So, ich sitze mal wieder krankgeschrieben Zuhause herum und dachte mir, die Zeit könnte ich ja mal sinnvoll nutzen und euch ein paar neue Kapitelchen zukommen lassen.
Beta wieder Faithful Magewhisper - lieben Dank!
Kapitel 26
Wahrheiten
„Mit Minerva stimmt etwas nicht", bemerkte Lupin zu seiner Frau. „Mit Minerva stimmt etwas ganz und gar nicht. Und ich frage mich, was an den Rücktrittsgerüchten von Septima dran ist."
„Wie meinst du das?", fragte Tonks irritiert und sah ihn an.
„Sie sieht aus wie du vor unserer Hochzeit", erklärte Lupin. „Ich glaube, die beiden sind nicht nur befreundet und ich habe die Befürchtung, dass es zwischen den beiden nicht gut läuft."
„Das wäre schade", sagte Tonks ehrlich, „sie würden so gut zusammen passen. Und ich würde Minerva jedes bisschen Glück gönnen, das sie nur kriegen kann. Nach Dumbledores Tod hat sie nicht mehr viele Leute um sich, denen sie vertraut. Was hältst du davon mit ihr zu sprechen?"
„Ich kann doch nicht einfach hingehen und Minerva danach fragen!"
„Warum nicht?"
„Das dürfte ein interessantes Gespräch werden", sagte Lupin ironisch. „'Hallo Minerva, du siehst schlecht aus. Hast du Krach mit deiner Geliebten?' Ich bin sicher, dass sie darüber hellauf begeistert wäre."
„Sie wird dir ganz sicher nicht den Kopf abreißen", versicherte sie ihm. „Vielleicht wäre sie sogar froh, wenn sie jemanden hätte mit dem sie sprechen könnte. Mehr als dich rauswerfen kann sie nicht."
„Wenn du meinst", seufzte ihr Mann. „Wenn ich sie heute Abend im Fuchsbau treffen sollte, werde ich sie ansprechen."
„Du bist ein sehr tapferer Mann", lobte Tonks und schmiegte sich an ihren Mann.
„Ich bin nicht tapfer", widersprach er.
„Das wird sich noch zeigen", erklärte sie liebevoll.
„Minerva, kann ich dich kurz unter vier Augen sprechen?", fragte Lupin nervös, als sie am Abend beide den Fuchsbau verlassen wollten.
„Natürlich", gab sie kurz zurück. „Molly hat sicher nichts dagegen, wenn wir uns kurz ins Wohnzimmer setzen würden."
„Mir wäre es lieber, wenn wir keine Zuhörer haben würden", sagte Lupin unbehaglich. „Du könntest mit zu mir nach Hause kommen. Dora ist heute Abend nicht da und niemand würde uns stören."
Minerva sah ihn neugierig und ein wenig misstrauisch an, dann nickte sie.
„Also schön."
Gemeinsam verließen sie den Bereich der Schutzzauber um den Fuchsbau und apparierten zu Lupins bescheidenem Zuhause.
„Gemütlich", sagte Minerva, als er sie in das beengte Wohnzimmer führte und ihr einen Sitzplatz anbot.
„Danke. Es ist nichts großartiges, aber immerhin ist es ein Zuhause. Möchtest du etwas trinken?"
„Nein danke. Worum geht es, Remus? Was hast du auf dem Herzen?"
„Dich", gab er kurz zurück.
Verblüfft starrte sie ihn an.
„Mich?", fragte sie. „Was ist mit mir?"
„Ich mache mir Sorgen um dich. Nein, bitte, lass mich ausreden", bat er, als sie ihn unterbrechen wollte. „Du wirkst unglücklich und gleichzeitig unnahbar und ich habe den Verdacht, das hat etwas mit Septima und ihrem plötzlichen Rücktritt als Lehrerin zu tun."
„Warum sollte mich ihr Rücktritt in irgendeiner Weise bekümmern?", fragte sie kühl.
Lupin nahm seinen Mut zusammen.
„Ich für meinen Teil glaube, dass euch beide mehr verbindet als nur eine einfach Freundschaft und ich befürchte, dass es zwischen euch beiden nicht besonders gut läuft. Ich habe sie die ganze Woche noch nicht im Fuchsbau gesehen, du sprichst nicht von ihr und wenn jemand nach ihr fragt, sieht dein Gesicht aus wie aus Stein gehauen. Ich mache mir Sorgen um dich. Minerva, du weißt, dass ich dir niemals schaden würde, du kannst mir vertrauen."
„Kann ich das?", fragte sie traurig zurück. „Ich habe auch mal gedacht, dass ich Severus vertrauen könnte. Er war mein Schüler, Remus, so wie du. Ich habe gedacht, ihn zu kennen, dass er mein Vertrauen verdient, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Ich habe ihn gemocht, Remus, trotz seiner Kaltschnäuzigkeit und seiner Arroganz. Aber ich habe mich in ihm geirrt."
„Minerva, habe ich dich je belogen? Habe ich dir jemals Grund gegeben, mir zu misstrauen?"
„Abgesehen davon, dass du auf dem Schulgelände herumgelaufen bist, als du dich eigentlich in der Heulenden Hütte unter Verschluss aufhalten solltest? Abgesehen davon, dass du niemandem gesagt hast, dass deine Freunde sich in Animagi verwandeln konnten, obwohl gerade du wusstest, dass das Meldepflichtig ist? Oder der Kleinigkeit, dass du damals, als nach Sirius als wahnsinnigem Mörder gesucht wurde, mit keiner Silbe verraten hast, dass er sich in einen großen schwarzen Hund verwandeln konnte?"
„Minerva, die ersten beiden Dinge fallen doch eher unter die Kategorie 'dummer Jungenstreich', meinst du nicht? Und ich hätte Sirius nicht verraten können, ohne auch James und Peter noch nach ihrem Tod zu verunglimpfen. Dafür habe ich mich bemüht, Harry im Auge zu behalten und ihm Extrastunden in VgdK gegeben, damit ihm nichts passiert. Du kennst mich, Minerva, du kennst mich seit ich ein kleiner Junge war. Ich kann nichts dafür, dass ich ein Werwolf bin, ein Geschöpf der Nacht, ich habe mir das nicht ausgesucht. Aber ich habe mich der Finsternis nicht ergeben und das werde ich auch nicht. Im Gegensatz zu Severus", fügte er leise hinzu, „er hat sich aus freien Stücken den Dunklen Künsten verschrieben. Das werde ich niemals tun. Nun sag mir Minerva, habe ich dich jemals verraten?"
„Nein, das hast du nicht", sagte sie endlich und schenkte ihm ein winziges Lächeln.
„Dann sag mir bitte, was dich quält", bat er und sah sie aus seinen freundlichen braunen Augen an.
„Wenn du mich verrätst, werde ich dich jagen bis ans Ende dieser Welt", drohte sie.
„Wenn ich dich verraten sollte, würde ich niemals so weit kommen."
„Na schön, Remus", seufzte sie und zögerte einen Moment lang. „Du hast Recht. Sie und ich sind mehr als Freundinnen. Wir sind seit etwa einem Jahr ein Paar. Vor kurzem habe ich eine anonyme Nachricht bekommen, in der ich gewarnt wurde, dass Septima in Gefahr ist und sie ist untergetaucht. Unser lautstarker Krach war nur eine Möglichkeit, wie sie das Schloss verlassen konnte, ohne dass jemand auf die Idee kommen konnte, das ich sie verstecke, denn das ist es was ich tue. Ich verstecke sie mit dem Fidelius-Zauber. Ich habe ihr gesagt, dass es zu riskant sei eine Eule zu schicken und ich vermisse sie furchtbar."
„Eine anonyme Nachricht?", fragte Lupin verdutzt. „Ich frage jetzt nicht, von wem sie war, aber hast du nicht eine Idee wer sie dir geschickt haben könnte?"
„Keine vernünftige", sagte sie kurz. Sie mochte nicht darüber sprechen, dass sie diese Nachricht Albus oder Severus zugerechnet hätte, wenn sie nicht genau gewusst hätte, dass beides unmöglich war.
„Ich wünschte nur, ich hätte eine Möglichkeit, wie ich mit ihr Kontakt aufnehmen könnte ohne sie in Gefahr zu bringen."
„Warum bist du so in Sorge, dass jemand eure Eulen abfangen könnte?", fragte Lupin.
„Severus. Er wusste, was zwischen Septima und mir ist und ich habe die Befürchtung, dass sie sie benutzen könnten um an mich heranzukommen. Sie könnten sie als Lockvogel einsetzen um mich aus der Deckung zu zwingen und den Orden zu verraten. Harry zu verraten. Deshalb habe ich dafür gesorgt, dass alle Welt denkt wir hätten uns entzweit und ihr Schicksal wäre mir egal."
„Ich bin froh, dass du es mir erzählt hast", sagte Lupin ehrlich. „Es ist nicht gut, dass du immer versuchst alles alleine zu schultern. Vielleicht kann ich euch helfen."
„Du?"
„Natürlich. Es ist doch beinahe wie damals bei Lily und James."
„Da waren wir nicht sehr erfolgreich, oder?", bemerkte Minerva bitter.
„Nur dass wir diesmal ein wenig schlauer sind als damals. Wir kennen unseren Gegner besser und wir wissen wen wir schützen müssen und warum. Ich könnte als Poststation für euch fungieren, bis wir eine bessere Methode haben. Du schickst deine Eulen an mich anstatt an Septima und ich werde ihr deine Nachrichten weiterleiten."
„Und wenn jemand die Eulen abfängt?"
„Du solltest aufpassen was du schreibst, soviel ist klar", sagte Lupin. „Aber ich bin mir sicher, dass es funktioniert. Allerdings müsstest du mich mit zum Geheimniswahrer machen."
„Und davor scheue ich mich", gab Minerva zu. „Der Verrat von Severus ist mir noch in zu frischer Erinnerung. Und die Tatsache, dass die Todesser unseren Plan kannten als wir Harry in Sicherheit gebracht haben. Außerdem pflegt Severus immer noch einen furchtbaren Hass auf dich, noch immer wegen der Geschichte mit der Heulenden Hütte, damals, als ihr Schüler wart und das letzte Mal, als du und Harry geholfen habt, Sirius zu entkommen. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis er Eins und Eins zusammenzählt und Zwei herausbekommt, wenn ich zu oft eine Eule an dich schicke. Er weiß Zuviel über uns, über den Orden im Allgemeinen und auch über dich und mich. Er weiß, dass du mich nicht hängen lassen würdest. Und umgekehrt genauso. Ich weiß dein Angebot zu schätze, aber nein, danke. Nichts für ungut, Remus."
„Ich verstehe, dass du vorsichtig bist", sagte Lupin ernst, „immerhin geht es um ein Menschenleben und um jemanden, der dir immens viel bedeutet. Du musst mir auch nicht sofort eine Antwort geben. Überleg noch mal in Ruhe, ob du das Angebot nicht doch annehmen möchtest. Oder vielleicht können wir gemeinsam eine narrensichere Kommunikationsmöglichkeit austüfteln. Ich weiß es nicht. Schlaf eine Nacht darüber. Und ich verspreche dir, dass ich es dir nicht übel nehmen werde, wenn du dich dagegen entscheidest."
„Danke", sagte Minerva und sah Lupin offen an. „Ich weiß deine Hilfe und dein Angebot wirklich zu schätzen und ich werde es mir gut überlegen."
„Du weißt auf jeden Fall, wo du mich finden kannst", antwortete Lupin und erhob sich, um Minerva zur Tür zu begleiten.
In den nächsten Tagen überflog Minerva den Tagespropheten nur flüchtig. Abgesehen davon dass der Prophet für ihren Geschmack zu sehr versuchte die Dinge unter den Teppich zu kehren, hatte sie sich kürzlich zu sehr über Rita Kimmkorn geärgert, die ihre Flotte-Schreibe-Feder an Albus wetzte und sein Ansehen in den Dreck zog, wie sie es empfand, und sich geschworen die von ihr verfasste Biografie über Albus nicht zu kaufen.
Septima hatte darüber den Kopf geschüttelt und ihr versichert, dass niemand mit nur drei Gramm Verstand etwas glauben würde, was Rita geschrieben hatte, aber Minerva hatte sich dennoch maßlos darüber aufgeregt.
Doch heute musste sie ihn aufmerksam lesen, Pomona hatte ihr beim Frühstück einen Artikel unter die Nase gehalten, wie sie es gelegentlich tat, wenn sie es für wichtig hielt, dass Minerva auf dem laufenden war. Der Artikel hatte sie so immens bestürzt, dass sie ihn beim Frühstück nur überflogen hatte.
Laut dem Tagespropheten mussten sich Muggelgeborene nun beim Ministerium melden, damit geklärt werden konnte, woher ihre magischen Kräfte stammten. Im Klartext hieß das, dass jeder, der keine magischen Vorfahren aufzuweisen hatte, beschuldigt wurde, seine Magie und gegebenenfalls seinen Zauberstab von einem Zauberer oder einer Hexe gestohlen zu haben.
Minerva dachte sofort an Septima und hatte Mühe gehabt, ihre Beherrschung zu wahren. Sie hatte die Zeitung an sich genommen und sich entschuldigt, da sie das müßige Geplauder ihrer Kollegen nicht länger ertragen konnte und war in ihre Räume zurückgekehrt, wo sie den Artikel in Ruhe studieren konnte.
Nun schritt sie wie eine gefangene Löwin in ihrem Wohnzimmer auf und ab, machte sich Sorgen um Septima und vermisste sie gleichzeitig ganz fürchterlich. Und einmal mehr drängte sich ihr die Frage auf, wer ihr die anonyme Warnung geschickt haben mochte. Wer hatte damals schon wissen können, dass das Ministerium Muggelgeborene derart verfolgen würde? Es musste jemand sein, der tief im inneren Kreis um Voldemort saß, überlegte sie. Und wieder fiel ihr nur Snape ein, doch sie wies den Gedanken ärgerlich von sich.
„Nur, weil du dir insgeheim wünschst, dass er nicht der gemeine Mörder ist, für den du ihn halten musst, solltest du nicht glauben, dass er dir einen solchen Gefallen tut", schimpfte sie mit sich selbst. „Welchen Grund hätte er nach all dem, auch nur einen Gedanken an dich und Septima zu verschwenden? Es ist ihm vermutlich egal, was aus einem von uns wird."
Sie musste hier raus, sie wurde irre nur in der Gesellschaft ihrer eigenen bedrückenden Gedanken. Sie war schon soweit, Selbstgespräche zu führen! Sie warf einen ärgerlichen Blick auf die Zeitung, faltete den Tagespropheten zusammen und warf ihn ins Feuer. Minerva war schon halb auf dem Weg aus ihren Räumen hinaus, als ihr einfiel, dass außer ihr beinahe niemand mehr im Schloss weilte.
Pomona hatte sich aufgemacht, um einen befreundeten Zauberer zu besuchen, der einen einzigartigen Garten sein Eigen nannte. Flitwick hatte beschlossen, dass das leere Schloss ihn deprimierte und sich in sein Londoner Domizil zurückgezogen. Hagrid war für den Orden unterwegs. Und soweit Minerva wusste, hatte Hooch sich aufgemacht, um sich nach einem neuen Besen umzusehen.
Entnervt ließ sie sich wieder auf ihr Sofa fallen. Sie hatte keine große Lust sich mit Slughorn, Filch oder Poppy zu unterhalten. Slughorn war ihr in vieler Hinsicht zu oberflächlich, den Hausmeister hatte sie noch nie leiden können und sie war sich nicht sicher, ob sie derzeit Poppys permanente Besorgnis ertragen konnte. Das Schloss war ihr noch nie so riesig und leer vorgekommen wie in diesen Sommerferien und wieder einmal überlegte sie, ob sie Lupins Vorschlag nicht doch annehmen sollte. Es wäre eine Wohltat gelegentlich Septimas Meinung zu den Dingen lesen zu können, zu wissen was sie machte, wie es ihr ging und wie sie sich die Zeit vertrieb.
'Außerdem, so rechtfertigte sie ihre Entscheidung vor sich selbst, 'kann ich sie auf dem Laufenden halten, was die Muggelverfolgung angeht, dass es richtig war, sie zu verstecken', überlegte sie.
Kurz entschlossen sprang sie auf, nahm ihr Flohpulver aus dem Schrank und wandte sich dem Kamin zu. Sie warf eine Handvoll Pulver ins Feuer und steckte ihren Kopf in die grünen Flammen.
Zu ihrer heimlichen Erleichterung saß Lupin allein in der Küche seines Häuschens und las die Zeitung.
Minerva räusperte sich. „Es lohnt sich nicht die Mühe, Remus, es steht nichts Aufbauendes drin. Nur der übliche Quatsch und", ihre Stimme brach und sie räusperte sich, „und ein interessanter Artikel über die Muggelverfolgung des Ministeriums."
Lupin sprang auf, er war anscheinend so versunken gewesen, dass Minervas Kommentar ihn überraschte.
„Minerva!", rief er und hockte sich vor dem Kamin auf den Boden. „Wäre es nicht wesentlich angenehmer, wenn du herkommen würdest? Ich weiß wie unbequem deine Haltung ist."
„Ich wollte nicht einfach hereinplatzen", gab Minerva zu. „Dann mach mal den Kaminvorleger frei, ich komme."
Sie zog ihren Kopf wieder aus den Flammen, warf eine neue Handvoll Flohpulver und trat diesmal ganz ins Feuer.
Innerhalb von Sekunden tauchte sie in Lupins Küche wieder auf. Höflich half er ihr aus dem Kamin und entfernte ein paar Ascheflocken von ihrer Robe.
„Es ist schön, dich zu sehen, Minerva", sagte er herzlich. „Wie geht es dir?"
„Ehrlich gesagt, fällt mir meine eigene Gesellschaft schwer auf die Nerven", grummelte Minerva, zückte automatisch den Zauberstab und saugte die Asche auf, die sie auf dem Teppich verstreut hatte.
„Das kann ich mir bei dir kaum vorstellen. Was führt dich zu mir?"
„Ich habe mir dein freundliches Angebot gut durch den Kopf gehen lassen, Remus", begann sie und er fiel ihr ins Wort:
„Und du hast beschlossen, es abzulehnen."
„Nein!", sagte Minerva nicht überrascht von seiner falschen Schlussfolgerung. „Ich hatte vor, dich als Postboten zu missbrauchen. Das heißt, falls du es dir nicht anders überlegt hast."
„Mein Angebot steht nach wie vor", bekräftigte Lupin und strahlte Minerva an. „Ich nehme an, dass der besagte Artikel im Tagespropheten etwas mit der deiner Sinneswandlung zu tun hat."
„So in der Richtung", murmelte Minerva. „Du wirst mir – uns also helfen?"
„Natürlich, ich bin froh, dass ich zur Abwechslung etwas für dich tun kann. Ich schulde dir so viel, Minerva!"
Sie nahmen am Küchentisch Platz, dann fragte Minerva:
„Du schuldest mir etwas? Was denn?"
„Ohne Albus und dich hätte ich niemals Hogwarts besuchen können. Und ohne euch beide hätte ich damals auch nicht unterrichten können."
„Das war Albus Entscheidung", erwiderte sie überrascht.
„Wenn du diese Entscheidung nicht mitgetragen hättest, wäre es trotzdem nicht dazu gekommen", erklärte Lupin. „Er hat beide Male erst deine Meinung eingeholt und sich dann erst entschieden. Von daher schulde ich auch dir einiges. Ganz davon abgesehen, dass ich dich wirklich mag." Lupin errötete leicht und Minerva sah ihn lächelnd an.
„Deswegen brauchst du noch lange nicht Rot zu werden wie ein Schuljunge", erwiderte sie freundlich.
„Muss daran liegen, dass ich mal einer war", gab Lupin trocken zurück.
Minerva lächelte, dann wurde sie ernst. „Die Zeiten sind ja wohl lange vorbei, Remus. Du bist nicht mehr mein Schüler, zum Glück. Einen gewissen Teil meiner grauen Haare ist zweifelsfrei dir und den
Rumtreibern geschuldet."
Remus sah sie überrascht an. „Du wusstest..."
„Natürlich. Lehrer bekommen im Allgemeinen immer ein wenig mehr mit, als man meinen würde. Leider nicht immer alles, wie du aus eigener Erfahrung weißt, aber man kann nicht überall zugleich sein."
Einen Moment lang dachte sie an den jungen Remus und seine drei Freunde. Zwei davon, Sirius und James, waren inzwischen tot und Peter, der Dritte im Bunde, hatte sich als Verräter entpuppt.
'So wie Severus, dachte sie. Soviel zu den vielzitierten guten alten Zeiten.'
Sie schüttelte diesen unwillkommenen Gedanken ab und konzentrierte sich auf die Gegenwart.
„Hast du noch etwas Dringendes zu erledigen?", fragte sie.
„Nicht, dass ich wüsste", erwiderte er grimmig. „Die Zeiten sind so miserabel wie eh und je. Werwölfe sind keine gern gesehenen Angestellten."
Minerva nickte, von seinen Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche wusste sie.
„Aber das bedeutet andererseits, dass ich viel Zeit habe um den Orden nützlich zu sein", fuhr er tapfer fort. „Was hast du denn vor?"
„Ich wollte den Fidelius-Zauber auf dich ausweiten", sagte sie gelassener als sie sich fühlte. „Wird dein Flohnetzanschluss überwacht?"
„Ich habe die Befürchtung, aber ich bin mir nicht sicher. Seit Thicknesse übergelaufen ist, weiß im Ministerium keiner mehr, was an der Tagesordnung ist."
„Dann sollten wir apparieren", sagte Minerva. „Hast du eine Appariersperre auf das Haus verhängt?"
„Natürlich, in diesen Zeiten."
Sie erhoben sich, traten nach draußen und sie griff nach Lupins Arm.
„Sollte nicht lange dauern", murmelte sie und innerhalb von Sekunden wurde das schäbige Häuschen von Lupin durch Minervas Zuhause in den Highlands ersetzt.
„Septima weiß nicht, dass wir kommen, oder?"
„Nein, natürlich nicht", erwiderte Minerva. „Sonst könnten wir uns den ganzen Zauber ja sparen."
„Dann solltest du vielleicht alleine vorgehen und ich warte hier im Garten. Nicht dass wir sie bei etwas stören."
„Da hast du sicher nicht ganz Unrecht", stimmte Minerva zu, die ihre Partnerin kannte, und während Lupin es sich auf der Gartenbank gemütlich machte, verschwand sie im Haus.
„Septima?", rief sie leise in das stille Haus hinein. Ein gewaltiges Poltern erklang zur Antwort und eine Sekunde später stürmte Septima mit atemberaubender Geschwindigkeit die Treppe hinunter.
„Minerva? Minerva!" Sie warf sich ihrer Freundin in die Arme und drückte sie fest an sich. „Minerva! Mit dir hätte ich nun wirklich nicht gerechnet!", flüsterte sie und küsste sie innig.
„Ich habe Remus mitgebracht", keuchte Minerva, als sie endlich wieder Luft bekam und löste sich aus Septimas fester Umklammerung.
„Remus? Wo ist er denn?"
„Er wartet im Garten. Ich nehme an, er wollte unser Wiedersehen nicht stören."
„Er weiß Bescheid?", fragte Septima hastig. „Er weiß, dass du mich versteckst und warum?"
„Ja. Ich habe ihm alles erzählt", bestätigte Minerva, ging zur Haustür und rief Lupin herein.
„Hallo Septima", begrüßte er sie. „Schön, dich wieder zu sehen."
„Es ist auch eine angenehme Überraschung, dich zu sehen", erwiderte Septima froh und streckte ihm die Hände entgegen. „Was verschafft mir eigentlich die unerwartete Freude, dass ihr beide bei mir aufkreuzt? Muss sich noch jemand verstecken?"
Neugierig sah sie von einem zum anderen.
„Remus hat angeboten, für uns die Posteule zu spielen. Ich werde ihm Nachrichten schicken und er wird sie an dich weiterleiten und umgekehrt. Wir sollten nur vorsichtig sein mit dem, was wir schreiben", erklärte Minerva.
„Das versteht sich", nickte Septima und sah Lupin forschend an. „Nicht dass ich es nicht zu schätzen wüsste, aber warum tust du das?"
„Minerva vermisst dich", sagte Lupin schlicht. „Und ich schulde ihr genügend, um ihr einen solchen Gefallen tun zu wollen."
„Du hast ihm gesagt, dass du mich vermisst?", fragte Septima überrascht.
„Hat sie", antwortete Lupin an Minervas Stelle. „Außerdem wirkte sie recht unglücklich, seit du weg bist, das konnte ich nicht mehr mit ansehen. Deshalb habe ich ihr angeboten, für euch den Postillon d'Amour zu spielen."
„Den was?", fragte Septima verwirrt.
„Ich habe dir doch gesagt, dass ich ihm alles erzählt habe", erinnerte Minerva und griff nach Septimas Hand.
„Auch das?"
„Auch das", bestätigte Minerva und zwinkerte Lupin zu.
„Jetzt bin ich platt", gab Septima zu. „Was ist mit der Diskretion passiert, die wir zu wahren haben?"
„Offiziell haben wir nichts miteinander zu schaffen. Ich denke, unser kleiner Auftritt war recht erfolgreich. Aber Remus hatte eine ehrliche Antwort verdient", erklärte Minerva.
„Aha", sagte Septima gedehnt, nutzte die Gunst der Stunde und zog Minerva an sich. „Wenn das so ist."
„Wir können nicht lange bleiben", sagte Minerva hastig.
„Aber sicher lange genug, dass ich mir deinen Garten ansehen kann, oder?", fragte Lupin. „Der sieht schön aus, vielleicht kann ich mir das eine oder andere bei dir abschauen."
Er verdrückte sich diskret nach draußen, um den beiden Frauen Gelegenheit zu geben, sich ungestört austauschen zu können.
Minerva nutzte die Chance, um ihre Freundin auf den neuesten Stand zu bringen, fand aber schnell heraus, dass sie – abgesehen von den Ordensinterna - relativ gut informiert war.
„Woher weißt du das alles?", fragte sie sie.
„Aus dem Tagespropheten. Mitunter muss man zwar schwer zwischen den Zeilen lesen, aber es ist doch recht ergiebig, wenn man sonst nichts hört und sieht."
„Du hast den Propheten abonniert? Bist du irre?", fauchte Minerva. „Da kannst du deine neue Adresse ja gleich im Ministerium hinterlegen! So ein Leichtsinn!"
„Nein, natürlich habe ich nicht den Eulenlieferservice benutzt", gab Septima zurück. „Ich bin nach Lochinver appariert und habe ihn mir dort besorgt."
„Du bist einfach dorthin appariert?" Minerva sah aus wie vor den Kopf geschlagen. „Bist du wahnsinnig? Ich mache mir die Mühe und verstecke dich und du spazierst einfach draußen herum! Offenbar hast du die Zeitung nicht halb so aufmerksam gelesen wie du meinst, sonst wüsstest du, dass das Ministerium nach Muggelgeborenen sucht und...""
„... das habe ich gelesen", wurde sie von Septima unterbrochen.
„Und dann rennst du trotzdem einfach draußen herum, wo dich jeder finden kann?"
„Reg dich nicht so furchtbar auf, Minerva", versuchte Septima sie zu beschwichtigen.
„Ich soll mich nicht aufregen? Du bist so leichtsinnig – ach was, dämlich und verlässt das Haus und ich soll mich nicht aufregen!"
„Komm mit!" Septima ergriff Minervas Hand und zog die schimpfende Frau mit sich in die Küche. „Bevor du einen Herzinfarkt bekommst, schau dir das hier an. Was glaubst du, was das ist?"
Septima deutete auf einige Flaschen, die auf der Anrichte standen.
Minerva warf einen flüchtigen Blick auf die Flaschen. „Vielsafttrank?", fragte sie perplex.
„Genau. Als ich meinen Koffer gepackt habe, fiel mir ein, dass ich doch eventuell mal das Haus verlassen müsste und habe mich in Severus Büro bedient. Und eine Haarbürste von ihm hab ich auch gleich geklaut", schob sie hinterher. „Meinen ersten Ausflug habe ich noch als Snape gemacht, zu deinen Nachbarn, wenn man es denn so nennen kann bei dieser Entfernung, und habe mir dort ein paar weitere Haare besorgt, als sie nicht Zuhause waren. Ich verlasse dieses Haus niemals als Septima Vektor, nur als Snape, als kleine unscheinbare Muggelfrau oder als alter Opa. Was sagst du jetzt?"
„Ich sage immer noch, dass du leichtsinnig bist", grummelte Minerva nur halb beschwichtigt. „Ich glaube nämlich nicht, dass es der Weisheit letzter Schluss ist als Severus Snape herumzulaufen, wenn er wegen dem Mord an Albus gesucht wird, beziehungsweise inzwischen einen hohen Status unter den Todessern haben dürfte."
„Minerva, deine Nachbarn sind Muggel. Soweit ich das sagen kann, leben hier überall nur Muggel. Die haben keine Ahnung, wer Snape ist, geschweige denn, was er getan hat und ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich eine Hexe oder ein Zauberer hierher verirrt, wenn du nicht deine Finger im Spiel hast. Außerdem waren deine Nachbarn auch nicht Zuhause, als ich kam", schloss sie ein wenig trotzig.
Minerva sah immer noch ein wenig verärgert aus.
Septima legte ihre Arme um sie und zog sie an sich. „Verstehst du denn nicht, dass ich unbedingt wissen musste was draußen vorgeht? Ich bin hier eingesperrt, ich höre nichts, ich sehe nichts. Du-weißt-schon-wer könnte die ganze Welt erobert haben, Hogwarts könnte in Trümmern liegen und ich würde es hier nicht einmal mitbekommen. Dir könnte etwas passiert sein und ich würde es nicht wissen."
„Eingesperrt!", wiederholte Minerva entsetzt. „Ich will dich doch nicht einsperren!"
„Ich weiß, dass du das nicht willst, aber Fakt ist, dass ich hier mutterseelenallein bin und das Haus nicht verlassen kann", sagte Septima langsam. „Ich verstehe warum, aber das macht es auch nicht leichter für mich. Ich bin froh, dass Remus uns helfen will. So bekomme ich zumindest gelegentlich Nachricht von dir und weiß, dass es dir gut geht."
Sie drückte Minerva an sich und küsste sie liebevoll. „Vermissen werde ich dich allerdings trotzdem", sagte sie dann. „Das Haus ist ohne dich nicht besonders gemütlich, weißt du. Ich wünschte, du könntest ein paar Tage hier bleiben."
„Ich sehe nichts, was dagegen spräche", erklang Lupins Stimme aus dem Flur. „Entschuldigt, ich wollte nicht lauschen, aber ich habe den letzten Satz noch gehört. Minerva, warum bleibst du nicht einfach ein paar Tage hier? Es sind immer noch Ferien. Niemand erwartet von dir, dass du die Zeit bis zum Schulanfang in Hogwarts herumhockst. Es sind keine Schüler da und ich bin mir sicher, dass die Schule ein paar Tage auf dich verzichten kann."
„Ich weiß nicht", sagte Minerva zögernd, „was ist, wenn mich jemand sucht?"
„Wer sollte dich suchen?", fragte Lupin. „In der Schule liegt doch wohl nichts Dringendes an, der Orden ist im Moment gut versorgt, zumal im Fuchsbau im Moment alles Kopf steht wegen der Hochzeit von Bill und Fleur und Molly alles zum Putzen und Geschenke sortieren einteilt, was nicht bei drei aus der Tür ist. Du hast das Haus mit allen erdenklichen Schutzzaubern versehen, der Fidelius-Zauber schützt euch beide. Ich wüsste nicht, was schief gehen sollte."
„Ach bitte, Minerva. Nur zwei oder drei Tage! Es wäre so schön, wenn ich etwas Zeit mit dir verbringen könnte", bat Septima und sah, dass Minervas Widerstand zu erlahmen drohte.
„Meint ihr wirklich, es wäre ungefährlich?", fragte sie noch immer zögernd.
„Das denke ich", erwiderte Lupin fest. „Und falls irgendetwas passieren sollte, dann weiß ich ja wo ich dich finden kann."
„Na schön", seufzte Minerva. „Wenn ich behaupten würde, dass mir ein kurzer Urlaub nicht gut tun würde, müsste ich lügen."
„Du bleibst also?", vergewisserte sich Septima.
„Für ein paar Tage. Und du informierst mich, falls sich etwas ereignet?", wandte sie sich dann an Lupin.
„Aber natürlich. Falls mich jemand fragt wo du bist, sage ich, dass du Urlaub machst. Nach all dem, was passiert ist, sollte dafür jeder Verständnis haben. Ich wünsche euch viel Spaß!", fügte er augenzwinkernd an und wandte sich zum Gehen.
Septima schoss vor und umarmte ihn herzlich.
„Danke dir, Remus", flüsterte sie ihm ins Ohr, „du bist wirklich ein Schatz!"
Sie küsste ihn auf die Wange und bemerkte amüsiert, dass er verlegen errötete.
Minerva verabschiedete sich etwas würdevoller von ihm, drückte herzlich seine Hände, dankte ihm ebenfalls für seine Mühe und wünschte ihm eine gute Heimreise.
