A/N Ich habe mir die Freiheit genommen, einige Charaktere einzubinden, die Rowling offensichtlich vergessen hoffe nur, ich habe die Handlungsabläufe einigermaßen chronologisch hinbekommen. Sämtliche Fehler alleinig auf meinen Mist gewachsen...
Kapitel 35 Die Schlacht um Hogwarts
Es wurde Mitternacht und die Todesser rückten vor.
Minerva hatte ihre Mitstreiter auf dem Gryffindorturm postiert und ihnen klare Anweisungen gegeben, um die Schule zu verteidigen, dann war sie weiter gehetzt, um die Statuen und Ritterrüstungen der Schule weiter zum Kampf zu führen.
Die nächsten Stunden entwickelten sich zu einem Alptraum für Minerva.
Die Todesser hatten sich den Weg in die Schule hinein freigekämpft und in den Korridoren fanden erbitterte Kämpfe statt.
Um sie herum zerbrachen Fenster, Flüche regneten aus allen Richtungen und immer wieder sah oder hörte sie, wie jemand verletzt oder gar tot zu Boden ging. Das Schloss erbebte unter dem Ansturm von Flüchen, Putz rieselte mit schöner Regelmäßigkeit auf sie hernieder und dann und wann wurden ganze Stücke aus den alten Mauern gesprengt.
Schneller, als Minerva gehofft hatte, wurden die Statuen und Rüstungen erledigt und sie begriff, dass sie sich etwas Besseres einfallen lassen musste. Ein Gedanke schoss ihr durch den Kopf und sie machte sich auf den Weg in Richtung der Klassenzimmer, als plötzlich die Luft explodierte. Minerva wurde durch die Luft geschleudert und konnte nichts anderes tun, als ihren Zauberstab zu umklammern, der ihre einzige Waffe gegen die Finsternis war, gegen die sie nun schon so lange ankämpfte, und die Arme schützend um ihren Kopf zu legen. Sie hörte die Schreie und Rufe der Menschen um sie herum, Menschen, für die sie die Verantwortung trug und die ihr freiwillig ihren Mut, ihre Kraft und ihre Leben zur Verfügung gestellt hatten, um das Böse selbst aufzuhalten.
Sie landete unsanft in zerbrochenem Mauerwerk und Schutt regnete auf sie herab. Ein heißes und klebriges Gefühl an ihrer Wange sagte ihr, dass sie eine Wunde davongetragen hatte, aber sie hatte keine Zeit, um sich darum weiter zu kümmern. Sie musste sich aus ihrem Gefängnis aus zerbrochenen Ziegeln und zerstörtem Mobiliar befreien und den Kampf fortsetzen. Entschlossen begann sie damit, die Schuttschicht über sich abzutragen, sowohl mit ihren Händen als auch mit gutgezielten Zaubersprüchen.
„Passen Sie auf, Professor", erklang eine vertraute Stimme über ihr, „warten Sie, ich hole Sie da raus. Keine Zauber mehr, sonst fällt Ihnen noch ein Teil der Treppe auf den Kopf."
Minerva gehorchte und wartete. Zwischendurch vernahm sie Laute von einem Kampf, der anscheinend rasch zum Vorteil ihrer Möchtegern-Befreier entschieden wurde, aber dennoch erschien es ihr Stunden zu dauern, bis schwaches Licht in ihr Gefängnis sickerte und sie die Gesichter von Neville Longbottom und Oliver Wood über sich sah.
„Gut, dass wir Sie gefunden haben, Professor" seufzte Wood und streckte die hand aus, um ihr aus ihrer misslichen Lage aufzuhelfen. „Ein Zauberspruch an falscher Stelle und Ihnen wäre der Treppenaufgang auf den Kopf gefallen."
Minerva hob den Blick. Anscheinend hatte der letzte Fluch nicht nur eine der Wände zum Einsturz gebracht und sie unter sich begraben, sondern er hatte auch einen Teil der Treppen weggesprengt, die sich nun gefährlich in ihre Richtung neigten und auf dem Schutthaufen abstützten, in dem gerade noch gesteckt hatte. Sie schauderte. Wood hatte vollkommen Recht, hätte sie die falschen Trümmer bewegt, hätte die Treppe sie erschlagen können.
„Gut, dass Sie beide mich gefunden haben", murmelte sie und versuchte, ihre aufgelöste Frisur wieder unter Kontrolle zu bringen, da ihr das Haar störend in die Augen fiel. Ihr Blick fiel auf den Todesser, der Neville und Oliver anscheinend daran hatte hindern wollen, sie auszugraben. Er lag reglos auf dem Boden und atmete nicht mehr.
„Gut gemacht!" Sie nickte den beiden jungen Männern zu und orientierte sich. Sie wollte doch in die Klassenzimmer, zumindest in die, die noch einigermaßen standen. Minerva schloss für einen Moment die Augen, visualisierte ihr Vorhaben und schwang den Zauberstab. Aus den Klassenzimmern galoppierten Pulte und Stühle, Regale und sonstiges Mobiliar. Minerva nickte zufrieden und rannte durch den Korridor, die Möbelstücke galoppierten ihr nach und wurden von ihr auf die angreifenden Todesser gehetzt, von einige von den Möbeln glatt überrannt wurden.
Chaos herrschte auf den Fluren. Überall fanden Zweikämpfe auf Leben und Tod statt. Staubwolken hingen über den Kämpfenden wie bedrückende unheilvolle Nebel und verschleierten die Sicht. Schüler rannten durch die Gänge, manche schleppten Verwundete in Sicherheit, andere versuchten, die Toten zu bergen. Minerva sah, dass Colin Creevey, versuchte sich mit Dolohew zu duellieren und Minerva schaffte es gerade noch rechtzeitig, einen starken Schildzauber um den Jungen zu legen.
„Leg dich mal mit jemandem in deiner Klasse an!", schnaubte sie und verpasste Dolohew einen Fluch, der ihm im wahrsten Sinne des Wortes, Hören und Sehen vergehen ließ.
„Was machen Sie noch hier?", fuhr sie den Jungen dann an. „Sie sollten längst in Sicherheit sein."
"Ich konnte doch nicht einfach gehen!", verteidigte sich Colin und zog den Kopf ein, als ein verirrter Fluch ein Stück von der Decke auf sie herabregnen ließ.
"Doch, das hätten Sie tun sollen. Marsch, verstecken Sie sich irgendwo und ziehen Sie den Kopf ein, bis die Sache hier ein wenig sicherer ist!", befahl Minerva und rannte weiter.
Unterwegs griff sie immer wieder in stattfindende Kämpfe ein, um ihre Schüler zu beschützen und ein ums andere Mal legte sie im Vorüberlaufen Schildzauber um ihre Kämpfer.
In der Eingangshalle traf sie auf Filius, der versuchte, den Eingang zu sicher und sich duellierte, so schnell, dass sein Zauberstab nur ein verschwommener Schemen war. Hin und wieder knallte eine verirrte Kristallkugel in eine Wand, woraus Minerva schloss, dass zumindest Trelawney noch ziemlich gut auf den Beinen war.
Unterwegs hatte sie einige unschöne Exampel dafür gesehen, was Pomonas Pflanzen bei unsachgemäßer Handhabung verursachen konnten. So war sie an einigen Todesser vorbeigelaufen, die sich vergeblich versuchten, aus Teufelsschlingen zu befreien und andere, die sich mit Tentakulas auseinandersetzen, ohne dass ersichtlich wurde, wer gewinnen könnte. McGonagall hatte in dieser Hinsicht kein Risiko eingehen wollen und die betreffenden Herrschaften sicherheitshalber mit Schockzaubern ruhig gestellt.
Sie bezwang ihr Verlangen, Filius mit der Frage nach Septima abzulenken und übernahm stattdessen lieber einen seiner Duellgegner, um dem winzigen Professor ein wenig Luft zu schaffen. Immer wieder schickte sie Todesser ins Reich der Träume und immer wieder schienen sie wie aus Nichts nachzukommen, wie die Zähne des Drachen. Minerva bemerkte, dass sie allmählich müde wurde und damit auch langsamer.
Himmel, Hölle noch mal, in ihrem Alter sollte sie nicht die ganze Nacht herumlaufen und sich duellieren und aus Trümmerfeldern graben müssen!
Aus diesem wütenden Gedanken schöpfte sie genügend neue Kraft, um ihren Gegner mit einer sehr effektiven Körperklammer lahm zulegen, bevor sie sich dem nächsten zuwandte. Am anderen Ende der Halle sah sie Septima im Laufschritt aus einem Korridor kommen und war für den Bruchteil einer Sekunde abgelenkt. Zu spät erkannte sie den grünen Lichtblitz, der auf sie zujagte und dachte noch „Das war es dann jetzt", als sich ein Schildzauber um sie legte und das grüne Glühen daran abprallte. Mit einem grimmigen Lächeln schickte sie ihren Widersacher in die Hölle und hoffte, dass er dort möglichst lange schmoren mochte, dann wandte sie den Blick und sah Septima, die offenbar den Schildzauber um sie gelegt hatte und auf sie zugeeilt kam.
„Es sind Acromantula im Schloss und ich fürchte, sie sind nicht auf unserer Seite!", schnaufte sie. „Hagrid ist mit seinem Bruder und einigen Riesen hier, sieht aber so aus, als hätten die anderen ihre eigenen Riesen mitgebracht! Vom Schloss ist nicht mehr viel übrig", schloss sie und jagte einem näher kommendem Gegner einen Fluch auf den Hals.
„Ich kümmere mich darum. Übernimm du mal hier!", rief Minerva und schleuderte einen weiteren Fluch in Richtung des Portals, wo sich ein weiterer Todesser Zugang verschaffen wollte.
„Alles klar!" Septima schwang schon wieder den Zauberstab und nickte Minerva zu, die davoneilte, um sich der Acromantula anzunehmen.
Sie war noch nicht weit gekommen, als Voldemorts Stimme magisch verstärkt durch Hogwarts schallte:
"Ihr habt gekämpft, heldenhaft gekämpft. Lord Voldemort weiß Tapferkeit zu schätzen. Doch ihr habt schwere Verluste erlitten. Wenn ihr mir weiterhin Widerstand leistet, werdet ihr alle sterben, einer nach dem anderen. Ich will nicht, dass dies geschieht. Jeder Tropfen magischen Blutes, der vergossen wird, ist ein Verlust und eine Verschwendung.
Lord Voldemort ist gnädig. Ich befehle meinen Streitkräften, sich sofort zurückzuziehen. Ihr habt eine Stunde. Schafft eure Toten mit Würde fort. Versorgt eure Verletzten.
Harry Potter, ich spreche nun direkt zu dir. Du hast deine Freunde für dich sterben lassen, anstatt mir selbst entgegenzutreten. Ich werde eine Stunde lang im Verbotenen Wald warten. Wenn du nach Ablauf dieser Stunde nicht zu mir gekommen bist, dich nicht ergeben hast, dann beginnt die Schlacht von neuem. Diesmal werde ich selbst in den Kampf ziehen, Harry Potter, und ich werde dich finden, und ich werde jeden Einzelnen, ob Mann, Frau oder Kind, bestrafen, der versucht hat, dich vor mir zu verstecken. Eine Stunde."
Voldemorts Stimme verklang, die Todesser zogen sich aus dem Schloss zurück. Minerva wollte niemals etwas mehr in ihrem Leben als sich jetzt für fünf Minuten mit Septima an einen ungestörten Ort zurückzuziehen, nur fünf wundervolle kurze Minuten, aber natürlich blieb dazu keine Zeit. Wie immer rief die Pflicht.
Sie veranlasste, dass sich alle noch verbliebenen Kämpfer in der Großen Halle sammelten, nicht nur Voldemort war in der Lage, schlossweite Ansprachen zu halten, und begab sich selbst in die traurigen Überreste dessen, was einmal die Große Halle von Hogwarts gewesen war.
Um sie herum umarmten sich Familienmitglieder und Freunde, die sich durch die Ruinen des Schlosses zueinander durchgekämpft hatten, froh, dass der jeweils andere noch lebte.
Zu gerne hätte sie die Gelegenheit gehabt, Septima an sich zu drücken, sie küssen, sich zu versichern, dass sie wirklich unversehrt war, aber auch das musste warten.
Zuerst musste sie ihre Truppen neu einteilen, dafür sorgen, dass die Verwundeten versorgt und die Toten geborgen wurden. Sie musste sich einen Überblick darüber verschaffen, wer ihr überhaupt noch zur Verfügung stand und sich auf die nächste Runde vorbereiten. Hinterbliebene mussten getröstet und alle anderen aufgemuntert und motiviert werden.
Geistesabwesend berührte sie die klaffende Wunde an ihrer Wange und entfernte eine darin klebende Haarsträhne. Mit beiden Händen strich sie ihre zerzausten Haare zurück und straffte die Schultern, um Anweisungen zu geben.
Pomona, Poppy und Septima kommandierte sie ab, um die Verletzten zu versorgen und dazu weitere Helfer zu rekrutieren und zu beaufsichtigen. Kingsley bot sich ruhig an, die Toten zu bergen und Minerva schickte Neville und Oliver mit ihm los, da sie sich dachte, dass Kingsley Hilfe gebrauchen konnte. Slughorn und Trelawney nahmen es auf sich, zu trösten und Mut zuzusprechen, wo es erforderlich war. Aberforth und Professor Sinistra wollten sich einen schnellen Überblick über das Schloss verschaffen und gegebenenfalls versprengte Kämpfer in die Große Halle schicken.
Bei Bedarf stand es natürlich jedem Trupp frei, zusätzliche Helfer zu verpflichten.
Minerva selbst blieb in der Großen Halle, um überall dort einzuspringen, wo es erforderlich war und den Überblick zu behalten, während ihre Leute ihren Aufgaben nachgingen. Einige der Schüler, die geblieben waren, hatten unter Flitwicks Aufsicht damit begannen, den gröbsten Schutt aus dem Weg zu räumen um Platz zu schaffen.
Sie dirigierte die Verletzten auf das Podium, wo niemand über sie stolpern konnte und Poppy genügend Platz hatte, um sich vernünftig um die Verwundungen zu kümmern, ohne immer wieder über Trümmer steigen zu müssen.
Minerva beschloss, dass es am besten war, die Toten in einer ordentlichen Reihe in die Mitte der Halle legen zu lassen, damit sie schnell identifiziert werden konnten. Niemand sollte gezwungen werden, lange suchen zu müssen.
Während Kingsley, Neville, Oliver und viele andere hineinkamen, und die Leichen in die Reihe legten, versuchte Minerva, eine Liste darüber zu führen. Irgendwann würde dieser Alptraum vorüber sein und dann musste sie die Familien der Toten verständigen, soweit sie nicht schon hier waren und sich trauernd um die Leichen drängten.
Listen. Immer wieder musste sie Listen schreiben, ihr ganzes leben lang. Doch diese war die schlimmste von allen. Zwar war sie nicht so lang, wie sie hätte werden können, und sicher noch werden würde, aber trotzdem noch immer viel zu lang. Jeder neue Leichnam, der in die Große Halle gebracht wurde, bedeutete für Minerva einen schmerzlichen Verlust. Sie hatte jeden einzelnen von ihnen gekannt und gemocht und sie trauerte um sie alle. Trotzdem ging ihr der Tod von Remus besonders nahe: Sie hatte ihn so lange gekannt, und er hatte sich so viel Mühe gemacht, um sie endlich wieder glücklich zu sehen.
Und sie fühlte sich schuldig, als Neville mit der Leiche von Colin hereinkam. Colin, der sich der Evakuierung widersetzt hatte, um seine Schule zu beschützen, der sich offensichtlich nicht versteckt hatte, wie Minerva es ihm befohlen hatte, sondern anscheinend tapfer weitergekämpft hatte bis zum Ende.
Kingsley brachte eine weitere Leiche herein und berührte Minerva sanft an der Schulter. Sie drehte sich zu ihm um und erstarrte.
Rolanda.
Der Tod von Madam Hooch war sowohl unerwartet als auch unerwartet schmerzlich für Minerva. Sie hätte nicht gedacht, dass die unverwüstliche Rolanda einfach so sterben könnte. Sie hatten solange unter einem Dach gelebt, so lange zusammen unterrichtet, sie hatten einander ihr ganzes Leben lang gekannt.
Minerva dachte an all die Quidditch-Spiele, die sie gemeinsam gesehen und bestritten hatten, damals, als sie beide im Haus-Team der Gryffindors waren. Und später, als sie beide als Lehrerinnen zusammen gearbeitet hatten. Sie dachte an ihren ersten Kuss vor so vielen Jahren, hinter dem Gewächshaus Nummer drei und ihr wurde übel, wenn sie daran dachte, dass sie nie wieder Rolandas trockene Bemerkungen hören und ihr verschmitztes Lächeln sehen sollte.
Für einen Moment stiegen ihr die Tränen in die Augen, zum ersten Mal in dieser Nacht und sie hatte plötzlich das Bedürfnis, alles hinter sich zu lassen, in ihr Bett zu gehen, die Decke über die Ohren zu ziehen und nichts mehr zu hören oder zu sehen. Es reichte ihr. Sie wollte keine Verwundeten mehr trösten, keine Namen mehr auf ihre Liste schreiben.
Remus Lupin. Colin Creevey. Nymphadora Tonks. Fred Weasley. Rolanda Hooch.
Nur fünf Namen aus einer unnötig langen Liste.
Alastor Moody. Albus Dumbledore. Charity Burbage. Sirius Black. James Potter. Lily Potter.
Die vielen Namen derer, die gegangen waren, drängten sich ihr auf, legten sich schwer auf ihr Gemüt. Weitere würden folgen.
So viele hatten sie verloren, immer wieder, über einen langen Zeitraum verteilt, doch das machte die Trauer nicht leichter.
Sie straffte die Schultern, zum hundertsten Male in dieser Nacht, wie es ihr schien und wischte ihre Augen trocken. Trotz allem, die Trauer und die Tränen um die Toten mussten warten, es waren die Lebenden, die sie nun brauchten. Wie die Weasleys, die ihren Sohn verloren hatten. Immer wieder musste Minerva Trost spenden, Berichte entgegennehmen, Entscheidungen treffen und vor allem immer wieder die bröckelnde Moral ihrer Leute aufrichten.
Über die Große Halle hinweg traf sich ihr Blick bisweilen mit dem Septimas. In ihren Augen las sie, was sie wissen musste, um in sich noch das letzte bisschen Kraft zu finden und weitermachen zu können.
Es würde ein Später für sie beide geben, schwor sich Minerva. Sie würde ihre fünf Minuten mit Septima bekommen, um ihr noch einmal sagen zu können, was sie für sie empfand und wenn es das Letzte war, das sie auf dieser Welt tat.
Sie riss sich von diesem verführerischen Gedanken los and konzentrierte sich wieder auf Augusta Longbottom, die sie nun schon zum zweiten Mal fragte, ob sie nicht ihren Enkel gesehen hätte. Minerva nickte und wies ihr die ungefähre Richtung, in der sie Neville das letzte Mal gesehen hatte, als er ein wenig ungestüm Luna Lovegood umarmt hatte. Es hatte Minerva gefreut, dass selbst unter diesen Umständen die Liebe nach wie vor triumphieren konnte, aber das sagte sie Augusta lieber nicht.
„Dort hinten habe ich ihn zuletzt gesehen. Allerdings wollte er sich Kingsley anschließen und Oliver Wood helfen, die Toten zu bergen. Er ist ein tapferer junger Mann geworden, Augusta."
Die alte Dame nickte grimmig.
„Ich muss meinem Enkel sagen, wie stolz ich auf ihn bin. Er schlägt wirklich ganz nach seinem Vater, so tapfer und mutig, wie er sich in den letzten Monaten geschlagen hat. Wer weiß, wie das hier heute ausgeht und ob ich die Gelegenheit bekomme, es ihm später zu sagen und ich finde, er sollte es wissen."
Mit diesem Kommentar stapfte sie davon, jeder Zoll eine Kämpfernatur und ein kurzes Lächeln zuckte um Minervas Mundwinkel. Augusta war nicht die einzige, die stolz auf Neville war.
Das war der Moment, in dem Ron und Hermine in die Große Halle, oder das, was davon noch übrig war, kamen und sich zügig zu den trauernden Weasleys gesellten. Harry war nicht bei ihnen und Minerva runzelte die Stirn.
Wo mochte der junge Mann abgeblieben sein, fragte sie sich. Und hatte er gefunden, wonach er gesucht hatte oder hatten sie vergeblich versucht, Zeit für ihn herauszuschinden? Oder hatte er Voldemorts Worte für bare Münze genommen und war in den Verbotenen Wald gegangen, um sich selbst auszuliefern?
In diesem Falle wären die Kämpfe zwar beendet gewesen, dennoch hoffte Minerva inständig, dass Harry nicht gegangen war. Lieber überstand sie eine weitere Runde gegen Voldemort und seine Getreuen, als zuzulassen, dass sich nur einer ihrer Schüler opferte.
Sie versuchte, unauffällig herumzuhorchen, aber anscheinend wusste niemand etwas über Harrys Verbleib, niemand hatte ihn mehr gesehen.
Das Gerücht über Snapes Ableben machte die Runde, angeblich ermordet von Voldemort selbst und angeblich lag sein Leichnam in der Heulenden Hütte. Im Moment konnte sie niemanden entbehren, der sich auf den Weg machte und sich davon überzeugte, dass das Gerücht stimmte, aber nach dem Kampf, da würde jemand dort nachsehen müssen.
Trotz allem, was Severus getan hatte, trotz allem, was sie ihm vorzuwerfen hatte, fühlte Minerva dennoch einen Stich von Traurigkeit, wenn sie daran dachte, dass Severus womöglich tot war und seine Leiche allein in der baufälligen Hütte lag. Sie hatte immer gedacht, er würde alles überleben, und sie hatte nie aufgehört zu hoffen, dass er sich nicht als der Verräter entpuppen mochte, der er so offensichtlich gewesen war.
Und dennoch verblieb in ihr ein leiser Zweifel daran, dass er tatsächlich einer der Bösen gewesen sein sollte…
Minerva fühlte geradezu, wie ihr die Zeit wie Sand durch die Finger rann und die eine Stunde, die Voldemort ihnen gewährt hatte, viel zu schnell und viel zu langsam zugleich verstrich.
Und nicht einmal die volle Stunde wurde ihnen gewährt.
Wieder durchschnitt Voldemorts Stimme die merkwürdige Stille, die sich über das Schloss gelegt hatte:
"Harry Potter ist tot."
Dieser erste Satz rammte sich wie eine eiserne Faust in Minervas Magengrube. Harry?
„Er wurde getötet, als er wegrannte, als er versuchte, sich selbst zu retten, während ihr euer Leben für ihn gegeben habt", fuhr Voldemorts Stimme mitleidslos fort und Minerva fühlte sich innerlich wund.
Harry war tot?
Dann war alle Hoffnung zunichte gemacht, sie hatten keine Gelegenheit mehr, Voldemort jemals zu besiegen… Sie schüttelte den Kopf, immer wieder, wie automatisch.
Erbarmungslos setzte Voldemort seine kleine Ansprache fort:
"Wir bringen euch seine Leiche zum Beweis dafür, dass euer Held gestorben ist.
Die Schlacht ist gewonnen. Ihr habt die Hälfte eurer Kämpfer verloren. Meine Todesser sind in der Überzahl gegen euch, und der Junge, der überlebt hat, ist erledigt. Der Krieg darf nicht länger während. Jeder, der weiterhin Widerstand leistet, ob Mann, Frau oder Kind, wird niedergemetzelt werden, wie jedes Mitglied seiner Familie. Kommt aus dem Schloss, unverzüglich, und kniet vor mir nieder, und ihr werdet verschont werden. Eure Eltern und Kinder, eure Brüder und Schwestern werden leben, und es wird ihnen verziehen, und ihr werdet euch mir anschließen in der neuen Welt, die wir gemeinsam errichten werden."
Voldemort verstummte und Minerva fühlte, wie sich die Blicke aller Anwesenden auf sie richteten. Wieder einmal straffte sie die Schultern und hob den Kopf.
„Dann wollen wir Lord Voldemort", sie spuckte den Namen förmlich in die sie umgebenden Trümmer, „entgegengehen, wie er es gerne hätte."
Sie sah die sie umgebenden Menschen der Reihe nach an, ihr Gesichtsausdruck war hart.
„Ich werde mich ihm nicht beugen, aber ich kann - und will nicht für Sie alle entscheiden. Dennoch, es gehört sich, eine gewisse Höflichkeit an den Tag zu legen, selbst wenn er es nicht tut. Und als amtierende Schulleiterin sollte ich unseren Gast am Portal empfangen wie es sich gehört." Ätzender Sarkasmus troff aus ihrem letzten Satz und sie drehte sich um und marschierte aus der Großen Halle und zum Eingangstor, um dort in würdevoller Haltung auf Voldemort zu warten.
Sie sah sie schon von weitem kommen, Voldemort, seine Todesser mit einigen Riesen im Schlepptau und in ihrer Mitte eine vertraute bärtige, aber ramponierte und gramgebeugte Gestalt. Hagrid. Und er trug ein dunkles Bündel auf seinen Armen.
Hinter ihr drängten sich die Leute in Richtung des Portals und sie fühlte, wie eine kleine Hand nach ihrer griff. Ohne hinsehen zu müssen, wusste sie, dass es Septima war, die ihre Hand hielt und es kümmerte sie nicht im Geringsten, ob irgendjemand sie zusammen sah. Sie erwiderte den Druck von Septimas Hand und hielt sie fest, während sie darauf wartete, dass die dunklen Gestalten sich weiter dem Schloss näherten.
Minerva strengte ihre Augen an und als die Gruppe um Hagrid näher kam, erkannte sie, was – oder wen er auf den Armen trug.
Harry. Harry Potter. Der Junge, der lebte.
Nun nicht mehr.
Als sie das schlaffe Bündel Mensch in Hagrids Armen sah, das vor wenigen Stunden noch ein gesunder junger Mann gewesen war, entrang sich ihrer Kehle ein lauter, verzweifelter Aufschrei:
"NEIN!"
