Disclaimer: Fast nix mir, beinahe alles JKR, keine Kohle und so weiter...

Jaaa, wir waren wir recht fleißig, mein Steinchen und ich. Eigentlich lag das Kapitel (und die nächsten paar ebenfalls) schon länger fertig, aber ohne Lapislazulis "Gütesiegel" mag ich nichts veröffentlichen. Die nächsten paar Kapitel sollten dann ein wenig zügiger kommen, denke ich.


Kapitel 14

Spiele

„Warum ich gerne ein Falke wäre?", fragte Septima verwundert. „Das lässt sich leicht erklären. Der Falke ist einer der schnellsten Flieger überhaupt – und da ich nicht gerne auf einem Besen reise, finde ich das praktisch. Andererseits ist ein Falke klein genug, um wirklich überall hinzukommen, er fällt nicht auf und er ist nicht hilflos und kann sich in seiner Haut wehren. Ich finde die Idee nicht schlecht. Zumindest habe ich so nicht das Problem, dass du mich möglicherweise als Mitternachtssnack verspeisen möchtest", neckte sie. „Vielleicht wäre diese Gestalt auch ganz praktisch, falls im Orden mal etwas zu erledigen ist. Ich könnte eine Nachricht wesentlich schneller zum Ziel bringen als eine Eule."

„Du hast dir das wirklich gut überlegt", meinte Minerva und lächelte. „Wenn du magst, können wir gleich anfangen. Das Wichtigste hierbei ist natürlich die Konzentration und die Zielstrebigkeit. Du musst genau wissen, was du werden möchtest, wie du aussehen möchtest und dich wirklich genau darauf konzentrieren, ähnlich wie du dich beim Apparieren auf dein Ziel konzentrierst. Die Formel dazu lautet ganz schlicht ‚Metamorphosis constitutio'. Probier es einfach mal aus."

„Irgendwelche besonderen Bewegungen mit dem Zauberstab?"

„Nein. Im Zweifelsfall brauchst du ihn nicht mal aus der Tasche ziehen, das bedarf allerdings langjähriger Übung."

„Na schön."

Septima schwieg, richtete ihre ganze Konzentration auf ihr Vorhaben und wisperte: „Metamorphosis constitutio."

Ihre Gestalt schien für einen Moment zu verschwimmen, dann stand sie wieder vollkommen menschlich neben Minerva.

„Verdammt, es hat nicht geklappt!", schimpfte sie.

Minerva lächelte.

„Es hätte mich doch sehr gewundert, wenn es gleich auf Anhieb geklappt hätte, dieser Zauber ist nicht umsonst nicht weit verbreitet. Probier es gleich noch mal!"

Wieder konzentrierte sich Septima auf ihren Wunsch, ein Falke zu werden, rief sich ein genaues Bild vor Augen und richtete ihr ganzes Streben darauf, ein Falke zu werden, bevor sie dann die Beschwörung murmelte.

Wieder schien ihre Gestalt zu verschwimmen, dann wurden ihre Umrisse wieder klar.

„Och, Mensch, wieder nichts!", rief sie.

Minerva betrachtete sie zweifelnd.

„Also ‚nichts' würde ich jetzt nicht sagen", erklärte sie und versuchte erfolglos ein Grinsen zu unterdrücken, „du siehst nämlich ziemlich – hm – flauschig aus. Schau her!"

Mit einem geübten Wink mit dem Zauberstab beschwor sie einen Spiegel herauf und schob Septima davor.

„Ach du liebe Zeit!", rief sie ungläubig, „ich bin ja voller Federn! Wie werde ich die jetzt wieder los?"

„Probiere es mit ‚Metamorphosis reverso', das ist der Spruch für die Rückverwandlung", kicherte Minerva, die sich am ungewohnten Anblick ihrer fedrigen Freundin ergötzte. „Im Zweifelsfall kommst du aber auch mit ‚Finite incantatem' klar, das geht in einem solchen Fall auch."

Eine knappe Sekunde später stand eine nun federfreie Septima vor ihr und sah sie vorwurfsvoll an.

„Du hast mich ausgelacht!"

„Du sahst aber auch unmöglich aus!", verteidigte sich Minerva und versuchte erfolglos, ihre Mundwinkel in Normalposition zu zwingen. „Los komm, mach weiter!"

„Wehe, du lachst mich wieder aus", brummte Septima, bevor ihre Gestalt wieder verschwamm.

Als sie diesmal wieder klar zu erkennen war, brüllte Minerva vor Lachen.

Septimas Federn hatte sich nun ein Schnabel hinzugesellt, der von der Form her allerdings mehr zu einer Ente als zu einem Falken gepasst hätte und eine leuchtend rote Farbe aufwies.

„Mach das sofort rückgängig!", keuchte sie und wischte sich die Lachtränen ab. „Septima, ich bitte dich! Du sollst dich konzentrieren!"

Als Septima dann wieder in ihrer normalen Erscheinung vor ihr stand, schüttelte Minerva den Kopf.

„Du musst dich wirklich konzentrieren, sonst wird das nichts. Was hattest du denn eben im Kopf, dass du mit diesem Schnabel ausgestattet wurdest?"

„Ich weiß auch nicht. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist", bekannte sie.

„Pass auf und schau genau hin", unterbrach Minerva, schloss demonstrativ die Augen, furchte die Brauen und den Bruchteil einer Sekunde später saß Septima eine Tigerkatze zu Füßen und starrte sie hochmütig an, bevor sie sich ebenso schnell wieder in ihre Freundin verwandelte.

„Hast du gesehen? Es ist im Grunde wirklich nicht schwer."

„Du hast leicht reden", murrte Septima, „du machst das ja auch schon

eine ganze Weile."

„Vielleicht solltest du den Teil mit der Kleidung einfach mal vergessen",

schlug Minerva vor. „Möglicherweise konzentrierst du dich einfach zu sehr

darauf, deine Robe mitzuverwandeln, dass es dich ablenkt von der

eigentlichen Verwandlung. Mich persönlich stört es nicht, wenn du nackt

erscheinst", versicherte sie.

„Das glaube ich dir gerne", grummelte Septima.

„Für den Anfang ist es einfach nur wichtig, dass du ein Gefühl für deine Gestalt bekommst", erklärte Minerva. „Wenn du einmal weißt, worauf es ankommt, wie es sich anfühlt, dann klappt der Rest von alleine. Probier es aus!"

Septima seufzte, beschloss dann aber, es einfach darauf ankommen zu lassen. Konzentriert schloss sie die Augen, ihre Stirn runzelte sich und einen Moment später flatterte ein Vogel durch den Raum, einer Krähe ähnlicher als einem Falken, aber nichtsdestotrotz ein Vogel, während ihre Robe auf den Boden sank.

Sie drehte eine Runde durch Minervas Büro, bevor sie eine Bruchlandung baute und sich in ihre menschliche Form zurückverwandelte.

„Das ist toll!", schrie sie begeistert, ihre Nacktheit und ihre blauen Flecken vollkommen ignorierend. „Das fühlt sich großartig an", schwärmte sie und strahlte.

Minerva lachte. „An der äußeren Erscheinung musst du zwar noch schwer feilen, aber der Anfang ist gemacht. Und an deinen Flugkünsten solltest du auch noch arbeiten. Probier es gleich noch mal!"

Septima ließ sich nicht lange bitten und flatterte kurz darauf wieder begeistert im Zimmer herum, bevor sie aus dem Fenster segelte und übermütig eine Runde an der frischen Luft drehte. Als sie heil wieder gelandet und zurückverwandelt war, sah sie Minerva strahlend an.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es soviel Spaß macht, ein Vogel zu sein! Diese Freiheit, dieses Gefühl von Leichtigkeit, das ist einfach überwältigend."

„Diesmal sahst du auch schon wesentlich besser aus. Ich sagte ja, alles eine Frage der Übung. Dann üb mal schön weiter, tu mir aber den Gefallen und bleibe hier drinnen. Falls etwas schief geht, weiß ich zumindest, wo ich suchen muss. Ich habe keine Ambitionen, dich draußen von Baum zu Baum zu jagen, um dich im Zweifelsfall zurückverwandeln zu können."

Septima zog einen Flunsch. „Bleibst du denn nicht hier?"

„Nein, ich gehe jetzt kurz zum Quidditch-Feld und sehe, wie unsere Chancen gegen Slytherin stehen. Versuch du in der Zwischenzeit mal, dich mit Robe in einen Vogel zu verwandeln, dann darfst du das nächste Mal auch mitkommen!"

„Manchmal hast du einen ziemlich gemeinen Zug an dir!", fand Septima.

„Ich? Nicht im Geringsten. Aber stell dir vor, du müsstest dich aus irgendeinem Grund zurückverwandeln und würdest nackt im Schloss stehen. Vor Severus beispielsweise, oder Filch!" Sie lächelte. „Ganz davon abgesehen, dass das furchtbar peinlich für dich wäre, würde ich ihnen diesen Anblick missgönnen", fügte sie hinzu, küsste Septima zärtlich und verließ den Raum.

* * *

Als Minerva nach einer ganzen Weile wieder ihr Büro betrat, nur einigermaßen zufrieden mit ihrer Mannschaft, saß ein bildschöner Wanderfalke auf ihrem Schreibtisch und im ganzen Raum war nicht die Spur von Septimas Robe zu finden.

„Oh, du hast es wirklich geschafft!", freute sie sich und machte einen raschen Schritt auf den Vogel zu. „Und du bist wirklich wunderschön!"

Vorsichtig streckte sie die Hand aus und strich weich über das glänzende Gefieder, während Septima sie aus gelben Augen scharf beobachtete.

Schließlich klappte sie vernehmlich mit dem scharfen Schnabel, worauf Minerva ein Stück zurückwich und Septima genügend Platz einräumte, um sich wieder zurückzuverwandeln.

„Das war wirklich fabelhaft, Liebes. Du gibst einen wunderschönen Falken ab. Wenn du deine Verwandlung jetzt so gut beherrschst, dann müsstest du dich beim Ministerium registrieren lassen."

„Bist du irre? Dann ist doch die ganze Tarnung für den Eimer!", rief Septima. „Nee, das bleibt besser unter uns. Je weniger Leute davon wissen, umso besser."

„Du hast vielleicht Recht damit", gab Minerva zögernd zu, nicht ganz glücklich mit dem Gedanken, dass sie so offensichtlich die geltenden Gesetze umgingen.

„Das schwierigste an dieser Vogel-Sache ist das Sehen", erklärte Septima dann. „Ich hatte ja keine Ahnung, dass sich das Sehvermögen so verändert. Ich kann gleichzeitig nach vorne und zur Seite gucken – und das so scharf wie nie. Das ist erstaunlich. Ich wette, ich würde von deinem Fenster aus jede Maus im Gras finden."

Minerva lachte. „Dafür sind Falken bekannt, Liebes. Aber ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe Hunger. Du nicht auch nach deinen anstrengenden Übungen?"

„Und wie! Das Abendessen haben wir ja verpasst, aber hast du nicht List, mit mir auszugehen? So zur Feier des Tages?"

„Das ist definitiv keine schlechte Idee", erwiderte Minerva und lächelte.

„Geh und mach dich fertig, ich komme dich sofort abholen."

* * *

Die beiden Professorinnen saßen schon am Frühstückstisch, als das Quidditchteam von Gryffindor in die Große Halle tröpfelte, jeder von ihnen wurde von lauten Buh-Rufen vom Slytherintisch begrüßt.

Septima beugte sich vor, um Minerva etwas zuzuflüstern, doch ihr Kommentar ging im lauten Gejubel der Gryffindor unter als Harry und Ron die Große Halle betraten.

„Weasley sieht ziemlich blass aus!", rief sie Minerva zu, um die Geräuschkulisse zu übertönen.

„Das sind die Nerven!", schrie Minerva zurück.

„Ihr Hüter sieht nicht sehr zuversichtlich aus, Minerva", klang eine ölige Stimme an Minervas Ohr. „Wer weiß, vielleicht versagen seine Nerven endgültig und Slytherin gewinnt da Spiel?"

Minerva hob den Kopf und sah in Snapes höhnisch grinsendes Gesicht. „Sie würden mir einen riesigen Gefallen tun, wenn Sie sich möglichst unauffällig in Luft auflösen würden", sagte sie mit zuckersüßem Lächeln, schob dann den Stuhl zurück und erhob sich.

„Kommst du?", fragte sie und berührte Septima an der Schulter. „Hier flattern mir zu viele schlecht gelaunte böse Fledermäuse herum."

Sie warf Snape einen bezeichnenden Blick zu, den dieser mit einem höhnischen Zähneblecken und einer ebenso höhnischen Verbeugung quittierte, bevor er sich auf dem Absatz herumdrehte und mit wehender Robe entschwand.

„Weißt du", murmelte Septima leise und sah ihm nachdenklich nach, „er ist schon ein ziemliches Ekel, aber auf eine irgendwie merkwürdige Art und Weise recht sexy."

„Aber Septima!", rief Minerva so entgeistert, dass sie die neugierigen Blicke ihrer Kollegen auf sich zog und Professor Burbage sie mit neugierig hochgezogenen Brauen fragend ansah. Mit zusammengepressten Lippen zog sie Septima außer Hörweite. „Wie soll ich das denn jetzt verstehen?", fragte sie dann leise. „Gedenkst du etwa, nun doch wieder ans andere Ufer zu wechseln?"

„Nein, das habe ich sicherlich nicht im Sinn", wehrte Septima ab. „Mir fiel nur auf, dass seine finstere Ausstrahlung auf Resonanz stoßen könnte, wenn man dafür empfänglich ist. Aber keine Sorge, ich habe nicht vor, mich mit Snape einzulassen."

Minerva betrachtete Septima als sähe sie sie zum ersten Mal. „Du überraschst mich", meinte sie. „Ich hätte nie gedacht, dass du in Severus mal etwas anderes sehen würdest als den böswilligen Todesser."

Septima zuckte leicht die Schultern. „Das erklärt, warum wir zusammen sind, ich langweile dich nicht." Sie griff nach Minervas Arm. „Sollen wir dann zum Spielfeld gehen? Es geht bald los."

Zusammen traten die beiden Frauen vor da Schloss, ein blassblauer Himmel wölbte sich über den Gründen von Hogwarts, das gefrorene Gras glitzerte im Licht und knirschte leise unter ihren Schritten.

Sie kletterten auf ihre Plätze auf der Tribüne und nach kurzer Zeit wogten rotgold gewandete Schülermassen um sie herum, ebenfalls begierig darauf, dass das Match endlich anfing.

„Wer hat denn diesem Idioten erlaubt, das Spiel zu kommentieren?", fragte Septima leise, den Blick auf Zacharias Smith gerichtet, der sich gerade lautstark fragte, ob Ron seinen Posten als Torhüter nur seiner Freundschaft zu Harry verdankte.

„Ich habe keine Ahnung", grummelte Minerva und schoss einen erbitterten Blick auf Smith ab. „Nun kommt schon, Leute und stopft ihm das Maul", murmelte sie und richtete den Blick auf die rotgold gekleidete Mannschaft, die auf ihren Besen durch die Luft fegten.

Urquhart aus der slytherinschen Mannschaft schoss mit dem Quaffel auf die gryffindorschen Torstangen zu und Minerva krallte ihre Hand in Septimas Arm.

„Halt ihn, Weasley, halt ihn!", rief sie mit den Schülern zusammen und tatsächlich, Ron hielt den Schuss, es stand zehn zu null für Gryffindor.

Das Spiel ging ebenso bewegt weiter und nach einer halben Stunde lag Gryffindor mit sechzig Punkten in Führung, was Smith davon abhielt, sich weiter darüber zu verbreiten, dass Ginny und Ron Weasley nur in der Mannschaft seien, weil sie mit Harry Potter befreundet waren. Stattdessen hielt er sich nun darüber auf, ob die beiden Treiber von Gryffindor nicht zu klein und leicht für ihren Part seien.

Minerva knirschte mit den Zähnen. „Ich würde diesem Idioten zu gerne einen Schweigezauber auf den Hals jagen", knurrte sie und beobachtete mit stiller Genugtuung, wie einer der so geschmähten Treiber den Klatscher höchst effizient auf einen Gegenspieler schlug.

„Das nächste Mal gehe ich mit jemand anderem zum Spiel", murrte Septima als Minerva sich wieder aufgeregt in ihren Arm krallte, „vielleicht mit Charity? Sie würde mich sicher nicht dauernd kratzen."

„Charity hat keine Ahnung von Quidditch", antwortete Minerva kurz und stieß Septima in die Seite, um sie auf das Spiel hinzuweisen.

Einer der slytherinschen Jäger war gefährlich nahe an ihre Torringe gekommen, doch Ron hielt den Ball gerade noch mit den Fingerspitzen abfing. Kurz darauf wurde Harry von Harper, einem Gegenspieler, unfair gerammt und die Gryffindor-Fans heulten kollektiv auf, doch Madame Hooch hatte leider nichts gesehen. Kurz darauf gingen Harry und Harper unmittelbar nacheinander in den Sturzflug über, sie hatten den Schnatz gesichtet, wie Smith zu erklären geruhte.

Sie beobachteten gebannt, wie die beiden Spieler sich ein Kopf-an-Kopfrennen um den Schnatz lieferten, bis Harry ihn fing und mit triumphierend erhobener Hand wieder in die Höhe schoss.

„Wir haben gewonnen!", schrie Minerva und war nicht weniger ausgelassen als ihre Schüler. Mit Stolz sah sie auf ihre Mannschaft, die sich noch hoch in der Luft auf ihren Besen umarmte, bevor ein hölzernes Krachen und Splittern ihre Aufmerksamkeit erregte.

Ginny Weasley auf ihrem Besen war mit Volldampf in das Podium gerauscht, auf dem der Kommentator stand und Smith rührte sich kläglich unter dem zusammengebrochenen Holz.

„Miss Weasley!", schrie Minerva wutschäumend, „Können Sie mir sagen, was Sie da tun?"

Ginny antwortete dümmlich: „Ich habe vergessen zu bremsen. Tut mir leid, Professor."

Minerva wollte zu einer geharnischten Erewiderung ansetzen als Septima sie am Ärmel zog.

„Lass sie!", kicherte sie, so dass ihr die Tränen über die Wangen liefen, „Das ist ausgleichende Gerechtigkeit. Er hat es nicht besser verdient."

„Sie hat das doch mit Absicht getan!"

„Ja, sicher. Hätte ich auch", entgegnete Septima und trocknete ihre Lachtränen. „Gönn den Kindern ihren Spaß! Du wolltest ihm doch schon einen Schweigezauber anhexen, oder?"

Wider Willen verzogen sich Minervas Mundwinkel nach oben und sie erlaubte sich ein kleines Grinsen. „Allerdings befürchte ich, dass ich mich diese Nacht zu dir ausquartieren möchte", raunte sie Septima leise zu. „Ich befürchte nämlich, dass dieser Sieg als Vorwand zu einer Menge Krach und Ausgelassenheit genutzt wird."

„Mein Bett ist dein Bett", flüsterte Septima zurück. In normaler Lautstärke fügte sie hinzu: „Ich vermute mal, du hast dem lieben Professor Snape noch etwas zu sagen bezüglich heute morgen?"

Minerva warf den Kopf in den Nacken. „Worauf du dich verlassen kannst!"

Die beiden Hexen machten sich auf den Rückweg ins Schloss, nicht merkend, dass Snape sie von weitem beobachtete.

Noch am gleichen Nachmittag gab es für Minerva eine gute Gelegenheit, Severus ihren Sieg unter die Nase zu reiben, als sie ihn auf dem Korridor traf.

„Nun, Severus, es scheint als hätten Sie sich heute morgen ein wenig zu weit vorgewagt. Wäre es nicht an der Zeit, mir zu unserem Sieg zu gratulieren?"

Snape ließ seine Augenbraue ein Stück nach oben rutschen.

„Wie merkwürdig, dass gerade Sie von ‚weit vorwagen' sprechen, Minerva", kam es gelangweilt zurück, wobei er die Tatsache, dass er zu einer Gratulation aufgefordert worden war, glatt ignorierte.

„Wie soll ich das denn jetzt verstehen?", fragte Minerva betont gleichgültig und beförderte ihre Augenbraue ebenfalls eine Etage nach oben, um ihn zu imitieren.

„Nun, ich finde es weit vorgewagt", seine Betonung ließ in ihr den Wunsch entstehen, ihn vors Schienbein zu treten, „dass eine Frau in Ihrer Position sich auf eine Affäre mit einer Kollegin einlässt. Wenn das nun ruchbar würde!" Er verzog den Mund zu einem schiefen spöttischen Lächeln. „Kaum vorstellbar, wie die Mehrheit darauf reagieren würde. Sie enttäuschen mich, Minerva, ich dachte, eine Frau in Ihrem Alter würde es besser wissen. Aber vermutlich stimmt es, was der Volksmund sagt: Alte Scheunen brennen am hellsten!"

„Ach, der Volksmund soll sein blödes Maul halten!", knurrte Minerva und funkelte Severus so wütend an, dass ihm klar wurde, wer ihrer Meinung nach seinen Mund halten sollte.

„Ich hoffe doch für Sie, dass der Lustgewinn, den Sie aus dieser Angelegenheit ziehen den Ärger wert ist, den Sie sich damit einhandeln können."

„Es ist schon merkwürdig, dass ausgerechnet Sie von Lust sprechen", konterte Minerva, „ich hatte ja keine Ahnung, dass Sie sich doch auf diesem Gebiet auskennen! Aber ich schätze, auch Fledermäuse werden nicht einfach irgendwo im Kerker abgeworfen, sondern müssen sich auf natürlichem Wege vermehren. Und den Ärger, den Sie sich einhandeln werden, wenn Sie diese Sache an die große Glocke hängen können Sie sich nicht einmal ausmalen!" Sie schenkte ihm ein süffisantes Lächeln.

„Wenn Ihnen daran gelegen ist, diese Sache geheim zu halten, dann sollten Sie sich möglicherweise auch entsprechend verhalten", konterte er und für einen Moment glaubte sie ein schwaches Flackern in seinen dunklen Augen gesehen zu haben, bevor sich seine übliche Maske aus kalter Gleichgültigkeit über sein Gesicht senkte. Sie nickte unmerklich.

„Es wäre mir sehr daran gelegen, wenn diese Sache, wie Sie es auszudrücken belieben, nicht Hauptgesprächsstoff an der Schule würde", erwiderte sie frostig. „Wenn Sie mich nun entschuldigen würden, Severus. Meine Sache erwartet mich bereits." Mit einem letzten spöttischen Nicken verabschiedete sie sich von ihm und rauschte den Korridor hinab, äußerlich ruhig und gelassen, innerlich in Aufruhr.

Septima hingegen durchschaute ihre Gelassenheit als die Maske, die es war, drückte sie in den nächsten Sessel und sprach sie ohne Umschweife darauf an.

„Was ist denn mit dir passiert? Du siehst aus als ob dich etwas mächtig aufregen würde", bemerkte sie und ließ sich auf der Armlehne des Sessels nieder. „Oder sollte ich besser fragen, wer dich aufgeregt hat?"

„Snape", seufzte Minerva und wiederholte ihr Gespräch mit ihm für Septima, die mit gerunzelter Stirn aufmerksam lauschte.

„Also weiß er von uns?", fragte sie dann, als Minerva geendet hatte.

„Ich würde sagen ja. Ich bin mir nur nicht sicher, was er mir sagen wollte. Einen Moment lang war da etwas in seinen Augen, als ob er mich warnen wollte, aber wovor? Sicher nicht für dem allgemeinen Klatsch, der uns bevorstünde, wenn unsere Beziehung öffentlich würde, der würde nicht lange anhalten." Minerva sah zu Septima auf. „Irgendetwas stört mich an dieser Sache, aber ich kann nicht einmal sagen, was es denn nun ist. Es ist irgendwie ein ungutes Gefühl."

„Ich vertraue auf deine Instinkte, Liebes", antwortete Septima und griff nach Minervas Hand. „Wenn du mir sagst, dass sich an dieser Angelegenheit irgendetwas nicht richtig anfühlt, dann glaube ich dir das. Auch wenn ich dir keinen Anhaltspunkt bieten kann", fügte sie mit schiefem Lächeln hinzu.

„Vielleicht sollten wir nicht zusammen zu Slughorns Weihnachtsparty gehen, was meinst du?", schlug Minerva vor, „vielleicht sollten wir etwas weniger zusammen in der Öffentlichkeit auftreten."

„Ich hatte ohnehin nicht vor, zu der Party zu gehen", erwiderte Septima. „Slughorn ist ein eingebildeter alter Pinsel und ich habe keine Lust, höfliche Honneurs machen zu müssen. Es geht mir furchtbar auf den Zeiger, wenn er sich an berühmte oder einflussreiche Leute heranschmeißt, damit die ihm nützlich sein können. Ich bin weder berühmt noch einflussreich und entsprechend wenig zähle ich in seiner persönlichen Meinung. Aber es wäre natürlich schön, wenn wir den Abend zusammen verbringen könnten, mit oder ohne Slughorn."

Minerva lächelte. „Du triffst den Nagel auf den Kopf. Er ist ein fähiger Kopf und versteht sich auf das Brauen von Tränken, aber er gehört ganz sicher nicht zu meinen persönlichen Freunden. Es macht dir also nichts aus, wenn wir nicht hingehen?"

„Nein. Ich würde sogar mal vermuten, dass unsere Abwesenheit auch nicht weiter auffällt, bei all den Leuten, die er um sich herum versammelt.

Ich frage mich nur gerade, wie du unsere gemeinsamen öffentlichen Auftritte weiter minimieren willst. Für gewöhnlich gehen wir nicht einmal gemeinsam Frühstücken."

„Wir müssen eben noch ein wenig mehr auf das aufpassen, was wir tun oder sagen, zumindest bis ich in dieser Sache etwas klarer sehe", murmelte Minerva und schnitt eine Grimasse. „Mir gefällt das auch nicht mehr als dir."

„Das werden ja wunderbare Weihnachten", murmelte Septima. „Ich vermute mal, dass du die Ferientage in der Schule verbringen willst?"

„Von Wollen kann nicht die Rede sein", erwiderte Minerva. „Einen Teil der Zeit werde ich hier verbringen müssen, aber nicht die ganzen Ferien. Es kommt darauf an, ob und wann Albus weg sein sollte, dann muss ich hier die Stellung halten, wir können nicht beide gleichzeitig verschwinden."

„Schon klar", antwortete Septima. „Aber ich bin ja schon froh, wenn ich dich mal ein paar Tage ganz für mich alleine haben kann. Besuchen wir dein Häuschen? Das müsste doch jetzt im Winter dick verschneit wunderschön sein."

Minerva lächelte sie glücklich an. „Da hat du Recht, mein Haus sieht im Schnee besonders hübsch aus. Ich freue mich, dass du da auch so siehst und gerne mit mir hingehst."

„Ich gehe überall mit dir hin", erwiderte Septima mutwillig, ließ sich von der Sessellehne herunterrutschen und landete auf Minervas Schoß.

„Ich sehe schon, was du damit meinst", raunte Minerva und ließ sich gerne von Septima küssen.

„Erinnere mich nur später daran, dass ich im Gryffindorturm nach dem Rechten sehe und unsere feierfreudigen Schüler in die Federn jage", murmelte sie, als Septima ihre Lippen wieder freigab. „Ich habe nämlich die Befürchtung, dass du gerade versuchst, mich ganz furchtbar von meinen Pflichten abzulenken."

„Was heißt hier versuchen? Ich hatte gehofft, ich wäre damit erfolgreich gewesen", sagte Septima und küsste Minerva wieder.

„Ja, doch, ziemlich erfolgreich", keuchte Minerva, als sie endlich wider Luft bekam.

„Nicht erfolgreich genug, fürchte ich", lächelte Septima, „du hast immer noch die Arbeit im Kopf."

„Dann solltest du deine Ablenkungen vielleicht fortsetzen?", schlug Minerva vor und lächelte hintergründig.

„Du, das sollte ich wirklich!", stimmte Septima zu und biss Minerva spielerisch ins Ohrläppchen.

„Aua! Doch nicht so!"

„Entschuldige. War es denn zumindest effektiv?", schnurrte Septima in Minervas Ohr und hauchte einen Kuss auf das von ihr so misshandelte Körperteil.

„Ja, war es", knurrte Minerva und rieb ihr Ohr. Dann sah sie in Vectors betretenes Gesicht und begann zu lachen. Sie lachte, bis ihr die Tränen die Wangen hinunterliefen und Septima stimmte in dieses Lachen mit ein, die Arme noch immer um Minerva geschlungen. Sie lehnte ihre Stirn gegen die von Minerva und sah die Freundin unverwandt an, während sie sich vor Lachen ausschütteten.

„Das tat jetzt gut", keuchte Septima und küsste Minerva auf die Stirn. „Du solltest öfters lachen, das macht dich unheimlich anziehend, weißt du das?" Sie strich mit dem Finger über die Falten an Minervas Nasenwurzel, die von ihrem ständigen kritischen Blick herrühren mochten, als versuchte sie, sie zu glätten.

Minerva ergriff die Hand, die sich da an ihrer Stirn zu schaffen machte und zog sie an die Lippen.

„Was ich dir sagen wollte", begann sie beiläufig, „du bist eine lausige Gastgeberin."

„Wer Ich?!", rief Septima, die noch immer auf Minervas Schoß saß.

„Ja, du!", erwiderte Minerva mit gespielter Missbilligung. „Jetzt sitze ich schon seit einer halben Ewigkeit hier bei dir und habe noch immer nichts zu Trinken bekommen. Ich hoffe, du hast etwas Anständiges da?"

Septima rutschte von Minervas Knien. „Ich glaube, ich habe noch eine Flasche Milch da", sagte sie und lachte angesichts von Minervas entgeisterten Blicks. „War nur Spaß. Ich hätte noch einen wunderbaren Scotch anzubieten, von dem ich ziemlich sicher bin, dass er deine Zustimmung finden dürfte."

Sie wuselte davon und kehrte mit einer Flasche und zwei Gläsern zurück.

„Darf ich mich wieder auf deinen Schoß setzen oder soll ich mir den Sessel ranziehen?", fragte sie mit gespielt naivem Augenaufschlag.

„Der Sessel wäre mir lieber", erwiderte Minerva. „Auf Dauer wirst du nämlich ganz schön schwer, das halten meine alten Knochen nicht aus."

„Und schon wieder kokettiert sie mit ihrem Alter", brummte Septima und duckte sich, als Minerva im Scherz nach ihr schlug. „Wenn du erstmal so alt bist wie Albus, dann werde ich auch auf dein fortgeschrittenes Alter Rücksicht nehmen, aber bis dahin hast du von mir keine Gnade zu erwarten", erklärte sie, schenkte die Gläser voll und ließ sich mit ihrem Glas in der Hand sittsam in ihrem Sessel nieder, von wo aus sie Minerva aufmerksam ansah.

„Was ist? Hast du am Scotch herumgezaubert und meine Nase hat sich in eine Kartoffel verwandelt oder was?", schnappte Minerva, die dieser Blick irritierte.

Septima lächelte. „Nein, das habe ich nicht und deine Nase sieht so gut aus wie immer. Ich dachte nur gerade darüber nach, wie froh ich bin, dich endlich bei mir zu haben und wie dämlich ich war, dir nicht schon früher nachzustellen." Sie streckte ihre Hand aus und legte sie auf Minervas Hand. „Ich bin so froh, dass ich dich habe und wenn es nach mir geht, gebe ich dich nie wieder her. Ich mag mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen."

Minerva schluckte gerührt. Sie konnte in Septimas aufrichtigem Gesicht lesen, dass sie jedes Wort genauso gemeint hatte.

„Wenn es dich beruhigt, ich habe auch nicht vor, dich jemals wieder herzugeben", erwiderte sie mit leicht belegter Stimme. „Du tust mir unsagbar gut und ich bin froh um jede Minute, die wir miteinander verbringen können." Sie lächelte Septima an und hob ihr Glas. „Auf uns!"

„Auf uns", echote Septima und sah mit strahlenden Augen auf die Frau, die sie so sehr liebte.


TBC...

... ganz bestimmt!