Nachdruck.
Hermine wusste, dass er unter den Streitereien seiner Eltern gelitten hatte und nickte. „Na ja, wir können es vielleicht nicht immer vermeiden, aber da du so ernst warst, habe ich mir Sorgen gemacht."
„Verstehe."
Unsicher lugte sie zu ihm hoch. „Wenn du nichts dagegen hast, würde ich ihn gern noch bei ihr lassen und ihn morgen holen."
Snapes Augen blitzten auf. „Man könnte glatt meinen, du hast das mit Absicht eingefädelt."
„Komm schon, Severus. Ich habe Sehnsucht nach dir."
Er schüttelte kaum merklich den Kopf und legte seinen Finger auf ihre Lippen. „Du wirst dich nie ändern."
Sie senkte den Blick auf seine Brust. „Früher hat es dir gefallen."
„Wer sagt, dass es mir jetzt nicht mehr gefällt?"
Erleichtert sah sie auf und reckte sich zu ihm hoch, bis sie seinem Gesicht ganz nahe war. „Und? Bringst du mich jetzt in unser Bett hinüber? Ich zergehe noch vor Sehnsucht, Professor."
„Und das kann ich natürlich unmöglich zulassen", stellte er fest.
„Nein, kannst du nicht. Du bist ebenso verrückt nach mir, wie ich nach dir."
Seine Haltung versteifte sich, als würde er sich wieder vor ihr verschließen, seine Augen aber blieben offen. „Wie es aussieht, läuft es immer darauf hinaus, nicht wahr? Unter diesen Umständen gehst du besser auf deinen eigenen Beinen ins Schlafzimmer ..."
Hermine klopfte ihm verspielt auf die Schulter. „Nein. Ich bestehe darauf, dass du mich trägst. Du hast mir einen Riesenschrecken versetzt, als du gesagt hast, du willst nach Spinner's End ziehen."
Er seufzte. „Hermine, wenn ich heute Nacht hierbleibe, heißt das noch lange nicht, dass für immer alles gut sein wird."
Sie nickte. „Das ist mir bewusst. Aber bitte geh nicht. Weißt du, du schuldest mir noch eine Hochzeit und einen Ring ..."
„Ach ja? Wir hatten gerade Streit, wie kannst du da von der Hochzeit reden? Außerdem bin ich es leid, ständig mit dir zu argumentieren. Ich werde langsam zu alt dafür."
„Vielleicht. Aber zuerst wirst du mit mir schlafen und wir vertragen uns dabei wieder. Und vielleicht können wir dann ja doch noch über die Hochzeit reden."
Er rollte mit den Augen. „Frauen."
„Du hast Glück, dass ich nicht sonderlich romantisch veranlagt bin."
„In der Tat."
Mit Schwung hob er sie hoch und drückte sie an seine Brust. Dann sah er sie mit gerunzelter Stirn an.
„Du bist schwer, weißt du das?"
Hermine schoss ihm einen finsteren Blick zu. „So viel zur Romantik."
„Ich hoffe, du hast die Pille nicht vergessen, andernfalls würde es mich nicht wundern, wenn du zugelegt hast ..."
„Das ist nicht komisch, Severus! Die Geburt ist noch gar nicht so lange her. Denkst du wirklich, ich möchte es darauf anlegen?"
„Wir reden hier schließlich von dir, also kann man nie wissen."
„Ach, halt die Klappe!"
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Sie kuschelte sich in seinen Armen an ihn und wurde von ihm fortgetragen, wobei sich ihr Verstand vollkommen zurückzog.
Wieder waren sie dabei, sich zu lieben und zu verlieren. Auf ihre Art; so wie sie es brauchten, wie es vielleicht niemals jemand anders verstehen würde: verrückt, absonderlich, leidenschaftlich.
Sie wusste, dass sie ihn spüren wollte, ihn auskosten wollte. Ebenso wie er sie.
Wie es vom ersten Moment an zwischen ihnen gewesen war, als sie seine Hand genommen und ihn berührt hatte. Sein Geschlecht, seine sich unruhig hebende Brust, seine langen Strähnen, die ihr die Sicht auf seinen faszinierenden Ausdruck genommen hatten, während er sich hingegeben hatte.
Hermine wollte seine brennenden Augen entziffern, in denen schwarze Flammen der Lust loderten, die sie in ihm geweckt hatte. Damals, als er sie auf den kalten Boden gepresst hatte, weder romantisch, noch sanft. Einfach verzweifelt. Ein Fehler, der so süß und verlockend gewesen war, dass keiner von ihnen widerstehen konnte. Die Leidenschaft hatte über sie gesiegt, die Lust des Fleisches war zu stark gewesen.
Erneut erfüllte ihr heißer Atem die Luft des Kerkers, brannten ihre Lippen auf der Haut des jeweils anderen.
Leckend, liebkosend, reizend bahnten sie sich ihren Weg über ihre halb entblößten Körper.
Snapes Zunge kreiste ihre Hüfte hinab und hinterließ eine feuchte Spur, die Hermine schaudern ließ. Seine ungeduldigen Finger entledigten sie ihrer Jeans, dann küsste er sie auf die Innenseite ihrer Schenkel.
Hermine reckte ihr Becken in die Höhe und vergrub ihre Finger in seinen Strähnen, um ihn noch inniger an sich zu ziehen.
Irgendwann löste sie sich dann von ihm los und öffnete die Knöpfe, die in perfekter Harmonie mit seiner Kleidung standen, die sie so sehr lieben gelernt hatte. Sie konnte nicht länger widerstehen und wollte seinen gepeinigten Oberkörper befreien, den er vor jedem verbarg, nur nicht vor ihr. Er gehörte ihr, vollkommen.
Snape ließ ein tiefes Grollen vernehmen, als sie mit ihren Händen unter sein Hemd fuhr und ihre Finger über seinen blassen, vernarbten Torso gleiten ließ.
„Ich kann dich nicht gehen lassen", flüsterte sie sanft.
Er antwortete nicht. Stattdessen beugte er sich über sie und griff zwischen ihre Körper, um sie mit einem einzigen Stoß seines harten Glieds zu vereinen. Zitternd, als würde ein Blitz durch ihre Mitte jagen, hielt sie sich an seinen Schultern fest. Seine Lippen kamen auf sie nieder, innig und fordernd, in einem niemals enden wollenden Kuss. Sanft streifte sein Haar ihre Wangen; mit jeder seiner Bewegungen nahm sie seinen Duft in sich auf, so tief es nur ging.
Wann immer sie sich liebten, gab es keinen anderen Weg für sie. Sie verschmolzen miteinander, wurden eins. Vergessen waren die Zerstreuungen und Probleme um sie herum. Zurück blieben nur zwei ungezügelte Körper und die innige Vertrautheit, die zwischen ihnen herrschte.
Kein Gedanke an das Vergangene, keine Angst vor der Zukunft. Nur sie. Sie allein.
