A/N: So,Ihr Lieben, es geht endlich weiter. Inzwischen arbeite ich allerdings komplett ohne Beta und mit neuer Software (die Rechtschreibprüfung und ich verstehen uns überhaupt nicht!) – wer also Fehler findet, darf sie gerne behalten!

Wer Interesse hat, für diese Story die Beta zu spielen, kann sich per PM gerne bei mir melden.

Ansonsten: Viel Spaß!


Kapitel 22

Kämpfe

Wider Minervas Erwarten verlor Dumbledore über diesen Vorfall kein Wort, was er mit Severus besprochen hatte, erfuhr sie nicht.

"Ich frage mich, was Severus Albus erzählt hat", sinnierte sie.

Septima zuckte die Achseln.

„Da Albus dir darauf keine Antwort gibt und ich mir nicht vorstellen kann, dass Severus dir freiwillig etwas erzählt, wirst du es vermutlich nie erfahren. Es sei denn, du schlägst ihn k.o. und flößt ihm Veritaserum ein und ich kann mir nicht vorstellen, dass du zu solch unethischen Mitteln greifen würdest."

Über diese Vorstellung musste Minerva lächeln. „Nein, würde ich vermutlich nicht."

"Siehst du. Es wird also ein gut gehütetes Geheimnis der beiden bleiben", beschloss Septima. „Und welcher tollen neuen Idee von Albus verdanken wir seine anberaumte Zusammenkunft?"

„Ich weiß es nicht", antwortete Minerva und sah auf die Uhr. „Aber ich weiß, dass wir definitiv zu spät kommen werden, wenn du weiter so herum trödelst."

"Gott behüte, dass du einmal irgendwo zu spät erscheinst", schmunzelte Septima und erhob sich. „Allerdings hatte ich wirklich gehofft, dass du etwas mehr weißt als der Rest von uns. Wo ich doch so neugierig bin!"

"Du wirst dich gedulden müssen wie wir alle", entgegnete Minerva und trieb Septima zur Eile an.

Binnen kurzen hatten sich die Lehrer alle versammelt, ein leises Geraune füllte das Lehrerzimmer, bis Dumbledore eintrat und sie mit einem Nicken grüßte.

„Heute Abend werde ich die Schule für einige Stunden verlassen müssen", sagte Dumbledore und hob die Hand, um das Gemurmel der Kollegen zu unterbinden. „Ich möchte, dass Sie alle in den Korridoren patrouillieren – nur für alle Fälle. Remus Lupin, Nymphadora Tonks und Bill Weasley werden Sie dabei unterstützen. Bitte stellen Sie mir keine Fragen, tun Sie einfach nur das, worum ich Sie bitte."

Er zwinkerte kaum merklich zu Septima hinüber, die umgehend rot wurde. „Vertrauen Sie mir einfach, wenn ich Ihnen sage, dass ich die Schule nicht ohne Schutz zurücklassen möchte, ich die Angelegenheit, die mich von hier wegholt, aber leider nicht verschieben kann."

„Natürlich werden wir die Schule und vor allen Dingen die Schüler schützen, Albus", versprach Minerva ernst. „Du weißt, dass du dich auf jeden einzelnen von uns verlassen kannst."

„Nichts anderes habe ich erwartet", schmunzelte Albus und lächelte seine Stellvertreterin an, bevor er sich zum Gehen wandte, im Rücken allgemeines Stühle rücken und Gemurmel.

Minerva lief ihm nach und erwischte ihn noch an der Tür.

„Albus?"

„Ja?"

„Ich weiß nicht, was hier vorgeht, aber bitte, sei vorsichtig, bei was auch immer." Minervas Augen suchten seine mit einem besorgten Blick.

Albus lächelte beruhigend und tätschelte ihr die Schulter.

„Das bin ich doch immer, Minerva. Ich werde Harry mitnehmen, allein das ist doch schon ein Grund für mich, in einem Stück wieder zu kommen, nicht?"

„Na, also, ich weiß nicht…", bemerkte sie unschlüssig.

„Vertrau mir, Minerva, so wie du mir immer vertraut hast. Ich weiß, was ich tue."

„Das genügt mir." Sie zwang sich zu einem Lächeln.

„Braves Mädchen. Und nun pass mir auf die Schule auf, Harry wird gleich zu unserem Termin erscheinen."
Er tätschelte ihr ein letztes Mal den Arm und wandte sich zum Gehen.

Minerva starrte ihm nach, bis seine dunkelblaue Robe hinter der nächsten Ecke verschwand.

Eine vertraute Stimme riss sie aus ihrer Grübelei.

„Das war nun allerdings mehr als merkwürdig", sagte Septima hinter ihr und legte ihr verstohlen den Arm um die Taille. „Mit welchen Problemen rechnet er bloß? Wir sollen Patrouille gehen und bekommen noch Unterstützung von außen? Minerva, ich sag dir, hier geht etwas ganz und gar nicht mit rechten Dingen zu."

„Ich bin auch etwas besorgt", gab Minerva zurück und wand sich diskret aus Septimas Arm. „Irgendetwas ist hier im Busch und ich weiß nicht was. Das macht mich rasend! Aber ich schätze mal, wir können nicht viel mehr tun, als das, worum Albus uns gebeten hat."

„Nein, vermutlich nicht. Aber ich werde auf alle Fälle die Augen offen halten. Nur für den Fall, dass seine Ahnungen berechtigt sind."

„Das sind sie leider meistens", unkte Minerva und zog Septima wieder zurück ins Lehrerzimmer, wo sie beide begannen, einen Plan auszutüfteln, wer wann und wo zu patrouillieren hatte.

„Wir müssen vor allen Dingen auch daran denken, die geheimen Zugänge zum Schloss zu bewachen", resümierte Minerva und Septima nickte.

„Wir haben schon stärkere Schutzzauber um das Schloss gelegt als in den Jahren zuvor, also dürfte niemand einfach hereinspazieren oder mit dem Besen herein fliegen können."

Septima nickte wieder zustimmend und beugte sich über das Pergament…

Anderthalb Stunden später brach das von Dumbledore befürchtete Chaos über das Schloss herein.

Ron, Ginny und Neville, die auf Harrys Wunsch ebenfalls das Schloss bewacht hatten, rannten keuchend und fluchend in Remus und Tonks hinein und alarmierten die beiden, dass Malfoy Todesser in das Schloss geschmuggelt hatte.

Die beiden sandten sofort einen Patronus an Minerva, bevor sie losstürmten, um die Todesser zu suchen. Minerva alarmierte ihrerseits die Kollegen und rannte dann auch mit Septima im Schlepptau los, um den Kampf aufzunehmen und die Schule zu schützen. Sie folgte dem Lärm und fand den Kampf im Astronomieturm rasch. Schockiert bemerkte sie, dass die Verteidiger in der Unterzahl waren, dennoch versuchte sie, ihre Schüler aus der Gefahrenzone zu bringen.

„Weasley, Longbottom, Miss Weasley, gehen Sie sofort in ihren Gemeinschaftsraum", schrie sie und versuchte, das Kampfgetümmel zu übertönen. „Das ist hier nicht der richtige Platz für Sie!"

Noch während sie ihre Schüler anschrie, duckte sie sich unter einem Fluch hinweg, der mit einem lauten Zischen an die Wand prallte und ein Stück Mauerwerk in den Gang schleuderte.

„Machen Sie, dass Sie hier heraus kommen!", brüllte sie noch einmal, bevor sie dann ihrerseits Flüche auf die angreifenden Todesser schleuderte.

Binnen kurzen fand sie sich in einem erbitterten Duell mit einem großen blonden Todesser, der sie glücklicherweise ein ums andere Mal verfehlte und mit seinen Flüchen den Korridor zum Einsturz zu bringen drohte.

Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Septima sich verbissen mit

Greyback duellierte und Flüche auf ihn herabregnen ließ, bevor sie sie wieder aus den Augen verlor. Ein verirrter Fluch traf eine der Wandfackeln und das Licht im Korridor verdunkelte sich schlagartig.

„Jemand muss Severus holen!", schrie sie über den Lärm hinweg, „wir brauchen hier jeden, der uns helfen kann!"

Für einen Moment befürchtete sie, dass sie niemand gehört hatte, doch dann duckte der kleine Professor Flitwick sich unter den Flüchen hindurch.

„Ich gehe schon, Minerva!", rief er und hastete davon.

Für einen kurzen Moment war Minerva abgelenkt, aber ein brennender Schmerz an der Wange brachte sie recht schnell wieder ins Geschehen. Mit einem wütenden Aufschrei warf sie sich wieder in den Kampf.

Ein weiteres Mal regnete Schutt über sie herab und eine weitere Wandfackel erlosch.

Im schwachen Dämmerlicht erkannte sie Gibbon, der verbissen einen Fluch nach dem anderen auf Longbottom schleuderte.

„Sie haben es immer noch nicht gelernt, Gibbon!", rief sie ihm zornig zu und lenkte so seine Aufmerksamkeit auf sie. „Im Duell waren Sie als Schüler schon ein hoffnungsloser Fall! Kein Wunder, dass Sie sich an Teenager halten!"

Triumphierend bemerkte sie, dass sie den Todesser in Wut gebracht hatte.

Mit einem wütenden Aufschrei stürzte er sich auf sie, was Minerva einkalkuliert hatte und sie parierte seinen Fluch mit einem schnellen Schutzschild, um ihn dann ihrerseits mit Flüchen zu bombardieren und ihn schließlich in die Enge trieb.

„Was ist denn, Gibbon, ich warte!", stachelte sie ihn erneut an und wütend verdoppelte er die Wucht seiner Angriffe, vergaß darüber aber seine Deckung. Mit einem Gefühl von Genugtuung schleuderte Minerva ihm einen letzten Schockzauber entgegen und traf genau ins Schwarze. Er kippte wortlos um und blieb reglos liegen.

Mit neuem Mut mischte Minerva sich wieder in das Getümmel und griff in das Duell von Ron Weasley ein, der von seinem Gegner mehr als nur in die Enge getrieben wurde.

„Minerva, wo bleibt Snape?", rief ihr eine verbissen kämpfende Tonks zu, „Wir verlieren!"

„Ich weiß es nicht, Tonks. Er sollte längst hier sein!"

Ein Todesser näherte sich ihr in einem so ungünstigen Winkel, dass sie ihn nicht mit dem Zauberstab erledigen konnte, ohne einen ihrer Schüler zu treffen.

„Verflucht noch eins", schimpfte sie und errichtete blitzschnell ein Schutzschild, das den Fluch wirkungslos von ihr abprallen ließ. Frustriert schlug sie dann zu und spürte mit leiser Befriedigung, dass die Nase des Mannes unter diesem Schlag mit einem Knacken nachgab.

„Guter Schlag, Professor!", rief Neville ihr zu, bevor er von einem Fluch getroffen zusammensackte.

„Diese Kinder!" Minerva errichtete einen weiteren Schutzschild um sich herum, um den angeschlagenen Neville aus dem Chaos zu zerren und in einer Mauernische zumindest in relative Sicherheit zu bringen.

„Minerva!", gellte Septimas Stimme an ihr Ohr.

Aufgeschreckt sah sie sich nach ihrer Freundin um, um ihr zu Hilfe kommen zu können.

„Diese Bastarde haben eine Barriere errichtet", brüllte Septima ihr über dem Lärm zu und deutete nach vorne. „Sie haben die Treppe blockiert, wir kommen nicht hinterher!"

Minerva hatte nicht mal eine Sekunde Zeit, um sich zu fragen, was sie mit dieser Barriere bezwecken mochten, als sie sich schon wieder vor dem sirrend grünen Lichtblitz eines tödlichen Fluchs in Deckung brachte.

Mit Erleichterung bemerkte sie, dass Snape aufgetaucht war, um sich mit gezücktem Zauberstab ins Getümmel zu stürzen, bevor ein weiterer Fluch die Decke traf und eine Wolke von Schutt auf sie herabregnete. Mit dem Handrücken wischte sie sich das Blut von der Stirn, bevor es ihr in die Augen lief, kümmerte sich aber nicht weiter darum.

Sie sah Snape durch die Barriere schlüpfen und hinter den Todessern die Treppe herauf jagen, musste sich dann aber abermals ducken, um einem weiteren Fluch auszuweichen, den der hünenhafte blonde Todesser von den Treppenstufen aus in den Korridor abfeuerte.

Septima und Minerva beschlossen im gleichen Augenblick, den Hünen anzugreifen, was Neville als Ablenkung benutzte, um die Barriere durchdringen zu wollen. Mit einem Schrei prallte er davon ab, wurde die Stufen hinunter geschleudert und verstummte.

„Miss Weasley, nehmen Sie Longbottom mit und verschwinden Sie endlich!", keuchte Minerva und ließ einen wahren Hagel von Flüchen auf die Todesser herabregnen, um den Rückzug ihrer Schüler zu sichern.

„Weasley, helfen Sie Ihrer Schwester! Raus hier!"

Der blonde Todesser schleuderte weitere Flüche in den Korridor, die halbe Decke brach ein und krachte auf die Verteidiger.

Minerva zog Tonks aus dem Schutt und half ihr auf die Füße.

„Die Barriere ist zusammengebrochen, wir können durch!", schrie sie und mit den noch stehenden Kollegen an ihrer Seite unternahm sie einen weiteren Vorstoß, um die Todesser weiter den Turm hinauf zu treiben und sie dann außer Gefecht zu setzen.

Vor ihr aus der Staubwolke tauchte Snape auf, mit Draco im Schlepptau rannte er die Stufen hinab und durch das Chaos hindurch.

Erleichtert, dass beide unverletzt schienen, ließ sie die beiden passieren.

Snape rief irgendetwas und verschwand in der Dunkelheit.

„Die Todesser machen kehrt!", rief Lupin ihr zu und nur Sekunden später fanden sie sich wieder in heftige Duelle verwickelt.

Plötzlich kam Harry die Stufen vom Astronomieturm herunter geschossen, focht sich durch das Gewühl der Kämpfer und schaffte es quasi im Vorbeigehen, den einen oder anderen Todesser aus dem Verkehr zu ziehen, bevor er sich seinen Weg aus der Kampfzone gebahnt hatte und in Richtung Eingangshalle hetzte.

„Harry! Wo wollen Sie hin?", schrie Minerva ihm hinterher, bekam aber keine Antwort und wurde sofort von Alecto angegriffen.

„Nimm das!", schrie Minerva wütend und schoss einen Schockzauber auf sie ab. Alecto hob die Arme über den Kopf und flüchtete den Gang hinab.

Irgendwie, Minerva konnte nicht sagen, wie, fanden sie sich schließlich in der Eingangshalle wieder. Ein verirrter Fluch traf das Stundenglas von Gryffindor, Glasscherben spritzen durch die Halle, die Rubine ergossen sich wie Bluttropfen auf den Boden.

Die Todesser nutzten das entstandene Chaos und rannten aus dem Portal hinaus. Einige der unversehrteren Lehrer setzten ihnen nach, um sie bis über die Grenzen der Schule zu jagen und sicherzustellen, dass sich niemand auf dem Gelände versteckte.

Minerva selbst blieb schwer atmend in der Halle stehen und sah sich um.

Ein leises Raunen von der Treppe her sagte ihr, dass der Lärm die Schüler geweckt und angelockt hatte und sie wandte sich ihnen zu.

„Die Situation ist unter Kontrolle", erklärte sie und wischte sich ein weiteres Rinnsal Blut aus dem Gesicht, „gehen Sie wieder in Ihre Gemeinschaftsräume. Ich habe jetzt wirklich keine Zeit, um mich auch noch mit Ihnen allen zu beschäftigen."

Die Schüler starrten sie mit großen Augen an.

Minerva strich sich die zerzausten Haarsträhnen aus dem Gesicht und versuchte den Steinstaub aus ihrer zerrissenen Robe zu klopfen.

„Nun gehen Sie schon! Marsch jetzt!"

„Weißt du, Minerva, du siehst zum Fürchten aus", stellte Lupin fest.

„Ich weiß", erwiderte sie kurz. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir alle unsere Verletzten bergen und zum Krankenflügel bringen. Die beiden Weasleys und Longbottom sollten schon dort sein, ich habe sie vorhin zu Poppy geschickt."

„Hab ich gesehen, dein Rückzugsgefecht war eindrucksvoll", bemerkte Lupin mit einem schiefen Grinsen. „Hast du vorhin Harry gesehen?"

"Natürlich", erwiderte Minerva mechanisch und ließ die Augen schweifen. „Ich weiß zwar nicht, wo er plötzlich herkam, er sollte eigentlich mit Albus unterwegs sein. Ich glaube, er ist nach draußen gelaufen."

„Er will doch wohl nicht die Todesser verfolgen?", fragte Lupin entsetzt und strebte in Richtung Portal.

„Ich hoffe nicht", murmelte Minerva und suchte mit den Augen die größer werdende Menschenmenge nach Septima ab. Schließlich sah sie erleichtert, dass sie auf sie zukam und sich eine wirre Haarsträhne aus dem schmutzigen Gesicht strich.

„Kümmerst du dich um das Chaos hier unten? Dann sehe ich mal, ob ich diese Bande hier wieder in ihre Betten verfrachten kann!", rief sie ihr entgegen.

Minerva nickte, dankbar für ihre praktische Unterstützung.
"Tonks? Such dir jemanden, der dir hilft, alle Verletzten zum Krankenflügel zu bringen! Es sollen sich alle dort einfinden!", rief sie der Animagus zu, bevor sie sich selbst einen Weg durch die chaotische Eingangshalle bahnte.

Einige der Schüler waren im Morgenmantel hinausgegangen, wohl um zu sehen, ob sich noch jemand vor dem Schloss herumtrieb und Minerva eilte ihnen nach.

„Machen Sie, dass Sie in Ihre Betten kommen, marsch! Abbott, rein mit Ihnen! Macmillan, machen Sie, dass Sie wieder reinkommen…"

„Professor", flüsterte Ernie mit schreckgeweiteten Augen, „sehen Sie doch!" Mit bebender Hand deutete er zum Astronomieturm, über dem am Nachthimmel deutlich das Dunkle Mal glitzerte.

Minerva schluckte, ihre Kehle fühlte sich plötzlich trocken an. Am Fuße des Turms sah sie eine dunkle Masse am Boden liegen und angestrengt versuchte sie, mit den Augen die Dunkelheit zu durchdringen, während sie sich dem Fuße des Turms näherte.

„Bitte, lass es einen Stein sein, einen Erdklumpen oder meinetwegen einen Todesser, aber bitte, lass es keinen meiner Schüler sein", flehte sie stumm irgendeine Gottheit an, die geneigt war, ihr zuzuhören.

„Bitte, lass es keins von den Kindern sein", flüsterte sie und näherte sich dem Turm weiter.

Das flaue Gefühl in ihrem Magen verdichtete sich zu einem schweren Stein, als sie beim Näher kommen die Silhouette eines Menschen erkannte.

„Bitte", flüsterte sie.

Im schwachen Licht, das noch durch die Fenster nach außen drang, sah sie schließlich langes weißes Haar und einen ebenso langen weißen Bart und sie fühlte sich, als ob ihr jemand ein Messer ins Herz treiben würde.

Langsam, fast zögerlich hob sie den Zauberstab, um die Szene zu erhellen.

Im Lichtschein sah sie Dumbledore auf dem dunklen Gras liegen, die Arme und Beine unnatürlich abgewinkelt, aus seinem Mund rann ein dünnes Rinnsal Blut. Seine Augen waren geschlossen und wider alle Vernunft hoffte Minerva, er würde die Augen aufschlagen und sie ansehen, ihr irgendein Zeichen geben, dass er noch lebte.

Ein leiser Schmerzenslaut entfuhr und sie schwankte leicht. "Albus", wisperte sie, „oh nein, Albus."

Sie bemerkte nur am Rande, dass sich hinter ihr eine entsetzte Menschenmenge angesammelt hatte, die gleich ihr auf das leblose Bündel starrten, das ihr bester Freund gewesen war.

Schließlich drängte sich jemand durch die Menschenmenge hindurch und rannte zu Albus. Unwillkürlich machte sie eine Handbewegung, um diesen Menschen aufzuhalten und erkannte Harry.

Starr, unfähig sich zu bewegen, beobachtete sie, wie Harry sich neben Albus kauerte, ihm die Brille wieder gerade rückte und mit seinem Ärmel das Blut vom Gesicht wischte.

Harry, der sich neben Dumbledores Leiche kauerte, machte seinen Tod für Minerva endgültig real und halt suchend klammerte sie sich an den Arm von Hagrid, der neben ihr aufgetaucht war.

Dann schüttelte Hagrid ihre Hand ab und griff nach Harry, um ihn von Dumbledore wegzuziehen und wie durch einen Schleier sah Minerva, wie Ginny Harry an der Hand nahm und ihn mit sich zog.

Wie in Momentaufnahmen sah sie Pomonas entsetztes Gesicht, den verstörten Eindruck von Hooch, die schreckensblassen Mienen ihrer Schüler und sie suchte in sich nach einem letzten Rest von Stärke, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.

Ihr gelang es, ihre Empfindungen fest zu verschließen und sich selber wieder Befehle zu erteilen. Die Trauer musste warten, bis sie Zeit dafür hatte, die Lebenden brauchten sie. Was Minerva nun am dringendsten brauchte, waren Antworten. Sie musste wissen, wie es um die Verletzten stand, musste wissen, ob es Verluste gegeben hatte und sie musste wissen, was auf dem Astronomieturm geschehen war.

Sie überließ Pomona und Hooch die Aufgabe, die verstörten Schüler ins Schloss zu bringen und rief nach Hagrid.

„Rubeus!"

Wie in Trance drehte Hagrid sich zu ihr um, seine dunklen Augen schwammen in Tränen und sein Gesicht wirkte zerfurcht und sorgenvoll.

Sanft berührte sie seine Hand.

„Rubeus, bitte, tragen Sie Albus hinein, ja? Ich möchte nicht, dass er… dass er hier so liegt."

"Harry war dabei", murmelte der Riese tonlos. „Er hat gesehen, dass Snape Professor Dumbledore umgebracht hat. Aber das kann doch nicht sein, oder?"
Hilfesuchend sah er sie an.

„Ich weiß es nicht, Rubeus, ich weiß es nicht", sagte sie leise. „Bitte, kümmern Sie sich um Albus."

Anschließend drehte sie sich um und eilte zum Krankenflügel, sie wollte nicht sehen müssen, wie Hagrid die zerbrochene Gestalt ihres Freundes wegtrug.

Unterwegs traf sie auf Septima, die noch damit beschäftigt war, das Chaos des Kampfes zu beseitigen. Sie spulte sofort die wesentlichen Fakten ab:

„Minerva! Greyback hat Bill gebissen, er liegt im Krankenflügel. Molly und Arthur sind informiert, sie kommen so schnell es geht. Ich habe alles, was noch kriechen konnte, in den Krankenflügel geschickt, Tonks und Lupin haben Bill hin getragen, Ron und Neville haben sich gegenseitig hin getragen, wie es aussieht und... und… das Chaos ist unbeschreiblich."

Minerva hatte Angst, die unvermeidliche Frage zu stellen: „Gab es Tote?"

"Nicht bei uns, einen der Todesser hat es erwischt." Septima lächelte grimmig. „Selber schuld. Minerva, es gehen Gerüchte um, dass über dem Astronomieturm das Dunkle Mal….?"

Ein Blick in das Gesicht ihrer Freundin reichte zur Bestätigung.

„Wer?", flüsterte sie heiser.

"Albus", erwiderte Minerva so stoisch wie sie konnte.

Septima hob entsetzt die Hand an die Kehle. „Aber wie…wer…"

"Ich weiß es nicht. Ich bin auf dem Weg zum Krankenflügel, um mir ein paar Antworten zu beschaffen."

Septima nickte benommen und streckte die Hand aus, um Minerva zu berühren.

Diese wich vor ihr zurück. „Nein, Septima, bitte nicht", wisperte sie heiser. „Dann fange ich an zu Weinen und höre nicht mehr auf."

Sie drehte sich brüsk um und eilte weiter zum Krankenflügel.

Von weitem hörte sie den Gesang eines Phönixes über den stillen Schlossgründen.

„Fawkes", flüsterte sie leise und unterdrückte einmal mehr den Wunsch, sich in eine Ecke zu verkriechen und zu weinen.

Sie räusperte sich, straffte die Schultern und stieß die Tür zum Krankensaal auf. Sie wunderte sich vage, warum alle dastanden wie in Trance.

„Molly und Arthur sind unterwegs", sagte sie und scheuchte damit die Anwesenden auf. Dann wandte sie sich Harry zu:

„Harry, was ist passiert? Hagrid zufolge waren Sie bei Professor Dumbledore, als er – als es geschah. Er sagt, Professor Snape sei irgendwie darin verwickelt ge-…"

„Snape hat Dumbledore getötet", fiel ihr Harry ins Wort.

Fassungslos starrte sie ihn an, für einen Moment geriet die Welt gefährlich ins Schwanken, dann fühlte sie, wie ihr jemand einen Stuhl unter schob und schwer ließ sie sich darauf fallen.

„Snape", wiederholte sie. „Wir haben uns alle gewundert… aber er hat… Snape… immer vertraut… ich kann es nicht glauben."

„Snape war ein hervorragender Okklumentiker", erklang von irgendwoher eine raue Stimme, „das haben wir immer gewusst."

Minerva erkannte Lupin und dann Tonks, die ebenfalls sehr merkwürdig klang:

„Aber Dumbledore hat geschworen, dass er auf unserer Seite ist. Ich dachte immer, Dumbledore muss etwas über Snape wissen, das wir nicht wissen…"

Minerva stiegen nun doch die Tränen in die Augen und sie suchte nach ihrem Taschentuch.
"Er hat immer angedeutet, dass er einen stichhaltigen Grund dafür habe, Snape zu vertrauen", murmelte Minerva und wischte sich die Tränen ab. „Ich meine… bei Snapes Geschichte… die Leute mussten sich unweigerlich fragen… aber Dumbledore hat mir ausdrücklich gesagt, Snapes Reue sei aufrichtig… wollte kein kritisches Wort gegen ihn hören!"

‚Und ich auch nicht', setzte sie im Stillen hinzu und hätte beinahe Tonks nächste Worte überhört, die sich fragte, warum Albus dermaßen von Snape überzeugt gewesen war.

„Ich weiß es", sagte Harry laut und Minerva wandte ihren Blick auf ihn. "Snape hat Voldemort die Information gegeben, die Voldemort dazu brachte, meine Mum und meinen Dad zu jagen und umzubringen. Dann hat Snape Dumbledore gesagt, er sei sich nicht bewusst gewesen, was er tat, es tue ihm wirklich leid, dass er es getan habe, es tue ihm leid, dass sie tot seien."
"Und das hat Dumbledore geglaubt?", fragte Lupin. „Dumbledore hat geglaubt, dass es Snape leid tut, dass James gestorben ist? Snape hat James gehasst…"

Harry fügte hinzu: „Und von meiner Mutter hat er auch nicht das Geringste gehalten, weil sie muggelstämmig war. ‚Schlammblüterin' hat er sie genannt…"

Minerva schlang sich ihr feuchtes Taschentuch um die Finger und lauschte verwirrt diesen neuen Informationen.

„Es ist alles meine Schuld", sagte sie plötzlich, „meine Schuld. Ich habe heute Nacht Filius geschickt, um Snape zu holen, ich habe ihn tatsächlich holen lassen, damit er uns hilft! Wenn ich Snape nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, was vor sich ging wäre er den Todesser vielleicht nie zu Hilfe geeilt. Ich glaube nicht, dass er wusste, dass sie hier waren, ehe Filius es ihm sagte, ich glaube nicht, dass er wusste, dass sie kommen würden."

„Es ist nicht deine Schuld, Minerva", versicherte Lupin, „Wir alle wollten mehr Unterstützung haben, wir alle waren froh bei dem Gedanken, dass Snape auf dem Weg war…"

"Und als er dann zum Kampf stieß, hat er sich auf die Seite der Todesser geschlagen?", fragte Harry.

„Ich weiß nicht genau, wie es abgelaufen ist", erwiderte Minerva erregt. „Es ist alles so verwirrend. Dumbledore hatte uns mitgeteilt, er würde die Schule für ein paar Stunden verlassen und wir sollten auf alle Fälle in den Korridoren patrouillieren… Remus, Bill und Nymphadora sollten zu uns stoßen… also haben wir patrouilliert. Alles schien ruhig. Jeder Geheimgang aus der Schule heraus war überwacht. Wir wussten, dass niemand herein fliegen konnte. Über jedem Eingang zum Schloss lagen mächtige Zauber. Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie die Todesser überhaupt hereingekommen sind…."

"Ich weiß es", sagte Harry. „Malfoy hat im Raum der Wünsche das kaputte Verschwindekabinett repariert. Ein zweites steht bei Borgin und Burkes, die beiden bilden eine Art von Passage, die Todesser konnten also bequem bei Borgin und Burkes in das Kabinett steigen und hier wieder herauskommen. Sie sind also durch den Raum der Wünsche hereingekommen."

Verwirrt hörte Minerva, dass Harry mit seinen Verdächtigungen gegen Malfoy nicht falsch gelegen hatte und ihr Verwirrung wuchs, als Ron gestand, er hätte es vermasselt und Malfoy nicht aufhalten können, als er mit den Todessern aus dem Raum der Wünsche kam. Wie aus weiter Ferne hörte sie etwa von einer Karte, einer Hand des Ruhmes und konzentrierte sich wieder auf die aktuellen Ereignisse.

"…peruanisches Instant-Finsternispulver", sagte Ron gerade. „Von Fred und George. Ich werd mit denen ein Wort darüber reden müssen, wen sie alles ihre Produkte kaufen lassen."

„Wir haben alles versucht", führte Ginny aus, „Lumos, Incendio, nichts ist durch die Dunkelheit gedrungen, wir konnten uns nur noch aus dem Korridor heraus tasten, und dabei konnten wir hören, wie Leute an uns vorbei hasteten. Malfoy konnte wegen dieser komischen Hand offenbar etwas sehen und hat sie geführt, aber wir haben uns nicht getraut, irgendwelche Flüche oder so was zu verwenden, um uns nicht gegenseitig zu treffen und als wir den Korridor erreichten, in dem es hell war, waren sie verschwunden."

Lupin übernahm von dort und erzählte, dass Ron, Ginny und Neville ihm über den Weg gelaufen waren und ihn gewarnt hatten. Er hatte die anderen informiert und die Todesser wenig später am Astronomieturm gefunden, wo es dann zum Kampf kam. Während des Kampfes musste Gibbon auf den Turm gehastet sein, um das Dunkle Mal an den Himmel zu setzen, und war bei seiner Rückkehr von einem Todesfluch getroffen waren.

Minerva nickte leise, während Lupin berichtete, und wandte ihre Aufmerksamkeit dann Hermine zu, die beschämt eingestand, dass Snape sie hinters Licht geführt hatte. Wie Minerva ihrer Erzählung entnehmen konnte, hatten sie und Luna Snapes Büro bewacht, ohne zu wissen, was im Schloss vor sich ging. Dann war Flitwick in den Kerker gerannt gekommen, hatte geschrien, dass Todesser im Schloss seien und war in Snapes Büro gestürmt. Sie hatten gehört, wie Flitwick Snape zugerufen hatte, dass er mitgehen und helfen müsste und dann hatten sie einen Schlag gehört. Danach war Snape aus seinem Büro gestürzt gekommen und hatte die beiden gesehen.

„Ich war so dumm, Harry!", flüsterte Hermine aufgeregt. „Snape sagte, Professor Flitwick hätte einen Zusammenbruch gehabt und wir sollten rein und uns um ihn kümmern, während er – während er jetzt sofort gehen und beim Kampf gegen die Todesser helfen müsse…"

Hermine schlug die Hände vors Gesicht und Minerva beugte sich vor, um ihre gedämpfte Stimme besser verstehen zu können.

„Wir gingen in sein Büro", fuhr sie fort, „um nachzusehen, ob wir Professor Flitwick helfen konnten, und fanden ihn bewusstlos am Boden… und, oh, jetzt ist es so offensichtlich, Snape muss Flitwick mit einem Schockzauber belegt haben, aber wir haben nicht gemerkt, Harry, wir haben nichts gemerkt, wir haben Snape einfach gehen lassen!"

Noch bevor Minerva etwas dazu sagen konnte, ergriff Lupin das Wort:
"Es ist nicht eure Schuld. Hermine, wenn ihr Snape nicht gehorcht hättet und nicht aus dem Weg gegangen wärt, dann hätte er dich und Luna wahrscheinlich getötet."

Minerva schauderte es bei dem Gedanken daran, dass Severus diese beiden Kinder hätte töten können und verpasste einen weiteren Teil der Konversation. Eine kleine rationale Stimme in ihrem Kopf teilte ihr mit, dass sie einen Schock hatte und sie sich besser Ruhe gönnen sollte, doch sie wischte sie einfach beiseite.

„Ich habe gesehen, wie Snape geradewegs durch die Fluchbarriere gerannt ist, als ob sie gar nicht da wäre", sagte Lupin gerade, „Ich habe versucht ihm zu folgen, aber ich wurde zurückgeworfen, genau wie Neville…"

"Er muss einen Zauber gekannt haben, den wir nicht kannten", flüsterte Minerva, „schließlich – war er der Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste… ich dachte einfach, er wolle schnell den Todessern nachjagen, die den Turm hinauf entkommen waren…"

Sie senkte den Kopf.

Ein Teil von ihr wollte gerne glauben, dass es nicht Snape gewesen war, der ihren besten Freund getötet hatte, Snape, den sie gemocht hatte, den sie schon so lange kannte. Doch jedes Wort, das sie hörte, machte es ihr unmöglicher, diese dunkle Wahrheit von sich fernzuhalten: Dass Severus ein Mörder war.

Die Tür zum Krankensaal schlug auf und Minerva schrak aus ihren Gedanken auf.

Mr. und Mrs. Weasley durchquerten den Saal, gefolgt von Fleur.

„Molly – Arthur…", sagte Minerva, sprang auf und eilte ihnen entgegen. „Es tut mir so furchtbar Leid…"

„Bill", flüsterte Molly, ignorierte Minerva vollkommen und stürzte ans Bett ihres Sohnes. „Oh Bill!"

„Du hast gesagt, Greyback hätte ihn angegriffen?", wandte Arthur sich beunruhigt an Minerva. „Aber er war nicht verwandelt? Was bedeutet das dann? Was wird mit Bill geschehen?"

"Wir wissen es noch nicht", erwiderte Minerva bedrückt und warf Lupin einen hilflosen Blick zu, in der Hoffnung, dass er als Werwolf vielleicht ein paar Antworten parat hätte und er gab sich Mühe, die Befürchtungen der Weasleys zumindest ein wenig zu zerstreuen.

Dann kam sie Frage, die Minerva am meisten gefürchtet hatte:

„Und Dumbledore… Minerva, ist es wahr… ist er wirklich…?" Arthur sah sie an, als könnte sie es irgendwie ungeschehen machen, sie spürte, wie es ihr wieder den Hals zuschnürte und konnte nur nicken.

Sie sank wieder auf ihren Stuhl und bemühte sich darum, nicht die Beherrschung zu verlieren und nahm nur am Rande Notiz davon, dass Molly und Fleur eine hitzige Debatte über Bill und seine Hochzeit mit Fleur führten, der es anscheinend egal war, dass ihr zukünftiger Mann gewisse Werwolfcharakteristiken annehmen könnte, während Tonks sich mit Lupin stritt, warum er nicht mir ihr Zusammensein wollte.

Müde schloss sie die Augen und wünschte sich weit weg an einen Ort, wo Snape kein Verräter war und Albus sie mit seinen albernen Süßigkeiten nerven würde.

"Das ist… nicht der richtige Moment, um darüber zu diskutieren", sagte Lupin, „Dumbledore ist tot…"

Minerva schlug die Augen auf.

„Dumbledore hätte sich mehr als jeder andere gefreut, wenn er erfahren hätte, dass ein wenig mehr Liebe in der Welt ist", warf Minerva schroff ein, um das Gezänk zu beenden, das an ihren Nerven zerrte.

Die Tür zum Krankenflügel schlug auf und Hagrid kam herein.

„Es is… es is erledigt, Professor", würgte er hervor. „ich hab ihn w-weggetragen. Professor Sprout hat die Kinder ins Bett geschickt, Professor Flitwick hat sich hingelegt, aber er sagt, er is im Nu wieder aufm Damm und Professor Slughorn sagt, dass das Ministerium informiert is. Professor Vektor räumt noch die Trümmer weg un hat die Kinder geheilt, die sich am Glas vom Stundenglas geschnitten ham."

„Danke, Hagrid", sagte Minerva und erhob sich wieder. An die anderen gewandt sagte sie: „Ich werde mit den Vertretern des Ministeriums sprechen müssen, sobald sie hier sind. Hagrid, bitte richten Sie den Hauslehrern aus – Slughorn kann Slytherin übernehmen -, sie möchten sich bitte umgehend in meinem Büro einfinden. Und ich wünsche, dass Sie auch dabei sind."

Hagrid nickte und schlurfte hinaus.

Nun wandte Minerva sich an Harry:
"Vor diesem Treffen hätte ich gern ein kurzes Gespräch mit Ihnen, Harry. Wenn Sie bitte mit mir kommen…"

Mit Harry im Schlepptau machte Minerva sich auf den Weg in Albus Büro, auch wenn es jetzt vermutlich ihres war, konnte sie sich noch nicht dazu überwinden, es bei sich als ‚ihr' Büro zu bezeichnen.

Schweigend trottete Harry hinter ihr her, die Wendeltreppe hinauf und in das kreisrunde Büro, das Dumbledore gehört hatte.

Als sie eintraten, sah Minerva unwillkürlich zum Schreibtisch, als erwarte sie, Albus dort sitzen zu sehen, dann warf sie einen kurzen Blick auf die Wand, wo zwischen den Reihen von Porträts der verstorbenen Schulleiter von Hogwarts ein neues aufgetaucht war und Dumbledore nun friedlich in seinem Rahmen schlummerte und straffte die Schultern.

Nach einem unmerklichen Zögern ging sie um den Schreibtisch herum und sah dann Harry an.

„Harry, ich würde gerne wissen, was Sie und Dumbledore heute Abend gemacht haben, nachdem Sie die Schule verlassen hatten."

"Das kann ich Ihnen nicht sagen, Professor", antwortete Harry.

„Harry, es könnte wichtig sein", drängte Minerva und sah ihn weiter an.

„Das ist es, sehr wichtig, aber er wollte nicht, dass ich es jemandem erzähle", sagte Harry.

Minerva sah ihn finster an.
"Potter, ich denke, Sie müssen angesichts der Tatsache, dass Professor Dumbledore tot ist, einsehen, dass sich die Lage ein wenig verändert hat…"

„Das glaube ich nicht", sagte Harry und zuckte die Schultern, „Professor Dumbledore hat nie gesagt, dass ich seine Befehle nicht mehr befolgen soll, wenn er einmal tot ist."

„Aber…", setzte Minerva an und krampfte ihre Hände um die Tischplatte, so dass die Knöchel weiß hervortraten.

„Eins sollten Sie wissen, ehe die Leute vom Ministerium hier sind. Madam Rosmerta steht unter dem Imperius-Fluch, sie hat Malfoy und den Todessern geholfen, auf diese Weise kamen das Halsband und der vergiftete Met…"

„Rosmerta?", fragte Minerva ungläubig und fragte sich, ob die Schreckensmeldungen denn nie ein Ende fanden.

Ein Klopfen an der Tür und das Eintreten der Hauslehrer und Hagrid hinderte sie daran, diesen Gedankengang weiterhin zu verfolgen.

Sie debattierten kurz darüber, ob die Schule im kommenden Jahr überhaupt wieder geöffnet werden sollte und einigten sich schließlich darauf, die letztendliche Entscheidung den Schulräten zu überlassen.

„Was die Heimreise der Schüler anbelangt", wechselte Minerva nun das Thema, „gibt es gute Gründe, dass diese eher früher als später stattfinden sollte. Wenn nötig, können wir es so einrichten, dass der Hogwarts-Express morgen kommt…"

"Was ist mit Dumbledores Begräbnis?", fragte Harry.

„Nun", sagte Minerva und ihre Stimme bebte ein wenig, „Ich... ich weiß, es war Dumbledores Wunsch, hier in Hogwarts begraben zu werden…"

"Dann wird das auch geschehen, oder?", fragte Harry und machte ein grimmiges Gesicht, als hätte sie angedeutet, dass nicht in ihrem Sinne wäre.

"Wenn das Ministerium es für angemessen hält", antwortete Minerva. „Noch nie wurde ein Schulleiter oder eine Schulleiterin…"

"Noch nie hat ein Schulleiter oder eine Schulleiterin mehr für diese Schule gegem", knurrte Hagrid.

"Hogwarts sollte Dumbledores letzte Ruhestätte sein", meinte auch Flitwick.

„Aber natürlich", pflichtete Sprout bei, als ob es vollkommen außer Frage stünde.

„Und in diesem Fall sollten Sie die Schüler nicht vor der Beerdigung nach Hause schicken", sagte Harry. „Sie wollen sich sicher…"

"…verabschieden", beendete Sprout seinen Satz.

"Gut gesagt, gut gesagt, in der Tat!", rief Flitwick. „Unsere Schüler sollten ihren Respekt erweisen, so gehört es sich. Für den Heimtransport können wir danach sorgen."

Die anderen murmelten ihre Zustimmung.

Minerva spähte aus dem Fenster auf die Schlossgründe.

„Er kommt…Der Minister. Und wie es aussieht, hat er eine Delegation mitgebracht…"

"Kann ich gehen, Professor?", fragte Harry, der anscheinend keine Lust hatte, ihm zu begegnen.

„Ja, aber schnell", sagte Minerva, stand auf und hielt ihm die Tür auf.

Harry eilte aus dem Büro und einen Moment später verabschiedeten sich auch die Kollegen und Minerva sah sich allein dem Minister gegenüber.