Endlich habe ich es geschafft, das nächste Kapitel fertigzustellen... Und wenn meine Mädels nicht alle so schnell wären, hätte es noch viel länger gedauert!
Dicke Knuddelgrüße fürs Beta- und Testlesen gehen an Angie Snape, Lapislazuli und Like a Dame.
Kapitel 7
Vertrauen
Atem der Nacht. Der Mond zitterte, schillerte, eine blasse juwelenbestreute Scheibe im Meer der Nacht. Über ihnen die Sterne im Zenit ihres fehlerlosen Ganges, wiedergeboren im Spiegel ihrer Augen.
Die Stunden vergingen. Am östlichen Horizont erschien ein vager Glutschein und bemalte den Himmel in zartem Gelb und Orange. Die Nacht war entschwunden und von Schwerkraft entbunden stieg einegoldgelbe Sonne den Himmel hinauf.
Septima blinzelte träge in den jungfräulichen Morgen und bemerkte, dass Minervas Kopf schwer auf ihrer Schulter ruhte. Liebevoll strich sie die taufeuchten Haarsträhnen zurück und küsste Minerva auf die Stirn.
„Guten Morgen, du Schlafmütze. Die Sonne ist aufgegangen."
Minerva öffnete die Augen und unterdrückte ein Gähnen.
„Morgen", murmelte sie und strich sich das Haar aus dem Gesicht.
„Da bin ich doch tatsächlich noch eingeschlafen. Ich werde wohl zu alt für solche Sachen."
Sie schälte sich aus dem Plaid, erhob sich und streckte Arme und Beine.
„Ich bin ziemlich durchgefroren. Du nicht?", erkundigte sie sich bei Septima.
„Doch, ein wenig kühl ist mir auch", gab diese zu und stand ebenfalls auf, um sich zu recken. „Aber ich wüsste da ein gutes Gegenmittel."
„Und das wäre?"
„Ein heißes Bad in deiner wunderschönen Badewanne. Ich schrubbe dir auch gerne den Rücken", fügte sie hilfsbereit an und lächelte spitzbübisch.
Minerva zog die Augenbrauen hoch.
„Wie überaus selbstlos von dir", spöttelte sie, doch ihr Lächeln nahm ihrer Ironie den Stachel. Sie wandte sich unvermittelt um und ging auf das Haus zu.
„Nun, wo bleibst du jetzt?", rief sie über die Schulter zurück und verschwand in der Haustür.
„Vergiss den Wärmezauber nicht!", rief Septima ihr nach und folgte ihr langsam ins Haus. In der Diele konnte sie schon hören, wie Minerva im Bad herumrumorte und wie das Wasser in die Wanne plätscherte. Ein leichter Hauch von Vanilleduft lag in der Luft.
Septima schlich sich in die Küche und machte möglichst leise zwei Tassen Tee fertig, die sie dann ins Badezimmer hinübertrug.
Als sie das Badezimmer betrat, aalte Minerva sich schon im von dicken Schaumbergen bedeckten Wasser. Hier war der Geruch nach Vanille wesentlich deutlicher auszumachen.
Septima ließ sich auf dem Rand der Wanne nieder und reichte Minerva eine der Teetassen.
„Oh, das ist lieb von dir", freute Minerva sich und nahm genüsslich einen Schluck von dem Tee.
Septima betrachtete sie lächelnd, bevor sie selbst an ihrem Tee nippte.
„Ich dachte mir schon, dass das gar keine schlechte Idee wäre", bemerkte sie dann.
Minerva lachte, fuhr mit den Fingern durch die Schaumflocken und tupfte übermütig etwas von dem Schaum auf Septimas Nase.
„Du solltest gar nicht erst damit anfangen, mich zu verwöhnen. Nachher gewöhne ich mich noch daran!"
„Das glaube ich nicht", entgegnete Septima und wischte sich den Schaum von der Nase. „Trink deinen Tee, bevor er kalt wird."
Gehorsam führte Minerva erneut die Teetasse zum Mund und warf Septima dabei einen Blick zu, den diese nur schwer interpretieren konnte.
„Was?", fragte sie irritiert.
„Nichts", erwiderte Minerva stillvergnügt und nippte wieder an ihrem Tee.
In zufriedenem Schweigen leerte Minerva ihre Tasse und Septima tat es ihr nach. Nur gelegentliches Wasserplätschern und das leise Knistern des Badeschaums unterbrach die Stille. Dann nahm Septima Minerva ihre leere Tasse ab und stellte sie beiseite. Sie erhob sich, schritt an das Kopfteil der Wanne und stellte sich hinter Minerva. Diese verrenkte den Kopf, um Septima ansehen zu können.
„Was hast du vor?", fragte sie.
„Ich werde dir jetzt die Haare waschen", antwortete Septima leichthin und ließ ihren Worten gleich Taten folgen.
Mit sanften Bewegungen shampoonierte sie Minervas langes Haar und baute gleich eine Kopfmassage mit ein.
Mit einem leisen Aufseufzen ließ Minerva den Kopf nach hinten sinken.
„Hm, das tut so gut."
„Ertrink mir nur nicht vor lauter Wonne."
Anstatt einer Antwort ließ Minerva sich vorrutschen und tauchte ganz unter. Nach einem Moment kam sie mit einem leisen Prusten wieder an die Wasseroberfläche und wischte sich Schaum und Wasser aus dem Gesicht.
Septima schüttelte den Kopf und lachte.
„Warum lachst du?", erkundigte Minerva sich.
„Weil du mir gerade vorkommst wie ein Teenager", gab Septima zurück.
Minerva lachte nun ebenfalls.
„Irgendwie fühle ich mich auch so", gab sie dann zurück, verschwand erneut unter Wasser und blieb dort.
Septima beugte sich über den Rand der Wanne und schob die Schaumberge auseinander, worauf Minerva dann nach Luft schnappend wieder auftauchte und beinahe mit ihr zusammenstieß.
„Hattest du mir nicht angeboten, mir den Rücken zu schrubben?", erkundigte sie sich, noch immer etwas atemlos.
„Ja, das hatte ich. Aber wie soll ich an deinen Rücken herankommen, wenn du dich ständig unter Wasser herumtreibst?"
„Oh. Da ist natürlich etwas Wahres dran", gab Minerva zu, richtete sich
auf und blieb stocksteif sitzen. „Du kannst dann jetzt loslegen",
forderte sie die Freundin mit einem Blick über die Schulter auf.
Septima seufzte in gespielter Resignation auf und griff nach dem
Badeschwamm.
„Das könntest du von jetzt an eigentlich immer tun", fand Minerva, „das ist sehr angenehm!" Sie warf Septima einen Blick aus den Augenwinkeln zu. „Ich revanchiere mich auch bei dir", fügte sie dann lächelnd hinzu.
„Ich werde bestimmt darauf zurückkommen", erwiderte Septima.
ooOoo
„Im Grunde schon schade, dass die Ferien schon wieder vorbei sind", bemerkte Septima als sie die Stufen des Portals erklommen.
„Ja, aber dennoch bin ich irgendwie froh, wieder in Hogwarts zu sein", erwiderte Minerva und sah sich um, als sie die Eingangshalle betraten. „Das erinnert mich jedes Mal wieder an meinen allerersten Abend in Hogwarts. Ich wusste sofort, dass ich hier eine wunderbare Zeit verbringen würde und war gleichzeitig unheimlich gespannt. Und das bin ich auch heute wieder. Ich bin neugierig, wie sich unsere neuen Erstklässler machen werden und was für Kinder in diesem Jahr hierher kommen", erklärte sie, während sie die Treppe zu Minervas Räumen emporstiegen.
Septima nickte zustimmend: „Ich weiß genau, was du meinst. Mir geht es genauso."
Inzwischen waren sie vor Minervas Tür angekommen und verabschiedeten sich mit einem liebevollen Kuss voneinander.
Jede ging in ihre Räume, um ihre Sachen auszupacken und sich ein wenig frisch zu machen.
Nachdem Minerva ihre Siebensachen ausgepackt hatte, wandte sie sich ihrem Schreibtisch zu. Die Ergebnisse der ZAGs lagen ihr bereits vor und langsam arbeitet sie sich durch den Packen Pergamente. Sie wollte und musste wissen, wie die Ergebnisse ihrer Schüler ausgefallen waren, einerseits aus echtem Interesse, andererseits aber auch, weil sie die entsprechenden Stundenpläne für die Schüler erstellen musste.
Sie war gerade damit fertig geworden, als es an ihrer Tür klopfte und – nach ihrer Aufforderung, einzutreten – Albus hereinkam.
„Noch nicht ganz wieder da und schon in deine Arbeit vertieft", stellte er schmunzelnd fest. „Du willst die letzten Wochen wohl alle an einem Tag nachholen, was?"
Auch Minerva lachte. „Stimmt, vorher durfte ich ja nichts machen. Das hatte der Schulleiter mir ja verboten!"
„Immer diese Vorgesetzten", bemerkte Albus augenzwinkernd und nahm Minerva gegenüber Platz.
„Wie geht es dir?", erkundigte er sich dann und ließ seinen Blick über ihr Gesicht wandern. „Du siehst richtig gut erholt aus."
„Was ich von dir nicht behaupten kann", bemerkte sie mit Sorge und deutete auf seine rechte Hand, die schwarz verbrannt und welk aussah.
„Du möchtest mir wohl nicht erzählen, was du gemacht hast?"
„Du hast recht, ich möchte es tatsächlich nicht erzählen", bestätigte Albus und schüttelte den Ärmel seiner Robe über die entstellte Hand. „Zumindest jetzt noch nicht", schränkte er ein. Dann lächelte er sie an. „Ich habe es tatsächlich geschafft, Horace Slughorn dazu zu bewegen, uns in diesem Jahr zu unterstützen. Er wird Zaubertränke unterrichten und Severus wird Verteidigung gegen die Dunklen Künste übernehmen", erzählte er dann weiter.
Minerva starrte ihn an. „Severus soll Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichten? Albus, glaubst du, das ist klug? Ich meine, nach allem…"
„Ich vertraue Severus absolut", entgegnete Albus fest.
Minerva nickte. „Das reicht mir."
Dem Urteil ihres alten Freundes hatte sie immer blind vertrauen können und auch diesmal war sie dazu bereit.
Albus nickte nun auch und war geneigt, das Thema damit abzuschließen.
„Wie waren deine Ferien?", erkundigte er sich dann, um das Thema zu wechseln. „Hattest du eine angenehme Zeit?"
Leicht belustigt bemerkte er, wie Minerva eine feine Röte in die Wangen stieg und sie hastig nickte.
„Septima und ich haben eine wirklich schöne Zeit miteinander verbracht", erwiderte sie betont neutral und spielte mit ihrem Tintenfass herum.
„Deshalb hattest du auch so viel Zeit, um mir eine Eule zu schicken", neckte Albus. „Ich nehme mal an, ihr beide – hm – habt euch gut verstanden."
Das war mehr eine Feststellung als eine Frage, weshalb Minerva auch diesmal nur flüchtig nickte und verdrossen bemerkte, dass ihr Gesicht noch heißer und röter wurde als zuvor.
„Na, das wurde aber auch Zeit", bemerkte Albus weiter, „immerhin seid ihr beide lange genug umeinander herumgeschlichen."
„Albus!", begann Minerva, bevor sie das Zwinkern in den blauen Augen ihres alten Freundes bemerkte. „Du hast es schon die ganze Zeit gewusst?"
„Meine liebe Minerva, wenn man erstmal so lange Jahre Examina überwacht hat wie ich, dann neigt man dazu, ein gewisses Gespür dafür zu entwickeln, wer die Lösung im Ärmel versteckt hat", erwiderte Albus freundlich.
„Ich habe es nicht mit Sicherheit gewusst, aber ich hatte da so ein Gefühl, als ich euch beide zusammen gesehen habe und ich habe die Augen offen gehalten. An dir kann ich zum Beispiel untrügliche Zeichen schwerer Verliebtheit feststellen, besonders, wenn sich das Gespräch in eine bestimmte Richtung bewegt." Wieder lächelte er. „Und ich freue mich für dich, Minerva. Ich bin froh, dass du jemanden an deiner Seite hast, der deine Eigenschaften zu schätzen weiß, für dich da ist und dich genauso liebt, wie du bist. Du hast Septima deine Geschichte erzählt, hoffe ich? Es wäre nicht gut, wenn sie es aus einer anderen Quelle erfahren würde."
„Ich habe ihr alles erzählt. Die Gelegenheit dazu hat sich gleich am ersten Abend ergeben und sie hat das alles recht gut aufgenommen."
„Ich bin froh, das zu hören", antwortete Albus. „Ich bin auch sehr froh, dass du nun endlich bereit bist, eine Beziehung einzugehen. Man kann nicht sein ganzes Leben vor der Liebe flüchten, weil sie einen verletzen könnte."
„Das sagst ausgerechnet du. Ich bin bestimmt nicht vor der Liebe geflüchtet, es kam einfach nur nie der passende Mensch vorbei. Nicht alle Beziehungen müssen so enden wie deine mit Gellert Grindelwald und nicht alle Menschen weigern sich nach einer gescheiterten Beziehung so hartnäckig wie du, eine neue einzugehen, die so viel Vertrauen und Intimität erfordert."
Minerva sah Albus ernst an.
„Gerade du, der die Liebe als stärkste Kraft ansieht, entzieht sich ihr. Weißt du Albus, manchmal verstehe ich dich nicht."
„Das macht nichts, Minerva. Manchmal muss man einen Menschen auch nicht unbedingt verstehen, solange man ihn respektiert und sogar mag. Und wer sagt, dass ich mich der Liebe komplett entzogen habe? Ich liebe meine Arbeit mit unseren Schülern, ich liebe dich als meine Freundin. Du kannst nicht sagen, dass ich vor der Liebe flüchte oder dass es in unserer Freundschaft an Vertrauen und Intimität fehlen würde."
„Im Moment fehlt mir der Teil mit dem Vertrauen ein wenig", bemerkte Minerva mit einem deutlichen Blick auf Albus entstellte Hand.
„Es ist etwas passiert und du weigerst dich, mit mir darüber zu sprechen. Du machst merkwürdige Andeutungen von wegen, ‚jemanden an meiner Seite haben', was dir nicht ähnlich sieht. Irgendetwas ist doch hier nicht so, wie es sein sollte und du hüllst dich in Schweigen!", warf sie ihm vor.
„Ich kann dazu im Moment nichts sagen, Minerva. Zum einen, weil meine Pläne noch nicht spruchreif sind und zum anderen, um dich zu schützen. Je weniger du weißt, desto sicherer bist du. Ich werde in nächster Zeit einige Dinge tun, die dir merkwürdig vorkommen werden, ich werde die Schule gelegentlich für ein paar Tage verlassen müssen, ohne dir zu sagen, wohin ich gehen werde und ich bitte dich einfach darum, mir weiterhin zu vertrauen. Ich werde dir beizeiten alles erklären, jetzt kann ich es aber noch nicht."
Albus sah sie nach seiner Erklärung aufmerksam an.
Minerva nickte zögerlich.
„Das gefällt mir nicht, Albus. Das gefällt mir ganz und gar nicht. Aber ich habe ja wohl keine andere Möglichkeit, nicht wahr? Ich habe dir immer vertraut und ich war dir gegenüber immer loyal. Das bin ich auch jetzt."
„Das genügt mir. Ich hatte auch nichts anderes von dir gehofft", antwortete er ernst und erhob sich. „Ich werde dich dann wieder arbeiten lassen, ich weiß, dass du noch eine Menge zu tun hast."
„Wann hätte ich das nicht?", erwiderte sie und stand ebenfalls auf, um ihn zur Tür zu begleiten.
Bevor er ging, sah er sie noch einmal ernst an.
„Ich möchte dir nicht in dein Privatleben dreinreden, aber ich möchte dich darum bitten, diskret zu sein, soweit es deine Beziehung zu Septima angeht. Von mir hast du in dieser Sache keine Kritik zu erwarten, aber ich fürchte, dass das nicht alle so offen aufnehmen wie ich. Und gerade jetzt, in diesen dunklen und gefährlichen Zeiten solltest du dich nicht weiter exponieren als unbedingt erforderlich."
Minerva sah ihn ebenso ernst an.
„Ich weiß deine Aufrichtigkeit zu schätzen, aber ich hatte nicht vor, meine Beziehung zu ihr an die große Glocke zu hängen. Verleugnen werde ich sie allerdings auch nicht."
„Das hatte ich erwartet", murmelte er, tätschelte ihr liebevoll die Schulter und verließ ihr Büro.
Kopfschüttelnd sah sie ihm nach. Sie hasste es, wenn er so kryptisch wurde und sie mit einem so unguten Gefühl zurückließ, ohne ihr einen konkreten Grund dafür zu nennen. Seufzend schloss sie die Tür hinter ihm und kehrte an ihre Arbeit zurück.
ooOoo
Der erste September war schnell herangerückt und mit ihm eine neue Schar Erstklässler, die von Minerva McGonagall unter den Sprechenden Hut gesetzt wurden.
Septima beobachtete amüsiert, wie Minerva die aufgeregten und nervösen Erstklässler durch die Große Halle führte, dann feierlich ihr Pergament mit den Namen der Schüler verlas und den schmutzigen alten Hut auf die Köpfe der aufgerufenen Kinder drückte, die der Hut dann in die entsprechenden Häuser sortierte. Sie bemerkte kaum, dass sich ein schwacher Patronus am Ende des Lehrertisches formierte und dass sich Snape kurz darauf erhob und unauffällig die Große Halle verließ.
Schließlich war auch der letzte neue Erstklässler in sein Haus sortiert worden, Minerva hatte den dreibeinigen Schemel und den Hut hinausgetragen und sich zwischen Hagrid und Septima am Lehrertisch niedergelassen.
„Wo ist Severus?", wisperte Minerva in Septimas Ohr, während sich Dumbledore erhob und seine kurze Begrüßungsansprache hielt.
„Ich weiß nicht", flüsterte Septima zurück, „Er ist eben einfach gegangen. Ich glaube, er hat eine Nachricht bekommen."
Minerva sah sie fragend an, doch Septima zuckte bloß die Schultern, legte den Zeigefinger auf die Lippen und deutete mit dem Kopf auf den noch immer sprechenden Dumbledore.
Als sie das Festmahl beinahe beendet hatten, ging das Tor zur Halle noch einmal auf und ein sichtlich ramponierter Schüler eilte die langen Bankreihen entlang und steuerte auf den Gryffindortisch zu.
Minerva kniff die Augen zusammen.
„Das ist Potter", zischelte sie Septima zu. „Ich frage mich, wo der Junge jetzt erst herkommt."
„Und was er mit seinem Gesicht gemacht hat", ergänzte Septima und schüttelte den Kopf. „Er sieht aus, als hätte er eine Schlägerei hinter sich."
Minerva hörte, wie hinter ihr eine Tür leise ins Schloss gezogen wurde und riskierte einen Blick nach hinten.
„Da ist Severus", raunte sie Septima zu. „Und seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war er erfolgreich, mit was auch immer."
„Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, er ist einer der Gründe, warum Potter ein so missmutiges Gesicht macht. Hat ihn sicher in Empfang genommen und ihm das Leben schwer gemacht."
„Vermutlich. Die beiden sind sich nicht grün", murrte Minerva und wich Hagrid aus, der Harry zur Begrüßung enthusiastisch zuwinkte und dabei riskierte, Minerva zu erschlagen, was diese mit einer entsprechend missbilligenden Miene quittierte.
Dumbledore erhob sich erneut und breitete die Arme aus.
„Einen wunderschönen Abend euch allen", sagte er mit einem strahlenden Lächeln.
Unten in der Halle erhob sich ein Gewisper, als die Schüler seine entstellte Hand bemerkten. Dumbledore lächelte nur und schüttelte den violett-goldenen Ärmel seiner Robe über die Hand.
„Nichts, worüber man sich den Kopf zerbrechen müsste", bemerkte er lässig. „Nun, unseren Neuen ein herzliches Willkommen, unseren alten Hasen ein Willkommen zurück! Ein weiteres Jahr magischer Ausbildung erwartet euch…"
Das Geflüster in der Halle erstarb zu einem leisen Hintergrundgeräusch, zumindest so lange, bis Dumbledore die Änderungen der Stellenbesetzung bekannt gab:
„Professor Slughorn ist ein früherer Kollege von mir, der sich bereit erklärt hat, seinen alten Posten als Lehrer für Zaubertränke wieder auf zu nehmen."
Prompt erhob sich ein erneutes, diesmal ungläubiges Gewisper in der Halle, das Dumbledore jedoch ignorierte und mit seiner Rede fortfuhr:
„Professor Snape wird die Stelle als Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste übernehmen."
Nach dieser Anmerkung brach ein wahrer Sturm in der Halle los, als die Schüler sich – nun nicht mehr ganz so leise wie zuvor – über diese unerhörte Neuigkeit austauschten.
Septima wandte sich Minerva zu, beide Augenbrauen gehoben.
„Ich schätze mal, du wusstest das bereits?"
„Hm", nickte Minerva zurück und spähte ans Ende der Tafel, wo Snape saß und nur lässig die Hand hob, als die Schüler aus Slytherin in Applaus ausbrachen. Sie vermeinte, einen leisen Hauch von Triumph auf Snapes Gesicht zu erkennen, bevor sie sich wieder ihrer Freundin zuwandte.
„Potter scheint das gar nicht zu schmecken", bemerkte Septima trocken, „ich habe ihn bis hierher rufen hören."
„Wundert dich das?"
„Nein, im Grunde nicht. Er wird in diesem Jahr sicher noch einige Male mit Severus aneinander geraten. Ich wundere mich nur, was Dumbledore zu dieser Entscheidung bewogen hat. Er hat sich doch sonst die Jahre immer geweigert, Severus diesen Posten zu geben. Und seine Hand sieht ein wenig merkwürdig aus. Du weißt nicht zufällig, was da im Busch ist?", erkundigte sie sich weiter.
Minerva schüttelte bedauernd den Kopf.
„Ich weiß auch nicht mehr als du. Er weigert sich, mich zu informieren. Aber er wird seine Gründe haben und ich vertraue ihm. Das habe ich immer getan."
Septima lächelte Minerva zu und griff unter dem Schutz des Tischtuches nach Minervas Hand.
„Natürlich vertraust du ihm, so wie immer. Das ist eine Frage, die sich mir gar nicht gestellt hat."
Heftiges Möbelrücken und allgemeiner Aufbruchstumult beendete sowohl ihr Gespräch als auch das Abendessen. Achselzuckend erhoben sich nun auch die Lehrer, um die Große Halle zu verlassen.
Septima erwischte Minerva noch am Ärmel, als sie schon hinausgehen wollte.
„Warte mal kurz. Sehe ich dich gleich noch?", wisperte sie.
„Das wird sich wohl kaum vermeiden lassen", erwiderte Minerva trocken und machte sich auf den Weg, um im Gryffindorturm nach dem Rechten zu sehen.
TBC...
