Disclaimer: Wie immer gehört ein großer Teil – nun ja, beinahe alles – der großen JKR und nicht mir. Geld verdiene ich auch keins, sei es drum!
Mein Dank geht wie immer an mein unbezahlbares Steinchen für ihre fleißige und schnelle Beta-Arbeit und an Queen Helen, die mir besonders bei Septima auf die Finger guckt.
Kapitel 11 Fragen und Flüche
Minerva hatte Severus in weitaus nachdenklicherer Stimmung verlassen, als sie bereit war, es ihm gegenüber zuzugeben.
Unschlüssig verharrte sie für einen Moment im Korridor, als sie sich außer Sichtweite wusste. Im Grunde wollte sie nichts lieber, als in ihre Räume zurückzukehren und dort in aller Ruhe nachzudenken, aber sie wusste, dass sie dort womöglich Septima antreffen würde und mit ihr wollte sie erst sprechen, wenn sie Ruhe und Ordnung in ihre Gedanken gebracht hatte.
Sie sah sich flüchtig um, ob jemand sie beobachtete und als das nicht der Fall zu sein schien, verschwammen ihre Umrisse. Im nächsten Moment war die strenge Professorin verschwunden und an ihrer Stelle saß eine getigerte Katze auf dem kalten Steinboden.
Wie jedes Mal empfand Minerva ihre tierische Gestalt als äußerst angenehm. Ihre Emotionen waren in diesem Zustand weniger leicht fassbar und ein Großteil ihres Intellekts wurde durch ihre Instinkte an die Seite gedrängt. Natürlich ließ sie niemals zu, dass ihre Instinkte ihren Verstand vollkommen ausschalteten, sie ihr menschliches Ich vollkommen aus den Augen verlor, auch wenn es mitunter schwer gewesen war, dieser Versuchung zu widerstehen. Trotz dieser Herausforderung schätze Minerva die Abwechslung, die ihre Fähigkeit ihr bot.
Auf leisen Pfoten schlich sie den Korridor hinab, die Ohren wachsam nach vorne gedreht, um sich nicht das kleinste Geräusch entgehen zu lassen. Als sie leise, sich nähernde Schritte vernahm, zuckte ihre Schwanzspitze hin und her und mit einem eleganten Satz verbarg sie sich hinter der nächsten Rüstung, wie sie glücklicherweise in großer Zahl im Schloss verteilt standen.
Keine Sekunde zu früh, wie sie feststellen musste, als Horace Slughorn an ihr vorbei stapfte. Sie bezweifelte zwar, dass er sie in ihrer derzeitigen Gestalt erkannt hätte, aber sicher war sicher. Abgesehen davon, dass sie keinen Wert darauf legte, ausgerechnet von ihm hinter den Ohren gekrault zu werden, stand ihr derzeit nicht der Sinn nach Gesellschaft.
Als seine Schritte verklungen waren, schlich sie weiter, entwischte durch ein heimliches Schlupfloch nach draußen und schnellte in weiten Sätzen über das mondbeschienene Gelände, bis sie sich im Schatten einiger Bäume wieder fand.
Im Schutze der Dunkelheit kehrte sie zu ihrer menschlichen Gestalt zurück und noch immer leicht außer Atem lehnte sie sich an den dicken Stamm des nächsten Baumes. Hier würde sie ganz sicher niemand vermuten und sie deshalb auch nicht finden.
Ihre Gedanken wanderten zurück zu Severus. Aus seinen Fragen konnte sie sehr wohl heraushören, dass er nicht nur eine Vermutung hatte, was sie selbst und Septima betraf, sondern dass er diese Vermutung als bestätigt ansah. Sie seufzte. Sie wusste, dass er es wusste, aber wusste er auch, dass sie wusste, dass er es wusste?
Minerva vergegenwärtigte sich seinen Gesichtausdruck und entschied, dass Severus auch darüber Bescheid wusste, sich aber wie üblich einen Spaß daraus machte, sie im Ungewissen zappeln zu lassen und gelegentlich damit aufzuziehen. Nichtsdestotrotz war Minerva sich aber auch sicher, dass er es bei für andere unverständlichen Andeutungen und kryptischen Bemerkungen belassen würde und sie nicht vor den anderen bloßstellen würde. Es würde ihm genügen, sie mit Andeutungen in Verlegenheit zu bringen, aber er würde sie nicht verraten.
Jetzt blieb nur noch die Frage, ob sie Septima erzählen sollte, was sie wusste.
Mit dieser Frage trug sie sich immer noch herum, als sie schließlich ins Schloss zurückkehrte, ohne jedoch zu einem Ergebnis zu kommen.
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Die kommende Woche fing schon bescheiden an und entwickelte sich in ihrem Verlauf eindeutig zum Schlechteren.
Severus schien es nicht für nötig zu halten, Minerva überhaupt zur Kenntnis zu nehmen und merkwürdigerweise fehlten ihr selbst seine bissigen Bemerkungen. Albus sah sie kaum, anscheinend war er wieder in irgendeiner seiner mysteriösen Missionen unterwegs, nach der sie ihn nicht fragen mochte, während Septima ihr deswegen immer wieder zusetzte. Sie setzte all ihre Hoffungen auf einen ungestörten ruhigen Sonntag, um endlich einmal zur Ruhe zu kommen. Immerhin würden sich die älteren Schüler in Hogsmeade aufhalten. Das Hogsmeade-Wochenende erwies sich immer wieder als ein Segen, um Atem zu schöpfen, ruhige Gespräche zu führen oder liegen gebliebene Arbeiten nachholen zu können.
Doch Draco Malfoy machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Am Freitag erschien er zum zweiten Male hintereinander ohne seine Verwandlungshausaufgaben und Minerva sah sich gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen. Während ihrer Strafpredigt bemerkte sie zum ersten Mal das übernächtigte Aussehen des Schülers und wunderte sich vage darüber, doch dann wurde der Gedanke an Malfoys Aussehen von seiner üblichen unangenehmen Art verdrängt.
Innerlich murrend, denn sie war müde an Körper und Geist, verdonnerte sie Malfoy dazu, seine fehlenden Hausaufgaben am Sonntag Nachmittag in ihrem Büro nachzuholen und strich ihm damit gleichzeitig seinen Ausflug nach Hogsmeade.
Sie rechnete halb damit, dass Severus ihr deswegen einen bissigen Kommentar zukommen lassen würde und war beinahe enttäuscht, als er nicht die geringsten Anstalten dazu machte, sondern im Gegenteil, geradezu erleichtert wirkte. Jedem anderen wäre die minimale Veränderung seiner Mimik dazu entgangen, doch Minerva kannte ihn lange genug, um selbst seinen starren Gesichtsausdruck einigermaßen deuten zu können.
Als Septima und sie dann Abends lesend vor dem Kamin saßen, ließ Minerva nachdenklich ihre Zeitung sinken und erwähnte ihre Beobachtung Septima gegenüber, die mit den Schultern zuckte:
„Severus? Erleichtert, weil du seinem Liebling Malfoy Nachsitzen aufgebrummt hast? Das glaubst du doch wohl selber nicht! Aber schade, dass du dir den Sonntag damit verbaut hast, ich wäre gerne mit dir auf ein Butterbier zu Rosmerta gegangen."
Nun war es an Minerva, ihrerseits die Achseln zu zucken:
„Ein anderes Mal dann. Das war für mich eine ideale Gelegenheit, Malfoy direkt doppelt dranzukriegen. Außerdem wird sich das Wetter verschlechtern, da würde es ohnehin keinen großen Spaß machen, draußen herumzustapfen."
„Bist du dir sicher? Ich meine, wegen dem Wetter?"
„Allerdings. Ich merke das in den Knochen. Du kommst auch noch dahin, wenn du erstmal so alt bist wie ich."
„Haha", bemerkte Septima trocken und warf Minerva einen schrägen Blick zu. „Du tust gerade so als ob ich noch ein Teenager wäre."
„Manchmal kommst du mir so vor", murmelte Minerva, allerdings so leise, dass Septima sie nicht verstand.
„Was hast du gesagt?"
„Nichts weiter", wich Minerva aus und vertiefte sich wieder in „Verwandlungen heute", um einer entsprechenden Diskussion aus dem Weg zu gehen.
Septima jedoch sah sie nachdenklich an.
„Du hast heute Abend kaum drei Worte mit mir gewechselt. Was ist los mit dir?"
„Ich bin einfach nur etwas müde", gab Minerva zurück. „Und ich will jetzt nicht von dir hören, dass ich zuviel arbeite und mich schonen soll!"
„Oi", machte Septima und verdrehte die Augen..
„Was soll denn dieses ‚Oi'? Hältst du das für eloquent?"
„Mitnichten. Ich dachte nur gerade, dass du dich ein klitzekleines bisschen gereizt anhörst. Diesen speziellen Tonfall habe ich in dieser Woche ein wenig zu oft von dir gehört, wenn ich ehrlich bin. Und ich frage mich, ob deine kürzliche Schachpartie mit Snape etwas damit zu tun haben könnte."
„Wie kommst du denn darauf?"
„Weil du seit am Sonntag ein wenig neben der Spur läufst. Du hast kaum etwas erzählt und ich musste dir jede Kleinigkeit aus der Nase ziehen. Was ist am Samstag passiert?"
„Nichts", wehrte Minerva ab und hörte nun selbst besagten gereizten Unterton in ihrer Stimme.
„Für ‚Nichts' bist du aber ziemlich geistesabwesend zurückgekommen und wenn ‚Nichts' gewesen wäre, könntest du mir ruhig etwas mehr von deinem Abend mit Snape erzählen."
Septima schwieg erwartungsvoll, doch Minerva warf nur einen sehnsüchtigen Blick auf ihre Zeitung.
„Denk nicht mal dran, Minerva! Ich rede mit dir!" Septima runzelte die Stirn. „Irgendetwas war und du sagst mir nichts davon."
Sie sah ihre Partnerin eindringlich an und Minerva spürte, wie ihr die Röte in die Wangen stieg.
„Du wirst mich doch wohl nicht mit Snape betrogen haben?", fragte Septima dann mit scherzhaftem Unterton.
„Ich bitte dich! Severus ist doch viel zu jung für mich!", wies Minerva die Unterstellung entrüstet zurück.
„Ach! Aber wenn er älter wäre, würdest du darüber nachdenken, oder wie soll ich das verstehen?", hakte Septima nun etwas argwöhnischer nach.
Entnervt schleuderte Minerva ihre Zeitschrift auf den Tisch und sah die andere Frau mit funkelnden Augen an.
„Würdest du vielleicht – nur vielleicht? – endlich Ruhe geben? Wir haben Schach gespielt und uns unterhalten, über dies und das, nichts ungewöhnliches. Eigentlich hat er eher kryptische Bemerkungen von sich gegeben, die ich ebenso kryptisch beantwortet habe. Ich habe ihn nicht geküsst, ich habe nicht mit ihm geflirtet und ich war schon gar nicht mit ihm im Bett! Reicht dir das?"
„Ist ja gut!", murmelte Septima erschrocken über Minervas Ausbruch. „Es war ja auch eigentlich eher ein Scherz."
„Blöder Scherz!", knurrte Minerva und angelte nach ihrer Zeitung.
„Und dennoch", fuhr Septima vorsichtig fort und beobachtete Minerva aufmerksam, „dennoch finde ich die Beziehung zwischen dir und Snape reichlich merkwürdig."
Minerva schleuderte ihre Zeitung wieder zurück auf den Tisch.
„Wenn du es unbedingt wissen willst – und anscheinend willst du das – er hat mir quasi hintenherum zu verstehen gegeben, dass er eine gewisse Ahnung hat, was uns beide angeht. Er hat mich nicht direkt danach gefragt, aber aus seinen Fragen konnte ich sehr wohl heraushören, dass er nicht nur eine Vermutung hatte, was uns angeht, sondern dass er diese Vermutung als bestätigt ansieht. Ich weiß, dass er es weiß, aber weiß er auch, dass ich weiß, dass er es weiß?"
„Du liebe Zeit, das ist mir zu hoch. Ich nehme an, er kann dich nicht einfach geradeheraus fragen und du ihm nicht ebenso ehrlich antworten oder was? Wozu dieses Versteckspiel?"
„Ich habe keine Ahnung, Septima. Und ich werde ihn auch ganz sicher nicht danach fragen. Und du auch nicht!", bemerkte Minerva abschließend, ergriff ihre Zeitung und hielt sie sich vors Gesicht.
Septima beobachtete sie eine Weile.
„Du Schwindlerin", sagte sie dann zärtlich, „du liest ja gar nicht."
Seufzend klappte Minerva die Zeitung wieder zu.
„Nein, ich habe eher nachgedacht. Ich finde seine Reaktion auf Malfoys Strafarbeit immer noch merkwürdig", gab Minerva zögernd zu.
Septima stieß einen lauten Seufzer aus.
„Nicht schon wieder! Weißt du was? Du solltest ins Bett gehen und an etwas anderes denken. Etwas ganz ganz anderes", schlug sie vor und rückte näher an Minerva heran. „Falls du verstehst, was ich damit meine."
„Sicher verstehe ich dich. Und das ist das beste Angebot, das ich heute hatte", erwiderte Minerva und warf ihre Zeitung achtlos auf den Tisch.
So schön, wie dieser Abend dann noch ausklang, so furchtbar gestaltete sich der nächste Tag.
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Nach dem Mittagessen klopfte es an Minervas Bürotür und Draco Malfoy erschien, um seine Strafarbeit abzusitzen. Neben seinen nachzuarbeitenden Hausaufgaben brummte Minerva ihm noch eine gehörige Strafarbeit auf, die er zu ihrer Verwunderung kommentarlos hinnahm, hatte sie doch mit einem Aufstand oder zumindest einem Murren gerechnet. Während Draco sich an seine Arbeit machte, begann Minerva damit, Aufsätze zu korrigieren, nicht, ohne Malfoy hin und wieder einen argwöhnischen Blick zuzuwerfen.
Für eine ganze Weile hörte man im Zimmer nichts weiter als das Rascheln von Pergament und das Kratzen der Federn, doch irgendwann wurde die Stille von den lauten spitzen Schreien eines Mädchens durchbrochen. Minerva ließ die Feder fallen und lauschte angestrengt auf die Ursache der Schreie und hatte sich gerade erhoben als Hagrid beinahe ihre Bürotür aus den Angeln hob.
„Professor, kommen Sie! Katie Bell. Hab sie zu Poppy gebracht!", stieß der Hüne hervor und überließ es McGonagall, ihm nach besten Kräften zu folgen.
„Mr. Malfoy, Sie können gehen", gebot sie dem neugierig lauschenden Schüler mit einer kurzen Handbewegung und eilte hinter Hagrid her.
„Was ist denn passiert, Hagrid?"
„Sieht aus wie'n Fluch, Professor", gab der bärtige Wildhüter zurück und rieb sich unbehaglich das schwarze Bartgestrüpp. „Harry kam angerannt und schrie, dass jemand verletzt oder verflucht worden is un ich bin dann mit ihm zurück. Harry, Ron un Hermine un Leanne ham alles gesehen."
„Wo sind die Kinder jetzt?"
„Aufm Weg hierher, schätze ich mal."
McGonagall nickte und eilte in die Große Halle hinab, um die Ankömmlinge abzupassen. Vom Portal aus sah sie die vier durch die Hagelschauer in Richtung des Schlosses stapfen und eilte ihnen durch das Unwetter entgegen.
„Hagrid sagte, Sie vier haben gesehen, was mit Katie Bell passiert ist – sofort hinauf in mein Büro, bitte! Was haben Sie da, Potter?"
„Das Ding, das sie angefasst hat", erwiderte Harry und umklammerte irgendeinen, in einen Schal gewickelten Gegenstand.
„Du liebe Zeit", sagte McGonagall und sah alarmiert aus, als sie Harry sein Päckchen abnahm und es sich als eine Halskette herausstellte.
„Nein, Filch, die Kinder kommen mit mir", setzte sie hinzu, als der Hausmeister sich mit erhobenem Geheimnisdetektor näherte.
„Hier, bringen Sie das sofort zu Professor Snape und passen Sie auf, dass Sie die Kette nicht berühren, halten Sie sie im Schal eingewickelt!"
Harry, Ron, Hermine und Leanne folgten Minerva in ihr Büro. Minerva schloss die Tür und umrundete ihren Schreibtisch, um die vier bestürzten Schüler anzusehen.
„Nun?", sagte sie scharf, „was ist passiert?"
Immer noch von Schluchzen unterbrochen, nahm es Leanne auf sich, Minerva von den Ereignissen des Nachmittags zu berichten. Sie erzählte Minerva, dass sie mit Katie Bell in den „Drei Besen" gewesen war und dass Katie, nachdem sie zur Toilette gegangen war, mit einem merkwürdigen Päckchen zurückgekommen war. Sie vergaß nicht zu erwähnen, dass Katie merkwürdig ausgesehen hatte und dass sie beide sich darüber gezankt hatten, ob es ratsam sei, dieses unbekannte Objekt anzunehmen und nach Hogwarts zu bringen und wie sie versucht hatte, Katie das Päckchen abzunehmen.
„Und dann ist das Papier zerrissen", schluchzte Leanne und begann zu weinen, so dass Minerva kein Wort mehr aus ihr herausbekam.
„Nun gut", sagte Minerva nicht unfreundlich, „gehen Sie bitte zum Krankenflügel, Leanne, damit Madame Pomfrey Ihnen etwas gegen den Schock geben kann."
Als sie den Raum verlassen hatte, wandte Minerva sich wieder Harry, Ron und Hermine zu.
„Was passierte, als Katie die Halskette berührte?", fragte sie.
„Sie stieg einfach in die Luft auf und begann zu schreien und dann ist sie zusammengebrochen", sagte Harry, noch bevor Ron oder Hermine etwas sagen konnten. „Professor, kann ich bitte mit Professor Dumbledore sprechen?"
„Der Direktor ist bis Montag fort, Potter", antwortete Minerva und sah überrascht aus.
„Er ist fort?", wiederholte Harry ärgerlich.
„Ja, Potter, fort!", sagte McGonagall spitz. „Doch ich bin sicher, dass alles, was Sie über diese schlimme Sache zu berichten haben, bei mir an der richtigen Adresse ist."
Sie sah den Jungen an und bemerkte, dass er kurz zögerte, zu überlegen schien, bevor er dann sprach:
„Ich glaube, Draco Malfoy hat Katie die Halskette gegeben."
„Das ist eine sehr ernste Anschuldigung, Potter", sagte Minerva nach einer schockierten Pause. „Haben Sie irgendeinen Beweis?"
„Nein", sagte Harry, „aber vor Schulbeginn bin ich ihm zu Borgin und Burkes gefolgt und habe ihn belauscht, als er mit Borgin gesprochen hat. Er wollte irgendetwas in Ordnung gebracht haben und ich hatte den Eindruck, dass er ihm drohte. Und ich denke, dass er etwas gekauft hat."
Minerva sah ihn leicht verwirrt an.
„Malfoy hat etwas zu Borgin und Burkes gebracht, damit es repariert wird?"
„Nein, Professor, er wollte bloß, dass Borgin ihm sagt, wie er etwas reparieren kann, er hatte es nicht bei sich. Aber das ist nicht der Punkt, die Sache ist, dass er etwas gekauft hat und ich glaube, dass es die Halskette war."
„Sie haben Malfoy mit einem derartigen Päckchen den Laden verlassen sehen?"
„Nein, Professor, er sagte Borgin, dass er es für ihn im Laden aufbewahren sollte…."
„Aber Harry", unterbrach Hermine, „Borgin fragte ihn, ob er es nicht mitnehmen wolle und Malfoy sagte ‚Nein'."
„Weil er die Kette nicht anfassen wollte offensichtlich!", rief Harry ärgerlich.
„Was er wirklich gesagt hat, war: ‚Wie würde es aussehen, wenn ich das die Straße hinabtragen würde?'.", sagte Hermine.
„Yea, er würde ziemlich bescheuert aussehen, wenn er mit einer solchen Halskette die Straße herunter stolzieren würde", warf Ron ein.
Leicht genervt verfolgte Minerva die nun wechselseitigen Anschuldigungen der drei Schüler und unterdrückte einen Seufzer.
„Das reicht!", unterbrach sie schließlich das Geplänkel und sah wütend aus. „Potter, ich weiß es wirklich zu schätzen, dass Sie mir das mitgeteilt haben, aber wir können nicht auf Mr. Malfoy als den Schuldigen zeigen, nur, weil er den Laden aufgesucht hat, in dem das fragliche Objekt zum Verkauf angeboten wurde. Das gleiche gilt vermutlich auch für hunderte anderer Leute.." Sie warf dem murmelnden Ron einen strengen Blick zu, „… und zudem haben wir in diesem Jahr strenge Sicherheitsvorschriften, so dass ich nicht glaube, dass diese Halskette ohne unser Wissen in die Schule gelangt sein könnte…"
„Aber…"
„Und außerdem", sagte Minerva, ohne auf Harry Einwand zu achten, „war Mr. Malfoy heute nicht in Hogsmeade."
„Woher wissen Sie das Professor?", erkundigte Harry sich mehr als nur überrascht.
„Weil er eine Strafarbeit bei mir absitzen musste. Er hat es geschafft, zweimal hintereinander ohne seine Verwandlungshausaufgaben zu erscheinen. So, ich danke Ihnen, dass Sie mir Ihre Verdächtigungen mitgeteilt haben, Potter", sagte sie und ging an den Teenagern vorbei, „Aber nun muss ich unbedingt zum Krankenflügel und nachsehen, wie es Katie Bell geht. Guten Tag euch allen."
Demonstrativ hielt sie ihre Tür auf und sah zu, wie die drei Schüler sich ohne ein weiteres Wort an ihr vorbeidrückten. Kopfschüttelnd machte sie sich auf den Weg zum Krankenflügel, wo eine besorgte Poppy sie schon erwartete.
Als Minerva das Krankenzimmer betrat, beugte sich Poppy gerade mit gerunzelter Stirn über ihre Patientin und hob nur leicht den Kopf, als sie Minerva hörte und zuckte die Achseln.
„Ich kann dir nichts sagen, Minerva, wirklich nicht. Ich warte immer noch auf Severus und seine Ergebnisse. Aber gut möglich, dass wir sie ins St. Mungos bringen müssen."
Minerva nickte stumm und schaute frustriert und besorgt auf ihre Schülerin, die so bleich und reglos auf dem Bett lag.
„Dann werde ich Severus wohl mal Dampf machen müssen", bemerkte sie mit rauer Stimme und versuchte sich an einem recht missglücktem Lächeln.
Poppy nickte wieder und Minerva verließ den Krankenflügel mit einem unguten Gefühl in der Magengegend.
„Und Severus? Können Sie mir schon irgendetwas sagen?", drängte sie ihren Kollegen, nachdem sie recht unzeremoniell in sein Büro geplatzt war.
Snape runzelte missbilligend die Stirn und warf seiner Kollegin einen scharfen Blick zu.
„Nichts bislang. Was mich allerdings auch nicht verwundert, da man mich nicht in Ruhe arbeiten lässt." Ein mehr als nur leiser Vorwurf schwang in seiner Stimme mit.
„Meine Güte, Severus, nun stellen Sie sich nicht so zimperlich an. Ich habe Sie lediglich nach Ihren Ergebnissen gefragt!", ereiferte sich Minerva.
„Und ich habe lediglich geantwortet, dass ich noch nichts mitzuteilen habe. Nun regen Sie sich schon ab, Minerva, bevor Sie der Länge nach auf dem Boden landen", grummelte er und schob ihr mit einem gezielten Fußtritt einen Stuhl hinüber.
„Potter hat Malfoy beschuldigt, diese Kette in Umlauf gebracht zu haben", bemerkte sie unvermittelt.
Snape hob spöttisch die Augenbraue.
„Wie gut für Malfoy, dass er sozusagen ein bombensicheres Alibi in Ihnen hat. Dass ausgerechnet Sie mal einen Slytherin entlasten würden…." Er gestattete sich ein kurzes spöttisches Verziehen der Mundwinkel.
„Ich habe diese Kette schon einmal gesehen", fuhr er dann fort, als ob nichts geschehen wäre. „In der Nokturngasse bei Borgin und Burkes. Laut dem beiliegenden Schild hat diese Kette bislang neunzehn Muggelbesitzer das Leben gekostet. Miss Bell hatte verfluchtes Glück, dass sie die Kette nicht mit bloßen Händen angefasst hat, sonst würden wir hier über ihre Todesursache spekulieren."
Minerva wurde noch bleicher als zuvor.
„Bei Merlin, nun setzen Sie sich endlich hin, bevor Sie mir tatsächlich noch umfallen!", schnappte er gereizt und drückte sie auf den Stuhl.
„Severus, wer tut so etwas? Wer gibt derart verfluchte Gegenstände in die Hände von nichtsahnenden Schülern?"
„Ich wünschte, ich wüsste es", versetzte er grimmig und richtete seinen Blick wieder auf die verheerende Halskette.
„Und ausgerechnet jetzt ist Albus nicht hier", bemerkte Minerva tonlos.
„Er kommt morgen zurück und ich bezweifele ernsthaft, dass er wesentlich mehr ausrichten könnte als Sie."
„Versuchen Sie etwa, mich zu beruhigen? Das wäre ja mal ganz etwas Neues!"
Er zuckte gelangweilt die Achseln.
„Es ist äußerst kontraproduktiv, wenn Sie sich so aufregen. Und außerdem stört es meine Konzentration. Hören Sie, gehen Sie in Ihre Räume und machen Sie, was auch immer Sie sonst Sonntags machen, ich habe wirklich zu arbeiten."
„Mit anderen Worten: Ich störe Sie und Sie setzen mich vor die Tür."
„Korrekt. Und jetzt raus mit Ihnen. Ich melde mich, wenn ich etwas finde."
Severus hielt ihr demonstrativ die Türe auf und Minerva erhob sich widerwillig von ihrem unbequemen Stuhl.
„Wir sprechen uns sicher später noch", bemerkte sie und rauschte aus seinem Büro.
Severus starrte ihr nach, mit einem Gesichtsausdruck, den diesmal nicht einmal Minerva hätte deuten können.
Doch sie blickte nicht zurück, sondern wanderte tief in ihre eigenen Gedanken versunken in ihre Räume.
Als sie die Tür zu ihren Wohnräumen aufstieß, eilte ihr eine besorgte Septima entgegen und schloss sie fest in die Arme.
„Minerva, Liebes! Ich habe mir Sorgen gemacht."
Minerva lehnte müde ihren Kopf an Septimas Schulter.
„Es ist so gut, dass du hier bist", murmelte sie und schmiegte sich eng an ihre Partnerin.
„Ich bin immer da, wenn du mich brauchst", erwiderte Septima leise und streichelte Minerva liebevoll über den Rücken, bevor sie die ältere Frau behutsam zum Sofa führte und sanft in die Polster drückte.
„Was ist passiert?"
„Wenn ich das nur wüsste", murmelte Minerva, bevor sie begann, Septima die ganze Geschichte zu erzählen.
„Und ausgerechnet jetzt ist Albus nicht da", schloss sie und hob die Hand. „Und bitte verschone mich jetzt damit, dass du so etwas vorhergesagt hast, ja?"
„Du siehst mich nicht einmal Luft holen", antwortete Septima und ergriff Minervas Hände. „Es wäre nicht der richtige Zeitpunkt, um deswegen eine Diskussion anzufangen."
„Nein, wäre es auch nicht", erwiderte Minerva und lächelte schief. „Ich bin so froh, dass du hier bist und ich mit dieser Sache nicht alleine bin!"
„Ich weiß, Liebes." Septima legte die Arme um Minerva und drückte sie fest an sich. „Du wirst schon sehen, Severus findet ganz sicher etwas heraus und dann kann Poppy dem Mädchen helfen. Und wenn nicht sie, dann die Heiler im Mungos." Sie küsste Minerva liebevoll auf die Schläfe.
„Und du legst dich jetzt besser eine Weile hin, du bist nämlich immer noch kreidebleich. Ich bleibe hier und wecke dich sofort, wenn Severus oder Poppy sich melden."
„Ich kann jetzt nicht ins Bett gehen."
„Hinlegen solltest du dich aber, sonst fällst du heute Abend mit der Nase in die Suppe und da hat niemand etwas von."
Nach einigem Hin und Her akzeptierte Minerva eine Liegestatt auf dem Sofa, eine Wolldecke über sie gebreitet und den Kopf auf Septimas Schoß, die mit den Fingern leicht und beruhigend durch Minervas Haar glitt, bis dieser trotz allem Protest die Augen zufielen.
TBC...
