Alles wie immer: Mir fast nix, alles JKR, keine Kohle usw.

Und mal wieder ein dickes Knuddel an meine Lieblingsbeta Lapislazuli!


Kapitel 19

Quidditch und andere Fälle

„Ich glaub das jetzt nicht!", sagte Minerva fassungslos.

„Was glaubst du nicht?", erkundigte sich Septima, die gerade Minerva in der Großen Halle erspäht hatte.

„McLaggen wird im kommenden Match für Weasley einspringen."

"Und was ist so schlimm daran?"

"Der Kerl ist ein Idiot", erregte sich Minerva, „er ist der Meinung, dass er der geborene Quidditch-Spieler ist und am besten gleich alleine als ganzes Team antreten könnte, wenn man ihn hört."

"Kommst du etwa gerade vom Quidditch-Training?", fragte Septima. „Klingt ganz so, als hättest du dein Team wieder beobachtet."

„Jaaa, habe ich", gab Minerva zu und runzelte die Stirn. „Ich wette, meine Löwen werden Hufflepuff trotzdem platt machen, allein schon, um Smith eine reinzuwürgen, wegen seiner Kommentare beim letzten Spiel."

"Vermutlich", bemerkte Septima trocken, hakte sich bei Minerva ein und schlenderte mit ihr in Richtung ihres Büros. „Wer wird dieses mal kommentieren?", fragte sie dann.

„Ich habe keine Ahnung. Das ist vermutlich auch besser so", knurrte Minerva und öffnete die Tür. „Wenn ich es jetzt schon wüsste, würde ich mich vermutlich auch jetzt schon aufregen, so kann ich mir meine Magengeschwüre bis zum Spiel aufsparen."

"Ich überlege gerade ernsthaft, ob ich dich begleiten soll oder nicht", neckte Septima. „Deine Behandlung beim letzten Mal war nämlich nicht sehr nett."

"Was habe ich denn getan?", fragte Minerva erstaunt.

„Was du getan hast? Du hast mir blaue Flecke beschert mit deinen ständigen Rippenstößen, du hast dich an meinen Arm gekrallt, als ginge es um dein Leben und mit deiner Brüllerei beinahe einen Hörsturz verursacht. Ich glaube, stattdessen gehe ich lieber mit Charity ins Kino, sehe mir ungeschoren einen Film an und stopfe mich mit Popcorn voll."

"Das wagst du nicht", meinte Minerva und knuffte Septima in die Seite.

„Was wenn doch?"

"Du hast mir versprochen, mich nie alleine zu lassen und beim ersten Quidditch-Spiel nimmst du Reißaus. Das ist nicht fair!"

"Jetzt nagelt sie mich wieder auf meinem Versprechen fest", seufzte Septima, „ist es denn zu fassen? Ich bin bei dir, wann immer du mich brauchst, aber ich glaube kaum, dass ein Match in diese Kategorie fällt."

„Das beweist wieder einmal, wie wenig du von Quidditch verstehst, sonst wüsstest du, wie nötig ich dich an meiner Seite bräuchte."

"Ist auch wieder wahr, ich kann nicht zulassen, dass du dich an einem Schüler vergreifst, der das Pech hat, neben dir zu stehen", zog Septima sie auf und fing sich dafür einen scherzhaften Klaps auf ihren Allerwertesten ein. „Au! Mach das nicht noch mal, hörst du!"

"Und wenn doch?"

„Dann werde ich es mir schwer überlegen, ob ich am Samstag mitkomme", drohte Septima.

„Das ist Erpressung, weißt du das? Eine ganz miese gemeine Erpressung!", empörte sich Minerva und stemmte die Hände in die Hüften.

„Na und? Soll ich jetzt deswegen weinen?", blaffte Septima zurück und imitierte Minervas Körperhaltung.

„Frechdachs!"

"Da schimpft wohl ein Esel den anderen ein Langohr", konterte Septima und grinste.

Nun musste auch Minerva lachen. „Mit dir kann man beinahe so schön streiten wie mit Severus", sagte sie.

„Nur beinahe?" Septima zog eine Schnute.

„Dir fehlt ein bisschen das Bissige, Sarkastische dabei", erklärte Minerva. „Nicht, dass ich wollte, dass du plötzlich zu unserem Tränkemeister mutierst", schickte sie gleich darauf hinterher.

„Gott sei Dank, ich hatte mir schon Sorgen gemacht", lachte Septima und legte den Arm um Minerva. „Und keine Sorge, natürlich gehe ich am Samstag mit dir zum Spiel. Schon allein deshalb, um zu sehen, wie Smith seine Abreibung bekommt", setzte sie vergnügt hinzu.

* * *

Als die beiden Hexen sich am Samstag auf den Weg zum Quidditch-Feld machten, wehte nur ein leichter Wind und ab und zu blitzte die Sonne durch die lockere Bewölkung.

"Die Wetterbedingungen sind nicht so toll heute", murrte Minerva, als sie mit Septima im Schlepptau zu ihrem Platz auf der Zuschauertribüne kletterte.

„Deine Jungs und Mädels werden das schon meistern", meinte Septima zuversichtlich, was ihr einen zweifelnden Blick von Minerva eintrug.

„Wer wird denn das Spiel kommentieren?", fragte Septima gutgelaunt und rieb sich die klammen Hände.

"Luna Lovegood", antwortete Minerva düster.

"Ist nicht dein Ernst!"

"Ich fürchte doch", erwiderte Minerva mit einem Gesicht als hätte sie Zahnschmerzen. „Ich hätte sie ja nicht kommentieren lassen, aber Dumbledore war der Ansicht, es könnte ‚mal etwas anderes' sein."

„Nun, es wird auf jeden Fall mal etwas anderes sein", bemerkte Septima. „Es kann eigentlich nur interessant werden."

Minerva warf ihr einen Blick von der Sorte zu, die sie sich normalerweise für die etwas übergeschnappteren Ideen von Dumbledore aufsparte und dirigierte sie vorsorglich direkt neben Luna, damit sie im Zweifelsfall eingreifen konnte, falls Luna zu viel Blödsinn erzählte, eine Möglichkeit, mit der man Minervas Gesicht nach zu urteilen, durchaus rechnen musste.

Minerva sah zu, wie die Captains sich die Hände schüttelten, Madam Hooch den Quaffel ins Spiel brachte und bereitete sich darauf vor, ihr Team anzufeuern und Luna im Zweifelsfall den Mund zu verbieten.

„Und da ist Smith von Hufflepuff mit dem Quaffel", begann Luna ihren Kommentar.

Minerva seufzte lautlos, das klang ja, als ob Miss Lovegood doch gelegentlich ganz vernünftig sein konnte.

Doch schon Lunas nächste Sätze machten ihre Hoffungen zunichte.

„Das war natürlich der Stadionsprecher vom letzten Mal, und Ginny Weasley ist in ihn reingeflogen, ich schätz mal, mit Absicht – so hat es jedenfalls ausgesehen. Smith war ziemlich fies gegen Gryffindor, ich vermute, das bereut er jetzt, wo er gegen sie spielt – oh, seht mal, er hat den Quaffel verloren, Ginny hat ihn Smith abgeluchst, ich mag sie wirklich, sie ist sehr nett…"

Minerva wandte sich zu Septima um und drehte hilfesuchend die Augen gen Himmel. Septima grinste mitfühlend zurück und zuckte mit den Schultern.

„…aber jetzt hat ihr dieser große Hufflepuff-Spieler den Quaffel abgenommen, mir fällt sein Name nicht mehr ein, so ähnlich wie Bibble – nein, Buggins…"

„Er heißt Cadwallader!", warf Minerva laut ein und brachte damit das Publikum zum Lachen.

Nur einige Sekunden später hatte Cadwallader jedoch ein Tor erzielt, weil McLaggen damit beschäftigt war, Ginny zu kritisieren und nicht auf seine Torringe geachtet hätte.

Minerva verspürte den dringenden Wunsch, McLaggen in ein wichtiges Körperteil zu treten. Sie beobachtete, wie Harry auf seinem Besen auf McLaggen zurauschte und ihn anscheinend ordentlich zur Schnecke machte, weil er sich nicht um seine Aufgaben kümmerte, was Luna seelenruhig kommentierte:
"Und jetzt hat Harry Potter Streit mit seinem Hüter. Ich glaub nicht, dass ihm das helfen wird, den Schnatz zu finden, aber vielleicht ist es ein schlauer Trick."

Septima legte Minerva beruhigend die Hand auf den Arm, sie spürte, wie es in ihrer Freundin zu brodeln begann und konnte sie ein wenig verstehen. Doch dann hatten sie Grund sich zu freuen, denn Ginny und Demelza erzielten kurz hintereinander jede einen Treffer für Gryffindor, was die rotgoldene Menge auf den Tribünen zum Jubeln animierte.

Dann sorgte Cadwallader für den Ausgleich, was Luna jedoch überhaupt nicht zur Kenntnis nahm, da sie gerade laut überlegte, ob Zacharias Smith nicht vielleicht unter dem Verlierer-Zipperlein litt, da er den Quaffel nicht länger als eine Minute zu halten im Stande war.

„Siebzig zu vierzig für Hufflepuff", bellte Minerva verärgert in Lunas Megafon und wünschte sich, sie hätte sich nicht von Albus breitschlagen lassen, Luna kommentieren zu lassen.

„Was schon? Oh, seht mal! Der Hüter von Gryffindor hat das Schlagholz von einem Treiber in der Hand."

„Ich hab es ja gesagt, McLaggen ist ein Idiot. Er wird die Gewinnchancen von Gryffindor total ruinieren", knurrte Minerva und beugte sich vor, um das Spektakel besser beobachten zu können.

Harry hatte Lunas Kommentar offenbar ebenfalls gehört, er wendete seinen Besen und hielt schreiend auf McLaggen zu, der gerade versuchte, dem Treiber zu demonstrieren, wie man einen Klatscher richtig schlug. Er verpasste dem Klatscher einen enormen Schlag, traf nicht richtig und schleuderte den schweren Ball gegen Harry, der am Kopf getroffen wurde und bewusstlos zu Boden trudelte. Entsetzte Schreie hallten auf und Septima wandte gequält den Blick ab, als Harry am Boden aufzuschlagen drohte. Glücklicherweise gelang es Cootes und Peakes, Harry am Umhang zu erwischen und seinen Sturz zu mildern.

Blass um die Nase lehnte Septima sich zurück, das war verdammt knapp gewesen.

„Ich hätte nicht übel Lust, McLaggen den Hals umzudrehen", schimpfte Minerva, während sie besorgt beobachtete, wie Harry vom Spielfeld getragen wurde, während Poppy sich über ihn beugte. „Damit können wir den Sieg eindeutig vergessen."

„Ist das alles, woran du denkst?", fragte Septima fassungslos. „Was ist denn mit Harry?"

"Nichts Ernstes, denke ich, ansonsten hätte Poppy mir ein Zeichen gegeben, damit ich zum Krankenflügel komme. Sie weiß immer, wo ich sitze, falls es zu schlimmen Verletzungen kommt und jemand informiert werden muss."

Septima nickte ungläubig und richtete den Blick wieder aufs Spiel.

Minervas Prophezeiung schien richtig zu sein, das Gryffindor-Team verlor zusehends an Boden und bald stand es schon hundertzwanzig zu vierzig, dann holte Gryffindor kurzfristig zwanzig Punkte heraus, bevor McLaggen wieder beschloss, andere Teammitglieder an seiner Weisheit teilhaben zu lassen und mehrere Würfe des Gegners auf seine Torringe verpasste.

Währenddessen kommentierte Luna seelenruhig alles, was ihr vor die Augen kam:
"Oh, seht mal die Wolke hinter den Gryffindor-Torstangen, sieht die nicht aus wie ein Schrumpfhörniger Schnarchkackler?" Das letzte Tor von Hufflepuff ignorierte sie vollkommen.

„Der Spielstand ist inzwischen Einhundertsechzig zu sechzig für Hufflepuff", knurrte Minerva mit zusammengebissenen Zähnen in das magische Megafon und funkelte Luna wütend an, was diese nicht im Geringsten beeindruckte.

„Nun seht euch das mal an! Der Gryffindor-Torhüter – ich hab seinen Namen auch schon wieder vergessen…"

Diesmal verzichtete Minerva darauf, mit dem Namen in Bresche zu springen, was Septima ein kurzes Grinsen abrang.

„…jedenfalls versucht der Gryffindor-Torhüter Ginny gerade zu zeigen, wie man einen Schnatz fängt. Ich glaube schon, dass Ginny das auch alleine hinkriegt, im letzten Jahr hat sie das ja auch super gemacht, als Harry nicht spielen durfte wegen dem Verbot von Professor Umbridge. Ich weiß auch nicht, warum er nicht bei seinen Torstangen bleibt, Cadwallader hat nämlich schon wieder ein Tor geschossen und die Leute aus dem Gryffindor-Team sehen nicht gerade glücklich aus", fuhr Luna entspannt fort als ob sie das alles gar nichts anginge.

"Wenn Miss Weasley nicht langsam den Schnatz fängt und dieses Drama beendet, fange ich das Ding selber, wenn es sein muss und serviere es ihr auf dem goldenen Tablett", fauchte Minerva aufgebracht.

„Reg dich ab, Minerva, sie tut, was sie kann. Sie kann auch nichts dafür, dass McLaggen so ein Troll ist", versuchte Septima auf die Freundin einzuwirken. „Äh, wie ist der Spielstand inzwischen?"

„Das willst du gar nicht wissen. Hundertsiebzig zu sechzig. Wenn Ginny den Schnatz fangen würde, kämen wir noch zurecht!", hoffte Minerva.

Leider tat Ginny ihr den Gefallen nicht. Zwar sah sie, dass der Sucher von Hufflepuff in den Sturzflug ging, konnte aber nicht schnell genug folgen, um ihm den Schnatz abzujagen.

„Ich glaube, der Hufflepuff-Sucher hat den Schnatz gesehen, aber Ginny war leider ein bisschen zu langsam", meinte Luna verträumt, wurde aber harsch von Minerva unterbrochen:
"Er hat ihn nicht nur gesehen, er hat ihn gefangen. Hufflepuff gewinnt mit dreihundertzwanzig zu sechzig!" Und zu Septima gewandt: „Lass uns bloß hier verschwinden, ehe ich mich vergesse!"

„Wen hättest du getötet, wären wir geblieben?", raunte Septima ihr zu, während sie zum Schloss zurückkehrten, „McLaggen oder Lovegood?"

"Am liebsten beide. Wie kann man nur so weltfremd sein wie Lovegood? Schrumpfhörniger Schnarchkackler, ich bitte dich! Und McLaggen will ich nie wieder auf dem Spielfeld sehen!"

"Minerva, ganz ruhig, tief durchatmen, es ist vorbei", versuchte Septima sie zu beruhigen.

„Zum Glück, mein Adrenalinpegel hängt sonst wo", knurrte Minerva.

„Was hältst du davon, dein Adrenalin bei einer Runde um den See abzuarbeiten?", schlug Septima vor, die das schottische Temperament ihrer Freundin inzwischen zur Genüge kannte.

„Das ist keine schlechte Idee", erwiderte Minerva, drehte sich auf dem Absatz um und stürmte in einem Tempo los, dass es Septima schwer fiel, mit ihr Schritt zu halten.

"Hey, ich meinte gehen, nicht joggen! Minerva, nun warte doch!"

Mit knapper Not schaffte sie es, zu Minerva aufzuschließen und griff sie am Arm. „Wenn du ohne mich gehen willst, dann sag das."

"Nein, das hatte ich nicht vor."

"Dann geh bitte etwas langsamer, damit ich mit meinen kurzen Beinen hinterher komme", verlangte Septima. „Sonst erzähle ich Severus, dass du in einer Trickstufe stecken geblieben bist."

„Wage es!", drohte Minerva, verlangsamte aber ihr Tempo um ein weniges.

„Na also, geht doch", sagte Septima befriedigt. „Und das mit der Trickstufe bleibt weiterhin unser süßes kleines Geheimnis!"

Minerva warf ihr einen Blick zu, der Septima zum Lachen reizte. Je mehr sie sich um Beherrschung bemühte, desto heftiger schüttelte es sie und sie steckte Minerva mit ihrem Lachen an.

Nachdem sie sich endlich wieder beruhigt hatten, atmete Minerva tief durch.

„Das hat immens gut getan", stellte sie fest und sah Septima liebevoll an. „Du hast mir gut getan."

"Ich bin froh, dass du so empfindest", sagte Septima ehrlich und drückte Minervas Arm. „Ich finde es schön, dass ich diesen Effekt auf dich habe."

* * *

„Morgen sind die ersten Prüfungen fürs Apparieren", erzählte Minerva abends, als sie mit Septima zusammen am Feuer saß. „Ich werde wohl eine ganze Weile in Hogsmeade sein und auf unsere Schäfchen aufpassen, damit keinem etwas passiert."

Septima nickte. „Ich weiß, du hattest es erzählt."

"Was machst du morgen den ganzen Tag?"

"Aufsätze korrigieren", erwiderte sie und schnitt eine Grimasse. „Ich hoffe nur, dass sie diesmal besser sind als die letzten Machwerke, die ich in den Fingern hatte, die waren nämlich grässlich. Abgesehen natürlich von Miss Grangers Aufsatz", fügte sie hinzu. „Das einzig grässliche daran ist immer die Länge. Sie schreibt immer mindestens doppelt soviel wie der Rest."

Minerva nickte und lächelte. „Ich weiß. Aber es ist doch immer eine wohltuende Abwechslung, wenn man zumindest einen Schüler dieses Kalibers dazwischen hat, findest du nicht?"

„Das sagst du nur, weil du genauso ein Streber gewesen bist, wenn ich den Gerüchten glauben schenken darf", brummte Septima.

„Hat Albus etwa wieder gepetzt? Manchmal könnte ich ihm dafür den Hals umdrehen!", ereiferte sich Minerva. „Was hat er sonst noch alles ausgetratscht?"

„Lass mich mal überlegen", sagte Septima und zog die Stirn kraus. „Du warst einerseits ein echter Streber, andererseits aber auch genauso eine unruhige Seele wie einige unserer heutigen Nervensägen. Du warst fürchterlich verliebt in Professor Merrythought, obwohl ich das ja schon wusste und deine erste eigene Eule hieß Schluckauf. Willst du noch mehr hören?"

"Nein, ich glaube nicht", seufzte Minerva. „Aber ich werde wohl mal ein ernstes Wort mit Albus reden müssen!"

"Aach, warum das denn? Es ist ja nicht so, dass er es jedem x-beliebigen erzählt hätte, nur mir. Und ich finde es sehr interessant und spannend, was er zu berichten weiß. Von dir erfahre ich ja so gut wie nichts über deine Sturm- und Drangzeit."

Minerva verdrehte die Augen im Kopf. „Könnte es etwa daran liegen, dass du mich einfach nicht danach gefragt hast?"

Septima öffnete den Mund, um eine Erwiderung anzubringen, überlegte es sich dann aber anders und klappte den Mund wieder zu.

„Siehst du?", sagte Minerva befriedigt. „Und bevor du weiterhin Albus auf den Wecker fällst und er peinliche Anekdoten auskramt, frag lieber mich. Gibt es irgendetwas, das dich interessiert?"

"Schluckauf", platzte Septima heraus, „das ist ein reichlich bescheuerter Name für eine Eule! Warum?"

Minerva lachte. „Das ist einfach. Angus hatte versucht, meine Eule etwas größer zu hexen, weil ihm ein Steinkauz doch sehr mickrig vorkam um meine Briefe zu transportieren. Nun ja, die Eule wurde nicht größer, hatte seitdem aber einen unkurierbaren Schluckauf, daher der Name. Auch wenn es extrem peinlich war, wenn Schluckauf seine Post zusammen mit den anderen Eulen ablieferte, sein Hicksen hörte man immer schon von weitem", erinnerte sich Minerva. Ihr Blick kehrte ins Heute zurück und sie sah Septima fragend an. „Möchtest du sonst noch etwas wissen?"

"Wenn du schon so fragst… Ich könnte dir vermutlich stundenlang Löcher in den Bauch fragen", gab Septima zu. „Aber ich werde mich vorerst auf das Wesentliche beschränken." Ein Grinsen huschte über ihr Gesicht.

„Wie alt warst du, als du deinen ersten Kuss bekommen hast?"

„Na, das sind ja schöne Fragen, die du mir hier stellst", schmunzelte Minerva. „Ich war sechzehn."

"Und wer hat dich geküsst?"

„Das war ja klar", murmelte Minerva. „Du erzählst es nicht herum, ja?"

Septima schüttelte den Kopf. „Niemals."

"Hoffentlich", antwortete Minerva trocken. „Meinen allerersten richtigen Kuss habe ich von Rolanda bekommen."

"Hooch?"

"Kennst du sonst noch jemanden, den so heißt? Ja, Rolanda Hooch. Wir waren beide im Quidditch-Team von Gryffindor, sie als Treiber, ich als Jäger und wir sind abends zusammen rausgeschlichen, um die Strategie von Slytherin für das nächste Spiel auszuspionieren. Na ja, wir wollten nicht erwischt werden und als wir auf dem Rückweg zum Schloss waren, hörten wir jemanden kommen und haben uns hinter Gewächshaus drei versteckt. Und da ist es dann passiert."

"Ich glaub es nicht", kicherte Septima.

"Was ist daran so lustig?", fragte Minerva und runzelte die Stirn.

„Ich kann mir dich einfach nicht vorstellen, dass du abends heimlich rausschleichst und hinter den Gewächshäusern rumknutschst."

"Anscheinend hast du nicht halb soviel Fantasie, wie du gerne glaubst", antwortete Minerva würdevoll. „Ich war auch mal jung", führte sie weiter aus, „oder glaubst du, ich wäre als würdevolle Frau mittleren Alters geboren worden?"

„Ist ja auch egal", winkte Septima ab. „Seid ihr zusammen gewesen? Du und Rolanda?"

„Es hat sich nie so richtig ergeben", antwortete Minerva nachdenklich, „ich weiß auch nicht, warum nicht. Aber du kannst dir vorstellen, was ich für ein Gesicht gemacht haben muss, als ich als Lehrerin hierher zurückkehrte und sie hier vorfand."

"Hat sich da etwas ergeben?", fragte Septima gespannt weiter.

„Nein, da kann ich dich beruhigen, es hat sich nie mehr etwas zwischen uns ergeben. Wir teilen eine gewisse Leidenschaft für Quidditch und in früheren Zeiten sind wir gelegentlich zusammen zu einem Spiel gegangen, aber das war es auch schon."

„Schade", murmelte Septima, „ich hätte dir eine Romanze mit ihr gegönnt. Ich mag Rolanda. Warum geht ihr nicht mehr zusammen weg, ein Spiel ansehen?"

"Zunehmende berufliche Verpflichtungen, unsichere Zeiten, such dir etwas aus."

"Du-weißt-schon-wer?"

"Der auch. Wenn du deine kleine Inquisition dann beendet hast, würde ich gerne ins Bett gehen."

"Hab nichts dagegen", erwiderte Septima und sprang auf.

Minerva drehte sich zu ihr herum.

„Ich werde heute keine weiteren Fragen mehr beantworten, ist das klar?"

"So ein Mist aber auch. Ich wollte dich noch gefragt haben, mit wem du dein erstes Mal hattest", konterte Septima.

„Ich würde mal sagen, dass dich das nicht allzu viel angeht", erwiderte Minerva trocken. „Vielleicht – und nur vielleicht - erzähle ich es dir irgendwann mal."

„Na schön", seufzte Septima und folgte Minerva lammfromm ins Schlafzimmer. „Trotzdem kannst du mir nicht verdenken, dass ich auf dieses ‚irgendwann mal' ziemlich gespannt bin."

„Du musst immer das letzte Wort haben, oder?", schimpfte Minerva und verschwand im Bad.

„Nein, nicht immer…", murmelte Septima.

„Das habe ich gehört!", kam es aus dem angrenzenden Zimmer zurück.

„…aber meistens", vollendete Septima ihren Satz und zwinkerte Minerva spitzbübisch zu, die den Kopf durch die Tür gesteckt hatte und diesen nun schüttelte.


TBC

Und Lapis hat versprochen, sich das 20. Kapitel schnell anzusehen, es bestehen also Chancen auf ein schnelleres Update. =) Hoffe ich zumindest!