Kapitel 31 Sehnsüchte

Kurze Zeit nach diesem Debakel hatte Dumbledores Armee ein weiteres Mal einen Auftritt.

Ein Erstklässler hatte sich irgendetwas zuschulden kommen lassen, Minerva war sich noch immer nicht sicher, was er getan hatte, war aber davon überzeugt, dass es in keinem Verhältnis zur Strafe stand.

Sie war überhaupt der Meinung, dass die Carrows viel zu viel Vergnügen daran hatten, ihre Schüler zu bestrafen und sie argwöhnte, dass sie mitunter Vorwände erfanden, um die Kinder zu quälen, einerseits, weil sie Vergnügen daran hatten, Schwächeren Schmerzen zuzufügen und sich mächtig zu fühlen, andererseits einfach, weil sie es konnten.

Amycus hatte beschlossen, an dem Jungen ein Exempel zu statuieren und den Kleinen über Nacht im Kerker angekettet. Das war den Mitgliedern von Dumbledores Armee natürlich ein Dorn im Auge und so wurde kurzerhand eine Rettungsaktion geplant.

Einige Schüler sollten Professor Carrow ablenken, während Michael Corner in den Kerker schleichen und den Jungen befreien wollte. Es war bloß Pech, dass Carrow sich nicht so effektiv ablenken ließ wie sie es gehofft hatten und er aus den Augenwinkeln sah, wie Michael in den Kerkern verschwand.

Das Ende der Geschichte war, dass Michael von Carrow ausgiebigst mit dem Cruciatus-Fluch bedacht wurde und der kleine Erstklässler nun doch die Nacht in Ketten im dunklen Kerker verbringen musste.

Minerva schäumte vor Wut, als sie von dieser Geschichte hörte und eilte zu Snape, um ihn zur Rede zu stellen, stieß aber wie erwartet auf harten Widerstand.

Snape war nicht bereit, auch nur einen Millimeter von seiner Position abzurücken und noch weniger war er dazu bereit, ein ernstes Wort mit den Carrows zu reden.

„Wenn Ihnen die Entwicklungen an dieser Schule nicht zusagen, steht es Ihnen jederzeit frei, zu kündigen", erklärte er gelangweilt, wohl wissend, dass Minerva nicht kündigen würde, solange ihre Schüler sie brauchten.

„Im Übrigen sind die Schüler es selbst schuld, wenn Sie bestraft werden. Wer sich ordentlich beträgt, muss keine Strafe fürchten, das sollten gerade Sie inzwischen wissen." Er warf Minerva einen kalten Blick zu. „Immerhin haben Sie mir während meiner Schulzeit oft genug Strafarbeiten verpasst."

„Ich habe Sie aber niemals über Nacht im dunklen Kerker angekettet!", widersprach Minerva hitzig und sah ihn verärgert an. „Zum Glück, vermutlich hätte Ihnen das auch noch gefallen!", schoss sie eine weitere Spitze in seine Richtung, die er geflissentlich ignorierte.

Sie sah ihn an und plötzlich dämmerte Begreifen auf ihrem Gesicht.

„Deshalb tun Sie das, nicht wahr? Um sich für die Strafarbeiten zu rächen, die Sie damals bekommen haben und gegen die Sie sich nicht wehren konnten! Ich weiß ja inzwischen, dass James, Sirius und Remus Sie häufig provoziert haben und Sie die Strafarbeiten im Grunde nicht verdient hatten, aber müssen das jetzt wirklich unsere Schüler ausbaden, Severus? Sie sind kein kleiner Junge mehr, Sie tragen Verantwortung und ich finde es nicht fair, wenn Sie andere für das Unrecht büßen lassen, das Ihnen einmal angetan wurde."

Sie sah ihn aufmerksam an.
„Sie haben es doch nicht nötig, Ihre Macht zu demonstrieren, in dem Sie sich an hilflosen Schülern vergreifen oder zumindest zulassen, dass andere es tun. Denken Sie darüber nach, Severus."

Sie warf ihm einen letzten aufmerksamen Blick zu und ging.

Snape lehnte sich in seinem Stuhl zurück, warf den Kopf in den Nacken und stöhnte.

„Ich hoffe, du hast das gehört, Albus! So weit ist es schon gekommen, dass Minerva versucht, mich tiefenpsychologisch zu analysieren und dem armen misshandelten Kind in mir zu helfen. Das ist wirklich alles nicht mehr wahr, oder?"

Albus lehnte in seinem Rahmen, warf Severus einen amüsierten Blick zu und lachte leise in sich hinein.

„Und du lachst!", beschwerte sich Snape. „Heute oder morgen macht sie noch einen Termin bei einem dieser Muggel-Psychologen für mich und damit wäre mein Ruf dann endgültig hinüber. Du glaubst ja wohl nicht, dass sie die Mär vom armen Severus, der sich für seine verkorkste Kindheit rächen will, nicht irgendwo ausplaudert, oder?"

„Sieh es mal so, Severus", sagte Dumbledore, noch immer schmunzelnd, „immerhin bist du in ihren Augen wieder aufgestiegen. Für sie bist du nicht mehr unbedingt ein kaltblütiger Mörder und Verräter, sondern eine arme fehlgeleitete Seele, für die es vielleicht noch Hoffnung gibt. Das dürfte dir das Leben mit Minerva doch um einiges erleichtern, meinst du nicht?"

„Nicht, wenn sie mir jetzt dauernd mit der Psycho-Schiene kommt. Dann brauche ich früher oder später wirklich einen Seelenklempner."

Er warf Dumbledore einen bösen Blick zu, der noch immer heiter in seinem Rahmen lehnte und unerhörten Spaß an dieser neuen Entwicklung hatte.

„Albus, wenn du nicht aufhörst, mich auszulachen, hänge ich dein Bild zu! Ich meine es ernst!"

„Schon gut, mein Lieber, schon gut. Aber lass die Carrows bloß nicht deinen weichen Kern sehen", feixte Dumbledore ein letztes Mal und verschwand, noch immer vor sich hin grinsend aus seinem Bild.

Im Gryffindorturm, als sie sich um Michael Corner kümmerte und sie Neville in Hörweite wusste , überlegte Minerva laut, dass Dumbledores Armee in Zukunft vielleicht besser darauf verzichtete, Snape zu provozieren:

„Immerhin ist es ärgerlich für einen Schulleiter, wenn eine Bande Schüler unter seiner Nase Unfug treibt, ohne erwischt zu werden. Kein Wunder, dass Professor Snape in Moment ein wenig ungeduldig und übellaunig ist. Ich möchte nicht wissen, was er mit denjenigen von der DA macht, die er letztendlich erwischt."

Sie warf einen bezeichnenden Blick in Nevilles Richtung und hoffte, dass er sie verstanden hatte.

Anscheinend hatte er, denn seitdem erschienen keine Schmierereien mehr an den Wänden.

Minerva hingegen dachte häufig über Snape und seine unerwartete Milde nach, und über ihre Vermutung, warum er sich so benahm, wie er es nun tat. Sie wünschte sich, darüber mit jemandem sprechen zu können, bevorzugt natürlich mit Septima. Merlin, wie sie sie vermisste!

Während Minerva sich in Hogwarts mit allerlei Problemen herumschlug, saß Septima noch immer in ihrem Häuschen in den Highlands fest.

Seit sie PotterWatch entdeckt hatte, fühlte sie sich nicht mehr ganz so von der Welt abgeschnitten, aber dennoch fühlte sie sich einsam und gefangen.

So langsam fiel ihr wirklich die Decke auf den Kopf. Sie langweilte sich furchtbar und sie vermisste ihr Leben.

Was gäbe sie nicht darum, jetzt zu unterrichten, dachte sie verdrossen. Sie wäre sogar bereit gewesen, mit Hagrid zu seine Riesenspinnen zu gehen, wenn sie nur aus ihrem Gefängnis heraus gekonnt hätte.

Vor lauter Langeweile hatte sie sich ein Buch mit Zaubersprüchen aus Minervas Bibliothek geholt und damit begonnen, Haushaltszauber zu lernen.

Inzwischen schaffte sie es sogar, einen Berg Wäsche mittels eines einfachen Zauberspruchs ordentlich gefaltet in die Schränke zu bugsieren.

Sie hatte gelernt, magisch zu stricken, zu putzen und zu waschen und sogar einige hilfreiche Zaubersprüche zum Kochen ausprobiert.

So langsam hatte sie das Gefühl, in Puncto Haushaltszaubern sogar Molly Weasley zu übertreffen.

„Minerva dürfte davon recht angetan sein", sagte sie zu sich. „Immerhin bekommt sie in mir eine perfekte Hausfrau, wenn ich zurückkomme."

Minerva! Sie vermisste sie so sehr! Manchmal hatte sie das Gefühl, soviel Sehnsucht nicht mehr ertragen zu können. Und bald kam Weihnachten und sie würde es ohne Minerva verbringen müssen.

Manchmal befürchtete sie, dass der Krieg ewig dauern würde und sie Minerva nie wieder sehen oder in den Armen halten würde.

Minerva hörte ein Geräusch in der Dunkelheit ihres Zimmers. Sie öffnete die Augen und sah in Septimas lächelndes Gesicht im mondlichtdurchfluteten Raum. Sie sah das schelmische Funkeln in Septimas rauchgrauen Augen, die in der fahlen Beleuchtung kohlschwarz wirkten, bevor sich Septimas Mund auf ihren senkte. Septimas Hände umfassten liebevoll ihr Gesicht, wanderten durch ihr Haar und über ihren Hals. Minerva fühlte, wie ihre Geliebte das Band am Halsausschnitt ihres Nachthemdes löste, ihre Hand unter den dünnen Stoff schob und Minervas Brust umfasste. Sie knetete sie leicht, kreiste mit dem Daumen über die empfindliche aufgerichtete Spitze und wanderte dann zu der anderen Brust, um ihr die gleiche Behandlung zuteil werden zu lassen, ohne ihren Kuss auch nur einmal zu unterbrechen. Minerva reckte sich ihren Liebkosungen entgegen und spürte, wie sich Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen sammelte. Septimas freie Hand folgte den Umrissen von Minervas Körper, glitt der Schwung ihrer Hüfte entlang, über ihren Schenkel und fand den Saum des Nachthemdes. Sie raffte den Stoff und schob ihn langsam nach oben. Septima unterbrach den Kuss, ihre rechte Hand verließ Minervas Brüste und mit beiden Händen schob sie energisch das Nachthemd nach oben, bis Minerva von der Taille an nackt vor ihr lag. Mit einer Hand strich sie sanft über Minervas Bauch und weiter nach unten zwischen ihre Beine, bis sie die willkommene feuchte Hitze spürte. Mit kundigen Fingern streichelte sie Minerva, die sich ihr bereitwillig öffnete. Sie sah Minerva tief in die Augen und drang mit zwei Fingern in sie ein, was Minerva mit einem lautem Keuchen beantwortete. Langsam bewegte sie sich in ihr und Minerva spürte, wie sie noch nasser wurde. Als Septima ihre Finger dann aus ihr zurückzog, empfand Minerva es wie einen körperlichen Verlust. Sie sah fragend zu Septima, die ihr mit einem unbeschreiblichen Gesichtsausdruck in die Augen sah und sich langsam die Finger in den Mund steckte, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen.

„Mm, süß", bemerkte sie und hielt Minerva weiterhin in ihrem Blick gefangen.

„Spreiz die Beine für mich, ich will dich ansehen", war ihre nächste Anweisung.

Bebend vor Verlangen gehorchte Minerva, unfähig, den Blick von Septimas Gesicht abzuwenden, die sie mit unverhüllter Lust betrachtete.

„Ich könnte dir jetzt in allen Einzelheiten ausmalen, was ich mit dir tun werde", sagte Septima langsam, während ihre Augen über Minervas Körper wanderten, „aber ich werde es dir lieber zeigen."

Ohne weitere Umwege vergrub sie ihren Kopf zwischen Minervas Beinen. Minerva keuchte laut auf, als sie Septimas Zunge spürte.

Minerva erwachte. Ihr Herz klopfte und sie spürte ein antwortendes Pulsieren zwischen ihren Beinen. Ihre Hände glitten über ihren Körper, der sich nach Berührungen sehnte, glitten über ihre Brüste, ihren Bauch und zu ihren tieferen Regionen. Sie zerrte ihr Nachthemd hoch und führte ihre Hand zu der Stelle, an der sie am dringendsten Erleichterung brauchte. Während sie sich selbst streichelte, schloss sie die Augen und stellte sich vor, dass es Septimas Hände wären, die ihren Körper auf so angenehme Weise verwöhnten. Schließlich kam sie mit einem heiseren Aufstöhnen zum Höhepunkt.

Anschließend lag sie still in ihrem Bett und lauschte auf das langsam nachlassende Pochen ihres Herzens. Sie drehte sich auf die Seite, zog die Decke bis über ihre Ohren und rollte sich zu einer Kugel zusammen, das Kopfkissen mit beiden Armen fest an die Brust gepresst. Sie fühlte sich so allein wie nie zuvor. Eine einzelne Träne rollte ihre Wange hinunter.

Wäre Septima doch nun bei ihr, um sie zu halten, könnte sie doch nur in ihren Armen liegen!

Erst Stunden später schlief sie wieder ein.

Als sie dann zu ihrer üblichen Zeit wieder aufwachte, fühlte sie sich wie gerädert und hatte nicht die geringste Lust, aufzustehen und sich den Anforderungen des Tages zu stellen. Am liebsten wäre sie in ihrem sicheren Bett liegengeblieben, die Decke weit über den Kopf gezogen. Wenn sie so in ihre Decke gekuschelt lag und die Augen geschlossen hielt, konnte sie sich beinahe vormachen, dass Septima bei ihr war und sie nur die Hand ausstrecken musste, um sie zu berühren.

Sie meinte fast, Septimas Atem neben sich zu hören und stellte sich vor, wie sich neben ihr regen würde. Sie würde sich aufsetzen, Minerva liebevoll anlächeln und ihr einen Kuss geben. Vielleicht würde es nicht bei diesem Kuss allein bleiben. Vielleicht würde Septima sie halten und streicheln, sie langsam lieben, bis sie körperlich ebenso eins waren wie seelisch.

Minerva schauderte wohlig, als sie sich – wieder einmal – vorstellte, was Septimas geschickte Hände alles mit ihr anstellen konnten und gleich darauf schalt sie sich selbst.

Erotische Träume waren eine Sache, aber morgens im Bett herumliegen und erotischen Vorstellungen nachzuhängen, während sie eigentlich zum Frühstück gehen sollte, eine ganz andere.

'Du führst dich auf wie ein hormongeplagter Teenager', schimpfte sie mit sich.

'Früher bist du doch nicht so gewesen!'
Doch sie wusste, woran es lag. Früher hatte sie Septima nicht gehabt.

Septima, die mit einem einzigem Blick loderndes Begehren in ihr auslösen konnte, um es danach so wundervoll zu stillen, die in ihr eine erotische Leidenschaft geweckt hatte, von der sie gar nicht wusste, dass sie sie besaß. Septima, die genau zu wissen schien, was sie gerade am meisten brauchte, bei der sie sich fallen lassen konnte und sich geborgen wusste.

Septima, die ihr fehlte, wie sie es nie für möglich gehalten hatte.

Aufseufzend warf Minerva die Bettdecke zurück und schwang die Beine aus dem Bett.

Wenn sie Septima jemals wieder bei sich haben wollte, machte sie besser, dass sie aus ihrem Schlafzimmer kam und sich darum kümmerte, dass dieser Krieg ein endlich Ende fand.

Septima hingegen hatte den Luxus, in ihrem Bett liegenbleiben zu können, die Decke über die Ohren gezogen und die Augen hartnäckig geschlossen. Sie wollte das triste graue Novemberwetter gar nicht sehen, sie wollte gar nicht sehen, wo sie war und vor allem, wollte sie gar nicht sehen, dass sie allein in ihrem Bett lag. Oder vielmehr in Minervas Bett.

Inzwischen war sie mit ihren Habseligkeiten in Minervas Schlafzimmer umgezogen. Aus irgendeinem Grund fühlte sich Minervas Bett wärmer an als ihr eigenes und außerdem hatte sie das Gefühl, Minerva auf diese Weise näher zu sein.

Nur irgendwie funktionierte es an diesem Morgen nicht wie gewohnt. Widerstrebend setzte Septima sich auf, schob das Kopfkissen zwischen ihren Rücken und das Kopfteil des Bettes und strich sich das zerzauste Haar aus dem Gesicht. Sie angelte nach dem Zauberstab auf dem Nachttisch und ließ ein schmales, in Leder gebundenes Buch, eine Feder und ein Tintenfass erscheinen, die gehorsam vor ihr in der Luft schwebten.

Septima schlug das Buch auf, griff nach der Feder und begann zu schreiben.

Meine liebste Minerva!
Wieder ein Morgen ohne Dich. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie furchtbar es ist, aufzuwachen und Dich nicht neben mir zu spüren.

Oder vielleicht kannst Du es Dir vorstellen, ich hoffe nämlich, dass ich Dir genauso sehr fehle.

Ich vermisse Dich so unsagbar! Ich vermisse es, Dich bei mir zu haben, Dir zuzuhören und ich vermisse es sogar, Dir beim Arbeiten zuzusehen. Im Moment würde ich so einiges dafür geben, Dich nur in Deinem Arbeitszimmer sitzen zu sehen während Du Hausarbeiten korrigierst.

Letzte Nacht habe ich wieder von Dir geträumt. Ich habe Dich gehalten und ganz fest an mich gedrückt, um Dich nie wieder loszulassen und Dir gesagt, wie sehr ich Dich liebe. Ich brauche Dich wie die Luft zum Atmen und wenn ich bei Dir bin, fühle ich mich geborgen und sicher, wie bei niemandem sonst.

Ein zahmer Traum diesmal, nicht so erotisch wie der von letzter Woche, weißt Du noch?

Ich stelle mir jetzt vor, wie Du allein bei dem Gedanken daran rot wirst! Und ich frage mich, ob Du auch von mir träumst? Und wenn ja, was?

Ich wünschte nur, ich könnte alle diese Briefe an Dich schicken, damit Du weißt, dass ich in Gedanken immer bei Dir bin, Dich immer noch mehr liebe als mein Leben und mich mit tödlicher Intensität nach Dir sehne."

Septima ließ die Feder sinken und starrte mit gerunzelter Stirn auf das Geschriebene. Sie wünschte, sie hätte eine Möglichkeit, diese Briefe an Minerva zu schicken und vielleicht – oh vielleicht! - einen Brief von ihr bekommen, um ihre Gedanken zu teilen und das Gefühl zu haben, ihr nahe zu sein.

Sie griff wieder nach ihrer Feder und setzte ihren Brief fort:

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Dir oft und deutlich genug gesagt habe, wie viel Du mir bedeutest. Sollte es mit diesem Krieg tatsächlich zum Schlimmsten kommen und Sie mich finden, dann hoffe ich, dass Du dieses Büchlein findest und zumindest lesen kannst, was Du und nur Du allein für mich bist.

Ich kann förmlich sehen, wie Du jetzt die Stirn runzelst und ich weiß genau, welch einen bestürzten Ausdruck Du in Deinem schönen Gesicht hast. Ich hoffe natürlich, dass alles gut wird und ich Dir selbst sagen kann, was ich für Dich fühle. Es beruhigt mich nur, es niederzuschreiben, damit meine Liebe für Dich nicht verloren geht. Sie können mir alles antun, was Ihnen in den Sinn kommt, aber Sie können meine Liebe zu Dir nicht aus mir heraus foltern."

Wieder hielt Septima inne und las den letzten Absatz noch einmal, bevor sie nickte und weiterschrieb:

Niemand kann Dich wunderschönes Wesen aus meinen Gedanken und meinem Herzen vertreiben, ich bezweifle sogar, dass ein Vergessenszauber das bewirken könnte.

Ich hoffe, dass ich Dich bald wieder in meinen Armen halten und Dir all dies persönlich sagen kann.

Bis dahin fühle Dich von mir geliebt!

Immer die Deine,

Septima"

Sorgfältig schloss sie das Buch und ließ Feder und Tinte verschwinden. Sanft strich sie über den Einband und dachte daran, was in Minerva vorgehen mochte, sollte sie jemals lesen, was Septima ihr geschrieben hatte.

Inzwischen hatte sie das Buch beinahe vollständig vollgeschrieben, es wurde Zeit, es entweder magisch zu erweitern oder ein zweites zu beginnen.

Septima dachte einen Moment darüber nach, dann tippte sie ihr Briefebuch behutsam mit dem Zauberstab an und verdoppelte die Seitenzahl.

Es würde sicher nicht reichen, dachte sie und lächelte. Wenn sie weiterhin täglich an Minerva schrieb, würde sie bald einen dicken Folianten in den Händen halten.

Aber, so sah Minerva, dass sie wirklich jeden Tag an sie gedacht hatte, dass sie zu jeder Sekunde in ihrem Kopf und in ihrer Seele präsent gewesen war.

Septima hoffte, dass sie Minerva dieses Buch eines Tages persönlich in die Hand drücken konnte und dass nicht irgendjemand ihr dieses Buch geben musste, weil sie tot oder verschwunden war.

Septima war sich bewusst, dass es Minerva in diesem Fall das Herz brechen musste.

Weihnachten war herangenaht und Septima fühlte sich eingesperrter denn je zuvor. Dicke Schneewehen bedeckten das Cottage bis beinahe an die Fenster und es schien gar nicht mehr richtig hell zu werden. Sie erinnerte sich, wie gemütlich sie den Schnee im letzten Jahr gefunden hatte, als sie mit Minerva zusammen hier gewesen war, an die wundervollen Stunden, die sie beide zusammen vor dem Feuer oder im Bett verbracht hatten und die Sehnsucht nach Minerva packte sie unvermittelt und schmerzhafter als zuvor.

Es musste doch eine Möglichkeit geben, Minerva nach all diesen Monaten wiederzusehen, es musste einfach etwas geben!

Septima begann, unruhig im Zimmer auf und ab zu wandern, während ihre Gedanken fieberhaft arbeiteten.

Schließlich reifte ein geradezu wahnwitziger Plan in ihr heran und sie ließ sich auf den nächsten Stuhl sinken und dachte angestrengt darüber nach.

Sie drehte und wendete alle Einzelheiten genau hin und her, prüfte alle Möglichkeiten und schließlich traf sie ihre Entscheidung.

Sie hatte eine Möglichkeit gefunden und sie würde sie nutzen, um Minerva zu sehen. Sicher, ihr Plan war gefährlich, doch sie war bereit, das Risiko auf sich zu nehmen.

Sie traf ihre Vorbereitungen und das erste frohe Lächeln seit langer Zeit stahl sich auf ihr Gesicht.

Sie würde Minerva sehen!

Minerva ahnte zu ihrem Glück nichts von Septimas haarsträubendem Plan, ansonsten hätte sie keine ruhige Minute mehr gehabt. Ruhige Minuten waren für in der letzten Zeit ohnehin Mangelware, irgendwie schien sie sich immer um irgend etwas oder irgend jemand kümmern zu müssen. Sie musste Schüler trösten und beruhigen, wenn ihre Angehörigen von einem Tag auf den anderen verschwanden, sie musste ihre Kollegen beruhigen, wenn ihr Zorn über die herrschenden Verhältnisse alles zu sprengen drohte, sie musste Poppy trösten, wenn ihr das Elend im Krankenflügel über den Kopf wuchs und sie musste immer wieder Snape die Stirn bieten, um ihren Schülern das letzte bisschen Luft zum Atmen zu erkämpfen. Dazu kamen noch die Geschicke des Phönixordens, die sie leiten musste, ihre konstante Sorge um Septima, ihre Angst, ihren Namen nicht mehr auf der Fahndungsliste zu finden, weil man sie gefunden und verschleppt hatte. Sie sorgte sich um ihre Schüler, um einige mehr als um andere, sie machte sich Sorgen darüber, ob sie unter diesen Umständen ihre Stelle behalten würde und was aus der Schule würde, falls das nicht der Fall sein sollte, und irgendwo, ganz nach hinten verdrängt, sorgte sie sich manchmal auch um ihre eigene Sicherheit.

Sorge war, so schien es ihr, inzwischen ihr zweiter Vorname.