Ja, es geht tatsächlich voran... Aber ein paar kleine Kapitelchen habe ich schon noch für Euch, auch wenn das Ende inzwischen absehbar ist.

Wie immer alles alleinig auf meinen Mist gewachsen, wer einen Fehler findet, darf ihn rot anstreichen, freudig umtanzen und postwendend in die Plotbunny-Hölle schicken...

Viel Spaß!


Kapitel 34 Es geht voran!

Weiterhin schienen Schüler zu verschwinden, meist Schüler, die Minerva direkt oder indirekt mit Dumbledores Armee in Zusammenhang brachte. Ihr einziges Indiz dafür, dass die DA dahinter steckte und nicht die Todesser war Nevilles Verschwinden, kurz nachdem Augusta Longbottom Dawlish hospitalreif gehext hatte. Den einen Abend hatte sie ihn noch im Gryffindor-Turm gesehen und am nächsten Morgen war er fort, während die Carrows hektisch nach ihm suchten und die Schüler noch mehr herum schubsten als üblich.

Als nächstes verschwand Seamus Finnegan, dann Michael Corner. Eines Morgens fehlte jede Spur von Lavender Brown und den Tag darauf waren die Patil-Zwillinge verschwunden. Terry Boot, Ernie Macmillan und Anthony Goldstein waren weitere Schüler, die auf Nimmerwiedersehen verschwanden und die Carrows noch übellauniger zurückließen. Minerva vermutete, die Schüler könnten sich in den Untergrund zurückgezogen haben, bevor die Carrows ihnen auf die Schliche kamen und einkerkerten und hatte auch die eine oder andere Theorie, wo sie sich vielleicht verstecken könnten, ohne diese Theorie mit jemandem zu erörtern.

Es war einfach zu gefährlich, jemandem zu vertrauen. Nicht, weil ihre Kollegen – oder zumindest diejenigen ihrer Kollegen, denen die Schüler ebenso am Herzen lagen wie ihr selbst – sie verraten hätten, aber Minerva konnte sich des Gedankens nicht erwehren, dass Snapes Fähigkeiten in Legilimentik die Sicherheit dieser untergetauchten Schüler gefährden mochte. Sie selbst hatten von Dumbledore genügend über Okklumentik gelernt, um ihren Geist effektiv vor Snape verschließen zu können, bei ihren Kollegen war sie sich da nicht so sicher.

Nach all den schlechten Neuigkeiten der letzten Monate konnte Minerva endlich mal wieder gute Nachrichten vertragen.

Umso mehr freute sie sich, als Lupin ihr die Nachricht zukommen ließ, dass er Vater geworden war. Der kleine Teddy Remus Lupin schien ganz nach seiner Mutter zu schlagen und beherrschte das Wechseln seiner Haarfarbe schon kurz nach seiner Geburt.

Minerva schickte eine Botschaft zurück, in der sie den frischgebackenen Eltern gratulierte und der Hoffnung Ausdruck gab, dass sich ihr Sohn bald besseren Zeiten gegenübersah.

Wieder einmal ließ sich Potterwatch darüber aus, wie wichtig es sei, Widerstand zu leisten, selbst wenn es sich dabei um passiven Widerstand handelte. Septima alias Dragon forderte ihre Hörer auf, auch weiterhin an Harry zu glauben und ihn nach Kräften zu unterstützen, so bald sich ihnen eine Gelegenheit dazu bot.

Sie beendete ihren Beitrag mit ihrem üblichen Gruß an Minerva:
„Liebste Löwin, du hörst, dass es mir gut geht. Ich freue mich darauf, dich wieder zu sehen und ich liebe dich!"

Ein kleines Lächeln kroch über Minervas Gesicht. Es tat so gut zu wissen, dass Septima immer noch in Sicherheit war und sie nicht vergessen hatte. Es tat ihr gut, zu hören, dass Septima sie trotz der erzwungenen Distanz noch immer liebte und sie anscheinend ebenso vermisste wie sie sie vermisste. Für einen Moment gab es ihr das Gefühl, Septima so nah zu sein wie seit Monaten nicht mehr und die Bürde ihrer Einsamkeit fühlte sich ein wenig leichter an.

Und dann hörte sie im Radio einen Bericht darüber, dass jemand – sie dachte sofort an Harry und seine beiden Freunde – in Gringotts eingebrochen war, speziell in das Verlies von Bellatrix Lestrange und bei Entdeckung auf einem Drachen getürmt war.

Ein solches Kavalierstück roch geradezu nach ihrem Gryffindor-Trio, dachte Minerva wieder einmal und in ihr mischten sich Stolz und Sorge. Sie fragte sich, was die drei in Lestranges Verlies gesucht haben mochten und ob sie es wohl gefunden hatten. Es musste immens wichtig sein, wenn die drei ein solches Risiko dafür auf sich nahmen, aber Minerva konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, worum es sich dabei gehandelt haben mochte.
'Sicherlich hat es etwas mit der ominösen Queste zu tun, auf die Albus Potter geschickt hat', dachte sie. 'Ich hoffe, er hat gefunden, was er gesucht hat, denn nun werden sich alle Todesser an seine Fersen heften. Und auf einem Drachen zu entkommen ist nicht gerade unauffällig!'

Wieder einmal stieg Wut über Albus ständige Geheimniskrämerei in ihr auf, er hätte dem Jungen nicht die alleinige Verantwortung für was auch immer überlassen sollen, nicht, wenn der ganze Orden ihm hätte helfen können.

„Sein Vertrauen in den Jungen in allen Ehren", sagte sie zu der leeren Luft in ihrem Zimmer, „aber ein wenig Hilfe würde Potter das Leben gewiss leichter machen und den Krieg ein wenig schneller beenden!"

Sie machte sich bereit, ins Bett zu gehen, als ein ungeheurer Radau aus Richtung der Ravenclaws an ihr Ohr drang. Minerva warf sich ihren schottischkarierten Morgenmantel über und verließ ihre Räume.

Amycus schien es darauf anzulegen, das halbe zu Schloss zu wecken, immerhin trommelte er mit beiden Fäusten laut an die Tür des Ravenclaw-Gemeinschaftsraumes und schrie aus vollem Hals nach seiner Schwester.

Minerva hob die Augenbrauen ob dieses würdelosen Benehmens und beschloss, nach dem Rechten zu sehen.

„Darf ich fragen, was Sie da tun, Professor Carrow?", fragte sie trocken und genoss es, dass der widerliche kleine Mann leicht zusammenzuckte.

„Ich versuche – durch diese – verdammte Tür – zu kommen", brüllte er als Antwort. „Gehen Sie und holen Sie Flitwick! Holen Sie ihn, damit er sie öffnet, sofort!"
Minerva sah ihn befremdet an.

„Aber ist nicht Ihre Schwester dort drin? Hat Professor Flitwick sie nicht auf Ihre dringende Bitte hin eingelassen, heute früher am Abend? Vielleicht kann sie Ihnen die Tür öffnen? Dann müssten Sie nicht das halbe Schloss aufwecken."

„Die antwortet ja nicht, Sie alter Besen!", ranzte Amycus zurück. „Machen Sie doch auf! Ba los! Tun Sie's und zwar sofort!"
„Gewiss, wenn Sie es wünschen", erwiderte Minerva mit schneidender Kälte und betätigte den Türklopfer, der auch gleich seine Frage stellte:
„Wo gehen verschwundene Gegenstände hin?"
„Ins Nicht-Sein, das heißt in alles", erwiderte Minerva und warf Amycus einen spöttischen Blick zu.

„Hübsch gesagt", erwiderte der Türklopfer und die Tür schwang auf.

Minerva sah die flüchtenden Ravenclaws und die offensichtlich geschockte Alecto Carrow am Boden liegen, während Amycus einen fürchterlichen Aufstand probte und über die Schüler, seine Schwester und den dunklen Lord lamentierte:

„...Und die haben sie jetzt auch noch umgebracht!"

„Sie steht lediglich unter einem Schockzauber", erwiderte Minerva ungeduldig, nachdem sie ihre erste Diagnose verifiziert hatte. Sie richtete sich wieder auf und bemerkte: „Sie wird bald wieder bei bester Gesundheit sein."

„Nein, zum Henker noch mal, wird sie nicht! Nicht, wenn der Dunkle Lord sie zu fassen kriegt! Sie hat doch nach ihm gerufen, ich hab gespürt, wie mein Mal gebrannt hat, und er glaubt, dass wir Potter haben!", zeterte Amycus.

„'Potter haben?", wiederholte Minerva scharf und ein flaues Gefühl bildete sich in ihrem Magen. „Was soll das heißen, 'Potter haben'?"

„Er hat uns gesagt, dass Potter vielleicht versucht, in den Ravenclaw-Turm reinzukommen, und dass wir ihn rufen sollen, wenn wir ihn gefasst haben!"

Minerva verstand die Welt nicht mehr.

„Warum sollte Potter versuchen, in den Ravenclaw-Turm hineinzukommen?", versuchte Minerva energisch, das Rätsel zu lösen. „Potter gehört in mein Haus", fügte sie hinzu und konnte nicht verhindern, dass in ihrer Stimme leiser Stolz mitschwang.

Mit ihren scharfen Augen suchte sie den Raum ab, in der Hoffnung, eine Spur von Harry zu entdecken, während Amycus an ihrer Seite weiter über den Dunklen Lord brabbelte und feige Pläne schmiedete, um seinen und den Hals seiner Schwester aus der Schlinge zu ziehen und den Schülern die Schuld zuschieben wollte.

„Paar Kinder mehr oder weniger, was macht das schon für'n Unterschied?",

schloss er verschlagen.

„Nur den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge, Mut und Feigheit", erwiderte Minerva wütend und spürte, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich.

„Kurz, einen Unterschied, den Sie und Ihre Schwester offenbar nicht zu schätzen wissen", fuhr sie fort. „Aber lassen sie mich eines absolut klarstellen. Sie werden Ihre vielen Unzulänglichkeiten nicht den Schülern von Hogwarts in die Schuhe schieben. Das werde ich nicht zulassen", erklärte sie entschieden.

„Wie bitte?", fragte Amycus erbost und trat so dicht auf Minerva zu, bis er ihr unangenehm nahe war und sie seinen säuerlichen Geruch nach Angst wahrnehmen konnte.

Sie weigerte sich, zurückzuweichen und ihm diesen Sieg zu überlassen, stattdessen sah sie auf den kleineren Mann hinab, als sei er etwas besonders Widerliches, das sie nicht einmal mit der Zange anfassen würde.

„Es geht nicht darum, was Sie zulassen, Minerva McGonagall", drohte er ihr. „Ihre Zeit ist vorbei. Jetzt haben wir hier das Kommando und Sie werden mich unterstützen oder Sie bezahlen den Preis." Und er spuckte ihr tatsächlich ins Gesicht.

Noch während Minervas Finger nach ihrem Zauberstab zuckten, um Amycus eine Lektion zu erteilen, tauchte Harry vor ihren erstaunten Augen auf. Er zog sich seinen Tarnumhang vom Kopf, hob seinen Zauberstab und richtete ihn auf Amycus.

„Das hätten Sie nicht tun sollen", sagte er ruhig. Amycus wirbelte zu ihm herum, um ihn zu ergreifen, bekam aber sofort von Harry einen Folterfluch zu spüren, der ihn von den Füßen riss und schmerzheulend in einen Bücherschrank schleuderte, wo er bewusstlos liegen blieb.

Minerva rang nach Fassung und griff sich ans Herz, während sie Harry – Harry! - sagen hörte:
„Ich hab verstanden, was Bellatrix meinte, man muss es auch wirklich meinen."
„Potter", wisperte Minerva und griff sich einmal mehr ans Herz, das vor lauter Panik merkwürdige Salti zu schlagen schien. „Potter – Sie sind hier? Was - ? Wie - ?"

Sie bemühte sich, um Fassung. „Potter, das war töricht!"
„Er hat Sie angespuckt", begründete Harry ernsthaft.

„Potter, ich – das war sehr – sehr ritterlich von Ihnen – aber ist Ihnen nicht klar - ?" Minerva hatte noch immer Mühe, einen zusammenhängenden Satz zu bilden.

„O doch", versicherte ihr Harry ruhig und ließ dann die Bombe platzen: „Professor, Voldemort ist auf dem Weg."

„Oh, dürfen wir jetzt den Namen sagen?", fragte Luna – Luna! - und schälte sich aus dem Tarnumhang.

Minerva griff sich an den Hals, wankte zurück und fiel in einen nahen Sessel, während sie versuchte, die Tatsache zu verarbeiten, dass außer Harry auch noch Luna plötzlich in Hogwarts aufgetaucht war. Und Voldemort auf dem Weg! Und die Geschwister Carrow bewusstlos auf dem Fußboden!

„Sie müssen fliehen, Potter", wisperte Minerva hilflos. „Sofort, Potter, so rasch wie möglich!"
„ich kann nicht", erwiderte Harry wesentlich ruhiger als erwartet. „Es gibt etwas, das ich tun muss. Professor, wissen Sie wo das Diadem von Ravenclaw ist?"
„Das D-Diadem von Ravenclaw?", stammelte Minerva überrascht von seiner Frage. „Natürlich nicht – ist es nicht seit Jahrhunderten verschollen?" Sie setzte sich ein wenig aufrechter in ihren Sessel, bereit, dem jungen Mann ihre Unterstützung zu gewähren und ihm die Flucht zu ermöglichen. „Potter, es war Wahnsinn, heller Wahnsinn, dass Sie das Schloss betreten haben -"

„Ich musste es tun", erklärte Harry. „Professor, hier ist etwas versteckt, das ich finden soll, und es könnte das Diadem sein. Wenn ich nur mit Professor Flitwick sprechen könnte..."
Er wurde von einem Geräusch unterbrochen, Amycus kam wieder zu sich. Minerva tat das Einzige, was ihr sinnvoll erschien, sie richtete ihren Zauberstab auf ihn und sagte bloß: „Imperio"

Amycus fügte sich ihrem Willen, schlurfte zu seiner Schwester hinüber, nahm ihren Zauberstab an sich und reichte ihn und seinen eigenen Minerva, bevor er sich neben seine Schwester auf den Boden legte und die Augen schloss. Minerva versuchte nicht darüber nachzudenken, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen der Unverzeihlichen Flüche benutzt hatte und beschwor ein silbernes Seil herauf, das sich fest um die Carrows schlang und sie fest zusammenband.

Dann wandte sie den beiden den Rücken zu und ignorierte die das gefesselte Geschwisterpaar und sprach wieder mit Harry:
„Potter, wenn Er, dessen Namen nicht genannt werden darf, tatsächlich weiß, dass Sie hier sind..."
Sie unterbrach sich, als Harry schwankte und sich an Luna klammerte. „Potter, alles in Ordnung mit Ihnen?", fragte sie besorgt.

„Die Zeit wird knapp, Voldemort kommt näher", keuchte Harry. „Professor, ich handle nach Dumbledores Anordnungen, ich muss das finden, was ich für ihn finden soll! Aber wir müssen die Schüler rausschaffen, während ich das Schloss durchsuche – ich bin es, den Voldemort haben will, aber es wird ihn nicht kümmern, ob er ein paar mehr oder weniger umbringt, nicht jetzt..." Er brach ab.

„Sie handeln nach Dumbledores Anordnungen?", wiederholte sie und sah ihre Vermutungen bestätigt. Minerva richtete sich entschlossen zu ihrer vollen Größe auf. „Wir werden die Schule gegen Ihn, dessen Namen nicht genannt werden darf, sichern, während Sie nach diesem – diesem Gegenstand suchen", verkündete sie fest.

„Ist das möglich?", fragte Harry zweifelnd.

„Ich denke Schon", erwiderte Minerva trocken, „wir Lehrer sind ziemlich gut in Zauberei, wissen Sie. Ich bin überzeugt davon, dass wir ihn eine Zeit lang aufhalten können, wenn wir unsere gesamten Kräfte einsetzen. Natürlich muss sich jemand um Professor Snape kümmern", schloss sie nachdenklich.

„Lassen Sie mich", begann Harry, wurde aber sofort von ihr unterbrochen:
„...und wenn sich Hogwarts nun, da der Dunkle Lord vor den Toren steht, für eine Belagerung rüstet, wäre es tatsächlich ratsam, so viele Unschuldige wie möglich in Sicherheit zu bringen. Da das Flohnetzwerk unter Beobachtung steht und Apparieren auf dem Gelände unmöglich ist...", dachte Minerva laut, und wurde wieder von Harry unterbrochen:
„Es gibt einen Weg. Vom Raum der Wünsche führt ein geheimer Tunnel in den Eberkopf nach Hogsmeade zu Aberforth. Durch den sind wir auch hergekommen."
„Potter, wir sprechen hier von Hunderten von Schülern", begann Minerva, um sofort wieder unterbrochen zu werden.

„Ich weiß, Professor, aber wenn Voldemort und die Todesser sich auf die Grenzen der schule konzentrieren, wird sie jemand, der aus dem Eberkopf disappariert, nicht interessieren."

„Da ist etwas dran", stimmte Minerva zu und begann damit, im Geiste ihre Strategie zu planen. Sie hob ihren Zauberstab und ließ ein silbernes Netz auf die Carrows fallen, das sie einschnürte wie einen Truthahn, bevor sie sie mitsamt dem Netz unter die Decke hing.

„Kommen Sie", sagte sie, als sie fertig war. „Wir müssen die anderen Hauslehrer alarmieren. Sie ziehen am besten wieder diesen Umhang an", verfügte sie und marschierte zur Tür. Noch auf dem Weg zur Tür sandte sie drei Patroni aus, die ihnen noch eine kleine Weile Gesellschaft leisteten, bevor sie einer nach dem anderen entschwanden.

Mit Harry und Luna im Schlepptau meisterten sie zwei Stockwerke, bevor sie bemerkte, dass sich irgendetwas oder jemand zu ihnen gesellte.

Gereizt, weil sie keine Zeit für Verzögerungen hatte, hob sie ihren Zauberstab, bereit, sich und ihre Schüler zu verteidigen und rief barsch
„Wer da?"

„Ich bin es", erklang eine leise, dennoch vertraute Stimme und Severus kam hinter einer Rüstung hervor.

Im Gegensatz zu Minerva schien er mit Schwierigkeiten gerechnet zu haben, denn er war in seine üblichen schwarzen Roben gewandet und auch er hielt seinen Zauberstab kampfbereit.

„Wo sind die Carrows?", fragte er ruhig.

„Vermutlich dort, wo immer auch Sie die beiden hinbefohlen haben, Severus", erwiderte Minerva kalt.

Sein Blick huschte um sie herum, dann sagte er:

„Ich hatte den Eindruck, dass Alecto einen Eindringling gefasst hätte."
„Tatsächlich?", fragte Minerva so desinteressiert, wie sie es nur vermochte, „Und was vermittelte Ihnen diesen Eindruck?"

Statt einer Antwort winkelte Severus den Arm an, auf dem sich, wie McGonagall wusste, das Dunkle Mal befand.

„Oh, aber natürlich", sagte Minerva und legte triefenden Sarkasmus in ihre Stimme, „Todesser wie Sie haben ihre ganz eigenen Mittel und Wege, miteinander in Verbindung zu treten, das hatte ich vergessen."
Severus tat so, als hätte er sie nicht gehört. Aber er kam näher und schien die Luft um Minerva herum abzusuchen. Für einen Moment befürchtete sie, er könnte Harry und Luna entdeckt haben, bis er weitersprach:
„Ich wusste nicht, dass Sie heute Nacht an der Reihe sind, die Korridore zu patrouillieren, Minerva."
„Haben Sie etwas dagegen einzuwenden?", fragte sie unschuldig zurück.

„Ich frage mich, was Sie zu so später Stunde aus dem Bett geholt haben könnte"; sinnierte er und bedachte sie mit einem mitternachtsschwarzem Blick.

„Ich dachte, ich hätte eine Ruhestörung vernommen", tat Minerva achselzuckend ab.

„Wirklich? Aber es scheint alles still zu sein", erwiderte Severus und sah ihr bedeutungsvoll die Augen.
„Haben Sie Harry Potter gesehen, Minerva?", setzte er sein Verhör fort. „Wenn ja, muss ich nämlich darauf bestehen..."

Er kam nicht dazu, seinen Satz zu beenden. Minerva peitschte ihren Zauberstab durch die Luft, um Severus zu schocken, doch leider war er so schnell mit seinem Schildzauber, dass es Minerva beinahe das Gleichgewicht verlor.

Sie schwang ihren Zauberstab zu einer der Wandfackeln und formte das Feuer wie Lasso, um Severus damit zu erwischen. Wieder war er schneller, das feurige Lasso verwandelte sich in eine gigantische schwarze Schlange, die Minerva zu schwarzen Rauch zersprengte, zu Dolchen umformte und auf Snape schleuderte. Severus entkam ihnen um Haaresbreite, in dem er eine Rüstung vor seinen Körper riss und die Dolche mit lautem Klirren daran abprallten.

„Minerva" piepste es hinter ihr und sie bemerkte Flitwick und Pomona, die in ihren Nachtgewändern auf sie zu hasteten, während der gewichtige Slughorn hinter ihnen her keuchte.

„Nein" Sie werden in Hogwarts nicht weiter morden", quiekte Flitwick entschlossen und erweckte die Rüstung, hinter der Snape sich versteckte, zum Leben und nahm Snape in ihren eisernen Klammergriff.

Snape entwand sich aus seinem Gefängnis und warf die Rüstung auf seine Angreifer. Sie konnten der Rüstung nur knapp ausweichen, bevor sie an der nächsten Wand zerschellte.

Mehr als diese kleine Ablenkung brauchte Severus nicht, um sich aus dem Staub zu machen, mit Minerva, Pomona und Flitwick auf den Fersen.

Severus stürmte durch eine Klassenzimmertür, Minerva folgte ihm dicht auf dem Fuße und hatte ihn beinahe, als er einen gewaltigen Satz machte und durch das geschlossene Fenster nach draußen sprang.

„Feigling! FEIGLING!", schrie Minerva ihm hinterher, während sie und ihre Kollegen vor dem zertrümmerten Fenster standen. Das war der Moment, in dem Harry und Luna, den Tarnumhang hinter sich her schleifend, im Klassenzimmer auftauchten.

„Was ist passiert?", fragte Luna und beide ignorierten Sprout und Flitwick, die bei ihrem unvermuteten Auftauchen beide erschrocken aufschrieen.
„Er ist gesprungen", sagte Minerva grimmig und maß das snapeförmige Loch in der Scheibe mit einem bösen Blick.

„Sie meinen, er ist tot?", fragte Harry und stürzte eifrig zum Fenster.

„Nein, er ist nicht tot"; antwortete Minerva mit Bitterkeit. „Im Gegensatz zu Dumbledore trug er noch immer einen Zauberstab... und er hat offenbar ein paar Tricks von seinem Meister gelernt."
Inzwischen war auch Slughorn heran gekeucht und wollte wissen, was mit Severus passiert war.

„Unser Schulleiter macht eine kurze Pause", erklärte Minerva grimmig und deutete auf das snapeförmige Loch im Fenster.

„Professor!", rief Harry, die Hände an die Stirn gepresst, „Professor! Wir müssen die Schule verbarrikadieren, er kommt jetzt!"

„Na schön. Er, dessen Name nicht genannt werden darf, ist auf dem Weg hierher", erklärte sie ihren Kollegen. „Potter hat auf Dumbledores Anordnungen etwas im schloss zu erledigen. Wir müssen sämtliche Schutzzauber, die wir aufbieten können, in Stellung bringen, während Potter tut, was er tun muss."
„Ihnen ist natürlich klar, dass nichts von alldem Du-weißt-schon-wer auf Dauer fernhalten kann?", vergewisserte sich Flitwick.

„Aber wir können ihn aufhalten", hielt Pomona dagegen.

„Danke, Pomona", sagte Minerva und tauschte einen Blick grimmigen Einverständnisses mit ihrer Kollegin.

„Ich schlage vor, wir treffen die grundlegenden Schutzmaßnahmen rund um das schloss, dann rufen wir unsere Schüler zusammen und versammeln uns in der Großen Halle. Die meisten müssen in Sicherheit gebracht werden, doch wenn von den Volljährigen welche bleiben und kämpfen wollen, sollten sie, denke ich, die Gelegenheit bekommen."

„Einverstanden", sagte Pomona und eilte zur Tür. „Mein Haus und ich erwarten Sie in zwanzig Minuten in der Großen Halle."
Während sie davon eilte, konnte Minerva hören, wie sie schon ihre Fallen für die Todesser plante.

„Ich kann von hieraus agieren", erklärte Flitwick, zielte mit dem Zauberstab durch das kaputte Fenster nach draußen und fing sofort an, seine Schutzzauber zu platzieren, während Harry ihn über Ravenclaws Diadem ausquetschte.

„Wir treffen Sie und ihre Ravenclaws in der Großen Halle, Filius", befreite Minerva den Zauberkunstmeister und winkte Harry und Luna, ihr zu folgen.

Gerade, als sie an der Tür waren, fing Slughorn an, sich Sorgen zu machen, was mit denen passieren würde, die Voldemort Widerstand leisteten, wenn er einen Weg ins Schloss gefunden hatte.

Minerva war sein feiges Gewäsch endgültig leid.

„Ich erwarte auch Sie und die Slytherins in zwanzig Minuten in der Großen Halle", sagte sie kühl. „Wenn Sie mit Ihren Schülern fortgehen wollen, werden wir Sie nicht aufhalten. Aber wenn irgendwer von Ihnen versucht, den Widerstand zu sabotieren oder in diesem Schloss die Waffen gegen uns zu erheben, dann, Horace, werden wir uns auf Leben und Tod duellieren."

„Minerva!", sagte er entsetzt.

!"Der Zeitpunkt ist gekommen, dass das Haus Slytherin entscheidet, wem seine Treue gilt", unterbrach Minerva sein Lamento. „Gehen Sie und wecken Sie Ihre Schüler, Horace."

Sie drehte sich auf dem Absatz um und ließ Horace stehen, um ihrer Arbeit nachzukommen. Mitten im Korridor blieb sie stehen und hob den Zauberstab.

„Piertotum", begann sie, bevor sie von Filch unterbrochen wurde.

„Oh, um Himmels Willen, Filch, nicht jetzt!", brachte sie den Hausmeister zu Schweigen, der sich ausgerechnet jetzt darüber ereifern musste, dass die Schüler nicht in ihren Betten lagen.

„Das hat auch seine Richtigkeit, Sie Armleuchter!", rief Minerva. „Nun gehen Sie und tun Sie was Vernünftiges. Suchen Sie Peeves!"
„Peeves?"

„Ja, Peeves, Sie Dummkopf", erwiderte Minerva ungeduldig. „Beschweren Sie sich nicht schon seit einem Vierteljahrhundert über ihn? Gehen Sie und holen Sie ihn, sofort!"

Als Filch ihr endlich nicht mehr im Weg stand, konzentrierte Minerva sich wieder auf ihren Zauber.

„Und jetzt – Piertotum locomotor!"
Und mit tiefer Befriedung sah und hörte sie, wie die Statuen und Rüstungen im ganzen Schloss zum Leben erwachten.

„Hogwarts ist in Gefahr!", rief sie ihnen zu, „besetzt die Grenzen, beschützt uns, erfüllt eure Pflicht unserer Schule gegenüber!"

Sie trat einen schritt zurück, um die Horden von Statuen und Rüstungen passieren zu lassen, dann wandte sie sich wieder an Harry.

„Nun, Potter, Sie und Miss Lovegood kehren am besten zu Ihren Freunden zurück und bringen sie in die Große Halle – ich werde die anderen Gryffindors wecken."

Sie trennten sich auf dem nächsten Treppenabsatz, Harry ging wohin auch immer und Minerva eilte in den Gryffindor-Turm, um ihre Schüler zu wecken und in die Große Halle zu führen.

Unterwegs verschwendete sie kaum eine Sekunde daran, ihren Morgenrock in eine vernünftige Robe zu verwandeln. Wenn sie sich schon mit Voldemort anlegen musste, dann doch bitte schön angemessen gekleidet und nicht gerade im Nachthemd, so fand sie.

Im Gryffindor-Turm angekommen, warf Minerva ihre Schüler mehr oder weniger unsanft aus ihren Betten und führte die Schüler in die Große Halle.

Harrys Mitstreiter aus Dumbledores Armee hatten die Mitglieder des Phönixordens alarmiert und alle, wirklich alle, waren gekommen, um Hogwarts zu verteidigen und Voldemort hoffentlich endgültig zu besiegen.

Auf dem Weg in die Große Halle meinte Minerva für einen kurzen Moment, sie hätte Septima an sich vorübereilen sehen und runzelte die Stirn. Ein weiterer Blick in die Richtung half ihr nicht weiter, da die betreffende Frau im Trubel in den Gängen bereits wieder verschwunden war. Dennoch fühlte Minerva sich beunruhigt, es wäre ihr lieber, wenn Septima immer noch in ihrem Haus in den Highlands in Sicherheit wäre, aber sie glaubte nicht so Recht daran, dafür kannte sie Septima zu gut.

In der Großen Halle angekommen, nahmen die verbliebenen Schüler an den vier Haustischen Platz, um McGonagall zuzuhören, während sich hinter ihr die verbliebenen Lehrer und die Mitglieder des Phönixordens auf dem Lehrerpodest einfanden. Ein neuerlicher Blick auf ihre Kollegen bestätigte Minervas anfänglichen Verdacht:
Septima war nach Hogwarts gekommen, in der wohl gefährlichsten Nacht, die das alte Gemäuer jemals gesehen hatte.

Hätte Minerva ein wenig mehr Zeit gehabt, so hätte sie wohl versucht, Septima fortzuschicken, ihr die Teilnahme an dem Kampf auszureden oder sie zumindest in die Arme geschlossen, aber Zeit hatte sie nicht.

So warf sie Septima nur einen Blick zu, von dem sie hoffte, dass er ihr alles sagte, was sie wissen musste, für den Fall, dass sie nicht mehr dazu kommen sollte, es ihr in Worten mitzuteilen. Septima nickte ihr leicht zu, bevor Minerva sich wieder zu den wartenden Schülern drehte und ihnen erklärte, was vor sich ging:
"Er, dessen Namen nicht genannt werden darf, ist im Begriff, Hogwarts anzugreifen. Meine Kollegen und ich sind übereingekommen, dass Sie alle evakuiert werden sollen. Der Treffpunkt für die zu evakuierenden Schüler ist der siebte Stock, am Wandvorhang von Barnabas dem Bekloppten. Mr. Filch und Madam Pomfrey werden die Evakuierung beaufsichtigen. Vertrauensschüler, wenn ich das Signal gebe, scharen Sie die Schüler Ihres Hauses um sich und führen sie geordnet zum gemeinsamen Treffpunkt."
„Und was ist, wenn wir hier bleiben und kämpfen wollen?", schrie Ernie Macmillan am Hufflepuff-Tisch und stand auf.

„Wer volljährig ist, kann bleiben", beschied ihm Minerva.

„Was ist mit unseren Sachen? Unseren Koffern, unseren Eulen?", wollte jemand vom Ravenclaw-Tisch wissen.

„Es bleibt keine Zeit, Habseligkeiten einzusammeln. Wichtig ist, dass ihr hier sicher rauskommt", antwortete Minerva fest.

„Wo ist Professor Snape?", rief ein Mädchen vom Slytherin-Tisch.

„Er hat, wie man so schön sagt, die Fliege gemacht", erwiderte Minerva trocken und unterdrückte ein Grinsen, als bei den Gryffindors, Hufflepuffs und Ravenclaws großer Jubel ausbrach.

„Wir haben bereits Schutzzauber um das Schloss herum aufgebaut", fuhr Minerva fort, „aber sie werden vermutlich nicht lange halten, wenn wir sie nicht verstärken. Ich muss euch daher bitten, zügig und ruhig hinauszugehen und zu tun, was eure Vertrauensschüler…"

Hier wurde sie rüde unterbrochen, als eine hohe kalte Stimme durch den Raum hallte:
"Ich weiß, dass ihr euch bereit macht zum Kampf. Eure Bemühungen sind zwecklos. Ihr könnt mich nicht besiegen. Ich will euch nicht töten. Ich habe Hochachtung vor den Lehrern von Hogwarts. Ich will kein magisches Blut vergießen."
Als Voldemort Minerva so abrupt unterbrach, schrieen einige Schüler ängstlich und voller Entsetzen auf, als er dann eine Pause einlegte, was die Halle so still, dass die Stille selbst ein Echo zu werfen schien.

„Gebt mir Harry Potter", sagte Voldemorts Stimme, „und keinem soll ein Leid geschehen. Gebt mir Harry Potter und ich werde die Schule unversehrt lassen. Gebt mir Harry Potter und ihr sollt belohnt werden. – Ihr habt Zeit bis Mitternacht."

Wieder rauschte die Stille und drückte ihnen allen auf die Ohren.

Dann stand Pansy Parkinson am Slytherin-Tisch auf und deutete mit zitternder Hand auf Harry:
"Aber da ist er doch! Potter ist hier! Jemand soll ihn festhalten!"

Ehe Minerva etwas dazu sagen konnte, standen erst die Gryffindors, dann die Hufflepuffs und fast im selben Moment die Ravenclaws auf und jeder von ihnen zückte seinen oder ihren Zauberstab und richteten sie auf Pansy.

Minerva fühlte eine Woge von Stolz in sich aufsteigen, als sie auf die tapferen Jungen und Mädchen hinab sah.

„Danke, Miss Parkinson", sagte sie dann mit schneidender Stimme. „Sie werden die Halle mit Mr. Filch zusammen als Erste verlassen. Der Rest Ihres Hauses möge folgen."

Sie beobachtete, wie die Slytherins aus der Halle marschierten, dann rief sie die Ravenclaws auf, ihnen zu folgen, danach die Hufflepuffs und zuguterletzt die Gryffindors.

Während die Slytherins geschlossen aus der Halle marschierten, blieben von den übrigen Häusern genügend Schüler zurück, dass Minerva sich genötigt sah, vom Lehrerpodest herabzusteigen und die Minderjährigen davonzuscheuchen:

„Kommt überhaupt nicht in Frage, Creevey, marsch! Und auch du, Peakes!"

Dann suchte sie nach Harry, während Kingsley den Schlachtplan der Lehrer und des Ordens ausgab. Schließlich fand sie ihn, mit großen Äugen in der Halle stehend und eilte auf ihn zu.

„Potter, sollten Sie nicht nach etwas suchen?"

„Was? Oh, ach jaah!", erwiderte Harry und Minerva widerstand der Versuchung, die Augen zu verdrehen.

„Dann gehen Sie, Potter, gehen Sie!", scheuchte sie ihn auch aus der Halle, und kehrte dann zu ihren Kollegen zurück, um sich eine Stausmeldung zu holen.

Pomona wollte sich mit einer Gruppe Kämpfer auf den Astronomieturm verfügen und den Todessern von dort das Leben schwer machen und sie mit Alraunen und ähnlich unangenehmen Pflanzen bombardieren, Flitwick wollte das selbe vom Ravenclaw-Turm aus tun, während Minerva vorhatte, sich vom Gryffindor-Turm aus einen Überblick zu verschaffen. Remus, Arthur und Kingsley wollten Truppen ins Gelände führen, während Fred und George die Verteidigung der Tunneleingänge übernehmen wollten. Trelawney hatte angeboten, die Todesser mit ihren Kristallkugeln zu bewerfen, ein Vorschlag, der Minervas Zustimmung fand, schon allein, damit sie nie wieder irgendwelche Prophezeiungen hören musste.

Minerva vergewisserte sich, dass jeder wusste, was er zu tun hatte, dann schnappte sie sich ihre Gruppe von Kämpfern und rannte mit ihnen auf den Gryffindor-Turm, bevor ihnen die Zeit davon lief.

Sie erhaschte einen letzten Blick auf Septima, die mit Flitwick zum Ravenclaw-Turm eilte und fragte sich kurz, ob sie sie wohl wieder sehen würde…