A/N: Ein ganz großes Dankeschön an dieser Stelle an Faithful Magewhisper, die neue Patin meines Federkindes. Sie hat die undankbare Aufgabe übernommen, die Story betazulesen und mich zusammenzustauchen, wenn ich Schrott schreibe! Und das kommt öfter vor, als man meinen würde...
Kapitel 24
Schwere Zeiten
Am nächsten Morgen stand Septima leise auf, hüllte sich in Minervas karierten Morgenmantel und schlich sich aus dem Schlafzimmer. Sie wollte Minerva so lange schlafen lassen wie es ging und machte es sich mit einem Kakao und einem Buch vor dem Wohnzimmerkamin gemütlich.
Es dauerte eine ganze Weile, bis sie Geräusche aus dem Schlafzimmer hörte. Vorsichtig, um Minerva nicht zu wecken falls sie noch schlafen sollte, schob sie die Tür auf und warf einen Blick in das Schlafzimmer.
Minerva saß im Bett und sah sie vorwurfsvoll an.
„Warum hast du mich nicht geweckt?"
„Du brauchst deinen Schlaf. Und warum sollte ich dich wecken? Deine Arbeit läuft dir nicht weg", antwortete Septima, betrat das Schlafzimmer und ließ sich auf Minervas Bettkante nieder.
„Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass ich überhaupt ins Bett gegangen bin", sagte Minerva stirnrunzelnd.
„Bist du nicht. Du bist auf dem Sofa eingeschlafen und ich habe dich dann ins Bett gebracht", erklärte Septima und betrachtete interessiert den Teppichboden zu ihren Füßen.
„Ich bin auf dem Sofa eingeschlafen?", wiederholte Minerva verwundert. Dann warf sie Septima einen misstrauischen Blick zu. „Du hattest dabei nicht zufällig deine Hand im Spiel, oder?"
„Doch, das hatte ich", gab Septima zu und fixierte intensiv die Fussel auf dem Teppich. „Ich hatte Poppy um ein Schlafmittel für dich gebeten und es dir in den Kürbissaft gemischt, damit du endlich schlafen kannst."
Sie hob den Blick und sah Minerva bittend an. „Sei bitte nicht böse auf mich, ich habe mir nur Sorgen um dich gemacht."
„Jaaa", kam es gedehnt zurück, „das weiß ich. Aber ich bitte mir aus, dass sich das nicht wiederholt!"
Sie runzelte ärgerlich die Stirn.
„Wie konntest du mir das antun?", fragte sie und schimpfte weiter: „Was wäre wenn mich jemand gebraucht hätte? Gerade in diesen unsicheren Zeiten, besonders jetzt kann ich es mir nicht leisten im Notfall nicht erreichbar zu sein! Es gibt Leute, die sich auf mich verlassen und die mich brauchen. Nicht nur du, Septima, nicht nur die Schüler, auch unsere Kollegen. Irgendjemand muss dafür sorgen, dass alles weiterhin seinen Gang geht und dieser Jemand bin nun einmal ich. Und Poppy werde ich bei nächster Gelegenheit auch ein paar Takte dazu sagen. So etwas von verantwortungslos!"
„Bleibt nur die Frage, wer hier verantwortungslos ist", hielt Septima ihr entgegen. „Minerva, wenn du dich zu weit treibst, bist du für niemanden mehr eine Hilfe. Nicht für mich, nicht für deine Schüler und auch nicht für deine Kollegen! Da du offensichtlich der Meinung bist kein Limit zu haben, muss ich es dir wohl oder übel zeigen, damit du dich nicht ganz verausgabst und aufreibst. Und Poppy lass mir in Ruhe! Sie war glücklich, dass sie gestern etwas für jemanden tun konnte. Und da sie weiß was für eine furchtbare Patientin du bist, war sie bereit mir zu helfen, obwohl sie die ganze Aktion als unethisch bezeichnete."
„Damit hatte sie auch vollkommen Recht", brummte Minerva, nur halb besänftigt.
„Immerhin hast du letzte Nacht ein wenig schlafen können. Fühlst du dich denn heute ein wenig besser?", erkundigte Septima sich hoffnungsvoll.
„Ein wenig, ja", gab Minerva zu und lächelte schief. „Von daher war dein Plan vielleicht nicht ganz so abwegig. Aber wenn du so etwas nochmal mit mir machst, hexe ich dich ins nächste Jahrtausend!"
Sie warf die Bettdecke zur Seite und schwang die Beine aus dem Bett.
„Lass es langsam angehen, ja?", bat Septima.
„Das werde ich wohl müssen", ächzte Minerva und stützte sich am Bettpfosten ab. „Ich habe das Gefühl, dass ich total zerschunden bin."
„So siehst du auch aus", bemerkte Septima kopfschüttelnd und betrachtete Minervas Körper. „Du bist grün und blau. Ich nehme mal an, von dem ganzen Schutt, der auf dich draufgekracht ist. Hat Poppy dich denn nicht behandelt?"
„Nur die Kratzer im Gesicht, zu mehr hatte ich vorgestern keine Zeit", gab Minerva zu.
„Unsinn", gab Septima zurück. „Leg dich bitte wieder hin, ich mach das."
„Ich bin sehr wohl in der Lage, die paar blaue Flecke selber zu kurieren", protestierte Minerva.
„Leg dich hin", wiederholte Septima etwas schärfer. „Du hast Blutergüsse an Stellen, wo du mit dem Zauberstab schlecht hinkommst. Bitte!"
Murrend legte Minerva sich wieder aufs Bett und ließ es zu, dass Septima ihre Kratzer und Prellungen behandelte.
„Und jetzt dreh dich bitte auf den Bauch", wies Septima sie an, als sie mit ihrer Vorderseite fertig war.
Mit einem abgrundtiefen Seufzer, der genau ausdrückte was Minerva von dieser Behandlung hielt, kam sie ihrer Bitte nach.
„Ich hoffe nur, dass du mit Heilzaubern besser zurechtkommst als mit Haushaltszaubern", bemerkte sie spitz um ihre Verlegenheit zu kaschieren.
„Komme ich", antwortete Septima kurz und bewegte ihren Zauberstab gleichmäßig über Minervas geschundenen Rücken, um tiefer liegende Verletzungen aufzuspüren. „Tut das hier weh?", fragte sie und drückte leicht auf eine besonders auffällige Stelle an Minervas Seite.
„Zum Teufel, ja!", rief Minerva aufgebracht.
„Dachte ich mir. Scheint dass die Rippe angebrochen ist, und die Gewebequetschung drum herum ist auch nicht von schlechten Eltern", stellte Septima fest und behandelte die Verletzung geschickt.
„Wundert mich nur, dass dir das die letzten Nächte nicht aufgefallen ist", murmelte Minerva.
„In den letzten Nächte war ich wesentlich mehr um dein seelisches Wohl besorgt", antwortete Septima sachlich und runzelte die Stirn. „Ganz davon abgesehen dürften deine Blutergüsse erst seit gestern so eindrucksvoll aussehen und da habe ich dich nicht im Hellen gesehen. So, fertig. Nicht so schnell", mahnte sie, als Minerva sich hastig erheben wollte. „Das Gewebe dürfte noch ein wenig empfindlich sein."
„Das kannst du laut sagen", knurrte Minerva und bewegte sich vorsichtiger.
„In ein oder zwei Stunden dürftest du nichts mehr von den Prellungen spüren. Die Rippe dauert etwas länger", erklärte Septima.
„Kannst du mir sagen, woher du dich damit so gut auskennst?", fragte Minerva verblüfft.
Septima lächelte grimmig. „Als du im St. Mungos gelegen hast, habe ich quasi Stunden bei Poppy genommen. Ich wollte mich nie wieder so hilflos fühlen wie an dem Abend, an dem du von Umbridge angegriffen wurdest und ich dir nicht helfen konnte. Ich konnte einfach nur dasitzen und deine Hand halten und musste warten bis Poppy endlich kam, um nach dir sehen."
Sie legte Minerva die Hände auf die Schultern und sah ihr tief in die Augen.
„Das waren die längsten und schlimmsten Minuten in meinem Leben und ich weiß nicht, was ich getan hätte wenn ich dich verloren hätte. Allein das Wissen, dass ich dir aus Unfähigkeit nicht hätte helfen können, das hätte mich verrückt gemacht."
Sie küsste Minerva liebevoll.
„Die Diagnose und Behandlung von Prellungen, Blutergüssen und Knochenbrüchen war meine Grundlektion. Aber brich dir bitte nicht den Hals. Soweit bin ich noch nicht, dafür müsste ich dann wohl doch Poppy rufen, bevor ich die Nerven falsch zusammenstricke."
„Ich werde versuchen, heil zu bleiben", meinte Minerva und berührte Septima sanft an der Wange, „schon allein für dich." Dann schlurfte sie ins Bad, um sich unter die heiße Dusche zu stellen.
Auf halbem Weg hielt sie inne und drehte sich zu Septima um.
„Ich weiß, dass es nicht immer einfach sein kann mit mir zu leben", erklärte sie, „und ich weiß, dass ich auch manchmal ziemlich egoistisch sein kann. Aber ich bin froh, dass du mich trotzdem willst und liebst und dich um mich kümmerst."
„Du? Egoistisch? Ausgerechnet du?"
„Doch, ja. Ich kümmere mich um alles und jeden, die Schule, die Schüler, den Orden, aber ich denke nie darüber nach wie sich das auf dich auswirken muss, wenn ich so viel von meiner Zeit und Energie für diese Dinge aufwende."
Septima ging auf Minerva zu und nahm sie vorsichtig, um ihr nicht weh zu tun, in die Arme.
„Ich müsste lügen, würde ich sagen, dass es mir nichts ausmacht. Es macht mir sogar eine ganze Menge aus, dass du immer so beschäftigt bist. Aber das wusste ich von Anfang an und ich habe auch nicht erwartet, dass du plötzlich all deine Verpflichtungen aufgibst und sich dein ganzes Leben nur noch um mich dreht. Ich liebe dich auch gerade dafür, dass du tust, was du tust, aber ich wäre froh, wenn du ein wenig besser auf dich achtgeben würdest. Dann müsste ich mir vielleicht ein kleines bisschen weniger Sorgen um dich machen. Meinst du, das würdest du hinbekommen?"
„Ich werde mich bemühen", versprach Minerva und küsste Septima innig, bevor sie von Septima ins Bad gescheucht wurde.
Septima zog sich nun auch endlich an und erwartete Minerva im Wohnzimmer, als sie endlich frisch geduscht und angezogen aus dem Schlafzimmer kam.
„Da bist du ja wieder", begrüßte sie sie lächelnd und hielt einen Umschlag hoch. „Gerade eben ist eine Eule für dich angekommen."
Minerva sah Septima an und zog die Augenbrauen hoch. Dann nahm sie den Umschlag und schlitzte ihn achtlos mit dem Zauberstab auf.
„Von Molly und Arthur", sagte sie erstaunt und las den Brief. „Sie bieten uns den Fuchsbau als neues Hauptquartier für den Orden an. Sie schreiben, Alastor habe zwar inzwischen einige Flüche eingerichtet, um den Grimmauldplatz zu sichern, aber da wir nun zwanzig Geheimniswahrer sind und Snape ebenfalls einer ist, scheint ihnen das ebenso ein brüchiger
Schutz zu sein wie mir. Nun, zumindest diese Sorge wäre ich erstmal los. Nun müssen wir nur ein Treffen einberufen und uns eine sinnvolle Strategie überlegen, wie wir Harry an einen sicheren Ort bringen."
„Und wo wir ihn hinbringen können", ergänzte Septima.
Minerva lächelte. „Ich denke, das ‚Wo' hat sich mit dem Brief der Weasleys erübrigt. Sie bieten mir an, dass Harry zu ihnen kommen kann, was mir sehr recht wäre. Er wäre unter Aufsicht des Ordens und er wäre bei seinem besten Freund. Wir werden sicher ein paar zusätzliche Schutzzauber einrichten müssen, aber Molly schreibt, dass Harrys Schutz die paar Unannehmlichkeiten wert wäre."
„Das ist sehr großzügig von ihnen", sagte Septima erfreut.
„Harry ist für Molly wohl inzwischen fast so etwas wie ein Sohn und sie ist Glucke genug, um Harry bemuttern zu wollen. Ganz davon abgesehen, dass Harry Ginny, Arthur und auch Ron das Leben gerettet hat. Ich werde ihr zurück schreiben und für morgen Abend ein Treffen des Ordens ansetzen. Dann können wir besprechen, wie wir Harry unbeschadet aus dem Haus seiner Verwandten in den Fuchsbau bekommen und wie wir den Fuchsbau am besten schützen können."
„Klingt nach einer vernünftigen Strategie", meinte Septima lächelnd, trat hinter sie und legte ihr die Arme um die Taille.
„Aber vielleicht solltest du erst mal frühstücken, hm?", wisperte sie in ihr Haar. „Ich kenne dich, wenn du einmal damit anfängst, Briefe zu verschicken, lässt du vor lauter Elan nur wieder das Essen ausfallen."
Minerva tastete nach Septimas Händen und hielt sie fest.
„Ja, vermutlich hast du Recht", sagte Minerva und legte den Brief gedankenvoll auf den Tisch.
„Ich bin froh, Sie alle heute Abend hier zu sehen", eröffnete Minerva am nächsten Abend das Ordenstreffen. „Ich denke, wir sollten damit beginnen, jemanden zu wählen, der von nun an die Geschicke des Ordens in die Hände nehmen wird."
Die Anwesenden starrten Minerva verwundert an.
„Mit Verlaub gesagt, Minerva: Das halte ich für ziemlichen Unfug", erklärte Lupin entschieden. Die anderen Ordensmitglieder nickten zustimmend.
„Wenn einer von uns fähig ist, den Orden zu leiten, dann sind Sie es", bestätigte Alastor Moody und erntete damit zustimmende Blicke und weiteres Kopfnicken der Anwesenden.
„Lupin hat Recht, eine Wahl für einen neuen Leiter wäre absolut hirnrissig", erklärte nun auch Molly energisch und die Zwillinge klopften beifällig mit den Fingern auf die Tischplatte.
„Wie kommst du überhaupt auf eine so blödsinnige Idee?", fragte Arthur.
Minerva zuckte die Schultern. „Dass ich im Moment die Stelle der Schulleiterin ausfülle, heißt nicht, dass ich automatisch auch den Orden leiten muss. Aber wenn ihr alle der Meinung seid, werde ich es machen."
„Wenn nicht Sie, wer dann?", ließ sich Diggel vernehmen und Kingsley nickte.
„Schön", erwiderte Minerva kurz, „dann sollten wir zum wichtigsten Grund dieses Treffens kommen. Wie Sie alle wissen wird Harry Potter am 31. Juli volljährig, das heißt, er verliert den Schutz, den das Haus seiner Familie ihm bislang bietet. Molly und Arthur haben angeboten, dass Harry bei ihnen unterkommen kann und ich halte das für eine ausgezeichnete Idee.
Es stellen sich nun folgende Fragen: Wann sollen wir ihn aus dem Haus seines Onkels und seiner Tante holen? Erst, wenn er volljährig ist oder schon früher? Wie können wir ihn sicher hierher bringen, ohne seinen Aufenthaltsort zu verraten? Und zuletzt: Wie schützen wir die Dursleys?"
„Ich wäre dafür, Harry noch vor seinem Geburtstag dort herauszuholen", knurrte Moody. „Könnte Du-weißt-schon-wem so passen, dass wir ihn dort lassen bis der Zauber bricht und ihm Harry auf einen Silbertablett servieren."
„Das Flohnetzwerk, Portschlüssel und Apparieren können wir vergessen", erklärte Kingsley mit seiner ruhigen Stimme. „Ich bin mir sicher, dass es im Ministerium Spione der Todesser gibt, die aufpassen werden wohin wir Harry bringen wollen. Und wenn er noch nicht volljährig ist, hat er noch die Spur auf sich. Wir können also keine Magie um ihn herum anwenden ohne uns zu verraten."
„Können wir ihn nicht auf dem Besen abholen wie beim letzten Mal?", fragte Tonks und sah in die Runde.
„Letztes Mal konnten wir einen Desillusionszauber verwenden, das geht diesmal nicht", gab Hestia Jones zu bedenken.
„Aber Harry hat doch den Tarnumhang seines Vaters", sagte Lupin. „Er könnte den doch benutzen."
„Ja, es ist unheimlich unauffällig, wenn ein leerer Besen in der Luft herumfliegt, umgeben von einer Eskorte", bemerkte einer der Zwillinge.
„Richtig. Und es würde mich nicht wundern, wenn Du-weißt-schon-wer ein paar Leute in der Gegend hat und das Haus beobachten lässt. Ich würde es so machen", erklärte Moody und funkelte die Anwesenden der Reihe nach mit seinem richtigen Auge an. „Wir müssen auf jeden Fall eine falsche Spur legen um etwaige Spione im Ministerium in die Irre zu führen. Und wir sollten zur Sicherheit ein paar Orte als Versteck für Harry einrichten, damit nicht offensichtlich ist in welchem Haus er sich wirklich aufhält."
Mundungus meldete sich zu Wort: „Wir könnten die Sache noch besser machen. Vielsafttrank. Mehrere Potters, die mit einer Eskorte zu unterschiedlichen Häusern unterwegs sind."
„Dieser kümmerliche Tagedieb ist ja tatsächlich mal zu was nutze", sagte Moody überrascht und fixierte Mundungus mit seinem magischen Auge.
„Ich finde die Idee gut", erklärte George grinsend. „Ich mach euch gern den Harry."
„Ich auch!", stimmte sein Zwilling ein und erwiderte das Grinsen seines Bruders.
„Und wir könnten ihn dann einfach auf einem Besen wegholen wie das letzte Mal", stimmte Tonks zu und strahlte.
„Ich glaube nicht, dass Harry das Recht ist", wandte Hermine plötzlich ein, die bislang schweigend neben Ron gesessen hatte.
„Nee, glaub ich auch nicht", sagte Ron und kratzte sich nachdenklich die Nase.
„Harry wird sich weigern, uns alle in Gefahr zu bringen", erklärte Hermine.
„Es wird ihm nicht viel anderes übrig bleiben als mit uns zu kommen", grollte Moody und ließ sein magisches Auge in ihre Richtung rotieren.
„Wir werden doppelt so viele Häuser magisch schützen als wir brauchen und damit den Gegner noch weiter verwirren."
Sie diskutierten den Plan weiter aus, verfeinerten ihre Strategie und zu guter Letzt einigten sie sich darauf, dass es sechs Doppelgänger von Harry sein würden, die mit einem Begleiter zu insgesamt zwölf sicheren Häusern unterwegs sein würden, auf Besen, Thestralen und Hagrids Motorrad, da Hagrid darauf bestand mitzukommen und kein Besen oder Thestral seine Masse aushalten würde. Anschließend würden alle mit Portschlüsseln in den Fuchsbau zurückkehren. Kingsley stand die Aufgabe bevor, im Ministerium eine falsche Spur auszulegen, um Verwirrung zu stiften.
„Ich nehm Harry im Beiwagen mit", schlug Hagrid vor. „Die Todesser wern erwarten, dass er aufm Besen unerwegs is und nich, dass er bei mir aufm Motorrad ist."
Moody nickte zustimmend.
„Ich werde mit Mundungus auf einem Besen unterwegs sein. Sie werden sicher erwarten, dass Harry mit mir kommt."
Sie teilten die Harry-Doppelgänger ihren Begleitern zu und machten aus, wer mit dem Besen und wer auf einem Thestral unterwegs sein würde. Dann wandten sie sich der Frage zu, welche Häuser sie als Zufluchten tarnen und mit welchen Schutzzaubern sie sie ausstatten würden.
„Was machen wir mit den Dursleys?", warf Minerva ein, als ihr der Plan zu Harrys sicherer Eskorte beschlossen schien. „Wir müssen sie ebenfalls schützen, damit die Todesser sich nicht an ihnen vergreifen können. Das werden sie sicher versuchen, damit sie Harry so aus der Deckung locken."
„Wir werden sie ebenfalls in einem sicheren Haus unterbringen", erwiderte Septima, „das ist doch wohl klar. Ich fürchte allerdings, dass sie sich auf einem Besen nicht sonderlich gut machen werden."
„Wir werden sie mit ihrem Auto fortbringen", schlug Arthur vor.
„Wir müssen das zeitlich genau abstimmen, damit der Zauber sich erst dann aufhebt wenn alle in Sicherheit sind."
„Ich schätze, das ist das kleinste Problem", beschloss Minerva. „Wir werden nach einem engen Zeitplan operieren. Dädalus und Hestia können diesen Part übernehmen." Dann wandte sie sich Kingsley zu: „Wie kommen Sie in der Downing Street zurecht?"
„Der Muggel-Premierminister ist sehr von mir angetan. Ich denke, ich kann es einrichten ihn nicht aus den Augen zu lassen", erklärte Kingsley ruhig wie es seine Art war.
„Schön. Ich denke, damit hätten wir vorerst alles geklärt", erklärte Minerva und erhob sich. „Wir werden auf dem üblichen Weg in Kontakt bleiben."
Allgemeines Stühlescharren schloss sich ihren Worten an und die einzelnen Ordensmitglieder erhoben sich, um einzeln oder paarweise zu disapparieren.
„Es wäre mir wohler, wenn wir Harry schon aus Little Whinging heraus hätten", seufzte Minerva und faltete den nur halbgelesenen Tagespropheten frustriert zusammen.
„Wieder Schreckensmeldungen?", erkundigte sich Septima.
Minerva nickte düster. „Leute verschwinden oder werden tot aufgefunden. Ich hoffe nur, mit unserem Plan geht alles glatt und wir haben nichts übersehen."
„Es muss funktionieren", sagte Septima. „Überleg mal, du hast darüber nachgedacht, Mad-Eye, Tonks und Kingsley haben darüber nachgedacht, ich habe mir den Kopf zerbrochen und und und. Wenn so viele helle Köpfe nicht einen narrensicheren Plan austüfteln können, dann weiß ich es nicht."
„Ja, vielleicht", sagte Minerva, „aber ich habe dennoch ein komisches Gefühl im Magen."
„Wer hätte das nicht? Bei dem, was auf dem Spiel steht?"
Septima setzte sich auf die Armlehne von Minervas Sessel und griff nach dem Tagespropheten.
„Es scheint, dass neuerdings jämmerlich wenig sinnvolle Meldungen darin stehen", bemerkte sie und setzte ihre Lesebrille auf.
Müßig überflog sie die Schlagzeilen und ihr Blick blieb an einer Schlagzeile hängen.
„Hast du das hier gelesen?", fragte sie Minerva, als sie den Artikel überflogen hatte.
„Was denn?"
„‚Muggel – unsere Freunde und Nachbarn' von Charity Burbage. Ich wusste gar nicht, dass sie vorhatte einen Artikel für den Propheten zu schreiben." Sie las den Artikel schnell durch.
„Hm, das ist typisch für sie. Sie hält eine flammende Rede für die Rechte der Muggel und der Muggelstämmigen und sie – ich zitiere – hält die Abnahme der Reinblütigkeit für ein wünschenswertes Phänomen."
„Wenn sie sich da mal nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt hat", seufzte Minerva. „Du musst ihr sagen, dass sie vorsichtiger sein soll wenn du sie siehst. Zivilcourage ist sicherlich eine wünschenswerte Eigenschaft, aber so etwas zu diesen Zeiten zu veröffentlichen läuft schon unter kriminellem Leichtsinn."
„Ich werde es ihr sagen, falls ich sie sehe", erwiderte Septima.
„Falls?", wiederholte Minerva alarmiert und sah Septima scharf an.
Septima zuckte die Achseln.
„Als die Schulräte entschieden haben, dass Hogwarts wieder öffnet, ist sie für eine Weile nach Hause gefahren. Eigentlich wollte sie längst wieder zurück sein, aber anscheinend hat sie es sich doch anders überlegt. Vermutlich zeigt das örtliche Kino eine Sondervorstellung oder so."
„Und das sagst du so nebenbei?", fragte Minerva scharf.
„Du kennst doch Charity. Heute so, morgen so und impulsiv bis an den Rand des Wahnsinns."
„Klingt wie jemand, den ich gut kenne", knurrte Minerva. „Es wäre mir lieb, wenn du ihr ein paar Zeilen schreiben würdest. Nur um sicherzugehen, dass bei ihr alles in Ordnung ist."
„Du meinst…?"
„Ich halte es nicht für ausgeschlossen", erwiderte Minerva ernst. „Ich bin lieber einmal zu vorsichtig."
„Ich verstehe. Ich schreibe ihr sofort."
Die Tage vergingen, doch von Charity kam keine Antwort. Dann las Septima eines Morgens im Tagespropheten, dass Charity bekannt gab, dass sie von ihrem Posten als Lehrerin der Hogwartsschule zurücktreten wolle.
Septima sprang so hastig auf, dass ihr Stuhl umkippte und hielt Minerva die Zeitung unter die Nase.
„Was ist das?" Minerva angelte nach ihrer Brille.
„Charity Burbage gibt ihren Rücktritt bekannt", sagte Septima und sah Minerva an.
„Ich habe kein Rücktrittsgesuch von ihr bekommen", sagte Minerva langsam, „und ich nehme an, dass sie nicht auf deinen Brief geantwortet hat."
„Nein, das hat sie nicht", erwiderte Septima und sah Minerva in die Augen. „Meinst du, sie ist…"
Minerva nickte düster. „Ich halte es für sehr wahrscheinlich."
„Oh nein", hauchte Septima und ließ sich neben Minerva auf das Sofa sinken.
Minerva griff nach ihren kalten Händen und nahm sie zwischen ihre.
„Nach ihrem Artikel von letzter Woche habe ich eine solche Möglichkeit befürchtet", sagte sie bitter. „Es ist unklug, so offensichtlich gegen die neuen Methoden des Ministeriums zu wettern. Wie ich von Kingsley gehört habe, haben die Todesser Thicknesse umgedreht – er arbeitet nicht länger für Scrimgeour. Er hat unter Strafe verboten, dass das Haus von Harrys Verwandten ans Flohnetzwerk angeschlossen wird. Er hat auch verboten in dem Haus einen Portschlüssel einzusetzen oder hinein- oder heraus zu apparieren, angeblich damit Harry in dem Haus sicher ist. Das einzige, das er damit sicher erreicht, ist, dass Harry dort festsitzt."
„Gut, dass wir unseren Plan in der Hinterhand haben", schniefte Septima.
Minerva ließ ihre Hände los, schlang die Arme um sie und zog sie an sich.
„Ich weiß, dass du Charity gemocht hast", sagte sie weich und strich sanft über Septimas Wange. „Und es entsetzt mich, mir vorzustellen, dass Du-weißt-schon-wer und seine Todesser ihr etwas angetan haben könnten."
„Könnten?"
„Wir wissen nicht was passiert ist", sagte Minerva, „aber ich würde vom Schlimmsten ausgehen."
„Wie kannst du nur so hart sein?", stieß Septima hervor.
„Ich zähle nur eins und eins zusammen", erwiderte Minerva müde, „es ist genau wie damals. Die Zeichen stehen auf Sturm und ich fürchte, dass es noch schlimmer kommen wird."
Sie zog Septima enger an sich und dachte wiederholt, dass sie wahnsinnig war, wenn sie Septima nicht in Sicherheit brachte. Im Stillen beschloss sie, gewisse Vorkehrungen zu treffen, damit Septima im Notfall sofort untertauchen konnte und wiegte die Freundin in ihren Armen.
„Harry ist in Sicherheit", sagte Minerva müde zu Septima.
„Ich hatte angenommen, dass du darüber etwas erfreuter wärest", erwiderte Septima mit einem misstrauischen Blick in das Gesicht ihrer Freundin. „Was ist passiert?"
„Sie wussten, dass wir Harry heute Nacht fortbringen würden", berichtete Minerva. „Sie haben schon auf unsere Gruppe gewartet und sofort angegriffen. George wurde schwer verletzt, von Snape, und Alastor – Alastor ist tot."
„Oh nein, Minerva, nicht Moody!"
Minerva nickte niedergeschlagen. „Es muss so gewesen sein, wie er es vorausgesehen hat. Sie griffen ihn sofort an, weil sie wohl annahmen Harry wäre bei ihm. Bill sagte, Mundungus sei sofort disappariert und Alastor habe einen Fluch von Du-weißt-schon-wem direkt ins Gesicht bekommen."
„Er war da? Du-weißt-schon-wer war selber dort?!"
„Anscheinend hatte er vor Harry persönlich zu töten", erwiderte Minerva mit hartem Gesicht. „Bill und Arthur sind später zurückgekehrt um Alastors Leiche zu bergen, aber sie konnten ihn nicht finden."
„Oh Minerva, er wirkte immer so zäh und unerschütterlich. Ich kann gar nicht glauben, dass das passiert ist."
Sie legte Minerva die Arme um die Taille und drückte sie an sich. Sie wusste, dass Minerva den reizbaren misstrauischen Ex-Auroren geschätzt hatte.
„Was ist mit George passiert?", fragte sie dann leise.
„Snape ist passiert", gab Minerva hart zurück. „Snape hat ihn mit einem Sectumsempra getroffen und sein Ohr abgeschnitten. Er hat viel Blut verloren, aber er wird durchkommen."
„Gott sei Dank", seufzte Septima.
„Irgendjemand hat unseren Plan gekannt, Septima. Irgendjemand hat uns verraten."
„Aber wer?", stammelte sie.
„Ich weiß es nicht. Aber wenn ich denjenigen in die Finger bekomme, werde ich Hackfleisch aus ihm machen und ihn stückchenweise an Du-weißt-schon-wer zurückschicken!"
Sie lehnte müde den Kopf an Septimas Schulter und war dankbar für ihre Nähe und Wärme. Sie schlang nun ihrerseits die Arme fest um Septima.
„Ich bin froh, dass du hier bist", sagte sie leise, „und froh, dass du mich hältst. Bei dir fühle ich mich geborgen."
Septima hielt sie daraufhin noch fester an sich gedrückt.
