Mein Steinchen hatte Zeit, ich hatte wieder Ideen, also gibt es jetzt wieder etwas zu Lesen...

Wie immer, gehört mir beinahe nichts an dieser Geschichte und ich verdiene auch nichts weiter daran als einen klaps auf die Finger, weil ich mich an diesen Charakteren vergreife....

Viel Spaß!


Kapitel 13

Tabula rasa

„Aber weißt du, was mir heute noch so durch den Kopf gegangen ist?", fragte Septima unvermittelt, als sie abends zusammen saßen. „Ist Katie Bell nicht in der Quidditch-Mannschaft von Gryffindor?"

Minerva sah von ihrem Buch auf und runzelte die Stirn. „Ja, sie ist eine Jägerin."

„Dann hoffe ich nur, dass Harry einen gescheiten Ersatz für sie auftreibt, sonst macht Slytherin euch im kommenden Spiel platt."

„Das ist im Moment nun wirklich meine geringste Sorge", murmelte Minerva und schob die Brille etwa weiter die Nase empor. „Ganz davon abgesehen, ich bin mir sicher, dass Harry einen adäquaten Ersatzspieler an der Hand hat." Sie verzog das Gesicht. „Ich hoffe es zumindest inständig. Ansonsten kann ich mir tagelang das überhebliche Grinsen von Severus ansehen."

„Dem sind die Umstände garantiert piepegal", kommentierte Septima.

Minerva warf ihr einen schrägen Blick über die Brille hinweg zu.

„Septima, ich mag es wirklich nicht, wie du über Severus sprichst. Ich glaube nicht, dass die Sache mit Katie ihn wirklich ganz und gar kalt lässt. Seine sozialen Fähigkeiten sind katastrophal und er ist manchmal ein richtiggehendes Ekel, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es ihm egal ist, wenn ein Schüler verletzt wird. Dazu hat er ein zu gutes Herz."

„Herz? Der hat so was doch gar nicht."

Minerva setzte die Brille ab, legte ihr Buch fort und sah ihre Freundin ruhig und ernst an.

„Ich kenne Severus Snape, seit er ein kleiner Junge von elf Jahren war. Ein sehr einsamer kleiner Junge, möchte ich hinzufügen. Er hat es nie leicht gehabt und ihm ist ziemlich übel mitgespielt worden…"

„Du meinst wohl eher, er hat anderen übel mitgespielt? Als Todesser? Unter Lord Du-Kannst-Mich-Mal?"

„Hör mir bloß mit dieser ‚Einmal Todesser- immer Todesser- Arie' auf!", rief Minerva verärgert. „So langsam kann ich das wirklich nicht mehr hören! Er hat seine Taten bereut, er hat ihnen abgeschworen oder glaubst du ernsthaft, Albus hätte ihn nach Hogwarts geholt, ihm eine zweite Chance gegeben, wenn er nicht restlos davon überzeugt wäre, dass Severus es aufrichtig meint? Dass er die Kreise um Du-weißt-schon-wen wirklich hinter sich gelassen hat, sich auf unsere Seite gestellt hat und wieder stellen wird. Nein, Septima. Albus mag manchmal etwas schrullig sein, aber ich vertraue auf seine Menschenkenntnis. Wenn er Severus vertraut, dann können wir ihm alle vertrauen."

„Und falls Albus sich irrt? Soll ja gelegentlich vorkommen…"

„Papperlapapp! Genug jetzt mit diesem Unsinn!", winkte Minerva unwirsch ab und setzte ihre Brille wieder auf, um mit ihrem Buch fortzufahren.

So recht konzentrieren konnte sie sich allerdings nicht. Sie musste sich wirklich endlich ernsthaft mit Dumbledore über die Möglichkeit unterhalten, Septima in den Phönixorden einzuführen.

Als die geradlinige Frau, die sie war, sah sie kaum eine Möglichkeit, ihre Mitgliedschaft im Orden dauerhaft zu verheimlichen, ebenso wie ihr früher oder später mal der Geduldsfaden reißen mochte und sie Septima an den Kopf werfen würde, welche Opfer Snape brachte und welcher Gefahr er sich mit seiner Rolle als Doppelagent aussetzte. Sie war sich fast sicher, dass Septima willens wäre, dem Orden beizutreten und gegen den Dunklen Lord zu arbeiten.

Septima fing ihren nachdenklichen Blick auf und lächelte verhalten.

„Was geht dir durch den Kopf?", fragte sie, weit davon entfernt, von Minervas unwirschem Kommentar beleidigt zu sein.

„Ich dachte nur gerade an etwas, nichts weiter", wehrte Minerva ab und hob hastig ihr Buch.

„Für ‚nichts weiter' siehst du aber sehr nachdenklich aus", bohrte Septima weiter und warf Minerva einen ernsthaften Blick zu.

„Ich kann es dir nicht sagen, Septima", erwiderte Minerva kurz.

„Du kannst nicht? Würdest es nicht eher heißen: Du willst nicht?"

„Ja, das auch", gab Minerva zu und lächelte ihre Freundin entschuldigend an. „Vielleicht kann ich dir später mal erzählen, was mir durch den Kopf gegangen ist. Wenn die Zeit reif dafür ist."

„Du hörst dich an wie Albus", stellte Septima missbilligend fest. „Du machst mir genau die gleichen kryptischen Andeutungen, über die du dich immer bei ihm beschwerst. Ich glaube, du hast zuviel Zeit mit ihm verbracht."

Minerva griff nach Septimas Hand und sah sie bittend an. „Ich kann es dir wirklich nicht sagen, Septima. Sei bitte nicht verärgert."

„Bin ich nicht. Nur ein wenig gekränkt, dass du mir nicht vertraust."

„Das ist keine Frage des Vertrauens – oder des Mangels an solchem", erklärte Minerva. „Es geht um Interna, über die ich nicht mit dir sprechen darf, so gerne ich auch wollte. Und bevor ich dir irgendwelche Lügen erzähle, sage ich lieber gar nichts zu diesem Thema."

„Na fein", seufzte Septima ergeben, „ihr immer mit euren Geheimnissen. Behaltet sie schön für euch und hofft, dass niemand mit dem Ohr an der Türe klebt und lauscht."

Sie warf einen Blick auf die Uhr und erhob sich.

„Wo willst du hin?", fragte Minerva beunruhigt.

„Es ist zehn Uhr, ich habe heute Nacht Dienst. Die übliche Patrouille, damit alle Verdächtigen in ihren Betten bleiben und nicht nächtens durchs Schloss stromern und Unfug treiben."

„Das hatte ich ganz vergessen", gab Minerva zu. „Möchtest du, dass ich dich begleite?"

„Danke, Liebes, aber nein. Du brauchst deinen Schlaf und davon hast du in der letzten Nacht ohnehin nur wenig bekommen."

Septima küsste Minerva zärtlich auf die Stirn, strich dann ihren Umhang glatt und verließ den Raum.

Minerva sah ihr nach und seufzte leise.

„Morgen werde ich mit Albus sprechen", murmelte sie und griff wieder nach ihrem Buch, um noch ein paar Seiten zu lesen, bevor sie sich zur Ruhe begab.

* * *

Ein paar Abende später lotste sie eine neugierige, aber dennoch beunruhigte Septima zu einem Treffen in das Büro des Schulleiters.

„Guten Abend, Minerva, Septima", grüßte der Schulleiter sie mit einem freundlichen Zwinkern in den Augen und deutete auf die beiden Stühle vor seinem Schreibtisch. „Bitte, setzte euch."

Er wartete einen Moment, bis die beiden Frauen es sich bequem gemacht hatten, dann beugte er sich mit einer Papiertüte in der Hand vor:
„Möchte jemand…"

„Nein, ich möchte kein Zitronenbonbon", unterbrach Minerva mit leicht genervtem Tonfall und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Du unterschätzt mich, Minerva", erklärte Albus gelassen und hielt ihr weiterhin die Tüte unter die Nase. „Das sind keine Zitronenbonbons, das sind Lakritzschnecken, eine Muggelsüßigkeit, auf die ich kürzlich gestoßen bin. Und nur, weil ich dir einmal – einmal! - ein Zitronenbonbon angeboten habe, musst du nicht immer wieder darauf herumreiten. Septima, möchten Sie eine Lakritzschnecke, bevor wir mit dem eigentlichen ernsten Thema anfangen?"

Septima schüttelte den Kopf.

Welches Thema Dumbledore auch immer aufs Tapet bringen würde, sie hatte nicht vor, sich um einen Mundvoll Lakritze herum artikulieren zu müssen.

„Na schön", seufzte Dumbledore und legte die Süßigkeiten beiseite.

„Dann wollen wir mal zum eigentlichen Grund dieses Treffens kommen. Und dieser Grund sind Sie, Septima. Oder vielmehr: Sie haben etwas damit zu tun. Ich muss Sie nur darum bitten, das Gesprochene als absolut vertraulich zu behandeln und Sie darauf hinweisen, dass ich gegebenenfalls Ihr Gedächtnis löschen müsste", erklärte Dumbledore, verlor nun sein gutmütiges Augenzwinkern und sah sie eindringlich an. „Sind Sie damit einverstanden?"

„Ja, sicher."

„Schön. Dieses Treffen wird auf Wunsch von Minerva abgehalten, sie ist mit einer Bitte an mich herangetreten, der ich gerne entsprechend möchte", erklärte Dumbledore nun weiter und bemerkte sehr wohl, den erstaunten und fragenden Blick, den Septima Minerva zuwarf.

„Ich habe Minerva darum gebeten, Ihnen nicht den Grund dieses Treffens zu enthüllen", fuhr Dumbledore fort, „machen Sie ihr also bitte keine Vorwürfe deswegen. Es geht um gewisse Geheimnisse, die sich zwischen Ihnen beiden aufgetürmt haben und Sie voneinander zu trennen drohen."

„Meine Güte, Albus, nun komm endlich auf den Punkt", forderte Minerva ihn gereizt auf und wippte ungeduldig mit dem Fuß.

„Na schön. Dann werde ich alle dramatischen Vorreden lassen", seufzte Albus und sah Septima ernsthaft an.

„Als Lord Voldemort das letzte Mal auf dem Vormarsch war und seine Anhänger um sich versammelte, habe ich eine geheime Gesellschaft ins Leben gerufen, den Orden des Phönix. Wir alle haben gegen Voldemort gekämpft, seine Leute überwacht - so weit das möglich war, natürlich – und versucht, besonders gefährdete Mitglieder zu verstecken, wie die…"
„…die Potters", warf Septima ein und nickte. „Ich verstehe. Minerva hat einmal von einem geheimen Orden gesprochen. Und ich schätze mal, nach der Rückkehr von Du-weißt-schon-wem haben Sie den Orden reaktiviert, nicht?"

„Präzise. Ich leite den Orden und bin außerdem der Geheimniswahrer. Nur wenn ich jemandem mitteile, wo sich unser Hauptquartier befindet, kann derjenige es aufsuchen."

„Und ich schätze mal, du bist natürlich auch wieder dabei?", wandte Septima sich dann an Minerva.

„Ja, natürlich. Damals wie heute. Und - Snape ist ebenfalls im Orden", ließ Minerva dann die Bombe platzen.

„Snape?! Ihr lasst Snape in eine geheime Geheimgesellschaft eintreten, die gegen Lord Ich-sag's-jetzt-nicht arbeitet? Snape? Einen ehemaligen Todesser in einer Gesellschaft, die gegen die dunklen Künste ankämpft? Ich fasse es nicht! Wie dämlich kann man denn sein?"

„Wenn Sie sich dann wieder beruhigt haben, werde ich Ihnen etwas zu diesem Thema erklären", erwiderte Dumbledore ruhig, legte die Fingerspitzen aneinander und betrachtete sie.

Septima holte tief Luft und gab ihm mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er fortfahren könnte.

„Es ist richtig, dass Severus einmal zu den Todessern gehört hat. Es ist auch richtig, dass er in ihrer Hierarchie recht weit oben gestanden hat. Dennoch kam er in einer verregneten Nacht vor sechzehn Jahren zu mir, als Voldemort auf der Höhe seiner Macht war. Er bereute seine Taten und dank ihm konnten wir die Potters verstecken, bis Pettigrew sie an ihn verriet. Dank ihm haben wir wichtige Erkenntnisse über Voldemort und seine Todesser gewinnen können. Seit jener Nacht hat Severus die Rolle des Doppelagenten gespielt, er spioniert unter größter persönlicher Gefahr für uns die Todesser aus."

„Und woher wollen Sie wissen, dass er Sie nicht ebenso ausspioniert und an Lord V-v-v-Was-was-ich verrät?", wollte Septima nun wissen.

„Ich weiß es eben", erwiderte Dumbledore schlicht. „Was damals zwischen Severus und mir besprochen wurde, tut nichts weiter zur Sache, aber ich weiß, dass er auf unserer Seite steht."

„Und deshalb springst du immer bis unter die Decke, wenn es um Severus geht!", wandte Septima sich an ihre Freundin und Minerva nickte.

„Es tut mir einfach in der Seele weh, wenn ich sehen muss, welche Abneigung Severus erntet, obwohl er so viel für uns tut", erklärte sie. „Aber ich konnte es dir nicht sagen, ohne Severus oder den Orden zu gefährden. Ich kann ihn überhaupt nie in Schutz nehmen, wenn die Leute schlecht von ihm sprechen. Ich weiß, dass er nicht einfach ist, aber ein wenig Respekt und Achtung sind doch nicht zuviel verlangt."

Septima nickte, nun verstand sie endlich, was ihre Freundin so auf die Palme brachte.

„Warum habt ihr mir das nicht schon früher erzählt? Ich hätte euch bestimmt nicht verraten, im Gegenteil. Ich bin froh, dass ihr mir vertraut und mich eingeweiht habt."

Freimütig blickte sie von Minerva zu Albus und wieder zurück.

Albus schmunzelte verhalten und in Minervas Gesicht erschien ebenfalls ein leichtes Lächeln.

„Ich hatte nicht die Befürchtung, dass Sie uns verraten würden", erklärte Albus freundlich. „Ich wollte Minerva nicht überrumpeln und sie darum bitten, Sie in den Orden einzuführen. Es war mir lieber, damit zu warten, bis sie von selber an mich herantrat. Ich weiß, dass Sie Minerva unendlich wichtig sind und ich hatte nicht das Recht, von Ihr zu verlangen, Sie wissentlich in Gefahr zu bringen. Diese Entscheidung wollte ich Ihr überlassen."

Minerva nickte, dann ergänzte sie: „Aber ich konnte dich nicht dauerhaft im Ungewissen lassen oder dich anlügen. Ich will dich nicht anlügen müssen, wenn ich etwas für den Orden erledigen muss. Und ich will, dass du dir bewusst bist, welchem Risiko wir ausgesetzt sind und nicht blindlings in eine Gefahr stolperst, die du aufgrund mangelnder Information nicht als solche erkennen würdest."

Septima nickte und im Schutze der Tischplatte griff sie nach Minervas Hand und drückte sie.

„Vor mir brauchen Sie sich nicht so dezent zu verhalten", schmunzelte Dumbledore, dem die Bewegung nicht entgangen war.

„Ach nein?", gab Septima kampflustig zurück. „Mir war so, als hätten Sie Minerva um Diskretion gebeten, was sie und mich anbelangt. Eine Bitte, die ich übrigens bis heute nicht verstehe."

„Mir geht es vor allem darum, Sie beide zu schützen", erklärte Dumbledore geduldig. „Minerva befindet sich als Ordensmitglied und meine Stellvertreterin in einer exponierten Stellung. Ihre Beziehung macht sie angreifbar, im Ministerium und von Seiten der Todesser, die Minerva ohnehin für eine Blutsverräterin und Muggelfreundin halten. Es wäre nicht gut, wenn allgemein bekannt würde, dass sie mit einer muggelgeborenen Hexe zusammenlebt. Und Sie, Septima, versuche ich dadurch auch zu schützen. Sollte mir etwas zustoßen, so ist Minerva diejenige, die nicht nur die Schule leitet, sondern auch den Orden, und ich bin mir sicher, dass Voldemort sich darüber im Klaren ist. Wenn er nun wüsste, dass Sie beide liiert sind, wären Sie großer Gefahr ausgesetzt, weil er ganz sicher versuchen würde, über Sie an Minerva heranzukommen. Sollte ihm das nicht gelingen, so hätte er zumindest die Genugtuung, ein weiteres ‚Schlammblut' getötet zu haben."

Dumbledore hielt inne und sah sie scharf an.

„Verstehen Sie nun meine Sorgen? Und warum Minerva Ihnen nichts von all dem sagen konnte und durfte?"

„Ja, jetzt verstehe ich so einiges", erwiderte Septima. „Und ich bin froh, dass Sie mir Ihre Sichtweise dargelegt haben. Wenn ich weiß, warum etwas von mir verlangt wird, bin ich wesentlich besser in der Lage, diesem Wunsch nachzukommen. Es fällt mir schwer zu lügen oder die Wahrheit zu verbergen, aber wenn ich einen guten Grund dazu habe, bin ich dazu fähig. Und Minervas Sicherheit und Wohlergehen ist mehr als nur ein guter Grund für mich. Es tut mir Leid, dass ich Ihre Motive missverstanden habe, ich hatte die Befürchtung, dass Sie sich für uns schämen würden."

Albus schüttelte leicht den Kopf:
"Ich würde mich niemals dafür schämen, dass zwei Menschen sich lieben. Die Welt wäre eine bessere, wenn es mehr Liebe darin gäbe. Aber ich bin froh darüber, dass wir dieses Missverständnis ausräumen konnten. Und das führt mich zu der Frage, die unserer Minerva auf der Seele brennt." Albus sah Septima eindringlich an.

„Wären Sie bereit, trotz der immensen Risiken, die es beinhaltet, dem Orden beizutreten? Wären Sie bereit, Ihre Freizeit, vielleicht Ihre Gesundheit oder gar Ihr Leben zu opfern, um an unserer Seite gegen Voldemort zu kämpfen?"

„Ja, das wäre ich!", entgegnete Septima spontan. „Es wäre mir ein Fest, wenn ich helfen könnte, diesen miesen Dreckskerl endgültig aus dem Verkehr zu ziehen! Ich werde euch nicht enttäuschen."

Sie sah Dumbledore offen an.

„Dann wäre das erledigt", freute sich Dumbledore und rieb sich die Hände.

„Wie gesagt, behandeln Sie diese Dinge vertraulich. Und seien Sie ein wenig netter zu Severus", fügte er mit einem Schmunzeln hinzu. „Anderenfalls dürfte Ihnen Minerva die Hölle heiß machen."

„Ich werde mich zumindest darum bemühen", erwiderte Septima trocken, „auch wenn er ganz sicher nicht mein Busenfreund werden dürfte."

"Das verlangt ja auch niemand." Albus lächelte. „Ich weiß sehr gut, dass Severus die unangenehme Angewohnheit hat, seine Mitmenschen auf die Palme zu bringen, aber ich versichere Ihnen, dass er es nie aus reiner Bosheit tut."

"Nun ja", bemerkte Septima wenig diplomatisch. „Haben wir dann alles besprochen? Dann würde ich nämlich gerne gehen und mir die Dinge in Ruhe durch den Kopf gehen lassen."

„Wir sind hier erstmal fertig, meine Liebe, ich denke, es waren auch genügend Überraschungen für einen Abend. Es steht Ihnen jederzeit frei zu gehen. Eine Kleinigkeit wäre allerdings noch."

„Und die wäre?"

„Unser Hauptquartier befindet sich am Grimmauldplatz Nummer 12 in London. Sonst kommen Sie beim nächsten Treffen ja nicht hinein."

„Ach ja", sagte Septima und erhob sich. „Kommst du mit oder habt ihr noch etwas zu besprechen?", wandte sie sich dann an Minerva.

„Nein, ich denke nicht. Oder Albus?"

„Nein, du bist frei wie ein Vogel und darfst gehen. Macht euch einen netten Abend, ihr zwei. Aber treibt es nicht zu bunt!"

Minerva schenkte ihrem langjährigen Freund und Vorgesetzten einen so kühlen Blick, dass er einem Messingaffen den Schwanz abgefroren hätte, ergriff Septima bei der Hand und bugsierte sie – nach einem Gruß an Albus – aus dem Raum.

„Und nun?", fragte sie Septima, als sie sicher wieder in Minervas Wohnzimmer saßen. „Was hältst du nun von der ganzen Geschichte?"

„Was ich davon halte? Ich verstehe jetzt endlich, was hier vor sich geht, warum du mich manchmal mit deinen Ausflüchten und kommentarlosen Verweigerungen hast im Regen stehen lassen, warum du so empfindlich bist, was Severus angeht. Und ich finde es großartig, dass ich bei euch mitmachen darf. Immerhin können wir diesen Mistsäcken dann zeigen, wo der Hammer hängt! Und ich bin stolz, dass du mir genügend vertraust, um mich dabeihaben zu wollen."

„Natürlich vertraue ich dir", erwiderte Minerva, „das stand nie zur Debatte. Allerdings sehe ich deinen Beitritt in den Orden mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue ich mich, dass ich nun keine Geheimnisse mehr vor dir haben muss und ich dich an meiner Seite habe, andererseits bin ich nicht so froh darüber, dass du in den Orden beigetreten bist", erklärte Minerva und streichelte Septimas Hand.

„Darf ich fragen, warum?" Septima sah sie verständnislos an.

„Wegen der Gefahr, du Dummchen. Erinnerst du dich an letztes Jahr Weihnachten? Als die Weasley-Kinder in einer Nacht- und Nebelaktion aus Hogwarts verschwunden sind, weil Arthur Weasley verletzt worden ist?"

„Ich erinnere mich dunkel, ja. Was war damit?"

„Arthur und seine Frau Molly sind ebenfalls im Orden und er hatte in dieser Nacht in Dumbledores Auftrag im Ministerium den Eingang zur Mysteriumsabteilung bewacht, weil wir davon ausgegangen sind, dass Du-weißt-schon-wer die Prophezeiung stehlen wollte. Die Schlange von Du-weißt-schon-wer hat ihn angefallen und hätte Harry nicht diesen merkwürdigen Traum gehabt, wäre Arthur verblutet, bis ihn jemand gefunden hätte. Sie hatten so schon genügend Scherereien, ihn einerseits aus diesem Gang zu schaffen, in dem er offiziell nichts verloren hatte, andererseits hatten die Heiler im St. Mungos ihre liebe Not, seine Wunden zu behandeln. Diese Schlange hatte wohl ein seltenes Gift in sich, das die Behandlung schwierig und beinahe unmöglich gemacht hat. So etwas kann passieren, wenn man für den Orden arbeitet."

„So etwas kann auch passieren, wenn man einfach nur in Hogwarts lebt", entgegnete Septima und sah Minerva an. „Denk doch nur mal an die kleine Bell. Sie ist ganz sicher nicht im Orden und was ist ihr zugestoßen? Ich glaube tatsächlich, dass ich bei euch im Orden sicherer bin als wenn ich auf eigene Faust herumwursteln würde. Und nun stell mal für einen Moment deine Besorgnis ein und rutsch ein Stückchen näher zu mir rüber. Noch ein Stück – so ist's gut!"

Sie legte Minerva den Arm um die Taille und zog sie an sich. Sie knabberte zärtlich an Minervas Ohrläppchen und küsste sich den Weg bis in ihre Halsbeuge hinunter.

„Albus hat zwar gesagt, wir sollen es nicht zu bunt treiben, aber dennoch würde ich dich jetzt gerne ausgiebig vernaschen", flüsterte sie Minerva ins Ohr und streichelte ihr sanft die Brust. „Ich hoffe, du hast nichts dagegen? Eine kleine Abwechslung würde dir sicher auch mal wieder gut tun, denke ich."

„Das ist das beste Angebot, das ich diese Woche hatte", erwiderte Minerva und lehnte sich an Septima. „Nachdem ich mir in den letzten Tagen dauernd den Kopf zerbrochen habe, wäre es mal eine nette Abwechslung, wenn du mir stattdessen das Hirn herausvögeln würdest."

„Minerva! Diese Wortwahl! Ich bin schockiert!" Septima sah sie an und grinste. „Das bin ich von dir überhaupt nicht gewöhnt, du böses Ding, du!"

„Oh warte, ich kann dir gleich mal zeigen, wie böse ich sein kann", gab Minerva zurück und knöpfte ihre Robe auf.

„Hier? Auf dem Sofa? Du bist wirklich ein schlimmes Mädchen!"

* * *

„Katie geht es nach wie vor unverändert", seufzte Minerva und schüttelte mutlos den Kopf. „Ich habe gehört, dass Dean Thomas stattdessen spielen soll."

„Wo hast du das gehört?", fragte Septima neugierig.

„Potter hat Thomas nach der Verwandlungsstunde gefragt. Ich bin jetzt gespannt, wie er sich macht. Heute Abend um sieben ist Training und ich überlege ernsthaft, mir das Training mal anzusehen."

„Du und dein Quidditch", lachte Septima, „du bist schlimmer als die Muggelmänner mit ihrem Fußball! Aber Spaß beiseite, meinst du nicht, dass das Team möglicherweise nervös wird, wenn du plötzlich mitten im Training auftauchst?"

„Sie werden nicht einmal bemerken, dass ich dort bin", erwiderte Minerva. „Aus der Flughöhe werden sie keine kleine Katze auf der Tribüne bemerken."

„Raffiniert", bemerkte Septima und lächelte. „Weißt du, ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt habe, aber ich würde zu gerne lernen, ein Animagus zu werden."

„Ich glaube, wir hatten schon mal davon gesprochen", erinnerte sich Minerva, „sind dann aber vom Thema abgekommen. Würdest du das wirklich gerne lernen?"

„Natürlich, ich stelle mir das einerseits sehr interessant und andererseits sehr nützlich vor. Kannst du mich das lehren?"

„Als Lehrerin für Verwandlung sollte ich das wohl können", schmunzelte Minerva und sah ihre Partnerin aufmerksam an. „Was würdest du denn gerne werden?"

„Definitiv keine Katze!", erwiderte Septima wie aus der Pistole geschossen und grinste. „Ich hätte vorher nur eine Frage: Wie weit gehen die Instinkte in der tierischen Gestalt? Behalte ich mein Ich-Empfinden so, wie es ist, vermischt sich das oder muss ich permanent gegen die Instinkte der Tiergestalt ankämpfen?"

Minerva sah sie gespannt an. „Erklär mir das ein bisschen genauer, ja?"

„Ich meine: Angenommen, ich würde mich in einen Hund verwandeln und wir würden uns per Zufall in unserer Animagus-Gestalt treffen. Würde ich dich als einen Animagus erkennen? Oder würde ich meinen hündischen Instinkten nachgeben, dich auf den nächsten Baum jagen und bellen wie verrückt?"

„Das kommt darauf an, wie viel Kontrolle du über deine Gestalt hast und ist im Grunde eine Frage der Charakterstärke und der Übung", erklärte Minerva gelassen. „Ich kann als Katze durch das Schloss spazieren und mir meiner vollkommen bewusst sein, dann lasse ich Wollknäuel und Mäuse links liegen, es interessiert mich in diesem Fall nicht. Andererseits kann ich auch meinen tierischen Instinkten die Kontrolle überlassen, dann jage und fresse ich die Mäuse. Es kommt also immer darauf an, woran dir liegt und wie sehr du deine Instinkte beherrschen kannst. Vollkommen unterdrücken solltest du sie allerdings auch nicht, weil du dich sonst sehr untypisch verhältst – zumindest was die Tiergestalt angeht."

„Das heißt, wenn ich mich in einen Vogel verwandeln würde, hätte ich eine reelle Chance, dass du mich nicht fängst und verspeist?"

„Die hättest du durchaus. Im Zweifelsfall kannst du dich in einer solchen Situation natürlich auch sofort wieder in deine menschliche Gestalt zurückverwandeln. Du solltest nur darauf achten, dass du dich mit deinen Kleidern verwandelst, sie quasi zu deinem Fell oder Gefieder machst, ansonsten hättest du unter Umständen ein kleines Problem, wenn du dich zurückverwandelst."

„Ist dir das schon mal passiert?"

„Ja, einmal, ganz zu Anfang. Ich hatte allerdings so viel Glück, dass mich keiner dabei gesehen hat." Minerva lächelte unwillkürlich bei der Erinnerung an diesen Vorfall und schaute Septima vergnügt an.

„Und was möchtest du jetzt werden?"

„Ich wäre gerne ein Falke!", antwortete Septima begeistert.

„Ein Falke?", wiederholte Minerva stirnrunzelnd.

„Ja."

„Warum?"


TBC...