A/N
War zwar eine merkwürdige Idee, im Hochsommer bei 30 Grad dieses Kapitel zu verfassen, aber der Update-Zeitpunkt passt dafür umso besser. ;)
Insofern war es ganz gut, dass meine Lieblingsbeta dieses Kapitel übersehen hatte - kein Wunder, bei der Masse Zeugs, den ich ihr geschickt hatte. Ansonsten kann ich nur noch eine Schnulz-Warnung viorausshicken und Euch viel Spaß beim Lesen wünschen!
Kapitel 15
Auld Lang Syne
„Weißt du eigentlich schon, wann du in den Ferien die Flucht ergreifen darfst?", erkundigte sich Septima, schlang ihren Arm um Minervas Taille und legte ihre Wange an die der Freundin.
„Albus sprach davon, dass er über Weihnachten in Hogwarts bleiben würde", erwiderte Minerva und drückte Septima fester an sich. „Wenn es bei diesem Plan bleibt, dann können wir übermorgen von hier verschwinden. Wir müssten eventuell zwischendurch mal nach London, um an einem Treffen des Ordens teilzunehmen, aber ansonsten hätten wir eine ganze Woche nur für uns."
„Das würde mir sehr gefallen", erwiderte Septima lächelnd, „zumal wir damit auch Slughorns Party aus dem Weg gehen können."
„Aber in der Woche nach Weihnachten muss ich wieder hier sein, zum einen, weil Albus die Schule verlassen wird, zum anderen, weil einige der Kinder über das Flohnetzwerk zurückkehren, genauer gesagt, über meinen Kamin. Wobei mir gerade einfällt, es wäre mir ganz lieb, wenn du morgen Vormittag nicht in meinem Arbeitszimmer auftauchen würdest, weil die Kinder dann abreisen."
„Auch durch deinen Kamin? Diskretion, ich verstehe." Sie küsste Minerva auf den Nacken. „Aber wenn wir morgen dann früh aufstehen müssen, sollten wir heute vielleicht etwas früher ins Bett gehen. Was meinst du?"
„Ins Bett? Schlafen? So richtig mit Augen zu?", spöttelte Minerva.
„Hey, ich sprach nicht vom Schlafen!", verwahrte sich Septima und grinste spitzbübisch.
„Septima, du schaffst mich!"
„Ich glaube dir kein Wort", murmelte Septima in Minervas Haar und umfasste ihre Taille fester.
„Ich muss noch packen. Morgen werde ich garantiert nicht dazu kommen", erklärte Minerva mit Bedauern und machte Anstalten, sich aus Septimas Armen zu lösen.
„Kann ich dir helfen?"
„Das glaube ich weniger", erwiderte Minerva und streichelte Septima über die Wange. „Wie du selber immer so gerne bemerkst, sind Haushaltszauber nichts für dich. Außerdem habe ich nicht vor, dir Gelegenheit zu geben, dein Weihnachtsgeschenk jetzt schon in die Finger zu bekommen", erklärte sie und lachte über Septimas entrüstetes Gesicht.
„Nun tu mal nicht so, ich weiß doch, wie neugierig du bist!"
„Dein Verdacht bestürzt mich zutiefst!", konterte Septima theatralisch und zog sich mit einer Verbeugung zur Tür zurück.
„Wohin gehst du?"
„In meine Räume. Koffer packen." Sie warf Minerva einen bezeichnenden Blick zu. „Allerdings werde ich nur einen kleinen Koffer benötigen."
Minerva hob die Brauen. „Einen kleinen Koffer?"
„Ja. Viele Roben werde ich nämlich nicht einpacken. Und du solltest auch nicht zu viele Kleidungsstücke mitnehmen!" Sie warf Minerva eine Kusshand zu und verschwand.
Minerva sah auf die geschlossene Tür und schüttelte lachend den Kopf.
* * *
„Hach, es ist gut, wieder hier zu sein!", rief Septima und kletterte aus dem Kamin, wobei sie ordentlich Asche auf die Dielen streute. „Irgendwie fühlt es sich an, als ob ich nach Hause käme."
Minerva lächelte und ließ die Asche mit einem leisen Schwenker des Zauberstabes verschwinden, bevor sie antwortete: „Du wirst von mir keinerlei Widerspruch hören."
„Krieg ich wieder das Gästezimmer oder schlafe ich bei dir?", erkundigte sich Septima.
„Typisch. Direkt wie immer", kommentierte McGonagall mit sanftem Spott. „Was wäre dir denn lieber?"
„Da fragst du noch? Natürlich wäre es mir lieber, mit dir zu schlafen – ähm, in jeder Beziehung."
Minerva lachte. „Das dachte ich mir. Dann nimm deinen Kram und komm!"
Gemeinsam stiegen die beiden Frauen die Treppe in den ersten Stock hinauf und gingen in Minervas Schlafzimmer.
„Denk an deinen Kopf!", warnte Minerva als sie die Türe durchschritt und automatisch den Kopf senkte.
Septima grinste, zog den Kopf ein und folgte ihr.
„An diesen niedrigen Türrahmen erinnere ich mich", sagte sie und lächelte. „Wie könnte ich je vergessen, was hier im Sommer passiert ist?"
Minerva lächelte ebenfalls. „Unsere interessante Unterhaltung über Sex-Appeal? Du hast auf dem Bett gelegen und über deine Brüste doziert…"
„…und du hast verzweifelt versucht, mir nicht auf den Busen zu starren", fiel Septima ein und lachte. „Das Problem hattest du ja öfters."
„Das hast du gemerkt?"
„Natürlich. Bei unserem ersten Picknick am See bist du mir beinahe ins Dekolletee gefallen und als du dann rot geworden bist, hast du es auf die Sonne und die Wärme geschoben. Du warst verlegener als ein Teenager."
„Und trotzdem hast du mich solange zappeln lassen? Das ist aber nicht nett von dir."
„Ich wollte keine Abfuhr riskieren", erklärte Septima und trat näher an Minerva heran. „Du kannst nämlich ziemlich Furcht einflößend wirken, wenn du es darauf anlegst."
„Huh, das klingt ja, als ob du Angst vor mir hättest!", spottete Minerva und sah Septima an.
„Ich? Angst vor dir? Niemals!"
„Beweise es!", forderte Minerva sie heraus.
„Das kannst du haben!" Septima ließ ihre Reisetasche achtlos auf den Boden fallen und jagte Minerva um das Bett herum, bis sie atemlos und kichernd auf ebendiesem landeten. Minerva lag flach auf dem Rücken, während Septima rittlings auf ihr saß und ihr die Hände über den Kopf gestreckt festhielt.
„Wer hat nun Angst?", knurrte Septima und schnitt ein finsteres Gesicht.
„Oh bitte, böser Wolf, friss mich nicht!", flehte Minerva in gespieltem Entsetzen. „Ich würde dir gar nicht schmecken, ich bin viel zu zäh und zu knochig!"
„Genau das, was ich gerne mag", fauchte Septima gespielt bösartig, beugte sich tiefer über Minerva und fuhr mit der Zunge über Minervas Hals. „Ganz genau das, was ich mag!" Spielerisch zerrte sie mit den Zähnen am Halsausschnitt von Minervas Robe.
„Oh du böser Wolf, mit deinen Tatzen würde es besser gehen", regte Minerva an.
„Oh ja, du schlimmes Mädchen, gib mir Tiernamen!"
„Ja, mein Mäuschen!"
Septima sah auf Minerva hinab, ließ ihre Hände los und meinte: „Weißt du, das war jetzt ein richtiger Abtörner. Mäuschen! Ich bitte dich! Das ist ja hocherotisch."
„Hätte ich dir lieber sagen sollen ‚du wilde Stute, ich will dich zureiten'?", fragte Minerva unschuldig und grinste dann.
Septima rollte sich lachend von ihr herunter. „Das ist ja noch grausamer!"
Sie hob den Kopf und sah Minerva an: „Obwohl ich auf diesen speziellen Vorschlag gerne zurückkommen werde."
„Ich hatte es befürchtet!", seufzte Minerva theatralisch und setzte sich dann mit Schwung auf, um aufzustehen.
„Hey, wo willst du hin?"
„Ich möchte meine Tasche auspacken, das Haus bewohnbar machen und den Weihnachtsbaum schmücken."
„Manchmal bist du furchtbar unromantisch", klagte Septima und setzte sich ebenfalls auf.
„Ich weiß nicht, kann sein", erwiderte Minerva achselzuckend. „Allerdings finde ich es unromantisch, wenn mir der Staub in die Nase steigt und unerledigte Pflichten im Kopf herumspuken. Das finde ich dann – wie sagtest du eben so schön? – abtörnend. Wenn ich mich von dir verführen lassen, dann möchte ich mich auch darauf konzentrieren und nicht auf meinen zerbombten Haushalt."
„Na schön", seufzte Septima und erhob sich. „Du packst die Taschen aus und ich wische Staub und so und nachher schmücken wir zusammen den Baum. Wobei mir immer noch schleierhaft ist, wo du den herbekommen willst in dieser Einöde."
Minerva drohte ihr mit dem Zauberstab: „Du traust mir überhaupt nichts zu. Bin ich nun eine Spezialistin für Verwandlung oder nicht?"
Septima hob abwehrend die Hände: „Schon gut, ich sag ja nichts mehr. Bin schon weg!"
Eine knappe Stundespäter trafen sie sich vor dem Kamin aus Feldsteinen im – nun staubfreien - Wohnzimmer.
„Fertig?", fragte Septima.
„Fertig!", bestätigte Minerva und legte einen kleinen Tannenzweig auf den Tisch. „Und nun zu unserem Baum."
Mit einer eleganten Bewegung ließ sie den Zweig anschwellen, sich vergrößern und umformen, bis ein wunderschön gewachsener Tannenbaum Gestalt annahm.
„Der ist perfekt!", freute sich Septima. „Schmücken wir ihn magisch oder hast du eine Kiste mit Christbaumschmuck?"
„Eine Kiste Christbaumschmuck?", fragte Minerva. „Ach, das ist sicher wieder so eine Muggel-Sache, nicht?"
„Ist es, ist es", bestätigte Septima gutgelaunt und setzte sich auf die Lehne des Sofas. „Aus deiner Frage allerdings schließe ich, dass du nichts dergleichen im Hause hast und wir magisch schmücken. Dann fang mal an damit!"
Minerva warf ihr einen schrägen Blick zu, bevor sie sich an die Arbeit machte. Innerhalb kürzester Zeit steckten schlichte Wachskerzen auf den Zweigen, hauchzarte perlfarbene und mattgoldene Glaskugeln hingen anmutig zwischen dem dunklen Grün und ein silbrigweißer Reifhauch lag wie glitzernder Puder über dem Bäumchen.
„Einverstanden?", fragte Minerva
„Das ist wunderschön", sagte Septima mit ehrlicher Bewunderung, sprang von ihrem Sitzplatz auf und trat hinter Minerva. Liebevoll legte sie die Arme um die Frau und lehnte ihren Kopf an ihre Schulter.
„Ich glaube, das wird mein schönstes Weihnachten seit ich noch klein war", sagte sie leise.
Minerva drehte sich in ihrer Umarmung um, um Septima anzusehen. „Meins auch", erwiderte sie aufrichtig und küsste Septima liebevoll und zärtlich. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Weihnachten hier verbringe und nicht alleine bin."
„Wenn es nach mir geht, bist du nie wieder alleine, es sei denn, du möchtest alleine sein", versprach Septima und erwiderte den Kuss, als wollte sie ihr Versprechen damit besiegeln.
* * *
„Septima? Septima, wo bist du?"
„Hier drüben! Im Gästezimmer!", rief Septima zurück und sah Minerva an, die in ihren Bademantel gewickelt hereinkam.
„Was machst du denn hier? Ich habe mich erschrocken, als ich wach wurde und du nicht da warst."
„Oh, das tut mir leid, das hatte ich nicht beabsichtigt. Ich war nur schon früh wach und wollte dich nicht stören", erklärte Septima, legte ihr Buch auf den Tisch und setzte die Brille ab. „Ich dachte, ich lese besser woanders, damit dich das Licht nicht aufweckt und der Lehnstuhl hier ist gerade wie dazu geschaffen, stundenlang lesen zu können. Den hatte ich im Sommer ja schon ausprobiert, als ich hier gewohnt habe."
Minerva lächelte, als sie sich daran erinnerte. Ihr Blick blieb auf dem breiten Gästebett hängen, dann sah sie Septima an, die ihr Lächeln erwiderte.
„Denkst du auch, was ich jetzt denke?", fragte sie dann.
Minerva nickte. „Wie sollte es anders sein? Hier, in diesem Haus, in diesem Zimmer, in diesem Bett, wie sollte ich da etwas anderes denken als du?"
Septima erhob sich mit einer geschmeidigen Bewegung, trat auf Minerva zu und nahm sie an den Händen.
„Unser Bett", sagte sie leise, „daran hege ich besonders zärtliche Erinnerungen. Hier habe ich dich zum ersten Mal im Arm gehalten, zum ersten Mal geküsst und hier habe ich dich zum ersten Mal geliebt."
Minerva nickte, einen weichen liebevollen Blick auf Septima gerichtet. „Kaum zu glaube, dass das erst knapp ein halbes Jahr her ist. Es kommt mir vor, als wären wir schon viel länger zusammen."
Septima lächelte nur, beugte sich vor und küsste Minerva. „Vielleicht möchtest du deine und meine Erinnerungen an diesen speziellen Morgen etwas auffrischen", murmelte sie und zog Minerva in Richtung Bett, was diese sich nur zu gerne gefallen ließ.
* * *
„Wann wolltest du eigentlich Bescherung machen?", fragte Septima und dehnte sich träge.
„Du kannst es nicht abwarten, was?", schmunzelte Minerva und zog die verrutschte Bettdecke ein wenig höher. „Ist dir denn heute noch nicht genug beschert worden?" Sie küsste Septimas nackte Schulter und tippte leicht auf den Knutschfleck, den sie an ihrem Hals hinterlassen hatte. „Aber wenn dir so daran gelegen ist, werde ich wohl aufstehen müssen und das Wohnzimmer vorbereiten."
Minerva schlug die Decke zurück und schwang die Beine aus dem Bett. Suchend sah sie sich nach ihrem Bademantel um, hüllte sich dann in den schweren Stoff und huschte in ihr Schlafzimmer, um sich anzuziehen. Septima folgte ihr.
„Du wartest hier oben, bis ich dich rufe, klar?", befahl Minerva und ordnete ihr Haar. „Und nicht schmulen!"
Mit einem Lächeln verließ sie das Schlafzimmer und eilte die Treppe hinab ins Wohnzimmer. Mit einer kurzen Bewegung des Zauberstabs ließ sie das Kaminfeuer auflodern und steckte die Kerzen am Weihnachtsbaum an. Dann ließ sie die Päckchen unter den Baum schweben und sandte dann einen Patronus zu Septima ins Schlafzimmer, der ihr ausrichtete, dass sie nun herunterkommen dürfte. Kurz darauf hörte Minerva, wie Septima die knarrende Holztreppe hinunter eilte und ins Wohnzimmer stürmte.
„Frohe Weihnachten, Septima." Sie legte liebevoll den Arm um Septimas Taille.
„Dir auch frohe Weihnachten!", erwiderte Septima strahlend und sah mit leuchtenden Augen auf den Weihnachtsbaum, der strahlte und glitzerte wie etwas aus einer anderen Welt. „Dein Baum ist wunderschön!"
Minerva lachte und küsste Septima auf die Nasenspitze. „Danke." Sie griff nach einem kleinen Päckchen unter dem Baum und reichte es der Freundin. „Du bekommst zwar noch ein paar andere Sachen, aber das ist das wichtigste Päckchen, ich möchte, dass du es zuerst öffnest."
„Was ist das?" Septima drehte das Päckchen hin und her.
„Mach es auf, dann wirst du es schon sehen."
Septima warf Minerva einen fragenden Blick zu, dann zupfte sie vorsichtig die Schleife auf und entfernte das Papier. Ein schwarzsamtenes Kästchen kam zum Vorschein und neugierig klappte Septima den Deckel auf. Dann schnappte sie nach Luft. Vor ihr auf dem schwarzen Samt funkelte ein schmaler Goldring mit wunderschönen weißen Steinen.
„Minerva, der ist ja wunderschön!", stammelte sie und sah Minerva an. „Und der soll wirklich für mich sein?"
„Natürlich", bestätigte Minerva lächelnd, „sonst hätte ich ihn dir nicht gegeben. Der Ring ist kobold-gearbeitet und seit Generationen in meiner Familie. Ich selber habe ihn von meiner Großmutter bekommen."
„Und den gibst du mir? Ausgerechnet mir? Ein Familienerbstück?"
„Ja, ausgerechnet dir", erwiderte Minerva und steckte Septima entschieden den Ring an den Finger. „Du bist jetzt meine Familie", erklärte sie schlicht und sah Septima ernst an.
Die starrte abwechselnd auf Minerva und den ring an ihrem Finger, dann schnappte sie plötzlich wieder nach Luft.
„Minerva, schau mal! Die beiden große Steine wechseln die Farbe!"
Die vormals reinweißen Steine schillerten nun in kräftigen Gelbtönen und erinnerten an eine strahlende Sommersonne.
Minerva lächelte. „Kein Grund zur Beunruhigung, Liebes. Das sind Seelensteine."
„Seelensteine?", fragte Septima verwirrt. „Davon habe ich noch nie gehört."
„Kein Wunder, Seelensteine sind ausgesprochen selten", erklärte Minerva. „Ein Seelenstein passt sich farblich immer an den seelischen Zustand des Trägers an – und diese beiden hier zeigen außerdem an, wie eng die Seelen des Tragenden und des Schenkenden miteinander verbunden sind. Und wenn ich mir das hier genauer betrachte, dann würde ich sagen, dass wir es mit Zwillingsseelen zu tun haben. Es ist relativ ungewöhnlich, dass die Steine exakt gleich aussehen, für gewöhnlich gibt es sonst immer einen kleinen Unterschied in der Farbe oder dem Glanz."
„Zwillingsseelen?", wiederholte Septima verwundert, „ich glaube, das gefällt mir." Sie betrachtete die Steine schweigend. „Was würde passieren, wenn eine von uns nicht mehr da wäre?", fragte sie dann.
„Einer der Steine würde aussehen wie Onyx, der andere würde die Seelenfarbe der übrig gebliebenen Seele behalten. Erst wenn beide Seelen tot sind, kehrt der Stein zu seiner ursprünglichen weißen Farbe zurück."
„Und warum waren vorhin beide weiß? Du sagtest doch, du hättest ihn von deiner Großmutter?"
„Sie hatte den Ring von meinem Großvater zur Verlobung bekommen, ich habe ihn von ihr bekommen, als mein Großvater starb und sie ihn nicht mehr tragen mochte. Da sie ihn mir nicht angesteckt hat und ich ihn nie getragen habe, färbte er sich nach ihrem Tod wieder reinweiß."
„Und wenn du ihn jetzt tragen würdest?"
„Dann würde sich nichts verändern, die Steine reagieren auf dich und deine Seele. Erst wenn wir beide gestorben sind, kann dieser Ring sich an einen neuen Träger anpassen."
„Und gesetzt den Fall, wir würden uns trennen? Was würde dann passieren?"
„Da bin ich mir ehrlich gesagt, auch nicht sicher", erwiderte Minerva. „Ich habe noch nicht gesehen, wie das aussieht."
„Das heißt, solange ich diesen Ring trage, kann ich immer sehen, ob du mich noch liebst und dass es dich gibt", fasste Septima die Erklärung zusammen.
„Ganz genau", bestätigte Minerva und drückte Septima an sich. „Das empfinde ich in diesen unruhigen Zeiten als gar nicht so verkehrt."
„Dagegen kommt mir mein Geschenk für dich eher bescheiden vor", sagte Septima und schnitt eine Grimasse.
„Das glaube ich dir nicht", antwortete Minerva. „Ich bin mir sicher, du hast es bewusst und mit Liebe ausgesucht."
„Das allerdings schon, ja", gab Septima zu und angelte nach einem quadratischen Päckchen unter dem Baum um es Minerva zu reichen.
„Ich hoffe, du magst es", bemerkte sie ungewohnt schüchtern.
„Oh, ich bin mir sicher, dass ich es mag", erwiderte Minerva zwinkernd, „immerhin fühlt es sich verdächtig nach einem Buch an."
Gespannt wickelte sie ihr Paket aus und stieß einen erstaunten Ruf aus. „Septima! Wie hast du denn das auftreiben können? Ich versuche schon seit Jahren, dieses Buch zu finden! ‚Als größter Schatz ward uns geschenkt Verstand, der jeden Rahmen sprengt'* von Rowena Ravenclaw."
„Es gefällt dir also?", erkundigte Septima sich erleichtert.
„Gefallen? Gefallen ist gar kein Ausdruck! Ich bin schon seit Jahren hinter Ravenclaws Manuskript her, aber es ist beinahe unmöglich eine Kopie in die Hand zu bekommen. Das muss dich ein Vermögen gekostet haben!"
„Nun ja, preiswert war es nicht gerade", gab Septima zu und grinste. „Und ich musste auf Albus Hilfe zurückgreifen. Er hat dann Bathilda Bagshot um Hilfe gebeten, die dann tatsächlich eine Kopie besaß, die ich mir dann nach einigem Hin und Her ausleihen durfte, um meinerseits eine Kopie davon herstellen zu lassen. Soweit diese Geschichte. Du hattest mal erwähnt, wie gerne du die Zauberstrategien Ravenclaws lesen würdest und du wolltest wissen, ob sie tatsächlich für die Trickstufen in Hogwarts verantwortlich ist."
„Und, ist sie?"
„Nach allem, was ich gehört habe, ja. Es soll wohl als Gedächtnistraining gedacht sein, aber ich bin sicher, dass sie nicht vorhatte, gedankenversunkene Lehrer darin zu fangen."
„Das ist mir ein großer Trost", bemerkte Minerva, dann riss sie die Augen auf. „Moment! Wer hat dir erzählt, dass ich mal in einer Trickstufe festsaß?"
„Albus, wer denn sonst? Außer ihm und dir und nun auch mir weiß es keiner – zu deinem Glück! Wie sähe das denn aus, wenn bekannt würde, dass ausgerechnet die kluge und unnahbare Miss McGonagall in einer Trickstufe festsitzen würde? Severus würde sich nicht mehr einkriegen vor Lachen. Nun ja", schränkte sie ein, „zumindest würden sich seine Mundwinkel um mindestens einen Millimeter nach oben bewegen. Aber keine Angst, schöne Dame, Ihr Geheimnis ist bei mir sicher aufgehoben."
„Möchtest du nicht deine anderen Geschenke auspacken?", erkundigte sich Minerva, um von dem leidigen Thema abzulenken.
„Andere Geschenke? Von wem?"
„Von unseren werten Kollegen natürlich. Ich hatte bei Slughorn erwähnt, dass wir beide über Weihnachten nicht da sind und deshalb nicht zu seiner Party kommen könnten, worauf der eine oder andere seine Weihnachtsgeschenke vorab bei mir abgeladen haben – deine inklusive. Horace kann anscheinend noch weniger den Mund halten als Rubeus", erklärte Minerva. „Also, das hier ist für dich von Sprout, das hier ist von Hagrid und dieses hier von Poppy."
„Ich habe ein Päckchen von Hagrid bekommen?", wunderte sich Septima. „Das ist ja mal ganz etwas Neues."
„Muss an deinem neu erwachten Interesse an Acromantulas liegen", konterte Minerva und lächelte, als Septima einen Beutel mit Hagrids selbstgebackenen Felsenkeksen auspackte.
„Hagrid hat dich anscheinend fest in sein Herz geschlossen, er bäckt noch lange nicht für jeden seine Felsenkekse. Allerdings würde ich aufpassen, wenn du sie isst, sie haben es an sich, die Zähne akut zu gefährden."
„Mach deins auf!", forderte Septima sie auf, „mal sehen, ob er dir auch Felsenkekse gebacken hat."
„Er hat", antwortete Minerva grinsend. „Oh, hier ist noch ein Päckchen für dich von Charity."
„Das ist nett von ihr", freute sich Septima, „zumal ich sie nach der Sache mit Katie ziemlich habe abblitzen lassen, als sie mich nach Einzelheiten ausquetschen wollte." Sie zuckte die Schultern. „Aber ich fand es angezeigt, nicht allzu viele Details auszuplaudern."
„Ich nehme an, dass sie das durchaus verstanden hat", erwiderte Minerva und packte ihr Geschenk von Poppy aus.
„Hach, wie überaus praktisch", freute sie sich, „eine schöne warme Wolldecke in den Gryffindorfarben. Anscheinend hat sie Angst, ich würde mit einem Schnupfen wiederkommen."
„Ich habe auch eine", sagte Septima und hielt ihre blau und bronzefarbene Decke hoch.
„In den Farben von Ravenclaw?", fragte Minerva verdutzt.
„Ja, ich war im Haus von Ravenclaw. Wieso, wusstest du das nicht?"
„Ich hätte dich jetzt eher in Gryffindor vermutet", gab Minerva zu und lächelte schief.
„Hey, heißt das, du hältst mich nicht für klug?"
„Nein, das heißt, ich halte dich für tapfer", konterte Minerva.
„Nun ja, der Sprechende Hut war damals auch deiner Meinung, aber dann entschied er sich, dass mein Intellekt wohl doch größer sei als mein Mut und schickte mich nach Ravenclaw. Im Gegensatz zu euch Gryffindors mussten wir nicht einfach nur ein Passwort aufsagen, um in unsere Räume zu kommen, sondern Rätsel beantworten, jedes Mal ein anderes", erwiderte Septima mit mehr als nur einer Spur Selbstgefälligkeit.
„Das weiß ich", gab Minerva zurück, „ich unterrichte nicht erst seit gestern in Hogwarts. Bild dir mal nicht zuviel auf dein Haus ein, um ein Haar wäre ich auch dort gelandet, aber der Sprechende Hut hat mir ein gewisses Mitspracherecht eingeräumt und deshalb bin ich in Gryffindor gelandet. Könnten wir jetzt vielleicht zu einem ergiebigeren Thema wechseln? Diese ollen Kamellen interessieren heute doch nicht mehr."
„Na schön", gab Septima nach, „obwohl es Spaß macht, ein wenig mit dir zu streiten. Was hast du eigentlich von Albus bekommen? Lass mich raten: Süßigkeiten?"
„Ja, unter anderem. Du auch? "
„Na sicher. Berti Botts Bohnen, zischende Zauberdrops und eine Flasche Elfenwein."
„Ersetze den Wein mit einem guten schottischen Whisky, dann stimmt es überein", sagte Minerva und lachte. „Ich würde sagen, den Whisky köpfen wir heute Abend am Kamin, was meinst du?"
„Klingt nicht übel. Klingt überhaupt nicht übel! Und dazu kuscheln wir uns in unsere neuen Decken ein, damit Poppy nicht in die Verlegenheit kommt, uns mit einer Erkältung behandeln zu müssen und du liest mir von Ravenclaw vor. Nur die Felsenkekse schenken wir uns heute Abend besser."
„Ich bin nur gespannt, was Severus zu seinem Geschenk sagt", sinnierte Minerva.
„Severus? Du hast Severus etwas zu Weihnachten geschenkt?"
„Das mache ich eigentlich immer", gab Minerva zu. „Ich weiß zwar, dass er Weihnachten nicht sonderlich mag, aber das überrascht mich nicht. Schon als Erstklässler blieb er an Weihnachten lieber in der Schule als nach Hause zu fahren, ich bin der Ansicht, dass sein Elternhaus nicht sehr liebevoll war. Und auch heute verbringt er Weihnachten generell in der Schule, damit er nicht alleine ist, auch wenn er das nicht einmal unter dem Cruciatus-Fluch zugeben würde. Also schenke ich ihm immer eine Kleinigkeit, damit er sich nicht allzu einsam fühlt, ich denke nämlich mal, dass er sonst nicht viele Geschenke bekommt."
„Von wem denn auch? Er tut sein Bestes, um die Leute um ihn herum zu vergraulen."
„So ist er nun mal", antwortete Minerva achselzuckend.
„Was hast du ihm denn geschenkt?", erkundigte Septima sich neugierig.
„Neugierig bist du gar nicht, was?", schmunzelte Minerva. „aber wenn es dich durchaus interessiert, ich weiß, dass Severus geradezu versessen auf Bücher ist und ich weiß außerdem, dass er englische Klassiker zu schätzen weiß. Ergo habe ich ihm „David Copperfield" geschenkt. Ich bin sicher, dass er sich zumindest stellenweise in dieser Geschichte wieder finden dürfte."
„Und einmal mehr wird mir bewusst, warum ich mich in dich verliebt habe", murmelte Septima.
„Und das wäre?"
„Dein überaus gutes Herz, das du immer hinter deiner legendär strengen Miene zu verbergen trachtest."
„Und ich dachte immer, du wärest nur an meinem Körper interessiert", neckte Minerva, „angesichts dessen, dass du ständig versuchst, mich ins Bett zu kriegen."
„Daran auch, keine Frage", sagte Septima, „aber doch nicht nur! Ich bin noch viel mehr an deinem Geist und deinem Herzen interessiert!"
„Ich weiß, ich wollte dich nur ein wenig aufziehen."
*Im Original: Wit beyond measure is man's greatest treasure.
Mit der Übersetzung in der deutschen Ausgabe war ich nicht sehr glücklich und habe mir bei HP experts diese Variante ausgeliehen: Als größter Schatz ward uns geschenkt Verstand, der jeden Rahmen sprengt.
Das kommt meiner Meinung nach mehr an das heran, was Rowling mit Ravenclaws Wahlspruch ausdrücken wollte.
