Tear me apart – Teil 3

Kapitel 13

Zusammenarbeit

Sie konnte nicht aufhören, ihn anzusehen, als sie ihn so friedlich und erschöpft neben sich liegen hatte. Vorsichtig stützte sie den Kopf auf den Ellenbogen, um ihn besser betrachten zu können.

Sein Gesicht wirkte entspannt. Seine Atmung war ebenmäßig und sein nackter Körper ragte an verschiedenen Stellen unter der zerwühlten Decke hervor. Alleine die Vorstellung, dass er es immer wieder schaffte, sie durch seine bloße Anwesenheit in Erregung zu versetzen, ließ Hermine schaudern.

Seit sie hier mit ihm in den Kerkern wohnte, hatte sie ihn in sämtlichen Lebenslagen mit Faszination beobachtet. Lediglich die Einstellung ihm gegenüber hatte sich dabei gewandelt. Früher hatte er ihr aufgrund seiner finsteren Erscheinung und seinen kühlen Blicken Angst eingejagt. Heute war es anders. Sie kannte viele seiner Facetten und wusste, dass er in seinem Inneren ganz anders war, als es den Anschein hatte.

„Was tust du?", fragte er müde.

Hermine spürte, dass ihr Herz schneller schlug. Er hatte sie völlig überrumpelt. „Ich beobachte dich", sagte sie leise.

Snape hob eine seiner Brauen an und musterte sie durch seine halb geschlossenen Lider hindurch. „Das ist mir nicht entgangen."

Sie klemmte beschämt ihre Lippe zwischen die Zähne, fast so, als hätte er sie auf frischer Tat dabei erwischt, wie sie ihn zum ersten Mal voller Neugierde nackt gesehen hatte.

„Und?", fragte er abschätzig. „Bereust du es?"

Irritiert blinzelte sie ihn an. „Was soll ich bereuen, Severus?"

„Dass ich hiergeblieben bin."

Sie setzte ein schelmisches Grinsen auf. „Keine Sekunde."

Sichtlich erleichtert nahm er die Hände hoch und fuhr sich damit durch die Haare. „Gut."

„Ja, gut." Hermine schüttelte verwundert den Kopf. „Außerdem", setzte sie an, „hoffe ich wirklich, dass du in Zukunft nicht noch einmal so eine blöde Idee hast, uns hier im Stich zu lassen."

Er richtete grummelnd den Oberkörper auf und schob sich bis zum Kopfende des Bettes hoch. Instinktiv rutschte Hermine mit ihm mit und kuschelte sich an seine Schulter.

„Das war keine blöde Idee", murmelte er leise vor sich hin, als sie es sich bequem gemacht hatte.

Hermine drehte den Kopf und lugte zu ihm hoch. „Ach nein?"

„Keinesfalls."

Sie zuckte mit den Schultern. „Wenn du meinst. Aber ehrlich gesagt habe ich dich lieber in meiner Nähe, als in Spinner's End."

„Das habe ich mitbekommen. Trotzdem ist es hin und wieder unumgänglich, etwas Abstand zueinander zu haben, um einen klaren Kopf zu bekommen."

Hermine seufzte. „Es mag ja sein, dass das auf dich zutrifft, weil du es gewohnt bist, alleine zu sein. Ich hingegen habe die Nähe zu dir vermisst."

„Ich bin ja hier, Hermine."

Sie nickte abwesend. „Ja, das bist du."

„Also? Wo ist dann das Problem?"

„Ich weiß auch nicht, Severus. Durch den ganzen Trubel in den letzten Monaten habe ich dich einfach vermisst. Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber ich habe die Zeit vermisst, die wir früher zusammen verbracht haben. Verstehst du das?"

Ein amüsiertes Schnauben entfuhr ihm. „Man könnte meinen, wir kennen uns schon seit Jahrzehnten, wenn du so redest."

„So ist es nun auch wieder nicht. Ich rede lediglich von unserer Zweisamkeit, die wir hatten, bevor Sean geboren wurde."

„Ah", stieß er sarkastisch aus, „daher weht also der Wind. Und wie willst du das Sean erklären?"

„Lass das bitte, Severus. Ich liebe Sean wirklich über alles. Aber ich möchte nicht, dass wir beide bei all unseren Verpflichtungen, die wir rund um die Schule haben, zu kurz kommen."

Snape sah sie eindringlich an. Dann schüttelte er den Kopf. „So ist das, wenn man ein Kind hat."

„Denkst du, das wüsste ich nicht?"

Er seufzte. „Keine Ahnung. Eigentlich hatte ich gehofft, dein Mutterinstinkt würde alles in die Wege leiten." Hermine legte die Stirn in Falten, doch er fuhr unbehelligt fort. „Tu nicht so unschuldig. Du weißt selbst, dass ich nie besonders viel mit Kindern anfangen konnte."

„Und?"

„Hör zu, Hermine", sagte er ernst. „Ich möchte nicht, dass wir uns jetzt wegen irgendetwas Vorwürfe machen, aber seien wir doch mal ehrlich: wir sind nicht besonders für Kinder geschaffen." Verblüfft setzte sie sich auf. Snape aber rollte nur mit den Augen. „Du siehst aus, als wäre das eine so große Neuigkeit. Ich wollte nie Kinder haben. Und du bestimmt auch nicht – jedenfalls nicht so schnell, oder?"

Sie nickte. „Ja, schon, aber ist es nicht unfair, so etwas jetzt auch nur zu denken, wo wir doch Sean haben?"

Er schürzte die Lippen. „Lass uns das klarstellen: ich bereue keine Sekunde, dass wir ihn haben. Er hat gewissermaßen ebenso wie du mein Leben verändert - im positiven Sinn. Ich würde alles für ihn tun. Nur genau genommen war es ein riesiger Zufall, dass es mit uns soweit kam."

„Ja, das war es. Aber was jetzt, Severus?"

Laut hörbar stöhnte er auf. „Wenn ich das nur wüsste."

Alleine die Vorstellung, dass ihr gemeinsames Leben ohne Sean ganz anders ausgesehen hätte, verschreckte Hermine. Fröstelnd kuschelte sie sich zurück an seine Schulter und ließ die Finger über seine Brust gleiten.

„Ich habe das Gefühl, wir werden langsam besser darin, weißt du? … Im Argumentieren meine ich."

Er schnaubte belustigt. „Hoffentlich. Es ist anstrengend, über so etwas auch nur nachzudenken."

„Ich bin froh, dass du das so siehst. Einen Moment lang hatte ich Angst, du würdest tatsächlich alles hinwerfen, Severus."

Seine Hände kamen sanft auf ihr Gesicht nieder und brachten sie dazu, ihn anzusehen. „Nur weil ich etwas Abstand brauche, heißt das nicht, dass ich nichts für euch empfinde, Hermine."

Zerstreut nickte sie. „Das weiß ich. Trotzdem möchte ich nicht, dass es jemals dazu kommt."

„Das wird es nicht."

Sie hoffte inständig, dass er Recht hatte und umkreiste abwesend mit ihren Fingern seine Brustwarze. Dann beugte sie sich hinab und umschloss sie mit ihren Lippen.

„Du hast mich ohnehin schon ausgesaugt, Hermine", murmelte er warnend, als ihm bewusst wurde, was sie vorhatte.

Hermine unterbrach ihr Vorhaben, warf ein kurzes Grinsen zu ihm hoch und machte weiter, ohne sich von ihm aus der Ruhe bringen zu lassen. Die Gelegenheit, ihn in dieser vertrauten Zweisamkeit zu erleben, war zu verlockend, als dass sie der Versuchung, ihn erneut zu reizen, widerstehen konnte.

„Wer sagt, dass ich schon genug habe, Severus?"

Wie zufällig knabberte sie an seiner Brustwarze und entlockte ihm ein tiefes Brummen aus seinem Inneren.

„Ich bin mir nicht sicher, ob wir so weiterkommen werden", sagte er kaum hörbar.

Hermine verkniff sich ihren Kommentar und widmete sich wieder seiner Brust. Sie spürte, dass sich seine Atmung obgleich seiner Zurückhaltung beschleunigte. Es war also nur ein Grund mehr, nicht aufzuhören.

Vorsichtig schob sie die Decke zur Seite und erhaschte einen Blick auf seinen halb erigierten Penis, der offenbar genau wusste, was er wollte.

Ihre Hände glitten langsam über seinen Bauch. Auch dann, wenn seine Gestalt noch immer verhältnismäßig dünn war, erkannte sie deutlich, dass er in den letzten Monaten an Substanz gewonnen hatte, seit er dabei war, sich von den jahrelangen Tortouren unter Voldemorts Führung zu erholen.

Von Lust ergriffen schlang sie die Finger um seinen Schaft.

Er holte scharf Luft. „Hermine ..."

„Entspann dich, Severus."

Jede Vene seines Glieds pulsierte in ihrer Faust und sie wusste, dass es ihm alles andere als leicht viel, ihren Anweisungen nachzukommen. Er hatte sich noch nie gerne Vorschriften von ihr machen lassen, nachdem er jahrzehntelang an andere gebunden gewesen war.

Nachdem sie ihn nur wenige Sekunden gestreichelt hatte, ragte er aufrecht empor und Hermine kroch näher. Sie legte den Kopf zur Seite und strich ihre Mähne aus dem Weg, dann schloss sie die Lippen um seine empfindliche Spitze.

Snape versenkte seine Hände in ihrem Haar und zerwühlte mit seinen Fingern ihre Locken, während Hermine ihre Bewegungen intensivierte, eine Mischung aus sanften Küssen und stürmischem Saugen, die ihn an den Rand der Besinnung brachten. Erst kurz bevor er sich kaum noch zähmen konnte, zog sie sich zurück und glitt mit einer einzigen Bewegung so auf seinen angespannten Körper, dass sie seine Männlichkeit mit ihrem Gewicht unter sich begrub.

Er protestierte mit einem tiefen Grollen dagegen, Hermine aber blickte ihn voller Erwartung an.

„Also, Severus", sagte sie eindringlich, „was ist jetzt mit unserer Hochzeit?"

Seine Brauen zogen sich zusammen. „Das ist jetzt wohl kaum der richtige Zeitpunkt, um darüber zu reden, findest du nicht?"

Sie zuckte wie beiläufig mit den Schultern und rieb ihren Unterleib aufreizend an seinem Penis, womit sie ihm ein scharfes Zischen entlockte. „Es hätte mich ja auch schwer gewundert, wenn du gleich eine Lösung parat gehabt hättest ..."

Er verdrehte die Augen und griff nach ihren Pobacken, um sie innig an sich zu ziehen. „Wie zur Hölle soll ich eine Hochzeit planen, wenn du jede Minute, die ich nicht bei dir bin, einen Aufstand machst wie ein kleines Kind."

Seine Stimme war ein einziges, verruchtes Raspeln, was Hermine nicht entging.

Erstaunt blinzelte sie ihn an. „Ist das dein Ernst?"

Wortlos packte er sie bei den Schultern und rollte sie mit einer so schwungvollen Bewegung herum, dass Hermine erst realisierte was geschah, als sie längst unter ihm lag.

Mit einem durchdringenden Blick seiner schwarzen Augen sah er sie durch seine Strähnen hindurch an.

„Ich möchte dich, Hermine", erklärte er heiser. „Aber ich dachte, du wolltest, dass ich das mit der Hochzeit übernehme, weil du mit Sean beschäftigt bist."

Sichtlich bewegt nickte sie. „Ja, Severus."

Er hob seine Braue. „Soll das heißen, du wirst endlich aufhören, dich zu beschweren?"

„Severus ..."

Seine Augen blitzten auf. „Nein, Hermine. Das ist mein Ernst. Wenn wir das richtig machen wollen, muss das aufhören. Wir müssen unser Leben in den Griff bekommen. Und das heißt, dass du dir darüber im Klaren sein solltest, was es damit auf sich hat, ein solches Bündnis einzugehen. Ich für meinen Teil war immer an jemanden gebunden und bin nicht bereit, diese Hochzeit zu festigen, wenn die Gefahr besteht, dass es nicht funktioniert."

Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch er legte ihr seinen Zeigefinger auf die Lippen und brachte sie zum Schweigen.

„Zuerst einmal musst du begreifen, dass wir auch dann nicht jede Minute miteinander verbringen können, wenn wir das tatsächlich durchziehen. Jeder von uns hat Verpflichtungen. Und so wie es im Moment aussieht, bin ich es, der dafür zu sorgen hat, dass wir ein Einkommen haben, während du dich um Sean und deine Ausbildung kümmern musst."

Bedröppelt nickte sie.

„Gut. Es hätte keinen Sinn, jetzt noch einmal zu heiraten, wenn wir uns weiterhin darüber streiten, wie es mit uns weitergehen soll."

Sie seufzte. „Darf ich jetzt was sagen?"

Angespannt legte er die Stirn in Falten. „Was?"

Hermine nahm die Hände hoch und umfasste damit sein Gesicht. „Ich weiß, dass ich nicht vollkommen bin, Severus ..."

„Darum geht es gar nicht. Sieh mich an! Ich bin wohl so ziemlich das Letzte, was du dir je erträumt hast. Und trotzdem haben wir es weiter gebracht, als wir ahnen konnten."

„Sag so etwas nicht, Severus."

„Nein? Ist dir vielleicht schon mal in den Sinn gekommen, dass du es hättest einfacher haben können? Jeder andere würde sich darum reißen, dich in die Finger zu bekommen."

„Wenn du von Cormac sprichst, dann muss ich dich leider enttäuschen. Ich habe nicht vor, meine Meinung in Bezug auf dich zu ändern, nur weil das Ministerium die Gesetze geändert hat. Abgesehen davon ist er absolut nicht mein Typ."

„Ach ja?", fragte er mit einem gequälten Grinsen auf den Lippen. „Und ich schon?"

Hermine zog seinen Kopf zu sich hinab, bis sie ihm ganz nahe war. Alleine seinen Atem auf ihrer Haut zu spüren, versetzte ihr ein wohliges Kribbeln. „Du hast dich als der entpuppt, der meine Knie weich werden lässt, Severus. Hinter deiner harten Fassade ist ein sanfter Kern versteckt, den ich zugegebenermaßen erst einmal finden musste, aber das nur am Rande ... Cormac hingegen ist ein unsensibler Trampel, der sich nur das nimmt, was er braucht."

Er sah sie skeptisch an. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass da weitaus mehr auf der Feier gelaufen ist, als du mir gesagt hast."

Hermine biss sich auf die Lippe. Wie Recht er damit hatte!

„Hör zu, Severus. Es spielt keine Rolle, was passiert ist, solange ich dich an meiner Seite habe. Ich weiß, dass ich früher anders gedacht habe, sonst hätte ich ihn damals wohl kaum gefragt, ob er mich zu Slughorns Party begleitet. Ich war eben ein unerfahrener Teenager. Aber schon da ist mir bewusst geworden, dass er absolut nicht meiner Vorstellung von einem Partner entspricht. Er hat es geschafft, mich an einem einzigen Abend für immer auf Abstand zu sich zu bringen."

„Wie es aussieht, hat er das nur noch nicht begriffen, sonst hätte er wohl nicht versucht, sich weiterhin an dich ranzumachen."

„Mag sein. Manchmal frage ich mich durchaus, was für eine Welt das sein soll, wenn sich jeder nur das nimmt, was er will, ohne dabei Rücksicht auf die Gefühle anderer zu nehmen." Er stieß ein bitteres Lachen aus und Hermine seufzte schuldbewusst. „Ich weiß, es ist ja nicht so, dass wir keine Schwierigkeiten gehabt hätten. Immerhin habe ich mich blindlings auf dich gestürzt, nicht wahr?"

Snape schüttelte den Kopf und etliche seiner Strähnen streiften ihre Wangen. „Du hattest keine andere Wahl, Hermine."

„Sag das nicht, Severus. Es war sehr unsensibel von mir, dich so zu bedrängen."

„Ich war einfach zu schwach, um dir zu widerstehen."

Sie konnte ihr Lächeln nicht länger zurückhalten. „Das auch."

Er stieß ein leises Schnauben aus. „Also, was jetzt?"

Hermine zuckte mit den Schultern und reckte ihre Lippen empor, um ihn zu küssen. „Ich würde vorschlagen, wir machen erst mal hier weiter."

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„Oh, Severus. Pünktlich auf die Minute."

Ein gequältes Grinsen erschien auf seinem Gesicht, als er aus dem Kamin im Fuchsbau stieg.

„Danke, Molly."

„Schön, dass es geklappt hat, Severus. Wie lange ist es her, als du zuletzt bei uns zuhause warst?"

Wie beiläufig zuckte er mit den Schultern. „Eine Weile."

Molly lächelte. „Es tut jedenfalls gut, dich wieder gesund zu sehen."

Er nickte ihr zu. Es gefiel ihm gar nicht, das hier über sich ergehen zu lassen. Das Geschwätz andere Leute über ihn hatte ihm noch nie behagt, ganz besonders, wenn es dabei um seinen gesundheitlichen Zustand ging, dennoch wollte er sein Vorhaben durchziehen.

Sichtlich nervös räusperte er sich. „Ist Potter schon da?"

Sie deutete mit dem Kopf nach oben. „Ich werde ihn holen. Mach es dir derweil auf dem Sofa bequem, ja?"

Nichts lieber als das, dachte er bitter; als wäre es nicht schon seltsam genug gewesen, sich hier mit Potter zu treffen.

Schon eilte sie davon, während er sich wortlos in Bewegung setzte.

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„Und was sagt Hermine dazu?"

Snape zuckte mit den Schultern. „Sie will es durchziehen."

Harry nickte mit finsterem Blick. „Wie alles andere auch, nehme ich an."

Er schnaubte. „Hören Sie zu, Potter, was damals mit dieser Heirat passiert ist, kann ich genauso wenig gutheißen wie alle anderen. Denken Sie vielleicht, ich hätte mir nicht den Kopf darüber zermartert?"

Abwehrend hob Harry die Hände. „Ich weiß. Und es geht mich auch eigentlich nichts an, ob Sie das Versprechen erneuern wollen oder nicht. Aber vermutlich wird der Trubel um Ihre Person nie ein Ende nehmen, Professor. Dessen sollten Sie sich bewusst sein. Immer wieder begegne ich Leuten, die Ihnen gegenüber eine große Abneigung haben. Teilweise mag es unbegründet sein, unangenehme Gerüchte verbreiten sich schnell. Das Problem ist, wie man sie wieder loswird. Ich sage das nicht, weil ich einen Groll gegen Sie hege. Darüber bin ich so ziemlich hinweg. Wir alle machen unsere Fehler. Auch mein Dad hat viel Mist gemacht, als er jung war, das lässt sich nicht bestreiten, also fühle ich mich verpflichtet, es in seinem Namen wieder gut zu machen."

Snape schüttelte vehement den Kopf. „Wie rührend, Potter. Das ist wohl kaum Ihre Aufgabe, nicht wahr?"

Harry nickte. „Ich weiß. Aber ich möchte Sie warnen, dass eine Hochzeit keineswegs alle Probleme aus dem Weg räumen wird."

Er schnaubte bitter. „Denken Sie, das wüsste ich nicht? Ich tue das nicht um meinetwegen."

Eine unangenehme Pause trat ein, in der sie sich angespannt musterten. Dann senkte Harry den Blick. „Das dachte ich mir. Genau darum möchte ich, dass Sie wissen, dass ich es respektiere. Hermine verdient es. Sie sollte alles bekommen, was sie sich wünscht."

Wie von Sinnen sprang der dunkle Zauberer auf die Beine und rannte zum Kamin hinüber. Dort angekommen stützte er die Ellenbogen auf dem Sims ab und verbarg den Kopf in den Händen.

„Ich dachte, es würde irgendwann leichter werden", murmelte er vor sich hin. „Aber das wird es nicht."

Harry schüttelte den Kopf. „Vermutlich nicht."

Snape fuhr herum und starrte ihn mit geweiteten Augen an. „Was soll ich also Ihrer Meinung nach tun?"

Er zuckte mit den Schultern. Dass er ausgerechnet ihn das fragen würde, hatte er nicht erwartet. „Ziehen Sie es durch. Zeigen Sie ihr, was Sie für sie empfinden."

„Ich weiß, dass ich nie gut genug für sie sein werde", sagte er brummig.

Harry nickte knapp. „Ja. Hermine verdient nur das Beste."

Snape presste die Zähne zusammen. „Denken Sie, dass ich etwas anderes für sie will? Wie sehr ich mir auch den Kopf darüber zerbrochen habe, dass sie so viel mehr wert ist ..."

„Und trotzdem hat sie Sie am Ende gewählt."

Er versteifte sich. „Es scheint so."

Harry schüttelte langsam den Kopf, als würde er seinem eigenen Urteil über Hermines Gefühle nicht trauen. „Ich weiß, wie es dazu kam, dass Sie sich darin verrannt haben, Professor."

„Das dachte ich mir."

„Mehr haben Sie nicht dazu zu sagen?"

„Ich schulde Ihnen wohl kaum eine Entschuldigung, Potter."

„Ich erwarte auch keine, Professor."

„Gut."

„Nur ..." Er räusperte sich. „Lassen Sie mich Ihnen sagen, dass Hermine ebenso schwer umgänglich sein kann wie Sie. Nicht immer, aber manchmal geht es einfach mit ihr durch. Außerdem weiß ich, dass sie Sie in Bezug auf die Schwangerschaft angelogen hat. Und das hätte sie nicht tun dürfen."

„Nein, hätte sie nicht", murmelte er abwesend. „Aber jetzt ist es zu spät dafür."

Harry runzelte die Stirn. Er wusste nicht so recht, was er davon halten sollte, Snape so zu sehen. Beinahe kam er ihm hilflos vor, doch der Gedanke schien zu absurd zu sein, also verdrängte er ihn wieder. „Also", begann er abschätzig, „ich möchte mich dafür bedanken, dass Sie hergekommen sind. Bestimmt ist es leichter so, denn wenn Hermine mitbekommen hätte, dass ich im Schloss bin, hätte sie mit Sicherheit Fragen gestellt. In Anbetracht der Lage verstehen Sie sicher, dass ich sie nicht angelogen hätte."

Snape nickte kaum merklich. „Schon klar, Potter." Seine Worte waren direkt an den Kamin gerichtet, doch Harry wunderte sich nicht darüber.

„Verstehen Sie bitte auch, dass ich Sie nicht darum bitte, diese Hochzeit abzusagen."

Er lachte bitter auf. „Als ob Sie mich stoppen könnten, Potter. Das haben Sie zuletzt nicht geschafft, also werden Sie es jetzt ebenso wenig schaffen."

„Das dachte ich mir. Es ist nur fair, wenn wir die Dinge regeln."

Snape rollte mit den Augen, dann schoss sein Blick in Harrys Richtung. „Gibt es noch etwas, das Sie loswerden möchten? Ich kann nicht den ganzen Tag hier verschwenden."

Harry kratzte sich am Kinn. „Ich weiß, dass Sie sie nicht mit Absicht verletzen würden. Aber wenn Sie jemals vorhaben, sie sitzen zu lassen, weil Sie genug haben, werde ich nicht aufhören, Sie zu jagen, bis ich Sie gefunden habe - bis zum bitteren Ende."

Er verstummte wieder und sah Snape in die Augen. „Weiter", knurrte dieser. „Ich nehme an, Sie haben kürzlich mit Miss Weasley gesprochen."

Harry ging nicht darauf ein. „Hätten Sie gedacht, wir würden Hermine unbeaufsichtigt lassen?"

„So? Wollen Sie mir damit sagen, Sie sind noch immer an dem Fall dran, Potter?"

„Ja."

„Und? Gibt es was Neues?"

„Nur die Tatsache, dass Cormac die Finger im Spiel hatte, indem er Mr. Schmidt darauf angesetzt hat."

Snape schnaubte verärgert. „Er hatte nicht nur die Finger im Spiel, sondern sie auch auf meiner Frau."

„Ja, das weiß ich. Darum suche ich weiter nach Details. Hermine ..."

„Ist in meiner Obhut", unterbrach er ihn energisch. „Denken Sie vielleicht, ich wäre nicht selbst in der Lage, für sie oder ihre Sicherheit zu sorgen, nachdem ich beinahe die Hälfte meines Lebens ein Spion war?"

Harry schüttelte abwehrend den Kopf. „Bei allem nötigen Respekt, Sir, denke ich nicht, dass Sie die Sache diesmal selbst in die Hand nehmen sollten. Wenn Sie eingreifen, würde es auf einen Mord hinauslaufen, habe ich Recht?"

„Natürlich würde ich ihn töten. Das hätte ich schon vor einem Jahr tun sollen."

„Dann würden sie Sie ohne zu zögern einsperren. Ich bin mir sicher, dass Sie das wissen. Und diesmal könnte ich Sie nicht davor bewahren. Für die, die Sie verurteilen wollen, gäbe es genug Gründe, das aufgrund Ihrer Vergangenheit auch zu tun. Ganz gleich, ob Ihre Handlungen nun dem Orden geholfen haben oder nicht."

„Verstehe. Sie haben sich erkundigt."

„Ja. Aber ich habe es Hermine nicht gesagt. Noch nicht jedenfalls." Er seufzte. „Haben Sie etwa erwartet, dass ich nichts tun würde, Sir? Nachdem Sie mir Ihre Erinnerungen überlassen haben, habe ich viel Zeit damit verbracht, darüber nachzudenken."

„Reden Sie nicht davon, Potter", sagte er hart.

Harry nickte. „Wenn Sie es wünschen. Nebenbei, es war Dumbledore, der uns geholfen hat, den Fall auf Eis zu legen. Er hat noch immer Einfluss, Professor. Aber das wissen Sie bestimmt."

„Ich möchte keine Hilfe", zischte er. „Ganz gleich, von wem auch immer. Ich bin ein Zauberer und durchaus in der Lage, mir selbst zu helfen."

„Sir, das weiß ich durchaus", erklärte Harry mit gefestigter Stimme. „Und niemand könnte das besser verstehen als ich. Immerhin sind Sie fast vor meinen Augen gestorben."

„Dann hätte es eben so sein sollen!"

„Wirklich", sagte Harry scharf, sodass sich selbst auf Snapes sonst so unleserlichem Gesicht die Überraschung zeigte. „Ich denke nicht, dass Sie sterben wollten. Jedenfalls nicht in diesem Teil Ihres Lebens."

„Und?" Snapes ganzer Körper wirkte angespannt, seine Atmung war unruhig. „Worauf wollen Sie hinaus?"

Harry zerwuschelte sich mit der Hand das Haar. „Wir müssen zusammenarbeiten, wenn es um den Fall geht. Für Hermine. Für Sean."

Snape antwortete nicht. Für eine ganze Weile wurde es still zwischen ihnen, dennoch konnte Harry deutlich sehen, dass sich die Gedanken in seinem Inneren überschlugen.

„Was schlagen Sie vor?"

„Überlassen Sie mir die Nachforschungen. Sobald ich etwas in Erfahrung bringe, werde ich es Sie wissen lassen."

Snape legte warnend den Kopf schief. „Das ist kein Spiel, Potter. Es geht hier um meine Familie und um meinen Ruf. Warum sollte ich mich dabei also ausgerechnet auf Sie verlassen? Warum sollte ich das überhaupt wollen?"

„Weil Sie sie glücklich machen wollen."

„Glücklich", sagte er abwertend.

„Ja. Das ist das Ziel eines jeden gewöhnlichen Menschen."

„Ich war niemals so wie andere, die sich als normal oder gewöhnlich bezeichnen konnten."

„Nein. Aber jetzt haben Sie die Chance, es zu werden. Und wenn Sie es nicht tun, werde ich meinen Stiefel in Ihren Arsch schieben und Sie damit bis zum Nordpol befördern."

Snape zog verwundert die Brauen hoch. „Hmm. Lassen Sie meinen Sohn ja nicht diese Art von Sprache hören, Potter, oder ich schwöre, ich schlitze Ihnen den Hals auf, bevor Sie es geäußert haben."

„Ich habe nie Ihre Fähigkeit bezweifelt, Menschen zu töten, Professor. Darum wollte ich von Angesicht zu Angesicht mit Ihnen reden."

„Gut." Ein schiefes Grinsen legte sich über sein Gesicht. „Nebenbei, gutes Gespräch, Potter."

„Ja, um Längen besser als damals in Ihrem Büro."

„Ah. Zugegeben, Sie hatten nie das Zeug zum Lügen."

„Nein. Hermine sagt immer, ich trage mein Herz auf der Zunge."

„In der Tat."

Eine lange Stille breitete sich zwischen ihnen aus, dann stand Harry auf. „Ähm, wollen Sie mit uns essen?"

„Nein. Ich sollte besser zusehen, dass ich zurückkomme, bevor jemand meine Abwesenheit bemerkt."

Harry nickte. „Sie kann ziemlich ungeduldig sein, nicht wahr? Aber das wissen Sie ja sicher bereits."

Snape rollte mit den Augen. „Sie haben keine Ahnung, wie es ist, mit ihr verheiratet zu sein."

Harry verschluckte sich fast an seiner Spucke, als er das hörte. „Nein, vermutlich nicht. Aber es ist auch besser so. Ich bin selbst kein besonders geduldiger Mensch."

„Anders als Miss Weasley", kam es trocken zurück.

Harry nickte. „Ja, glücklicherweise ist sie fest mit ihrer Familie verwurzelt. So schnell bringt sie nichts aus der Ruhe … meistens jedenfalls."

Snape brummte mit fest zusammengepressten Kiefern vor sich hin. „Also dann, auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit."

Verdutzt blinzelte Harry, doch der Ausdruck seines Gegenübers war so schwer zu entziffern, dass er die Absicht, die hinter seinen Worten steckte, nicht erkennen konnte.

„Nebenbei, ich schulde Miss Weasleys Bruder noch einen Kinnhaken."

Harry starrte ihn mit offenem Mund an, das Gesicht plötzlich käseweiß. „Sir?"

Er schüttelte kühl den Kopf. „Das war ein Witz, Potter. Vergessen Sie's. Er hatte wohl kaum die Absicht, mich umzubringen. Sonst hätte er es getan, als er die Gelegenheit dazu hatte, oder?"

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Nachtrag:

Danke an die zahlreichen, sehr treuen Leser, die mich immer mit Mails unterstützt haben. Eure Meinungen waren mir sehr wichtig, um mich beim Schreiben zu verbessern. Ja, ich weiß, jetzt kommt vermutlich gleich wieder der Aufschrei, was ich eigentlich will, aber ich bin mir sicher, dass es der ein oder andere verstehen wird, schließlich bringe ich beim Schreiben meine Erlebnisse und Gefühle ein, um sie zu verarbeiten.

Leider ist das Feedback insgesamt nicht so, dass sich das Hochladen noch lohnt (TMA 1 hatte immerhin 100 Reviews auf über 116.000 Leser, bei Show me your face kommt mal ein Review auf 5.000 Leser), daher findet ihr auch zu TMA 3 die neuen Kapitel auf meiner anderen Seite, siehe mein Profil.

Bis dahin erst mal lg

xxx