Wie immer gehört mir nicht allzuviel an dieser Story... ;) Ich verdiene auch nichts daran, ehrlich!
Liebe Knuddelgrüße gebühren wieder meinem Trio Infernale: Angie Snape, Lapislazuli und Like a Dame, fürs Korrekturlesen, Fehlersuchen und Feedbackgeben.
Kapital 8
Schulbeginn
Minerva sah kurz im Gryffindorturm nach dem Rechten und eilte dann in ihre Räume, um es sich mit einem Buch auf dem Sofa gemütlich zu machen. Sie hatte sich noch nicht mehr als hingesetzt und das Buch aufgeschlagen, als Septima an ihre Tür klopfte.
„Komm herein!"
„Woher wusstest du, dass ich es bin?", fragte Septima verdutzt, als sie das Zimmer betrat.
Minerva lächelte.
„Ich kenne inzwischen deine Art Anzuklopfen ganz genau. Außerdem würde sich sonst kaum noch jemand um diese Zeit zu mir verirren außer dir. Setzt dich." Minerva klopfte einladend auf den freien Platz neben sich.
Gehorsam setzte Septima sich neben sie und kuschelte sich an sie.
„Müde?", fragte Minerva.
„Ein wenig", gab Septima zu und lehnte ihren Kopf an Minervas Schulter.
„Ich wüsste zu gerne, wer Severus den Patronus geschickt hat", meinte sie dann versonnen.
Minerva lachte.
„Neugierig bist du gar nicht, was? Aber in dieser Hinsicht kann ich dich aufklären. Ich habe eben bei meinen Gryffindors ein wenig die Ohren gespitzt."
„Minerva!" Septima gab sich schockiert. „Du bist doch wohl nicht als Katze durch die Ecken geschlichen?!"
„Würde dich das sehr schockieren? Aber zu deiner Beruhigung, nein, ich bin nicht als Samtpfote durch den Turm geschlichen. Ich überlasse es anderen, ihre Schüler auszuspionieren, das habe ich nun wirklich nicht nötig. Ich habe per Zufall mitbekommen, dass der Patronus von Nymphadora Tonks war und eigentlich als eine Nachricht an Hagrid gehen sollte. Unser Sorgenkind Potter hat sich im Zug mit Malfoy angelegt und Tonks hat ihn gefunden und zur Schule gebracht. Hagrid sollte ihn am Tor abholen, da er aber eine Kleinigkeit später kam ist stattdessen Severus gegangen."
„Und hat Gryffindor zweifellos ein paar Hauspunkte abgezogen", grummelte Septima.
„Siebzig", antwortete Minerva düster. „Das bringt uns einen noch nie dagewesenen Minusstand ein."
„Siebzig Punkte?! Bei aller Liebe, aber das geht doch wohl entschieden zu weit! Wenn ich du wäre, würde ich Dumbledore einschalten."
Minerva zuckte die Achseln.
„Ich denke nicht, dass das besonders sinnvoll wäre. Ich mag es nicht zu Petzen und außerdem hat Albus genügend wichtigere Dinge, um die er sich kümmern muss. Mit einer solchen Lappalie mag ich ihn nicht behelligen."
„Aber du wirst das doch wohl nicht hinnehmen?"
„Natürlich nicht. Aber da gibt es andere Wege, ohne dass ich Albus damit belästigen muss." Minerva warf Septima einen funkelnden Blick zu.
„Du freust dich richtig darauf, mit Severus zu diskutieren, oder irre ich mich da?"
„Du irrst dich absolut nicht. Im Grunde macht es mir Spaß, mich ein wenig mit ihm zu streiten und ihn ein kleines bisschen zu ärgern. Ich genieße unsere kleinen verbalen Duelle und ich denke, ihm geht es da ähnlich. Ein harmloser Schlagabtausch unter Kollegen, nichts Schlimmes."
„Da würde ich zu gerne mal Mäuschen spielen", murmelte Septima.
Minerva beugte sich zu ihr hinab und küsste sie auf die Stirn.
„Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen", warnte sie.
Septimas grinste und sah zu ihr auf.
„Ich wünsche mir jetzt etwas, das ich nur zu gerne erfüllt hätte", schnurrte sie und zog Minerva dichter an sich heran.
Diese hob die Augenbraue. „Was könnte das bloß sein?"
„Hm, ich dachte da an ein nonverbales Duell zwischen Kolleginnen", erwiderte Septima mutwillig.
„Ach so."
Schmunzelnd ließ Minerva sich von Septima ins Schlafzimmer ziehen.
Am nächsten Morgen beobachtete Septima vom Lehrertisch aus mit leichtem Amüsement, wie Minerva mit ihrer Liste durch die Reihen der Schüler schritt und mit ihnen sprach, um ihre jeweiligen Stundenpläne zu erstellen.
Lächelnd bemerkte sie, dass es bei Neville anscheinend etwas länger dauerte und so schlenderte sie betont gleichgültig langsam am Gryffindortisch vorbei, um zu lauschen.
„Warum wollen Sie überhaupt mit Verwandlung weitermachen?", fragte Minerva gerade, als Septima in Hörweite war, „ich hatte nie den Eindruck, dass Sie dieses Fach sonderlich mögen."
Ein ziemlich unbehaglich aussehender Neville murmelte etwas von „Meine Großmutter möchte…", was Minerva mit einem Schnauben kommentierte.
„Es ist höchste Zeit, dass Ihre Großmutter lernt, auf den Enkel stolz zu sein, den sie hat und nicht auf den, den sie zu verdienen glaubt. Erst recht nach allem, was im Ministerium geschehen ist."
Septima riskierte einen schnellen Seitenblick auf Neville und verbiss sich ein weiteres Lächeln.
Der Junge war knallrot geworden und blinzelte verwirrt, vermutlich war er nicht an Komplimente aus Minervas Mund gewöhnt.
„Es tut mir leid, Longbottom, aber ich kann Sie nicht in meine UTZ-Klasse lassen. Ich sehe, dass Sie ein „Erwartungen übertroffen" in Zauberkunst haben, warum versuchen Sie es nicht mit einem UTZ in Zauberkunst?"
„Meine Großmutter ist der Ansicht, dass Zauberkunst eine schwache Alternative ist", murmelte Neville, gerade noch so laut, dass Septima ihn noch hören könnte.
„Nehmen Sie Zauberkunst und ich werde Augusta ein paar Zeilen schreiben und sie daran erinnern, dass dieses Fach nicht notwendigerweise wertlos ist, nur weil sie ihre Zauberkunst-ZAGs nicht bestanden hat."
Minerva sah auf und begegnete Septimas Blick, die ihr leicht zublinzelte, bevor sie das Weite suchte. Dann konzentrierte sie sich wieder auf Neville um seinen Stundenplan zu erstellen, bevor sie sich als nächstes Parvati Patil zuwandte, die sich mit ihrer Frage nach Firenze, dem Zentauren, McGonagalls Unmut einhandelte.
Es war allgemein bekannt, dass Minerva nicht viel von Wahrsagen hielt und ihre Ablehnung auch ein wenig auf ihre beiden Kollegen Firenze und Professor Trelawney ausgeweitet hatte.
Kurze Zeit später schob Parvati ab und Minerva wandte sich Harry Potter zu, um seinen Stundenplan zu erstellen.
Dieserart beschäftigt verbrachte sie eine geraume Zeit in der Großen Halle, bis sie schließlich auch den letzten Schüler in seine Klasse geschickt hatte und sich auch zum Gehen wandte.
Vor der Tür traf sie auf Septima, die anscheinend auf sie gewartet hatte.
„Was machst du denn noch hier? Hast du keinen Unterricht?", fragte Minerva erstaunt.
„Erst zur nächsten Stunde", erwiderte Septima vergnügt und hakte Minerva unter. „Ich wollte dir nur sagen, wie klasse ich das eben mit Longbottom fand. Es war höchste Zeit, dass mal jemand hingeht und dem Jungen den Rücken stärkt, besonders im Hinblick auf seine Großmutter. In dem Jungen steckt viel mehr, als es den Anschein hat. Er wird uns sicher alle noch mal überraschen."
Sie lächelte Minerva an und drückte leicht ihren Arm.
„Danke", sagte Minerva schlicht. „Ich bin froh, dass du auch dieser Ansicht bist. Severus hat mich nämlich ausgelacht, als ich das ihm gegenüber mal erwähnt habe. Er hält den Jungen für absolut unfähig und eine mittelschwere Katastrophe. Und das ist noch milde ausgedrückt."
Minervas Gesicht verfinsterte sich. Septima drückte erneut ihren Arm.
„Nun ja, Neville hat sicherlich ein paar Kessel zuviel schmelzen lassen. Aber das ginge mir vermutlich genauso, wenn Severus mich unterrichten würde. Ich finde es nur schade, dass Neville so wenig für Arithmantik übrig hat, ich würde ihn gerne unterrichten."
„Das glaube ich dir unbesehen. Er ist zwar etwas langsam und manchmal reichlich ungeschickt, aber er ist ein ausgesprochen netter Junge. Er muss einfach nur ermutigt werden, sich mehr zuzutrauen. So gesehen bin ich schon froh, dass er im vergangenen Sommer mit im Ministerium unterwegs war und sich behaupten konnte. Das hat ihm sicher gut getan. Und seine Noten in Zaubertränke werden sicherlich auch besser werden, jetzt, wo er nicht mehr von Severus sondern von Slughorn unterrichtet wird. Horace mag seine Fehler haben, aber er ist sicherlich nicht so einschüchternd wie Severus es sein kann."
„Dafür wird er es schwerer haben, sich in Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu behaupten", wandte Septima ein und warf einen raschen Blick auf Minervas Gesicht.
Minerva zuckte die Achseln.
„Ich hoffe doch, dass Potters Unterricht in diesem Fach dauerhaft Früchte bei Longbottom trägt", erwiderte sie und ein kurzes Lächeln zuckte um ihre Mundwinkel. „Genug Ärger gab es deswegen ja."
„Hm, Dumbledores Armee", nickte Septima und grinste. „Ich wäre früher nicht auf diese Idee gekommen. Aber ich hatte ja auch nicht Umbridge als Lehrerin", fügte sie fairerweise hinzu.
„Glücklicherweise", stimmte Minerva zu, „das wäre für meinen Notendurchschnitt auch nicht sonderlich förderlich gewesen."
Mit einem Wink ihres Zauberstabes entriegelte sie die Tür zu ihrem Büro.
Septima blieb stehen und löste sich mit einem bedauernden Gesichtsausdruck von Minerva.
„Ich muss dann mal los und ein paar Slytherins das Leben verschönern. Mal sehen, wieviel sie über die Ferien vergessen haben."
Sie schaute sich um und als sie sah, dass sich außer ihnen niemand im Korridor aufhielt, legte sie ihre Hände liebevoll um Minervas Gesicht und küsste sie.
„Dann bis später, Liebes", verabschiedete sie sich und huschte davon.
„Ja, bis später", murmelte Minerva und sah ihr nach, bevor sie dann in ihrem Büro verschwand und sich auf den Unterricht vorbereitete.
Am späten Vormittag, Minerva war gerade durch die Eingangshalle gelaufen und hatte sich über die großen Stundengläser aufgeregt, die den Hauspunktestand anzeigten, traf sie auf Snape. Gerade in der richtigen Laune, den ursprünglichen Urheber ihrer Verstimmung nach allen Regeln der Kunst abzukanzeln, steuerte sie auf ihn zu.
„Severus! Auf ein Wort!"
Snape hob, indigniert von ihrem scharfen Tonfall, die Augenbraue.
„Minerva", entgegnete er ölig, öffnete die Tür zu einer kleinen Kammer in der Vorhalle und ließ ihr mit einer spöttischen Verbeugung den Vortritt.
Mit erhobenem Kopf rauschte sie an ihm vorbei in das kleine Gelass, drehte sich schwungvoll um und begann, ihre Tirade abzuspulen.
„… unfair … immer nur Gryffindor… Sie sollten sich etwas schämen…. Parteiisch…zu alt für einen solchen Unfug… persönliche Animosität gegen Harry … miese Laune an Schwächeren auslassen…"
Snape verschränkte betont genervt die Arme vor der Brust und ließ ihre Schimpftirade über sich ergehen.
„Sind Sie nun fertig?", fragte er dann gelangweilt.
Plötzlich erinnerten ihn McGonagalls Augen an die einer Raubkatze, kurz vor dem Sprung auf ihre auserwählte Beute. Sicherheitshalber trat er einen Schritt zurück.
„Ob ich fertig bin?", fauchte sie. „Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst?"
„Würde ich es wagen, mir einen Spaß mit Ihnen zu erlauben?", konterte Snape süffisant und genoss im Stillen die Wirkung seiner Worte. Es fehlte nicht mehr viel und Minerva würde Feuer speien.
McGonagall kniff die Augen zusammen und schnaubte feindselig.
„Sie gehen mir furchtbar auf die Nerven, Severus!", rief Minerva und sah ihn an, als ob sie ihn liebend gerne in die Hölle und wieder zurück gehext hätte. „Sie werden den von Ihnen angerichteten Schaden wieder reparieren oder Sie werden den Tag verfluchen, an dem Sie nach Hogwarts zurückgekehrt sind!"
Severus Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Wenn Blicke töten könnten, wäre McGonagall gerade einen besonders qualvollen Tod gestorben. Er konnte es nicht ausstehen, wenn Minerva ihren Vorgesetztenstatus ausspielte. So bemühte er sich um seinen besten kalten und höhnischen Tonfall und zischte sie an:
„Minerva, wenn ich irgendwann den Tag erlebe, an dem niemand mehr Slytherin Punkte abzieht, weil er Vorurteile gegen das Haus hat, werde ich davon absehen, Ihren verwöhnten und naseweisen Gryffindors Punkte abzuziehen. Bis dahin bekommen Ihre lieben Kleinen genau das, was sie verdienen, und ebenso Potter. Um den geht es hier ja wohl primär."
Minerva klappte fassungslos der Mund auf, als Snape ihr Parteilichkeit vorwarf und bedachte ihn mit einem gekonnt abfälligen Blick, bevor sie sich brüsk abwandte und mit wehender Robe und hoch erhobenem Kopf die Kammer verließ.
Snape sah ihr nach, einerseits widerwillig beeindruckt von ihrem gekonnten Abgang, andererseits amüsiert von ihrem erfrischenden Streitgespräch. Bei Merlin, er mochte es, McGonagall zur Weißglut zu treiben! Sein Amüsement wuchs, als er daran dachte, dass er in der nächsten Stunde das goldene Trio in Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichten würde. Es hätte nicht viel gefehlt und Snape wäre laut pfeifend durch die Eingangshalle marschiert.
Nach diesem verbalen Duell hatte Minerva sich erst einmal in ihr Büro zurückgezogen, wo sie ihr Streitgespräch in aller Ruhe überdachte.
Im Stillen musste sie zugeben, dass ihr verbales Duell sehr viel versprechend angefangen hatte, ihr dann aber irgendwie entglitten war. Es wurmte sie, dass Severus ihr Parteilichkeit vorgeworfen hatte, ausgerechnet ihr, die immer versuchte, so gerecht wie möglich zu agieren und zu urteilen.
Und doch zwang ihre Gerechtigkeitsliebe sie nun dazu, sich selber einzugestehen, dass sie sich hatte zu sehr provozieren lassen.
Schließlich hatte sie Severus treffen wollen und er hatte in der einzigen, ihm möglichen Art gekontert, in dem er versuchte, sie zu treffen.
Ein leicht bitteres Lächeln schlich sich um ihren Mund, das war ihm nur zu gut gelungen. Aufstöhnend barg sie das Gesicht in den Händen.
Wie konnte sie nur? Nach allem, was Snape und sie gemeinsam durchgestanden hatten, nach allem, was sie in ihren Lebensläufen verband, hatte sie ihren unterschwelligen Vorbehalten erlaubt, ihren widerlichen Kopf zu erheben und das Tageslicht zu erblicken. Obwohl sie nur zu gut wusste, warum er so war, wie er nun einmal war, hatte sie Snape verletzen wollen und es wäre ihr beinahe gelungen.
Sie schüttelte den Kopf.
„Ich muss das wieder ins Lot bringen", sagte sie laut. „Ich muss das wieder gerade biegen."
Sie hätte sich jetzt zu gerne mit jemandem darüber ausgetauscht, mit Albus etwa, oder mit Septima, doch die waren beide beschäftigt.
Es klingelte zur nächsten Stunde und dankbar dafür, dass sie ihre Überlegungen noch etwas verschieben konnte, erhob sie sich, um in ihre Klasse zu eilen.
Septima traf sie erst beim Abendessen am Lehrertisch wieder.
„Meine Güte, was für ein Tag", seufzte Minerva und ließ sich neben ihrer Freundin auf einen Stuhl sinken.
„Der erste Schultag ist immer der schlimmste", stimmte Septima ihr zu. „Alles geht noch drunter und drüber, und jedes Mal redet man sich den Mund fusselig, um alles Nötige zu erklären."
„Wem sagst du das? Ich glaube, ich habe heute ein Dutzend Mal die Bedeutung der UTZ und der ZAGs erläutert."
„Ich weiß, ich doch auch. Hast du denn die neuen Erstklässler wieder mit einer Sondervorstellung in den Bann ziehen können?", neckte Septima liebevoll und reichte Minerva eine Schüssel.
„Du meinst, die strenge McGonagall als niedliche Katze? Ja, habe ich, das funktioniert in jedem Jahr", erwiderte Minerva befriedigt und füllte ihren Teller.
„Auch wenn die Slytherins sich immer redlich Mühe geben, nicht allzu beeindruckt auszusehen", bemerkte sie dann zwischen zwei Bissen. „Aber das war schon immer so. Ich erinnere mich noch genau daran, wie unbeeindruckt Severus sich damals gegeben hat, aber seine Augen haben ihn dann doch verraten."
Aus für Septima unerfindlichen Gründen warf Minerva einen irgendwie besorgt wirkenden Blick zu Severus hinüber.
Auch Septima riskierte bei diesen Worten unwillkürlich einen vorsichtigen Blick in die Richtung von Snape, der wie üblich mit versteinerter Miene am Tisch saß und eine Aura von Kälte verbreitete.
„Du, das kann ich mir jetzt gar nicht vorstellen", wisperte Septima dann Minerva zu.
„Was? Dass er beeindruckt war?"
„Nein, dass er mal ein kleiner Erstklässler war", gab Septima leise zurück und grinste bei dem Gedanken. „Snape als kleiner niedlicher Junge geht einfach über meine Vorstellungskraft."
„Klein ja, aber als niedlich würde ich ihn nicht gerade bezeichnen", flüsterte Minerva zurück. „Er war als Kind schon sehr zurückhaltend und zog ständig eine finstere Miene."
Minerva bemühte sich um einen oberflächlichen Tonfall.
„Typisch, das passt zu ihm", bemerkte Septima leise und warf einen neuerlichen Blick zu Snape hinüber, der diesen Blick auffing und mit einer spöttischen kleinen Verbeugung kommentierte. Septima wurde rot und wandte den Blick ab.
„Geschieht dir recht", murmelte Minerva, die dieses kleine Intermezzo beobachtet hatte. „Immerhin war er heute schon so erfolgreich, dass er mich zur Weißglut gebracht hat und Potter zu einer patzigen Antwort provozieren und ihn zum Nachsitzen verdonnern konnte. Normalerweise hebt das seine Laune ungemein."
„Ich verstehe gar nicht, was er gegen den Jungen hat", wunderte Septima sich und überging dabei den ersten Teil des Satzes vollkommen. „Potter hat ihm doch nichts getan."
„Das ist es auch gar nicht. Das ist eine alte Geschichte. Um es kurz zu machen, Severus und James Potter waren während ihrer Schulzeit erklärte Feinde, das war schon mehr als die übliche Feindseligkeit zwischen Gryffindor und Slytherin. Severus hat seine Abneigung gegen James und seine Freunde auf Harry übertragen, während Harry Snape ebenso hasst wie sein Vater es tat", erklärte Minerva, dankbar dafür, dass sie ihr Streitgespräch mit Severus nun noch nicht zu erwähnen brauchte.
„Also sozusagen eine Erbfeindschaft, ja?"
„Ja, sozusagen. Albern genug, dass sich ein Kind mit so etwas herumärgert, aber zumindest Severus sollte es eigentlich besser wissen. Ich würde mir wünschen, dass beide zur Vernunft kommen, aber daran ist vermutlich nicht mal zu denken. Auch wenn Gryffindor dann zur Abwechslung mal ein paar Hauspunkte mehr behalten könnte", fügte Minerva hinzu und nun warf sie einen finsteren Blick auf Snape, der noch immer mit unbewegter Miene am Tisch saß und sich als Einziger nicht unterhielt, sondern düster vor sich hinstarrte und gelegentlich einen solchen einschüchternden Blick auf die munter schwatzende Schülerschar unten in der Halle warf, dass er das übermütige Geschwatze zumindest vorübergehend damit eindämmte.
Als er Minervas Blick auf sich gerichtet fühlte, hob er eine Augenbraue und erwiderte ihren finsteren Blick mit dem Anflug eines süffisanten Grinsens, um sie zu ärgern, was ihm auch prompt gelang.
Minerva wandte zähneknirschend den Blick von ihm ab, schob den Stuhl zurück und erhob sich brüsk.
„Ich habe noch zu arbeiten", erklärte sie ihren verwundert aussehenden Kollegen, die weder ihr Gespräch mit Septima noch ihr kleines Zwischenspiel mit Snape mitbekommen hatten.
Während Septima ihrer Freundin erstaunt nachsah, beeilte Snape sich, Minerva mit einem weiteren süffisanten Lächeln und einer ironischen Verbeugung zu ärgern. Mit Genugtuung bemerkte er, wie sie die Lippen fest aufeinander presste, ihn mit einem kühlen Blick bedachte und dann aus der Halle eilte. Er hatte Mühe, ein zufriedenes Grinsen zu unterdrücken, als er ihr nachsah. Auch wenn er McGonagall als Kollegin sehr schätzte, genoss er es einfach zu sehr, sie ein wenig aufzuziehen, sie ärgerte sich gar zu unterhaltsam, wie er fand.
Snape richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den Tisch zurück und bemerkte zu seiner milden Verwunderung, dass Professor Vector ihn zornig anfunkelte, bevor auch sie den Stuhl zurückschob und ebenso energischen Schrittes die Halle verließ wie die stellvertretende Schulleiterin.
Snape sah auch ihr nach, allerdings mehr erstaunt als befriedigt und er machte sich seine Gedanken. Seine Kolleginnen hatten in den letzten Wochen viel Zeit miteinander verbracht und nun der heutige
Abend, Snape fand das bemerkenswert und beschloss, die Augen offen zu halten.
Minerva war in ihr Büro geeilt und hatte in einem ihrer seltenen Temperamentsausbrüche so lautstark die Tür hinter sich zugeknallt, dass der Putz von den Wänden rieselte. Nun saß sie an ihrem Schreibtisch und versuchte, ihr schottisches Temperament zu zügeln.
Ein leises Klopfen an der Tür ließ sie auf ihrem Stuhl hochfahren.
„Ja bitte!", rief sie, noch immer recht rau und bemühte sich darum, ruhig und gelassen zu wirken.
Die Tür öffnete sich leise und Septima steckte den Kopf durch den Spalt.
„Kann ich reinkommen?"
„Sicher."
Septima schlüpfte durch den Türspalt, durchquerte den Raum und umrundete den Schreibtisch, wo sie Minerva beide Hände auf die Schultern legte.
„Was war denn plötzlich los?", fragte sie sanft.
„Ach, Severus…", grummelte Minerva.
„Was war mit ihm?", hakte Septima nach.
„Im Grunde nichts", gab Minerva zu und seufzte. „Er hat mich einfach nur ärgern wollen und das ist ihm gelungen. Ich weiß, dass er sich mitunter einen Spaß daraus macht, mich zur Weißglut zu treiben", bekannte sie und sah schräg zu Septima hinauf. „Und ich gehe ihm immer wieder auf den Leim und das ärgert mich maßlos. Wir hatten heute Vormittag schon einen Zusammenstoß, wegen seiner Punkteabzieh-Aktion von gestern und ich habe mich ein wenig zu sehr von ihm provozieren lassen. Plötzlich war es nicht mehr eines unserer üblichen Verbalduelle, sondern ich wollte ihn treffen, ihm wehtun. Und er hat gekontert und mit einer verbalen Breitseite geantwortet, um mich zu treffen."
„Und das ist ihm gelungen", stellte Septima trocken fest.
„Allerdings." Minerva barg das Gesicht in den Händen. „Im Grunde war es absolut blödsinnig, wegen einer solchen Lappalie einen solchen Aufstand zu machen, aber ich habe mich hinreißen lassen und das tut mir jetzt leid.
Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte. Es war, als ob alle meine heimlichen Vorbehalte, die ich je gegen ihn hatte, plötzlich hervorbrachen und ich habe ihn attackiert."
„Du bist eben auch nur ein Mensch, Minerva und nicht perfekt. Und Snape kann einen wirklich zur Weißglut bringen."
„Sicher kann er das, aber ich weiß, warum er ist, wie er ist und ich sollte mich entsprechend verhalten. Aber das habe ich nicht. Jetzt muss ich versuchen, die Sache wieder ins Lot zu bringen und das wird sicher nicht einfach."
„Und warum bist du gerade so plötzlich gegangen?"
„Er fing da an, wo wir heute Vormittag aufgehört haben und ich hatte keine Ambitionen, unsere Animosität von heute früh wieder aufzukochen, unseren Kollegen und Schülern eine Szene zu liefern und Severus noch einmal verbal zu Kleinholz zu machen. Ich dachte, einmal am Tag reicht vollkommen aus und deshalb bin ich lieber gegangen und habe unterwegs ein paar Türen geknallt", gestand sie achselzuckend. Dann fasste sie Septima genauer ins Auge.
„Warum bist du eigentlich hier?"
„Ich bin dir nachgegangen. Es hat mich irritiert und irgendwie geärgert, dass Severus dich so zum Überkochen gebracht hat. Ich wollte nach dir sehen."
„Ob das so eine kluge Entscheidung war?"
„Wie meinst du das?"
„Du hast ihm gerade genügend Munition für einen Angriff aus einer anderen Richtung geliefert", erklärte Minerva. „Er wird zwei und zwei zusammenzählen und vier herausbekommen."
„Du meinst, ihm wird auffallen, dass uns mehr verbindet als eine einfache Freundschaft?"
„Er müsste blind sein, wenn er die Anzeichen übersehen würde", erwiderte Minerva.
„Würde es dich sehr stören, wenn das von uns bekannt würde?"
Septima musterte sie eindringlich.
„Mich stören? Nein, das ist es nicht."
„Sondern?"
„Albus hat mich um Diskretion gebeten. Er meinte, ich sollte mich nicht weiter exponieren als unbedingt erforderlich. Ich habe ihm geantwortet, dass ich unsere Beziehung nicht an die große Glocke hängen, dich aber nicht verleugnen würde."
„Was soll ich jetzt davon halten?"
„Ich bin mir auch nicht sicher", gab Minerva zu. „Er war an dem Abend sehr kryptisch, hat einen Haufen Dinge angedeutet, aber keines davon beim Namen genannt. Er wollte mir nichts sagen, um mich zu schützen, worum auch immer es gehen mag, und mich weiterhin um Loyalität gebeten, auch wenn er merkwürdige Entscheidungen treffen müsste. Die habe ich ihm zugesagt, ich habe ihn noch nie im Stich gelassen. Und er mich auch nicht", fügte sie hinzu.
Septima setzte sich auf die Armlehne von Minervas Stuhl und sah sie nachdenklich an.
„Das klingt als ob er etwas vorhätte. Warum hast du mir nichts von dieser Unterhaltung erzählt?"
„Es erschien mir nicht notwendig zu sein."
„Nicht notwendig? Albus bittet dich um Diskretion in deiner Beziehung zu mir, haut dir einen Stapel kryptischer Bemerkungen um die Ohren und du hältst es nicht für notwenig, mir davon zu erzählen? Zumindest die Sache mit der Diskretion geht mich ja wohl auch etwas an", bemerkte Septima fest. „Ganz davon abgesehen geht es mich schon etwas an, wenn du dich mit einem Problem herumschlagen musst, einerlei, worum es geht."
„Ich habe einfach nicht daran gedacht, dir davon zu erzählen", verteidigte Minerva sich.
„Na", erwiderte Septima zweifelnd. „Immerhin erklärt es dein nächtliches Zähneknirschen."
„Ich tue was?"
„Seit wir wieder hier sind knirschst du nachts mit den Zähnen, dass es eine wahre Wonne ist", erklärte Septima. „In manchen Nächten muss ich den Zauberstab zur Hilfe nehmen, um überhaupt in Ruhe schlafen zu können. Das kommt ja nicht von ungefähr und jetzt, wo ich weiß, dass du ein Gespräch mit Albus über", sie zögerte, „gewisse Dinge hattest, erscheint es mir als die logische Konsequenz davon."
Sie warf Minerva einen strengen Blick zu.
„Das nächste Mal sprichst du bitte mit mir. Das erspart dir Nackenverspannungen und grundlose Wutausbrüche und mir schlaflose Nächte."
Und mit einem Lächeln fügte sie hinzu: „Immerhin brauche ich meinen Schönheitsschlaf, damit eine gewisse Vorgesetzte mich auch weiterhin attraktiv findet."
Ihr Lächeln besänftigte Minerva nun vollends und sie erwiderte Septimas Lächeln, wenn auch etwas zögerlich.
„Tut mir leid. Wird nicht wieder vorkommen."
„Scheißtag heute."
„Hm."
„Ich könnte dich etwas ablenken, weisst du?"
„Ja."
„Komm."
Sie ergriff Minervas Hand und zog die widerstrebende Frau von ihrem Stuhl hoch.
„Heute Nacht kommst du zur Abwechslung mal zu mir. Ich habe da ein tolles neues Badezeug gekauft, das würde dir jetzt sicher gut tun."
„Ich weiß nicht."
„Aber ich. Du gehst jetzt in die Wanne, entspannst dich und beugst damit schlaflosen Nächten und Zähneknirschen vor und morgen klärst du die Sache mit Severus. Er wird dir schon nicht den Kopf abreißen."
„Da wäre ich mir nicht so sicher", unkte Minerva, ließ sich aber von ihrer Freundin mitziehen.
TBC... Ich bin noch lange nicht fertig!
