...uuund weiter geht's. Überschüttet mich bloß nicht so mit Reviews, sonst werde ich noch übermütig. ;) Aber schön, von euren Favoriteneinträgen etc. zu lesen. ;) Viel Spaß mit Kapitel 5!

In Kapitel 4: Nach einer kleinen Handgreiflichkeit bei Ginny und einer Nachhilfestunde Hermiones, die mit dem Herunter- und wieder Hochwürgen eines Flubberwurms endete, beobachteten die Mädchen, dass Snapes Fassade zu bröckeln scheint – sie sehen sich nun fast am Ziel.


Kapitel 5 - Was lange währt

... wird endlich gut?

Hermione konnte nur Umrisse ausmachen, das Dunkel der Kerker schien an diesem Abend undurchdringlicher denn je. Sie griff in ihren Umhang, holte ihren Zauberstab hervor und murmelte: „Lumos."
Sofort erstrahlte ein Licht, doch anders als sie es von dem Zauberspruch gewohnt war, wollte es einfach nicht durch die Dunkelheit dringen; sie konnte keinen Meter weit sehen.

„Miss Granger", sagte plötzlich eine samtige Stimme, „können Sie mir bitte erklären, was Sie hier machen? Oh, nehmen Sie sich bitte eine Minute, gerne auch zwei, um sich eine gute Ausrede zu überlegen, die meinen Intellekt nicht allzu sehr beleidigt. Wenn Sie fertig sind – Sie finden mich in meinem Klassenzimmer."
Ohne abzuwarten verschwand der Tränkemeister genau dorthin und ließ die Tür offenstehen. Sofort setzte Hermione ihm nach und schloss die Tür hinter sich.
„Probieren Sie es hier noch einmal, hier funktioniert Ihr Zauber", kommentierte Snape teilnahmslos.
„Sie könnten einfach das Licht übliche anmachen", schlug Hermione vor.
Mit einem gelangweilten Schwenker seines Zauberstabs war eben das passiert und er nickte ihr zu. „Also?"
Sie versuchte, so selbstsicher wie möglich einen Stuhl von einem der Schülertische zu nehmen, ihn vors Pult zu stellen und sich hinzusetzen. „Ich bin für meine Weasley hier, sie ist krank und ich habe mich bereiterklärt, mit ihr zu tauschen. Sie kommt dann am Samstag", sagte die Schülerin gelassen, ein kaum merkliches Zittern in der Stimme.
„Und wenn ich einen kleinen Ausflug zum Quidditchfeld machen und in den Himmel schauen würde, würde ich Miss Weasley dort nicht vorfinden?"

Touché. Dass er den Trainingsplan der Gryffindors kannte, damit hatte keine von beiden gerechnet. Doch es war egal, Snape hatte sie ohnehin schon in dem Moment durchschaut, in dem er sie gesehen hatte, sie musste einfach weiterspielen.
„Nun gut", fuhr er jedoch aalglatt fort, ehe sie etwas erwidern konnte. „Wie Sie sehen, warten einige Kessel darauf, geputzt zu werden. Melden Sie sich, wenn Sie fertig sind."
Damit stand er auf und rauschte in die Vorratskammer.

Er hat nichts davon gesagt, dass ich keine Magie benutzen darf...', dachte sie grinsend, als er über die Schulter zurück und in ihre Augen sah.
„Dürfen Sie auch nicht!", kam es grummelnd von der Tür her.
Ihre Augen weiteten sich, als sie dem Blick des Professors standhielt. Sie hatte ihren Gedanken doch gar nicht laut ausgesprochen!
„Nein, haben Sie nicht, aber ich beherrsche Magie, von denen Sie wahrscheinlich nicht einmal gehört haben."
Hermione senkte die Augen, nickte verstehend und rügte sich im Stillen dafür, dies nicht bedacht zu haben. „Legilimentik."
„Richtig. Also an die Kessel, ohne Magie. Und zur Sicherheit hätte ich gerne Ihren Zauberstab!" Er erwartete, dass Hermione zu ihm kommen und ihm ihren Zauberstab geben würde, doch den Gefallen tat sie ihm nicht. Sie blieb ruhig stehen und wartete ab, was passieren würde.
Accio Grangers Zauberstab!", bellte Snape da auch schon, doch sie war vorbereitet und umklammerte ihn fest, sodass er ihren Händen nicht entwischte.
„Miss Granger!"
„Ja, Professor?"
„Haben Sie die Absicht, sich mit mir anzulegen?"
„Abgesehen davon, dass ich das schon das ganze Schuljahr über tue, eine Frage: inwiefern?"
In Gedanken an Legilimentik verschloss sie ihren Geist, verbannte alles aus ihrem Kopf und sah ihm nicht in die Augen, wie sie es in den letzten Tagen wieder und wieder geübt hatte. Mittlerweile kannte sie Snape gut genug um zu wissen, wann er am Ende seiner Geduld angelangt war, und entweder er hatte seine Körperbeherrschung perfektioniert oder er war wirklich überhaupt nicht wütend.
Seine Augen verengten sich. Sie fragte nicht nach dem Grund, doch offenbar war er nicht gerade glücklich darüber, dass sie Okklumentik beherrschte...

„Miss Granger, ich bin wieder blind noch blöd, ich weiß sehr wohl von Ihrer Wette mit Miss Weasley."
„Ach Du scheiße!", rutschte es Hermione raus.
„Ich bitte Sie, die Sache mit der Okklumentik hätten Sie sich überlegen sollen, bevor sie mich mit Ihren auffälligen Blicken direkt an Ihrem ersten Abend geradezu angebettelt haben, in Ihren Gedächtnissen nach dem Grund dafür zu suchen."
Hermione war unfähig, irgendeinen Laut von sich zu geben, schlichtweg sprachlos. Panik breitete sich in ihrem ganzen Körper aus, jede Faser war angespannt und das Atmen fiel ihr schwer.
„Und da ich auch die Bedingungen der Geheimhaltung kenne", fuhr Snape ungerührt fort, „könnte ich mich einigermaßen ruhigen Gewissens auf eine von Ihnen einlassen. Aber sagen Sie mir, Miss Granger, was in Merlins Namen lässt Sie beide glauben, dass ich so etwas je tun würde?"
Mit jedem seiner Worte war seine Stimme leiser geworden, doch es war unmöglich zu sagen, ob drohender oder... verführerischer? „Dass ich Ihnen helfen würde, an Potter ranzukommen?"

Völlig planlos, was sie nun tun sollte, und obwohl die Tür des Klassenzimmers zu war und sie daher wenig Erfolgschancen haben würde, folgte Hermione ihrem Fluchtinstinkt. Sie drehte sich auf dem Absatz um und wollte losrennen, doch mit zwei großen Schritten war er blitzschnell bei ihr, packte sie am Arm und drängte sie an die Wand. Alles ging zu schnell, als dass sie es hätte realisieren können.
Sie spürte, wie sie mit dem Rücken gegen kalten Stein gedrückt wurde, doch es machte ihr nichts aus. Eine Hand wanderte von ihrem Bauch nach oben, nicht ohne eine Spur über ihren Arm zu ziehen und dort eine Gänsehaut zu hinterlassen. An Hermiones Schulter angelangt, strich sie dicke Locken nach hinten und hielt sie dort fest. Snapes heißer, schneller Atem streichelte so sanft die empfindliche Haut ihres Nackens, dass sie ihren eigenen Atem kaum noch kontrollieren konnte.
Seine Lippen streiften kurz ihren Hals, wie zufällig, und Hermione konnte ein enttäuschtes Stöhnen über den Kontaktverlust nicht unterdrücken, als sie die Lippen bereits an ihrem Dekolleté spürte, wo sie einen Kuss hinterließen und sich erneut von ihr lösten.

Hermione registrierte erst, dass sie die Augen genüsslich geschlossen hatte, als einen Moment lang nichts passierte. Sie riss sie auf und sah in das Gesicht von Severus Snape. Sie konnte Unsicherheit darin lesen; der Ausdruck darauf war verletzlich und doch voller Leidenschaft. Sein Körper, der zuvor gegen ihren gepresst gewesen war, entfernte sich wenige Zentimeter und sie bemerkte, dass er sie längst nicht mehr festhielt. Eine Hand war zum Kragen ihrer Robe gewandert, hatte jedoch keinen Knopf davon geöffnet.

Sie begriff, dass er auf ihre Erlaubnis wartete und wusste, wo ihr gemeinsames Tun unweigerlich hinführen würde, wenn sie sie ihm gewähren würde. Sie hatte es in der Hand, diese Sache zu stoppen, und vielleicht gäbe es viele gute Gründe, das zu tun. Doch ihr Herz, das ihr bis zum Hals schlug, ihr vor Verlangen zitternder Körper, ihre Sehnsucht danach, endlich diese Lippen zu küssen, diese Hände auf ihrer Haut zu spüren, in diesen schwarzen Augen zu ertrinken und das Kribbeln, das sich in ihrem Unterleib ausbreitete, all das verriet sie.
Sie nickte stumm, doch noch immer zögerte er; er war nicht überzeugt. Sie ergriff die Initiative, umschloss sein Gesicht mit ihren Händen und zog ihn an sich. Endlich spürte sie, wie Snape begann, die Knöpfe zu öffnen, während sich ein Bein zwischen ihre Oberschenkel drängte, und ein Stöhnen entwich ihr, als ihre Lippen sich endlich trafen.

„Hier... ungemütlich... warte... meine Räume!" Die Worte kamen abgehackt aus seinem Mund, und die junge Frau brachte erneut nur ein Nicken zustande, als sie seine Hand ergriff und ihm durch ein dunkles Labyrinth folgte. Sie bekam kaum mit, wie er ein Passwort flüsterte und sie hinter sich her in seine Räume und die Robe von ihren Schultern zog. Er hob sie von den Füßen, trug sie zu seinem Bett und legte sie hinein, kniete sich über sie, war überall.

Hermione war gerade dabei, ihre Wette zu gewinnen – und damit auch Harry. Doch das war ihr vollkommen egal, denn in diesem Moment wusste sie nicht mehr, wie ihr geschah; nur der schwarze Mann über ihr zählte.

~x~


Am anderen Ende des Schlosses saß Ginny ruhelos am Schreibtisch ihres Schlafsaals. Bereits beim Quidditchtraining hatte sie sich kaum konzentrieren können und viel zu oft den Quaffel verloren, weil der Gedanke an Hermione und ihre Nachhilfesitzung sie nicht losgelassen hatte. Sie starrte auf das Blatt Pergament, den magischen Vertrag, der die Wette besiegelt hatte, und schreckte auf, als darauf erneut bunte Kugeln auftauchten, die eine Weile tanzten und anschließend explodierten. Die Rothaarige konnte einen Freudenschrei nur schwer unterdrücken und schlug beide Fäuste in Siegesmanier auf den Tisch. Das mulmige Gefühl, das sich in ihrer Magengegend ausbreitete, ließ sie erst zu, als sie sich zehn Minuten später in ihr Bett kuschelte. Als Team hatten sie gewonnen, doch sie war die Verliererin des Teams – und des Wetteinsatzes.

~x~


Alles war so hell.

Hermiones Gesicht fühlte sich beinahe drückend warm an. Sie hatte keinen Schimmer, wann sie gegangen war. Ihr Kopf dröhnte und alles in ihr pochte, ihr ganzer Körper stand noch immer unter Spannung. Es konnte unmöglich mehr als drei Stunden her sein, dass sie in ihr Bett gekrochen und sofort eingeschlafen war. Wieso war sie schon wieder wach?
Widerwillig und ganz langsam öffnete die junge Hexe die Augen, schloss sie jedoch sofort wieder. Die Licht- und Wärmequelle, die sie geweckt hatte, stand hoch draußen am Himmel vorm Fenster und warf einen ihrer sommerlichen Strahlen direkt auf das Kopfende von Hermiones Bett.

Was war so komisch an diesem Morgen?

Langsam kam die Erinnerung hoch. Sie hatte eine Wette gewonnen. Nicht irgendeine, nein, sie hatte Harry gewonnen. Und zwar – sie keuchte kurz auf, als sie ein Kribbeln im Bauch spürte, das sich in alle Richtungen ausbreitete – dadurch, dass sie einen Lehrer verführt hatte. Oder hatte letztendlich nicht vielmehr sie sich verführen lassen?

Harry. Sie konnte sich jetzt völlig frei fühlen, mit Harry auszugehen. Sie versuchte die Zweifel zu unterdrücken, die schleichend in ihr aufstiegen; Zweifel, ob sie wirklich mit ihm zusammen sein wollte. Doch, natürlich wollte sie das, sie fragte sich nur, ob Harry wohl das mit ihr machen könnte, das Severus Snape mit ihr angestellt hatte... das, was sie so verrückt gemacht hatte.
Sie blinzelte, sodass ihre Augen sich an die Helligkeit gewöhnen konnten. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es bereits kurz vor zehn war, doch Ginny schlummerte im Bett gegenüber noch friedlich. Hermione machte keine Anstalten, die Freundin zu wecken, sondern genoss die morgendliche Stille und die Zeit, die sie für sich hatte. Wenn die Rothaarige aufwachte, würde diese Zeit gewiss vorbei sein.

„MIONE!"
Der heisere Aufschrei ließ Hermione hochschrecken. Sie saß aufrecht im Bett, doch ihre Gedanken waren so weit abgeschweift, dass sie nicht bemerkt hatte, wie Ginny sich in den Laken geräkelt und schließlich die Augen weit aufgerissen hatte.
„Wie lange warst Du wach?", fragte die Ältere.
„Lange genug!" Ginny deutete zwinkernd auf das Blatt Pergament, auf dem nun in kleinen Buchstaben am rechten unteren Rand Hermiones Initialen standen. „Also raus damit!", drängte sie. Der Schlafsaal schien allein unter Ginnys Aufregung zu erzittern, die ganze Schule musste den Atem anhalten, so still war es in diesem Moment, in dem Hermione beinahe verzweifelt um Worte rang.
„Ja, ich – ich hab's geschafft! Oh mein Gott, Ginny, ich habe mit-!" Sie brach verlegen lachend ab.
„Und wie war's? Wie war er?"
„Es war... schön", antwortete Hermione wage.
„Ach, Maus, jetzt rede schon!"
Schließlich gab sich Hermione geschlagen. „Okay, es war... ich finde kein Wort, das dazu passt. Unbeschreiblich; ich... wow! Der Mann weiß, was er tut."
Ginny riss die Augen weit auf und schien nicht zu wissen, was sie zu dieser Offenbarung sagen sollte. Als Hermione es bemerkte und ihr klar wurde, was sie gerade gesagt hatte, errötete sie unter dem durchdringenden Blick der Jüngeren. Einen Moment lang sprach keine von beiden.
„Gut", durchbrach Ginny die unerträgliche Stille, „dann – dann versuchst Du jetzt also Dein Glück mit Harry."
Ein Hauch von Traurigkeit lag in ihrer Stimme, doch sie hielt dem Blick ihrer Freundin stand. Diese konnte den Anblick nicht ertragen, war mit drei großen Schritten an Ginnys Bett angelangt und schloss diese wortlos in die Arme.

„Hermione, es ist okay. Ich habe gewusst, worauf ich mich bei dieser Wette einlasse, sowohl, dass die Aufgabe schwierig sein würde, als auch, dass ich starke Konkurrenz habe. Ach nein, Konkurrentinnen waren wir ja keine. Trotzdem, eine von uns musste es schaffen, und eine von uns hat es geschafft."
Sie brachte ein Lächeln zustande und Hermione fiel ein Stein vom Herzen.
„Komm schon, geh zu ihm!", fuhr Ginny etwas munterer fort.
„Jetzt sofort, meinst Du?"
„Wann denn sonst, na los, ab ins Bad mit Dir!"

~x~


Leise klopfte Hermione an Harrys Tür.
„Herein", rief er, und sie trat ein.
Der Dunkelhaarige war allein im Schlafsaal, er saß auf seinem Bett und blätterte offenbar in einem von Rons zahlreichen Quidditchheften. Sie hatte sich noch keine Gedanken darüber gemacht, was sie jetzt tun sollte, war einfach mit leerem Kopf von ihrem Schlafsaal in den des Freundes gelaufen. Sie würde improvisieren. Es dem Zufall überlassen.
„Ähm, Harry...", begann sie, ohne die leiseste Ahnung zu haben, was sie eigentlich sagen sollte.
„Hi, Mione!", antwortete er fröhlich.
„Ja. Hi", druckste sie herum, wusste sich jedoch nicht zu helfen und stolzierte kurzerhand auf sein Bett zu, warf ihn sanft nach hinten, beugte sich über ihn und küsste ihn. Seine Überraschung war offensichtlich, doch nach wenigen Sekunden erwiderte er den Kuss.

Hermione kam nicht umhin zu denken, dass er ganz anders war als die Küsse mit Snape. Die waren leidenschaftlicher gewesen, sie hatte gebebt vor Erregung, ihr Gehirn hatte ihr alle Dienste verweigert; doch jetzt spürte sie nichts. Gar nichts.
Erschüttert beendete sie die ganze Sache, stand auf, warf Harry einen undefinierbaren Blick zu und stürmte so schnell sie konnte hinaus. Die Treppe hinunter, durch den Gemeinschaftsraum, das Portrait, verlassene Treppen hinunter, durch die Eingangshalle. Dort stolperte sie fast über ihre eigenen Füße und spürte einen Moment den Drang, stehenzubleiben: Snape stand an der Treppe zu den Kerkern und beobachtete sie, nicht ohne ein spöttisches Lächeln. Wahrscheinlich wusste er genau, was in ihr vorging, vielleicht sogar besser als sie selbst.
Sie zwang sich, nicht auf ihn zuzugehen, sondern durch das Portal weiterzurennen, ohne sich noch einmal umzusehen.

Erst an einer verborgenen Stelle am Schwarzen See, die von hohen, dichten Sträuchern bewachsen war, hielt sie inne und zückte ihren Zauberstab. Mit einem Schwenker gab sich ihr inmitten eines besonders dornigen Brombeerstrauches ein kleiner Durchgang frei. Durch Zufall hatte sie diesen in ihrem vierten Jahr entdeckt und niemandem davon erzählt; der Ort war ihre Zufluchtsstätte geworden, wenn sie vor allem und jedem Ruhe brauchte, doch sie hatte ihn schon lange nicht mehr aufgesucht. Sie trat durch den schmalen Gang und fand sich sogleich in einer kleinen Nische wieder, kaum größer als eine Besenkammer. Der Strauch um sie herum war von innen nicht mehr grün, sondern silbrig glitzernd und durchsichtig. Sie setzte sich auf den warmen Boden und sah auf den See hinaus, der durch das Silber der Äste gleich noch magischer aussah.
Hermione zog die Beine an und schlang die Arme um ihre Knie. Ohne dass sie es hätte verhindern können oder wollen, kamen ihr die Tränen, rannen ihr sanft übers Gesicht, wie um sie zu streicheln. Sie machte sich nicht die Mühe, sie wegzuwischen. Sie hatte es verdient, sich schlecht zu fühlen.

Was hatte sie getan? Sie ließ den vergangenen Tag Revue passieren. Sie hatte mit Severus Snape, seines Zeichens Meister der Zaubertränke und damit ihr Lehrer, geschlafen, um Harry zu gewinnen. Das allein klang absurd genug, und tatsächlich war es das auch. Dann hatte sie ohne eine Vorwarnung oder Erklärung Harry geküsst, nichts dabei empfunden und war dann, wiederum ohne Vorwarnung oder Erklärung, wieder verschwunden.
Ja, sie hatte sich erfolgreich in etwas verstrickt, aus dem sie so einfach nicht wieder rauskommen würde. Wo war bloß ihr gesunder Menschenverstand gewesen in der Nacht, in der sie mit Ginny diese Wette abgeschlossen hatte? Wäre es nicht logisch gewesen, zuerst vorausschauend an die Konsequenzen zu denken und zum Schluss zu kommen, dass diese Aktion nur im Chaos enden konnte?

Hermione Granger. Ratlos.
Immer wieder ertappte sie sich bei dem Gedanken an Snape. Gedanken, die ihr in dieser Situation nun wirklich nicht halfen; an seinen Körper, der ihren streifte und seine Hände, die genau wussten, was sie zu tun hatten; seine Lippen und seine Haut, die weicher waren als sie aussahen; seine Art, ihre widerspenstigen Locken aus ihrer beider Gesichter zu streifen; sein verlangender Blick, als er sie leidenschaftlich geküsst hatte... Fast widerwillig wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht, schloss die Augen und gab sich der Erinnerung hin.

„Jaah, das war schön, nicht wahr?"
Seine seidige Stimme ließ sie erschaudern, die feinen Härchen in ihrem Nacken stellten sich auf und ihre Lippen formten unwillkürlich ein leichtes Lächeln. Ja, er hatte recht, das war schön gewesen...
Es dauerte fast eine ganze Minute, bis Hermione schockiert die Augen aufriss. Diese Worte entstammten keiner Erinnerung. Ohne sich umzudrehen war sie sich sicher, dass Snape zumindest innerlich lachte. Sie wusste, dass der Versuch, ihren Geist jetzt noch zu verschließen, sinnlos sein würde, es würde ihr nicht gelingen. Er hatte ohnehin genug gesehen, und das ganz ohne ihr in die Augen zu schauen; die emotionale Verbindung zwischen ihnen reichte offenbar vollkommen aus.

Ohne ihre Position zu verändern fauchte sie: „Hätten Sie die Güte damit aufzuhören, mich ständig zu bespitzeln, Professor? Mit Legilimentik, meine ich."
„Anders darf ich Sie bespitzeln, aber nicht mit Legilimentik?"
„Bitte", entfuhr es ihr.
„Ihre Prioritätensetzung bezüglich Okklumentik ist ähnlich besorgniserregend wie Potters es war. Nur dass ich Potter nicht anderweitig bespitzelt habe."

Diesmal hob Hermione den Kopf und sah sich um. Snapes Mundwinkel waren zu einem schiefen, aber eindeutig schuldbewussten Lächeln verzogen. Kurz entschlossen streckte sie die Hand in seine Richtung aus und nach kurzem Zögern überbrückte er die fehlenden Zentimeter zwischen ihnen, ergriff sie und zog Hermione schwungvoll auf die Beine. Die Berührung elektrisierte sie, sie verlor fast das Gleichgewicht und torkelte gegen Snapes Oberkörper. Der Professor hatte ihr reflexartig den Arm um den Rücken gelegt und sie sanft an sich gepresst. Keiner von beiden regte sich, und obwohl sie anhand der verkrampften Haltung bereits ahnen konnte, was sie dort sehen würde, hob die junge Frau erneut den Kopf. Tatsächlich spiegelte sich in den schwarzen Augen des Tränkemeisters derselbe innere Kampf wider, der auch in ihr tobte: Vernunft gegen Leidenschaft.

Hermiones Leidenschaft gewann die Überhand und sie schlang kurzerhand beide Arme um den starken Oberkörper, der ihr Halt gab. Obwohl sie sich auf die Zehenspitzen stellte, konnte sie Snapes Gesicht nicht erreichen, und so wartete sie nervös ab, ob er auf ihr Angebot eingehen würde. Sie hielt den Atem an und ihr Gehirn schaltete auf Standby, als er den Kopf neigte und sich zu ihr hinunter beugte.

~x~